schreckenbergschaut: Wahlaufruf und Fantasy Filmfest 2

Da ich mich ja mit diesem Blog öffentlich äußere will ich tun, was viele andere Blogger auch tun und Euch bitten: Geht morgen wählen! (Sofern Ihr in Deutschland wahlberechtigt seid 😀 ). Wenn man nicht in eine Partei eintreten möchte gibt es nicht sooooo viele Gelegenheiten zur demokratischen Teilhabe. Nicht wählen oder ungültig wählen ist kein Protest  oder so etwas – es ist einfach ein Verzicht auf Teilhabe.

Was ich allerdings nicht tue ist, in dieses andere Horn tuten, das da lautet: Egal was ihr wählt, geht einfach wählen blablabla. Nee, ist nicht egal. Man muss einfach nur ein wenig nach Osten schauen um zu verstehen, WIE nicht egal das ist. Daher meine Bitte:

Wählt nicht mit Angst!

Wählt keine Partei, weil ihr Angst vor etwas habt und glaubt, dass die Politik dieser Partei das aufhalten wird. Die Welt wird nicht bleiben wie sie ist. Das tut sie nie. Und sie wird nie wieder so werden wie sie war. Ich kann verstehen, wenn ihr Angst vor Veränderungen habt, die habe ich ihn vielen Bereichen auch. Aber wählt niemanden, der Euch sagt, dass er die Veränderungen verhindern wird, dass er dafür sorgen wird, dass alles wieder so wird wie es war. Das ist gelogen und nicht möglich.

Wählt die, von denen ihr glaubt, dass sie die sich wandelnde Welt so gestalten werden, dass Ihr Euch – weiterhin oder wieder – darin wohlfühlt. Wir leben sicher in einem der reichsten Länder der Erde. Ja, es gibt Verbrechen, ja es gibt Terroranschläge. Im Jahr 2016 gab es in Deutschland 373 Mordopfer. Das sind 27 mehr als es Verkehrstote allein  im AUGUST 2016 gab. Versteht mich nicht falsch – ich will die Opfer nicht gegeneinander aufrechnen oder gar irgendeinen Toten für weniger wichtig erklären als einen anderen. Was ich sagen will ist: Fragt Euch, ob ihr mehr Angst vor Mördern oder vor Autos habt. Und ob der Medienhype darum, dass unser Land so viel unsicherer sei als früher irgendetwas mit der Realität zu tun hat. Ich könnte jetzt noch mehr Statistiken auffahren, aber ich überlasse die Recherche Euch. 😉

Wählt nicht mit Angst. Redet Euch nicht den Blödsinn vom kleineren Übel ein. Schaut Euch Eure Wahlkreiskandidatinnen und -kandidaten an, schaut Euch die Parteien an. Wählt die, von denen ihr am ehesten glaubt, dass sie dafür sorgen, dass Deutschland bei all den Veränderungen, ein friedliches, freundliches Land bleibt in dem man gut leben kann.

Danke.

And now for something completely different:

Fantasy Filmfest in Köln, mein Tag 2, wieder zwei Filme:

Schneeflöckchen
Deutschland 2017
Buch: Arend Remmers
Regie: Adolfo Kolmerer, William James

In einem Berlin der Zukunft wie es sich die oben genannten Angstmacherparteien vorstellen entdecken zwei Gangster ein Drehbuch, indem sie ihre eigene Geschichte lesen – genau so, wie sie sich gerade abspielt.

Das ist die Ausgangssituation. Der Film, der daraus geworden ist, hätte auf so vielen Ebenen schief gehen können und ich gestehe: Ich habe auch erwartet, dass er schief geht. Deutsche Filme dieser Art pflegen ihre gute Ausgangsidee grandios in den Sand zu setzen. Ich hatte mir für meinen Verriß schon ein cleveres Wortspiel mit „Mindfuck“ überlegt, auf dass ich jetzt leider verzichten muss, denn Schneeflöckchen ist ein ganz wunderbarer Film. Finde ich.

