schreckenbergliest: 50 Bücher

Ihr kennt doch diese Facebookspiele? Poste 10 Tage lang eines Deiner Lieblingsxyz, nominiere jeden Tag eine weitere Person. Ich gebe zu: Abgesehen von dem Nominierungsteil (ich übe ungern emotionalen Druck auf meine Freund*innen aus) mag ich die ganz gerne. Ich bin eben Künstler, also ein wenig eitel, und erzähle gerne von mir. 😀 Diesmal mochte ich das Spiel besonders gerne, da ich 10 Lieblingsbücher benennen sollte – und ich mag Bücher. Andererseits ist es eine Pest, sich auf zehn zu beschränken.

Aber aus dieser Liste ist bei mir die Idee gewachsen, Euch einmal meinen ganz persönlichen Kanon von Lieblingsbüchern vorzustellen. Wobei ich keinerlei Bildungsauftrag empfinde, weswegen ich Euch nicht 50 Bücher vorstellen, die man aus diesen oder jenen pädagogischen Gründen gelesen haben sollte, sondern einfach 50 Bücher, die ich sehr lesenswert finde, die zu lesen Spaß macht. die mich stark berührt und die mich geprägt haben. (Alles trifft auf alle 50 zu.)

Regeln, die ich mir dabei gegeben habe:

1.) Nur lange Texte,keine Essays, keine Kurzgeschichten. Zwei Novellen (nach angelsächsischer Definition) sind dabei, „Patriotismus“ und „Der Sandmann“, aber kürzer sollte es nicht sein.

2.) Nur Prosa.

(Vielleicht mache ich irgendwann mal eine Liste meiner Lieblingsgedichte, -theaterstücke und -kurzgeschichten, aber nicht jetzt)

3.) Keine deutschen Philosophen. Wer hier schon eine Weile mitliest weiß, welche profunde Bedeutung zum Beispiel Kants „Kritik der reinen Vernunft“ für mein Weltbild hat, aber seien wir ehrlich: Deutsche Philosphen kann man niemandem guten Gewissens zum Lesen empfehlen. Mit Ausnahme von Nietzsche schreiben die alle grauenvoll und an der Grenze zur Unlesbarkeit. Seeehr kluge Gedanken, sehr fürchterlich verpackt.

4.) 40 Geschichten, 10 Sachbücher (kursiv). Das entspricht etwa meiner Leseverteilung, wenn ich Recherchelektüre rausrechne.

Das waren die Regeln, hier ist die Liste:

Adams, Douglas – The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy

Adams, Douglas – The Restaurant at the End of the Universe

Auster, Paul – Moon Palace

Auster, Paul – The Book of Illusions

Auster, Paul – The New York Trilogie

Banks, Iain – Consider Phlebas

Banks, Iain – The Bridge

Banks, Iain – The Player of Games

Banks, Iain – Use of Weapons

Bradbury, Ray – Something Wicked this Way comes

Brouè, Pierre / Témime, Emile – Revolution und Krieg in Spanien

Cave, Nick – And the Ass saw the Angel

Christopher, John – Empty World

Danielewski, Mark Z. – House of Leaves

de Moor, Margriet – Sturmflut

Dick, Philip K. – The Man in the High Castle

Ende, Michael – Die Unendliche Geschichte

Fitzgerald, F. Scott – The Great Gatsby

Gaimann, Neil – Neverwhere

Haffner, Sebastian – Anmerkungen zu Hitler

Haffner, Sebastian – Die deutsche Revolution 1918/1919

Haffner, Sebastian – Preußen ohne Legende

Haldeman, Joe – The Forever War

Helprin, Mark – Winter’s Tale

Hemingway, Ernest – To whom the Bells toll

Hoffmann, E.T.A. – Der Sandmann

Huxley, Aldous – Brave New World

King, Stephen – It

King, Stephen – On Writing

King, Stephen – The Stand

Klein, T.E.D. – The Ceremonies

Le Carré, John – Tinker, Taylor, Soldier, Spy

Lindgren, Astrid – Die Brüder Löwenherz

Lovecraft, H.P. – At the Mountains of Madness

Machen, Arthur – The White People

McGuire, Seanan – Down among the Sticks and Bones

McGuire, Seanan (als Mira Grant) – Into the Drowning Deep

Melville, Herman – Moby Dick

Mishima, Yukio – Patriotismus

Musashi, Miyamoto – Fünf Ringe

Pratchett, Terry – Men at Arms

Preußler, Otfried – Krabat

Shelley, Mary – Frankenstein

Stoker, Bram – Dracula

Sunzi – Die Kunst des Krieges

Thompson, Geoff – Dead or Alive: The Choice Is Yours

Tolkien, J. R. R. – The Silmarillon

Vogler, Christopher – The Writer’s Journey

Wedgwood, C.V. – The Thirty Years War

Wells, H.G. – The Time Machine



Und? Wie sieht Eure Liste aus? Wenn Ihr mögt, schreibt sie in die Kommentare oder Euren Blog, ich bin neugierig. 😉

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schreckenbergschreibt: Update

Im Anschluss an die Quarantänegeschichten hatte ich die feste Absicht bekundet, hier öfter zu schreiben – was bei mir bedeutet, mehr als zweimal im Jahr. :-/ Ich werde versuchen, es auf einmal die Woche zu bringen, ab jetzt, aber ich kenne mich…

Wie Sarah gestern geschrieben hat, war ich nach mehr als drei Monaten wieder in Wien – was bei mir bedeutet, dass ich nicht nur meine beste Freundin zu lange nicht gesehen habe, sondern auch Besprechungen und Recherche zu zwei von meinen drei aktuellen Projekten (Serie / Serie / Doku) nur virtuell machen konnte. Bei den Besprechungen ist das lästig. Ja, ich weiß, Skype, Zoom, Teams… Das geht hin und wieder mal, aber eine kreative Stimmung kommt dabei nicht wirklich auf. Das ist was für Techniste Details, aber nichts fürs Geschichtenbauen. Recherche ist noch schlimmer – da wird sich jetzt vermutlich mehrere Recherchereisen auf ein oder zwei Besuche in Wien verdichten… schwierig. Aber immerhin kann ich arbeiten, auch wenn die Frage, ob und wie ich dafür bezahlt werde, im Moment noch oft in der Schwebe ist. Nicht, weil meine Auftraggeber nicht zahlen wollten, sondern weil die Branche eben ein Vierteljahr auf „Halt“ gestellt war, und gerade erst wieder anfährt – mit aller damit verbundenen wirtschaftlichen Unsicherheit. Aber viele Kolleg*innen, insbesondere aus Musik und Schauspiel, aber auch aus Literatur (LESUNGEN!) haben im Moment existentiellere Probleme.

