schreckenbergzeigt: Lob und Tadel für „Der Finder“

Ich stehe im Moment, wie vorgestern beschrieben, zwischen den Büchern. Irgendwie scheint das so ein Frühjahrsding zu sein: Anfang 2011, nach dem Finder, war unklar, ob meine Verlage den Ruf veröffentlichen würden oder nicht. Sie taten es nicht, wollten aber meine Krimiidee umsetzen, also habe ich die Träumer geschrieben und den Ruf als E-Book herausgebracht. Letzten Frühling dann war zunächst unklar, ob wir die Träumer fortsetzen oder uns auf Der wandernde Krieg – Sergej einlassen. Der JUHRVerlag bewies Mut und (wie ich glaube) Weitsicht und wagte sich an Sergej, aber ob und wie genau, das war bis in den April hinein unklar.

Und dieses Jahr ist es eben wieder genauso – wir haben einige Optionen, aber welche davon wir letztlich ziehen werden, das ist noch ganz unklar. Letztes Jahr bin ich in dieser Stimmung zur CRIMINALE gefahren und habe eine in vieler Hinsicht großartige Woche verlebt. Dieses Jahr findet die CRIMINALE 2013 leider ohne mich statt, und mein Herz blutet. Nächstes Jahr… Aber das ist ein anderes Thema. Ich bleibe also hier, treffe keine Reisevorbereitungen und muss mir die Zeit irgendwie anders vertreiben. Und da solche „Zwischenzeiten“ immer ein guter Anlass sind, in irgendeiner Form Bilanz zu ziehen, dachte ich, ich trage mal zusammen, was sich im Laufe der Zeit an Onlinerezensionen meiner Bücher angesammelt hat, präsentiere Euch eine Auswahl und sage ein paar Worte dazu. Sollte ich EURE Besprechung oder eine, die Ihr gelesen habt, übersehen haben, so wäre ich dankbar für Hinweise. 😉 Ich beginne natürlich mit meinem ersten veröffentlichten Roman, der gerade seine zweite Auflage sieht:

Der Finder

Meine Endzeitgeschichte um Daniel, Esther, Lara und die anderen Siedler ist bis heute mein erfolgreichster Roman. Die meisten Kritiken sind ganz oder überwiegend positiv, manche sogar enthusiastisch. Offenbar habe ich da einen Nerv getroffen. Zu den allerersten Netzkritiken gehörte eine Ausgabe der Buchspione von Birte Mentzel:

Die Rezensentin übte, bei allem Lob, auch als erste die Kritik, die mich bis zur Zweitauflage verfolgen sollte: Das Cover. Eine Minderheit liebte es, die Mehrheit fand es irgendwo zwischen unschön und irreführend. Letzterem schließe ich mich inzwischen an, obwohl mir die Zeichnung immer noch gefällt. Na ja, jetzt haben wir ja ein anderes. 😉

Ebenfalls sehr früh kam eine sehr ausführliche, überwiegend positive Kritik, die die Rezensentin Antje Jürgens an verschiedenen Stellen im Internet veröffentlichte, unter anderem in ihrem Blog „Die Leselustige„. Interessant ist eine Kritik, die sie brachte: Der Schluss ging ihr zu schnell. Damit war sie nicht alleine. Anderen war dafür der Anfang zu langsam, die Mehrzahl schien das Buch aber ausgewogen zu finden – ein Phänomen, über das ich mich hier im Blog schon einmal geäußert habe.

Überhaupt meinten es die Blogerinnen gut mit mir: Bei „Krimi & Co“ bekam der Finder eine sehr wohlwollende Kritik, ebenso bei „Horror and More“ und im „Laberladen„. Es scheint übrigens kein Zufall zu sein, dass es sich hier tatsächlich ausschließlich um Blogerinnen handelt – auch wenn man herausrechnet, dass Frauen generell mehr lesen als Männer, habe ich überdurchschnittlich viel Lob von Frauen erhalten. Das bestärkt mich darin, nicht auf eine bestimmte Zielgruppe hin zu schreiben: Ich hätte, trotz starker weiblicher Figuren wie Esther, Lara und Carmen, nie vermutet, dass diese Geschichte und diese Thematik Frauen so sehr anspricht. Es ist also offensichtlich besser, ich schreibe ERST meine Geschichten und schaue DANN, wer sie so liest. 😉

Aber ich will hier nicht so tun, als habe der Finder nur Ehr und Preis erfahren, es gab auch deutliche Kritik. Ein Hauptkritikpunkt war die Logik. Das ist bei einem Endzeitthriller irgendwo natürlich – wenn die menschliche Zivilisation auf die Art enden würde, auf die sie hier endet, würden derartig viele Dinge geschehen und geschehen können, dass sie unmöglich alle abzusehen wären, und jeder Autor kann da andere Schwerpunkte setzen. Die Logikkritiker teilen sich in zwei Gruppen:

