schreckenbergschaut: FNHF Teil 8 – The Frighteners

Gestern habe ich mich von der CRIMINALE verabschiedet – vorerst. Ich bin ziemlich fest entschlossen, die CRIMINALE 2013 in Bern zu besuchen. Jetzt aber hat mich der Blogalltag wieder, und das bedeutet: Freitag = Zeit für den Freitagnachmittagshorrorfilm. Heute beschäftige ich mich mit einem Film der extremen Widersprüche, der in einem Genre anfängt, in einem anderen aufhört, dennoch gar nicht so daneben ist wie das klingt und der, wenn man den Gerüchten glauben darf, Grundlage für eine der größten Literaturverfilmungen der Geschichte war. Ich spreche natürlich von:

THE FRIGHTENERS
(Neuseeland / USA 1996)
Drehbuch: Fran Walsh und Peter Jackson
Regie: Peter Jackson

„Was?!!“ ruft da jemand. „Peter Jackson? Fran Walsh?? Und in der IMDB habe ich gerade gesehen, dass Michael J. Fox die Hauptrolle spielt? Das ist doch kein Freitagsnachmittagshorrorfilm, das ist…“

„…ein Freitagsnachmittagshorrorfilm, dochdoch.“ unterbreche ich. Denn das Team Walsh/Jackson hat nicht mit Werken wie „The Lord of the Rings“ oder „King Kong“ angefangen. Und perfekt sind die auch nicht, ich will ihnen die Elben in Helms Klamm oder  das Gruppenkuscheln der Hobbits in „Return of the King“ und die völlige Verfälschung des Tolkien-Buches am Schluss nicht einfach so verzeihen, auch wenn die Vorlagentreue in „Fellowship“ fast zum Weinen schön war (NEIN ICH HABE DEN DOOFEN TOM BOMBADIL NICHT VERMISST! Nur Hippies vermissen den!!! 😀 ). Äh… wo war ich? Ach ja – The Frighteners. Nicht perfekt, aber ein absolut sehenswerter Horrorfilm und – auch mangels Konkurrenz – ein Genrejuwel in den 1990ern. Worum geht’s?

Inhalt

Ex-Architekt Frank Bannister (Michael J. Fox) ist runtergekommen. Aber sowas von. Seine Frau ist bei einem Autounfall ums Leben gekommen, seither haust er in dem unfertigen Traumhaus, das er ihr bauen wollte. Immerhin hat einen Job, mit dem er sich über Wasser halten kann – Frank kann, seit er traumatisiert ist, Geister sehen und mit ihnen kommunizieren. Er hat sich zwei tote Freunde angelacht,verteilt – gerne auf Beerdigungen – seine Visitenkarte mit der er sich als Geisterjäger ausweist, und sorgt dafür, dass seine Kumpels kurz darauf bei den Empfängern ordentlich spuken, so dass die Akquise ebenso erfolgreich ist wie sie unsympathisch war. Der örtliche Kleinstadtsheriff ahnt zwar, dass da was faul ist, kann aber nichts nachweisen, wie auch – es spukt ja wirklich und Frank macht dem Spuk wirklich ein Ende.

Dann aber beginnen plötzlich reihenweise Menschen zu sterben – und immer ist in ihre Stirn eine Nummer eingeritzt, die blöderweise aber nur Frank sehen kann. Und das trifft ihn sehr persönlich, denn auch seine Frau trug eine solche Nummer. Frank bekommt es mit einem Geist von der ganz üblen Sorte zu tun – und mehr zu verraten hieße, zu spoilern.

Urteil

„The Fighteners“ ist ein guter, sehr gruseliger und spannender Horrorfilm. Die Geistergeschichte ist logisch durchdacht, gut fundiert, die Filmlogik hat keine nennenswerte Lücke. Die Antagonisten – lebend wie tot – sind wirklich böse und erschreckend. Und Frank ist ein sympathischer, vom Leben gebeutelter Kerl, dem wir nur zu sehr wünschen, dass er es schafft, der Gerechtigkeit zum Sieg zu verhelfen (unter den Lebenden wie den Toten) und mit seiner neuen Liebe Lucy in den Sonnenuntergang zu reiten. Ein guter Horrorfilm, wegen der verstörenden Bilder ist FSK 16 angemessen, die FSK 18 Wertung einer der Schnittfassungen finde ich übertrieben.

„The Frighteners“ ist eine leichte Horrorkomödie mit sympathischen Geistern und einem Michael J. Fox in bester Comedy-Form. Ray, der verblichene Mann von Franks neuer Liebe Lucy, ist einer der witzigsten Geister der neueren Filmgeschichte. Ein Spaß für die ganze Familie.

