schreckenbergschreibt: Quarantänegeschichte Nr. 17 – 8 Stunden, 11 Minuten, 42 Sekunden

Kommt näher, liebe Freundinnen und Freunde. Draußen ist es wieder kälter geworden. Das Feuer ist warm, und ich hoffe, meine heutige Geschichte wärmt Eure Herzen mit süßen Erinnerungen – bei mir tut sie das. Und vielleicht bekommt Ihr durch sie auch eine Idee, wie Ihr Euch die Quarantäne versüßen (und das Social Distancing ausweiten 😀 ) könnt.

Auch die heutige Geschichte ist unveröffentlicht, ich habe sie einst als Vorlesestück für das erste analoge Treffen des Internet-Forums geschrieben, in dem Sarah und ich uns kennen gelernt haben. Nun lese ich sie Euch allen vor.

Wieder unter der Lizenz Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International (CC BY-NC-ND 4.0)* Bitte beachtet dabei, dass JEDE Verwendung den Hinweis auf die Erstveröffentlichung enthalten muss!



8 Stunden, 11 Minuten, 42 Sekunden

von Michael Schreckenberg

Ich war so entsetzt, entsetzt und empört, dass ich wortwörtlich sprachlos war. Ich knallte das Dossier auf Rotfelds Schreibtisch und starrte ihn an. Er erwiderte meinen Blick eine ganze Weile, dann lächelte er halb, sah auf die Kladde und zupfte ein wenig an den herausstehenden Blättern herum.

„Papier. Ist Ihnen das schonmal aufgefallen, Tyler? Wir sind so weit weg von… von allem, dass wir wieder Papier benutzen.“

„Was?“ Ich war nicht sicher, ob ich ihn richtig verstanden hatte.

„Papier…“ Er lächelte wieder, während er an einem anderen Blatt zupfte. Dann schüttelte er leicht den Kopf und sah mich wieder an.

„Was haben Sie für ein Problem, Tyler?“

„Das… Verzeihung, Sir, aber das kann nur ein Witz sein.“

„Was kann nur ein Witz sein?“

Mühsam, während ich mich fragte, ob er mich wirklich nicht verstand, senkte ich meinen Finger ruhig auf das Dossier, so ruhig, wie ich eben konnte.

„Das. Sir.“

„Oh ja…“ Er lächelte immer noch dieses abwesende Lächeln. „Seltsam, das ganze, nicht wahr?“

„Seltsam? Das ist reiner Wahnsinn. Sie schreiben mir alles vor, alles. Ich… ich kann überhaupt nichts tun. Und diese Vorschriften sind der reine Irrsinn.“

„Ich dachte, Sie sind gewohnt, Befehle zu empfangen.“

„Befehle ja. Aber nicht… so etwas. Auf wessen Mist ist das gewachsen?“

„Es kommt von oben, Tyler.“

„Von… oben?“

„Ja.“

Ich wartete einen Moment, aber er war offensichtlich nicht gewillt, konkreter zu werden. Ich sah meine Felle schwimmen. Mir war klar, dass er keine Änderung an dem Plan erlauben würde. Erlauben durfte, ich will fair bleiben. Dennoch machte ich einen weiteren verzweifelten Versuch. Ich zog das größte Stück Papier, einen Plan der Festung, aus der Kladde und breitete ihn aus. Er war so groß, dass er über den Schreibtisch des Direktors hinausragte.

„Sehen Sie, Sir. Hier in diesen Trakt kommt dieser Freeman, sehe ich das richtig?“

Er schaute kaum auf den Plan. „Ja.“

„Gut. Oder nicht gut, egal, aber damit kann ich noch leben. Aber dann das – alle anderen Gefangenen in den Westblock?“

„Ja.“

„Das ist Irrsinn. Auf dem Westblock oben ist der Heliport. Wenn wirklich jemand kommt, um Freeman rauszuholen….“

„Wir sind sicher, dass jemand kommen wird.“

„Ja, aber dann ist das doch absoluter Wahnsinn. Es gibt keinen besseren Platz, um eine Flucht zu starten, als den Westblock. Sie müssen einfach nur die Treppe hoch laufen, und sind draußen.“