A) Die „So-würde-ich-aber-nicht-handeln“-Gruppe

Ich habe bei amazon ein paar negative Bewertungen erhalten, die in diese Gruppe gehören. Sie lassen mich, ehrlich gesagt, ein wenig ratlos. Ich habe gleich am Anfang meine Überlebenden in zwei Fraktionen geteilt: Die, die weiterhin alle noch brauchbaren technischen Errungenschaften nutzen möchten, bis es nicht mehr geht und die, die sich von Beginn an entschließen, aller modernen Technik zu entsagen, sofern eben möglich (in Notsituationen greifen sie ja dennoch darauf zurück). Die erste Gruppe ist, ausdrücklich, die GRÖSSERE, weil ich, wie meine Kritiker, glaube, dass die meisten Menschen moderne Technik nutzen würden wo immer und so lange es noch geht. Nur – ich folge mit meiner Geschichte eben der KLEINEREN Gruppe, denen, die auf Blockhütten, Pferde und, in Daniels Fall, sogar auf Pfeil und Bogen zurückgreifen. Wenn mir dann jemand vorwirft, das sei unlogisch, weil er selbst sich eher der ersten Gruppe angeschlossen hätte, dann fehlen mir irgendwie die Argumente. Was kann ich groß sagen, als „In DIESEM Buch geht es aber nunmal um die andere Gruppe“? Tja…

Ach ja, und in einem Falle findet jemand die Auflösung unrealistisch. Öhm… Phantastik? 😀

B) Die „Folgendes-Problem-hat-der-Autor-nicht-bedacht“-Gruppe

Hier geht es meist um technische, ökologische etc. Auswirkungen in einer Welt, die auf diese Art endet, welche ich nicht erwähnt oder scheinbar nicht in Betracht gezogen habe. Diese Kritiker haben in aller Regel recht, und über Kritik dieser Art freue ich mich normalerweise auch, weil sie mir zeigt, dass der entsprechende Rezensent sich auf meine Finderwelt eingelassen und sich Gedanken darüber gemacht hat. Ich nehme diese Kritik sehr ernst und ärgere mich manchmal über mich selbst, wenn mir etwas durchgegangen ist, auch wenn ich (wie auch die meisten Kritiker dieser Art) der Meinung bin, dass ich keine so katastrophalen Bolzen geschossen habe, dass meine Geschichte an sich albern wäre. Ich kann diesen Kritikern nur entgegnen – „Der Finder“ ist letztlich eine Geschichte. Eine Liebesgeschichte und eine Geschichte von Menschen, die sich plötzlich in einer völlig neuen Umgebung zurecht finden müssen. Es ist kein Versuch einer Dokumentation nach Art von „Zukunft ohne Menschen“ oder „Die Welt ohne uns“ (obwohl ich Letzteres zu Recherchezwecken während der Überarbeitung gelesen habe). Diesen Anspruch hatte ich nie und ich könnte ihn auch nicht erfüllen. Mein Anspruch war, diese Finderwelt so zu schildern, dass sie plausibel und möglich ist, keinesfalls perfekt und bewiesen. Ich hoffe, diesem Anspruch werde ich gerecht – aber wo immer ich in die Finderwelt zurückkehre, für Kurzgeschichten oder für andere Pläne, beziehe ich die Anregungen dieser Kritiker mit ein.

Fast alle kritischen Aspekte, die ich bis dahin gesammelt hatte – vom Cover bis hin zur Logik – merkt auch Peter Kümmel von der „Phantastik Couch“ an. Außerdem findet er meine Chrakterzeichnung oberflächlich. Andererseits lobt er das „Kopfkino“ und bescheinigt mir Potential, so dass ich trotz allem in der Januar-Ausgabe der Phantastik Couch eine – wenn auch knapp – positive Bewertung bekommen habe. Mich freut diese Rezension trotz der deutlichen Kritik, vor allem, weil sie so differenziert ist und weil der Rezensent mir Potential bescheinigt – und sich dann später, bei Sergej, darüber freut, dass ich es in seinen Augen ausgereizt habe. Aber dazu übermorgen. 😉

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Über Mountfright

Autor und Öffentlichkeitsarbeiter, Mann und Vater, Leser und Filmfreak. Kindheit in den 1970ern, weswegen mich bis heute seltsame Musik mit Ohrwürmern plagt. Aufgewachsen in den 80er Jahren, einem Jahrzehnt, das nicht halb so grau war, wie die anderen glauben. Erste Kurzgeschichte mit 13, erster echter Romanversuch (nach pubertären Ausfällen) mit 17, die nachfolgende Schreibblockade habe ich mir mit Songtexten für die Kölner Psychobillyband "Boozehounds" vertrieben. Danach ging es wieder: Erster lesenswerter Roman mit 26, seither nicht mehr aufgehört.
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8 Antworten zu schreckenbergzeigt: Lob und Tadel für „Der Finder“

  1. Also, meine Rezension über den Finder bei Amazon ist aber ziemlich positiv ausgefallen. Und war die zweite. *grins*. Deshalb empfehle ich dein Buch, wo ich nur kann :-)))) Zukünfte Leser informieren sich ja bei amazon meist via der Durchschnittsbewertung – und die fällt für den Finder doch richtig gut aus.
    Liebe Grüße und bitte weiter so,
    Miri aka Myrre

  2. laberladen schreibt:

    Nachdem die Criminale 2014 hier bei mir ums Eck stattfindet, wäre ich schon sehr für die Teilnahme eines meiner Lieblingsautoren! 🙂
    LG Gabi

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