schreckenbergschreibt – Türchen Nr. 9: Recherche

Ich bin, das ist mir gestern mal wieder aufgefallen, ein ziemlicher Recherchenazi. Oder, freundlicher formuliert: Ich lege Wert darauf, dass eine Geschichte dort, wo sie wahrhaftig sein kann, wahrhaftig ist. Dabei stelle ich mir gar nicht die Frage „ist es wahrscheinlich, dass …?“ oder „ist es zu erwarten, dass …?“, sondern „ist es plausibel, dass… ?“ oder auch „ist es möglich, dass… ?“ (Eine andere wichtige Frage ist, „kann ich vor meinem Gewissen vertreten, zu behaupten, dass …?“ aber das ist eine Frage, die NACH der Recherche kommt, siehe unten.) Um das aber beurteilen zu können, muss ich erst einmal recherchieren. Gestern sah ich zwei Folgen einer Fernsehserie (keiner für die ich schreibe) bei der mir echt schlecht wurde, soviel war da falsch. Ich bin der Meinung, sowas sollte, sowas DARF sich jemand mit einem professionellen Anspruch nicht erlauben. Und das gilt nicht nur für Drehbücher, sondern selbstverständliche auch für Romane und Kurzgeschichten, von Dokumentationen und anderen journalistischen Formen rede ich mal gar nicht.

Aber warum eigentlich? Stößt es Leser*innen und Zuschauer*innen auf, wenn etwas schlecht recherchiert ist? Fairerweise muss man wohl sagen: Manchen schon, den meisten nicht. Wenn ich Rezensionen schlecht recherchierter Bücher lese oder Besprechungen schlecht recherchierter Drehbücher, dann stelle ich fest – dem Publikum und auch der professionellen Kritik scheint das relativ egal zu sein. Und ist es nicht vielleicht wirklich egal? Wem tut es weh, wenn ein Pathologe den Todeszeitpunkt des Opfers auf die halbe Stunde genau bestimmen kann? Schadet das irgendwem? Ich meine – Ja! Und ich habe drei Argumente dafür:

1.) Die Welt der Zuschauer*innen

Wir Autor*innen schaffen Welten. Mit jeder einzelnen Geschichte. Wenn unsere Geschichten aber in der realen Welt spielen, dann möchten wir, dass das Publikum unsere Welt mit der realen Welt verwechselt. Gerade aber, wenn in meiner Welt Elemente auftauchen, mit denen sich die Zuschauer nicht gut auskennen (zum Beispiel Forensik und Pathologie), sollte ich nicht beliebig werden. Denn wenn ich mir erlaube, beliebig zu sein, dann muss ich es natürlich auch bei allen Kolleginnen und Kollegen hinnehmen. Und dann kann man eben mal einen Todeszeitpunkt auf eine halbe Stunde festlegen, mal auf zehn Minuten und mal auf drei Tage genau, je nachdem, was ich in meiner Faulheit gerade passend finde. Da braucht dann ein DNA Test mal zwei Stunden und mal zwei Wochen, bis er fertig ist. Mal kann man einen Schwertstreich mit der Klinge eines Katana parieren, mal nicht. Für die Zuschauerinnen und Zuschauer, Leserinnen und Leser bedeutet das: Nichts ist sicher. Erfahrungswerte aus anderen Geschichten bedeuten nichts, alles ist beliebig und damit, letztlich: Langweilig. Ich glaube sogar, was den Fernsehkrimi angeht, haben wir diesen Punkt schon erreicht. Es ist ewig her, dass ich mal die Banalität des Bösen gesehen habe, einen schlichten Mord aus Habgier, gut ermittelt und aufgeklärt. Und ich glaube, dazu dass es das kaum noch gibt, trägt die verbreitete Recherchefaulheit bei. Wenn das Publikum bei der Ermittlung alles für beliebig hält, müssen Spannung und Tiefe eben anderswo her kommen.

