schreckenbergschreibt: Quarantänegeschichte Nr. 38 – Der Ruf, Teil 13

Schön, dass Ihr da seid. Lasst mich die Geschichte vom Ruf weiter erzählen. Die 13 bringt den meisten meiner Figuren kein Glück, heute verkleinert sich die Partygesellschaft radikal.

Flocke – die hier zu meiner großen Freude eifrig kommentiert (und bisher die einzige mit Chancen auf einen Preis im Gewinnspiel ist, wenn sie herausfindet, wer die fünfte Figur ist 😉 ) – sprach vorgestern von „Kanonenfutterfiguren“. Ja, der Eindruck ist angebracht, wenn eine Geschichte mit einem großen Pool an Charakteren startet, den ich dann stark ausdünne. Ich kann Euch nur versprechen: Das ist bei mir nie so. Auch wenn Ihr in der Kürze der zur verfügung stehenden Seiten oft nicht die Gelegenheit habt, alle gut kennen zu lernen, ich kenne sie alle. Ich kenne die Geschichte und das Wesen jeder einzelnen Figur und in der Regel wünsche ich keiner davon den Tod. Ich muss sie umbringen (wie auch im „Finder“ und in den „Nomaden“), weil die Geschichte es verlangt. Aber da ich ein Discovering Writer bin, wenn ich Romane schreibe, weiß ich meist vorher nicht genau, wen es erwischt und wer durchkommt. Und es tut mir um die allermeisten leid. Auch hier.

Der Ruf – Teil 1, Hintergrund, Rechte

Der Ruf – Teil 2

Der Ruf – Teil 3

Der Ruf – Teil 4

Der Ruf – Teil 5

Der Ruf – Teil 6

Der Ruf – Teil 7

Der Ruf – Teil 8

Der Ruf – Teil 9

Der Ruf – Teil 10 (mit Gewinnspiel)

Der Ruf – Teil 11

Der Ruf – Teil 12

Der Ruf – Teil 13

2

HÖLLE

Im oberen Zimmer, gegen 08.00 Uhr

Philip wachte davon auf, dass Britts Knie sich unsanft in seinen Oberschenkel bohrte. Noch schlaftrunken rieb er sich die schmerzende Stelle, schlug die Augen auf und stellte fest, dass er nicht mehr müde war. Er versuchte, sich so vorsichtig aus dem Schlafsack zu schälen, dass er sie nicht weckte, aber das gelang natürlich nicht. Britt murmelte ungehalten, atmete dann zweimal tief und öffnete die Augen einen Spalt. Philip lächelte sie an.

„Hallo, Schönheit.“

„Hallo. Müssen wir aufstehen?“

„Wir müssen gar nichts. Aber ich bin jetzt wach. Bleib ruhig noch liegen.“

Sie schüttelte den Kopf und krabbelte aus dem Schlafsack. „Nee, besser ich stehe auch auf. Ich habe keine Lust, die ganze Party zu verpennen.“

Er lachte, zog die Vorhänge auf und das hereinfallende Morgenlicht erhellte den Raum. Britt zog ein T-Shirt über und wühlte in ihrem Rucksack nach Duschzeug.

„Ich gehe nochmal unter die Dusche“, kommentierte sie.

Philip nickte. „Gute Idee. Werde ich gleich auch machen.“

Sie sah ihn eine Weile an . „Du kannst ja mit mir kommen.“

Er überlegte einen Augenblick und schüttelte dann den Kopf. „Sonst jederzeit gerne, aber… ich weiß nicht, ob…“ Er brach ab und sah sie verwirrt und verlegen an. Britt lachte nahm ihn in den Arm und streichelte ihm durchs Haar.

„Du bist süß.“

Er zuckte mit den Schultern. „Es ist ein bisschen blöd. Aber hier… Ich will es nicht verderben, Britt.“

Sie drückte ihn noch einmal. „Ich auch nicht.“ Sie war schon fast draußen, als er sie noch einmal ansprach.

