schreckenbergschreibt: Quarantänegeschichte Nr. 68 – Der Ruf, Teil 43

Schön, dass Ihr da seid. Setzt Euch ans Feuer, ich erzähle Euch eine Geschichte. Vorab aber: Ich habe mit den beiden meiner drei Kinder, die schöne Tradition des Freitagsnachmittagshorrorfilms wieder begonnen. Heute sahen wir einen klassischen Vertreter dieses Genres – gut, spannend, sehr atmosphärisch, aber nicht wirklich brillant, vor allem, weil die Protagonistin etwas sehr schwer von Begriff ist, immer wieder die selben Fehler macht und vor allem nicht auf das hört, was ihr jemand sagt, der sich mit der Sache auskennt. Mein Anspruch ist ja immer, dass meine Figuren innerhalb des Horrors und auf Basis der Informationen die sie haben, angemessen intelligent handeln. Und just beim redigieren der heutigen „Ruf“-Episode gibt Philip seinen Leidensgenossinnen den genialen Rat, in einen Raum zu fliehen, aus dem es nur einen Ausgang gibt (na, ratet Ihr welchen FNHF ich gesehen habe?). Gut, die drei haben nur sehr begrenzte Optionen…
Hmmm…
Also doch nicht ganz so doof, oder? 😀

Viel Spaß nun also, mit der nicht so ganz finalen Konfrontation:

Der Ruf – Teil 1, Hintergrund, Rechte

Der Ruf – Teil 2 Der Ruf – Teil 3 Der Ruf – Teil 4 Der Ruf – Teil 5

Der Ruf – Teil 6 Der Ruf – Teil 7 Der Ruf – Teil 8 Der Ruf – Teil 9

Der Ruf – Teil 10 (mit Gewinnspiel)

Der Ruf – Teil 11 Der Ruf – Teil 12 Der Ruf – Teil 13 Der Ruf – Teil 14

Der Ruf – Teil 15 Der Ruf – Teil 16 Der Ruf – Teil 17 Der Ruf – Teil 18

Der Ruf – Teil 19 Der Ruf – Teil 20 Der Ruf – Teil 21 Der Ruf – Teil 22

Der Ruf – Teil 23 Der Ruf – Teil 24 Der Ruf – Teil 25 Der Ruf – Teil 26

Der Ruf -Teil 27 Triggerwarnung: Suizid

Der Ruf – Teil 28 Der Ruf – Teil 29 Der Ruf – Teil 30 Der Ruf – Teil 31

Der Ruf – Teil 32 Der Ruf – Teil 33 Der Ruf – Teil 34 Der Ruf – Teil 35

Der Ruf – Teil 36 Der Ruf – Teil 37 Der Ruf – Teil 38 Der Ruf – Teil 39

Der Ruf – Teil 40 Der Ruf – Teil 41 Der Ruf, Teil 42


Der Ruf – Teil 43


Im Wohnzimmer, gegen 8.55 Uhr

„Was war das?“, fragte Maike.

Sie waren alle herumgefahren, als sie den Krach aus dem Schlafzimmer gehört hatten. Ein kurze Weile schienen alle gelähmt, dann sprang Maike auf und war schon fast an der Tür, als Philip sie einholte und festhielt.

„Warte. Du weißt nicht …“

„Ist mir egal. Bastian … was ist, wenn ihm etwas passiert ist?“

Philip schien einen Moment seltsam abwesend, dann sagte er: „Wenn ihm etwas passiert ist, können wir ihm sowieso nicht mehr helfen.“

„Philip! Um Himmels willen!“ Britt humpelte vom Tisch herüber und sah ihn wütend an. „Sollen wir etwa…“

Sie führte den Satz nie zu Ende, denn in diesem Moment öffnete sich die Tür zum Schlafzimmer und Christoph kam herein. Mit der allergrößten Selbstverständlichkeit schlenderte er ins Zimmer, Bastian wie eine Puppe hinter sich her schleifend. Sie sahen, dass das Schlafzimmer voller Insekten war. Aber sie kamen nicht ins Wohnzimmer. Christoph warf Bastians toten Körper nachlässig von sich. Maike stieß einen Schrei aus und sank neben dem, was einmal ihr Mann gewesen war auf die Knie. Philip und Britt starrten Christoph an, versteinert. Von ‚gemeinsam auf ihn stürzen‘ konnte keine Rede mehr sein. Christoph wandte ihnen sein entsetzlich verändertes Gesicht zu und sah sie an. Blut floss von seinen Lippen.

