schreckenbergzeigt: Von Rasierern

Wer diesen Blog verfolgt weiß, dass ich mich mit einem Rasiermesser rasiere. Ich nutze also die Produkte der Firma Gilette in der Regel nicht und habe keine Meinung zu ihrer Qualität. Der Grund, warum ich diesen Beitrag von Sarah reblogge ist, dass ich völlig entzückt von der Aussage des Imagespots bin. Und einmal mehr ermüdet von den Männlein, die ein Problem mit ihm haben.

Der Guppy war's und nicht die Lerche

Wer hätte gedacht, dass ich einmal komplett entzückt von einer Gikettewerbunf bin? Anscheinend kriegt der spot auf social media enormen Gegenwind von Männern, dir sich angegriffen fühlen. Meine Fresse.

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schreckenbergzeigt: Aber sie hat nicht „nein“ gesagt.

Und weiter im Thema. Diesmal mit Sarahs sehr berechtigtem Wutausbruch. Mein Kommentar dazu, hier nochmal:

Vergewaltigung AUS VERSEHEN… Jesus Christ…

Okay, liebe Mitmänner, es gibt zwei ganz einfache Methoden, eine versehentliche Vergewaltigung zu verhindern:

Methode 1
Wenn Ihr zu den Leuten gehört, die an Vergewaltigung aus Versehen glauben, entsagt vorsichtshalber jedem sexuellen Kontakt zu anderen Menschen, egal welchen Geschlechts. Schaut Euch stattdessen Eure rechte Hand an. Ist sie nicht schön? Und war sie nicht immer gut zu Euch? Ist die Liebe nicht am Schönsten mit jemandem, den man gut kennt? Und wenn Eure Beziehung dann reich und gefestigt ist… wie ist es mit der linken Hand? Vielleicht könntet ihr zu dritt … Nur: KEINE MENSCHEN! Better safe than sorry.

Methode 2
Wenn Methode 1 nichts für Euch ist, stellt Euch bei jedem Flirt, Date, sonstwas vor, dass ihr in einer Welt lebt, in der Männer 1,30 Meter groß und 40 Kilo schwer, die Frauen aber 2,00 Meter groß und 100 Kilo schwer sind. Starker Sexualdimorphismus ist jetzt nicht soooooo selten im Tierreich. Googelt mal Anglerfische. Also: Alles, was ihr in DIESER Welt zu einer Frau sagt, mit ihr tut, Euch herausnehmt dürft ihr auch in unserer Welt tun. Sonst nichts. Ganz einfach.

Versehentliche Vergewaltigung. Ich kotze.

Der Guppy war's und nicht die Lerche

Darf ich mich mal wieder kurz aufregen? Darf ich?

Wurscht, is mein Blog, also logisch darf ich.

Eine Bekannte hat mir heute von einem Dialog erzählt, den sie neulich zwischen ein paar Männern mitbekommen hat. Es ging darum um die äußerst komplizierte Frage, was denn heutzutage nun schon alles eine Vergewaltigung ist und – „Wenn sie es nicht will, dann soll sie halt Nein sagen!“ Denn wenn sie nicht nein sagt, dann ist sie halt selber Schuld.

Ahh… der gute alte „yes until no“-Ansatz, den ich auch wirklich für eine exzellente Idee halte. Also zumindest dann, wenn ihr wirklich jemanden aus Versehen vergewaltigen wollt, Burschen. Ansonsten ist er eine grotesk beschissene Idee.

Zuerst einmal gibt es die Möglichkeit, dass das Mädel im Moment gar nicht Nein sagen KANN. Ein paar davon wären:

  • weil sie zu betrunken oder anderweitig durch Substanzen beeinträchtigt ist

  • weil sie Angst hat und nicht sicher ist…

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schreckenbergschreibt: Kunst darf alles! Künstler nicht.

Frohes Neues Jahr in die Runde.

