schreckenberglebt: History will teach us nothing

Aber die Arbeitsplätze. Aber die ökonomische Vernunft. Aber die Versorgungssicherheit. Aber meine jahrelange Erfahrung.

Wertlos, Leute. Alles wertlos.

Wir leben in einer interessanten Zeit, historisch gesehen. Wer sich ein wenig mit Geschichte beschäftigt hat weiß, dass das nicht unbedingt erstrebenswert ist. Und ja, ich zitiere oben Sting damit, dass wir nichts aus der Geschichte lernen (können), aber ich werde unten sagen, wie ich das meine. Generell können wir eine Menge aus der Geschichte lernen. Zum Beispiel, dass es eher günstig ist, in uninteressanten Zeiten zu leben.

Tun wir aber nicht. Die überwiegende Mehrzahl aller seriösen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich mit dem Thema beschäftigen, sagt uns, dass wir kurz davor stehen, durch unser Verhalten eine nicht wieder aufhaltbare Kettenreaktion zu triggern, die das Klima auf unserem Planeten nachhaltig verändern wird. Ich verlinke hier keine Studien oder entsprechenden Seiten, wer sich IMMER NOCH vormachen will, dass sei nicht so, soll gefälligst selber recherchieren oder hat sich endgültig aus dem vernünftigen Konsens verabschiedet. Um es ganz klar zu sagen: Ich diskutiere nicht mit Leuten, die ihre Argumentation aufbauen mit: „Die Wissenschaftslobby mag vielleicht sagen, dass 2+2 = 4 ist, ich fühle das aber anders, für mich ist es 7.“ Solche Diskussionen haben keinen Sinn, die Probleme, vor denen wir stehen erlauben einfach nicht, dass wir uns mit der gefühlten Wahrheit von jedem auseinandersetzen, der sie für wichtig hält. Aber zu dem Thema wollte ich später mal bloggen.

Wenn wir nicht sofort handeln wird diese Kettenreaktion also kommen. Und es ist wenig verwunderlich, dass die Generation, die davon am meisten betroffen ist, jetzt beginnt, dagegen aufzustehen. Ihr Vorbild (um von einer Anführerin zu sprechen ist es noch zu früh) dabei ist Greta Thunberg, eine junge Frau (nein, kein Kind!), die nicht einmal besonderes Charisma ausstrahlt, sondern vor allem ehrliche Entschlossenheit und Kompromisslosigkeit. Schon daraus sollte die ältere Generation – also zum Beispiel meine – lernen, was da auf sie zukommt. Eine Massenbewegung, die immer entschlossener und immer kompromissloser werden wird, so lange man nicht auf sie hört. Und das ist richtig so, den alle Kompromisse sind hier faul.

Ein Großteil von uns Älteren hat das noch nicht verstanden, und all die Politiker*innen von Elizabeth Warren über Paul Zimiak bis Christian Lindner, die sich gerade blamieren, sind nur die Spitze eines Eisberges. Ich muss nur in meine private Timeline in den sozialen Medien gehen und finde viele Menschen (meist – sorry – Männer) meiner und älterer Generationen, die vor allem die rethorisch gemeinte Frage stellen, ob denn Erfahrung gar nichts mehr zählt, wenn jetzt die Jugend aufbegehrt.

Nein, sie zählt nicht, die Erfahrung. Und das aus einem ganz einfachen Grund: Wir haben mit dem, was da kommt, keine Erfahrung.

Unser ganzes politisches System – und übrigens auch die meisten anderen politischen Systeme auf der Welt, totale Kleptokratien mal ausgenommen – beruhen auf dem Ausgleich von Interessen, dem Kompromiss. Das gilt natürlich in besonderem Maße für Demokratien, aber auch die primitivste Diktatur muss wenigstens darauf Bedacht sein, sagen wir, einen Interessenausgleich zwischen Palastwache und Panzertruppen herzustellen, sonst wird eine der Gruppen sauer und putscht. Alle derzeit lebenden Menschen haben gelernt, dass Politik die Verhandlung unterschiedlicher Interessen mit dem Ziel eines Kompromisses ist. Mit dem ist zwar nie jemand wirklich glücklich und immer spiegelt der Kompromiss die Machtverhältnisse wieder, aber im Kern ist es so. Und ganz besonders gilt dies für die politische Klasse.

