schreckenbergzeigt: What she said.

Ich wollte selbst etwas zum Brexit schreiben – wer nicht – aber ich denke die kurze, bittere Analyse meiner Freundin Sarah Wassermair im zweiten Absatz ihres Blogbeitrags fasst es zusammen. Die Schotten können sich als Nation lösen oder einen Sonderstatus erstreiten, da bin ich sicher. Aber die jungen, gebildeten Engländerinnen und Engländer, die mit der Entscheidung der Alten und/oder Ungebildeten noch viele Jahrzehnte leben müssen haben meine ganze Sympathie. Und London bleibt meine Lieblingsstadt. Was für ein trauriger Tag.

Avatar von Sarah WassermairDer Guppy war's und nicht die Lerche

Okay, that’s it. Ich erkläre 2016 hiermit für unzurechnungsfähig und enthebe es seines Postens.
2012 kommt aus der Pension und wird interimsmäßig übernehmen, bis 2017 mit seiner Ausbildung durch ist und sich der sich der wichtigen Aufgabe gewachsen fühlt, nicht alle fünf Minuten irgendwelche Kunstikonen umzubringen, Leute im Mittelmeer zu ersäufen oder die EU zu zerlegen. Herzlichen Dank.

Am meisten Leid tun mir grad die jungen Briten – die, die in großer Mehrheit für den Verbleib in der EU gestimmt haben, und die aus der reinen Sturheit ihrer Alten heraus so viele Möglichkeiten verloren haben. Die bald nicht mehr so frei Reisen, Arbeiten, Leben, Heiraten können wie noch vor ein paar Tagen, einfach, weil ein paar alte, bornierte Deppen nicht über den Tellerand schauen konnten.

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schreckenbergschaut: Immer noch verliebt, obwohl…

Der Unterschied zwischen guten und schlechten Lehrern zeigt sich an meinem Beispiel plakativ an zwei literarischen Werken: Macbeth und Der Untertan. Während wohlmeinende Zeitgenossen mich nachträglich darauf aufmerksam gemacht haben, was für ein großes Werk Heinrich Mann Roman ist – weil mein Lehrer in in seinem Unterricht zu einem grauenvollen Brei aus Belanglosigkeit und Langeweile zerkocht hat – habe ich Macbeth vom ersten Moment an geliebt. Und mein Englischlehrer hat sehr viel dazu getan mir diese Liebe nicht auszutreiben. Entsprechend gespannt war ich natürlich auf die Neuverfilmung dieses geliebten Werkes. Soeben habe ich sie mir auf DVD angesehen, gemeinsam mit Sarah, die dazu kurz gebloggt hat. Und ich liebe das Scottish Play immer noch. Aber nicht dieser Verfilmung wegen.

Macbeth

Drehbuch: Jacob Koskoff, Michael Lesslie, Tod Louiso nach William Shakespeare
Regie: Justin Kurzel

Ich will nicht viel zum Inhalt sagen, den setze ich mal als bekannt oder leicht herauszufinden voraus. Also, was haben Koskoff, Lesslie, Louiso und Kurzel aus Shakespeares großartigem Drama gemacht? Kurz gesagt: Sie haben es eingedampft und abgeflacht.

Hier ist Macbeth als ein Typ eingeführt, der vom Tod seines Sohnes und dem blutigen Schlachtgeschehen, das sein Job ist, arg traumatisiert ist. Deshalb hört er auf die Einflüsterungen der Weird Sisters (und seiner Frau), verfällt dann geradezu blitzartig dem Wahnsinn und am Ende stirbt er. Ja… kann man so machen. Muss man aber nicht.

Fairerweise sei gesagt: Macbeth ist, für Shakespeares Verhältnisse, ein kurzes Stück. Wirklich kurz. Aber deshalb ist es nicht flach, es trieft von Leben, und wo die Entwicklung schnell geht, da hat der Zuschauer üblicherweise keine Probleme, das Ungezeigte mit der eigenen Phantasie aufzufüllen. Hier aber ist jedes Leben aus den Figuren herausgepresst, besonders Macbeth entwickelt sich sprunghaft und willkürlich. Da ist ewig Zeit für Kamerafahrten und Landschaftsaufnahmen – und sehr wenig für die Figuren. Eine meiner Lieblingsszenen, weil unvergleichlich tragisch geschrieben, ist die, in der Macduff von der Ermordung seiner Familie erfährt. Hier aber… Sean Harris, der Macduff spielt, darf ein wenig brüllen (die Gleichung „große Gefühlswallung = Brüllen“ geht in diesem Film meist auf) und dann hat es sich schon mit der Trauer. Etwas weniger Zeit für Effekte wie das Martial-Arts-Ballet im letzen Kampf zwischen Macbeth und Macduff (inklusive Schulterwurf), und ein wenig mehr Zeit für Szenen wie diese und der Film wäre sehr viel weniger belanglos.

