Der Dunkle Fürst und das Fräulein Niedermaier – Teil 13

Sarah erzählt derweil weiter vom Dunklen Fürsten und dem Fräulein Niedermaier – und die Spannung steigt. Auftritt: Ein geheimnisvoller Gast…

Der Guppy war's und nicht die Lerche

About: Geschichten für euch
Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4
Teil 5
Teil 6
Teil 7
Teil 8
Teil 9
Teil 10
Teil 11
Teilt 12

Eine halbe Stunde später war sie mit Tee und Mandelmakronen versorgt und hatte ihre Geschichte erzählt. Die Versammlung hatte darauf mit kollektiver Empörung reagiert – wenn Salamacian anwesend gewesen wäre, hätte er es wohl riskiert, mit Teeservicen und Spitzendeckchen gelyncht und am nächsten Kronleuchter aufgehängt zu werden.

„Gekündigt“, schäumte ein älterer Herr mit gloriosem Kräuselschnurrbart: „Eine Niedermaier, GEKÜNDIGT?!“

„Dabei kannte ich seinen Vater“, fügte ein anderer hinzu: „Ein wahrer Gentleman von einem Schreckensherrscher. Da war es flammender Tod oder gar nichts. Aber Entlassung… Entlassung… meine Güte, was ist das nur für eine Kreatur!“

Melissa, die Frau in Pastellblau, war immer noch bleich vor Schock. „Ist nichts mehr heilig? Nichts?“, murmelte sie in einem fort: „Gar nichts?“

Der Zorn ihrer Genossen war Balsam…

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schreckenbergschreibt: Quarantänegeschichten – Zwischenspiel und Überblick

Gestern, lieber Clan, habe ich meine letzte Kurzgeschichte aufgebraucht. Und da ich nicht täglich eine neue schreiben kann, steht jetzt die Entscheidung an: Wie weiter machen. Ich hatte Euch gebeten, mir zu sagen, ob Ihr lieber Auszüge aus unveröffentlichten (und unfertigen) Romanen lesen wollt, oder eine lange Geschichte in Fortsetzungen. Da ich bisher keine Antworten bekommen habe, gehe ich davon aus, dass Ihr mir die Entscheidung überlassen wollt. Also werde ich….

…nein, das sage ich Euch erst morgen. 😀

Heute mache ich eine Pause oder eher ein Zwischenspiel. Seit Sarah und ich begonnen haben, Euch jeden Tag etwas zu erzählen, habe ich hier 22 Geschichten veröffentlicht, eine davon in drei Teilen. Hier sind sie im Gesamtüberblick (die einzig existierende Liste fast aller meiner Kurzgeschichten):

01.) Das Fenster im Turm – eine Mysterygeschichte, die mir selbst etwas rätselhaft ist.

02.) Schneesturm – eine Art Kurzkrimi, meine erste veröffentlichte Kurzgeschichte.

03.) Die Wahrheit über den König – meine einzige veröffentlichte Fantasygeschichte.

04.) Im Block – eine alte Horror*geschichte, wahrscheinlich von meinen Geschichten die, von der die meisten Versionen existieren.

05.) Die Schweine von Wiehl – Krimi goes Mystery und, so sagt man mir, eine für mich sehr typische Geschichte: Der Protagonist muss eine Bande von Idioten handhaben.

06.) Die Sturmglocke – Teil 1 – eine lange Horrorgeschichte, erzählt in drei Teilen.

Teil 2

Teil 3

07.) No Booze in the North – autobiographisch und heiter. Muss auch mal sein. 😀

08.) BÄM! – Kurzkrimi und ein Experiment mit der Erzählweise.

09.) Das Kräuterweiblein – Giftmischerinnenkrimi, inspiriert von Klaudia Blasl.

10.) Kreativität – nochmal autobiographisch, nicht ganz so lustig, diesmal.

11.) Saison ist doch immer – eine Sommergeschichte. Straight Horror.

12.) Eukalyptusbonbon – etwas schräger Krimi, mit einem von Sean Hussman geliehenen Schimpansen.

13.) Der Schwarze – meine älteste Kurzgeschichte, als Westerwaldkrimi aufgearbeitet.

14.) Urknall – gaaanz manchmal schreibe ich auch Science Fiction. 😉

15.) 8 Stunden, 11 Minuten, 42 Sekunden – auch SciFi? Oder so etwas Ähnliches?

16.) Weihnachtsbesuch – Ein weihnachtlicher Ausflug in die Welt meines Romans „Der wandernde Krieg – Sergej“.

17.) Warum der See dunkel ist – Reise ins düstere Innenleben eines Mörders.

18.) Unser Haus – sehr alte Horror(?)geschichte, noch ziemlich im Urzustand. So habe ich vor 35 Jahren geschrieben.

19.) Vasilisa – für mich meine belastendste Geschichte. Nichts für Kinder.

20.) Hallo Taxi! -Spielerei mit einem vorgegebenen Thema. Mystery? Ich weiß es nicht genau, jedenfalls eine ziemlich leichtherzige Geschichte. Finde ich.

21.) Puppenbrunnen – Wenn andere einen hübschen Brunnen sehen, dann denken sie… Keine Ahnung. Ich denke dann sowas. 😀

22.) Tausch – Und zuletzt noch einmal eine Geschichte, die einen Blick auf den Anfang meiner (niedergeschriebenen) Geschichtenerzählerei erlaubt. Ca. 30 – 35 Jahre alt.

Außerdem habe ich Euch schon einmal eine Weihnachtsgeschichte geschenkt, die aus diesem Grund nicht zu den Quarantänegeschichten zählt:

Angel’s Share

(* Ich habe in den 1980er Jahren angefangen zu schreiben, mein Begriff von „Horror“ ist daher viel weiter als der heute übliche. Er schließt alles ein, was man heute „Mystery“ nennt und viel Phantastik darüber hinaus. Mehr dazu HIER. )

So – da ist sie also, die Liste meiner Kurzgeschichten, mit wenigen Ausnahmen, die ich aus unterschiedlichen Gründen nicht veröffentlichen möchte. Ich entnehme den WordPress-Statistiken, dass ich doch einige Leserinnen und Leser habe – und ich würde Euch gerne kennenlernen. Wer seid Ihr? Wie haben Euch die Geschichten gefallen? Welche besser? Welche nicht so gut? Schreibt es mir in die Kommentare. Danke. 🙂




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Der Dunkle Fürst und das Fräulein Niedermaier – Teil 12

Sarah hat ihr Geschichtenfeuer etwas später angezündet und erzählt Euch eine Gutenachtgeschichte, in der es Fräulein Niedermaier deutlich besser ergeht als dem Dunklen Fürsten…

Der Guppy war's und nicht die Lerche

About: Geschichten für euch
Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4
Teil 5
Teil 6
Teil 7
Teil 8
Teil 9
Teil 10
Teil 11

Hier kehren wir nun zur zweiten Hauptfigur dieser Geschichte zurück. Denn nachdem das Universum solche Zufälle liebt, tat Salamacian genau in dem Moment seinen ersten rippenerschütternden Nieser, als viele Kilometer entfernt Fräulein Niedermaier über die Schwelle desTänzelnden Einhornstrat. Die Taverne erfüllte jedes Klischee, das jemals zum Thema erfunden worden war: das Stroh am Boden war das letzte Mal wahrscheinlich zu Beginn des Zeitalters gewechselt worden, die Luft war so verraucht und stickig, dass man sie hätte löffeln können und auf den Bänken saßen düstere Gesellen direkt aus dem Castingkatalog der AgenturSchurken und Halsabschneider GmbH. Sieschütteten fassweise Met und Bier in sich hinein und sangen dabei Lieder, deren Texte ich hier nur wiedergeben könnte, wenn ich vorher eine schriftliche Einverständniserklärung eurer…

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schreckenbergschreibt: Quarantänegeschichte Nr. 24 – Tausch

So, heute erzähle ich Euch nochmal eine Geschichte ganz aus meinen Anfängen. Und ich lasse sie, von einigen ganz kleinen Änderungen abgesehen, wieder so wie sie ist, obwohl die Versuchung wirklich riesig ist, da mehr zu machen. Aus heutiger Sicht – immerhin schreibe ich im Moment vor allem Drehbücher – ließe sich da so viel am Dialog feilen, soviel mehr rausholen. 😀 Vielleicht mache ich das irgendwann auch mal, aber für heute überlasse ich die Bühne nochmal dem Jugendlichen, der eine Idee, ein Bild im Kopf hatte, und daraus eine schnelle, kurze Geschichte gemacht hat. Eine Skizze, eben, noch kein Bild.

Und tja – damit bin ich dann am Ende meines Kurzgeschichtenvorrats. Ich habe noch eine Serienkillergeschichte, aber mit Serienkillern habe ich es nicht mehr so. Dann ist da noch eine (wie ich finde) ganz gute Geschichte, auch aus der Frühzeit, wo ich mir als junger Mensch ein paar Gedanken darüber gemacht habe, wie es sein könnte, als alter Mensch zu sterben – finde ich aktuell nicht so passend. Dazu noch ein paar handschriftliche Dinge, zwei oder drei Fragmente… nichts, was ich hier verwenden könnte.

Fragt sich, wie es weiter geht. Ich könnte – wie Sarah – etwas Längeres in Fortsetzungen posten oder Fragmente aus bisher unveröffentlichten Romanen. Was wäre Euch lieber? Please let me know in the comments below. 😉




Wieder unter der Lizenz Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International (CC BY-NC-ND 4.0)*.



Tausch

von Michael Schreckenberg

Der junge Mann hörte dem anderen aufmerksam zu. Irgendwie konnte er ihn schon sehr gut verstehen. Ihm wäre das Ganze vermutlich auch langweilig geworden. Natürlich. Sein eigenes Leben war so langweilig. Aber…

,,Ich mache das jetzt schon seit 22 Jahren.“ sagte der andere gerade. „Es ist so ermüdend.“

Der junge Mann fühlte sich etwas unangenehm, schließlich war er an der Situation nicht ganz unschuldig.

,,Lies doch mal ein Buch‘, schlug er zaghaft vor, ,,oder hör doch einfach mal zu, wenn ich Musik laufen lasse.“

Der andere verzogdas Gesicht ,,Geht nicht. Die Tür ist undurchlässig, wenn sie geschlossen ist. Hast Du mich jemals gehört?“

,,Nein“, gab der junge Mann zu.

,,Siehst Du? Und mit dem Lesen ist leider auch nicht viel los. Ich muß ja immer auf dem Sprung sein, da kann man sich nicht groß konzentrieren. Ich freue mich ja schon, dass ich mal so ganz normal mit Dir reden kann. Viele die dasselbe tun wie ich, haben dies Möglichkeit nie. Die meisten sind total neurotisch, wenn sie pensioniert werden.“

Der junge Mann nickte. Verständlich, klar.

,,Ich habe Dich angesprochen, weil ich Dich um etwas bitten will. Ich wäre nicht böse, wenn Du ablehnst. Aber – könntest Du nicht mal – mit mir tauschen?‘.‘

Der junge Mann erschrak.

