schreckenbergschreibt: Türchen Nr 21 – Antwort

Gestern bat ich Euch um Fragen und Themen. Harald Zappe folgte dem Aufruf:

Wann können wir mit einem neuen Buch rechnen ?

Ich vermute, Du fragst nach einem neuen Roman – ich fürchte, nicht so bald. Eigentlich habe ich drei Romane, die ich schreiben könnte. Der eine existiert schon zu 2/3, Urban Fantasy, und ist inzwischen – in der letzten Fassung – ein Jahrzehnt alt. Er müsste also überarbeitet werden. Meine gesamte Umgebung findet das existierende Fragment (Arbeitstitel: „Der Sänger und der Puppenspieler“) sehr gut und ich habe viel Herzblut hineingesteckt, aber inzwischen den Kontakt zu der Geschichte verloren. Ich weiß nicht, ob ich da nochmal rein finde. Dann gibt es diese Idee einer sehr großen Geschichte (AT „Wasser“), der ich mich aber noch nicht ganz gewachsen fühle. Dieses Buch werde ich schreiben, wenn ich mich reif genug dafür fühle.

Wenn ich derzeit einen Roman schreiben KÖNNTE würde ich die Idee einer Parallelweltgeschichte (AT „Phaeton“) umsetzen, die ich seit drei oder vier Jahren entwickle. Auf die Geschichte habe ich sehr viel Lust und ich will in diese Welt hinein. Aber…

…ich werden auf absehbare Zeit nicht die Kapazität dazu haben. Ich war von Mitte der vergangenen Woche bis heute in Sachen Drehbuch in Wien. Es gab Besprechungen zu zwei sehr aussichtsreichen (und spannenden und hochinteressanten) Projekten, eine ebenfalls sehr interessante Entwicklung im Non-Fiction-Bereich ist in der Schwebe, und ich habe einen neuen Kontakt geknüpft, der auch sehr vielversprechend ist. Wie das bei Drehbüchern so ist – es gibt eine Statistik (keine Ahnung, woher), dass aus einem von acht Projekten, für die Autor*innen engagiert werden, am Ende etwas wird, das man auf dem Bildschirm oder der Leinwand sehen kann. Das worüber ich am Freitag mit zwei Produzenten (tut mir leid, ich muss immer so vage bleiben 😀 ) gesprochen habe würde ich Euch jedenfalls zu gerne zeigen. Es sind Geschichten, die mir nicht weniger am Herzen liegen, als meine Romane, und ich möchte sie unbedingt sehen. Und ich mag die Erzählform des Drehbuchs, egal ob Film oder Serie.

Und sagen wir es, wie es ist: Drehbuch wird außerdem besser bezahlt als Belletristik. Das hat verschiedene Gründe: Als Drehbuchautor trete ich viel mehr Rechte ab und habe, in Bezug auf das Endprodukt, sehr viel weniger Entscheidungsmacht, als als Belletristikautor, es gibt sehr viel mehr arbeitsaufwändige Entwicklungsschritte (die mitzumachen ich vertraglich verpflichtet bin) und das Endergebnis ist ungeheuer viel kostspieliger als das Verlegen eines Romans – ich bin also an der Herstellung eines teureren Produktes beteiligt.

Ich habe jetzt ein paar SEHR arbeitsreiche Monate vor mir, und ich hoffe, dass das so weiter geht. Bedeutet aber auch – Zeit für einen Roman werde ich nicht haben. Ich werde hier und da mal in die Welt von „Phaeton“ tauchen oder Ideen zu „Wasser“ vorantreiben – aber mehr nicht. Im Moment bin ich wirklich hauptsächlich Drehbuchautor.

ABER:

In den letzten Jahren sind fast jedes Jahr mehrere Kurzgeschichten von mir in verschiedenen Anthologien erschienen. Die zu bündeln, um ein paar unveröffentlichte zu ergänzen und als E-Book o.Ä. herauszugeben habe ich mir für dieses Jahr vorgenommen. Also – wahrscheinlich gibt es in nächster Zeit keinen neuen Roman von mir – aber eine Anthologie. Ich hoffe, das ist okay, Harald.

Und? Weitere Fragen? 😀

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schreckenbergschreibt: Türchen Nr. 20 – Shoot!