Kevin Spacey ist leider durchgedreht. Offenbar ist er unter dem Druck, der auf ihm lastet, gebrochen. Self inflicted pain. Ausdruck dieses Zusammenbruchs ist ein ziemliches Gaga-Video, das er an Heiligabend veröffentlichte. Ich will hier gar nicht auf den Fall Spacey selbst eingehen, sondern auf zwei Aspekte dieses seltsamen Textes, den er im Stil einer echten Macho-Heulsuse vorträgt:

1.) Nein, Mr. Spacey, den Charakter des Frank Underwood verdanken wir nicht Ihnen. Den haben wir Michael Dobbs, Andrew Davies, Beau Willimon, und einer ganzen Reihe anderer Autorinnen und Autoren zu verdanken. Sie erinnern sich? Das sind die Leute, die die Drehbücher schreiben, in denen Sie die Figuren finden, die Sie dann entsprechend diesen Drehbüchern spielen. Wird gerne verwechselt, aber um mal den Ductus des Videos aufzunehmen: Sie, Mr. Spacey, sind doch zu intelligent, diesen Fehler auch zu machen, hm?

2.) Künstler müssen Grenzen überschreiten! Künstler müssen Tabus brechen! Künstler dürfen sich nicht sagen lassen, was sie dürfen und was nicht!

Ja, alles richtig – aber bezogen auf die KUNST! Wer sich als Künstlerin oder Künstler durch Tabus einschränken lässt, wer nicht bereit ist, Grenzen zu überschreiten, welcher Art auch immer wird letztlich kleiner bleiben, als er oder sie ist. Wer mit der Schere im Kopf arbeitet, der wird sich nie entfalten können, nie das erreichen, was erreichbar ist, nie das ganze Land erforschen, das zu kartieren seine oder ihre Lebensaufgabe ist. Das beinhaltet natürlich die Gefahr des Scheiterns. Ich trage mich seit mehreren Jahren mit den Gedanken an eine Geschichte, die eventuell zu groß für mich ist. Da geht es nicht um gesellschaftliche Grenzen und Tabus, nicht in erster Linie, jedenfalls. Es ist eine Geschichte über eine Naturgewalt, Zeit und die Wirklichkeit an sich. Es kann sein, dass ich an ihr scheitere. Aber ich darf mich ihr nicht verweigern.

Doch das betrifft natürlich in besonderem Maße gesellschaftliche Tabus und Reizthemen. Ich habe ein paar davon in meinen Geschichten berührt (nicht ausgelotet). Und natürlich ist es erlaubt, sich zum Beispiel des Themas der sexualisierten Gewalt anzunehmen. Man kann daran scheitern, und dann ist das Ergebnis meist auf mehreren Ebenen füchterlich. Aber der Versuch, die Aufgabe zu bewältigen ist, wenn der Künstler oder die Künstlerin die Notwendigkeit spürt, eben genau das: notwendig.

Das bedeutet aber eben nicht – und deshalb der Schlenker zur sexualisierten Gewalt – dass man diese Grenzüberschreitung außerhalb der Kunst irgendwem aufzwingen muss. Diese widerliche Ausrede, mit der Künstler (in dem Falle wirklich meist Männer) seit Jahr und Tag kommen, wenn sie jemanden sexuell genötig oder missbraucht, verprügelt oder totgefahren haben, ist eine verdammte Lüge. Jemanden zu vergewaltigen ist kein Zeichen einer reichen inneren Welt, die nach Außen drängt. Jemanden zusammenzuschlagen ist nicht der Ausdruck einer Suche nach Grenzerfahrungen. Wäre es das, würde man ebensooft, wie man von Künstlern hört, die ihre Macht egozentrisch missbrauchen, von solchen hören, die eine Horde Hooligans provozieren und dann kämpfend untergehen. Hört man nur irgendwie nie. Die Kunst vorzuschieben, wenn man im Grunde nur einfach mal die Sau rauslassen will, ist ein erbärmlicher Täuschungsversuch, der Gott sei Dank immer öfter nicht mehr funktioniert. Da ist selbst der besoffene Schläger ehrlicher, der seinen Alkoholpegel als Entschuldigung vorschiebt. Das ist auch erbärmlich, aber immerhin war er wirklich besoffen.