Ich kann – aus gesundheitlichen Gründen, die ich hier nicht ausbreiten möchte – nur sehr schlecht mehrere Stunden Zug fahren, also fliege ich immer noch nach Wien. Fliegen ist dieser Tage ein sehr surreales Erlebnis, und es ärgert mich eben, zu wissen, dass Theater und Veranstaltungsräume Abstandsregeln einhalten müssen, die sie an den Rand des Ruins bringen, während ich im Flieger Schulter an Schulter mit jemand sitze.

Bitte nicht falsch verstehen: Ich bin für Maskenpflicht, Abstandsregeln, sehr dafür, ich will wirklich keinen zweiten Lockdown, siehe oben. Aber dann eben auch bitte gleiches Recht für alle.

Soviel zum Stand der Dinge. Im Arbeitszimmer manifestiert er sich so:

Schreibtisch, chaotisch wie immer. 😀
Pinwand mit neuen, zukunftsgewandten Plänen. 😉

Oh, und ich habe einen neuen Roman angefangen. Ohne Verlag, ohne Vertrag, einfach so, für mich. 😀

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schreckenberglebt: Mein innerer Rassist

Ich habe in dieser Woche mehrmals überlegt, über Blacklivesmatter zu bloggen um es dann wieder zu lassen. Ein weißer Mann um die 50 sollte bei dem Thema im Moment mehr zuhören, als reden, glaube ich. Dann ist mir allerdings doch ein Thema eingefallen, zu dem ich etwas zu sagen habe – weil es dabei um meine Generation und unsere Erfahrung geht. Ich schicke mal voraus, dass alles, was ich hier sage, natürlich völlig subjektiv ist und auf mich zutrifft – keine Ahnung, inwiefern Du Dich angesprochen fühlst, liebe(r) Leser*in. Aber da ich keine besonders außergewöhnlichen demographischen Daten habe, bin ich vermutlich auch nicht völlig alleine damit.

Ich lese in vielen Beiträgen in sozialen Medien wohlmeinender weißer Menschen, dass Hautfarbe für sie keine Rolle spiele. Dass alle Menschen für sie gleich seien. Dass sie nicht nach Hautfarbe urteilen. Die deutsche Entsprechung zum englischen „I am colourblind“. Das liest sich schön, aber ist es als Ideal wirklich erstrebenswert? Und vor allem – ist es nicht eine gefährliche Selbsttäuschung? In meinem Fall ist das so, und ich sage das als jemand, der früher selbst solche Behauptungen aufgestellt hat. Zwei Gründe:

1.) Die Hautfarbe eines Menschen nicht zu sehen, sie zu negieren, bedeutet auch, all seine oder ihre Erfahrungen, die auf dieser Hautfarbe beruhen, zu negieren. „Farbenblindheit“ dieser Art ist, jedenfalls hier in Mitteleuropa, eine sehr weiße Einstellung, denn nur Weiße können sie sich leisten. Für uns spielt unsere Hautfarbe in aller Regel tatsächlich im täglichen Leben keine Rolle. Wir können uns problemlos einreden, sie sei unwichtig. Aber jemand, der bei jeder Wohnungsbesichtigung und bei jedem Einstellungsgespräch (um mal zwei eher harmlose Beispiele zu wählen) damit rechnen muss, dass die simple Farbe der eigenen Haut eine Hürde darstellt, über die man rüber muss, kann sich diese Einstellung nicht leisten. Menschen mit nichtweißer Hautfarbe müssen diese ihre Farbe ständig in ihre alltäglichen, selbstverständlichen Kalkulationen einrechnen. Ein „ich sehe Deine Hautfarbe gar nicht“, so lieb es gemeint sein mag, muss da wie Hohn klingen. Oder zumindest wie Ignoranz. Also ja, lasst uns Hautfarben sehen, ebenso wie alle anderen körperlichen Merkmale eines Menschen, die wir als Teil seiner individuellen Persönlichkeit und seiner individuellen Erfahrungswelt begreifen.

2.) Jetzt zu der Selbsttäuschung – reden wir mal über mich. 😀 Ich bin Anfang der 1970er Jahre in einer Westdeutschen Kleinstadt geboren worden. Die Eltern meines Vaters waren katholisch geprägte Kleinbürger, die Eltern meiner Mutter areligiös-protestantische Arbeiter, was in der Aufstiegsgesellschaft der Nachkriegszeit bedeutete: Meine Eltern gehörten zur stabilen Mittelschicht. Meine Eltern haben als junge Menschen mehrere Jahre in Spanien gelebt, was sie für ihre Generation vergleichsweise offen und weltläufig machte, nicht zuletzt durch die Erfahrung mit einem klerikalfaschistischen Regime.

In meiner Grundschulklasse war zu Beginn ein einziges Kind mit Migrationshintergrund, ein Junge mit türkischen Eltern. Er sprach fließend und akzentfrei Deutsch und war vergleichsweise hellhäutig und hellhaarig. Er gehörte zu meinem erweiterten Freundeskreis*. Ich war nie bei ihm zu Hause. In der vierten Klasse kamen noch ein Junge dazu, dessen Eltern Spätaussiedler waren (also der deutschen Minderheit in Polen angehörten) und zwei türkische junge Frauen (15 und 17, glaube ich), die kein Wort Deutsch sprachen, und mittels Unterricht mit uns zehn- bis elfjährigen Kindern integriert werden sollten (wobei es das Wort in dem Zusammenhang damals noch gar nicht gab). Ihr könnt Euch vorstellen, was für ein toller Erfolg das war. Ab 1981 ging ich auf ein katholisches Gymnasium. Die Exoten dort waren die Protestant*innen, denen man ihr Exotentum aber nicht ansah, weswegen es auch keine Rolle spielte. Wir waren, pubertär-rebellisch, sowieso alle mehr oder weniger antiklerikal eingestellt, zumindest in meinem Kreis. Es gab einige Jugendliche mit außereuropäischem Migrationshintergrund in meiner Schule und in meiner Stufe. Da es aber an unserer Schule keine Muslime gab, waren das vor allem Menschen mit einem asiatischen Migrationshintergrund, koreanisch, indisch, indonesisch. Ein Mädchen, dessen Eltern Koreaner waren, war die erste Freundin meines damals besten Freundes, sie gehörte also zu meinem engeren Kreis. Ich habe nie mit ihr über Rassismus gesprochen. Wir mochten sie alle, wir waren alle nett zu ihr, sie war nett zu uns, also konnte Rassismus ja wohl kein Thema in ihrem Leben sein, oder? Das war damals selbstverständlich für uns. Andere Dinge, die selbstverständlich oder „normal“ waren, unhinterfragt:

