Der Dunkle Fürst und das Fräulein Niedermaier – Teil 4

Salamacian hat es schwer – und das Schlimmste, was man in so einer Situation bekommen kann ist? Richtig – das Mitleid von Leuten, die keine Ahnung haben, WIE groß das Problem ist.

Der Guppy war's und nicht die Lerche

About: Geschichten für euch
Teil 1
Teil 2
Teil 3

Dankenswerterweise gab es an diesem Nachmittag einen kleinen Bauernaufstand in einer seiner Ländereien – nichts vertreibt Kummer und Sorgen so gut wie die dedröppelten Gesichter einer geschlagenen Rebellenarmee – aber bis zum späten Abend war Salamacians finstere Stimmung zurückgekehrt und verfolgte ihn bis zum monatlichen Saunatreffen mit seinen Kollegen.
Während die anderen Schreckensherrscher fröhlich schwitzten, dabei ein Gläschen Absinth1umgehen ließen und in eine lebhafte Diskussion über die Drachenzucht verwickelt waren, starrte Salamacian nur auf die Holzbank vor sich und hing bitterschwarzen Gedanken nach. Das war an und für sich nichts Ungewöhnliches – düsteres Grübeln gehört mehr oder weniger zu den Berufsanforderungen – aber Salamacian beschränkte diese Beschäftigung normalerweise auf die Geschäftszeiten. Es war nur eine Frage der Zeit, bis er auffiel und ein skelettierter Finge ihn vorsichtig auf die Schulter klopfte. Der Finger gehörte zu Koriolan Knochenreiter (K.u.K…

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schreckenbergschreibt: Quarantänegeschichte Nr. 16 – Urknall

Soooo, nach zwei Wochen Quarantänegeschichten habe ich jetzt mal den Holzvorrat für meine Geschichtenlagerfeuer überprüft. Zwei veröffentlichte Geschichten habe ich noch, von denen ich allerdings die eine nicht mag und die andere… naja, ich mag sie schon, aber sie ist recht düster. Also – ein reales Düster, kein phantastisches, wie sonst.

Außerdem habe ich noch 12 fertige, unveröffentlichte Geschichten, die ich aber einzeln überprüfen und überarbeiten muss. Einige sind nicht besonders gut gealtert, eine musste ich eben verwerfen. Es war eine nette kleine Rachegeschichte, die ich mal für einen Wettbewerb geschrieben habe, vor fast 20 Jahren. In der Zwischenzeit… Sagen wir mal so – ich habe genug von Serienkillern und hübschen Leichen. Bei anderen, aber eben auch bei mir selbst.

Die Geschichte aber, die ich Euch heute erzählen will, mag ich immer noch. Sie ist ein wenig einfach im Stil (wäre ja auch traurig, wenn ich in den 17 Jahren seit ihrer Enstehung als Autor nicht dazugelernt hätte), aber ich mag sowohl die Grundidee als auch die Geschichte selbst immer noch sehr.

Und keine Sorge – Sarah und ich werden nicht aufhören, Euch mit Geschichten zu versorgen, auch wenn wir davon ausgehen, dass die Isolation noch länger als die knapp zwei Wochen dauern wird, die mein Geschichtenvorrat noch reicht. Ich lasse mir etwas einfallen. 😉

Vor der Geschichte wie immer dies:

Wieder unter der Lizenz Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International (CC BY-NC-ND 4.0)*.






URKNALL

von Michael Schreckenberg

Es hat alles mit dem Stein angefangen. Einer dieser Zufälle, die die Menschheit weiter vorangebracht haben als viel akribische, fruchtlose Forschung. Der Stein war alt. Die genauesten Schätzungen lagen bei 300 bis 250 Millionen Jahren. Er war warm und pulsierte, wie ein lebendiges Wesen. Er war Energie. Er bedeutete die Lösung all unserer Probleme. Dachten wir.

„Du solltest da wirklich nicht noch mal rein gehen. Was soll das? Du hast alles tausendmal kontrolliert.“

Andreas schüttelte den Kopf. „Du verstehst mich nicht. Ich will nichts kontrollieren. Ich will dabei sein, wenn wir die Maschine einschalten.“

Grischa ließ seine Kladde sinken und starrte ihn an. „Das ist nicht dein Ernst.“

„Doch, sicher. Warum nicht?“

„Es ist zu… es ist zu gefährlich. Und verboten ist es außerdem.“

„Es ist nicht verboten, und du weißt das.“ sagte Andreas ungeduldig.

Grischa seufzte. „Es sollte verboten sein.“

„Blödsinn. Ich möchte einfach sehen, wie er reagiert. Wie es aussieht, wenn wir ihn anzapfen. Ich will Daten sammeln, wenn du eine wissenschaftliche Begründung willst.“

„Die Brennstäbe in einem Kernkraftwerk sehen sicher auch toll aus. Trotzdem will niemand zu ihnen rein.“

Andreas schenkte seinem Kollegen einen ungeduldigen Blick. „Du weißt, dass man das nicht vergleichen kann. Er ist nicht radioaktiv, er ist nicht instabil, wir haben es xmal simuliert und noch öfter durchgerechnet. Das weißt Du.“

„Gar nichts weiß ich. Und du weißt ebenso wenig. Niemand hat irgendeine Ahnung.“

Andreas lachte. „Mag sein, aber das hat keinen abgehalten. Dich auch nicht. Ich gehe jetzt rein. Wer ist dabei, wenn du die Maschine einschaltet? Judith?“

Grischa seufzte erneut, resigniert. So kameradschaftlich es im Team zuging – Andreas war der Chef. Leider. „Wie du willst. Judith ist dabei, ja. 30 Sekunden Testlauf, damit morgen alles gut geht. Wie du gesagt hast.“

„Morgen, mein Freund,“ sagte Andreas grinsend, „morgen schaffen wir eine neue Welt.“

„Aber klar.“

„Glaub mir!“ Damit ging er in die Kammer.

Professor Dr. Andreas Melchior hatte gedacht, er hätte die Ehrfurcht vor diesem Ding schon lange verloren. Aber wie er nun hier stand und den Stein betrachtete, der da inmitten von Streben und Leitungen steckte, angebohrt, mit Sonden beklebt, mit Reizern und Abnehmern verbunden, da wusste er, dass er nichts verloren hatte. Der Stein war sein Leben, seit 15 Jahren, seit einer seiner Studenten dass Ding aus dem Urlaub in Tschechien mitgebracht hatte. Als klar war, was Grischa da gefunden hatte, hatte es ein wenig politischen Streit gegeben, aber dann wurde das Ganze ein EU-Projekt, mit Sitz in Prag und ihm als Leiter, und alle waren wieder glücklich und zufrieden. Und er hatte unter den besten jungen Naturwissenschaftlern Europas auswählen können. Sie kamen und gingen, geblieben waren in der ganzen Zeit nur Grischa, er selbst und Judith – Dr. Judith Schmiedt – die tschechische Laborleiterin. Es war nur fair, dass sie Drei die Ersten waren. Er drehte sich zur Scheibe. Zwei Fenster weiter schüttelte Grischa den Kopf, Judith war hinzugekommen und zeigte Andreas den Vogel. Schön, so ein gutes persönliches Verhältnis im Team. Er machte das OK-Zeichen. Grischa sah ihn noch einmal fragend an, Andreas nickte ungeduldig mit dem Kopf. Darauf zuckte sein Assistent mit den Schultern und drückte auf den Knopf.

Was zur Hölle ist das?!“

Die Explosion war ohrenbetäubend – im wahrsten Sinne des Wortes. Andreas fand sich an der Wand der inneren Maschinenkammer wieder. Das Inferno um ihn war seltsam still. Er saß in einer Ruine, die Maschinenteile hatten alles zerfetzt, was ihnen im Weg gewesen war. Wände. Möbel. Geräte. Und was von dem Raum übrig war, stand in Flammen. Er saß da und wunderte sich über die Stille. Er hörte nur ein Piepen. Langsam wurde Andreas klar, was geschehen war. Er rappelte sich auf und sah, dass die Wand, an der er gelehnt hatte, keine Wand mehr war, nur noch ein sinnloser Raumtrenner zwischen dem Chaos vor und dem Inferno hinter ihm. Es gab keinen inneren Maschinenraum mehr und keinen äußeren und kein Labor – es gab nur noch Trümmer, Feuer, Fetzen – und Stille. Und das Piepen.

‚Der Rauch‘, dachte Andreas. ‚Ich muss hier raus, Rauchvergiftung. Judith. Was ist mit Judith? Und Grischa.‘

Er fand die beiden in der Nähe von etwas, das er mit Mühe als die Reste der Trennwand zum äußeren Maschinenraum erkannte. Judith war bewusstlos, sie blutete, ihr rechtes Bein war unter einem gewaltigen Trümmer eingeklemmt. Grischa war tot, die Scheibe des Sichtfensters hatte ihm den Kopf und den linken Arm abgerissen und den Rest seines Körpers mit Scherben gespickt, von denen jede einzelne so lang wie eine Schwertklinge war. Für einen Moment war Andreas begraben in Trauer um seinen Freund, aber er zwang sich, klar zu denken. Judith. Judith war eingeklemmt und der Raum brannte. Er musste sie retten, niemand sonst war hier. Er stemmte sich gegen den Trümmer, unter dem ihr Bein verkeilt war, es war ein undefinierbares Metallteil. Er roch den scharfen, fett stinkenden Rauch, spürte die Flammen, er schaffte es im letzten Moment. Der riesige Metallfetzen kippte weg von ihm, er nahm Judith auf seine Arme, und dann rannte er.

Rauch? Ist das… Nein… wo ist die Wand!?“

Draußen tobte das Chaos, ein anderes Chaos als drinnen. Menschen rannten die Gänge entlang, zu den Ausgängen, die Männer der Institutsfeuerwehr rannten in die entgegengesetzte Richtung, hin zum Labor. Alle Feuermelder blinkten, es musste ein unglaublicher Lärm herrschen, aber Andreas nahm nur ein Murmeln wahr. Immerhin das – und das Piepen wurde auch leiser. Judith legte die Arme um seinen Hals und sagte etwas mit geschlossenen Augen, er sah, wie sie die Lippen bewegte. Er kämpfte sich zur Treppe, hinunter ins Erdgeschoss, noch einmal den Flur entlang und dann ins Freie. Sanitäter der Institutsfeuerwehr kamen ihm entgegen, nahmen ihm Judith ab. Er deutete auf seine Ohren, aber sie beachteten ihn nicht, Judith hatte die Augen geöffnet und schenkte ihm ein Lächeln, als sie sie fort trugen.

Wo ist er? Da! Siehst du? Aber…“

Die Druckwelle warf ihn zu Boden, den Knall selber bekam er nur als dumpfes „Plopp“ mit. Er stand auf und drehte sich zum Gebäude. Ein Teil des ersten Stockwerks war explodiert, immer noch regneten Trümmerteile auf die andere Seite des Parkplatzes. Flammen schlugen aus der Ruine, turmhoch. Jemand berührte ihn an der Schulter, Andreas drehte sich um. Es war Puchlika, der Chef er Institutsfeuerwehr. Neben ihm stand eine weinende Frau. Puchlika sagte etwas. Andreas zuckte mit den Schultern und deutete auf seine Ohren. Der Feuerwehrmann kam näher und brüllte in sein Ohr.

„Sie… ill… titutsleit… rechen.“

„Ja,“ sagte Andreas. „Und?“

„…dergartenkinder… esicht…ung. Kind… fehlt.“

„Was? Seit wann machen wir Besichtigungen für Kindergärten?“

„Idee… PR-…teilung.“

„Ein Kind fehlt?“

Die Frau nickte. Puchlika sah ihn traurig an.

„…ön… icht… rein. …spät,“ brüllte er in Andreas Ohr.

Andreas rannte zurück in das brennende Gebäude.

Er fand das kleine Mädchen schnell, das sich verängstigt die Ecke eines Waschraums gekauert hatte. Der Kamineffekt des Flures zog den Rauch von ihr weg, aber die Flammen hatten sie eingekreist und kamen näher. Andreas sprang durch das Feuer, barg die Kleine an seiner Brust, sprang zurück, kroch, das Kind im Arm, unter dem Rauch zur Tür zurück und verließ die Ruine zum zweiten Mal. Die Menge der Geretteten draußen jubelte ihm zu. Schade, dass er es nicht hören konnte.

Es sieht aus… wie… wie ein Foto. Was sollen wir tun?“

Zwei Jahre später war er am Ziel seiner Wünsche und all seiner Träume. Es hatte Untersuchungen gegeben, aber sie hatten alle erbracht, dass ihn keinerlei Schuld an der Katastrophe traf. Grischa hatte einen Fehler gemacht mit den Reizgebern. Die Explosion hatte Andreas Theorien auf schreckliche Weise bestätigt. Der Stein selbst war völlig unbeschädigt, weiterhin warm, und pulste ruhig vor sich hin – auch das eine Bestätigung seiner Theorie. Sie hatten ihm gestattet, weiter zu forschen und eine neue Maschine zu bauen, es war dabei nicht wenig förderlich gewesen, dass er die jüngste Tochter des tschechischen Präsidenten aus den Flammen gerettet hatte. Und dann – ein Jahr nach Judiths und seinem ersten Hochzeitstag, schalteten sie die neue Maschine ein. Und sie funktionierte. Von diesem Moment an lieferte der Melchior-Generator Energie. Unbegrenzt – und kostenlos für jedermann. Darauf hatte Andreas bestanden. Die Welt feierte ihn.