Er lächelte wieder. „Sie vergessen etwas Wichtiges, Tyler.“

„Was?“

„Wir erwarten, dass jemand kommt, um Freeman zu befreien. Nicht die anderen.“

„Sir. Wenn jemand Freeman befreien will, wird er mit ziemlicher Sicherheit eine Fluchtroute zum Heliport wählen. Und wenn jemand über den Heliport fliehen will, braucht er nur die anderen Gefangenen – die sinnigerweise im Westflügel untergebracht sind – zu befreien, und er hat mit einem Mal 43 Mann Verstärkung, davon mindestens 30 ehemalige Söldner. Wenn wir sie dagegen in die Keller…“

„Tut mir leid, Tyler.“

„Aber warum?“

„Befehl von oben.“

Es war sinnlos, ich wußte es, aber ich konnte nicht aufhören.

„Dann lassen sie mich wenigstens etwas an diesen völlig hirnrissigen Verteidigungsringen ändern. Zuerst die Milizmänner. Dann die normale Besatzung, dann die Roboter, dann die Cyborgs und zuletzt meine Leute und ich. Das ist…“

„Tyler…“

„Bitte Sir, sehen Sie das denn nicht? Wir helfen jedem, der hier eindringen will. Wir lassen ihn lernen. Wir selektieren zu seinen Gunsten. Die Stärksten kommen durch und gewinnen ein Maximum an Kenntnissen bei geringstmöglichem Schaden. Wenn ich dagegen direkt da draußen bin. Mit meiner Truppe. Dann…“

„Tyler, es ist unmöglich.“

„Dann lassen Sie mich zumindest ein paar der Roboter draußen stationieren. Die können hier drinnen doch gar nicht ihr ganzes Potential entfalten. Und die Scanner…

„Tyler…“

„Sir, ich habe es berechnet, ein halbes Dutzend mal. Es gibt in jedem Gang mindestens einen toten Winkel. Dabei wäre es ganz einfach…“

„Oberst Mc Bain! Sie werden die Verteidigung dieser Anlage gemäß den Ihnen vorliegenden Plänen organisieren. Dann werden Sie morgen Mittag den Gefangenen Oberon Freeman empfangen, ihn in die für ihn vorgesehene Zelle bringen, und ihn mit Ihren Leuten bewachen. Exakt so, wie es der Plan vorsieht. Ist das klar, Oberst?“

„Ja, Sir. Ich bitte um Entschuldigung.“

Ich faltete den Plan zusammen, stopfte ihn in die Kladde, nahm das verdammte Ding und ging hinaus.

Es schneite. Wie immer. Hier schneite es immer und ich fragte mich stets, wie es kam, dass wir nicht einfach alle im Schnee begraben wurden, ich, der Direktor, die Gefangenen, das ganze beschissene Gefängnis, der ganze verdammte Planet. Aber irgendwie schien die Schneedecke nie wirklich zu wachsen. Spuren wurden mit der Zeit verdeckt und verweht, aber die Felsspitzen standen immer unbedeckt und schwarz in den gleichförmig grauen Himmel. Und niemals hatte ich gesehen, dass einer der Milizionäre das Tor freigeschaufelt hätte. Oder die Wege im Vorhof. Immer fiel der Schnee, aber es war, als verschwände er einfach im Nichts, wenn er den Boden berührte und eins mit der weißen Decke wurde.

Andererseits – war das mein Problem? Ich war Soldat, kein Meteorologe. Mein Problem schwebte zwar auch gerade aus dem nebligen Dunkel des Himmels, aber es war nicht weiß und still. Es war häßlich, grau-gelb und laut. Der Transporter, der Freeman brachte.

Ich hatte nicht vor, an der nun folgenden kleinen Szene aktiv Teil zu nehmen. Freeman sollte zumindest im Unklaren darüber bleiben, wie wichtig man ihn hier nahm. Ich überließ die Formalitäten, das Gerede, die Belehrungen und Vergatterungen Burton, stand etwas abseits und sah mir das ganze an. Dabei achtete ich sorgfältig darauf, dass aus der Art, wie ich dastand und mir alles ansah, klar wurde, wer hier wirklich das Sagen hatte. Spielchen, sicher. Aber die gehören dazu, bei so etwas.

