schreckenbergschreibt: DER RUF

Ich habe Euch ja gestern versprochen, dass ich eher selten und unregelmäßig bloggen werde. Da ist es doch eine gute Idee, mein Versprechen heute schon zu brechen, oder? 😀

Nein, es bleibt natürlich bei dem Plan. Aber dies ist der Blog eines Schriftstellers, Ihr werdet mir vergeben, wenn ich ihn nutze um meine Bücher vorzustellen. Das möchte ich heute, morgen und übermorgen tun. Und ich werde dabei nur ganz wenig über den Inhalt berichten, das kann man an anderen Stellen nachlesen. Ich möchte ein wenig zu den Geschichten hinter der Geschichte erzählen, und ich beginne mit der ältesten Geschichte: Der Ruf.

Am Anfang war:

 DIE PARTY

Und es war keine Revival-Party, ich war nicht 30, wie meine Romanfiguren und ich war schon gar 40, wie ich jetzt bin, ich war 15 (oder 16?) Jahre alt. Es war Mitte der 80er Jahre und es war für mich DIE Party. Ich vermute, die meisten Erwachsenen erinnern sich an die eine Party, die einem zuerst einfällt, wenn man „Jugend“ denkt. Dies war meine. Und natürlich war es Sommer. Der Freund meiner besten Freundin hatte eingeladen, einen Tag und eine Nacht sollte sie dauern (nicht drei Tage und zwei Nächte wie im Buch aber hey – ein Belagerungssetting braucht Zeit 😉 ), wir hatten Zelte und Schlafsäcke mitgebracht, um in dem großen Garten zu kampieren. Und ich war verliebt. Sicher war ich das, ich war 15, aber wenn unerfüllte Liebe zählt, dann ist die Betreffende meine erste große Liebe. Diese Party, an die ich bis heute mit viel Freude und Wehmut zurückdenke, war für mich persönlich – ein totales Desaster.

Fangen wir mit der ersten großen Liebe an. Ich war zu dem Zeitpunkt schon ziemlich lange in sie verliebt. Leider war ich schrecklich feige, und hatte mich also nie erklärt. Einen Korb hätte ich wohl nicht bekommen, aber die Zeichen sehe ich erst heute. Jetzt endlich übernahm sie die Initiative. Sie fragte mich im Laufe des Nachmittags ganz klassisch, ob ich mit ihr tanzen wolle. So weit, so klar. Wir hatten ja auch schon miteinander getanzt, aber das war Blues gewesen. Jetzt sollte ich mich richtig bewegen. Ich missverstand die Situation total, fürchtete, Feigling der ich war, Spott über meine Tanzkünste und lehnte ab. Ich kann nur vermuten, dass sie verdammt sauer auf mich war – jedenfalls ergriff ein besserer Tänzer die Gelegenheit. Am Abend waren die beiden ein Paar und blieben es für zwei Jahre. Eins, zwei, drei, Chance vorbei. Und ich fragte mich schafsköpfig, wie das hatte passieren können.

Kommen wir zum Sommer. Der Tag war ein Traum. Warm genug, um vorher am See zu liegen (der sich nicht, wie in der Geschichte, hinter dem Haus befand sondern einige Kilometer entfernt), obwohl ich nicht sicher bin, ob wir vor der Party wirklich da waren. In meiner Erinnerung schon, in Wirklichkeit nicht, glaube ich. Aber wir haben in diesem Sommer viel Zeit dort verbracht, also gehört er dazu. Die Nacht begann lau – und dann kam ein Sommerregen von einer Weichheit, die Ray Bradbury gefallen hätte. Mir gefiel sie nicht, denn der weiche, warme Sommerregen hörte und hörte nicht auf trieb uns erst unter die Dächer und dann in die Zelte. Es ereignete sich dabei auch irgendeine sehr witzige Geschichte mit einem Handtuch, die ich leider total vergessen habe.

Also – Regen und Zelte. An sich keine schlechte Kombination, wenn man mit zwei Kumpels in einem gemütlichen, großen Zelt nächtigt. Wenn allerdings jeder dieser Kumpels ein Mädchen mit im Schlafsack hat, und man selbst liebesgefrustet ist… dann verzieht man sich ins Vorzelt. Vorzelt. Wiese. Regen. Schlafsack. Liebesfrust. Es war eine ganz großartige Nacht.

Tja… und am nächsten Morgen waren dann auch meine beste Freundin und ihr Freund kein Paar mehr. Sie hatten sich so sehr verkracht, dass die Beziehung bald darauf zu Ende war. Den Grund kenne ich nur aus ihrer Sicht, daher schweige ich darüber, aber der Effekt war der, den ich im Buch beschreibe: Das Band war zerrissen, die Magie war dahin, unser Kreis zerbrach.