„Britt?“

Sie drehte sich zu ihm um. „Ja?“

„Wir haben doch Zeit, oder?“

Sie war gerührt. „Ja, haben wir.“

Dann ging sie durch die Tür, begann mit tänzelnden Schritten den Flur entlang zu laufen, sobald sie außer Sicht war, hüpfte fröhlich die Treppe hinunter ins Erdgeschoss und schwebte in Richtung Bad.

Philip sah ihr eine Weile nach, nachdem sie durch die Tür verschwunden war und begann dann, Kleidung und Duschutensilien aus seinem Rucksack zu klauben. Er war gerade dabei, den Schlafsack zum Lüften auszubreiten, als Britt wieder durch die Tür kam, mit nassen Haaren und in einem schlichten, khakifarbenen Kleid.

„Ist die Dusche frei?“ fragte er.

„Ja. Die frühstücken alle schon. Gibt es hier irgendwo ‘ne Steckdose?“

Er zog den Vorhang zur Seite. „Hier.“

„Ich warte hier auf Dich, okay?“

„Du kannst ruhig schon mal runter gehen.“

Sie grinste ihn fröhlich an. „Ich will aber nicht ohne Dich.“

Als Philip unter der Dusche stand, verliebt und mit dem Kaffeeduftin der Nase, der ihm aus der Küche entgegen geweht war, war er sicher, dass es kaum einen perfekteren Beginn für einen Tag geben konnte.

Im Wald, gegen 08.45 Uhr

Ulf und Rena streiften durch den Wald auf der Suche nach der Weinflasche, die sie vor 15 Jahren vergraben hatten. Sabine hatte sich, wieder ernüchtert, als langweilig erwiesen und wollte lieber frühstücken.Ulf und Rena hatten ihren toten Punkt lange überwunden. Eigentlich hatten sie die Flasche auch erst nach dem Frühstück suchen wollen, aber über das Bier und ihre vielen Gespräche, Gespräche über ihre Jugend, über alles was sie gewollt, gehofft, gewonnen und verloren hatten, war die Flasche irgendwie immer wichtiger geworden. Also hatten sie schnell einen Kaffee aus der ersten Kanne genommen und waren in den Wald gegangen. Jetzt waren sie etwa auf der Mitte zwischen ihrem und dem gegenüberliegenden Ufer und wurden sich bewusst, dass sie nicht die geringste Ahnung hatten, wo sie suchen sollten. Aber irgendwie hatten sie die gemeinsame Gewissheit entwickelt, dass sie die Stelle schon finden würden. Irgendwie.

Es war Rena, die sie schließlich fast gefunden hätte. Sie hatte sich ein wenig zurückfallen lassen, weil sie den Eindruck hatte, den starken Eindruck, sich an diesen Teil des Waldes zu erinnern. War das da nicht die Buche, über deren Wurzeln sie damals gestolpert war? Ulf suchte derweil weiter vorne.

Sie ging auf den Baum zu.

Genau.

Und dahinter müssten ein paar Birken zu sehen sein.

Richtig.

Sie ging weiter in den Wald hinein. Dort war eine weitere, große Birke.

Genau.

Und dahinter waren wieder zwei Buchen und dann…

Sie spürte ein Kribbeln an ihren bloßen Beinen und sah erstaunt nach unten.

„Was ist das denn?“, sagte Rena.

Ulf ging ein ganzes Stück weiter bis er bemerkten, dass da niemand mehr hinter ihm war. Er drehte sich erstaunt um.

„Rena?“

Der Weg hinter ihm war leer.

„Wo bist Du?“, fragte er perplex.

Er begann, den Weg zurück zu gehen.

„Hallo?!“, rief er. „Rena! Wo bist Du!“

Er machte auf gut Glück einige Schritte vom Weg, in den Wald hinein.

„Hast Du was gefunden? Wo bist Du?“

Der Boden bewegte sich unter ihm. Er geriet ins Schlingern, ruderte mit den Armen und schaffte es gerade, das Gleichgewicht zu halten. Ulf sah nach unten und sah die Ameisen. Und dann schrie er.

Bis sie seinen Mund füllten.

Im Garten, gegen 09.00 Uhr

„Schon wieder alle?“ Chris schüttelte die Thermoskanne, das geringe Gewicht und das ärmliche Plätschern im Inneren sprachen ein deutliche Sprache. Sie seufzte.

