schreckenbergschreibt: Quarantänegeschichte Nr. 20 – Unser Haus

Geschichtenzeit. Kommt in den Kreis, meine Freundinnen und Freunde.

Nachdem ich Euch in den letzten Tagen mehrmals Geschichten aus meinem zentralen Mythos erzählt habe, oder solche, die ich als Erwachsener für Wettbewerbe und Anthologien geschrieben habe, nehme ich Euch jetzt mal ganz an meine Anfänge mit. „Unser Haus“ war eine der allerersten Geschichten die ich geschrieben habe und die ich seither so gut wie garnicht verändert habe. Man merkt es nicht nur an der Kürze und der sehr rohen Dramaturgie sondern auch daran, dass sie nicht viel mehr ist, als die Umsetzung einer einzigen Idee.

Ich habe mich damals schon sehr für Perspektivwechsel interessiert (immer noch eines meiner Lieblingsthemen) und hatte eine verzeihliche, schulbedingte Schwäche für Metaphern. Und mehr wollte diese Geschichte nie sein, ich habe sie stets als Spiel verstanden. Ich mag sie immer noch, ich habe danach viel schlechteres Zeug geschrieben. Daher trete ich zur Seite und bitte den 14jährigen Jungen, der seit er klein war schon gerne Geschichten erzählte ans Feuer, damit er uns seine neueste Idee vorträgt.

Inspieriert ist sie übrigens von einem Lied von Cat Stevens / Yusuf Islam, wir sagen nicht, von welchem, das wäre spoilern.

(Wieder unter der Lizenz Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International (CC BY-NC-ND 4.0)*.)




Unser Haus

von Michael Schreckenberg

Sie saßen in ihren Zimmern in ihrem Haus, als es über sie hereinbrach. Sie saßen in ihren Zimmern, in denen sie schon immer gesessen hatten, in ihrem Haus, in dem sie schon immer gelebt hatten. Sie hatten das Haus mit der Zeit vergrößert, ausgebaut, doch hatten sie es nie verlassen. Sie würden immer hier sein.

Doch eines Tages trat das Monster in ihr Leben. Es war das Wesen aus ihren Angstträumen, gekommen zu zerstören, zu fressen und zu töten. Sie spürten einen gewaltigen Ruck, als es das Haus ausriss und in seine riesige Pranke nahm. Ängstlich hielten sie sich fest, an den Wänden, aneinander, hilflos.

Das Monster schlug seine Zähne in ihr kleines Haus und riss mit einem Biss die halbe Außenwand und ein Zimmer in seinen Schlund. Hans verschwand schreiend in den schwarzen Tiefen des Monstermauls. Geifer troff vom Rand des Loches. Der Himmel verdunkelte sich. Wieder flogen die gewaltigen Hauer heran. Amanda und Leon drängten sich an die Wand, doch Willi konnte nicht schnell genug fliehen. Mit seinem zweiten Biss in das Haus zequetschte es ihn. Eine Hälfte ihres Bruders sahen die beiden Verbliebenen im Rachen des Monsters verschwinden, die andere blieb auf dem Boden seines Zimmers liegen. Wieder biss es zu, diesmal erwischte es keinen von ihnen. Doch als es erneut seine Fänge in ihr Heim schlug, wurde Leon fortgerissen und verschwand wie seine Brüder in dem schwarzen Loch.

Von dem Haus war kaum mehr eine Ruine übrig. Ein Teil des Bodens, ein Rest der mittleren Wand, etwas Decke. Amanda trat an die Stelle, wo einmal die Ostwand gewesen war. Die Bestie hielt das Haus jetzt zwischen zwei Klauen. Amanda schaute auf die Erde. Der Abstand war so groß. Sie drehte sich um und schaute zu dem Monster hoch. Dort oben, weit entfernt, blitzten seine Augen unter struppigem Fell. Das Maul öffnete sich. ,,Warum?“ dachte sie und sprang.

Der alte Mann war glücklich. Er liebte es, Kindern eine Freude zu machen, und wie sehr hatte der kleinen Jungen sich gefreut, über dieses kleine, einfache Geschenk. Alles das von dem Apfel übrig geblieben war, war ein Kern, der auf den Boden gefallen war. Der alte Mann lächelt und ging seines Weges.

ENDE







*Dies ist eine allgemeinverständliche Zusammenfassung der Lizenz und Haftungsbeschränkung (die diese nicht ersetzt).

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Über Mountfright

Autor und Öffentlichkeitsarbeiter, Mann und Vater, Leser und Filmfreak. Kindheit in den 1970ern, weswegen mich bis heute seltsame Musik mit Ohrwürmern plagt. Aufgewachsen in den 80er Jahren, einem Jahrzehnt, das nicht halb so grau war, wie die anderen glauben. Erste Kurzgeschichte mit 13, erster echter Romanversuch (nach pubertären Ausfällen) mit 17, die nachfolgende Schreibblockade habe ich mir mit Songtexten für die Kölner Psychobillyband "Boozehounds" vertrieben. Danach ging es wieder: Erster lesenswerter Roman mit 26, seither nicht mehr aufgehört.
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