Ich glaube, vielen wird er nicht gefallen. Zu schräg, zu wirr, zu ungewohnt, zu mutig vielleicht. Zu blutig vielleicht auch, der ist schon recht konsequent gemacht. Aber ich bin Drehbuchautor und aus dieser Perspektive ist der Film so unglaublich richtig. Und lustig. Und überraschend. Und absurd. Wunderschön.

Klar, der ist unlogisch und klischeehaft und viel schlechte Tarantinoanspielung, und, und, und, aber: Der Drehbuchautor (also der fiktive, der ebenso heißt wie der reale) ist kein Profi, sondern Zahnarzt und Hobbyautor. Dabei kommt halt sowas raus. Nicht nörgeln, genießen.

Mann, macht der Film Spaß!

Das anschließende Frage- und Antwortspiel mit den Machern habe ich mir trotzdem gespart. Ich will niemand zu nahe treten und wahrscheinlich sind da nur tolle Fragen gestellt worden, aber das war dann die Ausnahme. Ich kenne das von vergangenen FFF anders. Und ich wollte mir den Genuß nicht nachträglich versauen

Der andere Film war:

Radius
Kanada 2017
Buch und Regie: Caroline Labréche, Steeve Léonard

Hübscher Mysteryfilm mit vielen, vielleicht etwas zu vielen überraschenden Wendungen und ein, zwei Zufällen zuviel. Und nach Schneeflöckchen fiel der natürlich ab. Nichtsdestotrotz: Gut, spannend, überraschend, sehenswert. Bei der Moral von der Geschichte bin ich anderer Meinung als die Autoren, aber da kann man diskutieren. Um es diskutieren zu können muss ich aber massiv spoilern, daher nun eine:

+++ SPOILERWARNUNG +++ SPOILERWARNUNG +++ SPOILERWARNUNG +++

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Okay, Liamh ist also ein Serienkiller, der durch Gedächtnisverlust zu dem netten Typen wird, mit dem wir die ganze Zeit mitfiebern und den wir mögen. Der seine Taten, als ihm klar wird, was er ist, so sehr verabscheut, dass er sich übergeben muss und völlig fertig ist? Glaube ich nicht. Aus folgendem Grund:

Ich kann Liamh nur sehr grob und laienhaft diagnostizieren, aber der Serienkiller Liamh ist meiner Vermutung nach ein Psychopath / Narzisst, eventuell auch ein Sadist. Psychopathie und Sadismus sind angeboren. Die Anlage zum Narzissmus auch, soviel ich weiß. Jede einzelne dieser Anlagen an sich macht noch keinen Verbrecher. Im Gegenteil: Sadisten können sehr liebevolle Menschen mit starkem Beschützerinstinkt sein. Psychopathen effektive, nützliche Mitglieder der Gesellschaft. Die Kombi aller drei Anlagen ist allerdings ziemlich toxisch. Kann sein, dass der böse Liamh auch durch traumatische Erlebnisse (in Kombination mit Veranlagung) zum Serienmörder geworden ist, aber Traumata hinterlassen auch neurologische Spuren im Gehirn. All das lässt sich nicht einfach durch eine Amnesie auslöschen.

 

 

 

 

+++++++ SPOILERWARNUNG ENDE +++++++ SPOILERWARNUNG ENDE  ++++++++++++

Zwei Tage Fantasy Filmfest. Vier sehenswerte Filme. Ich bin wirklich angetan. 🙂

 

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Über Mountfright

Autor und Öffentlichkeitsarbeiter, Mann und Vater, Leser und Filmfreak. Kindheit in den 1970ern, weswegen mich bis heute seltsame Musik mit Ohrwürmern plagt. Aufgewachsen in den 80er Jahren, einem Jahrzehnt, das nicht halb so grau war, wie die anderen glauben. Erste Kurzgeschichte mit 13, erster echter Romanversuch (nach pubertären Ausfällen) mit 17, die nachfolgende Schreibblockade habe ich mir mit Songtexten für die Kölner Psychobillyband "Boozehounds" vertrieben. Danach ging es wieder: Erster lesenswerter Roman mit 26, seither nicht mehr aufgehört.
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Eine Antwort zu schreckenbergschaut: Wahlaufruf und Fantasy Filmfest 2

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