Aber ist es nicht so, dass Menschen, die in mehreren Welten leben, tatsächlich auch die Erfahrungen, die sie in der einen (der Inneren) machen auch in die Äußere tragen müssen, weil sie eben Teil ihrer Persönlichkeit sind? Bedeutet das nicht, auch im Hier und Jetzt zuweilen den Exzess zu suchen? Ja, schon. Würde ich jedenfalls sagen, ich will aber niemandem, der diesen Drang nicht spürt, das Künstlertum absprechen. Ist sehr individuell, denke ich. Und was das jeweils bedeutet ist auch individuell. Aber was immer man damit meint – das alles ist in geschützten Räumen, unter Beachtung aller Risiken und im Konsens mit allen anderen Beteiligten möglich.

Kein Künstler und keine Künstlerin hat das Rech, den heiligen (ja, echt!) Namen der Kunst zu missbrauchen, um den eigenen Mangel an Empathie und Selbstkontrolle zu rechtfertigen. Das ist, neben allem anderen, Verrat an der Kunst.


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schreckenberglebt: Alle Jahre wieder

Frohe Weihnachten Euch allen! 🙂

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schreckenbergschreibt: Fiktion und Wahrheit

Nur ein paar kurze Worte zum Fall Relotius (den der SPIEGEL übrigens, wie ich finde, in beispielhafter Transparenz offen legt):

All die, die jetzt sagen: „Na, dann soll er eben Fiktion schreiben, wenn er das so gut kann“, haben wenig Ahnung davon, wie ein(e) Autor(in) fiktionaler Texte arbeitet, der/die seine/ihre Arbeit ernst nimmt. Stichwort Recherche. Wir schreiben unsere Fiktionen so nah wie möglich an der Wahrheit, um eben wahrhaftig zu bleiben, weil eben nicht alles beliebig ist. Selbst von einem Fantasyautor, dessen Hauptfigur ein Waffenschmied ist, erwarte ich, dass er sich mit dem Schmiedehandwerk auseinandersetzt, um keinen Mist zu schreiben. Wenn wir nicht in der Fiktion – und mag sie auch noch so phantastisch sein – wahrhaftig sind, dann geraten unsere Geschichten zu schönen Lügen und Gespinsten.

Relotius hat das Gegenteil getan. Er war in der angeblichen Schilderung der Wirklichkeit unwahrhaftig. Bei dem Talent, dass er offenbar hat, wäre es sicher klüger gewesen, wenn er fiktionale Texte geschrieben hätte. Aber ich vermute, das ließ sein Ego nicht zu. Dass er aber gelogen hat, das macht ihn nicht zu einem von uns Autoren fiktionaler Texte. Das macht ihn nur zu etwas, was auch wir nicht sein wollen: zu einem Lügner.

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schreckenberglebt: Was sie uns fragen werden

Es wäre einfach, die Gelbwestenproteste in Frankreich (und die wachsende Sympathie dafür in Deutschland) einfach zu verdammen. Menschen die Straßenschlachten entfachen, weil der Sprit zu teuer ist? Wie dumm kann man sein? Nein, so einfach ist es nicht. Wir sprechen hier zum Teil von Menschen, die tatsächlich – auch aufgrund ihrer Armut, so widersprüchlich das sein mag – auf ihr altes Auto angewiesen sind. Und für die ein paar Cent pro Tankfüllung wirklich ein Problem sind. Einerseits.

Andererseits gibt es, da bin ich sicher, mittel- und langfristig nur zwei große Entwicklungen, die unsere Gesellschaften vor echte (!) Herausforderungen stellen werden. Und das sind nicht Islamisierung oder die Erosion der Volksparteien oder die Frage, ob die Bundesliga Montags spielt. Migration könnte eine Herausforderung werden, aber nur in Zusammenhang mit den beiden echten Herausforderungen: Klimakatastrophe und Automatisierung.

Ich wollte zu dem Thema einen längeren Beitrag schreiben, hier nur soviel:

Unsere Enkel und Urenkel werden uns die selbe Frage stellen, die die Generation unerer Eltern und Großeltern an die Menschen gerichtet hat, die 1933 erwachsen war:

„Wie konntet Ihr nur?“

Sie werden von uns wissen wollen, wie wir sehenden Auges in den Klimawandel rasen konnten, warum wir es gewagt haben, allen, die das Steuer herumreißen wollten in den Arm zu fallen, zu vertrösten, zu verzögern, zu verhindern (1). Und sie werden es voller Zorn, Hass, Verachtung fragen. Denn das ist, was sie für unsere Generation empfinden werden, wenn es um dieses Thema geht. Sie werden nicht differenzieren. Für sie werden wir eine Generation von Verbrechern sein.

