schreckenbergschreibt: Regen, Wind und andere Stürme – CRIMINALE 2012

Eigentlich habe ich ja am Anfang geschworen, in diesem Blog nicht politisch zu werden, und ich gebe zu, das galt weniger Eurem Schutz langem Gerede (bzw. Geblogge) als vielmehr meinem. Ich neige nämlich bei politischen Themen – zumindest, sofern sie mich direkt betreffen, dazu mich fürchterlich zu echauffieren. Und manchmal greife ich im Geiste zu Maßnahmen, die politisch nicht nur unkorrekt sondern auch spätestens seit dem 30jährigen Krieg nicht mehr zeitgemäß sind. Und ich will mich doch bemühen, nett zu sein. Meistens. Außer in meinen Geschichten. 😉

Aber manchmal betrifft es mich eben doch so direkt, dass ich es hier zum Thema machen muss. Weil es eben auch die Themen dieses Blogs betrifft – und letztlich auch Euch. Aber ich verspreche, mich kurz zu fassen. Und außerdem wollte ich erstmal was anderes erzählen:

Gestern Abend also war die Eröffnungsveranstaltung zur CRIMINALE 2012. Im Foyer der Stadtsparkasse zu Brilon im Sauerland. Nein, es war nicht so, wie sich das anhört. 😀 Die Musik war gut (obwohl ich den Mecky Messer ja lieber in düster höre), das Essen auch, und die Reden der örtlichen Honoratioren hört man auch umso lieber wenn man weiß, dass sie diese ganze Veranstaltung erst möglich gemacht haben (also – die CRIMINALE. Nicht nur die Eröffnung). Das Highlight des Bühnenprogramms war aber mit Sicherheit die… ähm… Begrüßung? Einleitung? Eröffnungsrede? Was auch immer, der jedenfalls massiv unterhaltsame Vortrag von Peter Godazgar. Ich bin ja Neuling im Syndikat und außerdem gar nicht so ein engagierter Krimileser, kannte ihn also vorher nicht. Aber wenn der Mann so schreibt wie er spricht werde ich Fan. Heute Abend liest er in Sundern, gemeinsam mit Kai Hensel und Britt Reissmann, und das lasse ich mir auf keinen Fall entgehen.

Dass ich NICHT die ganze Zeit alleine in der Ecke stand und den anderen beim Sozialisieren zusah ist vor allem Oliver Buslau und meiner Patin Sandra Lüpkes zu danken. Oliver packte mich am Kragen und stellte mich jedem vor, der in Reichweite kam, Sandra tat ähnlich und versicherte mir außerdem, mich jedem vorzustellen, dem ich vorgestellt werden wolle, das ganze so freundlich und mit solchem Charme, dass mir erstmal gar niemand eingefallen ist, dem ich vorgestellt werden möchte. Kommt bestimmt noch. Sandra, Oliver, so Ihr dies lest – fühlt Euch virtuell geherzt.

Ich lernte also gestern einige nette und interessante Menschen kennen, die ich jetzt hier nicht alle aufzählen möchte, das wäre Namedropping. Sie werden bestimmt in dem einen oder  anderen Thema von „schreckenbergschreibt“ auftauchen. 😉

Tja, und dann fuhr ich zurück. Von Brilon nach Sundern. Nachts. In Regen und Wind. Im SAUERLAND (Straßenmarkierungen sind für Sissis, meint man hier wohl oft). Und – um das ganze komplett zu machen – mit einer Brille bei der auf einer Seite die Entspiegelung abgeplatzt ist. Was für ein F… SEHR beängstigendes Erlebnis, wirklich.

Okay, es folgt der versprochene politische Teil: Heute bin ich wieder in Olsberg, gerade sitze ich auf dem Parkplatz der Sauerlandtherme, wo der Netzempfang gut ist. Eben fand die Pressekonferenz zum Start der Initiative Ja-zum-Urheberrecht statt. Ich will gar nicht viel dazu sagen, wer mir auf Facebook oder Twitter folgt kennt meine Position sowieso. Ich BIN Urheber. Kein Resampler, kein Nacherzähler, ich schaffe neue Dinge – mein geistiges Eigentum. Wie ich damit verfahre möchte ich selbst entscheiden dürfen, und das Recht dies zu tun nennt man Urheberrecht. Und mein Verleger ist mein Partner der mir hilft, meine Geschichten zu den Lesern zu bringen, was a) Zeit kostet und er b) auch besser kann als ich. Nix Ausbeutung oder Contentmafia. Ich KENNE meine Verträge. Die, die sich immer wieder anheischig machen, mich davon zu befreien, kennen sie nicht. Wenn ihr mir dieses Recht zugesteht – unterstüzt bitte die Initiative. Wenn ihr es mir nicht zugesteht, erklärt mir mal, warum nicht. Oder schert Euch gottweißwohin.

Was mich dann aber wirklich geplättet hat war, was mir eine Autorenkollegin (ich nenne den Namen jetzt nicht, ihr werdet gleich verstehen, warum) von Ihrer Tochter erzählte. Diese – Schülerin – legte sich via Facebook mit ihren Schulkameraden an, die Kim Schmitz bedauerten. Woraufhin sie einem Shitstorm ausgesetzt war, der dazu führte, dass sie sich nicht mehr in die Schule traute.

Also nochmal: Eine junge Frau, deren Familie zu nicht unerheblichem Teil von dem Urheberrecht ihrer Mutter lebt, setzt sich für die Achtung des Urheberrechts und gegen einen Dieb und Hehler ein (denn nichts anderes ist er in meinen Augen). Daraufhin wird sie gemobbt und der Lüge bezichtigt, weil niemand ihr glaubt, dass sie kein Diebesgut und keine Hehlerware auf dem Rechner habe. WO ZUM TEUFEL SIND WIR EIGENTLICH??? Das Leute, kommt dabei heraus, wenn man die Existenz von geistigem Eigentum negiert, die Leute, die damit und mit der Verwertung ihren Lebensunterhalt verdienen als „Contentmafia“ denunziert und diejenigen, die das geistige Eigentum anderer nutzen, dafür aber keine Gegenleistung bringen wollen, „nicht kriminalisieren“ will. Der Rechtsbruch wird zum Normalfall erklärt und wer sich für das Recht einsetzt wird an die Wand gedrückt. Willkommen im Wilden Westen.

Also, deutlich: JA ZUM URHEBERRECHT.

 

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Über Mountfright

Autor und Öffentlichkeitsarbeiter, Mann und Vater, Leser und Filmfreak. Kindheit in den 1970ern, weswegen mich bis heute seltsame Musik mit Ohrwürmern plagt. Aufgewachsen in den 80er Jahren, einem Jahrzehnt, das nicht halb so grau war, wie die anderen glauben. Erste Kurzgeschichte mit 13, erster echter Romanversuch (nach pubertären Ausfällen) mit 17, die nachfolgende Schreibblockade habe ich mir mit Songtexten für die Kölner Psychobillyband "Boozehounds" vertrieben. Danach ging es wieder: Erster lesenswerter Roman mit 26, seither nicht mehr aufgehört.
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