Leider funktioniert der Klimawandel nicht so. Man kann mit Physik und Chemie nicht verhandeln. Das ist es, was völlig neu ist. Klar – es gibt immer wieder Punkte, in der Geschiche an denen alte Erfahrungen nutzlos und schädlich waren. Den ersten Weltkrieg haben alle Parteien mit großangelegten Offensiven begonnen. Aber sowas wie jetzt, wo Erfahrung plötzlich global nutzlos ist? Mir fallen da die Pestepedimien ein, mit der Pest konnte man auch nicht diskutieren. Aber auch die war stets mehr oder weniger lokal. Vielleicht haben wir so etwas seit dem Ende der letzten Eiszeit nicht mehr erlebt, und die daraus resultierenden Flutgeschichten gehören zu den schrecklichen kollektiven Mythen aller Kulturen.

Es gibt keinen Interessenausgleich zwischen „ökonomischer Vernunft“ und „ökologischer Vernunft“. Es gibt keinen vernünftigen Kompromiss, zwischen den Nutzern und Erzeugern fossiler Energien und der kommenden Generation. Wenn wir – in der kurzen Zeit die noch bleibt – die kommende Kettenreaktion aufhalten wollen müssen wir genau das tun, was die von uns verlangen, die noch zu jung sind, um wirklich selbst entscheidend politisch einzugreifen. (Sie sind übrigens nur noch ein paar Jahre zu jung dafür, und ein paar Jahre später werden sie den Großteil der Macht haben, und dann gnade uns Älteren Gott, wenn wir versagt haben).

Wir müssen uns von all dem verabschieden, was wir zu wissen glauben. Dass Wachstum gut ist. Dass wir unseren Wohlstand halten können. Dass unser politisch-ökonomisches System Sicherheit, Freiheit und Wohlstand garantiert (das tut es sowieso nur für eine Minderheit der Menschen, der wir hier im Nordwesten zufällig angehören). Dass alles so weiter gehen kann. Dass kleinteilige Einheiten wie Nationen in der Lage sind, sich globalen Problemen zu stellen. Und auch: Dass es darum geht „den Planeten“ oder „die Insekten“ oder sonstwas zu retten. Der Planet ist vier Milliarden Jahre alt, und wir haben nicht den geringsten Grund anzunehmen, dass es ihm nicht egal ist, ob und was da auf ihm herumkreucht. Er hat eine Menge Massenaussterben kommen und gehen sehen, dass der Dinosaurier oder das, das wir aktuell veranstalten, waren/ sind da eher mittelmäßig. Die Insekten werden uns auch überleben. Sie dominieren besagten Planeten seit Jahrmillionen und werden das auch weiter tun, egal, ob wir die Arten die mit uns ins Symbiose leben, ausrotten oder nicht. Was wir retten können, wenn wir schnell handeln, ist uns selbst und wahrscheinlich unsere Zivilisation, wenn auch unter anderen Vorzeichen.

Wer heute mit einem/einer Jugendlichen, der/die sich zum Beispiel an den Fridays for Future beteiligt, über Politik diskutiert und seine Gegenargumentation mit „meiner Erfahrung nach“ beginnt, der diskutiert auf dem Niveau von: „Wir haben Jahrzehntelang gut mit 2+2 = 7 gelebt.“ Es geht nicht mehr.

Da ich mit Sting begonnen habe, möchte ich mit Bob Dylan enden:

Come mothers and fathers
Throughout the land
And don’t criticize
What you can’t understand
Your sons and your daughters
Are beyond your command
Your old road is
Rapidly agin‘.
Please get out of the new one
If you can’t lend your hand
For the times they are a-changin‘


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schreckenbergzeigt: Den Impfgegnern ins Stammbuch……

Wenn ich meinen Teller nicht leer esse und es am nächsten Tag regnet. Wenn ich Gefangenen das Herz raus schneide und die Sonnenfinsternis endet. Wenn ich eine Impfung bekomme und ein halbes Jahr später eine Allergie bekomme. Impfgegnertum ist die Ausgeburt einer satten, ingnoranten, vorwissenschaftlichen Luxusdummheit. Hier ein paar Worte eines erfahrenen Arztes dazu:

alfredwassermair

Wir können heute Gravitationswellen messen. Das heißt wir können die Veränderungen die in der Raumzeit entstehen, wenn in 5 Milliarden Lichtjahren Entfernung zwei schwarze Löcher kollidieren, hier auf der Erde messen. Am Laser Interferometer Gravitational-Wave Observatory in Louisiana wurde so eine Messung 2015 erstmalig durchgeführt und die beteiligten Wissenschaftler haben dafür 2017 den Nobelpreis erhalten. Das ist eine wissenschaftliche Materie,die für Laien, für das Alltagsdenken und den Hausverstand unzugänglich ist. Niemand würde aber deshalb auf die Idee kommen, den Nobelpreisträgern zu erklären, das es Gravitationswellen gar nicht gibt.

