schreckenbergschreibt: Die Umweltsau, der Hühnerstall und der Shitstorm

Eigentlich ist ja zum so genannten „Omagate“ schon alles gesagt. Was die Empörten angeht, so ist es fast tröstlich anzunehmen und zu hoffen, dass sie einfach nicht sinnentnehmend lesen oder hören können. Aber natürlich war es nicht so. Der Shitstorm, inklusive Demonstration von Faschisten vor dem WDR, Morddrohungen und Anprangern von Einzelpersonen und weinerlichem Einknicken der windelweichen Demokraten war eines von vielen Beispielen dafür, wie die Rechte in diesem Land immer wieder erfolgreich die Debatte an sich zieht und bestimmt.

Für mich ist bei alldem besonders verstörend, wie wenig die Eliten dieses Staates – führende Politiker*innen und Medienvertreter (ohne *innen, ich meine den Herrn Buhrow schon persönlich) – offensichtlich von Sozialen Medien verstehen. Wer Ende der 2010er Jahre immer noch glaubt, es bei einem solchen Shitstorm mit einem Ausdruck der Empörung einer breiten Bevölkerungsschicht zu tun zu haben, ist entsetzlich naiv. Wo waren diese Leute in den letzten 10 Jahren? Und wenn sie es selbst nicht verstehen – was haben die für Berater? Und das sage ich gar nicht als Ex-PR-Profi – ich habe meine Abschied von der PR ziemlich genau zu dem Zeitpunkt genommen, als die Sozialen Medien da begannen, richtig relavant zu werden. Es ist eher der Historiker in mir, der die Parallelen sieht – wieder gibt es eine „neue“ (also… offenbar immer noch neu für Leute, denen das echt nicht neu sein dürfte) Form der massenwirksamen Propaganda, mit der die alten Eliten nicht umgehen können, und der sie hilflos gegenüber stehen. Wie kann das sein? Wie darf das sein?

An all jene, die immer so gerne Sonntagsreden von der wehrhaften Demokratie schwingen: Sucht Euch Berater*innen, die Soziale Medien, Junge Menschen, außerparlamentarische Bewegungen (konstruktive wie destruktive) und all die anderen Dinge verstehen, die Euch so lange egal waren und die Euch jetzt wieder und wieder überrollen, mit einer neuen großen Überraschung jeden Monat. Hört auf sie. Lernt. Oder geht weg von den Hebeln der Macht, das ist kein Spielzeug für bräsige alte Leute. Heute nicht mehr.

Über Mountfright

Autor und Öffentlichkeitsarbeiter, Mann und Vater, Leser und Filmfreak. Kindheit in den 1970ern, weswegen mich bis heute seltsame Musik mit Ohrwürmern plagt. Aufgewachsen in den 80er Jahren, einem Jahrzehnt, das nicht halb so grau war, wie die anderen glauben. Erste Kurzgeschichte mit 13, erster echter Romanversuch (nach pubertären Ausfällen) mit 17, die nachfolgende Schreibblockade habe ich mir mit Songtexten für die Kölner Psychobillyband "Boozehounds" vertrieben. Danach ging es wieder: Erster lesenswerter Roman mit 26, seither nicht mehr aufgehört.
Dieser Beitrag wurde unter schreckenberglebt, schreckenbergschreibt abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s