– Homophobie

– Transphobie

– die „Tatsache“ dass der biologische Unterschied zwischen Männern und Frauen auch in unterschiedlicher Behandlung resultieren muss

– unzählige Alltagssexismen, inklusive sexistischer Sprache

– Geschlechterdualismus

– Sexualitätsdualismus („normal“ und homosexuell)

– Monogamie

– Erziehung mit „ein bisschen“ Gewalt („eine Ohrfeige hat noch keinem geschadet“)

– die Idee, dass die „Dritte Welt“ sich mit Hilfe der ersten Welt entwickeln sollte

– völlige Blindheit gegenüber der Tatsache, dass wir die „Dritte Welt“ ausbeuten, und unser Lebensstil nur mit Hilfe dieser Ausbeutung möglich ist

– die im Begriff „Umweltschutz“ geronnene Ignoranz gegenüber der Tatsache, dass wir ein bestimmtes Ökosystem zum Überleben brauchen – was dem Planeten völlig egal ist

– dass es den Kindern besser gehen wird als den Eltern

– Christentum (und natürlich war Jesus weiß und mehr oder weniger blond)

und eben:

– weiße Hautfarbe

(Die Liste ist mit Sicherheit nicht vollständig!)

Die ersten Menschen mit afrikanischem Migrationshintergrund und die ersten Afrikaner sind mir bei der Mitarbeit in einer Schul-AG begegnet, in der wir uns für Flüchtlinge (damals: „Asylanten“) einsetzen. Alltäglich wurden diese Begegnungen erst ein paar Jahre später, im Studium. Zum einen, da Universitäten eben einen größeren Bevölkerungsquerschnitt abbilden als Kleinstädte und katholische Gymnasien, zum anderen, weil die Ingenieurwissenschaftlichen Fakultäten meiner Uni wohl mit einigen afrikanischen Hochschulen zusammenarbeiteten. Ich war zwar Geisteswissenschaftler, aber dunkelhäutige Menschen jeden Tag zu treffen, auf dem Weg zur Uni, in der Mensa etc., wurde alltäglicher.

Was bedeutet das? Es bedeutet: Bis zu meinem 20. Lebensjahr hatte ich kaum dunkelhäutige Menschen gesehen, bis ich 17 war nie mit einem gesprochen. Ohne, dass ich je zum Rassisten erzogen worden wäre, im Gegenteil, hat sich mir eingeprägt: Der normale Mensch sieht aus wie ein(e) weiße(r) Europäer*in. Diese (Nicht)Erfahrung hat sich tief in mein Unbewusstes gegraben. Sie prägte und prägt, wie ich Menschen, die nicht mehr oder weniger so aussehen wie ich, zuerst wahrnehme: Anders. Fremdartig. Es ist ein Reflex, ich weiß nicht, ob ich ihn je los werden kann. Aber ich kann mir bewusst machen, dass er da ist. Und dass er falsch ist.

Ich werde nächstes Jahr 50 Jahre alt, und keine der oben aufgezählten „Selbstverständlichkeiten“ halte ich noch für „selbstverständlich“ oder „normal“. Manche sind schlicht falsch und menschenverachtend, andere Ausdruck eines bestimmten politischen Klimas, wieder andere soziale Normen, die sich aus bestimmten historischen Gründen gebildet haben, und die ich nur deshalb nicht hinterfragt habe, weil niemand das zu tun schien. Bei manchen war es ganz einfach, einen weiteren Blick zu bekommen, bei anderen nicht. Und gerade die völlig alberne Katagorisierung von Menschen nach Hautfarben los zu werden, ist ungeheuer schwer.

Also um es ganz klar zu sagen: Zu behaupten, ich sähe die Hautfarbe eines Menschen nicht, ich wäre „colourblind“ wäre eine selbstgerechte Lüge. Ich habe, aufgrund meine Prägung, einen inneren Rassisten, mit dem ich mich permanent auseinandersetzen, den ich permanent auf seinen Platz zurück treten muss. Nur so kann ich vielleicht irgendwann dass sein, was ich sein möchte: Ganz und gar kein Rassist,

Und ich glaube, damit bin ich nicht alleine.












* Das bedeutet bei mir, er war guter Freund eines meiner ganz wenigen engen Freunde. Ich bin und war sozial nie besonders fähig.

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schreckenbergschreibt: Das waren die Quarantänegeschichten

Gestern haben Sarah und ich unsere letzten Quarantänegschichten erzählt, die Feuer gelöscht, die Asche weggeputzt und die Quarantänehöhle verlassen, in der Hoffnung, nicht so bald wieder zurückkehren zu müssen. Wir werden Euch weiter unsere Geschichten erzählen, ob in Prosa- (Ich versuche gerade, Sarah davon zu überzeugen, dass sie einen Roman schreiben soll. Ich kenne ein paar ihrer Ideen, die sich wunderbar dafür eignen und nach 77 Quarantänegeschichten seid Ihr wahrscheinlich mit mir der Meinung, dass es eine verdamtte Sünde ist, ihr erzählerisches Talent nur in Regieanweisungen zu fassen.) oder Drehbuchform, aber die Aufgabe, Euch durch die Kontaktsperre während der Pandemie zu helfen, betrachten wir erstmal als erfüllt. Ich hoffe, Ihr hattet ebensoviel Freude daran wie wir.

Falls Ihr noch einmal die eine oder andere Geschichte nachlesen möchtet, oder falls Ihr gerade erst in die Höhle kommt und Euch wundert, wo alles ist, hier noch einmal ein Überblick über alle Quarantänegeschichten:

Ich habe mit 22 Kurzgeschichten begonnen:

01.) Das Fenster im Turm – eine Mysterygeschichte, die mir selbst etwas rätselhaft ist.

02.) Schneesturm – eine Art Kurzkrimi, meine erste veröffentlichte Kurzgeschichte.

03.) Die Wahrheit über den König – meine einzige veröffentlichte Fantasygeschichte.

04.) Im Block – eine alte Horror*geschichte, wahrscheinlich von meinen Geschichten die, von der die meisten Versionen existieren.

05.) Die Schweine von Wiehl – Krimi goes Mystery und, so sagt man mir, eine für mich sehr typische Geschichte: Der Protagonist muss eine Bande von Idioten handhaben.

06.) Die Sturmglocke – Teil 1 – eine lange Horrorgeschichte, erzählt in drei Teilen.

Teil 2

Teil 3

07.) No Booze in the North – autobiographisch und heiter. Muss auch mal sein. 😀

08.) BÄM! – Kurzkrimi und ein Experiment mit der Erzählweise.

09.) Das Kräuterweiblein – Giftmischerinnenkrimi, inspiriert von Klaudia Blasl.

10.) Kreativität – nochmal autobiographisch, nicht ganz so lustig, diesmal.