Eine Ausnahme allerdings gibt es: Lady Macbeth (Marion Cotillard) ist eine starke Figur, lebendig, verzweifelt, mit spürbaren und nachvollziehbaren Emotionen vom für sie tragischen Beginn (auch eine gute Idee, das Stück mit der Beisetzung des kleinen Macbeth Junior beginnen zu lassen) über ihre geborgte Stärke bis zum Bruch beim Mord an den Macduffs (ebenfalls sehr gut, dass sie dort dabei ist) und der folgenden Selbstauslöschung. Dieselbe Kraft für Macbeth, Macduff und den völlig blassgeschriebenen und -inszenierten Malcom, und das hätte ein wirklich guter Film werden können.

Oh – und die Weird Sisters sind wirklich hübsch weird. Aber das rettet es auch nicht.

Fazit: Kunstvolle Bilder und brauchbare Schauspieler reichen nicht – es kommt, immer, immer, immer auf die Geschichte an. Und die ist hier – von der einen Ausnahme Lady Macbeth abgesehen – recht  misslungen gekürzt und eingedampft. Kein wirklich schlechter Film, dazu ist die Vorlage einfach zu gut. Aber auch nicht gut. Mittelmäßig. Und das ist, bei dem Ausgangsmaterial, schade.

 

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Über Fanfiction

Misaoi heißt jetzt Kath, bloggt aber immer noch äußerst lesenswert. 😀

Zwei Dinge würde ich gerne ergänzen:

1.) Shades of Grey…

… ist nicht nur, wie Kath schreibt, stilistisch schmerzhaft, sondern auch auf viele andere Arten. Irgendwann blogge ich darüber mal extra. In diesem Zusammenhang aber, da Kath auch über Recherche spricht:

E.L. James, die Autorin des Machwerks, gibt offen zu, dass sie nie über Sadomasochismus und das, was Sadisten, Masochisten und Switches einvernehmlich tun, recherchiert hat. Sie hat geschrieben, wie sie sich das vorstellt. Das Ergebnis ist, dass für eine sehr große Zahl von Menschen inzwischen die Beschreibung einer manipulativ-missbräuchlichen Beziehung eines Sadisten mit einer Nicht-Masochistin die Referenz für BDSM ist. Recherche IST wichtig!

2.) Vor dem Problem, das Kath hier in Bezug auf Fanfiction beschreibt – die Masse der schlecht geschriebenen Texte bestimmt die Wahrnehmung, die gut geschriebene Fanfiction hat deshalb unter Vorurteilen zu leiden – trifft auch viele andere Bereiche. Auch die guten Selfpublisher haben darunter zu leiden, dass eben JEDER selbstveröffentlichen kann. Ich begegne dem Vorurteil, dass Selfpubslisher schlechte Autoren sind die eben kein Verlag will immer wieder. Das ist natürlich Blödsinn. Es gibt sehr gute Selfpublisher, sie veröffentlichen eben nur auf einem anderen Weg als wir Autorinnen und Auroren die bei Verlagen sind. Ich habe hier schon einmal etwas dazu geschrieben.

Ein Verlagslektorat garantiert noch keine Qualität (sonst gäbe es keine schlechten Bücher, die bei Verlagen erscheinen) aber es ist zumindest eine Hürde mehr, die viele schlechte Schriftstellerinnen und Schriftsteller nicht nehmen. Daher ist der Prozentsatz guter Texte die bei Verlagen erscheinen höher als unter den Selfpublishern (oder unter Fanfiction), der Rückschluss aber, Fanfiction oder Selfpublisher seien per se schlechter als das was bei Verlagen erscheint ist unfair. Und…. naiv.

