schreckenberglebt: Zwangsarbeit? Im Ernst?

Leute, egal wie ihr zu Dienspflicht, Wehrpflicht, verpflichtendem Sozialen Jahr etc. steht – können wir uns bitte, bitte, darauf einigen, das nicht als ZWANGSARBEIT zu bezeichnen? Begriffe haben eine Geschichte, daher ist es sehr problematisch, gerade im Deutschen, etwas als Zwangsarbeit zu bezeichnen, nur weil es eine Arbeit ist, zu der man gezwungen wird. Im Moment benutzen gerade Menschen die sich politisch eher nicht rechts oder konservativ einordnen diesen durch die Nazizeit eindeutig geprägten Begriff als Kampfbegriff, um in einer politischen Diskussion innerhalb eines demokratischen Systems Punkte zu machen. Wenn ihr den Weg gehen wollt, dann beschwert Euch bitte auch nicht mehr, wenn AfD und Konsorten mal wieder Begriffsverdrehung betreiben.

Ich war 1990/91 bei der Bundeswehr, ich war tauglich, konnte mir daher nicht aussuchen, OB ich etwas mache, weil Wehr- oder Zivildienst verpflichtend war. Ich wurde also dazu gezwungen. Damals lebten noch sehr viele Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus der Nazizeit. Und vorletzte Woche habe ich im Rahmen einer Recherche mit der Tochter eines tschechischen Zwangsarbeiters gesprochen. Ich wäre mir vor 27 Jahren ebenso wie vor 14 Tagen verdammt schäbbig vorgekommen, wenn ich mich wegen des einen Jahres Bundi als ehemaligen Zwangsarbeiter bezeichnet hätte.

 

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Über Mountfright

Autor und Öffentlichkeitsarbeiter, Mann und Vater, Leser und Filmfreak. Kindheit in den 1970ern, weswegen mich bis heute seltsame Musik mit Ohrwürmern plagt. Aufgewachsen in den 80er Jahren, einem Jahrzehnt, das nicht halb so grau war, wie die anderen glauben. Erste Kurzgeschichte mit 13, erster echter Romanversuch (nach pubertären Ausfällen) mit 17, die nachfolgende Schreibblockade habe ich mir mit Songtexten für die Kölner Psychobillyband "Boozehounds" vertrieben. Danach ging es wieder: Erster lesenswerter Roman mit 26, seither nicht mehr aufgehört.
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