11.) Saison ist doch immer – eine Sommergeschichte. Straight Horror.

12.) Eukalyptusbonbon – etwas schräger Krimi, mit einem von Sean Hussman geliehenen Schimpansen.

13.) Der Schwarze – meine älteste Kurzgeschichte, als Westerwaldkrimi aufgearbeitet.

14.) Urknall – gaaanz manchmal schreibe ich auch Science Fiction. 😉

15.) 8 Stunden, 11 Minuten, 42 Sekunden – auch SciFi? Oder so etwas Ähnliches?

16.) Weihnachtsbesuch – Ein weihnachtlicher Ausflug in die Welt meines Romans „Der wandernde Krieg – Sergej“.

17.) Warum der See dunkel ist – Reise ins düstere Innenleben eines Mörders.

18.) Unser Haus – sehr alte Horror(?)geschichte, noch ziemlich im Urzustand. So habe ich vor 35 Jahren geschrieben.

19.) Vasilisa – für mich meine belastendste Geschichte. Nichts für Kinder.

20.) Hallo Taxi! -Spielerei mit einem vorgegebenen Thema. Mystery? Ich weiß es nicht genau, jedenfalls eine ziemlich leichtherzige Geschichte. Finde ich.

21.) Puppenbrunnen – Wenn andere einen hübschen Brunnen sehen, dann denken sie… Keine Ahnung. Ich denke dann sowas. 😀

22.) Tausch – Und zuletzt noch einmal eine Geschichte, die einen Blick auf den Anfang meiner (niedergeschriebenen) Geschichtenerzählerei erlaubt. Ca. 30 – 35 Jahre alt.

Sarah hat zunächst Geschichten für Kinder erzählt. Zunächst die vom Pirat der in all sieben Weltmeere pinkeln wollte:


Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4
Teil 5
Teil 6
Teil 7
Teil 8
Teil 9
Teil 10
Teil 11
Teil 12

Diese Geschichte gibt es übrigens auch als Hörbuch, gelesen von der vortrefflichen Franziska Singer, Musik von Jürgen Geißelbrecht.

Dann erzählte sie uns – und eben besonders den Kindern – vom Dunkeln Fürst und dem Fräulein Niedermaier

Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4
Teil 5
Teil 6
Teil 7
Teil 8
Teil 9
Teil 10
Teil 11
Teil 12
Teil 13
Teil 14
Teil 15
Teil 16
Teil 17
Teil 18
Teil 19
Teil 20
Teil 21
Teil 22

Ich habe, nachdem mir die Kurzgeschichten ausgegangen waren, zunächst einen Auszug aus einem unveröffentlichten Roman erzählt:

Der Sänger und der Puppenspieler

Nachdem Sarah mit ihren längeren Erzählungen fertig war, hat sie aus zweien ihrer Adventskalender erzählt. Wer zu den außerordentlich privilegierten gehört, die sie bekommen, freut sich jedes Jahr darauf – nicht nur, weil sie ungeheuer witzig, einfallsreich und originell sind, sondern weil Sarah uns damit jedes Mal einen winzigen Blick auf ihr ungeheuer kraftvolles und poetisches Erzähltalent erlaubt. Ich kann das beurteilen, weil wir uns seit 17 Jahren unsere Geschichten und Erzählungen zeigen. Und ich IMMER SCHON gesagt habe… siehe oben, „Roman“. Zunächst las sie aus dem

Lexikon der absonderlichen Arten

und dann aus dem Katalog des

Museums essentieller Artefakte

(Bei beiden müsst Ihr Euch ein wenig durchklicken, es gibt keine praktische Gesamtübersicht. Glaubt mir, es lohnt sich.)

Ich habe, mangels weiterer Kurzgeschichten, einen meiner Romane als Fortsetzungsgeschichte erzählt – Der Ruf:

Der Ruf – Teil 1, Hintergrund, Rechte

Der Ruf – Teil 2 Der Ruf – Teil 3 Der Ruf – Teil 4 Der Ruf – Teil 5

Der Ruf – Teil 6 Der Ruf – Teil 7 Der Ruf – Teil 8 Der Ruf – Teil 9

Der Ruf – Teil 10 (mit Gewinnspiel)

Der Ruf – Teil 11 Der Ruf – Teil 12 Der Ruf – Teil 13 Der Ruf – Teil 14

Der Ruf – Teil 15 Der Ruf – Teil 16 Der Ruf – Teil 17 Der Ruf – Teil 18

Der Ruf – Teil 19 Der Ruf – Teil 20 Der Ruf – Teil 21 Der Ruf – Teil 22

Der Ruf – Teil 23 Der Ruf – Teil 24 Der Ruf – Teil 25 Der Ruf – Teil 26

Der Ruf -Teil 27 Triggerwarnung: Suizid

Der Ruf – Teil 28 Der Ruf – Teil 29 Der Ruf – Teil 30 Der Ruf – Teil 31

Der Ruf – Teil 32 Der Ruf – Teil 33 Der Ruf – Teil 34 Der Ruf – Teil 35

Der Ruf – Teil 36 Der Ruf – Teil 37 Der Ruf – Teil 38 Der Ruf – Teil 39

Der Ruf – Teil 40 Der Ruf – Teil 41 Der Ruf, Teil 42 Der Ruf – Teil 43

Der Ruf – Teil 44 Der Ruf – Teil 45 Der Ruf – Teil 46 Der Ruf – Teil 47

Der Ruf – Teil 48 Der Ruf – Teil 49 Der Ruf – Teil 50 Der Ruf – Teil 51

Der Ruf – Teil 52 und Ende

Das Gewinnspiel aus Teil 10 ist hiermit beendet, Siegerin (als einzige Teilnehmerin 😀 ) iiiiiiist:

FLOCKE!

Danke, dass Du uns die ganze Zeit begleitet und fleißig kommentiert hast. Sag mir bitte, welchen meiner Romane Du haben möchtest und wohin ich ihn schicken soll. Schreib mir am besten eine E-Mail an die alte aol-Adresse, bitte nicht an die im Impressum. Oder eine PN bei Facebook. 😉

Die Auflösung: Flocke hat in ihrem Kommentar zu Teil 10 schon alle bis auf eine Figur benannt: Daniel, Esther und Reaper (es könnte auch Grim sein, beide sind schwarz, aber Reaper war gemeint) aus Der Finder und Sergej aus Der Wandernde Krieg – Sergej. Die dritte Person ist ebenfalls eine Figur, die namentlich genannt bisher nur im Wandernden Krieg vorkommt. Dort nennt er sich „Duncan McPhail“ und ist ein Freund von Sergej.