Burton brachte Freeman zu dem kleinen Gleiter und schubste ihn hinein. Drinnen saßen schon zwei von meinen Leuten. Ich schwang mich im letzten Moment mit rein, dann schloß sich die Ladeklappe zischend. Der Gleiter setzte sich in Bewegung, gefolgt vom Rest meiner Truppe, flankiert von zwei gewaltigen Kampfrobotern. Das hatten sie mir seltsamerweise erlaubt. Was hätte ich darum gegeben, zumindest diese beiden draußen im Schnee Patrouille laufen zu lassen. Aber ich hatte eben andere Befehle. Von oben.

Freeman schwieg, während wir zum Gefängnis glitten. Ich hatte aufgegeben zu fragen, warum sie ihn nicht einfach zum Heliport gebracht hatten. Ich sah mir meinen Gast an. Er sah jung aus, für einen so brillanten Wissenschaftler und gefährlichen Aufrührer, aber das mochte nichts heißen. Schon zu der Zeit, als ich noch in der Zivilisation gelebt hatte, waren die Möglichkeiten der Lebensverlängerung und Jugenderhaltung erstaunlich gewesen. Seither war eine Ewigkeit vergangen, ich wußte nicht zu sagen, wie viele Standardjahre. Das auffälligste an seinem jungen Gesicht waren die sehr großen, sehr dunklen Augen. Das schwarze Haar fiel ihm wirr ins Gesicht und ich konnte nicht sagen, ob das an der langen Reise oder an irgendeiner Mode lag. Seine Haut war olivfarben und makellos, die Kälte draußen, gegen die wir uns mit Masken schützten, schien ihm nichts ausgemacht zu haben. Er war schmal, aber er wirkte nicht geschwächt, wie so viele andere, die ich hier hatte ankommen sehen.

„Hör zu, Mann. Hier kommt keiner raus.“

Freeman drehte sein Gesicht langsam in die Richtung des Mannes, der ihn angesprochen hatte. Es war Burton gewesen. Auch ich sah meinen Leutnant an. Was ging hier vor?

„Du wirst hier für immer versauern, ist Dir das klar? Wir bewachen Dich. Der Bionic-Squad.“

„Ihr könnt die Freiheit nicht einsperren,“ sagte Freeman mit seltsam heller Stimme.

Dieser pathetische Blödsinn paßte schön zu Burtons martialischem Blödsinn, aber damit hatte sich die Konversation auch erschöpft. Den Rest des Weges legten wir wieder schweigend zurück. Nachdem wir das Tor passiert hatten, nahmen die Milizionäre Freeman in Empfang. Ich wandte mich im Vorbeigehen an Burton.

„Leutnant.“

„Sir?“

„Melden Sie sich in zehn Minuten in meinem Büro.“

„Ja Sir.“

Ich saß in meinem Büro und starrte aus dem Fenster. Schnee, Schnee, Schnee und immerwährende Dämmerung. Was für ein jämmerlicher, kalter Scheißplanet. Der Schnee erstickte die Zeit, die Dämmerung tötete sie, es war alles ein endlos dahinschleichendes, ewiges Nichts, ein einziger, endloser, monotoner Moment. Die Bilder auf meinem Schreibtisch, meine Frau, meine Eltern, die Diplome und Auszeichnungen an der Wand, sie waren nichts mehr als Dekoration, Fassade, damit der Raum bewohnt aussah. Ich war in die Mitte des Nichts geraten, einen Ort, der keine Verbindung zu Raum und Zeit mehr hatte. Abgesehen von Oberon Freeman, der von außen gekommen war. Es klopfte an der Tür. Ich nickte. Burton hatte das offenbar durch die Milchglasscheibe erkannt, denn er betrat das Büro.

„Sir, ich melde mich wie…“

„Machen Sie die Tür zu, Leutnant.“

„Ja, Sir.“

Ich kam hinter meinem Schreibtisch hervor und baute mich vor ihm auf. Burton war massig und überragte mich um Haupteslänge, aber er entsprach nicht dem Klischee des Muskelmannes. Er war ruhig und besonnen, klug und vorsichtig. Hatte ich zumindest bis eben gedacht.