Okay, anlässlich des ersten Türchens habe ich Euch aufgefordert, mir Fragen zu stellen. Ich dachte eher an Fragen an den Autor. Aber Eure Ansprüche sind höher: Die einzige Frage, die kam, handelte vom Christkind. 😀

Jetzt haben wir noch vier Tage in diesem Adventskalender, also ermutige ich noch einmal: Fragt mich was. Oder wie wäre es, wenn Ihr Themen vorschlagt, die ich Rest2019 und 2020 behandeln soll.

Wenn Ihr nicht fragt, antworte ich ungefragt auf die Fragen, die ich auf Lesungen häufig gestellt bekomme. Und ja, das ist eine Drohung. 😉

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schreckenberglebt: Türchen Nr. 19 – Weihnachtsstress

Kennt Ihr das auch: Um Euch herum jammert alle Welt (oder fast alle Welt), wie stressig doch die Weihnachtszeit sei, und ach, gar nicht mehr so besinnlich wie früher, etc., etc., etc. Mal abgesehen davon, dass „früher“ immer ein relativer Begriff ist, und ich Leute, die in den 80ern geboren sind (und deren Ideales „früher“ zehn Jahre jünger ist als meins) ebenso jammern höre wie Leute, die in den 1940ern geboren sind (Ääääähm…) – man macht sich seinen Stress selbst. Ausgenommen von dieser Regel sind ausschließlich Menschen:

A) die im Einzelhandel arbeiten und

B) mit mehreren kleinen Kindern. Da weiß ich noch aus Erfahrung: Sämtliche Weihnachtsfeiern in Schulen, Kindergärten, Sportvereinen etc. abzuklappern IST Stress. Aber seid getrost, junge Eltern: Auch diese Phase endet. Sage ich ebenfalls aus Erfahrung.

Für alle anderen: Ein paar Tipps gegen Weihnachtsstress:

1.) Setzt für Euch (und Eure Lieben) ein festes Datum, an dem jedes Jahr die Weihnachtszeit beginnt. Vorher werden keine Lebkuchen gekauft, keine Weihnachtsmusik gehört, kein Glühwein getrunken…. Nichts getan, was für Euch „weihnachtlich“ ist.

2.) In meiner Kindheit gab es Mandarinen, Orangen, Datteln, Feigen, Maronen etc. nur in der Weihnachtszeit. Sonst waren die einfach nicht in den Läden. Dank globalisierter Wirtschaft haben wir heute Mandarinen im August und Erdbeeren im Dezember, aber mal von allen anderen (guten) Argumenten dagegen ab, Lebensmittel die es auch hierzulande oder -zukontinent gibt durch die ganze Welt fliegen zu lassen – wenn man ein wenig mit den Jahreszeiten geht, bekommen die auch wieder ihr eigenes Gefühl und ihren eigenen Geschmack.

3.) Wenn Ihr Menschen beschenken möchtet: Kauft Geschenke individuell und das ganze Jahr über.

4.) Macht Euch eine Playlist für die Adventszeit. Geht dabei a) nach dem was ihr gerne hört, aber auch b) nach schönen Erinnerungen.

5.) Meidet das Wort Weihnachtsstress. Ich mag es nicht. Meidet Gespräche darüber, wie stressig die Weihnachtszeit doch ist.

6.) Baut Euch Traditionen und zwar ausschließlich solche, die Ihr schön findet. Macht nicht zuviele davon. Übrigens: Familie muss nicht Blutsbande sein, wenn die Leute, die mit Euch verwandt sind, nicht gut für Euch sind. Man kann sich seine Familie selbst bauen, aus Menschen, die man liebt. Und auch mit denen kann man Traditionen haben.

7.) Tut keine Dinge, weil „man“ sie in der Weihnachtszeit macht. Ihr hasst Weihnachtsmärkte und kommt bei Ska-Musik in gemütlich-besinnliche Stimmung? Dann meidet erstere und hört Letztere, auch wenn das nicht typisch weihnachtlich ist,

8.) Wenn Ihr religiös seid: Freut Euch auf das Weihnachstfest und lasst Euch nicht einreden, es hätte seine Bedeutung verloren. Wenn es sie für Euch noch hat, dann hat es sie, basta.