1796 führte der englische Arzt Edward Jenner die erste Vaccination mit Kuhpocken durch und begründete damit eine der wichtigsten und effektivsten prophylaktischen Techniken in der Medizin. Allerdings war er nicht der Erste. Denn die Abschwächung der Pockenerkrankung durch die Methode der Impfung mit echten Pocken war im Orient und in Westafrika bereits seit langem bekannt. Allerdings hatte diese Form der Lebendimpfung manchmal…

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schreckenberglebt: Frauenparkplätze

Eigentlich müsste die Kategorie „schreckenbergkapiertesnicht“ heißen. Frauenparkplätze? Echt Leute? Müssen wir jetzt wieder über Frauenparkplätze diskutieren? Sind wir zurück in den 90ern oder was? Ich habe es damals schon nicht kapiert.

Also, für alle die zu doof sind es selbst zu begreifen: Ca. 99 Prozent der erwachsenen Opfer von sexualisierter Gewalt sind Frauen. Bei sexuellen Belästigungen sind es 97 Prozent. Ich verlinke die verdammten Statisktiken jetzt bewusst nicht, wer das WIRKLICH nicht glaubt soll verdammt nochmal suchen gehen. Ist mir zu blöd. Zwar finden die meisten Akte sexualisierter Gewalt durch Personen aus dem sozialen Nahbereich in der Wohnung des Täters oder des Opfers statt, aber natürlich sind zum Beispiel Parkhäuser ideale Orte für Täter, die ihre Tat NICHT in ihrer Wohnung oder der des Opfers verüben. Muss ich das irgendwem erklären? Versteht Ihr alle, warum das so ist? Ja? Danke.

Was also ist verdammt nochmal logischer, als an diesen potentiell gefährlichen Orten Plätze für die potentiellen Opfer zu reservieren, die potentiellen Tätern die Tat erschweren? Ist das überhaupt eine Frage oder einen zweiten Gedanken wert? Um mich entsprechend zu verhalten brauche ich nicht die Straßenverkehrsordnung, das diktieren der gesunde Menschenverstand und simple Mitmenschlichkeit.

Männer, die sich dadurch ernsthaft diskriminiert fühlen sind erstens erbärmlich und sollten sich zweitens mal überlegen, was schlimmer ist: ihre persönliche gefühlte Diskriminierung und die 20 Meter die sie mehr gehen müssen, oder die Vergewaltigung, die statt findet, weil das Opfer keinen Parkplatz nah an einem Fluchtweg hatte. FRAUEN die sich durch Frauenparkplätze diskriminiert fühlen… ach ich will nicht mansplainen. Diskutiert einfach mit anderen Frauen darüber. Die werden Euch ihr Teil dazu sagen.

Wir diskutieren über Frauenparkplätze. Ich fasse es nicht.


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schreckenbergschreibt: Meinungsfreiheit

Stefan Kretzschmar hat übrigens nicht gesagt, es gebe keine Meinungsfreiheit in Deutschland. Er meint nur, für Profisportler sei es schwer, die zu leben. Naja… für Autoren ist das auch nicht immer einfach.

Seitdem gibt es – angeblich – eine große Debatte um Meinungsfreiheit hierzulande. Echt? Die gibt es? Okay, dann beenden wir sie doch einfach wieder. Um mal das Grundgesetz zu zitieren (Artikel 5):

(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten.  Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.

(3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.

Was bedeutet das? Ich darf zum Beispiel hier in meinem Blog sagen, dass meiner Meinung nach Harald Martenstein eine Menge dummes Zeug redet. Oder dass die SPD – immerhin eine Regierungspartei – den Verrat an den eigenen Mitglieder und Wählerinnen und Wählern in den Jahren 1918 bis 1920 niemals aufgearbeitet hat, immer noch leugnet und dass das dazu führt, dass sie diesen Verrat immer wieder wiederholt. Ich darf sagen, dass ich die AfD für eine verlogene, rassistische und faschistoide Partei und ihre Wähler für nicht besser halte. Ich darf sagen, dass ich Feminismus gut finde. Ich darf sagen, dass ich das Urheberrecht für ein schützens- und verteidigenswertes Gut halte. Ich darf sagen, dass ich American Football interessanter finde als Fußball. Ich darf sagen, dass ich unser politisch-wirtschaftliches System, wie es sich heute darstellt, für ungeeignet halte, den großen Herausforderungen der Zukunft zu begegnen. Ich darf sagen, dass ich alle Selbstverteidigungssysteme die sich vorrangig auf aktive Blocks zur Abwehr stützen, für nicht straßentauglich halte. Ich darf, ich darf, ich darf…

Ich darf all das sagen und schreiben, ohne dass der Staat (!) mich dafür irgendwelchen Einschränkungen und Repressalien aussetzt. Was ich NICHT darf ist erwarten, dass niemand diesen durchaus kontroversen Ansichten widerspricht. Oder… erwarten darf ich das. Aber ich muss damit rechnen, dass die Erwartung enttäuscht wird. Denn ich bin nicht alleine mit meiner Meinungsfreiheit. Die anderen haben die auch. Und wenn ihre Meinung eine andere ist als meine, dann dürfen sie das sagen!