Was ist hier los!? Oh Gott – was ist das!?“

„Ich höre Stimmen, Doktor.“

Der Arzt sah ihn erstaunt an. Erstaunt – und ein wenig belustigt.

„Stimmen?“

„Ja. Seit damals, seit dem Unfall in meinem ersten Labor. Sie haben bestimmt davon gehört.“

„Ja. Sie haben das kleine Mädchen gerettet. Liebmanns Tochter. Ich habe gehört, sie soll schon studieren. Ein echtes Wunderkind. Ohne Sie…“

Andreas winkte ab. „Darum geht es nicht. Ich war damals taub, wissen Sie, hat insgesamt fast drei Wochen gedauert. Durch die Explosion. Aber damals habe ich zum ersten Mal die Stimmen gehört. In meinem Kopf.“

„Ah. Und was sagen sie?“

Andreas zuckte mit den Schultern. „Seltsames Zeug. In den letzten fünf Jahren war es immer das selbe: ‚Was ist hier los!? Oh Gott – was ist das!?‘“

„Komisch. Sehen Sie irgendeinen Zusammenhang? Was das bedeuten könnte?“

„Nein.“

„Und erkennen Sie die Stimmen?“

„Nein. Sie sind viel zu leise. Wie ein Flüstern, weit weg. Manchmal wache ich Nachts davon auf. Es ist zu gruselig.“

„Sie sagen ‚in den letzten fünf Jahren‘. Haben sie vorher etwas anderes gesagt?“

„Ja. Auch nur sinnloses Zeug.“

„Wird es mehr?“

Andreas überlegte einen Augenblick. „Nein. Nein, eher weniger.“

Der Arzt klopfte ihm auf den Arm. „Das ist Stress mein Lieber. Überlegen Sie mal: Dieser schreckliche Unfall, damals, der Tod Ihres Assistenten, dann die Anstrengung, alles wieder aufzubauen, und nun die vielen Stiftungen, denen sie vorstehen, ihre Bücher, ihre Familie – Sie kommen ja nie zur Ruhe. Gönnen Sie sich mal was. Wie wäre es mit Golf? Hätten sie Lust, Golf zu spielen?“

Es breitet sich aus. Was? Es wird größer. Schau…“

Seltsamerweise war er nie vorher auf etwas so stolz gewesen wie auf seine Triumphe als Profigolfer. Er hatte immer gewusst, dass er ein brillanter Geist war, ein großer Wissenschaftler, durch Judith hatte er gelernt, dass er ein begnadeter Liebhaber und guter Ehemann war, ihre gemeinsamen Kinder zeigten ihm jeden Tag, was für einen guten Vater er abgab. Die Menschen in der ganzen Welt verehrten ihn als den Mann, der sie aus der Sklaverei von Öl, Kohle und Kernkraft befreit und ihnen Weltfrieden geschenkt hatte. Seit drei Jahren war nun auch der letzte Bürgerkrieg beendet. Aber nichts davon hatte ihn so überrascht und daher so unerwartet stolz gemacht wie sein Talent als Golfer. Er beendete seine Karriere erst in hohem Alter – ein junger Mann war auf der internationalen Golfbühne erschienen, und nach mehr als einem Jahrzehnt spürte Andreas zum ersten Mal, dass da jemand war, der ihn würde schlagen können. Er beendete seine Laufbahn auf ihrem Höhepunkt – lächelnd.

Können wir es aufhalten?

Er hatte nicht damit gerechnet, Weltpräsident zu werden. Aber nach dem Ende aller Energieprobleme waren die Völker schneller zusammengewachsen, als sich irgendjemand hätte träumen lassen. Am 31. Dezember 2056 wurde in New York, am Sitz der alten UNO, feierlich der Unionsvertrag unterschrieben, die ersten weltweiten freien Präsidentschaftswahlen fanden zwei Jahre später statt. Der ehemalige Präsident Tschechiens, Oleg Liebmann, sein alter Freund, war in diesen Jahren Übergangspräsident der provisorischen Weltregierung. Myriam, Olegs Tochter, die Andreas vor so vielen Jahren aus dem Institut getragen hatte, hatte inzwischen ein Heilmittel gegen die meisten Formen von Krebs entdeckt, ihr Vater war einer der Ersten gewesen, die sie gerettet hatte. Es war Oleg, der ihn auf die Idee brachte, zu kandidieren. Genauer – der alte Präsident hatte ihn gedrängt, denn Andreas wollte eigentlich lieber sein behaglich gestaltetes Privatleben genießen. Aber in einer langen Nacht, mit viel gutem Wein, gelang es Oleg und Judith, ihn zu überzeugen. Als bekannt wurde, dass Andreas Melchior sich zur Wahl stellte, zogen alle anderen Bewerber ihre Kandidatur zurück. Das wiederum wollte Andreas nicht gefallen, er wollte den demokratischen Wettstreit, also fand sich Oleg Liebmann selbst bereit, gegen ihn anzutreten. Und trotz des Respektes, den der alte Mann genoss, erkor die Weltbevölkerung Andreas mit 88,76 Prozent zu ihrem ersten, frei gewählten Präsidenten. Als er auf den Stufen des neuen Regierungsgebäudes in Peking den Menschen zuwinkte, sah er Judith in der Menge. Sie lächelte…

Können wir es aufhalten?“ Klaus Puchlika hatte einen Instinkt für Gefahr, und er hatte gespürt, dass irgendetwas im Labor nicht stimmte. Deshalb war er hergekommen. Aber das hier war kein Feuer.

Grischa schüttelte den Kopf. „Ich weiß es nicht. Ich wüsste nicht wie. Wir wissen ja nicht einmal, was es ist.“

„Wie konnte das passieren?“

„Wir wissen es nicht,“ sagte Judith tonlos. „Wir wissen gar nichts. Angefangen damit, dass wir nicht wissen, was dieser Stein überhaupt ist.“

„Er hat versucht, ihn anzufassen. In dem Moment, als ich den Knopf gedrückt habe. Vielleicht war es das.“

Puchlika warf einen Blick auf die Messskalen, ein Teil der Sensoren im äußeren Maschinenraum funktionierte noch.

„Er muss tot sein. Wie lange ist es jetzt her?“

„Zwei Minuten, acht Sekunden,“ sagte Grischa.

Sie sahen alle drei durch das Fenster. Was sie sahen, war eine Kugel die langsam pulste und sich immer weiter ausbreitete, millimeterweise und allmählich, aber sichtbar. Die graue, nebelartige Wand der Kugel war transparent genug. Darin sahen sie eine eingefrorene Szene: Die Maschinen, die Kabel, alles nebelhaft und durchsichtig, die ebenfalls transparent gewordene Wand der inneren Maschinenkammer – und die beiden einzigen soliden Teile dieser schattenhaften Welt: den Stein, und Andreas, der sich über ihn beugte.

„Was bedeutet das, wenn wir es nicht aufhalten können?“ Puchlikas Stimme war belegt. Er kannte die Antwort.

„Das Ende,“ sagte Grischa.

„Und wir?“

„Vielleicht werden wir, was immer er ist.“

„Er ist tot.“

„Das wissen wir nicht,“ sagte Judith und trat noch näher an die Scheibe. „Wir wissen nicht was mit ihm ist. Wir können nicht wissen, wie sehr er leidet.“

ENDE







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Der Dunkle Fürst und das Fräulein Niedermaier – Teil 3

An Sarahs Geschichtenfeuer geht es derweil weiter mit dem Dunklen Fürsten und seiner Haushälterin. Ich bin fortwährend entzückt. 😀

Der Guppy war's und nicht die Lerche

About: Geschichten für euch
Teil 1
Teil 2

Fräulein Niedermaier seufzte und betrachtete ihren Arbeitsgeber mitleidig. Der arme Mann war immer so mit seinen Experimenten und Untertanen-Unterdrücken und Invasionen in Nachbarländer beschäftigt, dass er einfach nicht mehr dazu kam, an die simplen Praktikalitäten des Lebens zu denken. Beispielsweise, dass ein zehn Meter großes Feuermonster auch entsprechend viel fraß – die Braunkohlerechnungen der Feste waren immens – und dass… nun, dass am anderen Ende des Feuermonsters auch wieder etwas herauskommen musste, und zwar ebenfalls in entsprechender Menge und glühend heiß.
Wer sich noch über die Hinterlassenschaften eines Dackels auf dem Teppich aufzuregen vermochte, der hatte ganz eindeutig noch nicht erlebt, was dreißig Kilo Magma an derselben Stelle anrichten konnten. Bis sie es schafften, den Balrog stubenrein zu bekommen, waren Windeln aus Asbest nun einmal die einfachste Lösung. Auch wenn es, wie Fräulein Niedermaier unumwunden zugab, einiger Vehemenz und strenger Blicke bedurft…

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schreckenbergschreibt: Quarantänegeschichte Nr. 15 – Der Schwarze

Kommt näher, liebe Freundinnen und Freunde, hört meine Geschichte. Vor zwei Wochen haben Sarah und ich damit begonnen, Euch jeden Tag eine zu erzählen, um Euch die Zeit der (damals) selbstgewählten, beziehungsweise (nun) verordneten Isolation zu vertreiben. Und um dieses kleine Jubiläum zu feiern, bekommt Ihr heute die allererste Kurzgeschichte, die ich je geschrieben habe…

… oder besser: Eine Form davon. Ursprünglich war „Der Schwarze“ ein ganz kurzes Geschichtchen, anderthalb getippte (Schreibmaschine! Wir reden von 1984) Seiten. Im Laufe der vielen Jahre danach bin ich immer wieder zu ihr zurück gekehrt, habe sie auch irgendwann abgeschrieben und im Computer gespeichert, umgeschrieben, verändert… aber eigentlich bin ich immer sehr nah an der alten Kürzestgeschichte geblieben. Bis 2015.

Ich hatte schon einige Kurzgeschichten veröffentlicht, unter anderem meine erste Limburg-Geschichte, die ich Euch gestern kredenzt habe. Ein Jahr später kamen meine Verleger, Daniel Juhr und Michael Itschert, wieder auf mich zu, weil eine zweite Westerwald-Anthologie geplant war. Wieder baten sie mich um eine Limburg-Geschichte. Irgendwie ist dieses Limburgding später eskaliert, ich vermute, mit zwei Kurzgeschichten, einer Novelle (der „Sturmglocke“ die ich Euch letztes Wochenende gegeben habe) und einem Roman („Nomaden“) bin ich wahrscheinlich der Autor, der mit dem wenigsten Bezug zur Stadt (ich war ein paarmal zur Recherche dort, aber das ist auch alles) am meisten über Limburg geschrieben hat. 😀

Damals war es aber, wie gesagt, erst die zweite Limburg-Geschichte – und ich hatte plötzlich das Gefühl, dass es an der Zeit war den „Schwarzen“ endlich, nach mehr als 30 Jahren, unter die Menschen zu lassen. Für die Limburg Anthologie habe ich die ursprüngliche Geschichte stark ausgeweitet, meinem Protagonisten und seinem Opfer eine Hintergrundgeschichte gegeben und das ganze ein wenig an die Geschichte von Eukalyptusbonbon angebunden – aber der Kern ist geblieben, und einige Absätze sind tatsächlich unverändert so, wie in der allerersten Version:

Wieder unter der Lizenz Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International (CC BY-NC-ND 4.0)* Bitte beachtet dabei, dass JEDE Verwendung den Hinweis auf die Erstveröffentlichung enthalten muss!






Der Schwarze

von Michael Schreckenberg



Erstveröffentlichung in „Mordsbrocken“, von Michael Itschert und Daniel Juhr (Hrsg.) mit Hermann Josef Roth, Gardez!Verlag und JUHRVerlag 2015.


,,Geh weg!“ bittet der Mann in dem kleinen Raum.

Der Schwarze lacht.

,,Geh weg! Lass mich in Ruhe!“ Der Mann ist erschöpft.

,,Du weißt, dass ich nicht weg kann“, sagt der Schwarze.

Natürlich weiß der Mann das. ,,Geh weg!“ heult er.

,,Ich verstehe Dich nicht“, sagt der Schwarze. ,,Bin ich denn nicht Dein Freund? Habe ich nicht geholfen? Habe ich nicht immer getan, was Du wolltest?“

Der Mann schüttelt wild den Kopf. Schweiß fliegt, und Tränen.

Der Schwarze scheint nachzudenken. Der Mann weiß, dass das nur eine Imitation ist. Hohn. ,,Wer weiß. Wer weiß,“ meint der Schwarze schließlich, „ohne mich wärst Du doch bestimmt im Gefängnis. Ich bin Dein Freund.“

Der Mann rafft sich zu einer Antwort auf: ,,Warum hast Du es mich dann nicht selbst tun lassen? Warum nicht? Ich wäre lieber im Gefängnis als hier mit Dir. Lieber im Gefängnis.“

,,Das habe ich Dir doch schon so oft erklärt“, sagt der Schwarze mit etwas, das liebenswürdiger Geduld ähnlich sein soll. ,,Ich bin Dein Freund. Dein engster, Dein nächster, Dein bester Freund. Du hast einen Wunsch? Du traust Dich nicht? Dein Freund spürt, was Du fühlst und er hilft Dir.“

Der Mann schluchzt und schließt die Augen. Der Schwarze ist weg.

