schreckenbergschaut: Fantasy Filmfest 2016 – 3 Bergfest Teil 1

Obwohl das Fantasy Filmfest in Köln noch bis zum kommenden Sonntag geht, hatten Sarah und ich gestern schon Bergfest. Ich habe 11 Filme auf der Karte und sah gestern die Nummern 4, 5 und 6, Sarah will sieben Vorstellungen sehen und hatte gestern die dritte und vierte.  Ah, Moment, erstmal die:

+++ SPOILERWARNUNG +++ SPOILERWARNUNG +++ SPOILERWARNUNG +++

Oder, wenn man so will – ich habe 19 Filme im Plan und sah gestern Nummer 4 – 14. Denn der erste Termin für mich war:

Get Shorty

die traditionelle Kurzfilmvorstellung beim FFF. In die musste ich alleine, denn nachdem Sarah und ich bei den Fantasy-Filmfest Nights 2015 zusammen „German Angst“ gesehen haben, hat sie den Kurzfilmen beim FFF abgeschworen. Mit Recht – German Angst ist völlig überschätzter Mist, und ich schäme mich bis heute, die Drehbuchautorin des mehrfach preisgekrönten „Spitzendeckchen / Vienna waits for you“ (den ihr Euch hier ansehen könnt) da rein geschleift zu haben. Ich musste sie auch wieder rausschleifen, BEVOR sie Fragen an die anwesenden Filmschaffenden stellen und damit eine Schlägerei anzetteln konnte. Ich meine… wir waren von Fans umzingelt und wären, so rein optisch, mit den ersten 20 wohl fertig geworden, danach aber der Masse erlegen. Da wollte ich mich lieber mit ihr in die nächste Pizzeria setzen und sie langsam runterkühlen. 😀

Aber das nur am Rande. Hier geht es nicht um Sünden der Vergangenheit sondern die diesjährige Get-Shorty-Auswahl.

Ich will und kann hier nicht alle neun Kurzfilme ausführlich besprechen. Einer (Arcana) war wirklich so erstaunlich blöd, dass er einen Platz in German Angst verdient hätte, wenn er nicht aus Portugal wäre. Nein, viel Ekel macht noch keinen guten (Kurz)Film. Nimmt man mal den Ekelfaktor raus war die Handlung auf dem dramaturgischen Niveau von „Ein Mann isst einen Apfel – ENDE“. Verschwendete Lebenszeit in Reinform.

Zwei Filme (Decorado und Interesting Ball) waren hübsch anzusehen, teilweise witzig und sehr surreal. Oder wirr. Oder ich bin zu doof. Wie auch immer. Jedenfalls wäre ich bereit, sie mir beide nochmal anzusehen oder sie mir auch erklären zu lassen. Seltsam. Aber nicht schlecht.

Drei Filme (Kookie, Twenty Forty Three und Uncanny Valley) fand ich… nett. Die Grundidee war bei allen Dreien etwas unoriginell, aber sie hatten alle auch ihre Momente. Kookie hat ein sehr süßes Ende, Uncanny Valley ist zwar vorhersehbar, aber als Dystopie gut und konsequent gedacht. Besonders gut hat mir der Schluß von Twenty Forty Three gefallen, weil die Drehbuchautorin / Regisseurin Eugenie Muggleton den Mut hatte, auf das plakative und vorhersehbare Ende zu verzichten und stattdessen ein zumindest offenes, wenn nicht happy End(e) zu schreiben. Yep, dazu gehört Mut, gerade in diesem Genre.

Drei Filme haben mir wirklich gut gefallen:

Growing Pains ist eine hinreißend anmierte Werwolf-Liebesgeschichte, mit einem sehr schüchternen Werwolf, einem sexy-liebenswerten Love-Interest und einer übelst bigotten Mutter. Ich mag den ganzen Film und ich mag auch hier den Mut zum Happy End.

Seth ist die sehr, sehr schräge Geschichte eines jungen Mannes der seinen Vater beeindrucken will. Der Film bewegt sich auf Ace Ventura Niveau, und wer darüber die Nase rümpft soll mir erstmal nachweisen, dass er sich „Seth“ ansehen kann, ohne zu lachen. Und ehrlich – manchmal reicht das. Manchmal reicht „einfach nur lustig“, gerade bei einem Kurzfilm. Lachen tut gut. Und wenn dann auch noch die Schauspieler mit sichtbarem Spaß bei der Sache sind und Szenen wie solche dabei herauskommen:

Seth: „My father is hard to impress.“
Vater: (ein Glas Wasser trinkend) „Mmm, this water is tasty.“

dann erfrischt das doch das Herz. Meins zumindest.

Last but absolutely not least: The Black Bear. Erinnert sich noch jemand an „Staplerfahrer Klaus – der erste Arbeitstag„? „The Black Bear“ folgt dem selben Prinzip, nur geht es hier nicht um Arbeitsschutz im Materiallager, sondern um die Sicherheitsvorschriften in einem Nationalpark. Natürlich folgen die Touristen den Vorschriften nicht, und folgerichtig werden sie vom Bären dafür dezimiert. Dass der Bär dabei aussieht wie das Bärenmarke Bärchen macht den an sich schon lustigen Film noch witziger. Well done.

9 Kurzfilme, davon einer doof, zwei aus der Wertung, drei okay und drei sehr gelungen – alles in allem ein guter Schnitt. Mal sehen, vielleicht kann ich Sarah beim nächsten Mal doch wieder überreden… 😉

Morgen folgt der zweite Teil vom Bergfestbericht.

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Über Mountfright

Autor und Öffentlichkeitsarbeiter, Mann und Vater, Leser und Filmfreak. Kindheit in den 1970ern, weswegen mich bis heute seltsame Musik mit Ohrwürmern plagt. Aufgewachsen in den 80er Jahren, einem Jahrzehnt, das nicht halb so grau war, wie die anderen glauben. Erste Kurzgeschichte mit 13, erster echter Romanversuch (nach pubertären Ausfällen) mit 17, die nachfolgende Schreibblockade habe ich mir mit Songtexten für die Kölner Psychobillyband "Boozehounds" vertrieben. Danach ging es wieder: Erster lesenswerter Roman mit 26, seither nicht mehr aufgehört.
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