schreckenbergschreibt: Quarantänegeschichte Nr. 34 – Der Ruf, Teil 9

Schön, dass Ihr alle wieder da seid. 🙂 Bevor ich die Geschichte vom Ruf weiter erzähle: Heute war ein Interview mit mir im Leverkusener Anzeiger (Paywall, und nein, das ist nicht verwerflich, auch Journalist*innen wollen ihre Brötchen essen und Klopapier hamstern, und dafür braucht man eben nunmal dieses Geldzeug). Soviel ich weiß ist da auch die URL dieses Blogs abgedruckt, also kann es sein, dass heute ein paar neue Zuhörer*innen den Weg zu meinem Geschichtenlagerfeuer gefunden haben.

Hallo, herzlich willkommen.

Im Artikel ist noch die Rede davon, dass ich hier Kurzgeschichten zum Besten gebe, die sind mir allerdings schon vor einiger Zeit ausgegangen, weswegen ich seit einigen Tagen eine lange Geschichte in Fortsetzungen erzähle. Eine komplette Übersicht der 22 hier erzählten Kurzgeschichten findet sich HIER.

Meine Freundin und Co-Drehbuchautorin Sarah Wassermair hat auf ihrem Blog derweil zwei Geschichten für Kinder in Fortsetzungen erzählt, zunächst die vom Piraten der in alle sieben Weltmeere pinkeln wollte und dann die vom Dunklen Fürsten und dem Fräulein Niedermaier. Heute beginnt sie mit etwas Neuem.

So, und jetzt geht es weiter mit dem „Ruf“. Menschen sterben. So schön die Party war – es ist leider eine Horrorgeschichte.

Der Ruf – Teil 1, Hintergrund, Rechte

Der Ruf – Teil 2

Der Ruf – Teil 3

Der Ruf – Teil 4

Der Ruf – Teil 5

Der Ruf – Teil 6

Der Ruf – Teil 7

Der Ruf – Teil 8

Der Ruf – Teil 9

Im Garten, 22 Uhr

„Also, unten am See ist er nicht.“ Chris schaute ein wenig verwirrt in die Runde. „Und Stephan und Kat sind auch verschwunden.“

Philip grinste. „Also um die beiden würde ich mir jetzt wirklich keine Sorgen machen. Die wollen gar nicht gefunden werden.“

„Meinst Du echt? Kat wollte mir mit den Fackeln helfen…“

Britt lachte. „Die haben wahrscheinlich im Wald ’ne Lichtung zum Kuscheln gefunden oder sie suchen ihre geheimnisvolle Bucht von damals. Ich kann Dir mit den Fackeln helfen, kein Problem.“

Justus kam hinzu. „Er ist nicht im Haus, auch nicht auf dem Klo. Ich habe gerade nochmal nachgesehen. Aber sein Auto ist immer noch oben auf dem Parkplatz. Habt Ihr ihn gefunden?“

Chris schüttelte den Kopf. „Nein, am See nicht, ich habe das ganze Ufer auf dieser Seite abgesucht und alle gefragt. Und auch nicht hier im Garten oder im Wald, oder?“ Sie sah Britt und Philip an.

„Im Garten sicher nicht, aber wir haben natürlich nicht den ganzen Wald abgesucht. Frank meinte, er hätte ihn vielleicht gesehen, vorhin im Wald.“

„Was will Christoph denn im Wald?“, wunderte sich Chris.

„Wenn es stimmt, was Frank sagt“, meinte Philip. „Wenn er Christoph wirklich da gesehen hat, wo er ihn gesehen haben will – von weitem und in der Dämmerung – dann müsste Christoph vorne aus dem Haus raus sein, und dann neben dem Parkplatz in den Wald, da, wo dieser alte Wanderweg anfängt. Oder er müsste von hier aus einmal links um den See herum gegangen sein. Ich glaube, das geht gar nicht, oder?“

Chris schüttelte den Kopf. „Nein. Es sei denn, er wäre das steile Ufer hoch geklettert.“

Philip nickte. „Klingt beides ziemlich strange.“

„Aber die Tür vorne war auf“, sinnierte Justus. „Die stand offen, als ich eben hoch zum Parkplatz bin.“

„Vielleicht ist er ja doch vorne raus. Vielleicht war er irgendwie verwirrt, oder so.“ Christina sah Britt fragend an. Die hob die Hände.