9.) Wenn Ihr nicht religiös oder keine Christen seid: Lasst Euch nicht einreden, dass man an Weihnachten mit der Familie in die Kirche gehen muss, oder dass nur Christen sich an bunten Lichtern, besinnlicher Musik, Abenden mit Freunden etc. erfreuen dürfen. Macht Euch Euer Jahresende so schön wie möglich.

10.) Seid nett zu den Menschen, die im Einzelhandel arbeiten. Die HABEN Weihnachtsstress. Und sie freuen sich über freundliche Kundinnen und Kunden.

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schreckenberglebt: Türchen Nr. 18 – das Christkind und die Realität

Spät blogge ich heute, nach einem reise-, arbeits- und adventmarktintensiven Tag, seht es mir bitte nach. Ich möchte auf das erste Türchen dieses Adventskalenders zurückkommen, in dem ich darum, bat, dass Ihr mir Fragen und Themen schicken möget, auf dass ich weiß, worüber ich bloggen soll. Dem Aufruf ist einzig inter123netzzoaw gefolgt, und er schrieb:

Bitte bitte, schreib darüber, ob es das Christkind wirklich gibt…..

Hm. Ich vereinfache mal: Du möchtest wissen, ob das Christkind real ist. Über Realität habe ich mich hier schon mehrmals geäußert – in aller Kürze: Wir können über Realität nichts wissen, da unser Bewußtsein mit rein a priorischer Erkenntnis in die Welt kommt, von der wir nicht wissen können, ob sie irgendeinen Bezug zur wirklichen Wirklichkeit (also der Realität außerhalb unseres Bewußtseins) hat. Erschwerend kommt hinzu, dass ich mich gerade mit Meditation nach Sam Harris beschäftige (die ich auf eine Empfehlung von Nick Cave hin erlerne, und die ich, wegen ihrer einfachen Logik, Klarheit und Areligiosität sehr weiterempfehlen kann). Was einem da relativ schnell klar wird ist, dass man eigentlich gar nichts hat, als dieses Bewußtsein, nicht einmal ein bewußtes Selbst. Die Antwort ist also ganz klar, erstmal:

Über die Realität des Christkindes kann ich keine gültige Aussage machen. Vulgo: Keine Ahnung.

Was aber ist mit der Welt in der Erscheinung, die Welt, wie wir sie Wahrnehmen, in der es Ursache und Wirkung, Einheit, Vielheit, Allheit, Raum, Zeit, etc., etc. und eben auch ein Selbst gibt?

Nun – ich vermute, dass ist eine Frage des jeweiligen Bewusstseins. Rein logisch und wissenschaftlich kann es das Christkind nicht geben. Wenn Du es aber in dem, was Du für Dein Bewußtsein hältst, erfährst, dann ist es für Dich real. Und das ist völlig okay, so lange Du nicht auf dieser Basis Politik machst, eine Szenepolizei gründest oder Kreuzzüge ausrufst. In diesem Sinne: Schöne Vorweihnachtszeit.

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schreckenberglebt: Türchen Nr. 17 – Alter Weißer Mann

Wenn Ihr in meinem Alter seid, und am Ende gar von weißer Hautfarbe und männlich, seid ihr bestimmt schon einmal über den Kampfbegriff „alter weißer Mann“ gestolpert. Den benutzen vor allem Menschen, die jung, nicht von weißer Hautfarbe, weiblich oder eine Kombination davon sind. Beim ersten Zusammentreffen mit diesem Kampfbegriff zuckt man als (alter) weißer Mann unwillkürlich zusammen. Was soll das? Wieso greifen ausgerechnet die Menschen, die sich gegen Rassismus und Sexismus einsetzen, mich rassistisch und sexistisch an? Ich bin doch ihr Verbündeter, ich kämpfe doch auch gegen Rassismus, Sexismus, Homophobie etc., wo ich kann!

Man(n) hat dann die Wahl: Entweder man kann sich mit der Frage, was und wer eigentlich mit diesem Kampfbegriff gemeint ist, auseinander setzen, oder man kann schmollen und jammern und sich in die Opferrolle begeben. Was – für Angehörige der mächtigsten Menschenkaste überhaupt – eine ziemlich lächerliche Attitüde ist. Aber viele wählen sie. Auch und gerade herausgehoben mächtige Vertreter dieser ohnehin schon mächtigen Kaste.

