schreckenbergschaut: Fantasy Filmfest 2016 – 1

Seit 2004 besuchte ich jedes Jahr – mit einer Ausnahme, 2014 – das Fantasy Filmfest in Köln. Und jedes Jahr nehme ich mir wieder vor, über die Filme, die ich gesehen habe, zu bloggen (bzw., bevor ich diesen Blog hatte, in den Foren in denen ich unterwegs bin/war darüber zu schreiben). Mit Ausnahme des ersten Jahres, in dem ich nur drei Filme auf meiner Liste hatte, bin ich kläglich gescheitert. Aber das ist ja kein Grund, es nicht wieder zu versuchen, zumal das FFF dieses Jahr 30jähriges Jubiläum feiert. Außerdem ist heuer wieder Sarah an meiner Seite, was a) auch den Konsum eher mittelmäßiger Filme zu einem Spaß machen kann und b) in mir die Hoffnung nährt, dass ich jemanden habe, die mich in den Hintern tritt wenn ich säumig beim Bloggen bin.

Da ich letztes Jahr (wie üblich), entgegen meinen guten Vorsätzen nicht über das FFF gebloggt habe möchte ich kurz etwas vorausschicken, bevor ich zu den Filmen komme:

Seit 2015 findet das Festival in Köln nicht mehr im Cinedom, sondern im Residenz statt. Gleichzeitig folgte die Umstellung von je zwei Filmen gleichzeitig auf einen zur Zeit. Ich kenne die Hintergründe nicht, vermutlich war die Entscheidung teilweise notgedrungen, nichtsdestotrotz: Sie war weise! Das Residenz ist mit Abstand das schönere Kino, und gerade wenn man das FFF zu zweit besucht, wie Sarah und ich traditionellerweise, dann ist es angenehm, nicht dauernd durch die Programmplanung getrennt zu sein, sondern die Filme gemeinsam genießen (oder erleiden) zu können.

Ich schimpfe im kleinen Kreis, wenn ich über das Programmheft rede, jedes Jahr wieder über die Festivalleitung, hier sei mal ganz klar gesagt: Die Richtungsentscheidung „Wechsel ins Residenz und nur ein Film gleichzeitig“ hat dem Fantasy Filmfest gut getan und als Fan des FFF bin ich dankbar dafür. 🙂

Okay, ab jetzt geht es um die Filme, daher hier nun eine

+++ SPOILERWARNUNG +++ SPOILERWARNUNG +++ SPOILERWARNUNG +++

 

 

 

 

Eigentlich startete das Festival schon am Donnerstag, für uns begann es aber gestern mit:

The Ones below (GB 2015)
Drebuch und Regie: David Farr

Da wir eben beim Thema Festivalprogramm waren… Ich zitiere:

„Ein hervorragendes Skript und tolle Schauspieler machen THE ONES BELOW zu einem versierten Psychothriller, der es schafft, das Gefühl wachsender Bedrohung ins Unerträgliche zu steigern und der immer wieder mit subtilen Wendungen verblüfft.“

Die Schauspieler sind wirklich gut, insbesondere David Morrissey und Stephen Campbell Moore. Clémence Poésy und Laura Birn fielen dagegen etwas ab, was ich aber eher auf das Drehbuch schiebe, das die beiden mit klischeehaften Rollen belastet hat. Das Drehbuch selbst aber…

Also sagen wir so: Es gibt Schlechteres. Kürzlich las ich einen Krimi*, den eine Fenrsehkritik als „genial gebaut“ bezeichnete. Nun ja… wenn man es genial findet, dass ein Autor sich so lange in seiner Geschichte verrennt, bis er am Ende keine Wahl mehr hat, als einer Nebenfigur eine Vision als entscheidenden Hinweis anzudichten, dann ja.

So absurd doof ist „The Ones below“ nicht, aber von subtilen Wendungen und Verblüffung kann auch keine Rede sein. Ich habe selten einen dermaßen vorhersagbaren Film gesehen. Nach dem ersten Drittel spätestens war klar, wie es ausgehen würde. Zwanzig Minuten vor dem Ende wußte ich, wie die Schlußszene aussehen würde, Sarah war noch besser, sie sagte sogar den Schlussatz korrekt voraus. Und wir haben beide, im Gegensatz zu manchen Krimifiguren, keine Visionen, wir haben nur ein wenig Erfahrung mit Filmen und Geschichten. Gut… wir schreiben sie auch. Aber das wir hier genau wußten, was kommen würde, das lag nicht daran, dass sie Drehbücher schreibt und ich Romane. Wirklich nicht.

Ein wenig überrascht waren wir nur davon, dass David Farr diese vorhersehbare Geschichte wirklich so durchgezogen und auf jede Überraschung konsequent verzichtet hat. Das war dann doch verblüffend.

Die Geschichte selbst: Ein Paar freut sich in seiner Londoner Stadtwohnung (ja, okay, die war toll und ich bin neidisch) auf das erste gemeinsame Kind. In die Wohnung unter ihnen zieht ein Paar, dessen weiblicher Part ebenfalls schwanger ist. Die (unteren) beiden sind zuerst sehr freundlich, erweisen sich dann aber als zunehmend creepy, und als die untere Frau ihr Kind durch einen Unfall verliert geschieht genau das, was ihr jetzt vermutet.