Noch einmal vielen Dank an Dich, Sarah, für dieses schöne gemeinsame Projekt und an Euch alle, die Ihr dabei wart. Hier geht es dann bald weiter mit dem üblichen Zeug: Schriftstellerei, Filme, Leben und der ganze Rest. 😉

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schreckenbergschreibt: Quarantänegeschichte Nr. 77 – Der Ruf, Teil 52

Hallo, schön, dass Ihr wieder zu unseren Geschichtenlagerfeuern gekommen seid. Heute entzünden Sarah und ich sie zum vorerst letzten Mal. Begonnen haben wir damit vor genau elf Wochen, am 15. März. Sarah war am Donnerstag vorher angekommen, um mit uns Claudias Geburtstag zu feiern, und wir hatten große Pläne für die Woche danach – endlich einmal wollten wir Sarah die Bergischen Sehenswürdigkeiten zeigen die wir seit unserer Kindheit kennen, dazu hatten wir ihr einen Besuch im russischen Restaurant geschenkt… Und von Tag zu Tag schrumpften unsere Pläne, bis wir schließlich, ein paar Minuten, nachdem Sarah ihre erste Quarantänegeschichte geposted hatte, erfuhren, dass die Grenzschließungen bevorstehen. Ich brachte sie hastig zum Bahnhof, und auch wenn keiner unserer Abschiede je schön ist, dann war dies doch ein besonders unschöner.

Da wir auch in Coronazeiten viel zusammenarbeiten haben wir uns zumindest im Skype oft gesehen, aber die Geschichten waren ein besonderes Band. Danke dafür. liebe Sarah. 🙂

In Österreich sind die Kontaktsperren schon seit einiger Zeit gelockert, hier in Deutschland treten viele Lockerungen an diesem Wochenende in Kraft – wir können wohl sagen, dass unsere Länder bisher (!) ganz gut durch die Krise gekommen sind. „Ganz gut“ immer mit Vorbehalt: 8500 Tote in Deutschland (nach heutigem Stand laut RKI) sind 8500 zuviel. Und ich kenne persönlich Menschen, die an COVID-19 erkrankt waren – keine schweren Verläufe, würde man sagen, niemand davon war im Krankenhaus. Aber was sie von diesen „leichten“ Verläufen erzählt haben war nicht besonders witzig und die wochenlangen Strapazen haben sichtbare Spuren hinterlassen. Wir sollten diese Krankheit weiterhin ernst nehmen, und alles tun, dass auch die zweite, dritte und vierte Welle vergleichsweise milde verlaufen.

Aber die erste Welle haben wir wohl hinter uns. Ich kann wieder ins Schwimmbad, wenn auch unter Auflagen. Recherchen werden wieder möglich, ich werde wohl in absehbarer Zeit wieder nach Wien reisen, wenn auch unter Auflagen. Das Leben normalisiert sich, wenn auch…

Mit den Quarantänegeschichten wollten wir – wie ich hier jeden Sonntag wieder erzählt habe – einer der Aufgaben unserer uralten Zunft der Geschichtenerzähler*innen gerecht werden: Den Clan auch in schweren Zeiten bei gutem Mut zu halten. Ich hoffe, wir konnten dem gerecht werden. Euch, die Ihr immer wieder an unsere Feuer gekommen seid, danke ich von ganzem Herzen. Wir erzählen, weil wir nicht anders können und weil es unser Lebensinhalt ist. Aber ohne Euch, wäre es einsam und sinnlos.

Morgen bekommt Ihr noch einen Gesamtüberblick über alle Geschichten, heute endet die Erzählung vom „Ruf“. Zum Abschluss geht es noch einmal nach… Anderswo:

Der Ruf – Teil 1, Hintergrund, Rechte

Der Ruf – Teil 2 Der Ruf – Teil 3 Der Ruf – Teil 4 Der Ruf – Teil 5

Der Ruf – Teil 6 Der Ruf – Teil 7 Der Ruf – Teil 8 Der Ruf – Teil 9

Der Ruf – Teil 10 (mit Gewinnspiel)

Der Ruf – Teil 11 Der Ruf – Teil 12 Der Ruf – Teil 13 Der Ruf – Teil 14

Der Ruf – Teil 15 Der Ruf – Teil 16 Der Ruf – Teil 17 Der Ruf – Teil 18

Der Ruf – Teil 19 Der Ruf – Teil 20 Der Ruf – Teil 21 Der Ruf – Teil 22

Der Ruf – Teil 23 Der Ruf – Teil 24 Der Ruf – Teil 25 Der Ruf – Teil 26

Der Ruf -Teil 27 Triggerwarnung: Suizid

Der Ruf – Teil 28 Der Ruf – Teil 29 Der Ruf – Teil 30 Der Ruf – Teil 31

Der Ruf – Teil 32 Der Ruf – Teil 33 Der Ruf – Teil 34 Der Ruf – Teil 35

Der Ruf – Teil 36 Der Ruf – Teil 37 Der Ruf – Teil 38 Der Ruf – Teil 39

Der Ruf – Teil 40 Der Ruf – Teil 41 Der Ruf, Teil 42 Der Ruf – Teil 43

Der Ruf – Teil 44 Der Ruf – Teil 45 Der Ruf – Teil 46 Der Ruf – Teil 47

Der Ruf – Teil 48 Der Ruf – Teil 49 Der Ruf – Teil 50 Der Ruf – Teil 51


Der Ruf – Teil 52

Anderswo

Stephan erwachte aus unruhigen Träumen. Er erinnerte sich vage an einen Keller und einen Schrei.

Fahr zur Hölle!“

Stephan rieb sich die Augen. Etwas stimmte nicht, das war nicht das Ufer des Sees, an dem er eingeschlafen war. Hier war eine Wiese, saftiges Grün am Rande eines dunklen Waldes. Kat lag neben ihm, sie schlief friedlich. Er küsste ihre Wange und sie lächelte im Schlaf. Er betrachtete sie eine Weile, dann stand er auf, um sich umzusehen. Er trug immer noch die Klamotten, die er getragen hatte, als er eingeschlafen war, die Jeans und das graue T-Shirt.

Aber war er überhaupt eingeschlafen? Und war er nicht nackt gewesen? Seine Erinnerungen kamen langsam zurück. Er war in den Wald gegangen. Er hatte etwas gehört, aber dann?

Ein Nebel, der etwas Großes verbarg. Und dieser Traum. Im Keller.

Er schüttelte die Gedanken ab und sah über die Wiese. Er kannte diesen Ort, aber er wusste nicht, woher. Da war kein See und das war ein anderer Wald. Das war mit Sicherheit nicht einmal das Bergische Land. Was war geschehen?

Er sah unschlüssig auf Kat hinab, aber sie schlief immer noch, also beschloss er, sich ein wenig umzusehen.