Da sowohl mein politisch stark engagiertes Kind als auch meine beste Freundin diesen Begriff hin und wieder im Mund führen, bin ich einfach mal davon ausgegangen, dass sie ihn eben nicht rassitisch und sexistisch meinen und habe nachgefragt. Ja, das geht und ist nicht schwer.

Es mag Ausnahmen geben (weil es eben immer und in jeder Gruppe auch dumme Menschen gibt) aber in der Regel meint „Alter Weißer Mann“, als Kampfbegriff gebraucht, nicht die Menge aller Männer über einem Geburtsdatum XY mit heller Hautfarbe. Genauswenig, wie, sagen wir „Ar****och“ alle Menschen meint, die ein solches haben oder „Wi***er“ jeden Menschen beleidigen soll, der Selbstbefriedigung betreibt. Wer also ist gemeint, wenn zum Beispiel eine junge Frau wütend über „alte weiße Männer“ schimpft?

Ich habe oben gesagt, dass „alte* weiße Männer“ die mächtigste Kaste auf diesem Planeten bilden. Wer das bezweifelt, der schaue sich bitte mal an, wer im Norden dieses Planeten (also der Region, die dem Rest der Welt – noch – politisch und wirtschaflich ihren Willen aufzwingt) die politischen und wirtschaftlichen Machtmittel (inkl. Kapital) in der Hand hat, die entsprechenden Ressourcen und Netzwerke zur Verfügung hat, die formellen wie informellen Agenden bestimmt. Das sind, in der ganz überwiegenden Mehrheit, alte, weiße Männer.

Das bedeutet im Umkehrschluss natürlich nicht, dass alle alten, weißen Männer mächtig sind. Aber sie sind und waren privilegiert. Gegenüber dem Rest der Welt sowieso – wer, sagen wir, 1965 als dunkelhäutiges Mädchen in Tansania geboren wurde hatte niemals die selben Chancen, Ressourcen und Sicherheiten wie ein in Deutschland geborener, weißer Junge. Aber auch innerhalb unserer nördlichen Gesellschaften gilt das. Egal ob in Wirtschaft, Politik, Sport, Kunst oder sonst einem mit Macht und Einfluss verbundenen gesellschaftlichen Bereich sind weiße Männer in der Mehrheit. Und das liegt selbstverständlich AUSSCHLIESSLICH an gesellschaftlichen Regeln und Strukturen, nicht an irgendwelchen herbeiphantasierten biologischen oder psychologischen Faktoren.

Wir alten weißen Männer (jetzt im ganz neutralen Sinne) sollten uns eingestehen, dass es so ist. Dass wir in einer Gesellschaft leben, die uns ungerechtfertigterweise seit unserer Geburt privilegiert. Wir hatten immer einen unfairen Vorteil dem Rest der Welt – nah oder fern – gegenüber. Dabei ist es nicht relevant, wie sehr wir diesen Vorteil individuell nutzen konnten. Auch wenn der 1965 geborene Junge im Leben nichts auf die Kette bekommen hat, hatte er immer noch einen riesigen Startvorsprung. Wenn er diesen Vorsprung eingebüßt hat, dann lag das nicht an mangelnden Privilegien.

Verzicht macht immer Angst, und Verzicht auf Privilegien die Sicherheit geben erst recht. Aber wir müssen uns von unseren Privilegien verabschieden, wenn wir eine faire, gleichberechtigte Gesellschaft wollen.

Natürlich gibt es Menschen, die diese Privilegien nicht abgeben wollen oder schlicht leugnen, dass es sie gibt. Die – und nur die – sind, so habe ich es verstanden, gemeint, wenn „Alter Weißer Mann“ zum Kampfbegriff wird.