Viele stellen sich bei der Formulierung „Unsere Enkel werden uns fragen“ gerne Kinder oder Jugendliche vor, die sie liebevoll-verständnislos ansehen. Niemand denkt an einen wütenden Mob, der alte Leute auf der Straße angeht. Aber wenn die Menschen nicht in den nächsten 30 bis 50 Jahren zu edleren Kreaturen mutieren als sie es heute sind (und warum sollten sie), ist das das realistischere Bild. Und nein, sie werden nicht differenzieren. Und nein, das Internet vergisst nicht. Und ja, sie werden mit großem Interesse recherchieren, wer damals was gesagt hat.

Wer heute bei Klimathemen eine „was geht mich das an, das ist noch weit in der Zukunft“-Haltung hat sollte sich vielleicht fragen, wie lustig es ist,  durch die Straßen gejagt zu werden, wenn man auf den Rollator angewiesen ist.

Oder wir könnten eben versuchen das Steuer doch noch herumzureißen. Und nicht gegen höhere Benzinpreise demonstrieren, so verständlich das aus heutiger Sicht sein mag, sondern für klimafreundliche Antriebe, einen kostenlosen öffentlichen Nahverkehr und ein bedingungsloses Grundeinkommen. Und wenn es nur ist, damit wir eine Antwort haben, die wir dem Mob entgegenschreien können, in der Hoffnung, dass er zuhört.

(1) Nein, nach der Automatisierung werden sie uns in diesem Sinne nicht fragen, nur die Weinerlichen werden das tun. Aber insgesamt werden sie Leute, die auf ihren Papa gehört haben und Chirurg geworden sind, ebenso belächeln wie wir es heute mit jungen Bergleuten tun.

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schreckenberglauscht: tenThing und das partly peinliche Publikum

Nur ein kurzer Eintrag, eine kleine persönliche Anmerkung bevor ich mich (im Dezember hoffentlich öfter) meinen üblichen Blogthemen widme, als da sind das Leben als Autor, das Schreiben an sich, peinliche Geschlechtsgenossen, Kampfkunst, Politik, Whisky… whatsoever.

Heute Abend hatte ich die große Freude, mich in Gemeinschaft und auf Initiative der Holden Herrin in der Kölner Philharmonie von Tine Thing Helseth und tenThing auf die kommende Weihnachtszeit einstimmen zu lassen. Es war ein sehr, sehr schönes Konzert bewundernswerter Künstlerinnen, und das sage ich, der ich jetzt nicht an allervorderster Front der Freunde der Blechblasmusik stehe. Aber es ist einfach schön, Menschen, die ihre Kunst virtuos beherrschen und sichtlich Spaß an der kreativen Arbeit haben, dabei zuzuhören. Was ein schöner Abend. Tausend Dank an die Künstlerinnen! Thank you so very much, Tine and tenThing, for this beautiful evening.

Tja… und dann kommt der Schlussapplaus, ein langer, wohlverdienter Schlussapplaus und IN DIESEN SCHLUSSAPPLAUS HINEIN stehen die ersten auf und verlassen den Saal. Und ich rede hier nicht von ein paar wenigen, denen es vielleicht nicht gefallen hat oder die unbedingt in 10 Minuten ihren Zug nach Hause ins Ostwestfälische erwischen müssen, oder so. Ich rede von geschätzt 10 bis 20 Prozent des Publikums.