„Ich bin gleich wieder da“, flüsterte er ihr ins Ohr.

Stephan machte sich auf den Weg, dem anderen Ende der Wiese zu. Er befand sich auf einem Hügel und erreichte bald dessen Kamm. Auf der anderen Seite setzte sich die Wiese fort, sanft den Hügel hinab und zum Ufer eines Flusses. In einiger Entfernung sah er ein großes, hölzernes Schiff.

Das Schiff. Natürlich. Aber war das nicht ein Traum gewesen?

Unwillkürlich ließ er sich in die Hocke nieder und befühlte das Gras, das noch feucht war vom Morgentau. Ebenso feucht, wie sein Haar und sein T-Shirt, nicht klamm, angenehm frisch.

Ein Traum?

Zwei Menschen kamen unten, am Flussufer, um den Saum des Waldes, ein Mann und eine Frau. Sie gingen Hand in Hand, Fetzen von Worten und Gelächter wehten zu Stephan hinauf. Das rote Haar der Frau leuchtete in der Morgensonne. Der Mann trug etwas über dem Rücken, das Stephan als ein japanisches Schwert erkannte. Stephan besah sich die Szene und mit einem Mal…

Er erinnerte sich an den Traum.

Er erinnerte sich an den See.

Er erinnerte sich an den Wald und den Garten und den Keller.

War dies ein Traum? Oder war alles andere ein Traum gewesen?

„Verzeih mir, Philip“, flüsterte er. „Verzeiht mir alle. Es tut mir so leid.“

Stephan schaute zum Schiff. Dort würde er Antworten bekommen, das wusste er. Ein Ruf. Stephan sah zu dem Paar hinunter. Die Frau und der Mann sahen in seine Richtung, die Augen mit den Händen beschattend. Dann deutete die Frau auf Stephan und sprach mit ihrem Begleiter. Er rief etwas, das Stephan nicht verstand, winkte. Auch die Frau winkte und machte eine einladende Geste. Stephan verstand. Alles. Er winkte zurück.

„Wir kommen!“, rief er. „Ich muss nur Kat holen! Wartet auf mich!“

Er wusste nicht, ob sie ihn verstanden hatten, aber die Frau nickte und winkte noch einmal.

Stephan lief zurück über die Wiese, zu Kat. Sie war gerade aufgewacht, streckte sich gähnend.

„Guten Morgen“, sagte sie.

Sie küssten sich lange.

„Hast Du gut geschlafen?“, wollte sie wissen.

„Nein“, sagte er. „Nein, aber das ist jetzt egal. Was ist mit Dir? Hast Du gut geschlafen?“

Sie sah für einen Moment ins Leere, schaudernd. „Nein“, sagte sie dann lächelnd. „Nein. Aber Du hast recht. Es ist egal. Es ist vorbei.“

„Wir müssen runter zum Schiff“, sagte Stephan.

Sie sah sich um und nickte. „Ja, natürlich, das müssen wir. Lass uns gehen.“

Sie liefen über die Wiese und den Hügel hinab zum Fluss.

ENDE

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Von einem Museum, einem Piraten und großem Dank

Zum Abschluss der Quarantänegeschichten erzählt uns Sarah ein Crossover Ihrer Geschichten: Alischa, der Pirat, der in alles sieben Weltmeere pinkeln wollte, kommt noch einmal vor, das Museum und das Lexikon und natürlich auch ein Fräulein Niedermaier. Danke Beste. Ich habe mich jeden Tag auf unsere Lagerfeuer gefreut. ❤

Der Guppy war's und nicht die Lerche

Hey Leute,

und da sind wir also: 77 Geschichteneinträge später, am Ende der Lockdowns, am Ende dieses kleinen Projekts. Wir danken euch beide sehr dafür, dass ihr da wart – für eure Gesellschaft an unserem kleinen Lagerfeuer, für’s Mitlesen, für’s Existieren.

Und ich wiederum danke sehr spezifisch dem Schreckenberg’schem für’s Mit-Mir-Erzählen und Franziska und Jürgen, die dafür gesorgt haben, dass es Alischas Abenteuer jetzt auch als Hörbuch gibt. (Wer’s noch nicht kennt und Lust hat, der findet das famose Teil hier.)

Ab morgen in diesem Blog dann wieder das ’normale‘ Programm, also ‚Sarah quasselt über alles, was ihr so einfällt, über Aquarien im besonderen.)

Zum Abschluss heute ein kleines Cross-Over-Museumsstück, das auch die eingesessenen Adventkalenderempfänger noch nicht kennen. Jetzt wird nämlich endlich mal geklärt, das damals eigentlich mit dem Pinkelnden Piraten und dem Nörgelden Norwegischen Wassereinhorn abgegangen ist.

Ich dank euch,
S.

Ausstellungsstück 89008:

Abgesägte Hornspitze eines Nörgelnden Norwegischen…

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Das Museum Essentieller Artefakte: Krähenkrächzen

Die Krähe ist fort, ihr Krächzen bleibt. Eine kleine Meditation über Zeit, Raum und Bewusstsein – oder einfach nur eine schöne kleine Geschichte von einem schönen Geräusch. Heute in Sarahs Museumskatalog:

Der Guppy war's und nicht die Lerche

Ausstellungsstück 7145:

Das Krächzen einer Krähe

Wir wissen bis heute nicht, wie die Krähe in unsere Ausstellungssräume gelangt ist. Wir haben es zwar geschafft, sie verletzungsfrei einzufangen und nach draußen zu befördern – ihr Krächzen ist aber hiergeblieben. Es scheint sich besonders im Saal mit den Porzellangeschirren wohl zu fühlen, tanzt dort als Echo zwischen den Vitrinen hin- und her. Manchmal leistet es aber auch unseren Wärtern Gesellschaft und kommentiert mit spöttischem Kreischen alles, was sie tun.