,,Du brauchst keine Angst zu haben“, sagte der andere eilig, ,,wir tauschen natürlich wieder zurück. Oh ja. das müssen wir sogar, es geht gar nicht anders. Wirklich, also…“ er brach ab und schaute den jungen Mann an.

Der überlegte und zögerte lange, bis er sprach. Dann sagte er langsam. ,,Geht das denn überhaupt? Ich meine. meine Familie, das Studium. Ich…“

,,Keine Sorge,“ unterbrach der andere eifrig, ,,da gibt es gar keine Probleme, das garantiere ich Dir. Niemand wird es merken. Und so schlecht ist es dann auch wieder nicht. Es gibt viel zu sehen, viel, worüber man nachdenken kann. Nur, 22 Jahre sind eine lange Zeit und…“

,,Wie lange?“

,,Was?“

,,Für wie lange willst Du tauschen?“

Der andere starrte ihn eine Sekunde an. Dann verstand er.

,,Oh, oh ja, ich äh ich dachte so an zehn, also zehn, zwölf Jahre. Ich… ich…“ er brach ab und starrte den jungen Mann wieder an. Er konnte es offenbar nicht fassen.

,,Zehn Jahre?“

,,Na ja..“

,Verrückt‘, dachte der junge Mann. ,Verrückt. Tu es bloß nicht. Wer weiß, ob Du ihm trauen kannst.‘ Er sah den anderen, die flehentliche Bitte stand ihm ins Gesicht geschrieben. ,Nein!‘ schrie sein Verstand.

,,Fünf Jahre“, sagte er.

,Idiot‘, antwortete der Verstand.

,,Danke!“ sagte der andere. ,,Danke. Du wirst es nicht bereuen, das schwöre ich Dir. Danke.“ Er kam zu ihm herüber.

,,Kann ich wirklich da rein. Einfach so?“

,,Ja. Ganz einfach.“

Der junge Mann schüttelte wortlos den Kopf.

Dann stieg er in den Spiegel.

ENDE













*Dies ist eine allgemeinverständliche Zusammenfassung der Lizenz und Haftungsbeschränkung (die diese nicht ersetzt).

Sie dürfen:

Teilen — das Material in jedwedem Format oder Medium vervielfältigen und weiterverbreiten, solange Sie sich an die Lizenzbedingungen halten:

Unter folgenden Bedingungen:

Namensnennung — Sie müssen angemessene Urheber- und Rechteangaben machen, einen Link zur Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. Diese Angaben dürfen in jeder angemessenen Art und Weise gemacht werden, allerdings nicht so, dass der Eindruck entsteht, der Lizenzgeber unterstütze gerade Sie oder Ihre Nutzung besonders.

Nicht kommerziell — Sie dürfen das Material nicht für kommerzielle Zwecke nutzen.

Keine Bearbeitungen — Wenn Sie das Material remixen, verändern oder darauf anderweitig direkt aufbauen, dürfen Sie die bearbeitete Fassung des Materials nicht verbreiten.

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Der Dunkle Fürst und das Fräulein Niedermaier – Teil 11

Eigentlich sollte man ja denken, dass ein Dunkler Fürst Qual und Folter mag. Aber SO dann wohl doch nicht. 😀

Der Guppy war's und nicht die Lerche

About: Geschichten für euch
Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4
Teil 5
Teil 6
Teil 7
Teil 8
Teil 9
Teil 10

Als er aufwachte, tat ihm alles weh, mit besonderer Emphase auf die Körperteile, die einen Dunklen Fürst von einer Dunklen Fürstin unterschieden. Er quälte sich aus dem Bett, schon ganz schwach vor Hunger, und beschloss, ins Dorf zu reiten. Wozu hat man schließlich eine geknechtete Bevölkerung, wenn man sich nicht einmal ein Sandwich holen kann? Das Ankleiden stellte eine eigene Herausforderung dar – Fräulein Niedermaier hatte ihm die Roben des Tages immer herausgelegt, aber woher sie sie herausgelegt hatte, blieb ihm nach wie vor ein Rätsel. Schließlich blieb ihm nichts übrig, als die alles andere als saubere Robe vom Vortag überzustreifen.

Der Ritt ins Dorf war wegen gewisser Verletzungen von so unendlicher Agonie, dass er sich schließlich gezwungen sah, zu Fuß neben seinem dämonischen Ross einherzuhumpeln…

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schreckenbergschreibt: Quarantänegeschichte Nr. 23 – Puppenbrunnen

Heute erzähle ich Euch die letzte aus meinem Vorrat veröffentlichter Geschichten. Was ich dann noch habe sind einige alte Geschichten, die ich überarbeiten muss, oder mit denen ich Euch – wie schon mit „Unser Haus“ – einen Einblick in mein sehr frühes Frühwerk gebe. Und wenn die auch aufgebraucht sind… mal sehen. Ich habe Ideen, also keine Sorge – ich werden Euch nicht geschichtenlos lassen. 😉

Puppenbrunnen ist für diese Anthologie aus dem Jahre 2013 entstanden:

Und vielleicht passt sie besser in die jetzige Zeit als alle anderen. Immerhin geht es um einen Typen, der Stimmen hört und daher glaubt, besser informiert zu sein als alle anderen. Von denen haben wir ja gerade nicht wenige, gerade hier, im Netz. 😉

Das hier kennt Ihr schon:

Wieder unter der Lizenz Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International (CC BY-NC-ND 4.0)* Bitte beachtet dabei, dass JEDE Verwendung den Hinweis auf die Erstveröffentlichung enthalten muss!

Und los geht es:





Puppenbrunnen

von Michael Schreckenberg

Erstveröffentlichung in „Mörderisch Bergisch“, Gardez!Verlag und JUHRVerlag 2013.

Everything you can think of is true“ (Tom Waits)

An den Finder dieses Briefes,

es ist wichtig, dass Sie die folgenden Zeilen genau verstehen. Es ist wichtig, dass Sie alles, was ich schreibe, sehr ernst nehmen. Ich vermute, nach dem, was geschehen ist, nach meiner Tat, habe ich Ihre volle Aufmerksamkeit. Für mich liegt meine Tat in der Zukunft. Für Sie liegt sie in der Vergangenheit. Bitte glauben Sie mir, dass ich all das, was geschehen muss, all das, was für Sie geschehen ist, ebenso grauenvoll finde wie Sie. Aber Sie müssen jetzt versuchen, mir zu folgen und genau zu verstehen, was ich Ihnen sagen will. Sie müssen versuchen, mich nicht als das Monster zu sehen, zu dem ich werden muss. Sie müssen mich verstehen. Sonst werden all diese Menschen, all die Kinder umsonst gestorben sein. Das wollen Sie doch nicht. Ich will es ganz bestimmt nicht. Ich will nicht sinnlos töten. Ich will nicht sinnlos sterben.

Ich nehme an, Sie sind Polizist. Oder Polizistin. Bitte fühlen Sie sich nicht beleidigt, wenn ich Sie nicht korrekt anspreche. Ich halte es für möglich, dass Sie direkt von der Schule hierher gekommen sind, dass Sie all diese Bilder im Kopf haben, es tut mir sehr leid. Vielleicht haben Sie auch selbst Kinder. Ich glaube nicht, dass es ihre Kinder getroffen hat, dann hätte man sie bestimmt nicht dorthin geschickt. Aber was Sie gesehen haben müssen – Sie haben mein ganzes Mitgefühl. Bestimmt haben Sie oder ein tüchtiger Kollege meinen Ausweis gefunden. Ich werde ihn nicht zufällig dort verloren haben. Ich will, dass Sie schnell hierher kommen und diesen Brief finden. Das ist wichtig!

Ich werde Ihnen alles von Anfang an erzählen. Ich weiß nicht, ob Sie mir danach glauben können. Wahrscheinlich nicht – Sie werden mich für einen Irren halten, einen von denen, die Stimmen hören und mit Dingen sprechen. Egal. Wichtig ist nur, und das müssen Sie mir versprechen, dass Sie mich ernst nehmen, und sei es nur für einen Moment. Fahren Sie zu dem Brunnen. Berühren Sie die Puppen. Und dann vernichten Sie sie! Für all die armen Kinder. Für all die zerstörten Familien. Für alle Menschen, dass es nie wieder geschehen muss. Und für mich. Versprechen Sie mir das! Habe ich Ihr Wort? Danke!

Vor zehn Jahren hat es begonnen. Sie haben den Brunnen wieder aufgestellt. Sie haben ihn neben die Sparkasse gestellt und das wird Sie überraschen: Ich weiß bis heute nicht genau, warum sie das getan haben. War es Naivität? Wusste dieser Obst- und Gartenbauverein nicht, was er tat, als er die Puppen wieder an einen Ort brachte, an dem sie Menschen anlocken und Macht gewinnen können? Oder arbeiten unter diesem harmlosen Deckmantel etwa noch immer Menschen daran, das Werk des verfluchten Wallace zu beenden, Verräter an ihrer eigenen Spezies, Verräter an der ganzen Schöpfung, zu welchem Zweck? Welches sollte ihr Lohn sein, für diese niedrigste aller Taten? Ja, es mag sein, dass sie wirklich arglos und naiv waren. Aber kann ich das wirklich glauben? Ich fürchte, ich kann es nicht. Ich bin mit meinen Nachforschungen noch nicht weit genug gediehen, meine Zeit war zu kurz. Werden Sie mir glauben, mein Leser, mein letzter Verbündeter? Werden Sie die letzten Puzzleteile zu dem großen Bild finden?

Vor zehn Jahren also stellten sie den Brunnen in die Mitte dieses kleinen grünes Fleckens neben der Sparkasse. Hat sich damals niemand gefragt – warum? Warum man gerade in eine Stadt wie Burscheid, eine Stadt der grünen Hügel und weiten Landschaft, eine solch traurige Entschuldigung für einen Park setzt? Nein, niemand hat gefragt. Vieh waren sie, Vieh sind sie alle, und ich bewahre sie vor der Schlachtbank. Ich werde mir meine Menschlichkeit entreißen um ihre zu bewahren.

Ich war damals 12 Jahre alt. Eigentlich schon zu alt für die vierte Klasse, aber ich war viel krank, zwei Jahre musste ich wiederholen, das erste und das dritte Schuljahr. Nach diesem Tag sollte ich nie wieder krank sein. Das muss Ihnen doch auch seltsam vorkommen. Wenn das kein Beweis ist! Aber es ist nicht der einzige.

Ich war also 12 und wir haben eine Klassenausflug zu dem Brunnen gemacht, kurz nachdem sie ihn wieder aufgestellt hatten. Ich war auch auf der Montanusschule, ist das nicht bitter? Ich werde heute Menschen töten die ich als Kind verehrt, fast geliebt habe. Glauben Sie nicht, das fiele mir leicht. Oh nein.

Den Ausflug machten wir gegen Ende des Schuljahres, zwei oder drei Wochen vor den Ferien. Danach ging es in die Lindenpassage auf ein Eis. Sagen wir es, wie es ist – unsere Lehrerin wollte sich einen kurzen Tag gönnen. Oder war es ihre Absicht, uns den Puppen zuzuführen? Ich glaube es nicht, obwohl es ins Bild passen würde. Aber ich kannte diese Frau. Kann ich mich so sehr irren?