Was für eine Unsitte, was für eine Peinlichkeit, was für eine verdammte Respektlosigkeit den zehn Frauen gegenüber, die sich da unten zwei Stunden lang angestrengt und konzentriert haben (von Proben etc. rede ich jetzt mal gar nicht), um uns einen schönen Abend zu bereiten. Die Damen waren auch sichtbar konsterniert, als sie zur Zugabe noch einmal raus kamen und die Abwandernden sahen. Was soll das? Warum tut man sowas? Ist es so fucking wichtig, der Erste an der Garderobe oder im Parkhaus zu sein? Die Karten waren teuer. Und zurecht waren sie es. Aber warum kaufe ich mir so eine teure Karte, wenn ich dann die Leistung der Künstlerinnen nicht achte und ihnen nicht mal soviel Respekt entgegenbringe, dass ich bleibe bis sie den Abend beendet haben und ihr wohlverdienter Applaus zu Ende ist. Peinlich.


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schreckenberglebt: Jammernde Männer – Teil 1

Okay, gut, es reicht. Seit Monaten, eigentlich seit Beginn der MeToo-Debatte trage ich mich mit der Absicht, mal was zum Thema „Gejammer verunsicherter Männlein“ zu schreiben, und immer wieder schiebe ich es vor mir her, vornehmlich weil meine Geschlechtsgenossen mich so nerven, mit ihrem Geheule und Gezeter von „was darf man noch“ und „wo kann man noch Mann sein“ und all dem Mist. Gerade diese Typen, die ihr ganzes Selbstbewußtsein und/oder den Großteil ihrer Identität daraus ziehen, MANN zu sein (vielleicht auch DEUTSCHER MANN, aber die finden sich nicht in meinem sozialen Nahbereich) sind so schrecklich verunsichert. Plötzlich wollen Frauen mit Respekt behandelt werden? Sie wollen nicht angegrabscht, belästigt und mit herabsetzenden Kommentaren auf ihre Sexualität reduziert werden? Wollen, wie es eine Bekannte neulich bei Facebook schrieb (und dafür gleich wieder viel Gejammer und Whataboutism erntete), als Mensch behandelt werden und nicht als Frau? Uääääh, was darf man denn noch? Darf ich kein Mann mehr sein? Boys will be Boys?

Gott wie mir dieses Gejammer auf den Geist geht. Hört auf zu heulen, verdammt.

Und dann kommt so ein Artikel in der Zeit:

(Edit: Ich sehe gerade, der Artikel ist von 2016. 😀 Ändert aber nichts an meiner Argumentation, und er ist zeitlos doof. Genau dem selben Gerede kann man heute, fast drei Jahre später, immer noch begegnen.)

O Mann!

Der Artikel ist so unglaublich dumm und falsch, in so vielen Punkten, so schlecht recherchiert, oberflächlich und uninformiert, dass es fast schon wieder lustig ist. Er entspricht etwa dem Niveau eines Artikels über ein Afrikanisches Land, in dem gehäuft die Worte „Neger“, „unverdorben“, und „rassig“ vorkommen. Ich greife mir aus Zeit-, Platz- und Lesbarkeitsgründen nur zwei Punkte raus. Den ersten, weil er widerlich homophob ist, den zweiten, weil er zu meinem Thema passt.

1.) „Die jungen Männer waren sehr süß und sehr schlank, und man konnte das politisch ganz, ganz unkorrekte Ratespiel vollführen, sich zu fragen, wer von ihnen schwul war oder nur so tat.“

Ja, hahaha, da ist es, das blöde und primitive Vorurteil vom weichlichen, androgynen, lächerlichen Schwulen. Es entspringt vor allem dem Wunsch, denke ich, „die“ erkennen zu können und klar zu machen, dass man sich als „echter“ (also heterosexueller) Mann schon rein phänotypisch von „denen“ abgrenzt. Ach Herzchen… Nein, weder dein Bart noch Dein Bauch, noch Deine Kleidung noch Deine Muskeln noch Dein Aggressionspotential und Deine Gefährlichkeit (echt oder eingebildet) schützen Dich davor, mit „denen“ verwechselt zu werden. Wenn Du den Mut hast, geh einfach mal an einen Ort, wo Homosexuelle klar als solche erkennbar auftreten (zum Beispiel bei einer Pride-Parade oder in einer Schwulenbar). Keine Angst, es ist nicht ansteckend, und wenn Dir einer auf die Schulter klopft oder Dir ein Bier ausgibt, dann fällt Dir auch nicht der Penis ab. Es könnte nur sein, dass Du eine aufs Maul bekommst, wenn Du Deine Thesen gegenüber den falschen Typen äußerst. Aber da ich Deinem Artikel entnehme, dass körperliche Gewalt für Dich durchaus positiv ist (eine Meinung, die wir unter gewissen Umständen teilen) gehe ich mal davon aus, dass auch das für Dich okay ist. Zumindest als Lernerfahrung.