„Nochmal Leute – ich bin Orthopädin. Vorhin war er völlig vernünftig, hatte nur ein wenig wirr geträumt. Wenn er jetzt plötzlich anfängt, in Schüben verwirrt zu handeln, dann sollten wir ihn ganz schnell in ein Krankenhaus verfrachten. Aber wir setzen hier gerade Indizien zu einem Worst-Case-Szenario zusammen. Auf eine Aussage von Frank hin, und weil die vordere Tür offen war.“

„Wie wäre es damit“, schlug Philip vor. „Wir machen jetzt all das, was Du vorhattest, Chris – die Fackeln, die Feuer unten am Ufer, all das. Das dauert ja eine Weile. Und wenn er dann noch nicht wieder da ist, dann suchen wir ihn richtig, mobilisieren ein paar von den anderen und dann finden wir ihn schnell. Und wenn dann wirklich was nicht stimmt, fahren wir ihn ins nächste Krankenhaus, Britt und ich,“ er sah Britt an, „oder?“

„Klar.“

„Okay.“ Chris nickte, sie fühlte sich erleichtert. Sie hatte Freunde hier, und diese Freunde halfen ihr. In längstens zwei Stunden würde sie über all das lachen. „Gut, so machen wir es.“

Im Wald, gegen 22.15 Uhr

„Hier ist es!“ Kat schob die Äste eine Busches beiseite, der über den kleinen Pfad gewuchert war. Dahinter war der Durchbruch in der sandigen Uferböschung zu sehen und darunter die kleine, fast runde Bucht. Sie gingen den Pfad entlang und standen am Ufer, Hand in Hand.

„Wow!“ sagte Stephan.

„Ja, oder? Sieht noch fast genau so aus wie früher. Selbst der grasige Fleck, da…“ Sie lachte.

„Echt.“ Er schüttelte ungläubig den Kopf. „Hier ist garantiert seither keiner mehr gewesen. Guck mal, da liegt sogar noch der Stein.“ Er deutete auf einen flachen, handgroßen Kiesel. „Der, auf den ich mich damals gestützt habe.“Er verzog das Gesicht und rieb sich über den Ellenbogen.

„Stimmt, weiß ich noch.“ Sie lächelte. „Wollen wir hier bleiben?“

„Das war der Plan, oder?“

„Ja.“ Sie ließ sich nieder, zog ihn zu sich und küsste ihn. „Komm.“

Sie gewöhnten sich aneinander, schnell, und dann waren sie beisammen, die ganze Zeit, den ganzen Weg, waren sie beieinander. Ihre Körper erinnerten sich an das wenige, was sie voneinander wussten und verbanden es mit traumhafter Sicherheit mit dem, was sie kannten und gelernt hatten. Und als alle Kraft und Spannung aus ihnen wich und sie auf ihn niedersank, keuchend und lachend, da brauchten sie keine Worte mehr.

Sie waren wieder eins.

Im Wald gegen 22.30 Uhr

Er spürte die Schwäche.

Er hatte nicht gewusst, wie lange er gelegen hatte. Wie langer er gewartet hatte, bis sich dieses Tor geöffnet hatte, bis er den Ruf gehört hatte, wie lang der Weg gewesen war. Dort hatte es wie ein Moment ausgesehen. Hier aber…

Es war alles anders. Die Pflanzen – ganz anders. Das Land war anders, der Ozean war fort. Er wusste, dass der Ort der selbe sein musste, aber die Zeit … die Zeit musste sehr, sehr weit entfernt sein. Und die Körper waren anders, schwer zu kontrollieren. Es kostete Kraft, hier, in diesem die Kontrolle zu behalten. Nein – nicht in DIESEM. Dies war nun SEINER. Dies war nun ER. Und hatte es nicht immer Kraft gekostet, ER zu sein?

Aber er war so schwach, so schwach.

Er hatte die kleinen Wesen, die in der Lage waren, eines zu sein, sich einem Willen zu unterwerfen, und das war gut. Wie ein Gruß aus der Welt, die er kannte, ein Anker von Wirklichkeit zu Wirklichkeit. Er würde sie unterwerfen, sich dienstbar machen, denn es gab sehr, sehr viel zu tun.