Die Dunkelheit hinter den Augenlidern bringt nicht die ersehnte Ruhe. Sie bringt Bilder. DIE Bilder. Limburg…

Martin hatte sich oft gefragt, auf wievielen Totenscheinen die falsche Todesursache stand. Mord. Suizid. Unfall. Falsch, alles falsch. Flohmarkt sollte da stehen. Mittelaltermarkt. Oder, die schlimmste Ausgeburt der Hölle, der fucking Kunsthandwerkermarkt. Auf Flohmärkten fand man ja manchmal wirklich etwas Ungewöhnliches oder Nützliches. Die Erstausgabe, die dieser Trottel ihm für zehn Euro überlassen hatte und über die der Antiquar fast einen Orgasmus bekommen hätte. 450 bar auf die Hand, und wahrscheinlich hätte Martin da mit etwas Ahnung noch mehr raushandeln können. Und Mittelaltermärkte hatten wenigstens Flair. Wenn man Met aus einem Horn trank und dabei zwei Typen zuschauten, die sie mich eisernen Knüppeln die Rüstungen verbeulten, war es fast erträglich, dass Johanna aufgedreht herumwuselte und blödsinnigen Tinnef für völlig überteuerte Preise kaufte. Nur weil der nachgemachte Modeschmuck nicht „nachgemachter Modeschmuck“ hieß, sondern „Geschmeide“. Kunsthandwerkermärkte aber…

Später hatten sie sehr darauf abgehoben, dass er einiges eingeworfen hatte, vorher. Die ganze Geschichte mit dem Schwarzen käme davon, hatten sie gesagt. Was wussten die schon? Und wie bitte sollte man einen Kunsthandwerkermarkt ohne Drogen ertragen?

Johanna war auch nicht nüchtern gewesen, die war naturstoned sobald sie Getöpfertes und Geschöpftes und Geschmiedetes und gottverdammt Gefilztes sah. Alles war mundgeblasen und handgeklöppelt und wäre Martin nicht schon Atheist gewesen, er hätte über die Kunsthandwerkermärkte seinen Glauben verloren. Es konnte keinen Gott geben, der sowas zuließ. Und einmal im Jahr kam das Grauen nach Hause. Kunsthandwerkermarkt in Limburg.

Vielleicht, so hatte er gedacht, ist das auch nur ein schlechter Trip, vielleicht liegt es an mir. Oder an diesen grünen Dinger, die er dem Typen mit dem Affen auf dem T-Shirt im Bahnhofparkhaus abgekauft hatte. „Eukalyptusbonbons,“ hatte der Typ gesagt. „Versuch mal, versuch mal.“ Die Dinger hatten wirklich wie Hustenbonbons geschmeckt, aber die Wirkung war ein klein wenig anders. Aber lag es daran? Oder an Martin selbst? Der ganze Neumarkt voller Menschen und alle waren so entsetzlich gut drauf. Alle hatten Spaß, so schien es, schauten hier, betatschten da, kauften dort. „Ah!“ „Oh!“ „Schau mal!“ Nur ihn kotzte das alles so an. Und vielleicht auch den Vater, der sein Kind anbrüllte weil es unbedingt eine potthässliche, handgeschnitzte (natürlich!) Ente haben wollte und keine Ruhe gab. Martin hätte ihn küssen mögen.

Und Johanna mittendrin. Vor lauter Begeisterung mutierte sie zur Touristin. Lief die Stadt hinauf und hinab, all die engen und vor allem anstrengend steilen Gassen, kaufte Postkarten am Dom, erzählte die ganzen abgestandenen Bischofswitze nochmal, fand das Fachwerk und die Natursteinmauern plötzlich so interessant, wunderte sich über die Zahl der Eiskaffees und dass sie alle original italienisch waren, schleifte ihn in eins, genoss wortreich den Wind.

Wir wohnen hier, dachte Martin verzweifelt. Direkt drüben bei der Feuerwehr. Die Innenstadt ist steil und verstopft wie immer, alles voller Touris, das Fachwerk und die Natursteine sind nur bei Sonne schön, vom Pflaster ganz zu schweigen, denk an deinen Bänderriss. Der Wind ist auch nicht windiger als irgendwo anders wo viel Wind weht und über die Gelatoinflation beschwerst du dich doch sonst mehr als jeder andere. Was macht dieses Zeug mit dir? Wieviel nutzloses Zeug wirst Du heute wieder nach Hause schleppen? Gefilzte Handytaschen in die kein Handy passt? Geschmiedete Nägel die zu lang und breit für irgendeinen praktischen Nutzen sind? Mundgeblasene Christbaumkugeln, die schon beim Auspacken vor Heiligabend zu Staub zerfallen?

Das alles sagte er natürlich nicht laut. Johanna konnte so unglaublich herablassend sein, und er litt an einem High Sensitive Brain. Das hatte er per Selbstdiagnose im Internet herausgefunden. Er war sehr sensibel und verletzlich. Besser, ihr keinen Anlass zu geben.

Er hatte es ertragen. Er hatte es alles ertragen, den Kunsthandwerkerkrempel, die Wir-Covern-Ganz-Woodstock-Band, die Puppenspieler und die Jongleure und ihre enervierend gute Laune. Bis die Vorhaltungen kamen. Da waren sie schon auf dem Weg nach Hause.

„Warum machst du nichts aus Deinem Leben, Martin?“

„Wieso hängst du nur rum, Martin?“

„Schau mich an, Martin. In der Schule hatte ich es so schwer, und jetzt?“

„Martin, Martin, Martin, Martin,“ ein einziges Yattern und Keifen, kaum, dass sie den Neumarkt verlassen hatten (mit zwei neuen, gefilzten Taschen voller handgemachtem…. Wasauchimmer) und den halben Weg nach Hause.

Was war dann geschehen?

Er sah sich wieder an der Schiede stehen, der großen Ausfallstraße. Immer, immer sah er die Szene wie durch einen Filter, einen optischen und akustischen, alles war so fern und dumpf. Langsam auch, Zeitlupenwelt. Machte dass das Eukalyptusbonbon? Oder war es, weil der Schwarze…

Der Lastwagen in der Ferne.

Der dicke Kerl, in den Martin hineingetaumelt war, kraftlos von Sonne und Filz und Martin, Martin, Martin…

„Passt doch auf, ihr Brutparasiten!“

Geiles Schimpfwort, hatte er gedacht, wo hat der das denn her?

„Blablabla, Martin… Blablabla, Martin… Blablabla, Martin…“ Johanna kannte keine Gnade.

Der Lastwagen war grün, näher jetzt.

Wieder an der Schiede. Die Abendsonne schickte einen ersten goldenen Herbstton, fern noch.

Der Lastwagen war laut.

Johanna neben ihm. In diesem Moment hatte er sich vorgestellt, wie es wohl wäre, jetzt die Hände auf ihre Schultern zu legen und – sanft, ganz sanft zuzustoßen. Wenn mit ihr all sein Ärger, der Frust, die Demütigungen auf die Straße fallen würden.

Und gerade bevor der Gedanke wieder in Martins Gedankenbrei versank, stand plötzlich der Schwarze hinter ihr, nickte ihm zu, legte die Hände auf ihre Schultern und stieß zu.

Der Lastwagen war da.

Später hatte er versucht, alles zu erklären. Dass der Schwarze es gewesen war, nicht er. Hatte versucht, es den Polizisten zu erklären. Den Ärzten. Dem Richter. Hatte auf den Schwarzen gezeigt, wie er da, offen und für jeden sichtbar, an der Wand lehnte. Er hatte ihn angeklagt, hatte geschrien und gebettelt. Niemand hatte ihm geglaubt. Sie hatten ihn hierher gebracht…

Der Mann öffnet die Augen wieder. Da ist der Schwarze. Der Mann starrt ihn an.

,,Du bist immer noch da.“

,,Ja.“

,,Geh weg!“

Der Schwarze lacht.

Der Mann springt auf. ,,Geh weg, weg! Weg! Weg!“ Er geht auf den Schwarzen los.

Der Schwarze lacht ihn aus.

Der Mann springt ihn an und schlägt auf ihn ein. ,,Geh weg! Geh weg! Geh endlich, endlich weg! Geh….“

Seine Stimme überschlägt sich, rasend schlägt er auf den Schwarzen ein, trommelt mit beiden Fäusten, tritt ihn, schlägt zu und schreit und schreit und schreit, und der Schwarze lacht, lacht, lacht, und das Lachen wird lauter und lauter und gellt in den Ohren des Mannes, lauter und lauter, das Lachen übertönt alles, wischt alles aus und leerte die Welt.

In der Forensischen Psychiatrie der Psychiatrischen Klinik Hadamar geht ein Pfleger an dem kleinen Raum vorbei, hört das Geschrei und wirft einen kurzen Blick hinein. Er überlegt einen Moment , den Mann ruhig zu stellen entscheidet dann aber, dass es besser ist, wenn er sich austobt. In dem Raum kann er sich nicht verletzen. Der Pfleger lächelt leise. Er wird Julia davon erzählen. Sie hört die Geschichten immer so gerne, die er aus der Psychiatrie mitbringt. Was sie wohl sagen wird, wenn er ihr von dem Mann erzählt? Dem Mann, der brüllend an der Wand steht und auf seinen Schatten einschlägt.

ENDE








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Der Dunkle Fürst und das Fräulein Niedermaier – Teil 2

Ein Dunkler Fürst zu sein ist nicht einfach. Und was den Umgang mit Balrogs angeht, können sich sowohl Feanor als auch Gandalf bei Fräulein Niedermaier noch was abschauen. 😀

Der Guppy war's und nicht die Lerche

About: Geschichten für euch
Teil 1

Salamacian machte auf dem Absatz kehrt und eilte die Treppen zurück hinauf. Seine Stimme hallte in den verfallenen Gemäuern wieder wie eine Friedhofsglocke, als er lauthals den Namen der Kreatur brüllte, die fest entschlossen schien, sein Leben in ein einziges Jammertal zu verwandeln: „Fräulein Niedermaier! Fräulein Niedermaieeeeeeeeer! FRÄULEIN NIEDERMAI-“

„Jetzt schreien’s ned so, Herr Salamacian. I bin ja nu ned taub.“

Salamacian kam inmitten seines Thronsaales schlitternd zu stehen. Die Stimme kam von oben. Weit oben. Erblickte auf und entdeckte seine Haushälterin knapp unter der Decke, wo sie auf einer endlos langen Leiter balancierte und den Luster polierte, den ein Urgroßonkel Salamacians dereinst aus den Knochen seiner Feinde hatte anfertigen lassen. Fräulein Niedermaiers rosarote Tweedjacke kontrastierte auf fast unwirkliche Weise dem Dekor.

„Was is denn? Sehen’S ned, dass ich grad am Arbeiten bin?“

Salamacian atmete tief durch.

„Sie waren schon wieder in meinem Labor!“

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schreckenbergschreibt: Quarantänegeschichte Nr. 14 – Eukalyptusbonbon

Passend zu meinem kleinen Wutausbruch von eben geht es in der heutigen Quarantänegeschichte um jemanden, der sich… sagen wir mal ziemlich unvernünftig verhält. Auch diese Geschichte führt uns – wie die vom vergangenen Wochenende – nach Limburg. Sie ist erstmals 2014 in der folgenden Anthologie im JUHRVerlag und im Gardez!Verlag erschienen:

Eukalyptusbonbon

Wieder unter der Lizenz Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International (CC BY-NC-ND 4.0)* Bitte beachtet dabei, dass JEDE Verwendung den Hinweis auf die Erstveröffentlichung enthalten muss!

Die Geschichte führt und in den wunderschönen We-he-hesterwald…








Eukalyptusbonbon

von Michael Schreckenberg

Erstveröffentlichung in „Mordwind“, von Michael Itschert und Daniel Juhr (Hrsg.) mit Hermann Josef Roth, Gardez!Verlag und JUHRVerlag 2014.


Es beginnt immer mit den Farben. Grün. Warum ist alles so verdammt grün?

Habe ich geschlafen?

Ein Klopfen an der Tür. Laut. Ich muss wohl geschlafen haben, aber ich liege nicht in meinem Bett, sondern auf dem Boden, mitten auf dem Teppich. Vollständig bekleidet, Schuhe inklusive.

Bin ich so eingeschlafen?

Das Klopfen hat mich geweckt. Und das Rufen.

„Polizei. Herr Bischof, öffnen sie die Tür. Wir müssen mit ihnen reden.“

Wieso reden? Und wieso ist alles so verdammt grün hier. Wie, wenn der Monitor am Computer kaputt ist. Kennen sie das? Nur eben in echt.

„Herr Bischof! Nehmen sie doch Vernunft an.“

„Es ist ganz schön witzig, dass du Bischof heißt“, sagt der Schimpanse auf meinem Sofa und zieht an seiner Zigarre. Er spricht mit schwerem russischen Akzent.

„Du bist nicht real,“ sage ich zu dem Schimpansen. Er zuckt mit den Schultern, „Wenn Du meinst, Towarisch.“

Bummbummbumm!Herr Bischof! Wir wissen, dass sie da sind. Wir wollen ihnen nur ein paar Fragen stellen.“

Der Schimpanse lacht glucksend und murmelt etwas Russisches. Ich schaue ihn an und ein Verdacht keimt in mir auf.

„Was hast du getan?“ will ich wissen.

„Ich? Gar nichts, ich bin nicht real. Hast du selber gesagt.“

„Das heißt nichts.“ Ich habe meine Erfahrungen mit dem Schimpansen.