2.) „Es gibt den Beschützer in Deutschland nicht mehr. Natürlich nicht. Der Beschützer ist aus weiblicher Sicht doch eine lächerliche Figur.“

Aaaalso, reden wir mal über mich. 😀 Ich bin ein 120 (+/-) Kilo schwerer Mann (viel Fett, viele Muskeln) mit 27 Jahren Kampfsporterfahrung. Ich war lange Selbstverteidigungsausbilder. Ich kann aggressiv auftreten. Ich sehe aber so aus, dass ich das meist gar nichts muss, weil potentielle Unruhestifter lieber bei anderen Leuten Unruhe stiften als bei mir (siehe Abb.1). Und ich habe einen sehr, sehr ausgeprägten Beschützerinstinkt, teils durch Veranlagung, teils durch Erfahrung und Prägung.

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(Abb.1 – Bild von mir, das allen biometrischen Kriterien entspricht und dazu führen soll, dass Menschen, die meinen Ausweis kontrollieren, mir vertrauen.)

Oder anders – ich bin der typische Beschützer. Und ja, ich verstehe mich auch als Beschützer. Nicht nur, als der Beschützer der vier wichtigsten Frauen in meinem Leben (meine Frau, meine beiden Töchter, meine beste Freundin) sondern auch als Beschützer meines Sohnes. Als Beschützer eigentlich jedes Menschen, der in meiner Gegenwart Hilfe braucht. Nicht weil ich ein Mann bin, sondern weil ich ein Mensch bin, der zufällig das (sichtbare) Potential hat.

Und was meine Liebsten betrifft: Wir reden hier von vier Frauen, die ALLE Kampfsportlerinnen UND Feministinnen sind, und von einem jungen Mann, der sehr durchsetzungskräftig ist und lange einen sehr harten Sport betrieben hat. Es ist also nicht so, dass die ohne mich nicht zurecht kämen. Aber – und hier muss ich leider aus Erfahrung sprechen – es ist einfacher, wenn ich dabei bin. Weil ich größer bin, schwerer, lauter, weil ich einfach nach mehr Ärger aussehe. Sichtbares Potential eben.

Ich habe nie den Eindruck gehabt, dass mich irgendwer deshalb lächerlich findet. Lächerlich ist das:

„Man denkt sich das heute ja so: Patriarch gleich Frauenunterdrücker. Der Patriarch aber war, zumindest als Ideal, kein Tyrann, sondern der Beschützer seiner Frau und seiner Kinder. Er zog mit größter Selbstverständlichkeit in den Krieg, schlug dem geilen Nachbarn eine aufs Maul, wenn er sich an der Gattin vergriff (in besseren Kreisen wurde sich gut angezogen duelliert), und es war immer klar, dass er bei diesen Tätigkeiten sein Leben aufs Spiel setzte. Auch der Mann im Patriarchat hatte es nicht leicht! Die Todesbereitschaft war der Preis für seine privilegierte Stellung.“

Niedlich, oder? Anders gesagt – aus der Tatsache, dass ich MEINE (!) Frau(en) vor den Übergriffen des Nachbarn beschütze leite ich das Recht ab, selbst übergriffig (patriarchalisch) zu sein. Das ist die Logik, mit der Leute auf Schützenfesten Kellnerinnen an den Hintern packen und danach gegen „Vergewaltigende Ausländer“ demonstrieren. Frauen sind demnach Freiwild – aber bitte nur für den (selbstverständlich wohlmeinenden) Besitzer des Waldes. Dass Frauen dieses Männer- und Beschützerbild lächerlich finden ist nur logisch und vernünftig. Ich finde es lächerlich und darüber hinaus noch beschämend.

