schreckenbergschaut: FANTASY FILMFEST 2012 – After

Mal gewinnt man, mal verliert man. Bei der Filmlotterie 6 aus 71, die da heißt „Fantasy Filmfest“ habe ich am Freitag definitiv mal verloren. Und heute, meine Freundinnen und Freunde, heute war ich ein Gewinner. Denn ich sah:

After
(USA 2012)

Drehbuch: John Parish und Ryan Smith

Regie: Ryan Smith

Inhalt

In einem Überlandbus trifft Comiczeichner Freddy die Krankenschwester Anne. Er gräbt sie ein wenig an, Anne ist absolut desinteressiert, aber zu höflich, ihn gleich abblitzen zu lassen, also finden sie heraus, dass sie in der selben Stadt und sogar in der selben Straße wohnen. Von dieser Gemeinsamkeit (die Anne herzlich egal ist) ermutigt, zeigt Freddy ihr einige seiner Zeichnungen, nimmt einen Stift und beginnt, Anne zu zeichnen – was erfolgreich frauenbetörende Comiczeichner sicherlich tun, wenn sie erfolgreich Frauen betören, was bei Freddy aber irgendwie so gar nicht klappen mag, obwohl die Zeichnung ganz hübsch ist und Anne auch gefällt – er bekommt einen sanften aber deutlichen Korb und zieht sich zurück. Im nächsten Moment macht es „WUMM“, wir hören berstendes Metall, und…

…Anne wacht in ihrem Bett auf. Alles nur ein Traum, puh. Aber wir ahnen schon – hier stimmt was nicht. Schon als die sonst offenbar achselhaarrasierte Anne sich über die Hippiefrisur unter ihren Armen wundert ist klar, dass hier etwas völlig gegen die Regeln läuft, und als sie dann in dem Krankenhaus, in dem sie arbeitet, ankommt stellt sie fest: Niemand ist hier. Und nicht nur das Krankenhaus, die ganze Stadt ist leer. Mit einer Ausnahme: Freddy ist noch da, und leicht zu finden, denn er schützt sich mit brüllend lauter Musik vor der Stille ringsum. Aber sonst – nichts. Kein Mensch, kein Tier, kein gar nichts. Und rings um die Stadt eine (verdammt beeindruckende), schwarze Wolkenwand, die näher und näher kommt. Und in dieser Wand ist etwas…

Urteil

Leere Welt, man trifft nur Leute, mit denen man kurz vorher zusammen war… klingt irgendwie vertraut, nicht wahr, liebe Finderfans? Aber keine Sorge – das hier ist eine völlig andere Geschichte als mein „Finder„. Dieses Setting einer völlig menschenleeren Welt ist ja nicht so selten, es berührt offenbar eine Urangst, ich war nicht der Erste, der darüber geschrieben hat und ich werde gewiss nicht der Letzte sein. Es kommt, finde ich, immer auf die dahinterstehende Idee an, und was man daraus macht. Und was John Parish und Ryan Smith hier daraus gemacht haben – beeindruckend. Ich habe sehr früh gedacht, ich wäre den beiden auf die Schliche gekommen (was nicht schlimm gewesen wäre, die Geschichte ist gut genug erzählt, um ihr auch weiter zu folgen), aber – daneben. So einfach ist die ganze Kiste nicht.

Zugegeben – optisch haben sich die Macher dieses Films ein wenig bei andere geliehen, da ist etwas Silent Hill drin und auch ein bisschen Pan’s Labyrinth und ein paar kleine Anspielungen an die Resident Evil Spiele (!) – aber das betrifft die Optik. Die Idee ist gut und nicht geliehen, sehr originell, ein guter Genremix, aus dem schlechtere Autoren ein nervtötendes Wirrwarr gestrickt hätten. Nicht so hier – in After passt alles fein zusammen, es ist eine reine Freude, dieser Geschichte zu folgen.

Schrieb ich „reine Freude“? Na ja – nicht ganz. Wie sagt man so schön: Jeder Film braucht nur EIN Ende. Eins reicht definitiv. Und dieser Film hier hat ein sehr, sehr gutes Ende. Warum es danach unbedingt noch ein paar Minuten weitergehen muss, zu Ende Nr. 2 – keine Ahnung. Oder doch – da hat garantiert jemand, der glaubte es besser zu wissen, den Autoren reingequatscht. „Nee,“ höre ich den Besserwisser sagen, „so geht das nicht Jungs. Das Ende ist nicht schön rund, da bleibt ja was offen. Hört auf meine Erfahrung ((oder mein Geld oder was auch immer)). Macht so ein richtiges, schönes Hollywoodende. Diese Horror- und Fantasyfreaks, die sind doch doof. Die kapieren das sonst nicht.“

Tja, schade. Aber auch nicht tragisch, das kann mir den schönen Film nicht versauen. Wenn es irgend geht, schaut ihn Euch an. Oder kauft die DVD. Es lohnt sich!

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Über Mountfright

Autor und Öffentlichkeitsarbeiter, Mann und Vater, Leser und Filmfreak. Kindheit in den 1970ern, weswegen mich bis heute seltsame Musik mit Ohrwürmern plagt. Aufgewachsen in den 80er Jahren, einem Jahrzehnt, das nicht halb so grau war, wie die anderen glauben. Erste Kurzgeschichte mit 13, erster echter Romanversuch (nach pubertären Ausfällen) mit 17, die nachfolgende Schreibblockade habe ich mir mit Songtexten für die Kölner Psychobillyband "Boozehounds" vertrieben. Danach ging es wieder: Erster lesenswerter Roman mit 26, seither nicht mehr aufgehört.
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