Bummbumm! „Machen sie es sich doch nicht so schwer, Herr Bischof!“

Ich schaue mich in dem Zimmer um. Das abgeranzte Sofa, auf dem der Schimpanse sich flezt und zwei Sessel, alle in scheußlichstem Grün, jederzeit, ob ich gerade wieder in meiner grünen Phase bin oder nicht. Der Teppich, auf dem Generationen von kaputten Typen Brandlöcher hinterlassen haben. Das Bett, unberührt. Das Zimmer ist nicht schmutzig oder so. Nur alt und völlig verwohnt. Das Bad… na ja, wie gesagt, zumindest sauber. Der Couchtisch ist so ein Monster mit Holzrahmen und Steingutfliesen. Braun. Grünbraun, im Moment. Auf den grünbraunen Steingutfliesen sind grünbraune Segelschiffe abgebildet. Und mitten auf dem Tisch liegt der Beutel, voll mit Eukalyptusbonbons, fast ein Kilo. Ich will das alles nicht mehr. Ich will nicht mehr so leben, und ich will den Schimpansen nicht mehr und die Eukalyptusbonbons. Ich mache jetzt die Tür auf, und beantworte den Polizisten ihre Fragen, ich erzähle ihnen alles, was ich weiß, auch wenn sie nicht danach fragen. Eine Beichte befreit.

„Was bist du für ein Feigling“, sagt der Schimpanse und pafft kopfschüttelnd an der Zigarre.

„Herr Bischof!!!“

Gott hasst Feiglinge.

Der Name war früher schon für Witze gut. „Herr Bischof macht PR für den Herrn Bischof, hahaha.“ Dabei war ich in der Öffentlichkeitsarbeit des Bistums nur ein kleines Licht. Zuständig für den Kontakt zu den Gemeinden, auf den unteren Ebenen. So habe ich auch Sabine kennengelernt. Und als dann alles den Bach runterging im Bistum – sie werden davon gehört haben – da mussten eben Köpfe rollen. Und zuerst rollen eben unten die Köpfe. Um mich zu trösten, ist Sabine dann mit mir in dieses Häuschen gefahren, wo das mit den Eukalyptusbonbons passiert ist. Und dann ist alles etwas aus dem Ruder gelaufen, Stephanie hat mich vor die Tür gesetzt…

Ich glaube, ich muss etwas früher anfangen. Bevor ich Stephanie kennenlernte, wollte ich nie nach Hessen. Hessen war für mich Frankfurt und Hessisch und beides fand ich scheußlich. Ich komme aus dem Bergischen Land, aus Langenrath. Werden sie nicht kennen – eine kleine Stadt in der Nähe von Leverkusen. Ich habe in Düsseldorf Germanistik und Kommunikationswissenschaften studiert. Stephanie habe ich auf der Rheinkirmes getroffen, sie hat eine Freundin besucht, die auch in Düsseldorf studierte, Medizin. Und plötzlich fand ich Hessen interessant, Limburg besonders, weil sie daher kam, und Hessisch klang plötzlich viel schöner, weil sie es sprach.

Als ich sie zum ersten Mal in Limburg besuchte, fühlte ich mich zu Hause. Fachwerkhäuser, steile, enge Gassen, Restaurants, Cafés und unzählige „original italienische“ Eisdielen – als hätte jemand alle Vorzüge meiner Bergischen Heimat zusammengefasst und an einem Ort gemeinsam verwirklicht. Und über allem der Dom – nicht einschüchternd und gewaltig, wie der, den ich kannte, sondern bunt, überschaubar, geradezu freundlich verglichen mit Köln. Das Hessische war zu ertragen. Selbst das Klima gefiel mir. Es war ein heißer Sommertag, aber hier in den Gassen wehte permanent ein leichter, erfrischender Wind. Windy City – ich nannte Limburg im Scherz „das Chicago Mittelhessens“. Stephanie verstand den Witz nicht, aber sie lachte trotzdem – so verliebt waren wir damals.

Wir heirateten schon im folgenden Jahr, nach unseren Studienabschlüssen, und Stephanies Vater, ein Anwalt und Limburger Honoratior, drehte noch ein paar Rädchen für uns, bevor er sich mit meiner Schwiegermutter in den üppigen Ruhestand nach Andalusien verabschiedete. Stephanie hatte in Gießen ihren Bachelor in Fremdsprachen/Kultur/Wirtschaft gemacht und kam in einem dieser kleinen, teuren Kunstverlage unter. Die kurze Trauer, dass seine Tochter an keinem der schneidigen Kerle aus seiner alten Verbindung Gefallen gefunden hatte überwand Schwiegerpapa, indem er mich in die Öffentlichkeitsarbeit des Bistums schob – das war doch mal etwas Ansehnliches für so einen Schreiberling. Sie schenkten dem Töchterlein noch das Haus in Staffel, und weg waren sie. Und wir waren in unserer Bahn, kaum, dass wir uns gefunden hatten.

Wir wohnten unmittelbar bei der Staffeler Grundschule, und das war schonmal das erste Problem. Ich wollte auch Kinder, irgendwann, aber Stephanie hatte sich schon seit ihrem siebten Lebensjahr oder so als kommende Mutter einer großen Kinderschar gesehen. Und als sich nach zwei Jahren immer noch keine Sophie und/oder kein Korbinian einstellten (auf die Namen hatte sie sich vor Jahren mit sich selbst geeinigt, Laurits und/oder Nele sollten folgen) wurde sie ungeduldig. Es lag natürlich an mir. Das hatte sie schon beschlossen, lange, bevor der Arzt es bestätigte. Es bestand dennoch eine geringe Chance, was zur Folge hatte, dass wir „Das“, wie sie es nannte, nach Terminplan machten, nach ihrem Terminplan. Dass ihre Schwester einen Familienzuwachs nach dem anderen lieferte machte die Sache nicht besser.

Ich mache Stephanie nicht den geringsten Vorwurf, ehrlich. Ich hätte ja etwas sagen können, etwas tun, etwas ändern. Aber ich war zu feige, zu phlegmatisch, zu betäubt. Limburg machte mich träge, Staffel betäubte mich. Eines Sonntags saß ich in unserem Wohnzimmer und las in einem Buch, so einer Endzeitgeschichte, in der mit einem Mal fast alle Menschen von der Erde verschwunden waren. Und ich stand auf, ging aus dem Haus und vor die Tür, sah mich um, lauschte – und schauderte.

Gott hasst Feiglinge.

Dann ging das mit Sabine los. Sie nahm an einer dieser PR-Schulungen teil, die ich regelmäßig für die Funktionsträger in den Gemeinden gab. Und sie war das genaue Gegenteil von jeder Klischeevorstellung, die Sie vielleicht von einer Gemeindereferentin haben. Wow. Und dass ich ohne sehr viel Glück keine Korbinians oder Sophies in die Welt setzen konnte störte sie nicht im Geringsten, im Gegenteil. Wenn Sie verstehen, was ich meine. Wir waren diskret, trafen uns nur in Montabaur, Weilburg oder auch mal im Wald, um der Limburger 24/7- Beobachtung zu entgehen. Ich glaube, das gelang uns ganz gut. Oder Stephanie interessierte sich einfach nicht so sehr dafür.

Ich weiß nicht, wie es weiter gegangen wäre, wenn diese Sache im Bistum nicht passiert wäre. Vielleicht wäre mir irgendwann doch noch ein Lauritz oder eine Nele entschlüpft, und dann wäre natürlich die Frage gewesen – bei wem? Vielleicht wäre auch einfach gar nichts passiert, und ich wäre nach und nach gesetzt und ruhig oder alt und bitter geworden.

Nach dem Rausschmiss war ich noch betäubter. Stephanie beobachtete mit grimmiger Zufriedenheit, wie das Scharfrichterbeil nach und nach immer höhere Köpfe fand, aber mir war das egal. Ich redete mir ein, dass ich verbrannt war – niemand würde mich einstellen, so lange ich mit dieser Geschichte verbunden war. Das bewahrte mich davor, initiativ werden zu müssen, meine Kontakte abzuklopfen, das Netzwerk auf seine Haltbarkeit zu prüfen. Und wenn alles nicht geholfen hätte, hätte ich ja auch in Andalusien anrufen können. Schon bei dem bloßen Gedanken wurde mir schlecht.

Stephanie schalt mein Phlegma, tat aber sonst nichts weiter, weder um zu motivieren, noch um zu demotivieren. Nur die Korbinianversuche wurden noch seltener. Und mit Sabine hatte ich mich seit Wochen nicht mehr getroffen.

Daher war ich ehrlich erstaunt, als sie eines Donnerstagnachmittags anrief. Ich saß gerade vor dem Computer, war damit beschäftigt, mir Gründe einfallen zu lassen, warum all die vielversprechenden Anzeigen in den Internetportalen nicht zu mir passten und sehr dankbar für die Ablenkung.

„Du musst mal raus“, bestimmte sie. „Ich habe ein Ferienhäuschen gemietet, im Wald. Da verbringen wir morgen und das Wochenende.“

„Was soll ich denn Stephanie sagen?“ wollte ich wissen.

„Pffft“, machte Sabine. „Das Übliche. Ein Angelausflug mit… wie heiße ich?“

„Martin.“

„Okay, mit Martin also. Ich habe eine Überraschung für dich.“

Endlich spürte ich mich wieder. Das war eines von Sabines ganz großen Talenten – sie machte, dass ich mich lebendig fühlte, nicht dumpf, wie eine Figur in einer Geschichte, die ein anderer erzählt. Das Haus war so einsam gelegen, dass wir uns nicht nur drinnen austobten, sondern auch drumherum, im Bach, auf einer Wiese, im Wald. Am Nachmittag rückte sie mit der Überraschung heraus – sie hatte einen Korb voller Pilze. Allerdings waren das keine, die ich kannte, keine Champignons oder Steinpilze oder so.

„Was ist das?“ wollte ich wissen.

Sie lachte. „Zauberpilze.“

„Zauberpilze? Drogen?“

Sie rollte mit den Augen. „Mensch, Sven. Das ist kein Crystal Meth oder sowas. Ich habe sie selbst gesammelt, manche auch gekauft. Verschiedene Sorten. Für uns. Wir… öffnen unsere Wahrnehmung ein wenig. The doors of perception, Du verstehst schon, oder?“

„Klar“, sagte ich und versuchte, überzeugend zu klingen. Meine ganze Drogenerfahrung beschränkte sich auf einen Joint, den ich mal auf einem Unheilig-Konzert abgelehnt hatte. „Und Du kennst Dich damit aus, ja?“

„Sicher“, sagte sie, so selbstverständlich, dass ich ihr sofort glaubte. Darüber lacht der Schimpanse bis heute. Ich finde das weniger lustig.

Sie kochte einen Großteil der Pilze zu einer grünlichbraunen Soße, die wir dann gemeinsam essen wollten. So weit die Theorie. In der Praxis stank das Gebräu so schauderhaft, dass wir den Raum verlassen mussten. Draußen fing Sabine an zu weinen. Ich weiß nicht, ob sie beim Kochen genascht hat oder ob sie wirklich so untröstlich war, weil ihre schöne Überraschung geplatzt war. Aber als ich sie im Arm hielt und tröstete kam mir eine Idee. Der Letzte, den ich erfolgreich getröstet hatte, war einer von Stephanies zahlreichen Neffen gewesen, Maximilian. Und der Trost kam mit diesen Worten: „Ich habe eine Idee. Lass uns Bonbons machen.“

„Was?“ fragte Sabine.

Der Supermarkt in Altenkirchen hatte bis 22 Uhr geöffnet, ich kaufte also Eukalyptusöl und Zucker. Danach lud ich Sabine noch zum Essen ein, bevor wir zu dem Häuschen im Wald zurück fuhren. Sie war wahnsinnig neugierig, aber ich sperrte sie aus der Küche und machte ein großes Geheimnis aus dem, was ich da vorhatte. Genaugenommen hatte ich keine Ahnung, ob es funktioneren würde. Ich wusste nicht, ob sich die widerliche Pilzbrühe mit selbstgemachten Eukalyptusbonbons zu etwas Essbarem kombinieren ließ. Und welche Wirkung das dann haben würde. Aber es war den Versuch wert. Ich schmolz also den Zucker, verrührte ihn eifrig mit Wasser und Eukalyptusöl, verteilte das Ganze auf drei Backblechen und drückte gezielt Soßekleckse in die Masse, während sie erkaltete. Ich war mit dem Eukalyptusöl großzügig gewesen, und so roch die ganze Küche nun danach – von dem Pilzgestank war kaum noch etwas zu merken. So weit so erfolgreich. Während die Masse erstarrte, ließ ich mir im Schlafzimmer von Sabine zeigen, was sie mit mir unter Pilzeinfluss zu tun gedachte. Es war tief in der Nacht, als ich in die Küche zurückkehrte, das Ergebnis meiner Bemühungen in viele kleine Stücke brach, die Stücke in den Klarsichtbeutel packte und zu ihr brachte. Sabine hielt eines der Bonbons ins Licht – es schimmerte Grün und die Pilzflecke darin sahen aus wie wertvolle Einschlüsse in Glas. „Sind die schön“, sagte sie.

Danach verlässt mich meine Erinnerung ein wenig. Ich habe Visionen, in Grün getaucht, und das meiste, was ich da sehe, kann ich kaum glauben. Was ich weiß ist, dass ich am frühen Sonntagabend aus den grünen Träumen erwachte. Ich lag in der Küche unter dem Tisch. Sabine fand ich im Bett. Ich wusste, dass sie das Haus bis Montag gemietet hatte, aber ich musste langsam nach Hause, wenn ich die Geschichte vom Angelausflug nicht zu sehr belasten wollte. Ich gab ihr einen Abschiedskuss, sie antwortete mit einer schwer zu deutenden Mischung aus Murmeln und Wimmern. Ich ging davon aus, dass es freundlich gemeint war und verließ unser Liebesnest. Die Eukalyptusbonbons nahm ich, einer Eingebung folgend, mit.