Bevor wir unser Eis bekamen, mussten wir uns rund um den Brunnen aufstellen. Unter den Baum? War der Baum damals schon da? Ich bin nicht sicher. Eine Kaukasische Flügelnuss, ich habe nachgesehen, Pterocarya Fraxinifolia. Es bedeutet nichts. Die Zeichen sind überall, aber der Baum hat nichts damit zu tun. Sie müssen sich um den Baum nicht kümmern.

Da standen wir also, 21 kleine Viertklässler und ich, und sie erzählte uns von dem Brunnen. Und von dem Verein und dem Unfall und von Paris und von Wallace, dem Erzverräter, tausendmal verflucht, und von jenem mit dem Doppelnamen, seinem Jünger und Nachfolger im Verrat. Natürlich erzählte sie uns nicht die Wahrheit, die nur ich kenne. Sie erzählte die Geschichte, die alle kennen: Dass Wallace nach dem Deutsch-Französischen Krieg von Mitleid getrieben (MITLEID!!! Verflucht sei er, verflucht seine Heuchelei, verflucht sein Verrat, der mich zum Mörder macht. Keine Hölle brennt heiß genug für Dich, Wallace!!!!!!!), Brunnen habe aufstellen lassen für die arme Bevölkerung von Paris, dass Jener mit dem Doppelnamen mehr als dreißig Jahre später dann den einzigen Wallace-Brunnen in Deutschland gestiftet habe, just hier in Burscheid. Hat eigentlich nie jemand gemerkt, wie blödsinnig diese Geschichte ist? Das ergibt doch gar keinen Sinn. Burscheid! Warum Burscheid?

Ehrlich gesagt habe ich ich das selbst auch nicht herausfinden können, ein weiteres ungelöstes Rätsel. Wahrscheinlich musste es nicht unbedingt Burscheid sein, nur irgendein Flecken mit genug einfachem Volk, das nicht allzu viele Fragen stellt.

Auch ich bemerkte nicht, wie albern die Geschichte war, wie offenkundig widersinnig. Ich war ja noch ein Kind. Ich hörte gar nicht richtig zu, ich wollte mein Eis und überlegte schon, welche Sorten ich nehmen würde. Als der Unterricht aber dann zu Ende war und wir endlich abdackeln durften, da streifte ich im Gedränge mit der Hand den Puppenbrunnen, streichelte eines der Basreliefs, einen dieser Fischdrachen an der Basis des Brunnens. Nur eine flüchtige Berührung, der Bruchteil einer Sekunde. Doch da hörte ich zum ersten Mal die Stimme: „Komm zurück!“

Sie riefen mich den ganzen Tag und die ganze Nacht und noch einen Tag und noch eine Nacht. Am dritten Tag konnte ich nicht mehr widerstehen und folgte ihrem Ruf. Ich ging nicht in die Schule, ich ging zum Puppenbrunnen. Ich saß dort am Morgen und ich saß dort am Mittag und bis zum Abend. Viele Leute kamen vorbei. Niemand sprach mich an. Vielleicht konnten sie mich gar nicht sehen. Ich aber lauschte den Puppen. Immer redeten nur die drei Schönen. Ihre Stimmen sind klar und wenn sie sprechen, dann fühle ich mich ganz sicher und geborgen in der Wärme und Liebe, die in ihren Stimmen ist. Auch heute noch, obwohl ich weiß, dass es eine Lüge ist. Sirenengesang. Sie fangen Dich, sie singen für Dich, sie lullen Dich ein. Du hast Angst vor einer Mathearbeit? Lausche, lausche auf ihre Stimmen, auch wenn Du nicht beim Brunnen bist, sind sie bei Dir und sie geben Dir die Antworten, die Du brauchst. Jemand war böse zu Dir, hat Dich verletzt? Erzähle es den Puppen, sie singen für Dich, sie machen die Welt wieder schön. Und sie kümmern sich um Deinen Feind. Die Puppen können alles. Alles!

Was wäre passiert, wenn sie geduldiger gewesen wären? Wenn die vierte Puppe nicht so früh gesprochen hätten. Und wenn sie Lale in Ruhe gelassen hätten. Doch sie hatten nicht mehr viel Zeit. Vor vielen Jahren, in den 1960er Jahren, hat jemand erkannt, was der Puppenbrunnen wirklich ist und versucht, ihn zu zerstören. Das ist nicht gelungen, natürlich nicht. Aber der Brunnen war seiner Macht beraubt, niemand war mehr da, der ihm opferte, kaum ein Mensch hörte seinen Ruf. Bis er wieder dort aufgestellt wurde, mitten in der Stadt. Die Puppen hatten viel Zeit verloren.

Als die vierte Puppe sprach, war ich schon mehr als zwei Jahre lang zu den Puppen gekommen, immer wieder, hatte ihren Stimmen gelauscht, ihren Geschichten, ihren Belehrungen. Ich hatte ihnen geopfert. Die armen Tiere taten mir leid und meine kleine Schwester weinte so, als das Kätzchen nicht mehr wiederkam, aber die Puppen wollten es. Und der Lohn war so köstlich.

Es war an einem Winterabend, als die vierte Puppe sprach. Die, die immer im Schatten ist, die mit dem zerstörten Mund. Als ich ihre Stimme hörte schrie ich auf, so schrecklich ist diese Stimme. Sie tut weh. Doch sie hat Macht, viel Macht. Sie ist stark, diese Stimme. Und sie nahm mir etwas und sie gab mir etwas. Und sie erklärte mir alles. Sie sprach von einer uralten Rasse, älter als die Menschen, eine Rasse die von den Sternen kam, noch vor den Göttern. Eine Rasse die herrschte, bis sie besiegt wurde, vernichtet und gebannt. Wie Wallace, der Erzverräter, sie ins Licht zurückholte und verbarg, versteckte wie ein Buch in einer Bibliothek – denn die meisten Brunnen in Paris sind wirklich nichts als das: Brunnen. Teuflisches Genie, verflucht sei er. Und wie der Krieg im Geheimen neu entbrannte, wie Brunnen zerstört und Puppen getötet wurden, bis nur noch diese vier lebendig waren, die vier, die jener mit dem Doppelnamen wohlweißlich weit entfernt von der Front verborgen und im Verborgenen genährt hatte.

Im geheimen Puppenkrieg starben die Wissenden und so überlebten die Puppen hier, unbehelligt, abgesehen von diesem einen Anschlag, der einer Zufallsentdeckung entsprang, keinem Plan.

Und die vierte Puppe befahl mir, was zu tun sei. Es würde nicht schwer sein, wenige Taten über wenige Jahre, zur rechten Zeit am rechten Ort, wenn die Sterne richtig standen. Dann würde die alte Rasse befreit und die Menschen würden ihre Sklaven sein und ihre Nahrung, ich aber und meine Familie, wir sollten über die Menschen herrschen, so lange sie noch leben würden. Fürsten sollten wir sein, Götter.

Ich war gewillt alles zu tun, den Befehlen zu folgen, doch als ich mich vom Brunnen entfernte in dieser Nacht, da kam mir ein Gesicht in den Sinn, ein lachendes Gesicht, das neue Mädchen in meiner Klasse. Die einzige, die nett zu mir war, immer. Was würde dann aus ihr werden. Und unvorsichtig wie ich war sprach ich das Wort aus. „Lale?“

Sie starb zwei Wochen später. Ein betrunkener Autofahrer stieß sie von ihrem Fahrrad, auf der Straße nach Pattscheid, sie war auf dem Weg nach Hause. Er schleifte sie 500 Meter weit mit sich, bevor er etwas merkte. Der arme Mann. Er konnte nichts dafür, aber das wusste nur ich. Die Puppen hatten es getan, er hatte ihre Stimmen gehört. Doch Lale ist nicht umsonst gestorben, sie hat sich geopfert für Euch alle, so wie ich mich für Euch alle opfern werde, aber ohne meine Schuld auf sich zu laden.

Die Puppen hatten mir Lale genommen und ich begann, sie dafür zu hassen. Doch ich war klug. Sie ahnten nichts von meinem Sinneswandel, nach außen blieb ich ihr Diener, brachte weiter die Opfer dar, lauschte den Unterweisungen. Aber im Verborgenen las ich. Ich fand die Schriften, in denen die Wahrheit verborgen war. Ich las Machen und Lovecraft, Kafka und Konsalik, Clive Barker und Dan Brown. Und ich begann, mich vorzubereiten, denn ich wusste, wenn die Zeichen sichtbar würden, dann musste ich vorbereitet sein.

Ich besitze eine Anleitung zum Bau einer Maschinenpistole. Die einzelnen Bauteile habe unter unterschiedlichen Vorwänden von unterschiedlichen Schlossern herstellen lassen. Die Maschinenpistole funktioniert gut. Ich habe diese Anleitung nicht aus dem Internet, ebensowenig wie den Plan zum Bau meiner Bombe. Wer so etwas im Internet sucht, ist dumm. Eine Leihbücherei hier, ein Antiquariat dort, ein Flohmarkt in dieser Stadt, eine große Buchhandlung in einer anderen. Geduldiges Suchen und Finden. Niemanden fragen, nichts bestellen. Kleine Mengen, unverfängliche Einzelteile. Es ist gar nicht so schwer. Nur die Patronen waren ein Problem, da brauchte ich dann doch das Internet. Dieses eine Mal. Ein Risiko, aber ein geringes. Sie werden auf diesen Kauf stoßen, wenn Sie alles untersuchen, sofern Sie wirklich ein Polizist sind. Nur zu, folgen Sie meinem Weg, Schritt für Schritt. Wenn Sie verstehen, was ich getan haben, vielleicht verstehen sie ja doch, warum. Aber sie müssen zu dem Brunnen gehen. Sie haben es versprochen.

Anfang dieses Jahres begann ich, die Zeichen zu sehen. Immer waren es Kinder. Ein Fangenspiel, unverfänglich für jeden, der das Muster nicht kennt. Ein Fussballspiel der E-Jugend – warum schießt der Stürmer den Ball in diesem Winkel am Tor vorbei, warum köpft der Verteidiger den Eckball genau in diesem Moment ins eigene Tor? Die Zeichen waren überall, plötzlich, und ich begriff: Wieder die Kinder! Wieder diese Schule. Als mir klar wurde, was ich würde tun müssen, da weinte ich. Lange und voller Verzweiflung. Denn ich wusste – es waren nur wenige Kinder, die sie betört hatten. Aber ich wusste nicht, welche. Sie hatten sie versteckt, wie Bücher in einer Bibliothek. Einige kannte ich. Andere nicht. Ich verstand, dass es nur einen Weg gibt, um sicher zu gehen: Alle! Alle müssen sterben.