Ihr seht das Problem? Jackson und Walsh konnten sich nicht entscheiden, was für einen Film sie machen wollen, also haben sie gleich beide gemacht und zusammengebastelt. Das haut nicht wirklich hin, obwohl ich zugebe, dass „The Frighteners“ mit Sicherheit so gut ist, wie er unter den gegebenen Umständen sein kann. Der Schrecken ist im ersten (eher witzigen) Teil des Films schon angelegt, und der Humor ist im zweiten (gruseligen) Teil oft weniger unpassend als man glauben sollte. Dennoch – er hat eine Schieflage und er wird sie nie richtig los.

Unter solchen oder ähnlichen Umständen kann selbst ein eigentlich genialer Film nur ein sehr sehr guter Film sein – wie Hitchcocks „Psycho“. Robert Bloch hat mitten im Drehbuch die Hauptfigur gekillt, und danach gibt es keine Identifikationsfigur mehr (wer sich mit Norman Bates identifiziert sollte dringend mal einen Arzt aufsuchen). Nur ein Genie wie Hitchcock konnte diesen Film noch retten.

Jackson ist kein Hitchcock und „The Frighteners“ ist kein potentieller Geniestreich. Also wurde hier aus einem eigentlich sehr guten Horrorfilm ein immer noch absolut sehenswerter FNHF.

P.S.: Die Tricktechnik in diesem Film ist für die Verhältnisse der 1990er allerdings überragend. An der zuständigen Special-Effects-Firma, Weta Digital, ist Peter Jackson beteiligt. Nach den Arbeiten an „The Frighteners“, so Jackson in einem Interview (zu finden im Zusatzmaterial der Sammlerbox mit allen Schnittfassungen), standen die vielen Rechner, die Weta dafür benötigt hatte, herum und hatten sich noch nicht amortisiert. Und da fiel ihm ein, dass er ja schon immer mal dieses berühmte Fantasy-Buch verfilmen wollte, für das man sehr, sehr viel Tricktechnik benötigen würde…

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Über Mountfright

Autor und Öffentlichkeitsarbeiter, Mann und Vater, Leser und Filmfreak. Kindheit in den 1970ern, weswegen mich bis heute seltsame Musik mit Ohrwürmern plagt. Aufgewachsen in den 80er Jahren, einem Jahrzehnt, das nicht halb so grau war, wie die anderen glauben. Erste Kurzgeschichte mit 13, erster echter Romanversuch (nach pubertären Ausfällen) mit 17, die nachfolgende Schreibblockade habe ich mir mit Songtexten für die Kölner Psychobillyband "Boozehounds" vertrieben. Danach ging es wieder: Erster lesenswerter Roman mit 26, seither nicht mehr aufgehört.
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2 Antworten zu schreckenbergschaut: FNHF Teil 8 – The Frighteners

  1. marcusjohanus schreibt:

    The Frighteners ist für mich auch ein Highlight. DIe von dir beschriebene Schieflage kann ich nicht entdecken, für mich sind Horror und Humor nicht unvereinbar. Ich finde eher, dass Frighteners dieser Balanceakt hervorragend gelingt und dass zum Ende hin einem das Lachen ganz schön im Hals stecken bleibt.

    Weiterer Höhepunkt der Rezension: „Tom Bombadil ist für Hippies.“ 😀 Wandert sofort in meinen Zitateschatz.

    • Mountfright schreibt:

      Moin! 🙂
      Nein, unvereinbar sind Horror und Humor absolut nicht – ich nenne nur „Army of Darkness“, „Shaun of the Dead“, „Fido“ und „Tucker and Dale vs. Evil“. Das sind ganz großartige Filme ohne jede Schieflage.

      Ich finde „The Frighteners“ unausgewogen, weil er als Komödie startet und als harter Geisterfilm landet. Natürlich sind da schon am Anfang gruselige Momente mit drin und auch im zweiten Teil witzige – aber diese Teile sind m.E. zu hart abgegrenzt. Unausgewogen angelegt ist auch die Figur des Johnny Bartlett, der einzige Grund, aus dem sie dennoch funktioniert (und gut funktioniert) ist, meiner Meinung nach, dass Jake Busey hier spielt wie ein junger Gott. Das rettet nicht nur die Figur sondern einen guten Teil des Films, denn egal wir lustig der überdrehte Bartlett ist – ich glaube ihm das Monster jede Sekunde. Und egal wie grauenvoll der ist – ich finde ihn ausgesprochen witzig. Etwas mehr von dieser ausgewogenen Mischung hätte dem ganzen Film gut getan.

      Aber falls das nicht richtig rübergekommen ist: Ich mag den Film, sehr sogar. Ich mag alle meine Freitagsnachmittagshorrorfilme, diese ganze Rubrik ist eine einzige große Verteidigungsrede für missverstandene und zu Unrecht oft hart kritisierte Filme (mal mit Ausnahme von „The Haunting“, da kenne ich keine harten Kritiken). 😉

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