Die Tasche stand vor der Tür in Staffel – meine große Sporttasche, darin eine wild zusammengewürfelte Mischung meiner Besitztümer. An einem der Griffe klebte ein Zettel: „Ich will Dich nie wiedersehen. Ich bin noch nie so gedemütigt worden.“

Ich versuchte, in das Haus zu kommen, aber der Schlüssel passte nicht. Stimmt, einer dieser Verbindungsbrüder hatte der Alma Mater den Rücken gekehrt und einen Schlosserbetrieb geerbt. Ich klingelte. Nichts. Ich versuchte mich zu erinnern und langsam kamen einige Bilder zurück. Sabine. Ich. Orgiastische Hysterie. Und mein Handy, in das wir abwechselnd und gemeinsam schrien, lachten, brabbelten und stöhnten. Alles in Grün. War das wirklich passiert?

Sie hatte unser gemeinsames Konto gesperrt, was nicht schwer war, schließlich lief es auf ihren Namen. Die Kreditkarten funktionierten noch – bis sie das Konto auflöste. Das war der Punkt, an dem ich von dem noblen Vier-Sterne-Schuppen in der Limburger Altstadt in diese eher preiswerte Alternative jenseits des Bahnhofs wechselte. Ich hatte weder von Stephanie noch von Sabine auch nur ein Wort gehört und konnte immer noch nicht rekonstruieren, was in den zwei Nächten und Tagen im Wald wirklich passiert war. Völlig klar hingegen war, dass mir rapide das Geld ausging. Außerdem hatte ich immer häufiger Flashbacks, in denen die Welt grün wurde und die Zeit verloren ging. Manchmal sprach eine Stimme auf russisch zu mir, was seltsam war, da ich niemals Russisch gelernt hatte. Aber ich wusste, dass es russisch war. Die Flashbacks hielten mich davon ab, zur Arbeitsagentur zu gehen – was, wenn die auch plötzlich grün wurde? Ich hatte nach unserer Orgie im Wald keines der Eukalyptusbonbons mehr angerührt. Aber ich dachte immer öfter über sie nach.

Ich weiß nicht, wieviel Sabine wirklich über Drogen und psychoaktives Zeug wusste. David Rossmann aber wusste eine Menge davon – und ich wusste, dass er es wusste. Er war zwei Jahre zuvor Praktikant in der Pressestelle des Bistums gewesen und ich hatte zufällig ein Telefongespräch mitgehört, als er dachte, er sei alleine im Raum. Da er – woher auch immer – von meiner Affäre mit Sabine wusste, herrschte ein Patt zwischen uns, das wir beide nicht ungemütlich fanden. Wir blieben in Kontakt, er war inzwischen freier Mitarbeiter der Nassauischen Neuen Presse und einer der Kontakte, die auch noch funktionierten, nachdem ich gefeuert worden war. Wir trafen uns auf dem Neumarkt, seine Idee. Die Rheingauer Weintage waren in vollem Schwunge, dennoch schaffte David es irgendwie, dass wir auf unsere Ecke der Bierzeltbank unter uns blieben. Ich schaute mich dennoch immer wieder nach den Touristen und Einheimischen um, die uns umströmten. Wir saßen gegenüber der Kaffeerösterei, deren Schaufenster zusätzlich Neugierige anzog. Ein konspiratives Treffen sah anders aus. Er nippte völlig ungerührt an seinem Riesling und pfiff „Lilli Marleen“.

„Warum bist Du eigentlich so nervös?“ fragte er, als er mit dem Liedchen fertig war.

„Na ja…“ stammelte ich. „Ich dachte, wir treffen uns etwas geheimer.“

Er lächelte halb und meinte dann nur: „Worum geht es denn?“

Ich legte den Beutel mit den völlig unverdächtig wirkenden Eukalyptusbonbons auf den Tisch und erzählte meine Geschichte – zumindest den Teil, den ich für wichtig hielt. Während ich redete wurde die Welt grün, und mit einem Mal sah ich den Schimpansen zwischen den Weintrinkern. Er schlenderte gemächlich auf uns zu und paffte an seiner Zigarre. Der Leninorden auf seiner Brust wies in als Helden der Sowjetunion aus.

David nahm ein Bonbon aus dem Beutel und lutschte probehalber daran.

„Klingt interessant“, sagte er. „Kannst Du…“

„Ist hier irgendwo ein Zirkus?“ unterbrach ich ihn. „Da ist ein Affe ausgebrochen.“

Ich wachte auf dem Sofa in meinem Hotelzimmer auf. Die Welt hatte immer noch einen leichten Grünschimmer und der Schimpanse saß auf dem Sessel und paffte.

„Wo bin ich?“ fragte ich, obwohl dass das einzige war, worauf ich mir die Antwort selbst zusammenreimen konnte. „Wie bin ich hierher gekommen?“ oder „Wer bist Du?“ wären sinnvollere Fragen gewesen. Der Affe schien es zu ahnen.

„Du bist ein wenig unpässlich geworden, Towarisch“, sagte er mit dem schweren Akzent, der mir so vertraut werden sollte. „Ich habe das Gespräch mit deinem Freund abgeschlossen und dich nach Hause gebracht. Er wird gleich anrufen. Du solltest die Finger von den Drogen lassen, weißt du? Da liegt kein Segen drauf.“

„Was du nicht sagst“, murmelte ich. Im nächsten Moment quäkte mein Handy. Es war David.

„Starkes Zeug“, sagte er. „Wirklich selbstgemacht?“

„Ja.“ Ich überlegte. Hatte ich ihm das nicht verschweigen wollen? „Hat der Affe dir das gesagt?“

„Was? Welcher Affe?“

„Na, der Schimpanse. Der mich nach Hause gebracht hat.“

Eine lange Pause. Dann: „Sven, ich habe keine Ahnung, was Du da faselst. Aber wenn ich Dir einen Tipp geben darf – lass die Finger von dem Zeug. Werde nicht Dein eigener Kunde.“

„Okay.“

„Gut. Also – am Sonntag möchte sich ein Mann mit dir treffen. Er heißt Georg Frings. Er trifft Dich im Parkhaus am Bahnhof. Zeit sage ich Dir noch. Erster Stock.“

„Im Parkhaus? Warum?“

„Weil da Sonntags nichts los ist.“ Er schwieg wieder eine Weile. Dann sagte er: „Sei vorsichtig. Frings ist normalerweise vertrauenswürdig, aber du bist dermaßen ahnungslos…“

„Kommst Du denn nicht?“

„Nein, ich bin nur der Vermittler. Und Sven – noch was. Vielleicht solltest du dich mal bei Sabine melden. Die ist immer noch nicht wieder ganz auf dem Damm. Vielleicht bekommst du es mit einer Entschuldigung wieder hin. Und bring Blumen. Viele Blumen.“

„Wieso Entschuldigung? Und woher kennst du Sabine?“

„Ach Sven…“ er seufzte tief. „Ich melde mich wieder.“

Georg Frings wartete tatsächlich im Parkhaus auf mich. Er und noch zwei Typen, die er Thorsten und Murat nannte. Frings war ein großer, braungebrannter Typ in den Vierzigern. Er trug Jeans und ein Polohemd und sah überhaupt nicht so aus, wie ich mir einen Drogendealer vorstellte. Thorsten und Murat sahen auch nicht so aus, wie ich mir Schläger vorstellte. Viel zu jung, viel zu schmal, viel zu sehnig. Die Augen allerdings…

„Du bist… Bohr?“ fragte er. Seine beiden Begleiter grinsten. Den Namen hatte ich mir gegeben… na ja, sie wissen schon. Wegen dieser Fernsehserie. Und Heisenberg. Er kannte sie offenbar auch und ich kam mir unendlich blöd und ahnungslos vor. Wohl nicht zu Unrecht.

„Ja,“ sagte ich.

„Dann zeig doch mal her,“ sagte Frings.

Ich zog den Beutel aus der Tasche und Thorsten hatte ihn mir aus der Hand gerissen, bevor ich überhaupt merkte, dass er sich bewegte.

„Gibt es Probleme?“ hörte ich den bekannten Akzent vom Treppenhaus her. Die Welt bekam ihren Grünschleier.

„Ist das Zeug wirklich so gut, wie David sagt?“ fragte Frings.

„Ja“, sagte ich.

„Ich glaube, ich komme mal hoch, Towarisch.“

„Na dann“, sagte Frings grinsend und wandte sich zum Gehen, den Beutel in der Hand schwenkend. „Don’t call us, we call you.“

„Aber…“

Thorsten und Murat wirbelten herum und sahen mich an, eine Einladung, auch nur einen Schritt zu wagen. „Kein aber“, sagte Frings fröhlich und drückte auf einen Autoschlüssel. „Beep beep“ machte ein weißer Mercedes. Ein haariger Arm schob mich sanft zur Seite.

„Ich übernehme ab hier“, sagte der Held der Sowjetunion.

Und dann bin ich hier aufgewacht, auf dem Teppich in meinem grünen Hotelzimmer.

„Herr Bischof, machen sie es uns doch nicht so schwer“, ruft die Polizei. Gleich werden sie irgendjemand die grüne Tür aufschließen lassen. Ein Ende mit Schrecken, immerhin.

Andererseits…

„Du könntest Durch das Klofenster raus“, sagt der Schimpanse. „Gar kein Problem. Wir sind im ersten Stock, den Sprung schaffen wir locker.“

Was, wenn ich aus dem Fenster springe? Ich habe den Beutel mit den Eukalyptusbonbons noch. Wieder. Wie auch immer. Was, wenn ich Sabine um Entschuldigung bitte, und sie freundlich dazu bringe mir zu sagen, welche Pilze das genau waren? Und in welchem Verhältnis. Was, wenn ich mich mal mit David darüber unterhalte, ob er wirklich nur Vermittler sein will? Was dann?

Ich greife nach dem Beutel.

Gott hasst Feiglinge.

ENDE











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schreckenberglebt: Ignoranz auf der Mitte der Brücke

Im Moment veröffentliche ich hier ja vor allem Geschichten, und zur Coronakriese habe ich mich noch gar nicht geäußert, einfach, weil ich mich nicht kompetent fühle. Aber nach dem heutigen Gang zum Einkauf muss ich mal einen Aufruf an einen Teil der älteren Generation, oder anders: der Risikogruppe der Über-65-Jährigen loswerden.

SAGT MAL, GEHT’S NOCH?!

In Leverkusen, wo ich wohne, sind die Ausgangsbeschränkungen jetzt eine Woche alt (wir haben etwas früher angefangen, als der Rest der Republik). Ich habe mich darauf eingestellt, dass dieser harte Zustand eine Weile dauert, mehrere Wochen auf jeden Fall. Und ich bin in einer sehr privilegierten Situation: Wir haben, auch als fünfköpfige Familie, genug Platz im Haus. Wir haben einen Garten. Wir können Geschäfte ebenso problemlos erreichen wie den Wald, wo man gut und mit genug Sicherheitsabstand Sonne und frische Luft tanken kann. Claudia und ich können beide vom Homeoffice arbeiten. Mich erreichen die Ausläufer der Krise langsam (Produktionsfirmen können nicht mehr ins Risiko gehen) aber im Vergleich mit anderen freischaffenden Künstlerinnen und Künstlern geht es noch. Claudias Business is ‚a‘ boomin‘. Uns geht es also vergleichsweise gut. Aber wir haben auch:

Arbeit (Recherchen zum Beispiel), die ich nicht erledigen kann. Liebe Menschen, die wir nicht mehr persönlich treffen können. Freunde und Freundinnen, die bereits jetzt in existenzieller Not sind, oder die ihre Reserven schmelzen sehen. Menschen, die uns teuer sind und die zu Risikogruppen gehören, weil sie entweder schwer oder chronisch krank sind, oder weil sie eben weit über 65 Jahre alt sind.

Ich weiß also, dass die derzeitigen Zwangsmaßnahmen notwendig sind, ich weiß aber auch, dass sie ein Opfer bedeuten. Für uns (noch) nicht so, für andere aber bereits jetzt schon sehr.

Und was sehe ich, bei meinem Weg zum Einkauf, den ich alleine mit dem großen Kind mache, inklusive ausgiebige Hygienemaßnahmen vorher und nachher?

Neben sehr vielen vernünftigen Menschen aller Generationen, die einkaufen, Sport treiben, spazieren gehen und dabei sowohl auf Vereinzelung als auch auf Mindestabstand achten, sehe ich:

Alte Damen, die auf Bänken in der MITTE einer Fußgängerbrücke sitzen, so dass es völlig unmöglich ist, die Brücke mit dem nötigen Mindestabstand zu benutzen. Wenn man also nicht durch die Wupper schwimmen oder einen Kilometer Umweg gehen will, muss man sich wohl oder übel an ihnen vorbei quetschen.

Menschen die eindeutig über 65 sind und auf Bänken sitzend die Sonne genießen. Ja, ich weiß, der gewohnte Spaziergang ist irgendwann ohne Rast zwischendurch nicht möglich. Aber anstelle eines langen lassen sich auch drei kurze Spaziergänge machen. Wisst Ihr, wer vor Euch auf der Bank gesessen hat?

Menschen, denen die Sache mit dem Mindestabstand SCHEISSEGAL ist, sowohl draußen, als auch, besonders pikant, in geschlossenen Räumen, etwa Supermärkten.

Und ALLE – ausnahmslos ALLE dieser Menschen sind Seniorinnen und Senioren.