Auf dem Papier klingt das so einfach: Wenige müssen sterben, um viele zu retten, um Milliarden vor der Vernichtung zu bewahren. Ein paar Kinder für alle Menschen der Welt. Aber es ist nicht einfach, glauben Sie mir das. Nicht, wenn man selbst das Werkzeug der Rettung ist. Dennoch werde ich es tun. Sie werden es ja wissen, wenn Sie dies lesen. Wie ich in die Schule eingedrungen bin. Wie ich sie heraus getrieben habe, alle tötend, die nicht fliehen wollten. Meinen Wagen werde ich an der Sonnenuhr parken, und sie werden auf ihn zu laufen. Wenn die Bombe dann detoniert wird sie fast alle der Verbliebenen mit sich reißen. Um die wenigen Überlebenden und Verletzten werde ich mich dann noch kümmern müssen, bevor ich mich endlich, endlich selbst zur Ruhe schicken darf. Aber das wissen Sie ja bereits. Nur um die Puppen kann ich mich nicht mehr kümmern, ich habe die Kraft nicht mehr. Das müssen Sie dann tun. Es ist nicht schwer, auch sie werden geschwächt sein durch das Ende ihrer Geschöpfe. Wie es geht steht in dem Notizbuch, das ich neben diesen Brief legen werde. Und jetzt gehen Sie und tun, was getan werden muss, im Namen meiner Opfer und aller Menschen auf der Welt.

Ich wünsche Ihnen Glück. Ich wache über Sie!

Der unglückliche Retter der Menschheit.

Er faltet den Brief sorgfältig, steckt in in ein braunes DIN-A5 Kuvert auf das er noch einmal schreibt: „An den Finder.“ Er legt den Brief auf den Tisch. Er legt das Notizbuch daneben. Nimmt es noch einmal auf. Küsst es. Legt es wieder auf den Tisch, nimmt den Rucksack, verlässt die Wohnung und zieht die Tür zum letzten Mal hinter sich zu. Im Rucksack sind die Maschinenpistole, viel Munition, die Zünder, eine Flasche mit Mineralwasser und ein großes Messer. Er hofft, dass er das Messer nicht brauchen wird. Er läuft die Treppe hinab, geht aus dem Haus, steigt in das Auto. Die Bombe füllt den Laderaum und den halben Raum der umgeklappten Rückbank. Noch ist der Sprengstoff ungefährlich, nur elektrische Energie oder sehr große Hitze können die Reaktion auslösen. Rund um die Bombe hat er Kartons drapiert, voller Schrauben, Nägel, Rasierklingen, Blechstücke, Metallkugeln…

Es dämmert bereits. Er fährt die Kölner Straße hinauf, biegt dann auf den Zubringer ab und zur Autobahnauffahrt Opladen. Im Kreuz Leverkusen fährt er auf die A1. Er hat sich für die Autobahn entschieden, weil die Polizei auf der Bundesstraße zwischen Bergisch Neukirchen und Burscheid gerne mal blitzt. Und er weiß, dass er schnell fahren wird, seine Ruhe und Geduld sind dahin. Nur nicht im letzten Moment von einem Zufall gestoppt werden.

Er fährt schnell und schneller – und ist es ein Zufall? Ein Schlag, ein Knall, der Wagen schüttelt sich und dann beginnt die Welt sich zu drehen, rasend schnell. Der Raum um ihn wird eng und enger, sein Van verwandelt sich in einen Kombi, dann in einen Kompaktwagen. Der Airbag knockt ihn kurz aus und flabbert dann vor seinem Gesicht herum, als er in eine dumpfe Benommenheit erwacht. Irgend etwas kommt durch den Boden und dringt in seinen Körper ein, er spürt keinen Schmerz, er wird eins mit der Maschine. Noch ein Krach, noch zwei, drei heftige Bewegungen, dann Ruhe. Es riecht nach Benzin. Er sieht durch einen Schlitz zwischen Motorhaube, Dach und den Resten der Windschutzscheibe zwei helle Punkte auf sich zukommen. Schnell. Er riecht Benzin. Aus den Punkten werden Scheiben, Scheiben aus Licht, sie kommen wirklich sehr schnell näher. Und er riecht Benzin. Und dann hört er es. Erst leise und von fern, dann lauter und lauter werdend, alles verdrängend. Gelächter. Vier Stimmen. Und sie lachen und lachen und lachen. Und er beginnt zu verstehen. Die Falle. Die Täuschung. Er sieht noch einmal alle Zeichen, und er erkennt seinen Fehler. Er versteht nun, was das letzte Opfer ist. Es braucht gar nicht so viel. Das Blut eines Mannes reicht. Nun sind die hellen Scheiben da. Gelächter, Gelächter, Licht überall, und ein Wind, der seine Welt zerreißt.

ENDE

















*Dies ist eine allgemeinverständliche Zusammenfassung der Lizenz und Haftungsbeschränkung (die diese nicht ersetzt).

Sie dürfen:

Teilen — das Material in jedwedem Format oder Medium vervielfältigen und weiterverbreiten, solange Sie sich an die Lizenzbedingungen halten:

Unter folgenden Bedingungen:

Namensnennung — Sie müssen angemessene Urheber- und Rechteangaben machen, einen Link zur Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. Diese Angaben dürfen in jeder angemessenen Art und Weise gemacht werden, allerdings nicht so, dass der Eindruck entsteht, der Lizenzgeber unterstütze gerade Sie oder Ihre Nutzung besonders.

Nicht kommerziell — Sie dürfen das Material nicht für kommerzielle Zwecke nutzen.

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schreckenbergschreibt: Quarantänegeschichte Nr. 22 – Hallo Taxi!

So, das Feuer brennt, kommt näher, lasst Euch eine Geschichte erzählen. Sarahs und meine Aktion geht heute in die vierte Woche, für alle neu Dazugekommenen: Wir haben beschlossen, Euch für die Zeit der sozialen Distanz in Österreich und Deutschland jeden Tag eine Geschichte zu erzählen, sie für das jüngere, ich für das ältere Publikum. Wir tun dies in der Tradition unserer uralten Zunft der Geschichtenerzähler*innen, deren Aufgabe es immer schon war, die Moral des Clans am Lagerfeuer zu heben und schwierige Zeiten ein wenig leichter zu machen.

Nachdem ich Euch gestern relativ harten Tobak zugemutet habe, ist die heutige Geschichte eher freundlich-optimistisch. Finde ich. Wenn man darüber nachdenkt. Also… auf eine Art…

Diesmal sind auch wieder jüngere Zuhörer*innen zugelassen, wenn sie noch Lust auf eine zweite Geschichte haben, nachdem sie bei Sarah drüben von den Leiden des Herrn Salamacian erfahren haben. 🙂

Der Titel der Geschichte verweist auf ihre Entstehung als Beitrag zu einer Wettbewerbsausschreibung mit dem launigen Titel „Hallo Taxi“. Ich habe den Preis nicht gewonnen, ich bin nicht sicher, ob die Ausschreibenden (irgendwas mit Taxen, keine Ahnung mehr, was 😀 ) für diese Art der Interpretation ihres Berufes offen waren. Wobei ich meinen Fahrer hier wirklich sympathisch finde.

Wieder unter der Lizenz Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International (CC BY-NC-ND 4.0)* .





HALLO TAXI

von Michael Schreckenberg

Als Sven auf die Uhr sah, war er schon zehn Minuten zu spät.

Zwanzig vor Zwölf! Verdammte Scheiße.

Er sprang so hastig auf, dass er in bester Slapstick-Manier fast den ganzen Tisch umgerissen hätte, er konnte es gerade noch verhindern und taumelte stattdessen, kaum weniger lächerlich, einige Schritte rückwärts. Die Aufmerksamkeit des ganzen Restaurants gehörte ihm. Sven setzte zu einer Erklärung an, sah, dass es sinnlos sein würde, verkniff sie sich und wandte sich stattdessen an Thomas, der neben ihm gesessen hatte.

„Könntest Du für mich zahlen. Ich… ich bin noch verabredet. Hab ich völlig vergessen. Wenn Du…“

„Kein Problem. Was ist denn los?“

„Nichts. Erzähle ich Dir morgen, okay? Ich muss nur wirklich schnell weg, jetzt.“

„Ja, mache ich.“

„Danke. Okay, also… War ein netter Abend, echt. Tschüss zusammen.“

Er warf einen Blick in die Runde der Kollegen, drehte sich um und verließ eilig das Lokal. Jaqueline wartete in der Lobby des Hotels auf ihn, in Leverkusen, verdammt, auf der anderen Rheinseite. Als er das letzte Mal auf die Uhr geguckt hatte war es halb elf gewesen. Und dann hatte jemand – Arne – hatte Arne diese beschissene Diskussion über Whisky angefangen. Oder nein – die Diskussion hatte er selbst angefangen. Und sich hineingesteigert. Und die Zeit vergessen.Und jetzt war sein Handyakku leer. Wie lange würde Jaqueline warten?

Planlos rannte er die Straße entlang, merkte kaum, dass es regnete, dass er nass wurde, haderte mit sich, dass er den Akkus nicht aufgeladen hatte, dass er nicht daran gedacht hatte, vom Restaurant aus im Hotel anzurufen. Langsam schälte sich so etwas wie ein klarer Gedanke aus dem Wust seiner Konfusion.

Er brauchte einen Bus. Oder noch besser – ein Taxi.

Sven erinnerte sich undeutlich, auf dem Hinweg auf der anderen Straßenseite einen Taxistand gesehen zu haben. Er schaute schnell nach links und rechts, sah, dass die Bahn frei war und rannte über die Straße.

Er hatte den Bus nicht wahrgenommen, der gerade aus der Haltestelle fuhr. Er hörte Bremsen zischen, wandte sich um, rutschte auf der schlüpfrigen Fahrbahn aus und sah hilflos, wie das Ungetüm sich auf ihn zu schob. Himmel, war der groß.

Im letzten Moment gewann Sven seine Fassung zurück und warf sich auf den rettenden Bürgersteig. Der Bus fuhr an ihm vorbei, der Fahrer starrte immer noch nach vorne, als läge Sven noch dort auf der Straße. De rappelte sich hoch, klopfte sinnlos sein völlig versautes Jackett ab und sah sich um. Glück im Unglück – ein Taxi kam aus einer Seitenstraße und fuhr auf ihn zu. Sven riss die Hand hoch und der Wagen hielt direkt vor ihm. Es war ein Volvo, ein alter 760, cremefarben natürlich. Auf der Tür prangte der Name des Unternehmens – „Psychopompos“, ein Grieche wohl – und als Maskottchen ein niedlicher Vogel, der eine Baseballkappe mit der Aufschrift „Taxi“ trug. Keine Rufnummer. „Dämlich,“ dachte Sven.

Der Fahrer beugte sich über den Beifahrersitz, öffnete die Tür und machte eine einladende Geste. Sven ließ sich in das Taxi fallen, mit dem üblichen Gefühl, dass er stets in Taxen hatte – saß er einmal darin, wollte er nie wieder aufstehen.

„Guten Abend.“

Er drehte sich zu dem Taxifahrer. Gottseidank – der sah nicht nach Generve aus. Ein dicklicher Typ, Ende 40, Südländer vielleicht, einen Akzent hatte er nicht. Womöglich war es Herr Psychopompos persönlich. Sven nickte ihm zu und schnallte sich an.

„’n‘ Abend. Nach Leverkusen, bitte.“

„Über den Fluss?“

Sven sah ihn überrascht an. „Ja. Leverkusen. Ramada Hotel. Kostet das extra, auf die andere Seite?“

Der Fahrer schüttelte den Kopf, stellte das Taxameter an und fuhr los.