MEINUNGSFREIHEIT BEDEUTET NICHT SCHUTZ VOR DER MEINUNGSFREIHEIT ANDERER!

Und es geht sogar noch weiter. Sagen wir, ich gehe zu einer Lesung von Harald Martenstein und beginne, unangenehme Fragen zu stellen. Wäre es eine Einschränkung meiner Meinungsfreiheit, wenn der Buchhändler, bei dem er liest, mich daraufhin vor die Tür setzt, weil ich die Stimmung versaue? Mitnichten. Er macht nur von seinem Hausrecht gebrauch.

Sagen wir, ich schreibe ein flammendes politisches Manifest, in dem ich all meine Ansichten darlege und erkläre, wie wir Deutschland und die Welt retten – und finde dafür keinen Verleger. Einschränkung meiner Meinungsfreiheit? Nein. Ich habe keinen Anspruch darauf, dass andere meine Meinung teilen und verbreiten.

Sagen wir ich mache eine Lesung und lese nicht aus meinen Büchern, sondern aus meinem Blog. Wenn die Zuhörer daraufhin enttäuscht den Saal verlassen ist das keine Einschränkung meiner Meinungsfreiheit. Niemand muss mir zuhören. Selbst wenn Identitäre den Saal stürmen und versuchen, mich am Lesen zu hindern ist das keine Einschränkung meiner Meinungsfreiheit, weil die sich nur auf den Staat bezieht. Allerdings ist es eine Verletzung des Hausrechts und ich befinde mich – zumindest angenommen – in einer Notwehrsituation, und das soll den Identitären schlecht bekommen. Aber mit meiner MEINUNSGFREIHEIT hat das nichts zu tun.

Unsere Grundrechte sind ein sehr, sehr hohes Gut. Wer mit ihnen spielt, auch verbal, und sie relativiert zündelt an den zivilisatorischen Grundfesten unserer Gesellschaft und ist ein unverantwortlicher Schwachkopf. Meine Meinung.

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schreckenberglebt: Neutralität, Womanizer und Vergewaltigung

Ursprünglich sollte dieser Blog sich hauptsächlich mit meiner Schreiberei beschäftigen. Da ich aber letztlich so viel schreibe (also Drehbuch und Belletristik), dass ich nicht genau weiß, was ich ÜBER das Schreiben schreiben soll, habe ich Alltagssleben, Gedanken, Filme, Musik, etc. mit aufgenommen. Langsam habe ich aber das Gefühl, dass dieser Blog zu einem feministischen Blog mutiert. Dabei bin ich noch nicht einmal sicher, dass ich wirklich Feminist bin. Reicht es wirklich dafür aus, Frauen und Männer als selbstverständlich gleichwertige Menschen zu betrachten?

Aber in letzter Zeit lese ich so viel von jammernden Männern die sich allen Ernstes bedroht oder sonstwie negativ berührt fühlen, weil Frauen bitteschön nicht als niedliches, menschenähnliches Sexvieh betrachtet werden wollen, dass ich quasi dauerverstört bin. Also schreibe und reblogge ich eben viel darüber (wer gleich zum eventuell feministischen Teil kommen möchte, möge nacht unten scrollen), here we go:

Harald Martenstein schreibt zuweilen sehr schlaues, oft aber leider auch ziemlich dummes Zeug. Insbesondere in seiner Kolumne im ZEIT-Magazin. In der aktuellen Ausgabe (sorry, Paywall) ist sein eigentliches Thema die Frage, ob Journalisten (in ihren Artikeln) eine Haltung haben und zeigen sollten oder nicht. Er drückt dabei seinen durchaus lustigen Glauben an Neutralität in der Berichterstattung aus und verlangt von Journalisten, dass sie nur die objektive Wahrheit wiedergeben. Muss ich erklären, warum es albern ist, die Wiedergabe objektiver Warheit mit haltungsloser Neutralität zu verwechseln? Okay: Selbst wenn ich die neutralstmögliche journalistische Form, die Nachricht, betrachte, ist völlige Neutralität eine Illusion. Nah an neutral wäre das (wir gehen mal davon aus, dass jeder der folgenden Sätze objektiv wahr ist):

Mensch wird verdächtigt, Juwelier ausgeraubt zu haben.

