Die Sonntagsfrage: Ist die NATO unbesiegbar?

Kennt Ihr das? Jemand stellt Euch eine Frage, und Ihr glaubt im ersten Moment, darauf eine richtig lange, tiefgehende Antwort geben zu können, die Euch, Euer Wissen, Eure Analysekompetenz und Eure Kreativität so richtig fordert und Euer Gegenüber wirklich bereichert… und dann stellt Ihr fest – nee, ist eigentlich gar nicht so. Willkommen zur heutigen Sonntagsfrage aus dem Sinnfragenkombinator von Pia Frey:

IMG_0262Ist die NATO* ungesiegbar?

Äh….. Niemand ist unbesiegbar**. Falls Ihr das nicht glaubt, fragt mal die Perser.

Damit wäre eigentlich alles gesagt. Es gäbe unendlich viel mehr zum Thema NATO zu sagen, und ich würde es gerne tun (siehe oben), aber es hat nichts mit der Frage zu tun, also lasse ich es. Nur eins noch:

Seltsamerweise stellen viele Medien gerade diese Frage in diesen Tagen wieder ernsthaft. Und sie bemühen dafür das Gespenst einer angeblichen Bedrohung durch einen angeblichen russischen Expansionsdrang in Richtung NATO (Baltikum). Menschen wie mir, die im Kalten Krieg aufgewachsen sind, ist dieses Gespenst nicht neu.

Neu ist hingegen die bestürzende Kriegsgeilheit – oder besser: Krisengeilheit – in vielen Kommentaren und „Analysen“. Bei Licht betrachtet gibt es keinen drohenden Krieg***, jedenfalls nicht für uns, hier im warmen, kuscheligen, natogeschützten Mitteleuropa, nicht jetzt und nicht in naher Zukunft.

Ich vermute (aus der Ferne), dass in der Ukraine ein Bürgerkrieg droht, den die betroffenen Bürger eigentlich gar nicht wollen, aber die fragt ja kaum jemand – und wenn jemand sie fragt, gibt es bestimmt auch jemanden, der die Befragung für null und nichtig erklärt. Und für diesen kommenden Bürgerkrieg haben unsere Leitmedien in der üblichen, stets katastrophal verkürzenden Manier, auch schon die Rollen verteilt: Es gibt Gut und es gibt Böse, wie in jeder leicht verständlichen Geschichte. Mit der Wirklichkeit hat das natürlich nichts zu tun, aber wen interessiert schon die Wirklichkeit?

Aber es könnte ja passieren, dass die Ukrainer sich zusammenraufen und ihre Probleme doch friedlich lösen, wie auch immer. Schön für die Ukrainer und alle friedliebenden Menschen dieser Welt, aber blöd für diejenigen, die jeden Tag ihre Nachrichten mit einer möglichst angstmachenden, spannenden Geschichte füllen müssen. Denn darum geht es ja zunehmend in vielen (!) früher so seriösen Medien: Nicht um Analyse und Bericht, sondern um Storytelling und Spannungsbögen – und natürlich einerseits um Aufmerksamkeit, Sendezeiten und Werbeplätze, andererseits um Einfluss und Einflussnahme. Und da klingt die Schlagzeile: „Ukrainische Konfliktparteien einigen sich auf schwer verständliches, 2377 Seiten langes Kompromissabkommen“ natürlich viel lahmer als: „ALARM! DER IVAN KOMMT ÜBER’N HÜGEL!!!!“

Nur – ob das mit dem Alarmgeschrei, der Stimmunsgmache, der Verteufelung, der Rechthaberei und dem Öl ins Feuer gießen wirklich so eine tolle Idee ist, halte ich für fraglich. Gerade 2014. Nur ein Jahrhundert nach 1914.

Aber das war ja auch nicht die Frage…

Nächsten Sonntag habe ich wahrscheinlich keine Zeit zum Bloggen, weil ich mich auf dem Rückweg von der CRIMINALE 2014 befinden werde – von der und über die ich in der kommenden Woche eifrig zu bloggen gedenke. 🙂 Aus der Sonntagsfrage wird dann also eine Montags- oder Dienstagsfrage.

Verwendete Literatur:

Frey, Pia: “Sinnfragen Kombinator“, Frankfurt 2013

 

 

 

* Ich werde weder definieren, noch erklären, noch auch nur verlinken wer oder was eine NATO ist. Wenn Ihr nicht wisst, was das ist: GUTEN MORGEN! Aufwachen. Beginnt mal, Euch für Eure ureigensten Belange zu interessieren. Und recherchiert!

**Ja, ja… spart Euch die Chuck Norris Witze. Es sei denn, Ihr kennt wirklich neue wirklich gute. 😀

***Ich meine Krieg im Sinne von Krieg oder Bürgerkrieg, in dem ein oder mehrere bewaffnete Parteien um die Vorherrschaft über ein definierbares Territorium und die Menschen darin kämpfen. Nicht „weltweiten Krieg gegen den Terror“ oder was auch sonst immer zum Krieg ernannt werden mag (Bandenkrieg, Krieg der Geschlechter, Krieg auf Schalke, etc., etc).

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Über Mountfright

Autor und Öffentlichkeitsarbeiter, Mann und Vater, Leser und Filmfreak. Kindheit in den 1970ern, weswegen mich bis heute seltsame Musik mit Ohrwürmern plagt. Aufgewachsen in den 80er Jahren, einem Jahrzehnt, das nicht halb so grau war, wie die anderen glauben. Erste Kurzgeschichte mit 13, erster echter Romanversuch (nach pubertären Ausfällen) mit 17, die nachfolgende Schreibblockade habe ich mir mit Songtexten für die Kölner Psychobillyband "Boozehounds" vertrieben. Danach ging es wieder: Erster lesenswerter Roman mit 26, seither nicht mehr aufgehört.
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Eine Antwort zu Die Sonntagsfrage: Ist die NATO unbesiegbar?

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