schreckenbergschreibt: Der Finder – es geht weiter

ACHTUNG: Dieser Beitrag enthält einige milde Spoiler zu meinem Roman „Der Finder“. Nichts, was die Spannung nimmt, aber ein wenig verrate ich schon.

 

Wer meine Schriftstellerseite auf Facebook geliked hat, hat es vielleicht schon vor einigen Tagen mitbekommen: Mit dieser Unterschrift…

IMG_0253…habe ich mich verpflichtet, die Fortsetzung meines ersten Romanes „Der Finder“ zu schreiben (bzw. abzuliefern, zu schreiben habe ich schon vor einiger Zeit begonnen).

Für alle, die den Finder nicht kennen: Es handelt sich um eine Endzeitgeschichte und um meinen bisher mit ganz weitem Abstand erfolgreichsten Roman. Wer bei diesem berühmten Onlinebuchhändler „Endzeit“ eingibt, findet ihn normalerweise auf dem dritten oder vierten Platz, mal vor, mal hinter Cormac McCarthys „Die Straße“, was immerhin ein mit dem Pulizer-Preis gekrönter Welterfolg ist. „Der Finder“ ist kein Welterfolg, er findet sich nicht einmal auf irgendwelchen nennenswerten Bestsellerlisten in Deutschland, aber für einen Debut-Roman aus zwei kleinen, regionalen Verlagen ist das schon ein ziemlich großer Wurf. Ihr merkt: Ich bin recht stolz auf das Buch. Besonders freut es mich, dass es eine engagierte Fangemeinde gewonnen hat, deren Mundpropaganda nicht unwesentlich zum Erfolg des Buches (der sich erst etwa ein Jahr Erscheinen einstellte) beitrug. Danke, nochmal, an dieser Stelle. 🙂

Fast von Beginn an haben diese treuen und engagierten Freunde (eigentlich vor allem Freundinnen!) des Buches eine Fortsetzung verlangt. Theoretisch bietet sich das an: Das Ende des Buches ist offen, einige Hauptpersonen haben überlebt, die Geschichte scheint nicht zu Ende erzählt.

Ich habe diese Hoffnung über lange Zeit enttäuscht, indem ich stets gesagt habe: Für mich ist die Geschichte dieser Personen doch zu Ende erzählt. Alles weitere wäre nur Wiederholung: Flucht, Siedeln, Etablieren, ähnliche Gefahren, ähnliche Herausforderungen, ähnliche Lösungen etc. Was sich ändern würde, wäre nur die Umgebung. Ich habe versprochen, die weitere Entwicklung hier und da mit einer Kurzgeschichte zu beleuchten (wie dieser hier), mit einer neuen Romanhandlung aber frühestens zwei, drei Generationen nach meinen Heldinnen und Helden aus dem Finder einzusetzen. Tatsächlich existiert ein Drehbuchtreatment, das etwa 200 Jahre später spielt und Vorlage für einen zweiten Roman hätte sein können, aus verschiedenen Gründen ist das aber derzeit nicht realisierbar – einer der Gründe ist, dass diese Geschichte nicht mehr in Europa spielen würde.

Also war mein Standpunkt lange: „Es gibt keine Finderfortsetzung, tut mir leid, ist so.“

Aber Standpunkte ändern sich – manchmal mit einer einzigen Idee. Ich hatte diese Idee vor einem Jahr, ganz plötzlich, wenn ich nicht irre unter der Dusche (da habe ich erstaunlich viele Ideen 😀 ). Von da an war klar: Es würde ein zweites Buch geben, und zwar eins, das in meiner bekannten Finderwelt spielt, nicht in einer sehr zukünftigen Version davon. Unklar war nur, wann ich es schreiben und wer es veröffentlichen würde. Ich schrieb also einige Kapitel, schuf ein sehr grobes und sehr stichwortartiges Konzept und widmete mich der Idee hin und wieder, neben anderen Projekten.

Dann gab es Anfang des Jahres eine Entwicklung in Bezug auf den Finder die noch geheim und unsicher ist, die aber das Nachfolgeprojekt schlagartig beschleunigte. Ich hatte Daniel Juhr vom JUHRVerlag versprochen, zuerst mit ihm über dieses Projekt zu reden, aus alter Verbundenheit, erstens, weil er vom ersten Moment an an den „Finder“ geglaubt hat, vor allem aber, weil er sich an „Der wandernde Krieg – Sergej“ gewagt hat, mein heimliches* Lieblingsbuch. Er war sofort dabei, wir einigten uns noch über ein paar Details des Vertrages, und am 9. Mai 2014 leistete ich die oben dokumentierte Unterschrift. Im Moment ist es unser Ziel, den Roman mit dem Arbeitstitel „Der Prophet“ noch in diesem Jahr herauszubringen, wahrscheinlich zum Weihnachtsgeschäft.

Ist das nun die lange erwartete Fortsetzung des Finders? Ja! Nein! Ich möchte Euch – ohne zu Spoilern – einen kleinen Vorgeschmack auf das geben, was Euch erwartet:

Was ist „Der Prophet“ nicht?

Na ja, zunächst mal ist er noch gar nichts, abgesehen von ca. 60 Seiten Manuskriptanfang und einer inzwischen ziemlich lückenlosen Grobdramaturgie in meinem Kopf. Für alle, die schon einmal dabei waren wenn ich erklärt habe, wie ich „alles außer Krimi“ schreibe: Die wichtigsten Wegmarken und Figuren sind da.

