schreckenberglebt: Mythos Waffenabwehr

Eigentlich sollte ich gerade ein kleines Firmenportrait schreiben…

Und wenn ich schon blogge, dann sollte ich eigentlich besser über das Treffen der Jury für den Friedrich-Glauser-Preis (Sparte Debut) am vergangenen Samstag schreiben. Oder über mein Kyusho-Jitsu Seminar am Sonntag. Oder wie verdammt MÜDE ich nach diesem Wochenende war. 😀 Oder über die heutige Telefonkonferenz mit Produktion, Redaktion und Headautor, in der es um mein erstes Seriendrehbuch ging, das ich zusammen mit Sarah schreiben werde. Oder über das Thema, über das ich schon seit Anfang Dezember schreiben will, nämlich die Geringschätzung künstlerischer Berufe durch Leute, die sich einfach nicht vorstellen können, dass das Arbeit ist, was wir hier machen. Ernsthafte Arbeit. Eigentlich…

Kommt alles, wirklich, aber ich habe mir ein wenig Muße gegönnt und getan, was Kampfsportler gerne mal tun, wenn sie abschalten wollen: Ich habe mir Kampfkunstvideos auf Youtube angesehen. Ja… Hätte ich mal besser gelassen. Denn das Thema, das ich mir vorgenommen hatte, war Waffenabwehr. Aua…

Ich werde die entsprechenden Videos hier nicht verlinken, obwohl sie teilweise regelrecht lustig sind, aber ich gebe einfach mal ein paar allgemeine Tipps:

1.) Messerabwehr bedeutet: Messer abwehren. Nicht: Fancy Wurf- und Hebeltechnik vorführen, ohne das Messer weiter zu beachten.

2.) In den allerseltensten Fällen sind die Angreifer Roboter.

3.) Ebenso selten verfällt der Angreifer in Schockstarre, wenn er nicht trifft.

4.) Erklärend zu 2.) und 3.) – meistens befindet sich das Messer am Ende des Armes eines entschlossenen Menschen und bewegt sich sehr, sehr schnell.

5.) Die meisten Angreifer verfügen über zwei Arme / Hände. Das Messer befindet sich in der einen, die andere ist in der Regel aber nicht gelähmt.

6.) Wer sich in einen Messerkampf begibt sollte damit rechnen, geschnitten zu werden.

7.) Unter dieser Voraussetzung ist es unklug, dem Angreifer Hals, Oberkörper oder Arminnenseiten als Spielfläche anzubieten.

8.) Niemals, niemals, niemals, niemals werfe man sich freiwillig vor dem Gegner auf den Boden. Niemals.

9.) Pistolenabwehr: Der Gegner muss nur den Finger krümmen. Mehr Zeit habe ich nicht. (Und er muss recht dämlich sein, wenn er sich mit einer Distanzwaffe in Reichweite meiner Arme und Beine stellt. Auch wenn das im Fernsehen alle so machen.)

In einem anderen Zusammenhang habe ich hier schon einmal erwähnt, dass ich viele Jahre lang Selbstverteidigung für Frauen unterrichtet habe. In diesen Kursen haben wir niemals Waffenabwehr unterrichtet, weil es schlicht nicht möglich ist, jemandem in so kurzer Zeit beizubringen, wie man sich effektiv gegen einen bewaffneten Gegner zur Wehr setzt. Das ist zwar blöd und unbefriedigend, aber leider eine Tatsache. Wenn Ihr lernen wollt, wie man sich gegen einen bewaffneten Gegner verteidigen kann, dann braucht ihr jahrelanges Training und eingedrillte (also unwillkürliche) Muster. Das ist einer der Gründe, aus denen ich Eskrima lerne. Wenn Ihr Euch mit dem Gedanken tragt, eine Kunst zu erlernen, in der es (auch) um Waffenabwehr geht, tut Euch den Gefallen und denkt über die 9 Punkte oben nach. Und überprüft das, was man Euch beibringt, hier und da mit einem alten, weißen T-Shirt (Verteidiger) und einem dicken Filzstift als Messer (Angreifer).

Und sucht nicht naiv im Internet nach Videos zum Thema. Das kann Euch den Abend verderben… 😉

 

 

 

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Über Mountfright

Autor und Öffentlichkeitsarbeiter, Mann und Vater, Leser und Filmfreak. Kindheit in den 1970ern, weswegen mich bis heute seltsame Musik mit Ohrwürmern plagt. Aufgewachsen in den 80er Jahren, einem Jahrzehnt, das nicht halb so grau war, wie die anderen glauben. Erste Kurzgeschichte mit 13, erster echter Romanversuch (nach pubertären Ausfällen) mit 17, die nachfolgende Schreibblockade habe ich mir mit Songtexten für die Kölner Psychobillyband "Boozehounds" vertrieben. Danach ging es wieder: Erster lesenswerter Roman mit 26, seither nicht mehr aufgehört.
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