„Was war das für ein Auftritt, eben im Gleiter, Larry?“

Sein riesiger Adamsapfel hüpfte.

„Ich weiß es nicht, Sir.“

„Wie bitte?“

„Ich weiß es nicht. Es… äh… es überkam mich einfach, es…“ Er wurde tatsächlich rot. „Ich verstehe es selbst nicht, Sir.“

„Hier kommt keiner raus?“

„Sir…“

„Du wirst hier für immer versauern?“

„Es… ich…“

„Und was, beim Teufel, ist ein Bionic-Squad?“

„Nun, Sir, wir sind doch…“

„Ja?“

„…verändert, und…“

„…deshalb geben Sie uns einen dämlichen Namen?“

„Sir, ich kann es mir auch nicht erklären.“

„Wie soll ich das verstehen, Larry?“

„Ich verstehe es selbst nicht, Sir.“

„Kommt es öfter vor, in letzter Zeit, dass Sie etwas… überkommt?“

„Nein, Sir.“

Ich musterte ihn eine Weile, offenbar war ihm sein Auftritt selbst mehr als peinlich. Bionic-Squad. Schließlich winkte ich ihn hinaus.

„Ich betrachte die Sache als erledigt, Leutnant. Ich erwarte, dass sowas nicht wieder vorkommt. Gehen Sie auf Ihren Posten.“

„Ja Sir. Danke Sir.“

Er ging. Ich fühlte mich unendlich müde.

Sie kamen drei Tage später. Drei Gleiter, von denen zwei schon beim Anflug abgeschossen wurden. Ich sah mir die Aufzeichnung, die der Satellit gemacht hatte, in Rotfelds Operationsraum an. Ich konnte es nicht glauben.

„Sie haben uns einen Haufen Dilettanten geschickt, Sir?“

„Meinen Sie?“

„Nun ja…“

„Sehen Sie weiter.“

Der graue Schemen, der den Gleiter darstellte, setzte auf. Die Bildschirmansicht wechselte von einer dreidimensionalen Aufsicht im Winkeln in die zweidimensionale Vogelperspektive – der Satellit zeigte uns ein stilisiertes Bild. Aus dem Umriss des Gleiters quollen acht rote Punkte. Der erste verschwand sofort, die anderen näherten sich den Vorposten der Milizionäre. Wieder verschwanden zwei. Minen. Dann ein weiterer – die Selbstschussanlage.

Es war in wenigen Minuten vorüber. Keiner der Acht war auch nur in Schussweite des ersten Vorpostens gekommen. Ich begriff es nicht. Rotfeld sah mich von der Seite an.

„Und?“

„Was soll das, Sir? War das eine Übung?“

„Nein. Ist ihnen nichts aufgefallen?“

„Der erste war ziemlich schnell weg. Herzinfarkt?“

„Nein.“

Mir ging dieses Rätselspiel auf die Nerven. Ich beschloss, zu schweigen. Wie erwartet hielt Rotfeld das nicht lange aus.

„Was sagt Ihnen der Name „Shadowsuit“, Oberst?“

„Nichts.“

„Das wundert mich nicht. Es ist eine völlig neue Entwicklung. Ein Kampfanzug der, wenn er aktiv ist, seinen Träger unsichtbar macht. Für jeden Sensor. Egal ob biologisch, elektronisch, oder… bionisch.“

„Schön. Und Nummer Eins steckt in diesem Ding?“

„Es sieht so aus. Es gibt ihn eigentlich noch nicht, er war noch in der Testphase.“

„War?“

„Er wurde gestohlen.“

Ich seufzte. Warum nur hatte ich das Gefühl, das alles schon tausendmal erlebt und gehört zu haben? Ich war müde.

„Gestohlen?“

„Ja, leider. Aber immerhin, einen Vorteil haben wir.“

„Ja?“

„Er war noch in der Testphase, wie gesagt. Er verbraucht sehr viel Energie. Unser Freund wird ihn bald wieder aufladen müssen.“

„Aufladen. Womit?“

„Standardakkus. Er läuft mit Standardakkus.“

War das nicht klar? Ich nickte nur.