„Der Prophet“ wird auch keine direkte Fortsetzung des Finders, aus den oben erwähnten Gründen. Wir werden also nicht Daniel auf diesem Hügel am Meer in Schottland treffen, wo wir ihn, wie üblich rauchend und sinnierend, zuletzt gesehen haben. Im Propheten werden eine ganze Menge Figuren aus dem Finder wieder auftauchen, Daniel, Esther, Jan, Thomas, Erkan, David, Doris, Susi… vielleicht sogar Grim und Reaper, ich überlasse Euch zu entscheiden, ob sie es sind oder nicht. 😉

Aber wir werden nicht chronologisch da weiter machen, wo wir uns verabschiedet haben. Im Gegenteil – wir gehen noch einmal ganz zurück zum Anfang. Zur Party.

Was ist „Der Prophet“?

Man könnte sagen, „Der Prophet“ ist die Ergänzung zum Finder. Man könnte auch sagen, „Der Finder“ ist die Ergänzung zum Propheten. Wenn das Buch gelingt, wie ich es mir vorstelle, dann funktionieren die beiden Romane zusammen wie zwei dieser Freundschaftsmedaillons. Jedes für sich zeigt ein komplettes und in sich geschlossenes Bild – wenn man sie aber zusammenfügt, dann ergibt sich ein Drittes, das Größer ist als die Summe seiner Teile. Dabei ist mir wichtig, dass beide Geschichten weiter unabhängig voneinander funktionieren. Nichts, was im Finder gesagt und vor allem am Ende erklärt wird, wird umgedeutet oder verfälscht werden, die Finderfans brauchen also nicht zu fürchten, dass sich das Buch, das sie ins Herz geschlossen haben, im Nachhinein als Täuschung herausstellt. Andererseits muss niemand fürchten, den Propheten nicht zu verstehen, ohne den Finder gelesen zu haben. Zu diesem Zweck habe ich zu meiner bekannten Crew aus drei hilfreichen Erstleser(inne)n zwei weitere Erstleserinnen rekrutiert, die den „Finder“ nicht kennen. Eine davon hat mir schon bei den „Träumern“ geholfen, die andere kenne ich lange aus gemeinsamen Drehbuchkurstagen. Es handelt sich um eine fantasyerfahrene Naturwissenschaftlerin und eine versierte und kritische Journalistin, sie haben beide mein volles Vertrauen, Ihr werdet sie in der Danksagung dann kennenlernen. 😉

Ihr werdet im Propheten vieles erfahren, was im „Finder“ offen bleibt – zum Beispiel, warum Susi und einige andere sich von ihrer Gruppe trennen und versuchen, zu den Siedlern zu stoßen. Leserinnen und Leser hingegen, die den Propheten zuerst lesen, werden erfahren, wie Susi mit diesem Ziel aufbricht – und dann im Finder lesen können, was aus dem Plan wurde. Das ist nur ein kleines Beispiel dafür, wie ich vorhabe, beide Bücher immer wieder – von kleinen Details bis zum großen Bild – ineinander greifen zu lassen. Meine Idealvorstellung sieht vielleicht so aus: Ein Paar kauft sich beide Bücher, sie liest den „Finder“, er liest den „Propheten“ und dann erzählen sie sich gegenseitig und lesen sich vor und bekommen so eine neue, größere Geschichte. Und dabei sind – wie gesagt und versprochen – beide Geschichten für sich verständlich, in sich geschlossen und stimmig.

Lasst uns mal alle gemeinsam hoffen, dass das so funktioniert. 😉

Eins noch: Viele Kritiker haben ja am Finder bemängelt, dass sie die Entscheidung von Daniel, Esther und ihren Freunden, die Zivilisation quasi hinter sich zu lassen, nicht verstehen können und das Buch daher unglaubwürdig finden. Dabei übersehen sie, dass diese Gruppe die Minderheit ist – die Mehrheit entschließt sich beim Treffen an der Kirche anders. Im Propheten werden wir erfahren, was aus dieser Mehrheit wird. Wenn auch nicht von Anfang an, aber doch über (wahrscheinlich) etwa zwei Drittel des kommenden Romans.

So genug gespoilert. Ich schreibe im Moment mit viel Motiviation und Freude an diesem neuen Roman – und ich wünsche mir, dass er Euch ebensoviel Freude machen wird.

 

 

*Jetzt nicht mehr ganz so heimlich… 😀

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Über Mountfright

Autor und Öffentlichkeitsarbeiter, Mann und Vater, Leser und Filmfreak. Kindheit in den 1970ern, weswegen mich bis heute seltsame Musik mit Ohrwürmern plagt. Aufgewachsen in den 80er Jahren, einem Jahrzehnt, das nicht halb so grau war, wie die anderen glauben. Erste Kurzgeschichte mit 13, erster echter Romanversuch (nach pubertären Ausfällen) mit 17, die nachfolgende Schreibblockade habe ich mir mit Songtexten für die Kölner Psychobillyband "Boozehounds" vertrieben. Danach ging es wieder: Erster lesenswerter Roman mit 26, seither nicht mehr aufgehört.
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2 Antworten zu schreckenbergschreibt: Der Finder – es geht weiter

  1. Bernd schreibt:

    Sehr cool !

  2. Pingback: schreckenbergschreibt: NOMADEN | schreckenbergschreibt

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