Aus der bloßen Tatsache, dass man ein gewisses Gewaltpotential hat und sich damit zum / zur Beschützer(in) eignet, lässt sich kein Recht ableiten, den Beschützen gegenüber gewalttätig zu sein. Denn das ist Patriarchat: Unterdrückung einer bestimmten Menschengruppe (Frauen) durch Gewalt. Patriarchat ist unlogisch, dumm und lächerlich. Ganz besonders lächerlich, wenn es von greinenden Männlein vertreten wird, die sich dadurch vor selbstbewussten Frauen schützen wollen.

Wer am schnellsten Laufen kann, der ist Bot*in der Gruppe. Wer rechnen und planen kann Organisator*in. Wer kämpfen und verunsichern kann Beschützer*in. Wessen innnere Welten nach außen drängen Geschichtenerzähler*in. Wer heilen kann Heiler*in. Wer essen zubereiten kann Köch*in. Ich kann endlos so weiter machen. Zwei dieser Aufgaben fallen durch die Zufälle des Lebens mir zu. Andere haben andere Berufungen, die weder wertvoller noch wertloser sind. Das ist alles.

 

 

 

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schreckenberglebt: Zwangsarbeit? Im Ernst?

Leute, egal wie ihr zu Dienspflicht, Wehrpflicht, verpflichtendem Sozialen Jahr etc. steht – können wir uns bitte, bitte, darauf einigen, das nicht als ZWANGSARBEIT zu bezeichnen? Begriffe haben eine Geschichte, daher ist es sehr problematisch, gerade im Deutschen, etwas als Zwangsarbeit zu bezeichnen, nur weil es eine Arbeit ist, zu der man gezwungen wird. Im Moment benutzen gerade Menschen die sich politisch eher nicht rechts oder konservativ einordnen diesen durch die Nazizeit eindeutig geprägten Begriff als Kampfbegriff, um in einer politischen Diskussion innerhalb eines demokratischen Systems Punkte zu machen. Wenn ihr den Weg gehen wollt, dann beschwert Euch bitte auch nicht mehr, wenn AfD und Konsorten mal wieder Begriffsverdrehung betreiben.

Ich war 1990/91 bei der Bundeswehr, ich war tauglich, konnte mir daher nicht aussuchen, OB ich etwas mache, weil Wehr- oder Zivildienst verpflichtend war. Ich wurde also dazu gezwungen. Damals lebten noch sehr viele Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus der Nazizeit. Und vorletzte Woche habe ich im Rahmen einer Recherche mit der Tochter eines tschechischen Zwangsarbeiters gesprochen. Ich wäre mir vor 27 Jahren ebenso wie vor 14 Tagen verdammt schäbbig vorgekommen, wenn ich mich wegen des einen Jahres Bundi als ehemaligen Zwangsarbeiter bezeichnet hätte.

 

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schreckenbergschreibt: Ein Besuch im Österreichischen Staatsarchiv – Literatur als Zeitzeugnis

Ich bin wieder einmal in Wien (und Aschach), Recherche und Plotten mit Sarah. Heute führte uns unsere Recherche ins Österreichische Staatsarchiv. Dabei ging es uns nicht um irgendwelche Akten, die wir zu lesen hätten, sondern um Sinn, Aufgabe und Funktionsweise des Archives an sich. Um uns all dies näher zu bringen, erhielten wir (gemeinsam mit einem von Sarahs Brüdern) eine zweistündige Führung von einem sehr freundlichen und kundigen Archivar. Ich würde ja jetzt sagen, dass ich diese Führung jedem nur dringend empfehlen kann, aber mir ist bewusst, dass nicht alle Menschen die selbe Vorliebe für Historie und deren Systematisierung haben wie ich, also sage ich mal vorsichtiger: Allen, die sich gerne mit Geschichte und den Umgang mit historischen Quellen befassen, kann ich eine solche Führung wirklich ans Herz legen. Das waren zwei hochspannende Stunden. Ich jedenfalls habe beschlossen, dass ich jetzt ein neues Hobby habe: Auf Basis meiner bisherigen Ahnengforschung werde ich im Laufe der Zeit versuchen, ein Familienarchiv aufzubauen. Nein, das ist kein Witz.

