schreckenberglebt: Levliest 2013 Teil 2 (und 3 und 4) – Preisverleihung, Wildpark, Bestattungshaus, Fotoaktion

Schreiben Sie eine Kurzgeschichte in der die Worte „Preisverleihung“, „Wildpark“, „Bestattungshaus“ und „Fotoaktion“ eine wichtige Rolle spielen. Wenn Sie zu den glücklichen gehören, die wir in unsere Anthologie aufnehmen, verpflichten Sie sich, 10 Autorenexemplare zum wahnsinnig fairen Autorenrabatt zu kaufen. Ach nee, über unverschämte Anthologieausschreiber wollte ich ja erst demnächst etwas bloggen. Mein Thema im Moment ist

LevLiest 2013

Eigentlich wollte ich Tag für Tag über das am Vortag erlebte bloggen, aber am Freitag kam mir das aktuelle Programm in die Quere und am Samstag und Sonntag die Deadlines einiger (fairer) Kurzgeschichtenausschreibungen. Eigentlich müsste ich JETZT auch an einer Kurzgeschichte sitzen, nachdem ich den Vormittag mit einer noch knapperen PR-Deadline gekämpft habe, aber sei’s drum. Jetzt wird erstmal gebloggt, sonst komme ich nie dazu.

Heute ist Montag und ich muss mich immer noch entscheiden, welche der drei Veranstaltungen die ich gerne besuchen würde ich besuchen werde. Morgen Abend lese ich dann wieder selbst, in Schlebusch aus „Sergej„, die Buchwoche ist also auf der Zielgeraden. Bevor wir aber zum Endspurt starten, ein Blick zurück auf die vergangene Woche – es lohnt sich. Denn die vier völlig unterschiedlichen und schwer verknüpfbaren Begriffe vom Beginn haben eines gemeinsam: Sie stehen für die Levliest-Veranstaltungen, die ich vergangene Woche besucht habe.

Von unserer Lesung im Topos am Mittwoch habe ich ja bereits ausführlich berichtet. Am Donnerstag Abend kleidete ich mich wieder in feinen Zwirn, legte mein Syndikatsabzeichen  an und fuhr zur Kolonie 1, wo der Leverkusener Short-Story-Preis 2013 vergeben wurde, verbunden mit einer Lesung der Gewinnerinnen und Gewinner. Ich habe an der Ausschreibung nicht Teil genommen, weil ich… *hüstel* …den Termin verschwitzt habe. Ich hatte (bzw. habe) eine wirklich sehr schöne Idee, aber dann war ganz plötzlich der 16. Januar (wer konnte denn ahnen, dass der so völlig aus dem Nichts erscheint) und es war zu spät. Na ja – dann eben zu Levliest 2015. 😉 Die Preisträgerlesung wollte ich aber dennoch nicht verpassen.

Zwei Gewinner und eine Gewinnerin teilten sich diesmal den Preis, hinzu kam eine Preisträgerin, die mit einem Sonderpreis ausgezeichnet wurde, weil ihre Geschichte zwar preiswürdig war, angeblich aber den Ausschreibungskriterien nicht genügte. Hm. Kann man so oder so sehen. Also – nicht die Preiswürdigkeit, aber die Sache mit den Kriterien. Dr. Sabina Wefing beginnt ihre Kurzgeschichte „Aschenputtel reloaded“ mit zwei Profilen aus einer (imaginären) Online-Partnerschaftsbörse. Die sind selbstverständlich mehr oder weniger tabellarisch, aber dass sie deshalb aus dem Rahmen eines Prosatextes fallen, sehe ich nicht. Ich zum Beispiel beende eine (noch unveröffentlichte) Kurzgeschichte mit einem Abschlussscore aus einem Konsolenspiel, der natürlich auch tabellarisch ist. Ist das deshalb keine Kurzgeschichte?

Wie auch immer – es gab ja ein Happy-End, die Geschichte bekam den Sonderpreis, für den die Sponsoren noch einmal 100 Euro extra aus der Tasche zogen, was ich durchaus nobel finde. Die „regulären“ Gewinnerinnen und Gewinner waren Maria Uleer („Die Klavierspielerin“ – mutiger Titel 😉 ), Gisela Kruyer („Dankbarkeit“), René Föhring („Ausgeträumt“) und Peter Reul („Amerikanische Nacht“). Aus Sicht des Lokalpatrioten war besonders erfreulich, dass eine Leverkusenerin – Gisela Kruyer – unter den Preisträgerinnen war. Selbstverständlich ist das nicht – die Ausschreibung läuft ohne regionale Grenzen und die Geschichten werden anonymisiert beurteilt. Ich werde NICHT sagen, welche Geschichte mir am besten gefallen hat. Es waren welche dabei, die ich wirklich richtig gut fand, andere eher soso lala, aber das ist reine Geschmacksache. Einen Griff daneben hat sich die Jury jedenfalls – aus meiner Sicht – nicht geleistet.

Überhaupt verdient die Jury – denn aus der setzen sich die Laudatorinnen und Laudatoren zusammen – ein Sonderlob. Ich war noch nie in einer Jury, daher kann ich hier noch meine ungeteilte Hochachtung für deren Arbeit los werden, ob man selbst nun mit dem jeweiligen Urteil konform geht, oder nicht. Aber das alles zu lesen… puh. Und dann auch noch bei einer themenoffenen Ausschreibung, wo wirklich ALLES möglich ist. Applaus, an dieser Stelle, ganz ehrlich.