Ich weiß, das ist nur ein Ausschnitt. Viele vernünftige Menschen, die sich verhalten wie ich weiter oben geschrieben habe, sind auch ältere Menschen. Und die, die sich selbst in Quarantäne nehmen, nur auf ihren Balkon gehen, so sie einen haben, und die Nachbarn oder andere hilfsbereite Menschen Besorgungen erledigen lassen, die sehe ich natürlich nicht. Weil sie eben verantwortungsbewusst handeln und zu Hause bleiben. Und ich vermute: Auch in dieser Generation sind die Vernünftigen in der Mehrheit.

Aber es ist schon auffällig, dass gerade die Generation, die jungen Menschen oft Kurzsichtigkeit und Verantwortungslosigkeit vorwirft, sich gerade massenhaft unvernünftig verhält. Und dadurch meinen Kindern, deren Abitur verschoben ist, meinen Freundinnen und Freunden, denen das Einkommen wegbricht, mir selbst, der ich in eine ungewisse zweite Jahreshälfte schaue und allen anderen, die gerade FÜR SIE eine Menge Gefahren, Unsicherheiten und Unbequemlichkeiten auf sich nehmen, kollektiv den Finger zeigt.

Was wollt Ihr, mit Eurer Ignoranz? Dass die Stimmung kippt? Dass mehr und mehr Menschen sich fragen, warum sie sich einschränken, während die, für die sie sich einschränken, offenbar so weiter leben wollen wie bisher? Wollt Ihr wirklich, dass sich eine Mehrheit bildet, die fordert, dass wir EUCH in strenge Quarantäne nehmen und für alle anderen die Maßnahmen lockern? Damit trefft Ihr übrigens nicht nur Euch, sondern auch die (angenommene) Mehrheit Eurer Generation, die sich vernünftig verhält. Und falls Euch das nicht reicht – wenn Ihr Euch durch Euer verantwortungsloses Verhalten infizieren solltet (was ich wirklich niemandem wünsche): Wollt Ihr auf die Intensivstation? Wollte Ihr beatmet werden? Und wollt Ihr wirklich in dem Intensivbett liegen, dass dann eine Krebspatientin oder ein Unfallopfer nicht bekommt, weil Ihr unbedingt in der verdammten Mitte der fucking Brücke sitzen musstet?

Seht ein, dass Ihr alt seid. Ich werde bald 50, ich weiß, alt werden ist nicht schön und jeder wäre lieber jung. Aber Ihr seid alt. Ihr gehört zur Risikogruppe. Zeigt, verdammt nochmal, ein wenig Altersweisheit und reißt Euch zusammen.

Die heutige Quarantänegeschichte folgt dann geich.

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schreckenbergschreibt: Quarantänegeschichte Nr. 13 – Saison ist doch immer

Sooo, jetzt habe auch ich mein Feuer angezündet. Sarah erzählt an ihrem ab heute eine neue Geschichte für Kinder – ich habe wieder etwas für die Großen. Kommt also her, Freundinnen und Freunde, setzt Euch, wärmt Euch, ich erzähle Euch eine Geschichte. Draußen ist es kalt und klar, aber wir dürfen nicht raus, denn die Seuche geht um. Aber sie wird vorbei gehen, dann sind wir wieder frei, und dann kommt auch irgendwann der Sommer, den viele von Euch so lieben. Ich bin eher ein Herbstmensch, aber heute habe ich auch Pläne für den Sommer gemacht, denn Optimismus und Hoffnung sind stärker als Schwarzseherei. Also… in Wirklichkeit.

Für die Figuren in der Sommergeschichte, die ich Euch erzählen will ist die Hoffnung kurz und Optimismus nicht unbedingt angebracht. Aber hört selbst…

Erstmals erschienen ist meine Sommergeschichte in dieser Anthologie von 2013 im Viaterra-Verlag. Ich stelle sie wieder unter folgender Lizenz ein:

Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International (CC BY-NC-ND 4.0)* Bitte beachtet dabei, dass JEDE Verwendung den Hinweis auf die Erstveröffentlichung enthalten muss!







SAISON IST DOCH IMMER

von Michael Schreckenberg


Erstveröffentlichung in „Sonne Mord und Ferne“, von Mechthild Zimmermann und Regina Schleheck (Hrsg.), Viaterra-Verlag 2013.

Ich hatte gedacht, die wären ausgestorben.

Aber da stand eine, an der Ausfahrt der Autobahnraststätten, ganz wie es Tradition war. Hot-Pants und Chucks, khakifarbenes Tank-Top, eine Jeansjacke um die Hüfte geschlungen, stützte sie sich mit der Linken auf einen Rucksack, an dem außen ein Schlafsack befestigt war. In der rechten Hand hielt sie ein großes Stück Karton, auf dem stand: „Süden“. Den Daumen hielt sie aber nicht hoch. Doch zwischen dem Ende der Hot Pants und dem Beginn der Chucks befanden sich Beine, und oben jenseits des Tops, ein Wust blonder Locken und Augen und Sommersprossen, und ich war ein Mann.

„Wohin?“

Sie lachte und wackelte mit dem Schild. „Erstmal einfach nach Süden.“

Jetzt, da sie sich in den Wagen beugte, sah ich, dass sie älter war, als ich geschätzt hatte – eher Mitte 30 als Anfang 20. Ich lächelte zurück.

„Ich fahre nach Süden.“

„Und, nimmst du mich mit?“

30 Kilometer weiter wusste ich, dass sie Anja hieß. Ich wusste, dass Anja Grundschullehrerin war und zwei Kinder hatte. Ich wusste, dass Anja die letzten drei Wochen der Sommerferien nutzen wollte, um – wie sie es formulierte – „einfach mal rauszukommen, spontan, ohne Ziel.“ Und ich wusste, dass Anja nach Sommer duftete, dass sie einen Humor hatte, der mir gefiel. Und obwohl ich ganz bereit war, mich nur dem Genuss ihres Duftes, ihres Anblicks und ihrer Stimme hinzugeben, war da ein Widerspruch in den 30 Kilometern Information. Der Kilometer über „rauskommen und treiben lassen“ passte nicht zu den 20 Kilometern über ihre tollen Kinder.

„Und deine Kinder?“, wollte ich also wissen. „Was machen die, während du dich nach Süden treiben lässt?“

„Sind bei ihrem Vater.“ In dem Halbsatz war eine Endgültigkeit, die klar machte, dass dies alles war, was ich zu diesem Thema hören würde. Mich störte das nicht – „ihrem Vater“ hatte einen weit besseren Klang als „meinem Mann.“

„Und wohin willst du?“, fragte sie, während auf der Sommer-CD Don Henley bereits den Abgesang auf die „Boys of Summer“ anstimmte. „I can see you. your brown skin shining in the sun…“ – auch Anjas Haut war von einem leichten natürlich Goldton, der – Moment. Wie war die Frage? Ach ja.

„Oh, mir geht’s wie dir“, sagte ich leichthin. „Ich lasse mich treiben. Für heute habe ich mir einen Campingplatz in Bayern ausgeguckt, in der Nähe von Donauwörth. Hübsch abgelegen an einem See. Vielleicht fahre ich morgen weiter, vielleicht bleibe ich ein paar Tage da. Mal sehen.“

„Campingplatz am See“, sinnierte sie. „Klingt nicht schlecht.“

Ich hatte an ihrem Rucksack kein Zelt gesehen. Ich fragte nicht danach. Im Gegenteil:

„Da findest du bestimmt einen neuen Lift. Oder –“

„– oder wir fahren einfach zusammen weiter“, beendete sie den Satz strahlend. „Willst du vielleicht nach Italien? Ich war noch nie in Rom.“

„Rom ist gut“, sagte ich so geschäftsmäßig, wie es mir möglich war.

„Das Gute an dem Job als Lehrerin ist“, sagte sie und zwinkerte mir zu, „wenn du es willst, dann hast du wirklich viel Ferien. Ich kann ,die ganzen restlichen Sommerferien freimachen. Und was machst du so?“

„Freiberufler“, sagte ich knapp. „Berufsmusiker.“ Das war meine Standardantwort, und sie bewegte sich auf einer mittigen Linie zwischen der etwas peinlichen Wahrheit und ebenso wahrer Aufschneiderei. Die etwas peinliche Wahrheit war, dass ich ein echtes Glückskind war. Ich war so reich, dass ich mich Berufsmusiker nennen konnte, obwohl ich von den spärlichen Einnahmen meiner Kunst kaum hätte leben können. Dieser Reichtum war nicht mein Verdienst – ich hatte geerbt. Meine Eltern waren schon lange tot, kurz vor meinem 18. Geburtstag bei einem seltsam bizarren Badeunfall gestorben. Es waren auch eigentlich gar nicht meine Eltern gewesen – sie hatten mich im Säuglingsalter adoptiert. Ich hatte eine rundum sorgenfreie Kindheit und Jugend, an die sich, dank des riesigen Erbes, eine ebenso sorgenfreie Zeit als Erwachsener anschloss. Ich bohemte seit nunmehr 24 Jahren vor mich hin, ohne je durch die harte Schule existenzieller Not gegangen zu sein, die so viele meiner Musikerkollegen kannten. Dafür schämte ich mich. Manchmal. Ein wenig.

Aufschneiderei hingegen wäre gewesen, wenn ich mich sofort als Mitglied von „King’s Child“ geoutet hätte. Die Band begann gerade, sich eine große Fanbase jenseits von Szeneghetto und Mainstream aufzubauen. Aber ich war der Drummer, und niemand kennt den Drummer. In den Medien war ich normalerweise nur ein Name, der nebenbei erwähnt wurde, und ganz glücklich damit. Mir lag nichts an Ruhm.

„Echt, Musiker?“, wollte sie wissen. „Und davon kann man wirklich leben?“

„Ja, ganz gut“, behauptete ich. „Und im Moment haben wir eben keine Auftritte und keine Aufnahmen. Ich kann eigentlich machen, was ich will und so lange ich will, wenn ich nur im September wieder zurück bin.“

Ich registrierte zufrieden, dass dies ein leichtes Lächeln in ihr Gesicht zauberte. Das konnte der Beginn eines sehr viel besseren Urlaubes sein, als ich mir erträumt hatte.

Florian und Uwe trafen wir kurz hinter Würzburg. Sie hätten dem Augenschein nach Vater und Sohn sein können, waren es aber nicht. An Florians Golf war der Reifen geplatzt, er hatte es gerade noch auf den Standstreifen geschafft, und Uwe, der zufällig hinter ihm gefahren war, hatte ebenfalls angehalten, um ihm zu helfen. Zu viert hatten wir den Reifen schnell gewechselt. Nach getaner Arbeit tauschten wir unsere Pläne für die weitere Reise aus. Es stellte sich heraus, dass Florian – Flo, wie wir ihn bald nennen durften – auf dem Weg zu seiner Freundin in Österreich war, mit der er zum Ballaton weiter reisen wollte. Uwe war ein passionierter Camper, der denselben Campingplatz ansteuerte wie ich, um ihn zu testen. Wir lachten über den Zufall, und da Flo ebenfalls mit einem Zelt ausgerüstet war und der Platz auch auf seinem Weg lag, beschlossen wir, als Konvoi weiter zu reisen.

„Komische Sache“, meinte Anja, als wir wieder auf der Piste waren.

„Was?“

„Na ja, dass wir alle dasselbe Ziel haben.“

Aber unsere kleine Reisegruppe aus seltsamen Zufallsbekanntschaften war noch nicht komplett. Bei Feuchtwangen verließen wir die Autobahn und fuhren über Land weiter. Ich hatte alle Fenster geöffnet, der Fahrtwind spielte mit Anjas Locken, ich versuchte, mich auf die Landstraße zu konzentrieren. Plötzlich richtete sie sich auf.

„Was ist das denn?“

Es war ein Van mit holländischem Kennzeichen, daneben sechs wild winkende Menschen, vier Männer und zwei Frauen. Wie sich herausstellte, handelte es sich um eine Gruppe niederländischer Investmentbanker. Sie waren auf dem Weg zu einem Teambuilding-Wochenende im bayrischen Wald: Zelten, Geländespiele, Gruppendynamik. Ihr Navi hatte schon vor Stunden den Geist aufgegeben, und sie hatten sich heillos verfahren. Wir schlugen ihnen vor, uns zu begleiten. So erreichten wir gut eine Stunde später mit vier Fahrzeugen den „Campingplatz am Pfortensee“.

Ich ging in das kleine Verwaltungsgebäude, während die anderen auf dem Parkplatz warteten und die Blicke über das Gelände schweifen ließen, über den See, der dem Ort seinen Namen gab, und die bewaldeten Hügel dahinter. Ich hörte anerkennendes Gemurmel und Gelächter, während ich das flache Gebäude betrat. Drinnen führte ein kurzer Flur in ein Büro, das ein großer Tresen beherrschte. Der Raum war erstaunlich hell, durch drei große Fenster fiel das Licht des Sommernachmittags herein. An der Tür hing eine Karte der Umgebung, die ich für mindesten 20 Jahre alt hielt. Auf dem Tresen lagen Flyer örtlicher Sehenswürdigkeiten. Kein Mensch war zu sehen. Ich wartete einen Moment, dann schlug ich probehalber ein paarmal mit der flachen Hand auf den Tresen. Zu meiner Verwunderung hatte ich Erfolg – durch dieselbe Tür, durch die ich den Raum betreten hatte, wuselte ein dicker Mann herein, klein, mit schütterem Haar, in ein kariertes Hemd und Bermudashorts gekleidet. Ein Bild neben dem Begriff „Campingwart“ im Lexikon hätte nicht passender sein können. Ein rotes, verschwitztes Gesicht grinste mich an.