Vor allem unser ältestgedienter Wärter scheint es ihm angetan zu haben, manchmal weicht das Krächzen eine ganze Schicht lang nicht von seiner Seite, folgt ihm von Raum zu Raum. Er sagt aber, es mache ihm nichts aus, denn: „Bittschön, is eh so einsam sonst. A bisserl a Ansprach, des is doch sche.“

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schreckenbergschreibt: Quarantänegeschichte Nr. 76 – Der Ruf, Teil 51

Die Belagerung ist vorbei, die Party lange zu Ende, die Geister fort – bleibt zu erzählen, was danach geschehen ist. Heute erfahrt Ihr, wie es mit unseren drei Überlebenden weiter ging:

Der Ruf – Teil 1, Hintergrund, Rechte

Der Ruf – Teil 2 Der Ruf – Teil 3 Der Ruf – Teil 4 Der Ruf – Teil 5

Der Ruf – Teil 6 Der Ruf – Teil 7 Der Ruf – Teil 8 Der Ruf – Teil 9

Der Ruf – Teil 10 (mit Gewinnspiel)

Der Ruf – Teil 11 Der Ruf – Teil 12 Der Ruf – Teil 13 Der Ruf – Teil 14

Der Ruf – Teil 15 Der Ruf – Teil 16 Der Ruf – Teil 17 Der Ruf – Teil 18

Der Ruf – Teil 19 Der Ruf – Teil 20 Der Ruf – Teil 21 Der Ruf – Teil 22

Der Ruf – Teil 23 Der Ruf – Teil 24 Der Ruf – Teil 25 Der Ruf – Teil 26

Der Ruf -Teil 27 Triggerwarnung: Suizid

Der Ruf – Teil 28 Der Ruf – Teil 29 Der Ruf – Teil 30 Der Ruf – Teil 31

Der Ruf – Teil 32 Der Ruf – Teil 33 Der Ruf – Teil 34 Der Ruf – Teil 35

Der Ruf – Teil 36 Der Ruf – Teil 37 Der Ruf – Teil 38 Der Ruf – Teil 39

Der Ruf – Teil 40 Der Ruf – Teil 41 Der Ruf, Teil 42 Der Ruf – Teil 43

Der Ruf – Teil 44 Der Ruf – Teil 45 Der Ruf – Teil 46 Der Ruf – Teil 47

Der Ruf – Teil 48 Der Ruf – Teil 49 Der Ruf – Teil 50



Der Ruf – Teil 51

EPILOG

You’d not expect that anyone would go and fucking die

(The Pogues, „Drunken Boat“)

Richtung Norden

Sie fuhren schweigend und ziellos. Philip steuerte den Wagen, Britt saß neben ihm, den Sitz ganz nach hinten geschoben, das verletzte Bein ausgestreckt. Philip hatte sie die Treppe hinaufgetragen und später aus dem Haus hoch zum Parkplatz, wie er es versprochen hatte. Nun starrte er auf die Straße vor ihnen. Eine Autobahn, irgendeine zufällige Autobahn, die sie an keinen bestimmten Ort führte. Nur weg. Weg von dort. Maike saß hinter Philip und sah aus dem Fenster. Sie hatte sich bei ihrem Sturz in das Weinregal eine Platzwunde über der linken Augenbraue und einige oberflächliche Schnitte zugezogen. Nichts, was Britt mit Hausmitteln nicht notdürftig hätte behandeln können.

Nach langer Zeit hatten sie den Keller verlassen. Christoph hatten sie dort unten liegen lassen, keiner von ihnen hatte zurückgeschaut auf ihn. Und auf die Axt.

Als sie nach oben kamen, waren die meisten Insekten aus dem Haus verschwunden. Die wenigen verbliebenen machten keine Anstalten, sie anzugreifen. Die Tiere labten sich an den Resten in den Coladosen und Saftflaschen im Wohnzimmer oder krabbelten einfach friedlich vor sich hin. Insekten eben. Mit Vorsicht zu genießen, weil sie stechen konnten. Nicht mehr. Und nicht weniger.

Britt setzte sich mit Maike ins Bad, untersuchte ihre Verletzungen und gab Philip Anweisungen, was er ihr bringen sollte. Er holte die Sachen zusammen und machte sich dann auf den Weg, andere Überlebende zu suchen. Es war ein bitterer Gang und er kam schnell zurück. Khan und Michael hatte er unten am See gefunden, Chris und Simon in der Sauna. Die beiden hatten friedlich ausgesehen, wusste er zu berichten. Kat und Stephan hatte er nicht gefunden, aber dass die beiden tot waren wussten sie ja. Aus erster Hand.

Sie verständigten sich in knappen Worten über die Geschichte, die sie erzählen würden. Im Grunde mussten sie nur Christophs Tod erklären, was mit den anderen geschehen war, war offensichtlich. Niemand würde sie verantwortlich machen können. Was Christoph betraf, so war er eben wahnsinnig geworden, hatte sie in den Keller gejagt und versucht, sie zu töten. Britt hatte ihn dann in Notwehr erschlagen, nachdem er Maike in das Weinregal geschleudert und versucht hatte, Philip zu erwürgen. Sie würden die Geschichte noch ein wenig ausfeilen müssen, aber sie würde plausibel sein. Keine Geister, keine Besessenen, nur ein paar durchgedrehte Insekten und die dünne Linie zwischen Wahnsinn und Vernunft.

Maike bedeckte Bastian und Justus mit Tischdecken. Sie nahmen Abschied, verließen das Haus und sahen nicht zurück. Sie gingen hoch zum Parkplatz, Britt auf Philips Arm, Maike neben ihnen, sie hielt Britts freie Hand. Sie stiegen alle drei in Philips Wagen, völlig selbstverständlich, sie waren die Überlebenden, sie würden sich nicht trennen. Nicht jetzt. Sie fuhren los, ohne Ziel, einfach nur fort, gleichgültig, wohin, für sie gab es nur die Straßen, die sie weiter trugen und weiter und weiter. Eine Tankstelle, mechanische Handlungen, dann weiter, weiter. Irgendwann würde die Straße enden. Dann würden sie eine schreckliche Geschichte erzählen. Doch im Moment kannten sie keine Geschichten. Nur die Straße, das Grau des Asphalts, die anderen Autos, die sie umschwirrten wie Insekten.

Britt legte eine Hand auf Philips Oberschenkel, er drehte sich zu ihr und lächelte. Vom Rücksitz kam Maikes Hand und legte sich auf ihre. Britt wandte sich zu ihr und auch sie lächelte, unter Tränen. Britt fühlte, wie ein wenig Leben in sie zurück tropfte, schloss die Augen und seufzte. Sie hatten überlebt.

FORTSETZUNG FOLGT





Übrigens: Dieses Bild aus dem Epilog, die drei Menschen im Auto, die ziellos und unzertrennlich vom Ort des Schreckens weg fahren, war das allererste Bild, das von der Geschichte existierte. Ich habe hier schon einmal etwas zur Entstehungsgeschichte des Romans geschrieben. Die reale Party war Ausgangspunkt und Inspiration, das ist richtig, aber der Beginn der GESCHICHTE (und damals, vor mehr als 30 Jahren, noch der Beginn des PROloges) war dieses Bild, diese Situation.



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Das Museum Essentieller Artefakte: Damenschuh

Sarahs Rückblick auf 75 Geschichten – und ein Katalogeintrag mit dem sie uns erzählt, wie Dämonen AUCH sein können.