Vielleicht waren dieser eine Tag und diese eine Nacht wirklich der Höhepunkt und das Ende eines wichtigen Abschnitts meiner Jugend. Vielleicht verkläre ich das alles auch nur. Aber bald danach habe ich die erste Version des „Rufes“ geschrieben, damals noch unter einem anderen Titel. Und natürlich waren meine Heldinnen und Helden amerikanische Highschool-Kids – sowas hatte gefälligst in Amerika zu passieren, schließlich war ich begeisterter Stephen-King-Leser. Ich habe diese erste Version nie ganz zu Ende geschrieben, vor allem, weil mir mein Grund dafür, dass die Insekten angreifen, doch zu doof war. Irgendwas mit Giftmüll, glaube ich. Und über amerikanische Highschools wusste ich auch zu wenig. 😀

Es gab sie also wirklich, diese legendäre Party. Und es gab auch den Garten, nicht exakt so, wie ich ihn beschrieben habe, aber sehr ähnlich. Der Vater des Gastgebers hat in dem Schuppen wirklich alte Autos restauriert – eins davon stand drin, weswegen wir den Schuppen nicht benutzen durften. Das war aber auch nicht schlimm. Wir brauchten ihn nicht, denn die Seance im Buch ist ein reines Produkt meiner Phantasie, wie der Wald und das Haus. Das wirkliche Haus sah ganz anders aus, ebenso wie der wirkliche See. Und das ganze spielte sich auch nicht im bergischen Outback ab, sondern mitten in Langenfeld. Aber es gab den Freundeskreis. Es gab einen Streit. Es gab eine verlorene Liebe. Und es gab die Musik und die Atmosphäre.

Ich nenne das Buch eine Horrorgeschichte, und das ist es, aber in Wirklichkeit ist es vielleicht noch mehr ein Buch über Freundschaft, Liebe und Loyalität. In der Geschichte sind die Hauptpersonen erwachsen und versuchen, das Gefühl ihrer Jugend wieder einzufangen. Dabei spielen sie mit Wissen herum, das zu groß für sie ist und müssen die Konsequenzen er- und durchleiden. Der Teil ist Fiktion. Aber die Wurzeln, der Urgrund der Geschichte, die Gefühle und die Atmosphäre – die sind echt.

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Hallo Welt…

…so beginnt man  doch üblicherweise einen Blog. Also: HALLO!

Ich bin Michael Schreckenberg und neben Mann, Vater, Redakteur etc. bin ich Schriftsteller. Darum soll es hier in erster Linie – aber nicht nur – gehen. Ich werde Euch, die Ihr meine treuen und begeisterten Leser werden sollt, nicht mit Traktaten darüber langweilen, was ich heute zu Mittag gegessen habe, wie mein Lieblingsverein gespielt hat oder welche politische Richtung ich heute wie bejubelnswert oder abscheulich finde. Wann immer ich glaube, eine interessante kleine Geschichte für Euch zu haben, eine spannende (!) Information zu meinen Büchern oder etwas anderes, dass Euch wirklich gefällt, werde ich es hier erzählen. Ich fürchte… das wird ein sehr unregelmäßiger Blog. 😉

In folgenden Kategorien werde ich für Euch schreiben:

schreckenbergschreibt
Klar, oder? Ich bin Schriftsteller, ich schreibe über das Schreiben und über meine Bücher. Ich schreibe in den Genres Horror, (Urban)Fantasy, Krimi und Science-Fiction. Bisher sind von mir die Romane „Der Finder“ (2010) und „Die Träumer“ (2011) sowie, als E-Book, „Der Ruf“ (2011) erschienen. Derzeit arbeite ich an der Fortsetzung der „Träumer“, und an der Veröffentlichung eines zweiten E-Books. Ob das ein Roman sein wird oder eine Anthologie weiß ich noch nicht genau.

schreckenbergliest
Da mein Lesebedarf meine eigene Produktion weit übersteigt, lese ich auch andere Autorinnen und Autoren. 😉 Besonders gerne Iain Banks, Paul Auster, Stephen King, Philip  K. Dick, Clive Barker, Yukio Mishima, Ernest Hemingway, H.P. Lovecraft… ich könnte noch eine ganze Weile so weitermachen. Ich lese und entdecke aber auch sehr gerne neue Kolleginnen und Kollegen. Wenn mir dabei etwas Interessantes begegnet, lasse ich es Euch wissen.

schreckenbergschaut
Ich schreibe selber Drehbücher und  liebe Filme. Und diese Liebe gedenke ich mit Euch zu teilen.

schreckenberglebt
Dass das Leben die besten Geschichten schreibt ist ein verdammtes Klischee – und außerdem wahr. Wenn ich eine Geschichte erlebe, die es wert ist, sie Euch mitzuteilen, kleide ich sie in passende Prosa und erzähle sie Euch.

Bis bald!

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