Schon:

Mensch raubt Juwelier aus. ist eine Wertung.

Mann raubt Juwelier aus. eine weitere Wertung, in dem ich dem Menschen eine Eigenschaft zuspreche.

Leverkusener raubt Juwelier aus. dass der Mann ein Leverkusener ist, ist für die Tatsache der Nachricht eigentlich irrelevant. Der Journalist geht aber mit Recht davon aus, dass das viele Leute in Leverkusen interessiert. Und womöglich auch Leute in Köln, die eine bestimme Meinung über Leverkusener haben und diese bestätigt oder dementiert sehen. Von Neutralität sind wir jetzt schon ein gutes Stück entfernt.

Leverkusener polnischer Abstammung raubt Juwelier aus. jetzt haben wir das Feld erreicht, wo klar wird, dass sowohl die Nennung als auch das das Weglassen einer Eigenschaft von verschiedenen Menschen als Verletzung der Neutralität gewertet wird. Und noch einer:

Leverkusener polnischer Abstammung raubt Juwelier aus, der seine Tochter überfahren hat. Und wieder haben wir durch das Hinzufügen einer zuvor weggelassenen Information ebenso gewertet, wie wir es durch das Weglassen der Information getan hätten.

Und zuletzt gehen wir ein wenig in die Nachricht rein:

Gestern Mittag raubte ein Leverkusener polnischer Abstammung einen deutschen Juwelier aus. Eine zufällig vorbeikommende Ghanaerin schlug den mutmaßlichen Täter nieder und hielt ihn fest, bis die Polizei kam.

Wer möchte kann jetzt mal das spaßige Experiment machen und die Abstammung und das Geschlecht von Täter, Opfer und Heldin herumschieben, hinzufügen und weglassen und sich dabei auch noch vorstellen, die Nachricht sei wahlweise aus der Taz oder der Bild. Es werden sich unterschiedliche Gefühle einstellen – alle wegen eines objektiven Tatsachenberichts.

ES GIBT KEINE BERICHTERSTATTUNG OHNE HALTUNG! Redlich ist es daher, wenn Journalisten oder Medien ihre Haltung benennen. Das kann durchaus eine Verpflichtung sein, so unvoreingenommen wie möglich zu arbeiten. Aber der Grund, warum viele Zeitungen ihr Weltbild im Titel tragen („Zeitung für Politik und Christliche Kultur“ oder so) ist die redliche Absicht, Leserinnen und Leser darüber zu informieren, dass es keine neutrale Berichterstattung gibt, und mit welcher Haltung man in diesem Blatt zu rechnen hat.

Und nun kommt der eventuell feministische Teil:

Neben der lustigen Missachtung von journalistischem Basiswissen äußert Martenstein nebenbei und im Rahmen einer Reihe ähnlicher Begriffspaare:

„Was wenn (…) ein Womanzier kein Vergewaltiger (…) [ist]?“

Tja.

Was wenn ein Schriftsteller kein Ladendieb ist? Was wenn eine Buchhändlerin keine Marathonläuferin ist? Was wenn ein Gnu nicht Eduard heißt?

Ein Womanizer ist jemand, der – warum auch immer – so attraktiv ist, dass viele Frauen mit ihm Sex haben wollen, und der diese seine Eigenschaft zu seinem Vergnügen ausnutzt. Dagegen ist nichts einzuwenden.

Ein Vergewaltiger ist jemand, der sich, um sein persönliches Machtgelüst zu befriedigen*, einem anderen Menschen aufzwingt und sie oder ihn penetriert. Dagegen ist sehr, sehr viel einzuwenden.

Beides hat erstmal nichts miteinander zu tun. Es mag Womanizer geben, die Vergewaltiger sind. Es mag aber auch Incels geben, die Vergewaltiger sind. Es mag Bäcker geben, die Vergewaltiger sind. Leverkusener. Über 40-jährige. Etc., etc. Und ebenso gibt es selbstverständlich weitaus mehr Womanizer, Incels, Bäcker, Leverkusener und Über 40-jährige, die keine Vergewaltiger sind. Was soll also dieser in seiner Selbstverständlichkeit völlig lächerliche Satz?