Der Guppy war's und nicht die Lerche

Hey Leute,

das ist heute die 75. igste Quarantänegeschichte. Die Welt ist nicht mehr ganz diesselbe wie noch vor zweieinhalb Monaten, als ich die erste Geschichte hier gepostet und dann zehn Minuten später eine Whatsapp von einer Freundin bekommen habe: „Bist du noch in Deutschland?! Die machen die Grenzen zu!“

Zweieinhalb Monate seit einer überhasteten Abreise von meinem besten Freund, seit einem Abschied an einem menschenleeren Kölner Bahnhof. Nur ein paar Soldaten waren da. Zweieinhalb Monate vor einer beklemmenden Nachtfahrt in einem Zug mit klappriger ungarischer Garnitur und voller besorgter Gesichter. Ich bin jede Stunde aufs Klo gegangen, Händewaschen, und nachdem es dort keine Seife mehr gab, nur sehr scharfes Desinfektionsmittel, haben meine Knöchel am Ende der nacht geblutet.

Zweieinhalb Monate, seit ich mit meinem Vater am Telefon heftig gestritten hab, weil meine Familie wollte, dass ich in Oberösterreich aussteige und heimkomme, um den Sturm in mein Elternhaus auszusitzen –…

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schreckenbergschreibt: Quarantänegeschichte Nr. 75 – Der Ruf, Teil 50

Hallo, schön dass Ihr wieder hier seid, um gleich ein doppeltes Jubiläum mit uns zu feiern. Denn heute erzählen Sarah und ich Euch unsere jeweils 75. Quarantänegeschichte – und „Der Ruf“ geht in die 50. Episode. Mit dieser Episode endet die Geschichte der Party und der Belagerung – morgen und übermorgen erzähle ich Euch noch den Epilog.

Der Ruf – Teil 1, Hintergrund, Rechte

Der Ruf – Teil 2 Der Ruf – Teil 3 Der Ruf – Teil 4 Der Ruf – Teil 5

Der Ruf – Teil 6 Der Ruf – Teil 7 Der Ruf – Teil 8 Der Ruf – Teil 9

Der Ruf – Teil 10 (mit Gewinnspiel)

Der Ruf – Teil 11 Der Ruf – Teil 12 Der Ruf – Teil 13 Der Ruf – Teil 14

Der Ruf – Teil 15 Der Ruf – Teil 16 Der Ruf – Teil 17 Der Ruf – Teil 18

Der Ruf – Teil 19 Der Ruf – Teil 20 Der Ruf – Teil 21 Der Ruf – Teil 22

Der Ruf – Teil 23 Der Ruf – Teil 24 Der Ruf – Teil 25 Der Ruf – Teil 26

Der Ruf -Teil 27 Triggerwarnung: Suizid

Der Ruf – Teil 28 Der Ruf – Teil 29 Der Ruf – Teil 30 Der Ruf – Teil 31

Der Ruf – Teil 32 Der Ruf – Teil 33 Der Ruf – Teil 34 Der Ruf – Teil 35

Der Ruf – Teil 36 Der Ruf – Teil 37 Der Ruf – Teil 38 Der Ruf – Teil 39

Der Ruf – Teil 40 Der Ruf – Teil 41 Der Ruf, Teil 42 Der Ruf – Teil 43

Der Ruf – Teil 44 Der Ruf – Teil 45 Der Ruf – Teil 46 Der Ruf – Teil 47

Der Ruf – Teil 48 Der Ruf – Teil 49


Der Ruf – Teil 50

Die Stimme der Weiblichen. Und keine Schwäche darin, diesmal, was…

Der Hohepriester begriff zu spät. Er verstand erst, als der erste Schlag ihn verfehlte und die Waffe neben ihm in den Boden schlug. Er erkannte sie. Eine uralte Form. ‚K’tak‘, dachte er ‚sie hat ein K’tak, woher…‘

Der Stiel der Waffe traf ihn, als die Weibliche das K’tak wieder hochriss und die Wucht des Schlages drückte ihn hoch, weg vom Hals seines Feindes. Er drehte sich um, sah hoch und sah, wie das Blatt der Waffe auf ihn herunterfuhr. Er hörte, wie der verrottete Stahl in den Schädel seines Wirtes fuhr und sich tief hineinfraß. Ein Auge erlosch. Die babbelnde Stimme im Hintergrund wurde für einen Moment klar und lachte höhnisch und erlosch dann auch, und er versuchte fieberhaft, all die Verletzungen zu heilen, doch es waren zu viele, zu viel war zerstört. Zu viele Schäden. Zu wenig Zeit.

Und langsam, langsam begriff der Hohepriester das Unmögliche.

Nicht nach all der Zeit.

Nicht nach all den Siegen.

Und doch… Er würde diesen zerstörten Körper verlassen müssen. Und er wusste, was dort draußen auf ihn wartete.

Stephan verstand erst, als die Hände des Dings sich von Philips Hals lösten. Er sah Britt, die mit erhobener Axt über ihnen stand. Dann sauste die Axt hinunter, drang in den Schädel ein und Christoph kippte zur Seite. Britt ließ die Axt los und brach neben ihnen zusammen.

Hatte er einen Fehler gemacht? Hätte er sie einweihen sollen?

Nein, entschied Stephan, es war alles gut, so wie es gekommen war.

Er sah, wie Christoph starb. Er hatte alles richtig gemacht. Alles war gut.

Ich gehe jetzt. Danke.‘

Die Antwort war eisiges Schweigen, aber Stephan wusste, dass Philip noch lebte. Es war knapp gewesen. Er verließ seinen Freund, er hatte noch eins zu tun und der Gedanke erfüllte ihn mit heißer Freude. Und dann würde er zu den Toten gehen. Zu ihr.

Er drehte sich zu Christoph und sah den Feind herauskommen. So klein. So kraftlos.

Mit einem hungrigen Brüllen fiel Stephan über den Hohepriester her.

Britt sah etwas wie Hitzeflimmern in der Luft über Christophs Leiche, dann war es vorbei. Es war vorbei und sie hatten es überlebt.

Er ist fort. Danke Britt. Danke und leb wohl.‘

„Du hättest ihn sterben lassen! “, schrie sie. „Ich hasse Dich, ich verfluche Dich! Fahr zur Hölle!“

„Britt.“

Sie fuhr herum und sah, dass Philip sich langsam erhob. Sein Gesicht sah entsetzlich zerschlagen aus und am Hals hatte er große, rote Flecke. Sie kroch zu ihm, mit Laufen war es erstmal vorbei, und barg ihn in ihren Armen. Sie hielten sich, stumm. Irgendwann hörten sie ein Stöhnen unter der Treppe. Maike rappelte sich auf, taumelte zu ihnen. Sie sprachen. Sie saßen auf dem Boden und sahen hoch zu der offenen Kellerluke.

Zum Licht.

FORTSETZUNG FOLGT

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