*Definieren wir „alt“ hier einfach mal mit „geboren 1971 oder früher“, dann schließt es mich ein. 😉

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schreckenberglebt: Türchen Nr. 16 – Whisky

Wer meine Bücher kennt und diesem Blog folgt, wird nicht darüber verwundert sein, dass ich ein großer Freund des Whisky, genauer des Schottischen Single Malt Whisky bin. Zu meinen Adventstraditionen gehört, dass ich mit meinem besten Freund einen Ausflug zu einem sehr gut sortierten Essener Spirituosengeschäft mache (die Tradition rührt noch aus der Zeit, als ich bei einer PR-Agentur in Essen arbeitete) und dort einiges Ersparte in Malzschnaps anlege.

Single-Malt-Ausflug 2019 – meine Beute

Dabei reden wir – da wir der gemeinsamen Leidenschaft für Single Malt Whisky schon seit den frühen 90er Jahren frönen – wie grantige alte Männer darüber, dass früher alles besser war (stimmt nicht), die Zahl der unabhängigen Abfüller bedauernswerterweise stark zurück gegangen ist (stimmt wahrscheinlich) und dass es eine verdammte Unsitte ist, dass selbst äußerst ehrenwerte Destillerien (zum Beispiel meine Lieblingsdestillen Ardbeg und Laphroaig) ihre Whiskies fast nur noch unter mehr oder weniger beeindruckenden Phantasienamen aber dafür ohne Altersangabe (also sehr jung) anbieten (stimmt völlig). Außerdem haben wir eine Menge Spaß mit Fachsimpeln, gegenseitigen Tipps und dem Versuch, uns für etwas zu entscheiden.

Warum erzähle ich das? Nun, zum einen weil dies mein Blog ist und ich nicht immer nur über die Arbeit schreiben oder über Dinge reden will, die mich ärgern. Zum anderen aber, weil ich mit meinen alkoholischen Vorlieben einem Autorenklischee entspreche. Ich vertrage nämlich allergiebedingt keine alkoholischen Getränke mit niedrigem Alkoholgehalt (Bier, Wein, etc.) und mag nur sehr wenige, mit hohem. Was also trinkt der Herr Literat? Klar: Whisky, Gin und Absinth.

Ich mache aus meiner Vorliebe für diese Getränke keinen Hehl, auch nicht auf Lesungen, auch nicht in meinen Büchern. Daher werde ich immer wieder gefragt, ob Alkohol – oder andere Drogen – nicht eigentlich notwendig sind für den kreativen Prozess, weil sie, ja nach Wirkung, entspannen, das Bewusstsein erweitern etc. Ich antworte darauf immer unterschiedlich, mal mit Anekdoten und Erklärungen, mal knapp und (hahaha) nüchtern, aber der Kern meiner Antwort lässt sich etwa so zusammenfassen:

Nein.

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schreckenbergschaut: Türchen Nr. 15 – Weihnachtsprogramm

Eigentlich wollte ich Euch heute ein paar Filme für die Weihnachtszeit empfehlen – nur um zu entdecken, dass ich das 2013 schon gemacht habe. 😀 Also verlinke ich meine Tipps von damals einfach noch einmal:

https://schreckenbergschreibt.com/2013/12/22/schreckenbergschaut-weihnachtsprogramm-teil-1-die-glucksritter/

https://schreckenbergschreibt.com/2013/12/23/schreckenbergschaut-weihnachtsprogramm-teil-2-die-muppets-weihnachtsgeschichte/

https://schreckenbergschreibt.com/2013/12/27/schreckenbergschaut-weihnachtsprogramm-teil-3-hogfather/

https://schreckenbergschreibt.com/2013/12/29/schreckenbergschaut-weihnachtsprogramm-teil-4-weihnachtsspecials/

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schreckenberglebt: Türchen Nr. 14 – Alle lieben Verbote…

… deshalb sind Verbote die einzigen konkreten Maßnahmen zum Klimaschutz, über die dieses Land spricht. Nicht falsch verstehen, bitte: Verbote sind notwendig, leider. So lange es Menschen gibt, die sehenden Auges Gruppen wie „Fridays for Hubraum“ gründen, wäre es sehr dumm von unseren Regierenden, sich auf gesunden Menschenverstand und Verantwortungsbewusstsein zu verlassen.