„Hallo Freunde.“

Das Wesen imitierte Christophs Tonfall. Aber die Stimme hat nichts mit Christoph zu tun, sie war nicht einmal menschlich, ein Knarren aus dem sich die Wort wie zufällig formten. Und das keckernde Gelächter, das ihr folgte, war noch schlimmer.

„Ihr hättet mich nicht rufen sollen“, sprach das Wesen.

Bring sie hier weg. Schnell! Schaff sie raus, beide! “

‚Aber die Insekten. Was…’, antwortete Philip wortlos, gleichzeitig auf die Stimme in seinem Kopf und die Worte der Obszönität vor ihm lauschend.

Schaff sie raus! Tu was ich sage und vertrau mir!“

„Aber Ihr wusstet ja nicht, was Ihr tatet, nicht wahr?“ Wieder dieses unmenschliche Lachen. „Ihr dummen Kinder.“

„Britt!“, sagte Philip, während er weiter auf das starrte, was sie da aus Christophs Körper heraus verhöhnte. „Maike! Haut ab!“

Britt starrte ihn blank an. „Was? Wohin?“

In den Keller. Nicht raus, er wird sie nicht gehen lassen. In den Keller, schnell!“

„Lauft in den Keller. Die Luke unter der Treppe. Mach schnell, bevor sie in den Flur zurückkommen. Lauft! Schnell!“

Britt schüttelte den Kopf. „Nein! Was ist mir Dir?“

„Wir werden ihn aufhalten. Jetzt hau ab!“

„Wir? Wer…“

„LAUF!“, brüllte Philip. Oder nicht Philip? Es klang anders.

Christoph zog mit einem Zischen die Luft ein und lachte wieder, lauter diesmal und das reichte Britt. Sie stolperte vorwärts, zog Maike zu sich, die langsam aus Trauer und Entsetzen erwachte, sie flohen zur Tür und in den Flur. Philip schloss die Tür mit einem Tritt und war mit Christoph allein.

Der Hohepriester sah seinen Gegner an und wusste sofort, dass er es hier nicht nur mit einem jener schwachen Wesen zu tun hatte. Etwas war an diesem. Etwas, das ihm durch den Korridor gefolgt war. Es war hier und es wollte eine Entscheidung. Der Hohepriester war vorsichtig. Was immer Besitz von diesem Wesen ergriffen hatte, es musste mächtig sein, sehr mächtig, denn es kontrollierte diesen offenbar ohne Mühe und ohne großen Zwang.

„Wer immer Ihr seid“, sagte er mit wachsamem Respekt, „zeigt Euch. Sprecht nicht durch Euren Sklaven mit mir. Ich weiß nicht, wer Ihr seid. Aber ich will keinen Kampf mit Euch. Es gibt viele Welten für beide von uns. Lasst uns nicht um diesen kleinen, schmutzigen Ort kämpfen.“

Der Sklave des anderen öffnete seinen Mund weit und aus der Schwärze dahinter kam ein Lachen. Dann sprach eine Stimme aus dem offenen Mund.

„Du willst nicht kämpfen? Du hast keine Wahl. Du wirst an diesem kleinen, schmutzigen Ort sterben. Wie all die anderen.“

Der Hohepriester war erstaunt über den Hass. War dies ein Wächter, der jene erschlug, die Tore benutzten? Aber er hatte keinen Wächter gespürt. Jemand hatte ihn verfolgt. War dies ein Dämon, der die Wege bewohnte, die von Tor zu Tor führten? Oder…

Wie all die anderen? Plötzlich begriff er. Der andere meinte diese Toten hier, die Nahrung. Er sah den Sklaven verständnislos an, der mit immer noch geöffnetem Mund vor ihm stand.