„Ich gehe eben rein und hole neuen.“

„Quatsch.“ Bastian stand ebenfalls auf. „lass mich gehen, ich…“

Sie winkte lachend ab. „Nee, ich mach das schon. Ihr könnt Euch ja in der Zeit weiter Künstlergeschichten aus dem Ardéche anhören.“ Sie zwinkerte Justus zu.

Maike lachte. „Ich finde es interessant was Du erzählst, Justus. lass Dich nicht ärgern.“

„Ich finde es auch interessant“, sagte Chris grinsend. „Aber es macht Spaß ihn zu ärgern.“ Damit zog sie ab in Richtung Haus.

Justus seufzte und brachte ein Lächeln zustande. Sie hatte Recht: Die meisten hier waren wirklich freundlich. Damit hatte er nicht gerechnet. Er hatte feststellen müssen, dass die meisten wirklich erwachsen geworden waren, tolerant, interessiert. Er hatte es eben nicht mehr mit pubertierenden Kindern zu tun. Das gefiel ihm.

Chris traf in der Küche auf Markus, der immer noch die Kaffeemaschine bediente. Britt und Philip standen bei ihm, je eine Tasse in der Hand, plaudernd. Britt nahm einen Schluck und nickte Markus zu. „Der Kaffee ist wirklich lecker.“

„Wann seid Ihr aufgewacht? Am See meine ich“, fragte Chris.

Philip überlegte kurz. „Halb Fünf, sowas. Wir sind dann hier hoch gegangen, weil es uns unten zu hell war.“

Chris nickte. „Ich weiß. Und? Ausgeschlafen jetzt?“

Britt lachte. „Na ja, so halbwegs.“

Markus tippte auf die Kaffeekanne. „Eigentlich müsstet Ihr draußen genug Nachschub haben“, meinte er, zu Chris gewandt. „Tanja ist eben mit einer von diesen Riesenkannen zu Euch raus. Bist Du ihr nicht begegnet?“

Chris schüttelte den Kopf. „Wahrscheinlich sind aneinander vorbeigelaufen.“

„Ist Christoph wieder aufgetaucht?“, fragte Philip. „Oder Kat und Stephan?“

„Nein.“ Chris seufzte.

„Okay“, sagte Philip. „Lasst uns nachher mal nach ihnen schauen, oder?“

Chris und Britt nickten, Chris sah erleichtert aus.

„Gut“, sagte Britt, „Nur noch kurz was essen, und dann können wir…“

Sie verstummte und lauschte mit offenem Mund. Sie hörten es alle im selben Moment – das Brummen. Leise zunächst, dann immer weiter anschwellend, erst dröhnend, dann immer höher und lauter, mit einem anwachsenden, wie hysterischen Sirren darin.

„Was ist das?“, fragte Philip.

„Es kommt vom Garten“, sagte Chris und war schon unterwegs. Britt und Philip folgten ihr. Markus wollte hinter ihnen herlaufen, entschied dann aber, sich zuerst um den Kaffee zu kümmern.

Als Chris, Britt und Philip auf die Terrasse liefen, standen die anderen Gäste erstarrt und sahen verwirrt in Richtung Wald, von wo das Geräusch kam. Hier draußen war es noch lauter, ein Summen, Sirren und Brummen in allen Tonhöhen. Es wurde lauter und lauter, kam näher und näher. Philip lief über die Veranda hinweg auf die Wiese, registrierte unbewusst, dass Chris und Britt neben ihm liefen, und dann sah er es.

Sie kamen über den Garten, eine gewaltige, brausende, braungraue Welle, die sich über den Bäumen am Rande des Gartens erhob und dann niederschlug. Es waren hauptsächlich Wespen, doch auch Hornissen und Bienen und diesmal waren es Zehntausende. Sie kamen von allen Seiten über den Garten und die Menschen darin, sie fielen vom Himmel und quollen zwischen den Bäumen hervor. Ihnen folgten die Ameisen, langsamer und stiller flossen sie aus dem Wald heraus.