‚Okay‘, dachte Sven, ‚einer von den Wortkargen.‘ Auch gut, würde er keinen dummen Smalltalk über das Wetter, den Effzeh, Politik oder sonst ein Thema machen müssen, dass ihn nicht interessierte. Im Moment interessierte ihn nur Jaqueline. Und das er möglichst schnell bei ihr war.

„Wie lange brauchen wir?“

Der Fahrer sah ihn mit ausdrucksloser Nachdenklichkeit an.

„Wie immer,“ sagte er schließlich.

„Was meinen Sie? Wie lange genau?“

„Nicht lange.“

Sven beschloss, es aufzugeben. Der Mann sprach zwar einwandfreies Deutsch, aber offenbar ließ sein Wortschatz zu wünschen übrig. Immerhin – ‚nicht lange‘ war unter diesen Umständen nicht schlecht.

Er sah auf die Uhr.

Gleich Mitternacht, er war schon eine halbe Stunde verspätet. Sven sah aus dem Fenster, aber er kannte die Gegend nicht, durch die sie fuhren. Dass hieß nichts, er wohnte erst seit zwei Jahren in Köln und es gab unzählige Ecken, die er noch nie gesehen hatte. Im Moment durchfuhren sie eine Wohnsiedlung, niedrige Einfamilienhäuser, hier und da ein kleiner Laden oder ein Kiosk, einmal glaubte er, einen Kindergarten zu erkennen. Kein Mensch war auf der Straße. Und kein Auto. Sven lehnte sich wieder zurück und schloss die Augen. Jaqueline. Er konnte sie fast fühlen. Er schlief ein…

…und schreckte mit einem Ruck hoch. Der Sicherheitsgurt bremste ihn schmerzhaft. Jetzt fuhren sie durch einen Wald. Einen sehr dichten Wald, wie es schien, die Bäume ließen fast kein Licht durch und er konnte die Straße kaum sehen, trotz der Scheinwerfer. Der Wagen ruckelte und schaukelte heftig. Er sah Tiere im Scheinwerferlicht, große Insekten, die er noch nie gesehen hatte, wie eine nicht besonders gelungene Mischung aus Motten und Libellen. Sven warf einen Blick auf den Fahrer, der ein Lied summte.

„Sind wir hier richtig?“

„Ja.“

Der Mann war von nervtötender Selbstsicherheit. Hätten sie nicht einfach über die B8 fahren müssen? Oder die A3? Aber doch sicher nicht über irgendeinen gottverlassenen Waldweg.

„Sind Sie ganz sicher?“

„Ja.“

„Sie fahren die Strecke oft?“

„Ja.“

Sven sah verstohlen auf die Uhr und stieß einen kleinen Laut der Überraschung aus. Erst fünf nach zwölf. Er hatte den Eindruck gehabt, mindestens eine halbe Stunde geschlafen zu haben. Mit deutlich verbesserter Laune wandte er sich an den Fahrer. Er hatte plötzlich das Bedürfnis, über Jaqueline zu reden. Sie würde da sein. Sie würde auf ihn warten, sicher.

„Wissen Sie, ich habe es etwas eilig. Ich hoffe, meine Freundin wartet auf mich.“

„Wartet sie schon lange auf Sie?“

„Ähm…“ machte Sven, „Ja, so… 35 Minuten.“

Jetzt schaute ihn der Fahrer erstaunt an. „Das ist nicht lang.“

Sven seufzte. Südländer, echt. Manana… „Ansichtssache.“

Der andere zuckte mit den Schultern. „Wie auch immer – wir sind gleich da.“

„Was meinen Sie…“

Sie hatten den Wald hinter sich gelassen und tatsächlich sah Sven, dass die Straße ein Stück weiter vorne an einem Flussufer endete. Dort, am Ende des Weges, wartete eine kleine Fähre, nicht viel mehr als ein besserer Nachen. Das Taxi hielt am Flussufer.

„Was soll das?“ fragte Sven.

„Sie müssen doch auf die andere Seite.“

„Ja, aber…“

„Der Fährmann bringt sie hinüber. Auf der anderen Seite werden sie erwartet.“

Sven sah wieder auf die Fähre. Ein kleines Boot, mit einem niedrigen Steuerhäuschen.

„Warum sind sie nicht einfach über die B8 gefahren?“

Der Fahrer lächelte nur.

Und Sven hatte mit einem Mal das starke, betäubende Gefühl, dass es richtig war, so. Dass es so sein musste. Er sah auf das Taxameter, konnte aber keinen Betrag erkennen.

„Wie viel schulde ich ihnen?“ fragt er mit trockenem Mund.

„Was sie geben wollen.“

Ja, warum auch nicht? Was er geben wollte. Gut. Er griff in die Tasche seines Jacketts, zog seine Portemonnaie hervor und reichte Psychopompos einen Fünfzig-Euro-Schein.

„Der Rest ist für Sie.“

„Danke. Hier, nehmen Sie das.“ Der Fahrer drückte ihm eine kleine, schwere Münze in die Hand. Eine Eule war darauf abgebildet. Und ein paar griechische Buchstaben. „Für den Fährmann. Bezahlen sie ihn erst, wenn sie auf der anderen Seite sind.“

Auch das klang richtig, fand Sven. Eine Erinnerung… „Ja. Ja, ich weiß.“

Es regnete immer noch. Weitere Erinnerungen kamen, Bilder. Seine Mutter, die für ihn sang. Der Geburtstag, an dem er das Feuerwehrauto bekommen hatte. Sein Vater, der ihn auf dem Gabelstapler fahren ließ. Der erste Kuss. Der erste Sex. Abifeier. Volontariat. Und Jaqueline, die Schöne, die Traurige. Dann das Essen mit seinen Kollegen. Zwanzig vor Zwölf, er war zu spät dran, Jaqueline wartete. Und der Bus. Der Bus, der immer näher kam. Der Schmerz…

Er war bei der Fähre angekommen und ging an Bord.

„Wie heißt dieser Fluss noch mal“, fragte er den Fährmann. Er hatte es einmal gewusst, aber wieder vergessen.

ENDE










*Dies ist eine allgemeinverständliche Zusammenfassung der Lizenz und Haftungsbeschränkung (die diese nicht ersetzt).

Sie dürfen:

Teilen — das Material in jedwedem Format oder Medium vervielfältigen und weiterverbreiten, solange Sie sich an die Lizenzbedingungen halten:

Unter folgenden Bedingungen:

Namensnennung — Sie müssen angemessene Urheber- und Rechteangaben machen, einen Link zur Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. Diese Angaben dürfen in jeder angemessenen Art und Weise gemacht werden, allerdings nicht so, dass der Eindruck entsteht, der Lizenzgeber unterstütze gerade Sie oder Ihre Nutzung besonders.

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Der Dunkle Fürst und das Fräulein Niedermaier – Teil 10

Ja, JEDER Mann kennt diesen Reflex. 😀 Und ich hätte gerne die erwähnte Ausgabe des Necronomicon. Wo gibt’s die?

Der Guppy war's und nicht die Lerche

About: Geschichten für euch
Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4
Teil 5
Teil 6
Teil 7
Teil 8
Teil 9

Er hatte vergessen, dass es ja jetzt niemanden mehr gab, der gegen seinen strikten Befehl in sein Allerheiligste einbrach, dort aufräumte und etwaiges Kerzenwachs und/oder Jungfernblut und ähnlich rutschige Substanzen vom Boden entfernte. Ehe Salamacian sich versah, riss es ihm die Füße aus und er knallte mit solcher Wucht auf den Steinboden, dass er Sterne sah. Er versuchte, sich aufzurappeln, glitt aber gleich noch einmal aus, wobei er sich verzweifelt an einem Regal festzuhalten versuchte.
Das Regal reagierte auf diese unwürdige Behandlung damit, nach vorne zu kippen und seinen Inhalt – schwere Bücher, Flaschen voller hochgiftiger Substanzen und Kristallkugeln in verschiedenen Größen – über Salamacian zu ergießen. Niemand bekommt die fünfteilige, in Feuersalamanderleder gebundene Sonderedition des Necronomicons auf den Kopf, ohne erneut zu Boden zu gehen.
Von dort…

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Der Dunkle Fürst und das Fräulein Niedermaier – Teil 9

Tja, Salamacian – be careful, what you wish for. 😀

Der Guppy war's und nicht die Lerche

About: Geschichten für euch
Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4
Teil 5
Teil 6
Teil 7
Teil 8

In der Zwischenzeit ergaben sich auf der Feste des Erstaunlich Dauerhaften Unheils unvorhergesehene Komplikationen.

Deren wahre Tragweite zeigte sich aber erst nach und nach – am ersten Tag nach Fräulein Niedermaiers Verbannung war Salamacian noch mit leichten Herzen und einem Lied auf den Lippen aufgewacht. Zugegebenermaßen, das besagte Lied war ein Requiem in D Minor, aber sogar in Zeiten höchster Vergnügtheit galt es eben, gewissen Berufsstandards einzuhalten.
Er war aufgestanden, hatte geduscht und sich dann ein paar Stunden lang entspanntem Dämonenbeschwören hingegeben, ohne die geringste pinienfrische Sabotage fürchten zu müssen. Danach folgte zwecks körperlicher Ertüchtigung ein Ausritt ins nächste Dorf, wo er in aller Ruhe seine Untertanen bis aufs Blut knechtete, bei der Bestrafung winzigster Vergehen grausame Willkür walten ließ und außerdem einen vorzüglichen Ziegenkäsestrudel zu Mittag aß.

Der Nachmittag…

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schreckenbergschreibt: Quarantänegeschichte Nr. 21 – Vasilisa

Heute erzähle ich Euch mal wieder eine von meinen veröffentlichten Geschichten. Sie ist 2015 in der untenstehenden Anthologie erschienen und sie ist – und ich meine diese Warnung wirklich, wirklich, wirklich sehr ernst:


NICHTS FÜR KINDER!

„Vasilisa“ – also die Geschichte – ist fünf Jahre alt, ich weiß nicht, wie aktuell sie noch ist und inwiefern das Prostituiertenschutzegesetz die Situation geändert hat. Ich fürchte, nicht sehr, aber ich bin, wie gesagt, nicht mehr so in der Materie. Die Recherche für „Vasilisa“ war psychisch anstrengend. Und das sage ich als männlicher Mitteleuropäer, der in einer sehr luxuriösen Situation ist. Im Gegensatz zu meiner Protagonistin und den Frauen, denen sie nachempfunden ist, hatte ich die Wahl, mich mit diesem Thema zu beschäftigen, und dann wieder auf Abstand zu gehen.

„Vasilisa“ ist, auch das ist wichtig, eine fiktive Figur, wie alle Figuren in der Geschichte. Ebenso alle Orte in der Geschichte, abgesehen von der Gegend, durch die sie bei ihrer Flucht läuft, die gibt es wirklich. WAS sie allerdings erlebt ist nicht fiktiv, sondern aus verschiedenen Recherchequellen zusammengesetzt. Und – es ist immer noch eine Geschichte, die in einer Regiokrimianthologie erschienen ist. Ihr dürft also annehmen, dass ich da nicht unbedingt das Schlimmste rein geschrieben habe, was ich bei der Recherche gefunden habe. Ich habe nichts verharmlost, aber das ist noch eine eher… massentaugliche Geschichte.