Das Buch. Sie hatten ihn mit einem Buch gerufen. Das war der üblichste Weg, und das war gut, er war womöglich zu schwach für Kompliziertes. Doch er brauchte das Buch. Und er musste dafür sorgen, dass seine Ankunft unbekannt blieb. Es mochte auch sein, dass es auch hier Wissende gab. Nicht dieser, dessen Ruf er gehört hatte, der war kein Wissender. Der hatte den Ruf getan, nicht aus Ehrfurcht und Stärke, sondern aus Dummheit und Eitelkeit. Auch das war nicht neu, es war wieder und wieder geschehen, wie schon die Alten Herrscher, die Meister des Großen Krieges, ihm berichtet hatten. Immer wieder. Aber er wäre lieber auf vorbereitete, demütige und wissende Diener gestoßen. Dann wäre es mit der Schwäche nicht so schlimm gewesen.

Er musste schnell, schnell Stärke gewinnen.

Dann die Sklaven herbeirufen.

Mehr Stärke gewinnen.

Und dann das Buch.

Und dann Alles!

Im Wald gegen 22.45 Uhr

Maike, Bastian, Sascha, Simon, Tanja und Markus waren auf dem Rückweg zum Garten. Sie waren in grandioser Stimmung und das lag, wie Maike zufrieden diagnostizierte, nicht am Dope. Na ja – nicht nur jedenfalls. Sascha hatte ein Riesen-Geheimnis darum gemacht, warum er mit ihnen in den Wald gehen wollte, dann hatte er die Joints gezückt und lang und umständlich erklärt, was er da doch für einen tollen Laden in Vlissingen ausgegraben hätte, und wie cool die Leute dort doch seien, und so weiter, und so weiter. Maike hatte nicht gesagt, dass sie den Laden kannte, mit einer der Frauen die dort arbeiteten – Tine – sogar befreundet war, wenn auch hauptsächlich auf Facebook-Basis. Wozu Saschas Show zerstören? Bastian schien bereit, ihn trotz allem ebenso zu bewundern wie vor 15 Jahren, und sie hatte Bastian zu lieb, um ihm jetzt schon klar zu machen, was leider offensichtlich war: Das Sascha eine Luftnummer war, eine Hippieshow für Leute, die sowas interessant fanden. Wozu irgendwen ärgern? Sie waren alle so nett und freundlich und fröhlich, wozu die Stimmung versauen?

Saschas panisches Gesicht allerdings, als Simon sich als Polizist geoutet hatte, war unbezahlbar gewesen. Es hatte Simon einige Mühe gekostet, Sascha den Unterschied zwischen Dienst und Privat zu erklären und auch einen Joint abzubekommen. Maike lachte über die Erinnerung. Simon war völlig in Ordnung. Alle waren sie in Ordnung. Genau wie damals, nur entspannter. Bei Justus hatte sie ein wenig das Gefühl, dass er sich nicht ganz entspannen konnte. Sie hatte neulich einen Bericht über ihn gelesen ohne, dass ihr klar gewesen war, von wem sie gelesen hatte. Da er in Frankreich lebte, hatte sie gedacht, es ginge um irgendeinen Franzosen. Als sie dann vorhin herausgefunden hatte, dass es um DEN Justus ging, den, den sie von früher gekannt hatte, war sie ganz erstaunt gewesen und hatte ihn gleich in ein Gespräch darüber verwickelt. Und wie schnell er aufgetaut war, wie freundlich und aufgeschlossen er plötzlich sein konnte. Das war schön gewesen. Er war eben doch in Ordnung. Wie alle hier.

„Sie machen die Feuer an! Schaut mal!“, rief Simon und deutete aufgeregt auf das Ufer, das sich rechts von ihnen erstreckte. Dann begann er zu kichern. „Tolle Feuer, was?“

Maike sah ebenfalls hin. Stimmt, da brannten zwei kleine Lagerfeuer. Simon kicherte immer noch. Aber es war ansteckend, und so lachte sie auch.

„Ja, klasse. Wie früher, echt. Wollen wir hin?“

Sie wollten gerade loslaufen, als Maike über sich, auf der Böschung im Wald, eine Gestalt sah. Sie beschattete die Augen gegen das flackernde Licht der Feuer.

„Christoph? Bist Du das?“

Im Wald, gegen 22.45 Uhr

Er zog sich schnell in den Schatten der Bäume zurück. Eines hatte ihn gesehen, ein Weibliches, wie er dem Klang der Stimme nach vermutete. „Christoph“, soviel wusste er sicher, war der Name dessen, der den Körper bewohnt hatte.