2.) Die Welt der Autor*innen

Mangelnde Recherche ist zunächst einmal Lazy Writing. Ich habe keine Lust, etwas zu recherchieren, also schreibe ich mal so, wie ich es mir denke. Wird schon passen, ich habe ja Phantasie, und es merkt eh keiner. Abgesehen davon, dass das ziemlich größenwahnsinnig ist (besonders, wenn man es auf jedes Thema ausdehnt), ist es auch falsch. Und hier spreche ich aus eigener Erfahrung. Ich habe als junger, schüchterner Mensch sehr viel auf diese Art geschrieben, und es ist sehr schlecht, bis hin zur Lächerlichkeit. Dass Recherche nicht nur eine moralische Verpflichtung ist (siehe oben und unten), sondern auch die Arbeit immens erleichtert, das ist eine Lernerfahrung. Ich habe es ziemlich schnell gelernt, vielleicht, weil ich vor allem Phantastik schreibe. Gerade Autor*innen phantastischer Geschichten müssen sich davor hüten, beliebig zu werden. Erstens nimmt das der Geschichte jede Spannung. Wenn ich eine Geschichte in einer magischen Welt schreibe, und sich jedes Problem mit einem Zauberspruch lösen lässt, dann ist das langweilig. Wenn jemand im „Finder“ oder in den „Nomaden“ mit einem G3-Gewehr sieben Heuler gleichzeitig ausschaltet, dann ist das ebenso langweilig. Die Waffe hat keine Streuwirkung, in der Realität ist das nicht möglich. Wenn es aber in der Geschichte möglich ist – was soll dann für meine Figuren unmöglich sein? Und wenn meine Figuren potentiell omnipotent sind, woher soll dann Spannung kommen?

Hinzu kommt der Fluch der Lüge. Für jede Lüge gilt: Um sie aufrecht zu erhalten, muss ich mehr lügen, je weniger Wahrheit sie enthält. Jede Geschichte ist eine unwahre Behauptung. Sie ist keine Lüge (weil wir nie behaupten, sie sei wahr) aber sie verhält sich so. Wenn die Geschichte nun viele weitere unwahre Behauptungen enthält, dann wird es immer schwieriger, eine in sich stimmige, logische Geschichtenwelt aufrecht zu erhalten. Wer da noch unnötige unwahre Behauptungen hinzufügt, weil er oder sie auf Recherche verzichtet, macht sich das Leben vielleicht im ersten Moment leicht – aber nach hinten hin wird es ein fürchterlicher Aufwand, an dem die meisten scheitern. Und dann ist die Geschichte eben schlecht. Das einfachste Beispiel hierfür:

Ich war noch nie in Münster. Wenn nun meine Geschichte zwingend verlangt, dass ein Kapitel in Münster spielt, kann ich mir mein Phantasiemünster ausdenken. Das ist im ersten Moment einfach und endet in einem Chaos selbst gemalter Karten, Straßenlisten und Verzweiflung. Die (zunächst) zweiteinfachste Lösung ist, Google Maps zu rate zu ziehen. Aber davon weiß ich vielleicht, wo ein Parkplatz ist und welches Haus an welcher Straße steht. Aber ich habe nicht mehr als ein statisches Bild, keine Bewegung, keine Geräusche und Gerüche, keine Atmosphäre. Es mag aufwändig erscheinen, für ein oder zwei Tage nach Münster zu fahren, sich die Stadt anzusehen, Fotos und Notizen zu machen. Aber mit dem Material, das man dann hat, ist man so sehr auf der sicheren Seite, dass es letztlich doch die einfachste Lösung ist.

3.) Die Welt

Wir sind keine Journalistinnen und Journalisten, richtig. Aber unser Publikum vertraut uns. Unsere eigenen Vorstellungen und Ideen nicht zu überprüfen, Behauptungen aufzustellen, Klischees zu transportieren, unsere Sicht der Welt ungeprüft als die Welt zu verkaufen ist unredlich. Und die Ausrede „es ist ja nur eine Geschichte“ zählt nicht. Das Publikum ist nicht dumm, es weiß, dass wir erfundene Geschichten erzählen. Und dennoch formen wir sein Bild von der Welt. Die Menschen, die glauben, Deutsche Polizisten müssten sie an Ort und Stelle über ihre Rechte belehren (weil sie das in 1000.000 amerikanischen Medien gesehen haben) oder erwarten, dass der Dieb, der ihr Fahrrad gestohlen hat, per DNA-Abgleich (weil der in jedem zweiten Krimi der Deus-Ex-Machina für jedes Verbrechen ist) gesucht wird, sind nicht dumm oder ungebildet. Sie haben nur einfach andere Probleme als die Frage, wie eine Ermittlung in Wirklichkeit abläuft. Sie wissen auch, dass wir die Realität dramatisieren. Aber sie vertrauen uns doch, unbewußt, und wir Formen ihr Bild von der Realität. Und das verschärft, wenn es um Menschen, Menschengruppen und Minderheiten geht. Deshalb ist es unsere verdammte Pflicht und Verantwortung, so wahrhaftig zu sein, wie die Geschichte es zulässt. Und keine Geschichte verlangt Lazy Writing.