„Ah, sind Sie schon da?“, sagte er mit deutlichem bayrischen Zungenschlag.

„Ich … ähm … ich hatte gar nicht reserviert“, erwiderte ich. „Muss man das? Ich dachte …“

„Nein, nein.“ Er holte eine ledergebundene Kladde unter dem Tresen hervor und blickte wieder auf. „Das passt schon. Wir sind nicht besonders voll im Moment.“ Sein enervierend fröhliches Grinsen machte klar, dass ihm dieser Umstand keinerlei Sorgen bereitete. Auch mir war der leere Parkplatz aufgefallen.

„Ist das immer so? Es ist doch gerade Hauptsaison.“

„Ach was“, er lachte scheppernd und zwinkerte mir zu. „Saison ist doch immer, oder?“

„Wenn Sie meinen.“

„Ja, ja … so … wie viele Plätze sind’s denn?“ Er zückte einen rot-golden schimmernden Federhalter, der unpassend edel aussah, und ließ ihn über der Kladde kreisen.

„Oh … das weiß ich gar nicht genau. Also, ich weiß nicht, wie viele Zelte. Wir sind zehn Personen.“

Er nickte. „Köpfe geht auch. Also… neun und Sie?“

„Ja.“

„Sechseurofünfzigpropersonundtag, viereuroprozelt, besuchermüssenextrazahlen, münzenfürdenduschautomatengibtsbeimir“, leierte er herunter. „Und wie lange bleiben Sie?“

„Keine Ahnung. Erst mal eine Nacht, dann wollte ich weiter sehen.“

„Gut.“ Er trug es ein. „Unterschreiben Sie hier, dann …“

„Ich glaube, Sie haben das falsch verstanden“, unterbrach ich ihn. „Wir sind keine richtige Gruppe. Wir haben uns nur zufällig unterwegs getroffen. Ich kenne die anderen kaum.“

„Nicht schlimm. Sie sind zu nichts verpflichtet, wir rechnen mit jedem einzeln ab, nicht wahr? Zahlung bei Abfahrt. Sie bestätigen nur die … die Ankunft.“

„Okay.“ Ich ließ mir den Stift geben und unterschrieb. Er nickte zufrieden, nahm den Federhalter wieder an sich und setzte seinen Namen ebenfalls in das Buch, direkt unter meinen.

Er schloss die Kladde mit einen Knall, der verstörend dumpf in dem kleinen Raum widerhallte. Dann nickte er mir zu – ich war entlassen. Ich ging hinaus, um den anderen die Preise und Bedingungen zu verkünden.Der König des Campingplatzes kam aus seinem Häuschen, öffnete ein Schloss an dem Schlagbaum, der Parkplatz und Einfahrt trennte, und winkte uns hinein. „Gleich hier links um das Gebäude auf die große Wiese, wenn sie wollen“, sagte er. „Ist ja alles frei. Sie können auch den Grillplatz nutzen. Kohlen gibt’s bei mir.“

Die Wiese war tatsächlich ideal – Platz genug für alle, auf drei Seiten begrenzt von Duschgebäude, Außenhecke und dem Grillplatz mit fest installiertem Schwenkgrill, auf der vierten von einem schmalen Pfad, hinter dem sich der See anschloss, den man bis hierher freundlich glucksen hörte. Während die anderen geschäftig begannen, ihre Zelte auszupacken, nahm Anja ihren Rucksack aus meinem Kofferraum und schaute etwas unschlüssig.

„Sollen wir unsere Zelte nebeneinander aufschlagen?“, schlug ich vor. „Vielleicht da, im Schatten der Hecke.“

„Ja …“, sie druckste ein wenig herum. „Das habe ich dir gar nicht gesagt. Ich habe nämlich gar kein Zelt.“

„Ach“, war alles, was mir einfiel, während sich hinter meiner Stirn mehr oder minder clevere Antworten jagten wie Wolkenfetzen. „Also … ähm …“, stammelte ich schließlich, „ich habe so ein Drei-Mann-Igluzelt. Tolles Teil, wasserdicht, und auch bei Windstärken bis … ähm … also, ich meine, was ich sagen wollte, es ist groß genug, falls du …“

Ohne dass wir darüber gesprochen hätten, errichteten wir unsere Zelte in einem Kreis – links von mir schlossen sich die vier männlichen Investmentbanker mit einem großen Kuppelzelt an, daneben ihre Kolleginnen, es folgte Flo mit einem flachen, winzigen Teil, kaum größer als ein Doppelschlafsack. Uwe schloss den Kreis rechts von mir mit einem Gebilde, das eher einem Gartenhäuschen glich als einem Zelt für eine Person. Anja und ich breiteten gerade die Schlafsäcke in meinem Iglu aus, als einer der Holländer, Roy, hörbar an der Zeltwand zupfte.

„Sorry“, sagte er, „störe ich? Ich hab nur eine Frage.“

Ich krabbelte aus dem Zelt, sie hinterher. Roy hielt mir sein Smartphone hin. „Schau. Es klappt nicht. Kein Empfang. Die anderen haben auch keinen.“

Ich zückte mein eigenes Handy und schaute darauf.

„Auch nichts.“ Ich wandte mich zu Anja. „Hast du Netz?“

Sie grinste. „Ich habe nicht mal ein Handy.“

Es stellte sich heraus, dass niemand Empfang hatte. Roy und ich gingen zurück zum Verwaltungsgebäude, wo der Büttel uns fröhlich bestätigte, was wir gerade festgestellt hatten: Das Mobilnetz hier sei sehr schlecht. Aber schließlich wären wir ja im Urlaub. Wir könnten natürlich sein Münztelefon benutzen. Leider seien die kleineren Schächte kaputt, es nehme nur Ein- und Zweieuromünzen. Roy verzog sich knurrend. In seinem Gemurmel erkannte ich das Wort „Duitsers“, und es klang nicht nach einem Kompliment. Ich blieb zurück und schaute den Herrn des Campingplatzes strafend an.

„Sie verarschen uns doch.“

„Nein, ehrlich.“ Er wirkte tatsächlich zerknirscht. „Natürlich sind die Schächte nicht kaputt, aber der Besitzer hat sie zugelötet. Davon habe ich auch nichts, ich darf nur die schlechte Nachricht verkünden.“

„Sie sind gar nicht der Besitzer?“

„Ach was, ich bin nur der Verwalter hier.“ Er überlegte. „Wissen Sie was, ich schenke Ihnen einen Sack Kohlen. Davon haben wir so viel – genug für die Ewigkeit. Das merkt keiner. Dann können Sie grillen. Fleisch und Zeug bekommen Sie oben im Ort.“

Ich betrachtete ihn genauer. Ich hatte das Gefühl, ihn schon einmal gesehen zu haben – ein sehr bestimmtes Gefühl, das nichts damit zu tun hatte, dass er wie die männliche Standardbesatzung jedes Campingplatzes oder Schrebergartenvereins aussah.

„Kennen wir uns?“, fragte ich also.

Er schaute interessiert zurück. Interessiert und ein wenig belustigt, wie mir schien. „Ich weiß es nicht. Wo kommen Sie denn her?“

„Langenrath. Das ist in der Nähe von Köln.“

„Köln? Wo der Dom ist?“

„Genau. Dieses Köln.“

„Nein,“ sagte er, „da war ich noch nie. Vielleicht waren Sie schon einmal hier bei uns?“

„Nein,“ sagte ich nachdenklich. „Ich war noch nie in Bayern.“ Dennoch ließ mich das Gefühl nicht los. Er zuckte mit den Schultern.

„Dann ist es wohl eine Verwechslung.“

„Ja“, bestätigte ich, wider meine Ahnung. „Muss wohl.“

Der Rest des Nachmittags und des Abends verlief wie im Bilderbuch, fast schon zu gut um, wahr zu sein. Und letztlich war es natürlich auch so – aber was hätte mich misstrauisch machen sollen? Die Tatsache, dass ich mich mit Uwe nicht nur blendend verstand, während wir zum Nachbarort fuhren, sondern dass er sich auch als DER Uwe herausstellte, der berühmte Schriftsteller? Er schrieb unter Pseudonym, aber wenn man es wusste – es war ein einfaches Anagramm seines Nachnamens. Der Umstand, dass wir in dem winzigen Supermarkt alles, aber auch wirklich alles was wir brauchten, im Sonderangebot fanden? Die Tatsache, dass niemand außer Anja und mir Lust hatte, im See schwimmen zu gehen, und dass sie am anderen Ufer eine sehr geschützte Bucht fand? Als wir zurück kamen, hatten Roy und Uwe den Schwenkgrill schon angeworfen, und selbstverständlich erwiesen sie sich als perfektes niederländisch-deutsches Grillteam. Der Verwalter spendierte einen Kasten des örtlichen Starkbiers, scheinbar immer noch von schlechtem Gewissen gebeutelt. Der Abend war angenehm warm, ein leichter Wind erfrischte uns, der See gluckste träge.

Das Bier tat seine Wirkung, langsam aber beharrlich, die Holländer verabschiedeten sich nach und nach in Richtung Zelte, ebenso Anja. Eigentlich wollte ich ihr direkt folgen, aber dann verwickelte Flo Uwe und mich in ein Gespräch, wir kamen über Uwes Bücher und meine Musik auf Flos Schwester, die Malerin war und fast an Krebs gestorben wäre, bis der sich dann im letzten Moment wie durch ein Wunder wieder zurückgebildet hatte. Als ich endlich ins Zelt kroch, lag Anja schnarchend auf ihrem Schlafsack. Der Anblick war entzückend, und ich haderte nicht mit meiner Verspätung. Wir hatten die Bucht gehabt, wir würden Rom haben und alles dazwischen und vielleicht noch mehr. Alles war gut.

Als ich am nächsten Morgen erwachte, war Anja verschwunden. Der Schlafsack war noch da, ihre Kleidung und ihr Gepäck, sie aber fehlte. Zunächst machte ich mir gar keine Gedanken. Sie hatte gestern schon angekündigt, dass sie vor dem Frühstück gerne schwimmen würde. Ich verließ das Zelt, und richtig: Der Badeanzug, den sie gestern zum Trocknen über eine der Spannschnüre von Uwes Palast gehängt hatte, war auch verschwunden. Auf dem Weg zum See kam Uwe mir entgegen, er drückte sich Wasser aus dem Haar.

„Ist Anja noch im Wasser?“

Er schaute erstaunt. „Die habe ich heute noch gar nicht gesehen. Ich dachte, sie wäre bei dir.“

„War sie auch. Nur …“ ich schaute mich etwas ratlos um. Unser kleines Lager war leicht zu überblicken. Die Holländer und die Banker wuselten zwischen Duschgebäude und Zelten hin und her, Flos Zelt war noch geschlossen, aber darin war träge Bewegung. Keine Spur von Anja. Eine kurze Umfrage ergab, dass sie auch nicht bei den Duschen war. Niemanden schien ihr Verschwinden sonderlich zu beunruhigen. Ich beschloss, sie auf dem restlichen Campingplatz zu suchen, allzu weit konnte sie ja nicht sein – so ganz ohne ihr Gepäck.

Die Leere war erstickend. Kaum hatte ich mich ein wenig von unserem Camp entfernt, begann ich zu begreifen, wie leer dieser Campingplatz wirklich war. Und wie still. Es war ein Postkartenvormittag in einem Postkartensommer, der Himmel postkartenblau mit postkartenweißen Postkartenwölkchen. Die Luft versprach schon die Hitze des Mittags, aber in dem Versprechen lag keine Drohung, dafür sorgte der leichte Wind, gerade erfrischend genug, gerade nicht zu zugig. Doch kein Vogel zwitscherte, kein Tierchen raschelte im Gras, die Bäume rauschten nicht. Das allgegenwärtige Glucksen des Sees schien das einzige Geräusch zu sein. Und wo waren all die Menschen? Der Platz war spärlich besetzt, was seltsam genug schien, doch gut – er lag etwas abseits der großen Reiserouten, ein Geheimtipp vielleicht. Aber ein paar Wohnwagen waren doch hier, einige Zelte und sogar das eine oder andere Mobile-Home eines Dauercampers, mit Vorzelt, Lichterkette und Zaun. Aber kein Mensch, nirgends. Kein Kinderlachen, kein Gerede, keine Vormittagsgeräusche. Nichts. Und keine Anja.

Ich rief nach ihr, zuerst zaghaft, dann immer lauter. Erfolglos. Schließlich kehrte ich zu meiner Gruppe zurück, glücklich, endlich wieder Lebenszeichen, Stimmen zu hören. Ich war jenseits von Sorge und Irritation, der leere, stille Platz hatte mich vollständig entnervt. Ich hatte Angst. Uwe sah es und kam mir besorgt entgegen.

„Nichts?“

„Nein.“ Ich ließ mich ratlos auf eine der Bänke am Grillplatz fallen. „Und der ganze Platz ist … leer. Hier ist niemand außer uns.“

„Vielleicht noch was früh“, meinte er unsicher.

„Es ist Hochsommer, Uwe.“

„Ja …“

Flo kam hinzu und hatte auch keine Erklärung. Eine neuerliche Befragung der Holländer ergab nichts – sie hatten Anja nicht gesehen, und Roy vermutete zwinkernd, dass sie mich wohl sitzengelassen hätte. Flo hatte eine Idee:

„Vielleicht ist sie in den Ort gegangen, zum Shop oder so. Wie wäre es“, er wandte sich an mich, „wir gehen sie suchen. Ist doch nicht so weit, hast du gesagt.“

Wir verzichteten auf unsere Autos, um nicht aus Versehen an Anja vorbeizufahren. Die Landstraße kam mir schon nach kurzer Zeit viel länger vor als gestern, als ich auf dem Weg zum Supermarkt hier vorbei gefahren war. Hätten wir nicht schon lange die Bushaltestelle sehen müssen? Und was war mit dem Bauernhof mit den auffälligen Solarkollektoren auf dem Dach? Hier war nichts, nur die immer gleichen Platanen und monoton sonnengeflutete Felder, endlos, wie es schien. Andererseits – gestern hatte ich mich mit Uwe unterhalten. Zeit verfliegt schneller, wenn man sich gut unterhält, nicht wahr?