„Hey, Christoph?“

Er versuchte eine Antwort, aber es kam nur ein kollerndes Grollen heraus. Er hatte die Sprache gelernt, in dem Moment, als er angekommen war, aber der Gebrauch des Körpers, war nicht einfach. Dennoch…

„Ja!“

Erfolg! Es ging doch.

„Kommst Du mit uns? Wir wollen zum Garten zurück, zum See. Chris hat die Feuer angemacht.“

Er erwog kurz einen Angriff, entschied sich dann aber dagegen. Dort unten waren mindestens Vier von ihnen, wahrscheinlich mehr. Er war nicht sicher, dass seine Kraft dafür ausreichen würde. Oder nein – er war sicher, dass sie nicht ausreichen würde.

„Nein!“

„Aber was…“

Er hatte eine Idee und probierte sie aus.

Der Körper stieß einen hohen, giggelnden Laut aus. Er wurde mit ähnlichen Lauten von unten beantwortet. Diesmal sprach eines der Männlichen.

„Ach so. Alles klar, viel Spaß Euch beiden. Komm, Maike.“

Am See, gegen 23.15 Uhr

Chris sah immer wieder unruhig zum Wald hinüber.

„Wir wollten doch nach ihm suchen, Philip.“

Philip, der damit beschäftigt war, Britts Anwesenheit zu genießen, die neben ihm verträumt ins Feuer sah, schaute erstaunt auf.

„Hm?“

„Wegen Christoph. Ich dachte…“

„Oh, habe ich Dir das nicht gesagt?“ Er schlug sich an die Stirn. „Tut mir leid Chris. Markus und Tanja haben ihn getroffen. Am rechten Ufer, im Wald.“

„Echt? Wann?“

„Vor ’ner halben Stunde oder so.“

„Und, wie ging es ihm?“

Philip zuckte mit den Schultern. „Ganz normal, wohl. Markus hat jedenfalls nichts besonderes bemerkt. Frag ihn doch.“

Chris lief zu dem anderen Lagerfeuer hinüber. Dort saßen Markus und Tanja, Simon, Maike, Bastian, Sascha. Khan hatte sich ihnen angeschlossen. Maike winkte und lachte. Chris ließ sich neben ihr nieder.

„Philip sagt, Ihr habt Christoph getroffen?“

Markus und Sascha lachten, Maike zwinkerte Tanja zu.

„Ja, haben wir“, sagte sie.

„Und? Ich meine… wo ist er denn jetzt?“

Maike lachte. „Ich weiß nicht, wo er jetzt ist. Aber er war nicht alleine.“

„Ich glaube, es war Rena“, sagte Markus.

„Nee“, sagte Chris, „die ist im Garten. Seid Ihr wirklich sicher?“

„Absolut“, sagte Tanja. „Also“, sie knuffte Markus spielerisch, „nicht was Rena betrifft. Aber es war Christoph. Und es war jemand bei ihm.“

„Okay. Und er kam Euch nicht irgendwie… irgendwie komisch vor?“

Sie sahen sich ratlos an.

„Nein“, sagte Maike. „Gar nicht. Wieso?“

„Ist egal.“ Chris lachte, legte sich entspannt auf den Rücken und sah in die Sterne. „Alles ist gut.“

Im Wald, 23.45 Uhr

Sie hatten sich in eine Grube in der Uferböschung gekuschelt, die Körper ineinander gelegt. Auf der anderen Seite des Sees brannten die Feuer. Stephan glaubte fast, auch Musik herüber wehen zu hören, aber das war nicht möglich. Doch andererseits… was sollte nicht möglich sein?

„Es ist anders, jetzt“, sagte Kat nach einer Weile leise. Es waren die ersten artikulierten Worte nach langer Zeit. „Besser. Ich fühle mich richtig, bei Dir.“

Er nickte nachdenklich. „Es ist auch egal, was früher war. Jetzt ist jetzt.“

„Ja“, sagte sie, legte die Lippen an seinen Hals und küsste ihn. Stephan schauderte .

„Hmmmmm…“

„Du kannst mehr davon haben.“ Sie lachte leise. „Massenhaft.“

„Oh ja.“ Er löste sich sanft von ihr. „Aber jetzt muss ich mal eben hoch in den Wald.“

Kat lachte. „Ich werde warten.“

Stephan lief den kleinen Pfad hinauf und ging ein Stück in den Wald hinein, pinkelte, kam zurück und er war fast schon am Eingang zum Pfad angelangt, als er sie schreien hörte. Zweimal. Laut. Und fast nicht menschlich, zuerst dachte er, es sei irgendein Nachtvogel. Aber. Etwas. War. Mit.

