schreckenbergschreibt: Fiktion und Wahrheit

Nur ein paar kurze Worte zum Fall Relotius (den der SPIEGEL übrigens, wie ich finde, in beispielhafter Transparenz offen legt):

All die, die jetzt sagen: „Na, dann soll er eben Fiktion schreiben, wenn er das so gut kann“, haben wenig Ahnung davon, wie ein(e) Autor(in) fiktionaler Texte arbeitet, der/die seine/ihre Arbeit ernst nimmt. Stichwort Recherche. Wir schreiben unsere Fiktionen so nah wie möglich an der Wahrheit, um eben wahrhaftig zu bleiben, weil eben nicht alles beliebig ist. Selbst von einem Fantasyautor, dessen Hauptfigur ein Waffenschmied ist, erwarte ich, dass er sich mit dem Schmiedehandwerk auseinandersetzt, um keinen Mist zu schreiben. Wenn wir nicht in der Fiktion – und mag sie auch noch so phantastisch sein – wahrhaftig sind, dann geraten unsere Geschichten zu schönen Lügen und Gespinsten.

Relotius hat das Gegenteil getan. Er war in der angeblichen Schilderung der Wirklichkeit unwahrhaftig. Bei dem Talent, dass er offenbar hat, wäre es sicher klüger gewesen, wenn er fiktionale Texte geschrieben hätte. Aber ich vermute, das ließ sein Ego nicht zu. Dass er aber gelogen hat, das macht ihn nicht zu einem von uns Autoren fiktionaler Texte. Das macht ihn nur zu etwas, was auch wir nicht sein wollen: zu einem Lügner.

Über Mountfright

Autor und Öffentlichkeitsarbeiter, Mann und Vater, Leser und Filmfreak. Kindheit in den 1970ern, weswegen mich bis heute seltsame Musik mit Ohrwürmern plagt. Aufgewachsen in den 80er Jahren, einem Jahrzehnt, das nicht halb so grau war, wie die anderen glauben. Erste Kurzgeschichte mit 13, erster echter Romanversuch (nach pubertären Ausfällen) mit 17, die nachfolgende Schreibblockade habe ich mir mit Songtexten für die Kölner Psychobillyband "Boozehounds" vertrieben. Danach ging es wieder: Erster lesenswerter Roman mit 26, seither nicht mehr aufgehört.
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