Zuerst starben die, die sich hinter den Schuppen zurückgezogen hatten, um die Dunkelheit und Ruhe zu nutzen und noch ein oder zwei Stündchen Schlaf zu erhaschen. Sie hatten nicht einmal die Zeit, aufzustehen, geschweige denn, einen Gedanken ans Rennen zu verschwenden. Eine Wolke aus Wespen und Hornissen brach zwischen den Bäumen hervor. Von den Ameisen, die kurz darauf achtlos über sie hinweg strömten, merkten sie nichts mehr.

Die Menschen im Garten rannten um ihr Leben auf das Haus zu, durch die Wolken wütender Insekten, die einen nach dem anderen fällten. Justus erreichte die rettende Terrassentür als erster, dicht hinter ihm stolperte Sabine ins Wohnzimmer. Auf ihrem linken Arm saßen zwei Wespen, die wieder und wieder stachen. Sie schrie, obwohl sie vor lauter Entsetzen keinen Schmerz spürte, und schlug immer wieder auf die Tiere ein, bis sie als Chitinklümpchen von ihrem Arm fielen. Sie rappelte sich auf und sah Justus an der Tür stehen.

„Mach zu!“, schrie sie und rannte auf ihn zu. „Mach die Tür, zu, sie kommen rein, mach die Scheiß Tür zu, Du Idiot, mach die Tür…“

Er schubste sie weg. „Die Anderen!“, herrschte er sie an, während Maike hereinlief, „Die Anderen müssen rein kommen!“

Sabine fiel zu Boden. „Nein“, jammerte sie, „nein, nein, nein.“

Sie rannten um ihr Leben und die Schnellen und Geistesgegenwärtigen waren im Vorteil, doch es war der Zufall, der entschied. Oder das Schicksal. Martina hatte nie Chance, obwohl sie schon rannte, als die meisten noch gebannt auf die Flutwelle aus kleinen Körpern starrten, die sich über den Bäumen erhob. Sie sah die ersten Insekten aus dem Wald schießen und ihr Instinkt übernahm das Kommando. Sie drehte sich um und begann zu laufen, doch sie wusste es vom ersten Moment an, wusste, dass sie keine Chance hatte, wusste, dass sie zu nah am Wald und zu weit vom Haus entfernt war. Sie war auf dem Weg zum See gewesen, und hatte die Wiese schon fast hinter sich gelassen. Zu weit. Viel zu weit.

Dennoch rannte sie, und sie war eine gute Läuferin, sie hatte den halben Weg zur Terrasse schon zurückgelegt, als sie sie stellten. Sie schrie auf, stolperte und fiel und sie sanken auf sie herab.

Auch Chris rannte auf das Haus zu und wusste, dass sie es nicht erreichen würde. Eine Wespe setzte sich auf ihre Wange und stach sie, sie wischte sie weg und rannte weiter, ohne Chance. Sie war mit Philip und Britt aus dem Haus gekommen, aber sie war weiter gelaufen als die beiden, nun würde die Neugierde ihr Verhängnis werden. ‚Curiosity killed the cat‘, dachte sie hysterisch, ‚was für ein Witz, was für ein beschissener Witz, was für ein…‘

Jemand riss sie am Arm, so heftig, dass sie fast gestürzt wäre. Es war Simon, der im Laufen an ihr zog. Sie sah ihn verständnislos an.

„Hier lang“, rief er atemlos, „komm hier lang, Chris, zur Sauna, komm!“

Sie verstand und rannte mit ihm. Zum Haus würde sie es nicht schaffen, aber die Sauna war näher, die Sauna…