Naja, das ist natürlich klar. In letzter Zeit sind – auch aber nicht nur im Rahmen von metoo** – viele Fälle aufgekommen, in denen Frauen (und in mindestens einem Fall auch Männer) nach langer Zeit den Mut gefunden haben, gegen mächtige und einflussreiche Männer aufzustehen, die sie in der Vergangenheit sexuell genötigt und / oder vergewaltigt haben. Eine der Standardverteidigung besagter Männer ist: „Die waren alle freiwillig mit mir im Bett.“ Oder anders: „Ich bin ein Womanizer.“

Es kommt immer wieder mal vor, dass jemand fälschlicherweise der Vergewaltigung bezichtigt wird, ja, leider. Es kommt aber sehr viel öfter vor, dass Opfer von Vergewaltigungen die Tat aus Angst oder Scham nicht zur Anzeige bringen. Wenn also ein angebliches Opfer jemanden der Vergewaltigung bezichtigt, dann kann das eine Lüge sein. Statistisch wahrscheinlicher aber ist, dass es keine ist. Wenn aber VIELE angebliche Opfer den selben Menschen der Vergewaltigung (oder sexuellen Nötigung) bezichtigen, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass die Mehrheit von ihnen die Wahrheit sagt. Insbesondere dann, wenn sie die Tat nicht nur zur Anzeige bringen, sondern öffentlich machen. Denn sich öffentlich als Opfer sexualisierter Gewalt zu outen ist nicht so einfach, wie die Martensteins dieser Welt sich das offenbar vorstellen.

Tut Martenstein das wirklich, mit seinem sinnleeren Satz? Stellt er sich auf die Seite der Täter, denunziert er die Opfer? Es scheint so, wahrscheinlich tut er es. Aber sicher ist es nicht, er könnte jederzeit sagen: „Nein, so meine ich das nicht, ich wollte nur mal eine sinnlose Verknüpfung hinschreiben, und die Sache mit den Buchhändlerinnen und dem Marathon fand ich irgendwie unpassend.“ Kann man machen. Das wäre dann, eine Haltung zwar zu haben, aber nicht dazu zu stehen.

*NEIN! Eine Vergewaltigung geschieht nicht aus sexuellen Motiven. Die Penetration geschieht nicht zur Befriedigung sexueller Lust, sondern aus dem Wunsch, Macht auszuüben. Die Tatsache, dass kein Konsens besteht oder das Opfer nicht konsensfähig ist, macht einen für den Täter wichtigen Teil des Aktes der Vergewaltigung aus. Deshalb spricht man ja auch seriöserweise schon lange nicht mehr von sexueller, sondern von sexualisierter Gewalt. Wer das nicht glaubt recherchiere bitte wissenschaftliche Quellen zu dem Thema.

** „Me, too“ bedeutet übrigens nicht, wie manche zu glauben scheinen, „Männer sind Schweine!“, „Vorwärts für das Matriarchat!“ oder „Schwanz ab!“. Sondern „ich auch“. Im Zusammenhang: „ICH bin AUCH Opfer von sexueller Belästigung, Nötigung und/oder Gewalt geworden.“ Dass so dermaßen viele Frauen dieses “ me too“ aussprechen, sollte für uns Männer Anlass zu Besorgnis, Fragen und Zuhören sein. Und nicht zu sexistischem Mimimi-Geschrei. Aber darüber wollte ich ja auch noch mal schreiben…

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schreckenbergzeigt: Von Rasierern

Wer diesen Blog verfolgt weiß, dass ich mich mit einem Rasiermesser rasiere. Ich nutze also die Produkte der Firma Gilette in der Regel nicht und habe keine Meinung zu ihrer Qualität. Der Grund, warum ich diesen Beitrag von Sarah reblogge ist, dass ich völlig entzückt von der Aussage des Imagespots bin. Und einmal mehr ermüdet von den Männlein, die ein Problem mit ihm haben.

Der Guppy war's und nicht die Lerche

Wer hätte gedacht, dass ich einmal komplett entzückt von einer Gikettewerbunf bin? Anscheinend kriegt der spot auf social media enormen Gegenwind von Männern, dir sich angegriffen fühlen. Meine Fresse.

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schreckenbergzeigt: Aber sie hat nicht „nein“ gesagt.

Und weiter im Thema. Diesmal mit Sarahs sehr berechtigtem Wutausbruch. Mein Kommentar dazu, hier nochmal:

Vergewaltigung AUS VERSEHEN… Jesus Christ…

Okay, liebe Mitmänner, es gibt zwei ganz einfache Methoden, eine versehentliche Vergewaltigung zu verhindern:

Methode 1
Wenn Ihr zu den Leuten gehört, die an Vergewaltigung aus Versehen glauben, entsagt vorsichtshalber jedem sexuellen Kontakt zu anderen Menschen, egal welchen Geschlechts. Schaut Euch stattdessen Eure rechte Hand an. Ist sie nicht schön? Und war sie nicht immer gut zu Euch? Ist die Liebe nicht am Schönsten mit jemandem, den man gut kennt? Und wenn Eure Beziehung dann reich und gefestigt ist… wie ist es mit der linken Hand? Vielleicht könntet ihr zu dritt … Nur: KEINE MENSCHEN! Better safe than sorry.