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schreckenberglebt: Türchen Nr. 8 – American Football – eine Sehhilfe

Gestern schlug Bayer 04 Leverkusen Schalke 04 in der Fußball Bundesliga. Heute Abend spielen die Baltimore Ravens gegen die Buffalo Bills in der NFL American Football. Einmal dürft Ihr raten, was mich mehr interessiert. 😀

Ich schaue mir schon seit langem gerne American Football an, ein wirklicher Enthusiast bin ich aber erst, seit mein Sohn von 2012 bis 2018 bei den Langenfeld Longhorns gespielt hat. Ich bin Horns-Fan und schaue mir jede Saison so viele Heimspiele wie es geht im Stadion an – in der Regel besitze ich eine Jahreskarte (vergange Saison leider nicht). In der NFL – der unbestritten besten American Football-Liga der Welt – gilt meine Liebe, wie gesagt, den Baltimore Ravens. Welcher Schriftsteller könnte einem Team widerstehen, das sich nach einem Werk von Edgar Allan Poe benannt hat? In den vergangenen Jahren war diese Liebe oft eine schmerzliche, in diesem Jahr aber… Jeden Sonntag werden Träume wahr. 😀

Ich möchte mit diesem Blogpost eine kleine Sehhilfe für American Football geben, besonders für Freunde europäischer Sportarten wie Fußball oder Handball, die das Spiel vielleicht interessant finden, aber mit dem vermeintlichen Chaos auf dem Platz überfordert sind. Dabei möchte ich nicht zu dem blödsinnigen Thema „Was ist besser“ beitragen. Darüber lässt sich nicht streiten. Nein, Am.-Football ist nicht „sinnlos“ oder „unlogisch“, nur weil es nicht den Gesetzen folgt, die viele vom Fußball gewohnt sind. Ebensowenig wie Fußball „sinnlos“ oder „unlogisch“ ist, weil es ja viel einfacher wäre, den Ball zu tragen. Und nein, Fußball ist auch nicht langweilig, obwohl es uns Am-Football Fans oft so scheint, als passiere da halbe Stunden lang gar nichts. Da passiert schon was, wir erkennen es nur nicht, weil es nicht zu unseren Sehgewohnheiten passt.

Ich schaue mir American Football mit dem NFL-Game-Pass an, der sich preislich ganz gut mit einem Sky-Fußball-Abo vergleichen lässt, glaube ich. Ihr könnt Euch ausgewählte Spiele aber problemlos auch im Free-Tv ansehen. Da war früher nur meist die Moderation grottig, weil sich ein Experte der wirklich etwas davon versteht mit einem ahnunglosen aber sehr lauten Co-Moderator herumschlagen musste, der keine Ahnung hat. Weiß nicht, ob das inzwischen besser ist. In Deutschland ist im Moment Off-Season, aber ich empfehle Euch bei Interesse DRINGEND, Euch American Football live anzusehen. Klar, auch unsere besten Teams sind meilenweit von NFL-Qualität entfernt, aber die Spiele sind spannend und die Atmosphäre ist meist erstklassig. Irgendein Team gibt es garantiert in Eurer Nähe, und auch Spiele der GFL 1 und 2 (erste und zweite Bundesliga) sind sehr erschwinglich. Die Longhorns spielen übrigens GFL 2.

Also – wie schaue ich ein American Football Spiel?

Zu den Regeln sage ich jetzt nichts, die kann man zum Beispiel hier nachlesen. Man versteht sie – wie bei allen Spielen – erst wirklich, wenn man das Spiel dazu sieht.

