schreckenberschreibt: Ein Jahrzehnt geht, ein Jahrzehnt kommt

Euch allen ein schönes, glückliches und gesundes neues Jahr – und Jahrzehnt!

Der 1. Januar ist ja normalerweise mein (und nicht nur mein) Rückblick-Ausblick-Tag. Ein Artikel darüber wäre recht kurz: Da 2020 voraussichtlich vor allem wieder ein Drehbuchjahr werden wird, und die entsprechenden Verträge ebenso wie die Gewohnheit der Branche beinhalten, dass man über ungelegte oder auch schon in der Brutphase befindlichen Eier nicht zu detailliert spricht, könnte ich darüber nicht allzu viel sagen, außer: Im Moment schweben drei konkrete Projekte in der Luft, alle sehr vielversprechend, alle in Wien. Sehr unbefriedigend ich weiß, und glaubt mir – ich würde auch gerne mehr darüber reden. 😀 Immerhin: Ich werde wohl in diesem Jahr viel reisen, viel schreiben und würde Euch bitten, viele Daumen zu drücken.

Über das vergangene Jahr kann ich immerhin sagen, dass es ein sehr erfolgreiches Heldt-Jahr war. Die siebte Staffel wird gerade ausgestrahlt, Sarah und ich haben dafür die Folge „Der Mann aus Wien“ geschrieben, die sowohl beim Team als auch bei den Zuschauern sehr gut angekommen ist. Die achte Staffel wird, so weit ich weiß, im Herbst dieses Jahres ausgestrahlt, diesmal sogar mit zwei Episoden von uns. In Hinsicht auf neue und schwebende Projekte war 2019 ebenfalls ein sehr gutes Jahr – die Saaten, von denen ich hoffe, dass einige dieses Jahr aufgehen, habe ich letztes Jahr gesäht.

Aber in der vergangenen Nacht ist ja nicht nur ein Jahr gegangen, sondern ein ganzes Jahrzehnt. Und das war für mich ein sehr, sehr bedeutendes Jahrzehnt. Privat in vieler Hinsicht (allein, dass ich vor zehn Jahren noch drei kleine Kinder hatte und jetzt mit drei jungen Erwachsenen unter einem Dach lebe, über die ich sehr glücklich bin). Am Entscheidensten – auch für viele private Veränderungen – war aber wohl, dass dies mein erstes Jahrzehnt als professioneller Schriftsteller beziehungsweise Autor war.

Im November 2010 ist „Der Finder“ erschienen, mein erster Roman. Das war nicht der Moment, der mich zu Schriftsteller gemacht hat. Schriftsteller bin ich seit 1984, als ich meine erste Kurzgeschichte geschrieben habe. Und als Geschichtenerzähler wurde ich geboren. Aber zum ersten Mal waren zwei Verlage (die erste Auflage des Finders ist noch in Kooperation von JUHRVerlag – heute JUHRmade – und Gardez!Verlag erschienen) bereit, ein wirtschaftliches Risiko einzugehen, um meine Geschichten unter die Leute zu bringen. Denn das ist es, was eine(n) professionellen Autor(in) ausmacht – nicht nur, Geschichten zu erzählen, sondern sie mit Hilfe von Geschäftspartner*innen zu verbreiten, um davon zu leben.

Ich habe nie den Fehler gemacht, die Veröffentlichung meines ersten Romans als Endpunkt zu sehen. Obwohl er das auf eine gewisse Art war – davor lagen 12 Jahre, in denen ich immer wieder erfolglos versucht habe, meine Romane und Kurzgeschichten an den Mann, respektive den Verlag zu bringen. Aber viel mehr als ein Ende war er ein Beginn – danach kamen vier weitere Romane, viele Kurzgeschichten, viele Lesungen und schließlich die Drehbücher, eine noch einmal andere und sehr faszinierende Art zu erzählen. Und natürlich sind diese zehn spannenden, schönen, glück- und erfolgreichen Jahren über und über voll gewesen mit Rückschlägen, Selbstzweifeln, Ängsten, Verzweiflung und Unsicherheit. Aber so funktionieren Künstler.

All das wäre niemals möglich gewesen ohne drei Menschen, dich ich immer als meine „Erstleser“ bezeichne – die lächerlichste Untertreibung und versteckteste Liebeserklärung, die es gibt:

Stefan, mein bester Freund, der seit 20 Jahren mein Verbündeter und Begleiter als Geschichtenerzähler ist. Er ist ein verdammtes Mulititalent, vor allem Musiker aber auch Autor und Zeichner. Und in allem wirklich sehr gut. Wir haben uns fast ein Jahrzehnt lang jede Woche getroffen, neu geschriebene Seiten ausgetauscht, über unsere Geschichten diskutiert und sehr viel Spaß dabei gehabt. Aber eben nicht nur das – diese Autorenfreundschaft gibt mir bis heute unglaublich viel Sicherheit. Und ich habe in unseren Gesprächen so viel über mich und meine Art zu schreiben gelernt, dass ich nicht ermessen kann, wie es ohne dies gewesen wäre.