Nur – es gibt Menschen mit Ängsten und Sorgen, die begründet sind, und die man nicht einfach weg verbieten kann. Da müssten konstruktive Maßnahmen her. Dem Problem zum Beispiel, dass der ÖPNV grotesk teuer (ich bin oft genug in Wien, einer verdammt teuren Stadt, deren gut funktionierenden „Öffis“ aber für einen lächerlich kleinen Preis zu nutzen sind) und im außerhalb der Innenstädte fast gar nicht vorhanden ist, kommt man nicht mit Verboten bei. Wenn ich höre, das Freunde meiner Kinder, die in Witzhelden oder Burscheid wohnen (also nicht in den Tälern der Eifel oder den Wäldern des Oberbergischen, sondern immer noch ziemlich urban) mit etwas Pech ebenso lange für den Weg zur Schule brauchen, wie, sagen wir, ein Flugzeug von Köln nach Berlin, dann ist das erbärmlich. Wenn ich erlebe, dass Bahnfahren inzwischen ein Glücksspiel ist, weil Abfahrtszeiten, Gleisangaben, Reisedauer und selbst die Frage, ob der verdammte Zug überhaupt fährt allesamt völlig unberechenbar sind, dann kann ich mir gut vorstellen, dass viele Leute, die Inlandsflüge nutzen, gerne darauf verzichten würden, wenn eine Bahnreise berechenbar wäre. Hier wären ganz massive Investitionen, intelligente Konzepte und innovative Ideen (sofort! nicht irgendwann!) nötig, und das bedeutet: Wir bräuchten einen verdammten Plan und milliardenschwere Investitionen. Das Geld ist nicht das Problem, es wäre da, wenn wir anderswo Subventionen streichen würden, intelligentere Steuern hätten und in Zeiten von Minuszinsen Kredite aufnehmen würden. Das Ziel ist ganz einfach: ÖPNV muss attraktiver sein als motorisierter Individualverkehr. Das erreicht man aber nicht, indem man den Individualverkehr ein ganz klein wenig teurer macht und den ÖPNV verrotten lässt.

Und dann ist da die Sorge um die Arbeitsplätze, die angeblich dafür sorgt, dass unsere Automobilindustrie weiter riesige Verbrennungsmonster bauen und Braunkohle Energieträger bleiben muss. Es ist nur leider so: Wir schützen veraltete Technologien zu Tode. Die Vebrennung fossiler Energien hat keine Zukunft. Der Klimawandel ist fakt, wir werden ihn immer stärker spüren, immer mehr Menschen werden das, weltweit, einsehen, die Klimawandelleugner werden eine immer kleinere Gruppe werden – sowohl als Wähler als auch (und das ist im globalisierten Kapitalismus viel wichtiger) als Konsumenten. Um mal und die Holde Herrin und mich (Ehepaar, weiß, Europäer, Mitte / Ende 40) als Beispiel zu nennen: Wenn sich am ÖPNV nicht schnell etwas ändert, werden wir noch mindestens einen PKW brauchen, wenn der jetzige nicht mehr ist. Je nach Finanzlage wird das ein Hybrid- oder Elektrofahrzeug sein, und SELBSTVERSTÄNDLICH wird es importiert sein. Denn die deutsche Autoindustrie wird ja so kaputtgepäppelt, dass andere in der massentaugliche Hybridtechnologie ein Jahrzehnt Vorsprung haben. Von Elektrofahrzeugen gar nicht zu reden. Wenn es so weiter geht wird Deutschland sich von der Automobilexport zur -importnation entwickeln – mit allen Folgen für die heiligen Arbeitsplätze. Im Bereich erneuerbare Energien ist es ja schon so weit. Die heimische Solarindustrie ist kaputt, jetzt folgt die Windkraft. NATÜRLICH wird man weltweit nach und nach zu erneuerbaren Energien übergehen, wenn auch wahrscheinlich zu spät. Aber die Technologie dafür wird nicht aus Deutschland kommen, wenn wir – auch hier – nicht massiv Geld in Form von Subventionen und Investitionen umverteilen. Doch unsere hasenfüßige Politik verwandelt unser Land, aus Angst vor Lobbys, AfD und Wutbürgern, in ein Museum für einstige Industrien.

Ja, Verbote sind nötig. Aber sie bringen alleine nichts als Wut und Enttäuschung (bei denen, die sich davon eine Veränderung erhofft haben). Verbote für den Klimaschutz ergeben dann Sinn, wenn man einen Plan dahinter erkennt, und den Mut, wirklich etwas zu verändern.