Mit Flo war nicht so gut plaudern wie mit dem Schriftsteller. Er schien sehr in Gedanken. Je länger wir gingen, desto abwesender und wortkarger wurde der Junge. Schließlich gingen wir schweigend nebeneinander. Als Flo dann doch den Blick hob, wirkten seine Augen glasig. „Guck mal, der Nebel,“ sagte er.

„Was für ein …“, begann ich, und im nächsten Moment waren wir mittendrin. Quer über der Straße musste eine Nebelbank gelegen haben, die ich nicht bemerkt hatte. Plötzlich war sie da, dicht, undurchdringlich, die Feuchte war wattig, fast greifbar. Ich schaute nach unten und sah meine Füße nicht.

„Wir haben eine Messe für meine Schwester lesen lassen,“ kam Flos Stimme aus dem Nassen grau. Sie schwand schnell, mit jedem Wort schien er sich meterweit zu entfernen.

„Flo!“ rief ich. „Warte!“

„Wir haben eine Messe lesen lassen“, er wurde leiser und leiser. „Aber ich war nicht sicher … dachte … mehr … habe … verk.–“

Nichts mehr. Keine Stimme, keine Straße, keine Pappeln, keine Felder, kein Himmel, keine Sonne. Nur grau.

„Flo!“, schrie ich. „Anja!“

Keine Antwort. Nur grau.

Ich verlor meine Richtung und mein Zeitgefühl, ich irrte in dem Nebel umher bis ich dachte, es gäbe nichts mehr, nur noch Nebel und Nebel und hinter all dem Nebel keine Welt. Und als ich schließlich völlig überzeugt war, dass ich dieses Grau nie mehr verlassen würde, dass ich dazu verurteilt war, mich darin aufzulösen und selbst Nebel zu werden – da war er fort, so plötzlich wie er gekommen war. Die Luft war warm und trocken, der Wind leicht und erfrischend. Der Himmel war blau. Und ich stand wieder auf dem Parkplatz vor dem Campingplatz. Ich konnte den See bis hierher glucksen hören.

Auf unserer Wiese waren die Niederländer in vollem Aufbruch. Die Zelte hatten sie abgebrochen und verpackt, jetzt wanderte das letzte Gepäck in den Van. Roy kam strahlend auf mich zu.

„Schön, dass du wieder hier bist. Wir wollen jetzt weiterfahren. Tschüss.“

Verwirrt schüttelte ich seine ausgestreckte Hand. „Wo ist Uwe?“

„Uwe? Ja, den habe ich nicht mehr gesehen.“

„Und Anja? Ist die wieder aufgetaucht.“

Er lachte. „Nee, mein Freund, ich glaube, die ist weg. Mach dir nichts daraus. Es gibt andere schöne Mädchen, oder?“ Er zwinkerte noch einmal, winkte zum Abschied und ging zum Van. Die anderen winkten auch und stiegen ein. Ich drehte mich um und lief zum Verwaltungsgebäude. Der Obercamper saß hinter dem Tresen und las mit großem Interesse einen seiner eigenen Flyer.

„Haben Sie meine Begleiterin gesehen? Die Blonde? Oder den älteren Mann, der mit uns gekommen ist? – Was ist hier eigentlich los, verdammt?!“ Ich schlug mit der Faust auf den Tresen. Er schaute auf und lächelte.

„Tut mir leid, ich habe niemanden gesehen.“

„Hat Anja vielleicht Duschmünzen bei Ihnen gekauft? Oder …“

„Nein, wirklich.“ Er schaute mich mit einem Mitleid an, das ich nicht verstand. „Ich habe niemanden gesehen.“

„Da war ein Nebel …“

„Vielleicht sollten Sie sich von Ihren Freunden verabschieden?“, unterbrach er mich. „Diesen Holländern, meine ich.“

Wovon sprach der Mann? Roy und seine Truppe waren auf der Wiese, ich hatte sie nicht vorbeifahren hören. Und der Schlagbaum …

„Sie müssen sich beeilen“, insistierte er. „Sie sind bestimmt schon oben auf der Straße.“

Ja, natürlich. Irgendwie kam mir das plötzlich sehr sinnvoll vor. Ich eilte aus dem Flachbau und zum See. Der gluckste nicht mehr, die Oberfläche war aufgewühlt, die Wellen platschten und rauschten. Es war völlig windstill. Auf der Straße über dem jenseitigen Ufer des Sees tauchte der Van auf. Ich hatte Roys Abschied gar nicht erwidert. Als ich winkte, begann der Wagen zu schlingern. Ich winkte heftiger, und der Van schleuderte auf die Leitplanke zu, durchbrach sie und rutschte mit hässlichem Scheppern und Poltern zum See hinab. Ich winkte noch wilder, und der Wagen überschlug sich. Ich glaubte, Schreie zu hören.

Die Oberfläche des Sees teilte sich, und etwas kam heraus und kroch auf den Van zu und die schreienden Menschen darin. Lange vielgliedrige Beine, in bunten Farben schillernd. Und Tentakeln, mit großen schmatzenden Saugnäpfen. Ich kicherte, und die Holländer kreischten, und die Beine knackten, und die Saugnäpfe schmatzten, und der See gluckste, und ich kicherte und kicherte und kicherte, und dann …

Ich weiß nicht, wie lange ich dort gelegen hatte, auf dem Weg am See. Als ich schließlich erwachte und mich erhob, war der See ruhig und gluckste leise vor sich hin. Die Sonne wärmte, der Wind erfrischte – und die Leitplanke oben an der Straße war unbeschädigt. Kein Van lag am Ufer, natürlich nicht. Aber mich konnte das alles nicht mehr täuschen, ich wusste jetzt. Ich wusste alles. Seufzend machte ich mich auf dem Weg zum Verwaltungsgebäude. Der König des Campingplatzes warf mir einen besorgten Blick zu, als ich an den Tresen trat.

„Alles in Ordnung mit dir?“

„Klar.“ Es stimmte. Ich fühlte mich von Moment zu Moment besser.

„Tut mir leid,“ sagte mein Freund, „ich habe gestern gar nicht begriffen, dass du noch im Urlaub warst. Ich dachte … na ja, haste ja gemerkt.“

„Ja“, ich winkte ab. „Konntest du ja nicht wissen. Ich hatte noch ein wenig Gleitzeit hinten dran gehängt. War alles ein wenig durcheinander.“

Er nickte mitfühlend. „Kenne ich. Hat sich’s denn wenigstens gelohnt?“

Ich dachte an Anja und die Bucht und grinste breit. „Und ob.“

Er grinste ebenfalls. „Na dann …“

„Was war denn eigentlich mit der?“, fragte ich.

„Mit wem?“

„Anja.“

„Ach so.“ Er klappte seine ledergebundene Kladde auf und fuhr mit dem Finger einige eng beschriebene Zeilen entlang. „Die konnte keine Kinder bekommen. Lag eigentlich an ihrem Typen, aber na ja …“, er zwinkerte mir zu, „muss man ihr ja nicht auf die Nase binden, oder? Hat ihre Seele für zwei Kinder verkauft, war immerhin anständig genug, nur ihre zu verticken, nicht auch noch die von den Kleinen. Dafür gab’s aber dann auch nur zehn Jahre.“

„Hm“, machte ich. „Und Uwe?“

Mein Kollege lachte. „Reicher Schriftsteller, was denkst du denn, wie man das wird? Übersetzungsrechte für X Länder, mehrere gut verkaufte Filmrechte und einige minderjährige Groupies. Alles nur für seine schäbige Schreiberseele. War so ein Aktionspaket, er hat sofort zugegriffen. Und nun war die Zeit eben um.“

„Schnäppchenjäger“, sagte ich, so geringschätzig wie ich es meinte. Ich hasste die Typen, die waren bei den Verhandlungen immer schrecklich überheblich. Nun ja – am Ende ging es ihnen wie allen anderen, das war immerhin ein Trost.

„Die Banker eben deshalb?“

„Investmentbanker“, präzisierte er. „Natürlich. Wir dachten, da du schon mal unterwegs bist …“

„Kein Problem. Nur Flo … was war denn mit dem? Das ist blöd, ich habe noch nie einen verloren, und jetzt, direkt nach dem Urlaub …“

„Mach dir keine Sorgen“, beruhigte er. „Du warst ja noch gar nicht wieder du selbst. Außerdem war das nicht dein Fehler, da hat jemand beim Verkauf Mist gebaut. Die haben das mit der Schwester schon vorher geregelt, mit der anderen Seite. Messen gelesen und so. Die war schon geheilt.“

„Seit wann stört uns das?“

„Na ja, in dem Falle schon. Du kannst schlecht die Leistungen der anderen verticken, oder? Da drohte richtig Ärger, Prozesse, Bürokratie, Flammenschwert – wir haben ihn lieber gehen lassen. Hatte nichts mit dir zu tun.“

„Ah, okay.“

„Wirklich kein Problem, du kannst ganz entspannt nach Hause kommen. War das dein Resturlaub?“

„Ja. Reicht aber auch.“ Das stimmte wirklich. Ich freute mich auf zu Hause. Wenn ich zu lange fort gewesen war, fehlte mir die Arbeit. „Und dann immer dieses Chaos und die Verwirrung am Schluss … Ich habe erst mal genug von Urlaub.“

Er zwinkerte. „Das ist doch die ideale Einstellung.“

Ich zwinkerte zurück, trat meine Zigarette aus, verließ das Gebäude und ging zum See hinunter. Leise, wie von weit her, hörte ich die Geräusche des Campingplatzes – spielende Kinder, an- und abfahrende Autos, Geschwätz … noch jenseits meiner Realität, aber bald würden sich die Ebenen hier wieder vereinen. Dann wollte ich fort sein. Ich hatte erst mal genug von den Menschen. Da war das Ufer des Sees, das Wasser gluckste einladend. Ich nahm einen letzten, tiefen Atemzug und sprang hinein

ENDE






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Der Dunkle Fürst und das Fräulein Niedermaier – Teil 1

Sarahs Geschichtenfeuer brennt schon – ab heute erzählt sie eine Geschichte für etwas ältere Kinder. Ab 10, würde ich meinen, bei Leseerfahrung auch jünger. Eignet sich auch wieder Ideal als Vorlesegeschichte (für die genannten Altergruppen und natürlich auch Erwachsene).

Der Guppy war's und nicht die Lerche

About: Geschichten für euch

Die Sonne verschwand gerade hinter dem Horizont und tauchte die Feste des Erstaunlich Dauerhaften Unheils1 in ein unwirkliches Rot. Zwischen den Zinnen raunte sich ein Schwarm Krähen Geheimnisse zu, während tief in den Eingeweiden des Schlosses der Dunkle Lord Salamacian II die Treppen zu seinem Laboratorium hinabstieg. Sein Weg führte ihn an den Statuen seiner Vorfahren: vorbei Lady Dorianda Bluthand, die Stammutter seiner Sippe; Fürst Holophernistopheles, der Zerstörer der Elfenlande; Malancia Malafei, die zu ihrer Zeit auf drei verschiedenen Kontinenten wegen schwarzer Magie und Verbrechen gegen die Menschlichkeit gesucht worden war2….
Weiter und weiter erstreckte sich die Reihe von Salamacius‘ verruchten Ahnen und bei ihrem Anblick ging ihm jedes mal das verschrumpelte Ding in der Brust auf, das bei seiner letzten Vorsorgeuntersuchung nur unter Vorbehalt als Herz durchgegangen war.

Sein Laboratorium lag am Ende eines langen Ganges, hinter mehreren Falltüren, falschen Abzweigungen und…

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Ein Ende und ein Anfang

Alischa verabschiedet sich heute – morgen lernt Ihr Fürst Salamacian kennen. Wer sich aber gar nicht von den Abenteuern des vortrefflichen Piraten Sherry trennen mag, für die gibt es ein Hörbuch… ❤

Der Guppy war's und nicht die Lerche

Hey Leute,

also, Alischas Geschichte ist zumindest hier im Blog zu Ende (auch, wenn ich eventuell irgendwann eine kleine Bonusstory um das Nörgelnde Norwegische Wassereinhorn schreiben werd) und ich danke hofknicksigst dafür, dass ihr mit dabei wart.

Nachdem mir wordpress nur Leserzahlen anzeigt, aber ich so neugierig auf die Leut bin: wenn ihr mögt, sagt doch kurz in den Kommentaren hallo, egal, ob wir uns im realen Leben schon kennen oder nicht. Einfach, damit wir uns über die Kilometer und Ausgangssperren hinweg zuwinken können. Und wenn euch danach ist: erzählts ein bissl, wie’s euch geht.

Und wie geht’s weiter? 

Wenn ich sage, die Geschichte der Piraten ist ‚hier im Blog zu Ende‘, dann liegt das daran, dass es Alischa Salomonius Dorotheus Sherry und seine Abenteuer jetzt auch als Hörbuch gibt:

Der Pirat, der in alle sieben Weltmeere pinkeln wollte – Hörbuch

Die ersten paar Folgen sind schon online, geupdatet wird…

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