Methode 2
Wenn Methode 1 nichts für Euch ist, stellt Euch bei jedem Flirt, Date, sonstwas vor, dass ihr in einer Welt lebt, in der Männer 1,30 Meter groß und 40 Kilo schwer, die Frauen aber 2,00 Meter groß und 100 Kilo schwer sind. Starker Sexualdimorphismus ist jetzt nicht soooooo selten im Tierreich. Googelt mal Anglerfische. Also: Alles, was ihr in DIESER Welt zu einer Frau sagt, mit ihr tut, Euch herausnehmt dürft ihr auch in unserer Welt tun. Sonst nichts. Ganz einfach.

Versehentliche Vergewaltigung. Ich kotze.

Der Guppy war's und nicht die Lerche

Darf ich mich mal wieder kurz aufregen? Darf ich?

Wurscht, is mein Blog, also logisch darf ich.

Eine Bekannte hat mir heute von einem Dialog erzählt, den sie neulich zwischen ein paar Männern mitbekommen hat. Es ging darum um die äußerst komplizierte Frage, was denn heutzutage nun schon alles eine Vergewaltigung ist und – „Wenn sie es nicht will, dann soll sie halt Nein sagen!“ Denn wenn sie nicht nein sagt, dann ist sie halt selber Schuld.

Ahh… der gute alte „yes until no“-Ansatz, den ich auch wirklich für eine exzellente Idee halte. Also zumindest dann, wenn ihr wirklich jemanden aus Versehen vergewaltigen wollt, Burschen. Ansonsten ist er eine grotesk beschissene Idee.

Zuerst einmal gibt es die Möglichkeit, dass das Mädel im Moment gar nicht Nein sagen KANN. Ein paar davon wären:

  • weil sie zu betrunken oder anderweitig durch Substanzen beeinträchtigt ist

  • weil sie Angst hat und nicht sicher ist…

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schreckenbergschreibt: Kunst darf alles! Künstler nicht.

Frohes Neues Jahr in die Runde.

Kevin Spacey ist leider durchgedreht. Offenbar ist er unter dem Druck, der auf ihm lastet, gebrochen. Self inflicted pain. Ausdruck dieses Zusammenbruchs ist ein ziemliches Gaga-Video, das er an Heiligabend veröffentlichte. Ich will hier gar nicht auf den Fall Spacey selbst eingehen, sondern auf zwei Aspekte dieses seltsamen Textes, den er im Stil einer echten Macho-Heulsuse vorträgt:

1.) Nein, Mr. Spacey, den Charakter des Frank Underwood verdanken wir nicht Ihnen. Den haben wir Michael Dobbs, Andrew Davies, Beau Willimon, und einer ganzen Reihe anderer Autorinnen und Autoren zu verdanken. Sie erinnern sich? Das sind die Leute, die die Drehbücher schreiben, in denen Sie die Figuren finden, die Sie dann entsprechend diesen Drehbüchern spielen. Wird gerne verwechselt, aber um mal den Ductus des Videos aufzunehmen: Sie, Mr. Spacey, sind doch zu intelligent, diesen Fehler auch zu machen, hm?

2.) Künstler müssen Grenzen überschreiten! Künstler müssen Tabus brechen! Künstler dürfen sich nicht sagen lassen, was sie dürfen und was nicht!

Ja, alles richtig – aber bezogen auf die KUNST! Wer sich als Künstlerin oder Künstler durch Tabus einschränken lässt, wer nicht bereit ist, Grenzen zu überschreiten, welcher Art auch immer wird letztlich kleiner bleiben, als er oder sie ist. Wer mit der Schere im Kopf arbeitet, der wird sich nie entfalten können, nie das erreichen, was erreichbar ist, nie das ganze Land erforschen, das zu kartieren seine oder ihre Lebensaufgabe ist. Das beinhaltet natürlich die Gefahr des Scheiterns. Ich trage mich seit mehreren Jahren mit den Gedanken an eine Geschichte, die eventuell zu groß für mich ist. Da geht es nicht um gesellschaftliche Grenzen und Tabus, nicht in erster Linie, jedenfalls. Es ist eine Geschichte über eine Naturgewalt, Zeit und die Wirklichkeit an sich. Es kann sein, dass ich an ihr scheitere. Aber ich darf mich ihr nicht verweigern.