…war direkt vor ihr. Simon riss die Tür auf und sprang hinein, sie folgte ihm, drehte sich um und wollte gerade die Tür schließen, als sie Sascha sah. Er taumelte auf die Sauna zu, Wespen saßen auf seinem Kopf, viele Wespen, aber nicht so viele, dass sie ihn töten konnten, sie bereiteten ihm nur entsetzliche Qualen. Er stolperte auf die Tür zu und Chris nahm seine Hand und zog ihn hinein. Und während Simon den brüllenden Sascha geistesgegenwärtig zur Duschkabine zog und die Wespen auf seinem Kopf mit einem scharfen Schwall Wasser bekämpfte, sah Chris, warum Sascha nicht von einem größeren Schwarm zu Fall gebracht worden war. Die Masse der Tiere, die hinter ihm her gewesen waren, hatten sich auf Andreas gestürzt, der ebenfalls auf dem Weg zur Sauna gewesen war. Andreas… er hatte ihr gestern ein Geschenk gegeben, das sie noch gar nicht ausgepackt hatte, weil wieder neue Gäste gekommen waren. Dann hatte sie ihn nochmal am See gesehen, und dann? Sie wusste es nicht. Jetzt aber lag er am Boden, er musste gestolpert sein und sie fielen über ihn her, doch er kroch immer noch auf die Sauna zu, langsamer werdend. In sein Gesicht waren sie noch nicht gekrabbelt, und so sah Chris die Tränen, die über seine Wangen liefen während sein Mund vor sich hinbrabbelte. Sie sah, dass er sie auch sah, dass er sie erkannte, dass er sie um Hilfe anflehte, und sie konnte ihm nicht helfen. Sie konnte nicht hinaus zu ihm, und er konnte die Sauna nicht erreichen. Weinend schloss Chris die Tür.

Britt und Philip liefen auf die Terrassentür zu. Sie hatten einen kurzen Weg und waren so gut wie am Ziel, als Britt über eine lose Bodenplatte stolperte. Sie stürzte hart und schlug sich ein Knie auf. Philip hörte sie schreien und drehte sich um. Wenige Meter über ihr bildete sich eine kleine, dichte Wolke aus Wespen. Er schrie ihren Namen. Sie sah auf, sah ihn und die Tiere, die sich sammelten.

„Lauf!“, schrie sie, während sie langsam, viel zu langsam versuchte sich aufzurappeln. „Lauf!“

Bastian rannte am Tisch vorbei auf Britt zu, er erkannte, was geschehen würde und packte sie unter einem Arm. Er hatte am anderen Ende der Terrasse begonnen zu laufen, und mit dem Schwung seines Anlaufes riss er Britt hoch, rannte noch ein paar Schritte, schleuderte sie durch die Tür und sprang selbst hinterher. Philip gewann die Kontrolle über seinen Körper zurück, während der kleine Schwarm, der sich über Britt gebildet hatte ins Leere stieß, drehte sich zur Tür und stolperte die letzten Schritte in Sicherheit.

Frank kam mit langen Schritten aus der Mitte des Gartens und hatte die Terrasse gerade erreicht, als Britt stürzte. Er sah ihren Fall, hörte die Schreie, das Summen von überall her, doch nur gedämpft, der Fokus seiner Wahrnehmung hatte sich verschoben, und sein Schritt wurde langsamer, ohne dass er es bemerkte. Britts kurzes Kleid war hoch gerutscht, als sie gefallen war. Als Philip sie rief, drehte sie sich zu ihm, wodurch es noch ein wenig nach oben geschoben wurde, und Frank konnte ihr Höschen sehen. Er war stehen geblieben, doch er wusste es nicht. Was er wusste war, dass Britt einen weißen Slip trug, einen weißen Slip mit Spitze vorne, er konnte ihr Schamhaar erahnen und vielleicht konnte er ihre…

Schmerzen! Rasende Schmerzen überall, er vergaß Britt, vergaß ihre nackten Beine und den weißen Slip mit Spitze, er wollte wieder rennen, aber es war zu spät. Auf den ersten Steinplatten der Terrasse fiel Frank zu Boden und er schrie, bis sie ihn in die Zunge stachen und den Rachen und den Hals.

Markus hörte Tanja schreien, er erkannte ihre Stimme sofort. Er war aus der Küche gekommen, als die Schreie begonnen hatten und hatte völlig verwirrt mit angesehen, wie erst Justus und Sabine, dann Maike und dann kurz hintereinander Britt, Bastian und Philip herein gekommen waren. Und dann hörte er Tanja.

Sie rief um Hilfe.

Er sah durch das Terrassenfenster, wie eine dichte Kugel aus Insekten neben dem gemauerten Grill über sie her fiel.