Schade nur, dass auch hier so wenig Publikum war. :-/

Am Freitag dann besuchte ich zwei Veranstaltungen, die sich über einen Mangel an Publikum nicht zu beklagen brauchten. Was mich wiederum sehr freute, denn an der ersten Veranstaltung war eines meiner Kinder beteiligt, die zweite war eine Lesung meiner Kollegin Regina Schleheck. Der Reihe nach:

Am Nachmittag stellte sich lev4kids im Bistro des Wildparks Reuschenberg der Allgemeinheit vor. Das ist eine wirklich schöne Sache: Unter der Anleitung der Autorin Anke Wieland erstellen Fünftklässlerinnen und Fünftklässler eines Leverkusener Gymnasiums einen Online-Stadtführer für Kinder. Dabei werden nicht nur die üblichen Stadtführer-Themen von Kindern für Kinder behandelt, auch Informationen, die gerade für diese Zielgruppe besonders wichtig sind (wann hält welcher Eiswagen wo, wo sind die Spielwarengeschäfte etc.) kommen vor. Die jungen Autorinnen und Autoren moderierten die Veranstaltung selbst, stellten ihre Themen vor, führten Interviews und bekamen dabei Unterstützung von drei (!) Rap-Bands der örtlichen Förderschulen, die selbstgeschriebene (und teils wirklich sehr hörenswerte) Texte rappten, einer 13jährigen Klarinettistin die danach im Interview die Musikschule Leverkusen vorstellte, und einer Abordnung der jüngsten Wildcats, die mit einem kurzen Beweis ihres Könnens beim Publikum für Begeisterung und beim sonst sehr souveränen Jungmoderator für etwas Stottern sorgten. 😉 Solche Initiativen sind absolut lobens- und unterstützenswert, weil sie Jugendliche aus völlig unterschiedlichen Ecken zusammenbringen zu etwas, was beim Zuschauen (und offensichtlich auch Mitmachen) nur Spaß macht. Und das Bistro war auch voll.

Abends dann ein ganz anderes Ambiente: Auf Einladung eines Bestattungshauses las Regina Schleheck aus ihrem reichen Repertoir an Kurzgeschichten. Ich habe Regina in diesem Blog schon dermaßen oft gelobt, dass ich langsam in Gefahr gerate, zu einer Schleheck-Fan-Seite zu werden, aber sie ist einfach gut und auch diese Lesung war einfach gut. Fünf Geschichten und eine Zugabe, und obwohl ich zwei davon schon kannte war ich vor und nach der Pause arg verdutzt, wo denn die Zeit geblieben war. Und auch diesemal, wie am Nachmittag, war der Saal angemessen voll. 🙂

Am Samstagvormittag begab ich mich dann mit meiner Kinderschar zur Hauptstelle der hiesigen Stadtbibliothek. Unter dem Motto „Vorlesen ist Männersache“ konnten sich dort Väter mit ihren Kindern beim Vorlesen fotografieren lassen. Die Bilder gehen als Großformate in eine Ausstellung, danach kann man sich seines abholen. Da ich ein begeisterter Vorleser bin (und mein Publikum – das im eigenen Zuhause meine ich – immer mehr verlangt) habe ich meinen Kindern im Laufe der Zeit einiges vorgelesen, darunter den kompletten Herrn der Ringe und die ersten vier Harry Potter Bände. Sie können inzwischen natürlich selbst lesen, aber das Vorlesen ist immer noch sehr beliebt, besonders im Urlaub und im Winter. Im Moment sind wir an Neil Gaimans „Niemalsland„. Wir fuhren also zur Stadtbibliothek, ich setzte mich in den Lesestuhl, meine Kinder ließen sich um mich drapieren (sonst sitzt mein Publikum NIE hinter mir, aber für dieses Foto…) und ich las einen Absatz, dann waren die Fotos im Kasten. Ich bin gespannt. Ein Redakteur des Leverkusener Anzeigers (der sich übrigens lobenswert eifrig um die Buchwoche kümmert) war auch da, deshalb bin ich in der heutigen Ausgabe „Autorenprominenz„. 😉

So weit bis hierher, heute Abend geht es weiter. Was dieser Beitrag hier, glaube ich, wieder zeigt ist, WIE vielfältig Levliest ist. Also – schnappt Euch, sofern ihr in der Gegend wohnt – ein Programm und geht hin. Es ist noch nicht zu spät.

Über Mountfright

Autor und Öffentlichkeitsarbeiter, Mann und Vater, Leser und Filmfreak. Kindheit in den 1970ern, weswegen mich bis heute seltsame Musik mit Ohrwürmern plagt. Aufgewachsen in den 80er Jahren, einem Jahrzehnt, das nicht halb so grau war, wie die anderen glauben. Erste Kurzgeschichte mit 13, erster echter Romanversuch (nach pubertären Ausfällen) mit 17, die nachfolgende Schreibblockade habe ich mir mit Songtexten für die Kölner Psychobillyband "Boozehounds" vertrieben. Danach ging es wieder: Erster lesenswerter Roman mit 26, seither nicht mehr aufgehört.
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5 Antworten zu schreckenberglebt: Levliest 2013 Teil 2 (und 3 und 4) – Preisverleihung, Wildpark, Bestattungshaus, Fotoaktion

  1. Ménard schreibt:

    Artemis Fowl gehört auch in die Hände der Kids. Unbedingt. Der letzte Band ist gerade raus. Herrlich.

    • Mountfright schreibt:

      Ich weiß gar nicht, wieviele Bände es davon gibt, aber mindestens einen hat die Große schon gelesen – was es als Vorlesebuch disqualifiziert, da ich immer nur allen Kindern gemeinsam vorlese. Der Grund, warum wir nach Harry Potter 4 aufgehört haben ist, dass sie mich überholt hat. 😉

  2. Pingback: schreckenberglebt: Levliest 2013 Teil 3 (bzw. Teil 5 und 6) – Toleranz, Dankbarkeit und eine Art Bilanz | schreckenbergschreibt

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