„Was kümmern Euch diese? Ich brauchte Nahrung. Meine Art braucht Nahrung, in jeder Hülle. Habe ich Euch beleidigt? Wolltet Ihr diese hier für Euch? Dann erflehe ich Eure Verzeihung. Aber dieser Ort ist voll von ihnen und Ihr scheint nicht viel zu brauchen. Ich bin sicher…“

„Hör auf!“ Jedes Lachen, jedes Gefühl war aus der Stimme verschwunden, mit Ausnahme eines einzigen. „Du hast mich umgebracht. Und Du hast Kat umgebracht. Du wirst diesen Ort niemals verlassen.“

Langsam begriff der Hohepriester. Dies war kein Meister, kein Dämon, kein Wächter oder sonst einer mit Macht. Es war eines seiner Opfer. Er glaubte sogar zu wissen, welches. Er fand dazu etwas in der Erinnerung seines Wirtes.

Kat. Das war der Name der Weiblichen, die er zuerst getötet hatte. Also musste dies der Männliche sein, mit dem sie sich zuvor gepaart hatte. Er fand den Namen schnell.

„Stephan.“

„Jaaaaaaaaaaa!“ Hunger war in der Stimme. Der Hohepriester war verwirrt. Wie konnte ein solches Wesen Macht haben? Voll Zorn ging er auf den Sklaven zu, der immer noch starr und mit offenem Mund dastand.

„Aus dem Weg. Fliehe vor mir. Aus dem Weg.“

Doch als er den starren Sklaven zur Seite schieben wollte, packte ihn dieser und warf ihn mit großer Kraft gegen das Sofa. Der Hohepriester erhob sich, lachte und sprach ein Wort der Macht.

FORTSETZUNG FOLGT


Über Mountfright

Autor und Öffentlichkeitsarbeiter, Mann und Vater, Leser und Filmfreak. Kindheit in den 1970ern, weswegen mich bis heute seltsame Musik mit Ohrwürmern plagt. Aufgewachsen in den 80er Jahren, einem Jahrzehnt, das nicht halb so grau war, wie die anderen glauben. Erste Kurzgeschichte mit 13, erster echter Romanversuch (nach pubertären Ausfällen) mit 17, die nachfolgende Schreibblockade habe ich mir mit Songtexten für die Kölner Psychobillyband "Boozehounds" vertrieben. Danach ging es wieder: Erster lesenswerter Roman mit 26, seither nicht mehr aufgehört.
Dieser Beitrag wurde unter Quarantänegeschichten, schreckenberglebt, schreckenbergschreibt abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

9 Antworten zu schreckenbergschreibt: Quarantänegeschichte Nr. 68 – Der Ruf, Teil 43

  1. Pingback: Der Ruf, Teil 43 | Der Guppy war's und nicht die Lerche

  2. Pingback: schreckenbergschreibt: Quarantänegeschichte Nr. 69 – Der Ruf, Teil 44 | schreckenbergschreibt

  3. Pingback: schreckenberschreibt: Quarantänegeschichte Nr. 70 – Der Ruf, Teil 45 | schreckenbergschreibt

  4. Pingback: schreckenbergschreibt: Quarantänegeschichte Nr. 71 – Der Ruf, Teil 46 | schreckenbergschreibt

  5. Pingback: schreckenbergschreibt: Quarantänegeschichte Nr. 72 – Der Ruf, Teil 47 | schreckenbergschreibt

  6. Pingback: schreckenbergschreibt: Quarantänegeschichte Nr. 74 – Der Ruf, Teil 49 | schreckenbergschreibt

  7. Pingback: Quarantänegeschichte Nr. 75 – Der Ruf, Teil 50 | schreckenbergschreibt

  8. Pingback: schreckenbergschreibt: Quarantänegeschichte Nr. 77 – Der Ruf, Teil 52 | schreckenbergschreibt

  9. Pingback: schreckenbergschreibt: Das waren die Quarantänegeschichten | schreckenbergschreibt

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s