schreckenbergschaut: FNHF Teil 5 – Phantasm

Phantasm
(USA 1979)

Drehbuch: Don Coscarelli
Regie: Don Coscarelli

Es gibt mehrere verschiedene Schnittversionen dieses Films, ich bespreche die FSK 16 Version. Wie Ihr hier überprüfen könnt, besteht der Unterschied zur ungeprüften Version vor allem in der Intensität des Blutgespritzes und in Jodys kleiner „aim to kill“ Rede. Nichts, was den Film in der Substanz verändern würde. Im Deutschen hat der Film den unglaublich kreativen Titel „Das Böse“. No comment…

Ah!“ höre ich die Nostalgiker rufen, und „Oh, jetzt bespricht der aber ein Meisterwerk. Das ist aber kein simpler Freitagsnachmittagshorrorfilm, alleine schon die Musik… und die Sphären… und der Tall Man.“
Ja, liebe Nostalgiker, ich kann Euch ja verstehen. Ich bin zwar ein klitzekleines Bisschen zu jung um den Film im Erscheinungsjahr gesehen zu haben, aber bald darauf, in den 80ern, wurde er natürlich auch mir zum prägenden Horrorfilmerlebnis. Keine Ahnung, wer mein jugendliches Gemüt damit verdarb, aber Ah! Die Musik! Und Oh! Der Tall Man! Und Fump! bzw. Srsrsrsrsrt! Die Sphären!
Aber sonst… seien wir ehrlich – Meisterwerk ist anders. Beginnen wir aber – für alle vor 1969 und nach 1979 geborenen – mit dem

Inhalt

Öhm… schwer. Den Inhalt zu erzählen und nicht zu spoilern ist schwer. Den Inhalt zu erzählen und sich nicht zu verzetteln ist ebenso schwer, denn die Geschichte besteht aus sehr vielen sehens- und erzählenswerten Episoden, die jede für sich besser sind als der ganze Film. Ich versuche es trotzdem mal, also:

Teenie Mike (A. Michael Baldwin) hat es nicht leicht. Seine Eltern sind bei einem Unfall gestorben und er lebt nun bei seinem älteren Bruder Jody (Bill Thornbury), der zwar ein netter Kerl ist, aber als Vaterersatz ziemlich ungeeignet. Außerdem sterben in der kleinen Stadt, in der die Brüder und ihr Kumpel. Eisverkäufer Reggie (Reggie Bannister) leben erstaunlich viele Menschen. Als Mike nach einer der häufigen Beerdigungen sieht, wie der Friedhofswärter – aka The Tall Man (Angus Scrimm) – einen Sarg auf höchst erstaunliche Weise verlädt ist sein Misstrauen geweckt. Er forscht weiter und findet heraus, was im Kolumbarium des Friedhofes wirklich vor sich geht, kann eben noch dem Tall Man und seinen fliegenden Kugeln (den Spheres) entkommen und nimmt gemeinsam mit Reggie, Jody und Sally (Lynn Eastman), der Enkelin der örtlichen Wahrsagerin, den äußerst blutigen und verlustreichen Kampf gegen DAS BÖSE auf, bis zum… tja… „Ende“. Ob das Ende so gewollt war, Coscarelli nichts besseres eingefallen ist oder das ohnehin schon schmale Budget einfach aufgebraucht war, wer weiß. Man kann dieses Ende für sehr tiefsinnig und bedenkenswert halten, für eine Gedankennuss zum darauf herumkauen. Und da ich den Film doch ziemlich mag… sehe ich es mal so.

Urteil

Wie gesagt – ich mag den Film. Er strotzt von guten (und nachher oft kopierten!) Ideen, die Atmosphäre im Kolumbarium ist ein Lehrbuchbeispiel dafür, wie man Atmosphäre im Film gefälligst zu kreieren hat, der Tall Man ist wirklich, wirklich gruselig und die Filmmusik von Fred Myrow und Malcolm Seagrove zeigt sehr schön, was in den 70ern möglich war, als der Synthesizer noch etwas für Leute war, die gerne experimentierten. Der Film hat viel Gutes, wirklich.

Andererseits… diese aufgesetzten Schockeffekte, diese andauernden Verfolgungsjagden (damit meine ich nicht die Verfolgungsjagden mit den Sphären, die sind gut, aber die anderen… eher nicht), diese Logiklücken, dieser komisch verknüpfte Plot… wie gesagt, Meisterwerk geht anders. Aber hier geht es ja eben nicht um Meisterwerke, sondern um Freitagsnachmittagshorrorfilme. Und als solcher ist „Phantasm“ wirklich gut. Schickt also alle Zartbesaiteten und Kinder (!!!!) aus dem Raum, verdunkelt die Fenster, versetzt Euch zurück in Eure Pubertät, macht Euch klar, dass Don Coscarelli ein ziemlich guter Regisseur ist und dass man von so jemandem ja nicht auch noch ein anständiges Drehbuch verlangen kann und genießt… DAS BÖÖÖÖÖÖSE!

Und die Musik!

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Über Mountfright

Autor und Öffentlichkeitsarbeiter, Mann und Vater, Leser und Filmfreak. Kindheit in den 1970ern, weswegen mich bis heute seltsame Musik mit Ohrwürmern plagt. Aufgewachsen in den 80er Jahren, einem Jahrzehnt, das nicht halb so grau war, wie die anderen glauben. Erste Kurzgeschichte mit 13, erster echter Romanversuch (nach pubertären Ausfällen) mit 17, die nachfolgende Schreibblockade habe ich mir mit Songtexten für die Kölner Psychobillyband "Boozehounds" vertrieben. Danach ging es wieder: Erster lesenswerter Roman mit 26, seither nicht mehr aufgehört.
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