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schreckenbergschreibt: Türchen Nr. 13 – Der Werbeblock

Soooo, dieser Adventskalender ist halb offen, Zeit für die Werbung:

Am Samstag, 18. Januar 2020, plaudere ich im Rahmen des Leverkusener Literaturcafés mit Maik T. Schurkus über Horror, Grusel und Phantastik.

Beginn ist um 14.00 Uhr in der Hauptstelle der Stadtbibliothek Leverkusen, (Rathausgalerie). Eintritt: 5 Euro, Kaffee & Kuchen inbegriffen.

Hier der Text des Veranstalters, der Autor*innengruppe FAUST:

Horror, Grusel und Fantastik – mit Maik Schurkus und Michael Schreckenberg

Der blanke Horror – warum wir es lieben, uns zu fürchten

Es knarrt im Haus, aus dem Keller kommen seltsame Geräusche, und hat sich da im dunklen Flur nicht etwas bewegt? Wenn wir eine gute Grusel-Geschichte gelesen haben, ist der Schrecken plötzlich überall. Viele sagen deswegen, dass sie die Finger vom Horror lassen oder zumindest nicht alleine sein wollen, wenn sie den literarischen Dämonen begegnen. Andere suchen diesen Kitzel in Buch und Film, aber was ist das für ein Kitzel? Von „Angstlust“ spricht die Psychologie, und Autoren wir Stephen King wurden reich davon. Was sagt die Lust am Schrecken über den Menschen? Und wie gelingt es Büchern und Filmen, damit zu spielen? Warum gibt es in allen Kulturen archetypische Horrorgestalten wie Blutsauger, Untote und Halbwesen?

Nicht zur Geisterstunde sondern in Rücksicht auf ängstliche Gemüter zur Kaffeezeit sprechen Horror-Autor Michael Schreckenberg und Literaturwissenschaftler Maik T. Schurkus über den Schrecken, der durch die Geschichten schleicht.

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schreckenberglebt: Türchen Nr. 12 – Respekt vor dem Alter

Immer wieder – und angesichts einer engagierten, unbequemen Jugend umso häufiger – hört man die Forderung, das Alter zu respektieren oder auch dessen „Lebensleistung“. Als jemand, dessen 50. Geburtstag am Horizont leuchtet kann ich mir, denke ich, eine Meinung zu dem Thema erlauben. Und meine Meinung ist:

Alt zu sein ist keine Leistung und hat keinen Anspruch auf Respekt.

Es gab sicher mal Zeiten, in denen es Fähigkeiten erforderte, mein Alter (48) zu erreichen und darüber hinaus. Und es gibt Weltgegenden, in denen das immer noch so ist. Aber hier, im satten, sicheren Mitteleuropa? Mitnichten.

Die ältere Generation hört das nie gerne. Die Generation meiner Großeltern nahm für sich in Anspruch „Deutschland wieder aufgebaut“ zu haben, und unterschlug dabei geflissentlich, dass die auch dafür gesorgt hat, dass es in Schutt und Asche gelegt wurde. Von Massenmord und solchen Dingen gar nicht zu reden. Da war die Forderung nach Respekt etwas lächerlich. Aber auch meine Generation und die meiner Eltern sollte, wenn es um „Respekt vor dem Alter“ geht, schön den Mund halten. Wie neulich gesagt – dass wir mit unserem Verhalten eine Klimakatastrophe heraufbeschwören ist seit mindestens 40 Jahren bekannt. Wenn man jungen Menschen, die zornig darauf hinweisen, mit der Forderung nach Respekt vor der fucking Lebensleistung einer ganzen Generation antwortet, dann ist „OK, Boomer.“ noch eine sehr, sehr freundliche Antwort.

Um nicht missverstanden zu werden: Vor individueller Lebenserfahrung und -leistung habe ich großen Respekt. Und Grundrespekt vor jedem Menschen habe ich auch. Aber „Respekt vor dem Alter“ ist etwa so intelligent wie „Stolz ein Deutscher zu sein“. Respekt, über besagtes Grundminimum hinaus, muss man sich verdienen. Eine bestimmte Zahl von Jahren zu existieren reicht dazu nicht aus.

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