Kat!

Er rannte. Für einen Moment war er sich seiner Nacktheit, seiner Verletzlichkeit, völlig bewusst, dann war der Moment vergangen und er rannte, um Kat zu retten, denn jemand musste sie retten, sonst hätte sie nicht so geschrien, und…

… er rannte die letzten Schritte den Pfad hinunter und kam um die kleine Kurve, und…

…dort lag Kat am Boden und jemand kauerte über ihr und es war Christoph, was machte denn Christoph hier und was war mit Kat, und …

…Christoph hielt etwas in der Hand und Stephan erkannte den Stein, den harten, flachen, großen, schweren Kiesel, der ihn damals so schmerzhaft in den Musikantenknochen gestochen hatte und…

… der Stein war rot, nein schwarz, schwarz in der Dunkelheit, doch Stephan wusste, dass er rot war, den Kats Kopf, das geliebte Gesicht unter den braunen Locken war…

…zerstört.

Stephan stürzte sich mit einer Schnelligkeit und Kraft auf Christophs Körper, die dessen Beherrscher niemals erwartet hatte. Nicht von einem dieser plumpen Wesen. Nicht direkt nach einer Paarung. Aber Stephan war verzweifelt und halb wahnsinnig vor Trauer und Schrecken. Und er kämpfte gut.

Der andere erhob sich, schaffte es gerade noch, die Faust mit dem Stein darin zu heben, als Stephan hart und mit beiden Händen zuschlug, gegen Handrücken und ins Gelenk. Der Stein flog dem anderen aus der Hand. Stephan verschwendete keine Zeit damit, ihm nachzusehen, sein Fuß traf den anderen direkt über dem Knie, und er hatte alles Gewicht in den Stoß gelegt. Etwas in dem Knie barst, während Stephan Fäuste in schneller Folge Christophs Gesicht trafen, wieder und wieder, ein Auge schlossen, die Nase brachen. Und dann, als der andere völlig verwirrt war von diesem plötzlichen Hagel, öffnete Stephan die Faust. Sein linker Arm schloss sich um Christoph Nacken, die blutverschmierte rechte Hand holte kurz aus, und kam dann zurückgeflogen, und sie trafen Christophs Kehlkopf mit zerstörerischer Wucht.

Stephan ließ von seinem Feind ab, keuchend, während dieser auf das unverletzte Knie sank, das linke Bein komisch abgespreizt und mit flackernden Augen nach Luft rang. Stephan wandte ihm den Blick wieder zu, dabei schnell über Kat hinwegfliegend. Dafür würde später Zeit sein, gleich, wenn …

… und er sah, dass es kein Später geben würde. Er begriff es nicht. Aber er verstand, was es bedeutete. Christophs Körper erhob sich wieder. Unsicher, denn das Bein war noch verletzt. Der Kehlkopf aber war völlig unversehrt. Nicht geprellt und nicht geschwollen. Und dann belastete er das Bein, das eben noch nutzlos gewesen war. Das konnte nicht sein. Und doch …

Stephan kämpfte weiter, mit all seinem Zorn und all seiner Angst und all seiner Liebe, aber es reichte natürlich nicht. Schließlich sank er neben Kat zu Boden. Zu dem Zeitpunkt konnte er schon nicht mehr sehen. Aber seine Hand fand ihr Haar. Dann kam der Stein. Und dann kam die Dunkelheit.

FORTSETZUNG FOLGT

Über Mountfright

Autor und Öffentlichkeitsarbeiter, Mann und Vater, Leser und Filmfreak. Kindheit in den 1970ern, weswegen mich bis heute seltsame Musik mit Ohrwürmern plagt. Aufgewachsen in den 80er Jahren, einem Jahrzehnt, das nicht halb so grau war, wie die anderen glauben. Erste Kurzgeschichte mit 13, erster echter Romanversuch (nach pubertären Ausfällen) mit 17, die nachfolgende Schreibblockade habe ich mir mit Songtexten für die Kölner Psychobillyband "Boozehounds" vertrieben. Danach ging es wieder: Erster lesenswerter Roman mit 26, seither nicht mehr aufgehört.
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