Soooo… nach all der Vorrede dürfte klar sein, dass diese Geschichte

WIRKLICH NICHTS FÜR KINDER SONDERN NUR FÜR MENSCHEN AB 16 IST!



Wieder unter der Lizenz Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International (CC BY-NC-ND 4.0)* Bitte beachtet dabei, dass JEDE Verwendung den Hinweis auf die Erstveröffentlichung enthalten muss!


Vasilisa

von Michael Schreckenberg

Erstveröffentlichung in „Morde und andere Gemeinheiten“, JUHRVerlag 2015.

NICHT FÜR LESER*INNEN UNTER 16 JAHREN




Sterne über ihr. Der Duft von Wald und Gras. Die Bäume flüstern im Wind und ganz in der Nähe muss ein Bach sein, Vasilisa hört ihn rauschen, riecht ihn in der feuchten, kühlen Luft dieser Sommernacht. Schön. Schön ist es hier.

Fast wie zu Hause.

Sie verbietet sich den Gedanken. Hier, im hohen Gras kauernd wie ein Rehkitz, wachsam, ängstlich, mit nichts als einem plüschigen String-Tanga und einem T-Shirt bekleidet ist sie weit, weit weg von zu Hause. Und schön ist es hier auch nicht. Sie haben sich verlaufen, den Weg verloren, als sie kreuz und quer durch die Wiesen gerannt sind. Nur weg. Sie kennen das Geräusch des Autos, sie kennen es alle drei, und ein Blick genügte, das panische Erkennen, und sie sind von der Straße gesprungen, weg, nur weg. Und jetzt haben sie den Weg verloren.

Vasilisa spürt Olessya und Kazia mehr als sie sie sieht. Sie kauern in der Nähe, sind aber im hohen Gras nicht zu sehen, und das ist gut so. Wenn sie die Freundinnen nicht sehen kann, auf so wenige Meter, dann sind sie hier sicher, gut verborgen. Sie möchte hier bleiben, wo die Wiese duftet und der Wald rauscht, wo sie die Erde unter ihren bloßen Füßen spürt, sich mit den Händen hineinkrallen kann, die Erde selbst kann ihr hier Schutz bieten.

Illusionen. Die Erde bietet keinen Schutz, sie sprechen die Sprache nicht, sie haben keine Pässe, niemand kennt sie, niemand wird ihnen helfen, niemand wird sie schützen. Das hat selbst die Frau gesagt, die Frau mit den blauen Haaren, die Frau, die sie retten will. Sie wartet am Treffpunkt. Aber wenn sie dort nicht hinkommen, zur vereinbarten Zeit, dann wird sie nicht lange warten. Das Risiko ist zu groß. Und was dann?

Vasilisa weiß nicht, dass sie sich im Westen Deutschlands befindet, im Bergischen Land, in einem Ort namens Waldbröl. Sie haben ihr gesagt, dass es auf viele Kilometer im Umkreis nichts gibt als Wald, Hügel und ein paar Dörfer, in denen ihr niemand helfen würde. Stimmt das? Sie weiß es nicht, und sie wird es nicht herausfinden. Was sie weiß ist, dass sie nur eine einzige Hoffnung hat: Sie muss das Autohaus finden, ihre erste Wegmarke. Und von dort aus zu dem Parkplatz des Rewe-Supermarktes, wo die Frau mit den blauen Haaren wartet. Und sie weiß, dass sie sich niemals hätte träumen lassen, dass sie sich eines Tages in einer solchen Situation wiederfinden würde.

Sie hatte sich doch informiert. Vasilisa kannte die Geschichten von den Mädchen, die in den Westen gegangen waren, als Kellnerinnen, Tänzerinnen, Modells. Alle kannten die Geschichten. Sie kamen selten zurück kam, und wenn doch, dann schwiegen sie und niemand fragte. Und dennoch…

„Deine Chance! Als Modell nach Europa! Casting, erste und zweite Runde im Stadttheater.“

„Lass uns hingehen,“ hatte Vasilisa gesagt. Tanja war skeptisch gewesen. Wegen der Geschichten. Also hatte Vasilisa recherchiert, mehr um die Freundin zu überzeugen als für sich selbst. Sie hatte die Agentur gegoogelt, hatte sogar in Deutschland angerufen. Die Mitarbeiterin dort war freundlich und sprach ebenso gut Englisch wie Vasilisa. Ja, eine kleine Agentur. Bilder für Kataloge, Anzeigen in Zeitschriften und im Internet, Plakate. Keine Stars unter Vertrag, keine berühmten Namen, aber einige Mädchen, die mit diesen Jobs gutes Geld verdienten. Das deckte sich mit dem, was die Recherche in den Suchmaschinen ergab. Die Anzeigen waren echt, zwei der jungen Frauen waren sogar in einer deutschen Fernsehwerbung zu sehen, sie fand sie bei Youtube und auf der Homepage der Baumarktkette. Die Agentur gab es wirklich, und sie beschäftigte wirklich junge Frauen aus Osteuropa, auch Ukrainerinnen wie Vasilisa und Tanja. „Das ist wirklich eine Chance, eine echte Chance,“ hatte sie Tanja bedrängt. „Du sagst doch selbst – alles ist besser als hier zu leben.“

„Und alt zu werden,“ hatte Tanja gelacht. „Ja, gehen wir hin.“

Der Vorraum des Theaters war voll gewesen, sie hatten eben noch einen Platz auf einem der Stühle ergattert. Einen großen Teil der Mädchen kannte Vasilisa, von der Schule, aus dem Schuppen, der sich hier großspurig „Disko“ nannte. Fast alle waren sie in ihrem Alter, 17, ein, zwei Jahre älter oder jünger. Vasilisa hatte gesehen, wie der Mann an der Tür zwei kleinere Mädchen wieder nach Hause geschickt hatte, die mochten so 13 oder 14 gewesen sein. Ein paar Frauen waren älter, Anfang, Mitte 20. Von denen kannte sie nur Alina, die wohnte mit ihrer Tochter im selben Haus wie Vasilisas Familie. Vasilisa winkte ihr zu, Alina nickte nur kurz.

„Wir repräsentieren Top-Models auf der ganzen Welt,“ erklärte der ukrainische Vertreter der Agentur, ein rundlicher junger Mann der sich als Yegor vorgestellt hatte, „ihr kennt sie aus dem Fernsehen und den großen Modezeitschriften.“ Die Namen der Top-Modells nannte er nicht. Vasilisa knuffte Tanja in die Seite und grinste sie an. Sie hatte sich ja informiert… Das, was sie unter einem Top-Modell verstand vertrat diese Agentur nicht. Aber sie nahm es Yegor nicht übel, Trommeln gehörte wohl zum Handwerk. Und wer weiß – vielleicht waren ja schon einige berühmte Models dort herausgekommen und später zu größeren Namen gewechselt.

Mit Yegor waren zwei Fotografen gekommen, eine Frau, die Fragebogen austeilte und zwei Männer, die sich im Hintergrund hielten und nie etwas sagten. Tanja und Vasilisa brüteten gemeinsam über ihren Fragebögen. „Viel über unsere Familie,“ sagte Tanja. „Wozu wollen die das wissen?“

Vasilisa zuckte mit den Achseln. „Vielleicht, damit sie wissen, wie sie uns einsetzen können? Fernsehspots in denen eine ganze Familie zu sehen ist, oder so? Muss man ja spielen können.“

„Hm,“ machte Tanja. Dann wurden ihre Augen weit. „Bitte – was?“ Sie hielt Vasilisa den Fragebogen hin und deutete auf die 43. Frage. „Ob ich schon einmal mit einem Mann geschlafen habe? Was geht die das denn an?“

Sie hatte es laut und empört gesagt, Yegor kam an ihren Tisch geeilt.

„Kann ich euch helfen, Mädels?“

Tanja tippte auf Frage 43 und sah ihn anklagend an. Er lächelte verlegen. „Ja, das fragen viele. Wisst ihr… wir haben viele Kunden im Nahen Osten. Und die sind da manchmal etwas eigen. Uns ist das völlig egal, ehrlich. Und wir behandeln das auch diskret.“

„Nein, tut mir leid,“ Tanja stand auf.

„Tanja…,“ sagte Vasilisa.

„Bleib doch wenigstens noch, bis wir die Fotos gemacht haben,“ schlug Yegor vor. „Du kannst deine behalten, auch wenn du nicht durchs Casting kommst. Oder vorher wieder gehen willst.“

„Aber ich muss dafür den Fragebogen ausfüllen?“

Er hob entschuldigend die Hände. „Schon. Aber wenn wir dich nicht in die Kartei nehmen, dann vernichten wir den sowieso. Was sollen wir denn noch damit?“

Tanja setzte sich wieder, grummelte, schrieb aber weiter und gab schließlich ihren Fragebogen gemeinsam mit Vasilisa ab. Aber als sie am Abend, nach der Fotosession, wieder alle zusammentrafen, da gehörte Vasilisa zu denen, die für den zweiten Tag eingeladen wurden. Tanja nicht. Immerhin hielt er sein Versprechen: Beide bekamen vier Ausdrucke auf Fotopapier. Tanja zeigte ihre Vasilisa.

„Sehen cool aus, oder?“

Vasilisa wog unglücklich den Kopf. „Vielleicht, wenn du mehr gelächelt hättest…“

Tanja lachte. „Ich will doch sowieso nicht Model werden. Und ich mag die Bilder.“

Auch Vasilisa lächelte jetzt. „Ja, passen zu dir.“

Die beiden umarmten sich zum Abschied und tauschten Küsschen.

„Viel Erfolg morgen,“ sagte Tanja. „Du schaffst das bestimmt.“

Wohin? Vasilisa hebt den Kopf über das Gras und schaut suchend in die Runde. Dort unten läuft die Straße, dahin kann sie nicht zurück. „Wohin?“ zischt nun auch Kazia auf Russisch mit hartem Akzent. Olessya kommt auch aus der Ukraine, Kazia dagegen ist Litauerin. Vasilia, Olessya, Kazia. Schon die Namen sagen zu dürfen bedeutet Freiheit. Dort waren sie Zuzana, Swetlana und Roxy. „Das sind Eure Namen!“ hatte der Deutsche gesagt. „Die anderen vergesst Ihr besser.“

Sie muss den Weg finden. Sie ist die Erfahrenste, die Älteste vielleicht auch, sie hat die beiden angestiftet, mitzumachen. Warum? Alleine hätte sie es nicht geschafft, weder, Lars zu überwältigen noch durch den Zaun zu kommen. Sie brauchte Helferinnen. Und nun ist sie für sie verantwortlich.

„Dort!“ Nur ein Gefühl, sie läuft die Wiese hinauf, die anderen folgen ihr. Und dann sieht sie es, leuchtend in der Dunkelheit, und die Erleichterung breitet sich warm in ihrem Bauch aus, macht ihre Beine weich, fast fällt sie.

BMW!