Doch das betrifft natürlich in besonderem Maße gesellschaftliche Tabus und Reizthemen. Ich habe ein paar davon in meinen Geschichten berührt (nicht ausgelotet). Und natürlich ist es erlaubt, sich zum Beispiel des Themas der sexualisierten Gewalt anzunehmen. Man kann daran scheitern, und dann ist das Ergebnis meist auf mehreren Ebenen füchterlich. Aber der Versuch, die Aufgabe zu bewältigen ist, wenn der Künstler oder die Künstlerin die Notwendigkeit spürt, eben genau das: notwendig.

Das bedeutet aber eben nicht – und deshalb der Schlenker zur sexualisierten Gewalt – dass man diese Grenzüberschreitung außerhalb der Kunst irgendwem aufzwingen muss. Diese widerliche Ausrede, mit der Künstler (in dem Falle wirklich meist Männer) seit Jahr und Tag kommen, wenn sie jemanden sexuell genötig oder missbraucht, verprügelt oder totgefahren haben, ist eine verdammte Lüge. Jemanden zu vergewaltigen ist kein Zeichen einer reichen inneren Welt, die nach Außen drängt. Jemanden zusammenzuschlagen ist nicht der Ausdruck einer Suche nach Grenzerfahrungen. Wäre es das, würde man ebensooft, wie man von Künstlern hört, die ihre Macht egozentrisch missbrauchen, von solchen hören, die eine Horde Hooligans provozieren und dann kämpfend untergehen. Hört man nur irgendwie nie. Die Kunst vorzuschieben, wenn man im Grunde nur einfach mal die Sau rauslassen will, ist ein erbärmlicher Täuschungsversuch, der Gott sei Dank immer öfter nicht mehr funktioniert. Da ist selbst der besoffene Schläger ehrlicher, der seinen Alkoholpegel als Entschuldigung vorschiebt. Das ist auch erbärmlich, aber immerhin war er wirklich besoffen.

Aber ist es nicht so, dass Menschen, die in mehreren Welten leben, tatsächlich auch die Erfahrungen, die sie in der einen (der Inneren) machen auch in die Äußere tragen müssen, weil sie eben Teil ihrer Persönlichkeit sind? Bedeutet das nicht, auch im Hier und Jetzt zuweilen den Exzess zu suchen? Ja, schon. Würde ich jedenfalls sagen, ich will aber niemandem, der diesen Drang nicht spürt, das Künstlertum absprechen. Ist sehr individuell, denke ich. Und was das jeweils bedeutet ist auch individuell. Aber was immer man damit meint – das alles ist in geschützten Räumen, unter Beachtung aller Risiken und im Konsens mit allen anderen Beteiligten möglich.

Kein Künstler und keine Künstlerin hat das Rech, den heiligen (ja, echt!) Namen der Kunst zu missbrauchen, um den eigenen Mangel an Empathie und Selbstkontrolle zu rechtfertigen. Das ist, neben allem anderen, Verrat an der Kunst.


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schreckenberglebt: Alle Jahre wieder

Frohe Weihnachten Euch allen! 🙂

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schreckenbergschreibt: Fiktion und Wahrheit

Nur ein paar kurze Worte zum Fall Relotius (den der SPIEGEL übrigens, wie ich finde, in beispielhafter Transparenz offen legt):

All die, die jetzt sagen: „Na, dann soll er eben Fiktion schreiben, wenn er das so gut kann“, haben wenig Ahnung davon, wie ein(e) Autor(in) fiktionaler Texte arbeitet, der/die seine/ihre Arbeit ernst nimmt. Stichwort Recherche. Wir schreiben unsere Fiktionen so nah wie möglich an der Wahrheit, um eben wahrhaftig zu bleiben, weil eben nicht alles beliebig ist. Selbst von einem Fantasyautor, dessen Hauptfigur ein Waffenschmied ist, erwarte ich, dass er sich mit dem Schmiedehandwerk auseinandersetzt, um keinen Mist zu schreiben. Wenn wir nicht in der Fiktion – und mag sie auch noch so phantastisch sein – wahrhaftig sind, dann geraten unsere Geschichten zu schönen Lügen und Gespinsten.

Relotius hat das Gegenteil getan. Er war in der angeblichen Schilderung der Wirklichkeit unwahrhaftig. Bei dem Talent, dass er offenbar hat, wäre es sicher klüger gewesen, wenn er fiktionale Texte geschrieben hätte. Aber ich vermute, das ließ sein Ego nicht zu. Dass er aber gelogen hat, das macht ihn nicht zu einem von uns Autoren fiktionaler Texte. Das macht ihn nur zu etwas, was auch wir nicht sein wollen: zu einem Lügner.

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