„Haben Sie ein Problem, Oberst?“

„Ich? Oh, nein, gar nicht. Ich dachte gerade, wie schön das zu dem Befehl von vorletzter Woche passt.“

„Zu welchem Befehl?“

Ich schaffte es, mich zu beherrschen und rechnete mir das hoch an. „Zu dem Befehl, Sir, überall in der Festung kleine Depots mit Munition, Passwaycards und/oder Standardakkus anzulegen. Für den Fall, für den sehr unwahrscheinlichen Fall, dass unsere Einheiten bei der Verteidigung der Festung isoliert würden.“

„Oh, DER Befehl.“

„Ja, Sir.“

„Tut mir leid, Oberst. Kam von ganz oben.“

Ich schwieg. Er auch. Aber nur kurz.

„Nun, McBain, worin sehen Sie die beste Chance für unsere Verteidigung?“

„Darin, dass er wirklich einen Herzinfarkt hatte.“ Ich verließ den Raum.

Er passierte die Milizionäre unbehelligt. Zweimal fasste der Satellit ihn kurz auf, offenbar schaltete er seine Tarnung ab, um die Akkus zu schonen. Aber die Amateure, die ich draußen hatte, waren nicht in der Lage, schnell genug zu reagieren. Hätte ich auch nur einen der Kampfroboter einsetzen dürfen… . Er kam ins Gebäude, und dort konnte der Satellit ihn nicht mehr orten. Die Sensoren erfassten ihn hin und wieder, aber er war gut. Er entwischte ihnen schnell und nutzte geschickt die toten Winkel aus, die ich nicht hatte beseitigen dürfen. Ich saß in meinem Büro, das Kommgerät in meinem Kopf aufgeschaltet, gab meine Befehle, aber er war mir immer einen oder zwei Schritte voraus. Ich konnte seinen Weg zunächst nur verfolgen, indem ich die unidentifizierten Passwaynutzungen verfolgte. Er hatte offensichtlich eines unserer Depots gefunden.

Er passierte die reguläre Besatzung fast unbemerkt, allerdings tötete er drei der Männer unterwegs. Die armen Kerle hatten nie eine Chance. Den ersten erledigte er mit einem Schuss aus weiter Distanz. Die anderen beiden mit einer Gasgranate. Die stammte aus einem unserer Depots. Es war zum Heulen.

Allerdings schien er so etwas wie ein Gewissen zu haben – was mich wunderte. Aber während von den Wachmännern nur die umgebracht hatte, an denen er sonst nie und nimmer vorbei gekommen wäre, kannte er bei den Robotern kein Pardon. Eine Spur von zerfetztem Stahl und sauteurer Elektronik pflasterte seinen Weg, er wollte offenbar ganz auf Nummer sicher gehen. Einen Robot nach dem anderen verwandelte er in Schrott. Immerhin konnte ich so seinen Weg recht gut verfolgen und vorhersehen, und ich schickte ihm mein bestes Stück in den Weg – einen Killemall Mercyless 88a. Das Ding schob sich ihm in den Weg, gerade als seinem Anzug die Energie ausging. Vermutlich begriff er nie, was ihn erwischte.

… kannte er bei den Robotern kein Pardon. Eine Spur von zerfetztem Stahl und sauteurer Elektronik pflasterte seinen Weg, er wollte offenbar ganz auf Nummer sicher gehen. Einen Robot nach dem anderen verwandelte er in Schrott. Immerhin konnte ich so seinen Weg recht gut verfolgen und vorhersehen, und ich schickte ihm mein bestes Stück in den Weg – einen Killemall Mercyless 88a. Die Sensoren erfassten ihn kurz, als er den Akku wechselte, dann war er wieder verschwunden. Dennoch machte der Killemall seine Sache gut. Der Robot berechnete den Weg seines Feindes aus den Angriffsmustern, schickte im richtigen Moment einen EMP Impuls und legte so die Tarnung lahm. Der Rest war kurz, gemein und unappetitlich.

