schreckenbergschreibt: Türchen Nr. 22 – Woher bekommen Sie ihre Ideen?

Ich hatte ja angekündigt, dass ich mir Fragen stelle, wenn Ihr es nicht tut. 😀 Ich nehme mal den Klassiker. Er kommt zwar weit seltener, als das Klischee glauben machen will, aber immer noch oft genug. Die berühmte Frage:

Woher bekommen Sie Ihre Ideen?

Ich verstehe die Frage ehrlich gesagt nicht. Ich meine… beobachtet einmal Euer Bewußtsein. Wisst Ihr, wo Eure GEDANKEN her kommen? Gedanken kommen nicht bewußt, selbst wenn Ihr Euch vornehmt „ich denke jetzt an einen roten Elefanten“ – woher kam die Idee, daran zu denken? Und umgekehrt – es dürfte Euch jetzt unmöglich sein, NICHT an einen roten Elefanten zu denken. Wenn wir also unsere Gedanken weder hervorrufen, noch steuern, noch aufhalten können – wieviel unmöglicher ist es dann mit Ideen? Ich habe also nicht die geringste Ahnung, wo meine Ideen herkommen. Ich habe sie, ich habe ein Gespür dafür, welche Ideen ich in welche Art von Geschichten umsetzen kann, und ich haben dann in der Regel auch genug nachfolgende Ideen, um die Geschichte zu schreiben. Eine Mischung aus Talent, Erfahrung und Handwerk, denke ich – wie man sie auch in in vielen anderen Beruf braucht.

Manchmal scheint sich die Frage auch auf die Art der Ideen zu beziehen. Nun schreibe ich Phantastik und Krimi, Geschichten also, in denen die Realität in irgendeiner Form anders ist als wir sie kennen und / oder in der den Figuren etwas Schlimmes passiert. Ich könnte jetzt versuchen, dass zu erklären indem ich darüber nachdenke, dass ich mit dem Konzept der Realität an sich wenig anfangen kann, Ängste und Abgründe habe, denen ich mich stelle und die ich zuweilen auch willkommen heiße, etc., etc., aber ich glaube, die ehrliche Antwort ist: Mein Gehirn funktioniert eben so. Stephen King entwarf einmal das Bild (es war in „On Writing“, glaube ich), wie er und ein bekannter Westernautor an einem See sitzen- King meinte, dass der Westernautor da vielleicht eine Idee für eine Geschichte um einen Krieg um Wasserrechte hätte, während er selbst über das Ding in der Tiefe nachdenkt. Das trifft es sehr gut, glaube ich. Wer welche Ideen hat ist individuell und lässt sich nicht einfach ändern. Ich KANN Ideen für romantische Komödien entwickeln, das ist Teil des Jobs. Aber von selbst kommen sie nicht.

Ein paarmal ist es mir schon passiert, dass mich nach einer Lesung jemand ansprach, dessen oder deren Satz begann mit: „Ich habe auch eine Idee für einen Roman…“ Diese Leute wollen mir in der Regel nicht von einer Geschichte erzählen, die sie selbst schreiben wollen – was ich interessant fände, ich spreche gerne mit anderen Geschichtenerzähler*innen – sondern haben irgendeine Form des Plans, dass ich aus ihrer Idee einen Roman mache, und wir dann Ruhm, Geld oder was auch immer daraus folgt, teilen. Ich kenne keine(n) Autor*in, Belletristik oder Drehbuch, der oder die diese Erfahrung nicht kennt. Die Menschen, die mit diesen Angeboten kommen, scheinen zu glauben, Ideen seien rar. Das stimmt nicht, und vielleicht ist das sogar der Hauptunterschied uns und Menschen, die keine Geschichtenerzähler*innen sind: Wir haben DAUERND Ideen. Unsere Hirne produzieren sie am laufenden Band. Nicht alle sind gut, noch weniger wirklich verwertbar, aber wenn ich von allem so viel hätte wie Ideen…

Über Mountfright

Autor und Öffentlichkeitsarbeiter, Mann und Vater, Leser und Filmfreak. Kindheit in den 1970ern, weswegen mich bis heute seltsame Musik mit Ohrwürmern plagt. Aufgewachsen in den 80er Jahren, einem Jahrzehnt, das nicht halb so grau war, wie die anderen glauben. Erste Kurzgeschichte mit 13, erster echter Romanversuch (nach pubertären Ausfällen) mit 17, die nachfolgende Schreibblockade habe ich mir mit Songtexten für die Kölner Psychobillyband "Boozehounds" vertrieben. Danach ging es wieder: Erster lesenswerter Roman mit 26, seither nicht mehr aufgehört.
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