 

Den nächsten Film sah ich alleine, während Sarah las und im Kölner Sommerabend ihrer Neugier frönte (wie sage ich jetzt nicht, denn womöglich decke ich sonst Staatsgeheimnisse auf 😀 ). Das Werk hieß:

Abattoir (USA 2016)
Drehbuch: David Schow, Teddy Tenenbaum und Christopher Monfette
Regie: Darren Lynn Bousman

Zum Inhalt: Ähm…

Also… Eine der Hauptfiguren knödelte und nuschelte derartig amerikanisch (Südstaaten? Ich weiß es nicht.) herum, dass ich zum ersten mal seit bestimmt 25 Jahren eine englische Originalversion teilweise nicht verstanden habe. Aber das ist meine Unzulänglichkeit, nicht die des Films. So weit so zugegeben. Ansonsten:

Julia (Jessica Lowndes) ist a) Journalistin und b) arm dran, denn sie war, nach einem anonymen Anruf, erste am Tatort des Mordes an ihrer Schwester und deren Familie. Sowas muss man erstmal verarbeiten. Sie verarbeitet es durch Recherche, denn: Kurz nach dem Mord ist das Zimmer ihres Neffen, in dem das Massaker statt fand, aus dem Haus verschwunden, regelrecht rausgerissen. Sie gräbt und findet heraus, dass das zum einen nicht der einzige Fall eines verschwundenen Mordzimmers war und dass alle Fälle zurückführen an den Ort, aus dem sie selbst stammt und zu einem geheimnisvollen Mordschauplatzaufkäufer namens Jebediah Crone (Dayton Callie). Sie macht sich also auf nach „New English“, erst vefolgt dann begleitet von ihrem treuen Freund und Beschützer, Cop Grady (Joe „Knödelstimme“ Anderson).

Bis dahin ist die Geschichte hübsch spannend (und erfreulich wenig splatterig, btw), danach rutscht sie erstmal ins Klischeehafte, mit unfreundlichen Kleinstadtleuten und creepy alten Damen und einem dämonenhaften älteren Herrn. Wobei hier: Großer Applaus für Dayton Callie und John McConnell (als Sheriff McDermott), die aus ihren Standardrollen wirklich rausholen was raus zu holen ist. Das Finale ist dann einerseits eher unlogisch inklusive Deus-ex-Machina (warum schießt Julias Mutter zum Schluß? Und wo kommt sie plötzlich her?), zeigt mir andererseits das konsequenteste (wenn auch nicht gruseligste) Spukhaus der Filmgeschichte. Oder… hm… vielleicht ist es doch, einen Gedanken weiter, sehr viel gruseliger als es auf den ersten Blick aussieht.

Die Idee dazu ähnelt sehr der aus einer meiner Lieblingsgeschichten von Clive Barker (In the Flesh), wobei es durchaus sein kann, dass hier zwei Autoren unabhängig voneinander den selben Gedanken hatten.

Was die (gröbsten!) Logiklöcher betrifft, für die unter Euch, die den Film (ge)sehen (haben): Kann mir jemand sagen, was die Einwohner von New English für ihren Deal bekommen haben? Okay… kann sein, dass Jebediah sie getäuscht hat, was ein schönes Motiv wäre, aber warum folgen sie ihm dann noch so fanatisch? Und, etwas banaler: Woher zum Teufel wissen Julia und Grady so genau, wo in diesen riesigen Wäldern sie suchen müssen und wie kommen sie so schnell da hin?

Heute sehen wir The Girl with all the Gifts. Ich bin gespannt. Das Programmheft sagt unter anderem: „Basierend auf dem Bestseller von M.R. Carey, entpuppt sich THE GIRL WITH ALL THE GIFTS als faustdicke Überraschung.“ Wir werden sehen…

 

 

 

 

 

 

 

 

* Einige von Euch wissen vielleicht, dass ich derzeit in meiner Eigenschaft als Jurymitglied des Friedrich-Glauser-Preises viele Debutkrimis lese – von denen ist hier KEINER gemeint.

 

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Über Mountfright

Autor und Öffentlichkeitsarbeiter, Mann und Vater, Leser und Filmfreak. Kindheit in den 1970ern, weswegen mich bis heute seltsame Musik mit Ohrwürmern plagt. Aufgewachsen in den 80er Jahren, einem Jahrzehnt, das nicht halb so grau war, wie die anderen glauben. Erste Kurzgeschichte mit 13, erster echter Romanversuch (nach pubertären Ausfällen) mit 17, die nachfolgende Schreibblockade habe ich mir mit Songtexten für die Kölner Psychobillyband "Boozehounds" vertrieben. Danach ging es wieder: Erster lesenswerter Roman mit 26, seither nicht mehr aufgehört.
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Eine Antwort zu schreckenbergschaut: Fantasy Filmfest 2016 – 1

  1. Sarah Wassermair schreibt:

    Ja, der war schon… erstaunlich… vorhersehbar. Also wirklich so vorhersehbar, dass ALLES andere eine Überraschung gewesen wär am Schluss.

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