… erfassten ihn kurz, als er den Akku wechselte, dann war er wieder verschwunden. Dennoch machte der Killemall seine Sache unter den gegeben Bedingungen nicht schlecht. Der Robot berechnete den Weg seines Feindes aus den Angriffsmustern und schickte hin und EMP Impulse los, um die Tarnung lahm zu legen. Unser Eindringling hatte aber offenbar irgendeine Konterwaffe – die EMPs verpufften wirkungslos. Es dauerte vier Minuten, dann erwischte eine von diesen kleinen, gemeinen Hohlladungen meinen schönen, teuren Robot, und die sich öffnende Tür war vorerst das Letzte, was ich von meinem Gegner sah.

Dann hätten wir ihn fast erwischt. Ich hatte hilflos beobachtet, wie er einen Cyborg nach dem anderen ausschaltete und schon fast aufgegeben, als ihm der Saft ausging. Plötzlich war er da, von zwei Sensoren gleichzeitig erfasst, bei dem Versuch, in dem Gängegewirr vor dem Gefangenentrakt einen Weg zu finden. Er irrte wie kopflos herum, wandte sich hierhin und dorthin und leuchtete auf meinen Monitoren wie ein ganzes Feuerwerk. Er hatte mir nur noch drei Cyborgs gelassen, aber das waren drei der allerneuesten Prototypen: Tyrant RE 4000. Und die ließ ich jetzt auf ihn los.

Habe ich erwähnt, dass er gut war? Der erste Tyrant kam gar nicht an ihn heran, er hatte sich mit einer Annäherungsmine geschützt. Den zweiten erledigte er aus einem Luftschacht heraus, in den er sich verkrochen hatte. Sein Meisterstück aber lieferte er bei dem Dritten ab. Er sprengte ihm mit einer genau gezielten Minigranate den Oberkörper weg, näherte sich dann seelenruhig dem zuckenden Rest, öffnete die Klappe in der Fußsohle, nahm den Akku heraus – und verschwand. Kurz darauf passierte er die letzte Tür vor dem Gefangenentrakt.

Ich wußte nun, mit wem ich es zu tun hatte, die Sensoren hatten ihn identifizieren können. Sein Name war Chris Jensen. Ex-Polizist, Ex-Geheimagent, Ex-Söldner, Ex-Alles. Irgendwann hatte er die Seite gewechselt und arbeitete nun für den Widerstand. Für Freemans Leute.

Jetzt war es soweit. Ich rief Burton, der kurz darauf in meinem Büro stand.

„Sir?“

„Haben Sie die ganze Sache verfolgt?“

„Sicher, Sir.“

„Er wird zu Freeman gehen. Wir teilen die Gruppe. Sie nehmen Shepherd, Croft und Yagu und fangen ihn vor der Zelle ab. Wenn das schief geht, warte ich mit Whesker, Valentine und Denton vor dem Westblock. Da muss er durch.“

„Sir – darf ich einen Vorschlag machen?“ fragte er.

„Bitte.“

„Lassen Sie mich mit Whesker und Denton vor den Westblock, teilen Sie Valentine den Zellen zu. Yagu kann dort das Kommando übernehmen. Sie, Sir, erwarten Jensen beim Heliport – wenn alle Stricke reißen.“

Ich überlegte kurz.

„Gut.“

Das war vor etwa einer Stunde. Ich stehe in einem kleinen Verschlag oberhalb des Landedecks, von hier aus habe ich einen guten Blick auf den ganzen Heliport. Hier oben ist es schön ruhig, nur der Sturm, der ewige Sturm rüttelt an den Wänden meines Verschlages. Es kann jetzt nicht mehr lange dauern.

Meine Leute sind alle tot. Unter mir tobt das Chaos. Die Mobile Infanterie ist gelandet und liefert sich in der Festung eine Schlacht mit den Häftlingen, die Jensen befreit hat. Die Soldaten werden gewinnen, aber das ist egal, bis dahin sind Jensen und Oberon Freeman längst über alle Berge. Wenn ich sie nicht aufhalte.