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schreckenberglebt: Kunstfreiheit zu verkaufen

Okay, jetzt sage ich auch was zum Fall Böhmermann… Um mal eben die Gesetzeslage klar zu ziehen:

Das ist §103 StGB:

§ 103 Beleidigung von Organen und Vertretern ausländischer Staaten
(1) Wer ein ausländisches Staatsoberhaupt oder wer mit Beziehung auf ihre Stellung ein Mitglied einer ausländischen Regierung, das sich in amtlicher Eigenschaft im Inland aufhält, oder einen im Bundesgebiet beglaubigten Leiter einer ausländischen diplomatischen Vertretung beleidigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe, im Falle der verleumderischen Beleidigung mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.
(2) Ist die Tat öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) begangen, so ist § 200 anzuwenden. Den Antrag auf Bekanntgabe der Verurteilung kann auch der Staatsanwalt stellen.

DAS ist § 104a StGB:

§ 104a Voraussetzungen der Strafverfolgung
Straftaten nach diesem Abschnitt werden nur verfolgt, wenn die Bundesrepublik Deutschland zu dem anderen Staat diplomatische Beziehungen unterhält, die Gegenseitigkeit verbürgt ist und auch zur Zeit der Tat verbürgt war, ein Strafverlangen der ausländischen Regierung vorliegt und die Bundesregierung die Ermächtigung zur Strafverfolgung erteilt.

Unsere Regierung hätte sich also mitnichten „über das Gesetz gestellt“, wenn sie verhindert hätte, dass ein Despot wie Erdogan einen deutschen Staatsbürger in Deutschland verfolgen lässt. Ich halte die verbürgte Gegenseitigkeit für sehr zweifelhaft, müsste man mal testen. Und selbst WENN sie gegeben wäre, hätte die Regierung immer noch völlig im Rahmen ihres gesetzlich gegebenen Spielraums gehandelt, wenn sie die Ermächtigung NICHT gegeben hätte.

Für uns Künstler bedeutet das jetzt: Wenn sich irgendein ausländisches Staatsoberhaupt, ein wichtiger Diplomat oder sonstwer entsprechendes durch unsere Arbeit beleidigt fühlen möchte, dann kann er das ausleben. Unsere Regierung wird uns nicht schützen. Jedenfalls nicht, wenn sie diesen Menschen braucht, um Flüchtlinge zu drangsalieren oder meinethalben auch Banken zu retten, das Wachstum anzukurbeln oder die nächste Wahl zu gewinnen. Wenn wir Glück haben, ändert sich das 2018. Frühestens. Oder auch nicht, wer weiß das schon. Vielleicht möchte Herr Erdogan oder sonst ein Despot ja nicht, dass wir das Gesetz ändern. Dann muss die Regierung bestimmt nochmal beraten…

Mich persönlich betrifft das wahrscheinlich garnicht. Es sei denn, irgendein niederländischer Wichtigmensch fühlt sich von meiner Darstellung der Niederländer in „Nomaden“ persönlich beleidigt. Da das aber durch die Bank Sympathen sind (finde ich) wäre das schwierig. Was habe ich noch…

Naja, durch Joe und Chloe in den „Träumern“ könnte sich Sinn Fein angegriffen fühlen… aber die sind eigentlich auch sehr sympathisch, oder? Ich mag vor allem Chloe… 😀

Nein, ich bin wahrscheinlich nicht in akkuter Gefahr. Aber das ist völlig egal. Tatsache ist: Ich bin so lange nicht in Gefahr, wie ich harmlos bin. Höre ich damit auf, wird zumindest diese Regierung mich nicht vor dem langen Arm ausländischer Potentaten schützen.

Und das ist übel.

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Sword of Vengeance: Things I Have Learned

A. E. Larsens „A Historian goes to the movies“ ist im Moment einer meiner Lieblingsblogs und eigentlich müsste ich ihn dauernd rebloggen… aber diesen resigniert-verzweifelten Beitrag darf ich Euch einfach nicht vorenthalten. 😀

Avatar von aelarsenAn Historian Goes to the Movies

So I’m in the process of watching Sword of Vengeance (2015, dir. some talentless hack). It’s set in late 11th century England, just after the Norman Conquest of England. I went to grad school for a long time studying medieval Europe, but this film has taught me a lot of things that my formal education somehow managed to miss. I can’t be bothered to figured out the plot of the film. I dunno, I’m guessing it involves vengeance somewhere along the line, based on the title and the protagonist’s constant scowling. So instead, I figure I’d just tell you what this film is teaching me.

  1. Northern England has a really tall mountain. I think Peter Jackson filmed the Mt Doom sequence there.
  2. The Anglo-Saxons took their landscaping cues from the Blair Witch.
  3. Color had not yet been invented in this period.
  4. Darkness and fog were extremely common. I think the locals…

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