Das Museum Essentieller Artefakte – Die Kellnerangel

Da kann ich jetzt mal aus Erfahrung sagen: DIESES ARTEFAKT HÄTTE ICH GERNE!
Ich bin seit etwa fünf Jahren regelmäßig in Wien, meine Wiener Kaffeehauserfahrungen sind also ziemlich modern. Und – das sei gleich gesagt – ich LIEBE Wiener Kaffeehäuser (zumindest die, die ich inzwischen regelmäßig frequentiere), weil man da wirklich in Ruhe gelassen wird. Auch, wenn die Tasse schon eine Stunde leer ist. Dieses deutsche „Darf’s noch etwas sein?“, das impliziert: „Und wenn nicht, zahl und geh!“ gibt es da nicht. Sie haben sogar einen Schimpfsatz dafür, den ich aber vergessen habe.
Die Kehrseite: Auch wenn man noch etwas haben möchte, ignorieren sie einen sehr gerne und ausgiebig. Dass sie dabei auch klischeehaft grantig sind habe ich tatsächlich nur einmal erlebt – aber ignoriert werde ich mit Innbrunst. Daher würde ich mir manchmal eine Kellnerangel wünschen.

Der Guppy war's und nicht die Lerche

Ausstellungsstück 983:

Gut erhaltene Wiener Kellnerangel

Die Kellnerangel war ein im 18. und 19. Jahrhundert weit verbreitetes Gerät, um mit der traditionellen Wesensart des Wiener Kaffeehauskellners umzugehen. Da diese vom Lehrlingsalter darauf trainiert werden, Gäste möglichst lange und vehement zu ignorieren (oft mit dem Schlachtruf: „Fragen’S den Kollegen! Das is ned mei Tisch!“), mussten hungrige Gäste oft außergewöhnliche Wege gehen, wenn sie doch irgendwann an ihr Essen und noch später an die Rechnung kommen wollten.

Die Wiener Kellnerangel besteht aus einer auf mehrere Meter ausfahrbaren Stange, an deren Ende ein Haken angebracht ist. Mit diesem onnte man mit einigem Geschick in den gesteiften Kragen des Kellners einhaken und ihn dann zum Tisch zerren. Dort wurde er in der Regel von mehreren Gästen mit vereinten Kräften so lange festgehalten, bis er die Bestellung aufgenommen hatte, ob er wollte oder nicht.

Nachdem es dabei aber immer wieder zu Verletzungen auf beiden Seiten…

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Über Mountfright

Autor und Öffentlichkeitsarbeiter, Mann und Vater, Leser und Filmfreak. Kindheit in den 1970ern, weswegen mich bis heute seltsame Musik mit Ohrwürmern plagt. Aufgewachsen in den 80er Jahren, einem Jahrzehnt, das nicht halb so grau war, wie die anderen glauben. Erste Kurzgeschichte mit 13, erster echter Romanversuch (nach pubertären Ausfällen) mit 17, die nachfolgende Schreibblockade habe ich mir mit Songtexten für die Kölner Psychobillyband "Boozehounds" vertrieben. Danach ging es wieder: Erster lesenswerter Roman mit 26, seither nicht mehr aufgehört.
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