Sie schrie.

Markus gab einen gurgelnden Laut von sich und sprang vorwärts. Niemand bemerkte ihn, alle waren entweder mit ihren Verletzungen beschäftigt oder starrten gelähmt auf die Hölle, die im Garten tobte. Es war Maike, die ihn stoppte und ihm das Leben rettete. Sie hockte in der Nähe der Tür am Boden und blickte starr auf Tanja, als sie Markus herankommen hörte. Sie verstand sofort, was er vorhatte, schnellte nach oben, rammte ihn mit der Schulter wie ein Rugbyspieler und brachte ihn zu Fall.

„Nein!“, brüllte er verzweifelt. „Tanja!“

Aber inzwischen hielten Philip und Bastian ihn gemeinsam mit Maike am Boden. Er gab auf, als er Tanja am Grill zu Boden gehen sah. Er gab auf und blieb schluchzend liegen. Maike streichelte ihn unglücklich. Philip hob schwer atmend den Blick und sah Justus an, der durch die immer noch offene Tür starrte. Draußen erhoben sich die Wespen von den Toten und Sterbenden. Niemand lief mehr, die Jagd war vorbei. Und etwas anderes kam über die Wiese wie ein wachsender, schwarzer, öliger Teppich.

„Justus!“, krächzte Philip. „Justus, mach die Tür zu! Schnell!“

Justus erwachte aus seiner Trance und riss die Schiebetür ins Schloss.

FORTSETZUNG FOLGT

Über Mountfright

Autor und Öffentlichkeitsarbeiter, Mann und Vater, Leser und Filmfreak. Kindheit in den 1970ern, weswegen mich bis heute seltsame Musik mit Ohrwürmern plagt. Aufgewachsen in den 80er Jahren, einem Jahrzehnt, das nicht halb so grau war, wie die anderen glauben. Erste Kurzgeschichte mit 13, erster echter Romanversuch (nach pubertären Ausfällen) mit 17, die nachfolgende Schreibblockade habe ich mir mit Songtexten für die Kölner Psychobillyband "Boozehounds" vertrieben. Danach ging es wieder: Erster lesenswerter Roman mit 26, seither nicht mehr aufgehört.
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35 Antworten zu schreckenbergschreibt: Quarantänegeschichte Nr. 38 – Der Ruf, Teil 13

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  2. Flocke schreibt:

    Nr. 5 lebt… wie war das? Ja, ich geh noch mal in mich… 🙂 Aus deinem Kommentar schließe ich mal messerscharf, dass ich mit dem letzterem falsch lag.

    „Kanonenfutterfiguren“. Ja, der Eindruck ist angebracht, wenn eine Geschichte mit einem großen Pool an Charakteren startet, den ich dann stark ausdünne. Ich kann Euch nur versprechen: Das ist bei mir nie so. Auch wenn Ihr in der Kürze der zur Verfügung stehenden Seiten oft nicht die Gelegenheit habt, alle gut kennen zu lernen, ich kenne sie alle. Ich kenne die Geschichte und das Wesen jeder einzelnen Figur und in der Regel wünsche ich keiner davon den Tod. – Das paßt schon, ist ja auch dein verdammter Job als Autor (grins), aber ich (immer ich persönlich) als Leser werde mit Kanonenfutter nicht wirklich warm oder wie hier, habe ohne Glossar schlicht keinen Überblick. Immer wieder tauchen Namen auf, bei denen ich nicht weiß, wo die jetzt auf einmal herkommen? Langsam fange ich an, Justus zu mögen, den ewigen Aussenseiter… Aber es ist eine Horrorgeschichte, alles gut soweit. Die Braven werden durchkommen.
    Liebe Grüße,
    Flocke

    P.S. Ich bin aus obigen Gründen auch erst ab Staffel 5 so richtig bei GoT eingestiegen, da ich vorher als Nicht-Buch-Leser einfach nicht wusste, wer warum gegen wen… Danach war das Personal ein wenig übersichtlicher. Aber mittlerweile habe ich auch da alles von Anfang bis Ende gesehen und die Personalschlacht ergab mehr oder weniger Sinn.

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