Die erste Wegmarke, ein Autohändler. So sehr hatten sie sich gar nicht verlaufen. Vasilisa läuft den Weg entlang, zwei Bäume bilden mit ihren Blättern ein Tor, fast hat sie das Gefühl, hindurch in die Freiheit zu laufen, dabei haben sie gerade mal die erste Etappe geschafft. Und auch das noch nicht ganz.

Kazia rennt an ihr vorbei, keuchend, lachend und Vasilisa stürzt in die Wirklichkeit zurück, sieht ihren eigenen Leichtsinn in dem der Freundin.„Kazia!“ zischt sie, so laut wie möglich, so leise wie die Vorsicht es gebietet. „Warte!“

Die Kleine hört sie nicht und Vasilisa beginnt zu sprinten, bleibt dabei geduckt. Ihre Sinne sind jetzt angstscharf, der Instinkt eines Tieres, und sie wittert Gefahr. Der Bach rauscht noch, das Laub wiegt sich immer noch flüsternd im Wind, dennoch ist es still, so menschenstill, dass sie Kazias klatschende Schritt auf dem Asphalt deutlich hört. Das Mädchen hat die Wiese längs des Weges verlassen und rennt hügelabwärts auf das Autohaus zu, jede Deckung vergessend, was macht die da?

Vasilisa hat Kazia fast eingeholt, als sie die Wagen sieht. Und einen erkennt sie sofort. Sie wirft sich nach links rennt weiter, dort, hinter dem BMW-Haus sind Autos abgestellt, viele Autos, zwischen denen kann sie sich verstecken. Olessya ist hinter ihr, neben ihr, sie war die ganze Zeit da. Unten flammen Scheinwerfer auf, Kazia schreit auf. Olessya schaut Vasilisa an.

„Woher wussten die das?“

Die Ältere schüttelt den Kopf. „Ich weiß nicht. Aber… wo sollten wir denn hin. Die Frau hat gesagt, wir müssen uns verstecken, sie werden überall sein.“

Olessyas Gesicht ist reine Hoffnungslosigkeit. „Aber wieso gerade hier? Woher wussten die das? Es gibt so viele Wege, so viele Orte…“

Wieder schüttelt Vasilisa den Kopf. „Nein. Hier gibt es nicht viele Orte, nicht wirklich. Sie brauchten nur…“

Weiter kommt sie nicht, denn jetzt schreit Kazia. Und es ist kein Schrei des Erschreckens, wie vorhin. Da ist nur Schmerz. Und Verzweiflung.

Und noch ein Schrei, lang.

Vasilisas Körper ist gelähmt, ihr Verstand aber ist seltsam klar. „Eine Botschaft ist das,“ denkt sie durch die Schreie der Kleinen hindurch. „Niemand hört Euch. Niemand wird Euch helfen.“

Olessyas Hand auf ihrem Arm, dort unten noch ein Schrei, die Finger krallen sich in Vasilisas Bizeps.

„Wir müssen… wir müssen…“ stammelt Olessya.

„Kommt raus!“ Lars‘ Stimme. Der Zorn darin ist echt, sie haben ihm vorhin übel mitgespielt. Nicht übel genug.

„Warum haben wir ihn nicht umgebracht?“ fragt Vasilisa sich, während ein anderer Teil ihres Verstandes mit fliegender Hast einen Ausweg sucht. Und wieder schreit Kazia, wilde, keuchende Schreie mit jedem Atemzug, als menschlich kaum noch zu erkennen. Das muss doch jemand hören. Aber selbst wenn? Wer folgt denn solchen Schreien mitten in der Nacht? Neben ihr beginnt Olessya zu weinen.

„Niemand wird Euch helfen.“ Das hat Lars gesagt, das haben Oleg und Tommy gesagt und wie sie alle heißen, und das hat die Frau mit den blauen Haaren gesagt. „Niemand. Nur ich.“

Die Frau ist nicht weit von hier. Sie wartet auf dem Parkplatz es Supermarktes, und noch ist es nicht zu spät, bestimmt nicht.

„Kommt raus, oder ich schneide die kleine Fotze in Streifen!“

Wieder schreit Kazia.

„Ist gut!“, schreit Olessya unter Tränen. „Wir machen was Du sagst!“

Sie dreht sich nach Vasilisa um – aber die ist verschwunden.

Dass Olessya brechen würde, war Vasilisa mit dem ersten Schluchzen klar. Und was das bedeutete auch. Sie schleicht zwischen den Autos hindurch, während die Stimmen näher kommen. Ein dumpfer Laut, wieder ein Schrei, das ist Olessya. „Gut,“ sagt ein böser, pragmatischer Teil in ihr der Teil, der sie durch all das Entsetzen hindurch vor der Panik bewahrt. „Gut. Wenn sie mit ihr beschäftigt sind, dann können sie nicht nach dir suchen.“ Sie schleicht um das Autohaus herum, schneidet den Weg durch einen Grünstreifen mit Bäumen und Büschen hindurch ab und gelangt auf einen weiteren Parkplatz.

Jenseits der asphaltierten Auffahrt zum Autohaus sieht sie einige flache Gebäude und davor das genau Gegenteil des sauberen, leuchtenden, aufgeräumten Glasbaus hinter ihr. Container, Haufen schwer erkennbarer Dinge, Chaos. Gute Verstecke, während die Stimmen näher kommen.

Sie sprintet über die Straße springt an den Zaun und sieht den Stacheldraht zu spät. Als sie sich über den Rand schwingt reißen die Dornen ihren Unterschenkel auf, aber der Schmerz ist fern, nichts verglichen mit der Erleichterung darüber, dass niemand ihren Spurt und ihren Sprung gesehen hat. Sie kriecht in einen flachen Container, verbirgt sich im Schutt. Der Riss in ihrem Bein schmerzt, Blut fließt auf ihre Füße, aber das ist jetzt nicht wichtig. Still sein. Kazia schreit. Klein sein. Und Olessya. Eins werden mit der Umgebung. Lars brüllt nach ihr. Nicht mehr da sein.

Vasilisa weiß nicht, dass sie sich auf dem städtischen Bauhof versteckt hat. Sie weiß nicht, dass ihre Häscher in Zeitnot sind, dass der Wachdienst, der ein Auge auf das BMW-Autohaus hat, bald wieder hier vorbei kommen wird. Dass es vielleicht das Beste für sie wäre, bliebe sie einfach hier liegen und ließe sich am nächsten Tag finden. Sie hat gelernt, dass sie keiner Hoffnung trauen kann. Nur den Drohungen, die immer wahr werden. Und sich selbst.

Am zweiten Tag waren nur sehr wenige zurückgekommen. Vasilisa erkannte erstaunt, dass nicht einmal alle die noch da waren, die am Abend zuvor eine Einladung für das zweite Casting bekommen hatte. Vielleicht hatte manche abgeschreckt, dass der Vertrag in Hebräisch geschrieben war – weil ihre ersten Jobs in Tel Aviv gebucht waren, hatte Yegor erklärt. Da suchte ein Kunde für einen Modekatalog natürliche, unverbrauchte Gesichter, und die Agentur wollte sie gleich dorthin schicken. Sonne, Strand, einige würden sogar einen Surfkurs machen, für die Bademodenfotos. Wer wollte konnte sich eine Übersetzung der wichtigsten Punkte geben lassen, und Vasilisa hatte darauf bestanden. Alles klang gut, nur, dass sie die 5000 Euro, die die Agentur ihnen für Kleidung, Unterkunft, Reisen und Setcards vorstreckte würde zurückzahlen müssen machte ihr etwas Sorge. Aber Yegor meinte, die meisten hätten das in drei Monaten wieder drin, die Letzten normalerweise nach einem halben Jahr.

Zu Hause musste sie keine große Überzeugungsarbeit leisten. Bei einigen von den anderen mochten die Eltern Probleme gemacht haben, aber ihre Mutter war beschäftigt und unterzeichnete den Vertrag für sie ohne überhaupt hinzuschauen, ihr Vater war wie üblich nicht zu Hause. Zu den wenigen, die am zweiten Tag zurückkehrten, gehörte auch Alina.

„Wie machst du das mit deiner Kleinen?“ fragte Vasilisa sie in einer Pause des Castings.

Alina zuckte mit den Schultern und seufzte. „Meine Mutter passt auf sie auf. Wenn ich Urlaub habe, komme ich zurück. Ich mache das nicht länger als drei oder vier Jahre, dann habe ich genug Geld und komme zurück, bevor sie in die Schule kommt.“

Vasilisa hatte genickt. Das klang nach einem guten Plan.

Das zweite Casting bestand aus einer weiteren Fotorunde, diesmal mussten sie dabei tanzen, und dann fast nur aus einem langen Vorstellungsgespräch. Die beiden Männer, die gestern kein Wort gesagt hatten, wurden ihnen als Herr Bruijn und Herr Ackermann vorgestellt, sie führten die Gespräche. Vasilisa konnte sich nachher kaum daran erinnern, nur, dass es lange gedauert hatte, dass es um ihre Familie gegangen war, die Schule, die Freundinnen, sie war zu aufgeregt gewesen. Yegor hatte ihr bedeutet, dass diejenigen, die sie dazu einladen, hatten so gut wie aufgenommen waren. Und tatsächlich schickten sie danach nur noch zwei Mädchen nach Hause, die Vasilisa flüchtig aus der Schule kannte. Jetzt waren sie noch neun. Yegor strahlte sie an.

„Glückwunsch, ihr Lieben. Ihr habt es geschafft.“

Vasilisa brauchte einen Moment, bis sie begriff, und dann brach der Jubel sich Bahn. Sie schrien, klatschten und lachten, einzig Alina lächelte nur ein bisschen, aber das verstand Vasilisa. Die dachte bestimmt an die lange Trennung von ihrer Tochter.

Dennoch waren sie am Abend nur zu siebt als sie, Rucksäcke, Koffer und Taschen neben sich, darauf warteten, dass Yegor sie abholte. Er kam mit einem geräumigen Van, schaute in die Runde, erkundigte sich nach dem Verbleib der beiden Fehlenden, wartetet dann aber nicht, sondern ließ sie alle in den Wagen steigen.

Sie fuhren stundenlang, Vasilisa nickte zwischendurch ein und konnte so nur raten, wie lange sie unterwegs gewesen waren, als sie auf einen Parkplatz in der Mitte von Nirgendwo einbogen, rings um sie nur hohe Nadelbäume. Am Himmel war das nächtliche Schwarz bereits dem tiefen Blau der ersten Dämmerung gewichen. Das war Vasilisas liebste Zeit am Tag, sie liebte die Farben und die Luft vor dem Morgen. Als sie aus dem Van stieg atmete sie tief ein und lachte. Wenn das kein gutes Omen war.

Yegor ging zu den Bussen hinüber, in denen bereits einige Frauen saßen. Vor den Fahrzeugen standen dagegen ausschließlich Männer. Yegor sprach mit ihnen, die Atmosphäre schien freundlich, die Männer nickten viel und lachten. Dann kam ihr Begleiter zurück.

„Du, Du und Du.“ Er zeigte auf Vasilisa, Alina und ein Mädchen namens Leyla, das Vasilisa nicht näher kannte. „Ihr fahrt da mit.“ Er zeigte auf den linken Bus. „Der Typ heißt Tommy. Netter Kerl.“

„Auch von Eurer Agentur?“ fragte Alina. Yegor nickte.