Der Fluchtheli ist eben gelandet, es ist eine Transport-Kampf-Einheit. Das bedeutet, ich kann ihn nicht zerstören, er würde sich verteidigen und mich schneller erledigen als ich ihn, mit den spärlichen Mitteln, die ich hier habe.

Unten öffnet sich eine Tür. Ich schiebe mich langsam aus der Tür, hebe das Gewehr und blicke durch die Zieloptik. Freeman zuerst. Sollte es so einfach sein?

McBain legt an und schießt. Freeman ist sofort tot.

… Unten öffnet sich eine Tür. Ich schiebe mich langsam aus der Tür, hebe das Gewehr und blicke durch die Zieloptik. Freeman zuerst. Sollte es so einfach sein?

Selbstverständlich nicht. Jensen scheint zu ahnen, was auf ihn zu kommt, vielleicht hat er mich auch gesehen. Er stößt Freeman zur Seite, mein Schuss geht ins Leere. Er hebt seine Waffe, schießt, verfehlt mich. Ich reagiere zu schnell für ihn. Ich springe hinunter auf das Landedeck -–so ein bionischer Körper kann sehr praktisch sein. Er versucht mich zu erwischen, aber ich bin zu schnell für ihn. Als seine Munition aufgebraucht ist, habe ich leichtes Spiel. Er zieht sein Messer – es ist das letzte, das er tut.

Nachdem Jensen tot ist, sucht McBain Freeman nur kurz. Er findet ihn und bringt ihn zurück in die Festung, wo die Mobile Infanterie gerade die letzten Häftlinge zusammentreibt.

… Unten öffnet sich eine Tür. Ich schiebe mich langsam aus der Tür, hebe das Gewehr und blicke durch die Zieloptik. Freeman zuerst. Sollte es so einfach sein?

Selbstverständlich nicht. Jensen scheint zu ahnen, was auf ihn zu kommt, vielleicht hat er mich auch gesehen. Er stößt Freeman zur Seite – und ist verschwunden. Mein Schuss geht ins Leere. Ich brauche einen Moment um zu begreifen, was passiert ist. Jensen, der seinen letzten Akku während des Kampfes mit Leutnant Burton aufgebraucht hatte, hat das letzte Depot gefunden, direkt unter dem Heliport. Ich weiss, dass ich jetzt chancenlos bin. Vielleicht, wenn ich…

Mc Bain wird getroffen, direkt in die Brust. Der Treffer wirft ihn gegen eine Wand. Wie im Traum sieht er den Heli mit Jensen und Freeman abheben, dann plötzlich Worte am Himmel, die sein ganzes Sichtfeld füllen, Buchstaben ziehen vorüber, so schnell, dass sein schwindender Geist sie nicht erfassen kann. Dann stehen die Buchstaben still. Die Welt verschwindet Und das letzte, das Oberst Tyler McBain sieht, ist eine Schrift vor schwarzem Nichts:

FREE MAN 2 – THE BIONIC SQUAD

Final Score: B++

Enemies killed: 32

Items found: 51

Saves: 3

Total Time: 8 hours, 11 minutes, 42 seconds

Save data?

Yes

No

ENDE







*Dies ist eine allgemeinverständliche Zusammenfassung der Lizenz und Haftungsbeschränkung (die diese nicht ersetzt).

Sie dürfen:

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Über Mountfright

Autor und Öffentlichkeitsarbeiter, Mann und Vater, Leser und Filmfreak. Kindheit in den 1970ern, weswegen mich bis heute seltsame Musik mit Ohrwürmern plagt. Aufgewachsen in den 80er Jahren, einem Jahrzehnt, das nicht halb so grau war, wie die anderen glauben. Erste Kurzgeschichte mit 13, erster echter Romanversuch (nach pubertären Ausfällen) mit 17, die nachfolgende Schreibblockade habe ich mir mit Songtexten für die Kölner Psychobillyband "Boozehounds" vertrieben. Danach ging es wieder: Erster lesenswerter Roman mit 26, seither nicht mehr aufgehört.
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3 Antworten zu schreckenbergschreibt: Quarantänegeschichte Nr. 17 – 8 Stunden, 11 Minuten, 42 Sekunden

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