Was Sarah mir ist kann ich in einem Wort nicht ausdrücken. Freundin, Reise- und Jagdgefährtin in der Zone, Vertraute, Co-Autorin, Spiel- und Sparringspartnerin… Wir haben uns 2003 in einem Online-Forum für Menschen kennengelernt, die gerne schreiben, uns zunächst kurz angeblafft um dann festzustellen, dass wir uns allerbestens verstehen. Wir haben unsere Texte besprochen und ein paar Jahre später habe ich ihr empfohlen, Drehbuch zu studieren, was man – ausgehend von der Tatsache, dass wir heute einiges gemeinsam schreiben und sie mich in ihr berufliches Netzwerk genommen hat – als sehr langfristigen genialen Plan deuten könnte. War es aber nicht, so genial bin ich nicht. 😀 Wir sind zwei Künstlermenschen, die sich verstehen, ergänzen, stärken, helfen. Dabei arbeiten wir übrigens sehr unterschiedlich, und wenn wir als Autorenduo unterwegs sind (was bei uns beiden nur den kleineren Teil unserer Arbeit ausmacht) müssen wir uns häufig zusammenraufen. Aber darum geht es gar nicht. Ob wir gemeinsam oder alleine arbeiten – wir wissen immer, dass wir die Reise in die „Zone“ (also jene seltsame und gefährliche Welt, in der wir unsere Geschichten finden) nicht alleine machen müssen. Und es ist gut, dort nicht alleine zu sein.

Nichts von alledem worüber ich hier schreibe gäbe es ohne Claudia, meine Frau. Ohne sie wäre ich nicht nur nicht der Autor der ich bin – ich wäre nicht einmal der Mensch. Ich habe keine Ahnung, was ohne sie aus mir geworden wäre. Sicherlich etwas weniger Gutes. Als wir vor fast 29 Jahren ein Paar geworden sind, hatte sie vielleicht ein ganz kleines bisschen eine Ahnung davon, auf was sie sich einlässt. Sie ist auch Künstlerin (Musikerin) und sicher erkennen wir einander. Aber was dabei wirklich herauskommt… Mit mir zu leben ist, vorsichtig gesagt, nicht einfach. Claudia hat mich immer bedingungslos (ja, wirklich) unterstützt und gestärkt, hat an mich geglaubt, mir geholfen, hat Opfer gebracht, aus Liebe zu mir, und weil sie eben an mich geglaubt hat und glaubt. Letztlich hat sich alles zum Guten gewendet – aber das wusste sie nicht, als ich sie gebeten habe, mir sieben Jahre zu geben. Sieben Jahre in denen ich versuche, als Autor Fuß zu fassen – und dazu unsere Kinder und den Haushalt zu bändigen – während sie draußen in der Welt jeden Tag ihren Job macht, um diese Familie zu ernähren. Und das wußte sie auch nicht, als aus den sieben Jahren acht, neun, zehn und mehr wurden. Ich habe keine Ahnung, warum immer an mich geglaubt hat, auch in den finstersten Zeiten, aber sie war und ist immer da. Und dabei ist sie gottlob nicht kritiklos – sie schwärmt mich nicht an und findet alles toll was ich mache. Ich kann mich darauf verlassen, dass ich Gegenwind bekomme, wenn ich ihn brauche – ebenso, wie ich mich jederzeit bei ihr in Sicherheit bringen und nach Hause kommen kann. Und bei all dem bietet sie mir immer wieder – auch nach 29 Jahren – neue Erfahrungen, spannende Erlebnisse, Spaß, Glück und Freude. Das Leben mit Claudia ist niemals langweilig. Ich lache sehr gerne mit ihr. :-*

Ja, ich weiß, ein wenig sentimental das alles, aber es ist der Rückblick auf ein für mich immens wichtiges und aufregendes Jahrzehnt. Da darf ich schon mal die Menschen feiern, die mit mir dadurch gegangen sind – drei meiner sechs Lieblingsmenschen (und zur Entstehung der anderen drei habe ich direkt beigetragen). Ich möchte meine lieben Erstleser bitte behalten dürfen, für die ganzen restlichen Jahrzehnte, die da noch kommen.

Über Mountfright

Autor und Öffentlichkeitsarbeiter, Mann und Vater, Leser und Filmfreak. Kindheit in den 1970ern, weswegen mich bis heute seltsame Musik mit Ohrwürmern plagt. Aufgewachsen in den 80er Jahren, einem Jahrzehnt, das nicht halb so grau war, wie die anderen glauben. Erste Kurzgeschichte mit 13, erster echter Romanversuch (nach pubertären Ausfällen) mit 17, die nachfolgende Schreibblockade habe ich mir mit Songtexten für die Kölner Psychobillyband "Boozehounds" vertrieben. Danach ging es wieder: Erster lesenswerter Roman mit 26, seither nicht mehr aufgehört.
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