Gerade als Vasilisa einsteigen wollte, gab es Tumult an dem anderen Bus. Sie zerrten eine schreiende junge Frau heraus, sie blutete aus der Nase. Die Frau taumelte ein paar Schritte, dann trat einer der Männer ihr die Beine weg und sie fiel. Zu viert traten sie auf sie ein, bis die Schreie aufhörte und das Bündel sich nicht mehr bewegte. Vasilisa und die anderen starrten fassungslos. Zwei der Männer lösten sich aus der Gruppe und kamen zu ihnen. Der eine ging an Vasilisa vorbei ohne sie auch nur anzusehen und setzte sich auf den Fahrersitz des Busses. Der zweite baute sich vor ihre auf und sah sie herausfordernd an. Er war kaum größer als sie, aber er schien nur aus Schultern, Armen und einem riesengroßen, kantigen Gesicht zu bestehen.

„Was?“

„Wieso…“ flüsterte Vasilisa.

„Journalistenschlampe. Hat sich bei uns eingeschlichen. Steig ein.“ Und dann, wie um irgendeine Form wiederherzustellen. „Kannst mich Tommy nennen.“

Sie suchen nach ihr, Vasilisa hört sie, Schritte, Gemurmel. Die Nacht ist so still, dass sie die Worte fast versteht, und dazwischen das erstickte Schluchzen. Sie vermutet, dass es Olessya ist. Immerhin quälen sie sie nicht weiter, nicht jetzt und hier. Sie haben wohl begriffen, dass Vasilisa für Olessya ebensowenig herauskommen wird wie für Kazia. Also warum weitere Wertminderung an der Ware betreiben. „Ramschen“ nennen sie das, und sie machen es selten. Geschäft ist Geschäft. Dann, ein paar grauenvolle Sekunden lang das Rappeln des Zauns, sie ist überzeugt, dass sie hinüberklettern und sie finden werden, nur eine Frage der Zeit. Und dann? Sie weiß, was mit Alina geschehen ist…

Aber niemand klettert über den Zaun, stattdessen Tommys laute Stimme, sie hört die Wagentüren, dann die Motoren, sie fahren davon.

Vasilisa ist nicht naiv genug zu glauben, dass sie die Jagd aufgegeben haben. Alina hat das geglaubt, damals, das war ihr Fehler. Sie werden Patrouille fahren, bis zum Morgen. Aber so viel Zeit hat sie nicht. Sie muss zum Parkplatz, dorthin, wo die Frau mit den blauen Haaren wartet. Als sie genug Mut gesammelt hat, verlässt die den Container, klettert wieder über den Zaun, läuft um die Vorderseite des Bauhofs und verbirgt sich dann zwischen einigen, hohen Bäumen. Sie hat immer noch einen groben Plan ihres Fluchtwegs im Kopf, aber der ist jetzt zu lang, zu kompliziert. Die Frau hat ihr die Karte gezeigt, Vasilisa hat sie sich eingeprägt, abgezeichnet. Die Hauptstraße darf sie nicht nehmen, da werden sie warten, Sicherheit bieten nur die kleinen Pfade, die Schleichwege. Aber wenn sie zum Himmel schaut, dann weiß Vasilisa, dass die Zeit knapp wird, sie muss einen gefährlicheren Weg wagen. Sie schleicht die stille Straße entlang, weiter im Schatten der Bäume, vorbei an der Rückseite eines Gebäudes, dass, wenn sie ihren Plan richtig im Kopf hat, ein Fitnessstudio sein muss. Also ist die Straße dort… „Talstraße“. Die Buchstaben auf dem Schild sagen ihr nichts, aber das Schriftbild kommt ihr bekannt vor. Gut. Nicht sicher, aber sie ist auf dem richtigen Weg. Vasilisa sammelt Luft, sammelt Entschlossenheit, dann beginnt sie, die lange Straße entlang bergauf zu laufen. Sie war zu Hause immer eine gute Sportlerin, und hier haben sie darauf geachtet, dass die Mädchen in Form bleiben, es gab sogar ein Laufband, einen Fahrradergometer und ein paar Maschinen mit Gewichten. Alles zur Hebung des Warenwertes. Der Lauf den Berg hinauf ist anstrengend, aber immer wenn sie einen Motor hört, macht Vasilisa eine Zwangspause, duckt sich hinter ein Auto vor dem Geschäft mit den Spielwaren und der Babyausstattung, unter die Mauer in einer Seitenstraße. Dann wechselt sie die Straßenseite, denn dort sind wieder Bäume, die ihr Deckung geben. Sie hat nie viel auf Bäume gegeben, abgesehen davon, dass sie als kleines Kind gerne im Park gespielt hat. Heute Nacht aber sind sie ihre Freunde, immer wieder, bieten ihr Schutz und eine flüchtige Form von Sicherheit.

Sie erreicht den Kreisverkehr mit schmerzenden Lungen, die Wunde brennt. Vasilisa wendet sich nach rechts. Ja, dort ist die Turnhalle, davor wieder Bäume, wie ein kleiner Park. Noch einmal Rast. Zwei Autos fahren vorüber, den Klang des einen glaubt sie zu erkennen, sie presst sich an die Borke ihres Beschützers, will eins mit ihm werden, hineinkriechen, fort sein. Aber jetzt ist es nicht mehr weit. Sie sprintet die Straße entlang, dann rechts in die Dunkelheit der schmalen, baumgesäumten Gasse. Bergab wieder, in Sicherheit, in die Dunkelheit…

Ein Auto biegt hinter ihr in den Raabweg ein und sie erkennt den Klang, völlig ohne Zweifel. Noch haben die Scheinwerfer sie nicht erfasst, aber jeden Moment muss sie im Licht sein, und dann gibt es keine Flucht mehr. Nicht jetzt noch, nicht so kurz vor dem Ziel. Vasilisa beginnt wieder zu rennen, mit der Kraft der letzten Verzweiflung.

Sie hat nie erfahren, ob das Mädchen auf dem Parkplatz im Wald wirklich eine Journalistin war, aber das war auch nicht wichtig. Was geschehen war, war ein Exempel, und alle haben es verstanden.

Ist Vasilisa da schon aufgewacht? Sie hätte es selbst nicht sagen können. Aber spätestens in dem Club am Meer hat sie es begriffen. Sie hat nie erfahren, wo er war, wahrscheinlich in Griechenland, die Buchstaben waren alle griechisch. Hier wurden sie eingeritten, wie die Männer es nannten. Vasilisa passierte es nur zweimal, dann hatte sie gelernt, dass es besser war, sich zu fügen. Alina aber…

Im Club bekamen sie so etwas wie eine Ausbildung. Vasilisa hatte lange aufgehört, von der Modelkarriere zu träumen, sie hatte überhaupt keine Träume mehr als den, den nächsten Tag ohne Kunden, Schmerzen, Strafen zu überleben. Alina war anders. Sie hatte ihre Tochter zu Hause, sie hatte noch lebendige Träume, sie hatte noch Wut. Ihre Fluchtvorbereitungen traf sie im Stillen, klug, behutsam und alleine, und fast hätte es geklappt. Sie brauchten drei Tage, bevor sie sie zurückbrachten.

Die Mädchen mussten zuschauen, als sie den Film mit Alina machten, von der Galerie über dem Studio. Wer die Männer waren wusste Vasilisa nicht, es war keiner dabei, den sie kannte. „Stellen wir morgen ins Netz“, sagte Tommy aufgeräumt, während er neben Vasilisa stand und einen Apfel aß. „Sehr gefragt. Der ganze Film kostet, klar, aber die kurzen Clips die wir machen kann jeder abrufen, ganz legal. Naja…“ er strich ihr durchs Haar. „Noch drei, vier härtere Filme und dann hat sie genug, denke ich. Mal sehen, was wir dann noch mit ihr anfangen können.“ Unten in dem Raum lachte Alina und schrie vor gespielter Lust. Vasilisa erfuhr später, dass sie ihr Bilder ihrer Tochter gezeigt hatten. „Du oder sie.“

Wieviel Zeit verging, bevor sie sie nach Deutschland verschickten, wusste Vasilisa nicht. Es war ein großes Haus, nah am Wald, geschützt von einer Mauer, Stacheldraht auf der Krone. Hier lebten sie nur, zwei Mädchen pro Zimmer, sie lebte mit Kazia. Die Kleine behauptete immer, 17 zu sein, aber Vasilisa konnte das nicht glauben. Und für die Filmaufnahmen nahmen sie Kazia nie. Sport, essen, schlafen. Baden, dreimal am Tag und nach dem Sex. Langeweile. An guten Tagen. Die meisten waren nicht gut. Sie fuhren sie mit dem Van in die Bordelle der Umgebung, manchmal auch in Clubs oder Hotels. Die Männer interessierten sich nicht für Zuzana, für Vasilisa schon gar nicht. Die Mädchen waren das Angebot, die Männer die Nachfrage. Bis der Bodybuilder mit der Glatze kam. Der wollte nur reden. Das war nicht neu. Aber was er sagte…

Vasilisa glaube ihm zuerst nicht. Aber dann brachte er die Frau mit den blauen Haaren mit. Sie erzählte von der Organisation. Und dem Plan. Und Vasilisa begann, wieder zu träumen.

Vor ihr endet der Weg an der Wand eines Gebäudes. Sie taucht mit einem Sprung in den schmalen Weg zur rechten, rollt sich ins Unterholz an dessen Rand, wartet. Der Wagen kommt heran, hält, der Motor röhrt wie erstaunt. Warten, warten, endlose Momente. Dann wendet Tommy das große Auto und fährt zurück, den Raabweg hinauf.

Ein Traum wird wahr. Vasilisa läuft oberhalb des Baches entlang, dann wieder in den Raabweg, auf den Parkplatz, dort ist der rote Kleintansporter. Die Frau schließt sie in die Arme.

„Die anderen?“

Vasilisa schüttelt den Kopf.

Sie fahren davon, in die Freiheit, über waldgesäumte Straßen, in eine große, leuchtende Stadt hinein, zur Rückseite eines großen Hauses. Die Frau führt sie hinein, gibt ihre saubere Kleidung, zeigt ihr ein Zimmer. „Das mit dem Pass regeln wir,“ sagt sie noch. „Schlaf gut.“

Vasilisa wäscht sich, legt sich in das saubere, duftende Bett, schläft ein.

Lassen wir sie schlafen, sie ist frei. Vasilisa weiß nichts von dem Krieg zweier Mädchenhändlerringe, weiß nichts davon, dass Tommy, Lars, Oleg und die anderen so gut wie am Ende sind. Ihnen die Mädchen zu stehlen ist eine simple Machtdemonstration. Sie weiß nichts von dem Plakat gegenüber dem großen Haus, in dem sie selig schläft: „Party! Party! Party! 50 international Girls, Fun-Flatrate.“

Der Bodybuilder und die Frau mit den blauen Haaren sind eindeutig auf der Seite der Sieger.

Aber für eine halbe Nacht, ein paar Stunden Schlaf und die Dauer eines langen Traumes ist Vasilisa wirklich frei.

ENDE












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