schreckenbergschreibt: Türchen Nr. 5 – Teamwork 3. Das Ergebnis.

Heute ist wieder ein sehr, sehr voller Tag, ich habe also nicht viel Zeit zum bloggen. Daher widme ich mich ein drittes Mal dem Thema Teamwork. Vorgestern habe ich Euch erzählt, wie ich zu dem Thema „Schreiben im Team“ stehe, gestern habe ich Tipps gegeben, wie das funktionieren kann. Heute liste ich Euch einfach nur mal die Abläufe auf, bis so ein Drehbuch steht und zeige Euch am Ende das Ergebnis.

1.) Ideen finden: Sarah und ich setzen uns zusammen, und überlegen uns drei bis fünf mögliche Geschichten. Das klingt so einfach, ist aber in Wirklichkeit jedes Mal eine gute Woche konzentrierter Arbeit.

2.) Pitche schreiben: Sagen wir, wir haben vier gute Ideen. Jede(r) von uns schreibt zwei Pitche, die wir austauschen, überarbeiten, und dann an die Produktionsfirma schicken. Diese entscheidet gemeinsam mit dem Sender welche(n) davon wir in ein Exposee umsetzen.

In diesem Falle – Heldt, Staffel 7 – haben Sony und ZDF uns wirklich eine Freude gemacht, indem sie sich fürden Pitch „Der Mann aus Wien“ entschieden haben. An der Idee hatten wir von Beginn an eine Menge Spaß, schließlich hatten wir zum Thema Österreichisch-Deutsche-Zusammenarbeit einiges zu erzählen. 😀

3.) Exposee: Auf circa acht bis 15 Manuskriptseiten skizzieren wir in Prosa den Verlauf der ganzen Geschichte, inklusive aller Figuren. Klingt einfach? Ist – für mich jedenfalls – mit der schwierigste Arbeitsschritt, weil wir hier aus einer rohen Idee eine wirkliche Geschichte machen, aus der unsere Leser (Produktion, Redaktion, Headautor) schon die Dramaturgie des kommenden Buches klar erkennen können und auch ein Gefühl für die Atmosphäre und die Figuren bekommen. Das ist wieder gemeinsame Klausurarbeit. Hier beginnt auch schon ein wichtiger Teil der Recherche, denn für den nächsten Schritt, das Treatment, müssen wir all unsere Basisinformationen zusammen haben. Wenn wir fertig geplant haben schreibt eine(r) von uns das Exposee, wir überarbeiten es, etc. – siehe oben. Dieser Teil – Schreiben und Überarbeiten – lässt sich im Gegensatz zur Planung gut via Skype erledigen. Im Anschluss folgt eine Besprechung des Exposees mit Produktion / Redaktion / Headautor und, in der Regel, der Treatmentauftrag. Eine zweite Exposeefassung war, glaube ich, bei bisher vier Büchern nur einmal nötig.

4.) Treatment: Was für Pitch und Exposee auch gilt, gilt für das Treatment verschärft: Wenn A die Menge aller Autor*innen, P die Menge aller Produktionsfirmen und S die Menge aller Sender ist, so gilt die Formel: 0,5A x 0,5P x 0,5S + (Drehbuchliteraturautor*innen + Drehbuchseminare) = Anzahl möglicher Bedeutungen des Begriffs „Treatment“. Wenn Euch also als Treatment etwas anderes begegnet, als das, was ich jetzt beschreibe, nicht wundern. Es gibt da kein „richtig“ oder „falsch“. In unserem Fall ist ein Treatment das Drehbuch, schon in Szenen unterteilt, aber noch ohne Dialoge. Aus einem Exposee ein Treatment zu machen erfordert – bei uns – wieder: In der Planungsphase in Echtzeit zusammensitzen und die Hirne heißlaufen zu lassen, aus einem Gerüst wird eine szenische Geschichte, die sich schon wie die fertige Geschichte anfühlen sollte. Tempo, Atmosphäre, Situationskomik oder -tragik usw. sollten hier schon drin sein. Der- oder diejenige, der/die NICHT das Exposee geschrieben hat, schreibt dann in der Regel die erste Treatmentversion, die wir (nach Überarbeitung, etc.) an die Produktion schicken. Es folgt eine sehr lange und ausführliche Besprechung mit den Großen 3 und in der Regel eine weitere Treatmentversion (wer die schreibt wechselt). Manchmal gibt es nach der zweiten noch weitere Treatmentfassungen, dann folgt der Auftrag, aus dem Treatment ein Drehbuch zu machen.

5.) Drehbuch: Ob wir hier noch einmal eine Klausurphase brauchen hängt davon ab, wieviel wir noch am Treatment ändern müssen. In der Regel geht es ohne. Der- / diejenige, der nicht die erste Treatmentversion geschrieben hat, schreibt üblicherweise die erste Drehbuchfassung. Das bedeutet: Jetzt kommen die Dialoge hinzu, aus der szenischen Geschichte wird die lebendige Vorlage für einen Film (denn auch eine Serienepisode ist ja eine filmisch erzählte Geschichte). Da wir beide die selben Lieblingsfiguren haben ist es tatsächlich nicht so wichtig, wer die erste Version schreibt. Wäre das anders, würden wir die Arbeit wahrscheinlich danach verteilen, wessen Figuren mehr Gewicht haben. Jede Drehbuchversion wird sehr ausführlich mit den Großen 3 (manchmal zuzüglich Regisseur*in) besprochen, wir haben bisher immer mindestens zwei, maximal vier Versionen geschrieben, bis das Drehbuch stand. Danach fängt für die meisten Mitglieder des Filmteams die Arbeit erst an – aber unser Job ist getan. Und so sieht dann zum Beispiel das Ergebnis aus:

HELDT – DER MANN AUS WIEN

https://www.zdf.de/serien/heldt/der-mann-aus-wien-100.html

Über Mountfright

Autor und Öffentlichkeitsarbeiter, Mann und Vater, Leser und Filmfreak. Kindheit in den 1970ern, weswegen mich bis heute seltsame Musik mit Ohrwürmern plagt. Aufgewachsen in den 80er Jahren, einem Jahrzehnt, das nicht halb so grau war, wie die anderen glauben. Erste Kurzgeschichte mit 13, erster echter Romanversuch (nach pubertären Ausfällen) mit 17, die nachfolgende Schreibblockade habe ich mir mit Songtexten für die Kölner Psychobillyband "Boozehounds" vertrieben. Danach ging es wieder: Erster lesenswerter Roman mit 26, seither nicht mehr aufgehört.
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