Aber es ist auch nicht der Grund, warum ich über den Besuch im Staatsarchiv blogge. Der Grund dafür ist eine kleine Anekdote, die uns der Archivar erzählte: An seinem ersten Tag im Archiv beauftragte ihn sein Vorgesetzter, Material zum Thema „Kino“ aus den 1920er und 30er Jahren zusammen zu tragen. Der junge Archivar in spe machte sich also eifrig auf die Suche und fand… Nichts. Als er seinen Vorgesetzten mit diesem Ergebnis konfrontierte und sagte, unter „K“ wie „Kino“ sei nichts zu finden, lächelte dieser – und zeigte ihm die Kartei zu „L“ wie „Lichtspielhäuser“. Und siehe, da fand sich vieles. Moral von der Geschicht: Sprache und ihr Gebrauch verändern sich, und wer historisch forscht muss auch diese Veränderung miterforschen, sonst kommt er nicht weit.

Mir fiel sofort „Im Westen nichts Neues“ ein, worin Remarque das, was wir heute als „Panzer“ bezeichnen, durchgehend bei dem englischen Begriff „Tank“ nannte. Ich vermute also, wenn man in entsprechend alten Archiven über die Panzerwaffe forscht, wird man wenig unter „Panzer“ und viel unter „Tank“ finden. Das gab mir zu denken. Denn neben allem anderen ist Literatur immer auch ein Sprachzeugnis der Zeit, zu der sie entstanden ist.

Nun gibt es aber immer wieder den Versuch, alte Geschichten zu modernisieren, aus den unterschiedlichsten Gründen. Mal, weil man modernen Lesern nicht mehr zutraut, die alte „umständliche“ Sprache zu verstehen, mal, weil sich darin Begriffe finden, die heute bestenfalls missverständlich (When I was your age, Dick actually was a name.), schlimmstenfalls beleidigend, verletzend, diskriminierend oder rassistisch (der Negerkönig von XYZ) sind. Ich halte das, je mehr ich darüber nachdenke, in jedem Fall für problematisch, vorsichtig gesagt. Diese Editionen nehmen Leserinnen und Lesern, auch und gerade Kindern, das Gefühl dafür, dass Sprache sich verändert. Dass nicht immer alles so war, wie es heute ist, dass Dinge früher anders hießen, dass derselbe Begriff unterschiedliche Dinge bezeichnen kann, dass unser „Heute“, mit allem was wir damit verbinden, eben nicht die Norm ist, sondern nur ein vergänglicher Punkt in einem sich immer wieder verändernden Strom der Geschichte – weiß Gott nicht nur sprachlich. Wer sich darauf nicht einlassen will, weil es ihm zu umständlich und zu schwierig ist, der nimmt sich eine sehr interessante und wichtige Erfahrung. Natürlich soll man auch den Leuten Bücher anbieten, die auf diese Erfahrung verzichten möchten, aber man könnte sie als Übersetzungen bezeichnen. „Im Westen nichts Neues“ von Erich Maria Remarque, in einfache, moderne Sprache übersetzt von Kuno Künstler. Oder so ähnlich.

Was aber ist mit den diskriminierenden, verletztenden Begriffen? Ich glaube, hier liegt die Lösung nicht in einer Bereinigung des Textes – damit leugnet man, dass es diese Begriffe gab, dass man sie einmal anders (selbstverständlicher, gedankenloser, wie auch immer) benutzte und dass sich seither etwas verändert hat. Sarah hatte den Vorschlag, hier könnte man mit Vorworten arbeiten, ich würde ergänzen: Und mit Fußnoten*. Das ist, denke ich, ein ehrlicherer Mittelweg zwischen Leugnen der Entwicklung, indem man alles so läßt wie es war und Leugnen der Entwicklung, indem man kommentarlos ändert.

 

 

 

*“Aber soll ich meinem Kind jetzt Vorworte und Fußnoten vorlesen, oder was?“ Nein, sollst Du nicht. Du sollst sie selber lesen, und mit Deinem Kind über die Probleme reden. Erziehung ist ein Recht Deines Kindes, und Deine Pflicht. 😉

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