1.) Rundenbasiert vs. Echtzeit

Der erste und für mich auffälligste Unterschied zwischen American Football und zum Beispiel Fußball (oder auch Rugby, dem gemeinsamen Ahnherr) ist, dass Fußball einen mehr oder weniger kontinuierlichen Spielfluss hat, während ein Football-Spiel scheinbar immer wieder unterbrochen wird. Aber schon dieser Eindruck beruht auf dem falschen Eindruck, ein Sportspiel müsse, außer bei Regelverstößen, kontinuierlich ablaufen. Es gibt sehr viele Spiele, bei denen das nicht so ist, sie sind uns Europäern nur nicht so vertraut: Schlagballspiele wie Baseball und Crickett fallen mir ein, aber auch bei Rückschlagspielen wie Tennis, Badminton oder Volleyball wechselt ja das Aufschlagsrecht. American Football muss man sich ähnlich vorstellen: Jeder Versuch, Raum zu gewinnen ist ein Spielzug (Down) mit Beginn, Mittelteil und Ende. Ist ein Spielzug beendet, stellen sich die Teams neu auf, und der nächste beginnt. Es ist ein wenig wie bei rundenbasierten Computerspielen im Vergleich zu Echtzeitspielen. Zwischen den Spielzügen besprechen sich die Teams und legen die Taktik für den nächsten Spielzug fest. Während eines Zuges passiert dann wahnsinnig viel gleichzeitig, wenn beide Teams versuchen, ihrer Taktik zu folgen und die des gegnerischen zu Nichte zu machen. Das macht American Football zu einem ungeheuer strategischen, überraschenden und spannenden Spiel – man weiß nie genau, was im nächsten Zug passiert, wer was versucht.

2.) Kampf der Spezialisten

Im American Football ist immer klar geregelt, welche Mannschaft gerade das Angriffsrecht hat. Sie kann das Angriffsrecht verlieren, aber dann bekommt es der Gegner. Ein permanentes hin und her zwischen Angriff und Verteidigung, wie zum Beispiel im Fußball, ist nicht vorgesehen. Das hat weitreichende Folgen: In einer Zeit, als es auch im Fußball noch bullige Verteidiger und flinke Außenstürmer, Kopfballungeheuer und Strafraumspezialisten – also eine sehr klare Arbeitsteilung – gab, sprach Johann Cruyff schon von seinem Ideal einer Mannschaft, in der jeder Spieler jede Position spielen kann. Heute, wo jeder Mannschaftsteil sowohl zum Angriff als auch zur Verteidigung beiträgt, ist der Fußball diesem Ideal schon recht nah – unter anderem mit dem Ergebnis, dass Fußballprofis alle mehr oder weniger den selben Körpertyp haben.

Im American Football ist das völlig anders. Es ist inzwischen allgemein bekannt, dass jedes Team sich in Angreifer (Offense) und Verteidiger (Defense) teilt (Außerdem gibt es noch die Special Teams, aber auf die gehe ich jetzt mal nicht ein.). Wenn die Offense von Team A auf dem Feld ist, spielt sie gegen die Verteidiger von Team B. Offense und Defense einer Mannschaft sind also nie gleichzeitig auf dem Platz.

Innerhalb dieser Teams gibt es wiederum Spezialisten für bestimmte Aufgaben. Die meisten Laien assoziieren Football mit riesigen, oft sehr schweren Spielern. Die gibt es, und sie sind extrem wichtig (weswegen kräftige, auch dicke Kinder, die Lust auf Sport haben, in jedem Football-Team hochwillkommen sind), es sind die Liner, also die erste Angriffs- bzw. Verteidigungslinie, wenn Offense und Defense zu Beginn des Spielzugs aufeinander prallen. Aber gleichzeitig werden schnelle Läufer, gute Passfänger und -werfer, starke und schnelle Kämpfertypen, flinke Trickster und viele andere Typen gebraucht. Weil jeder Position eine bestimmte Aufgabe zukommt. Und innerhalb der Positionen gibt es nochmal unterschiedliche Aufgaben, je nach aktueller Taktik, was dazu führt, dass etwa auf der Position des Ballträgers (meist der Runningback) sowohl kleine, schnelle Spieler wie Justin Forsett als auch Kampfmaschinen (im ehrfurchtsvollsten Sinne) wie Marshawn Lynch zu finden sind. Das ist der Grund, für die häufigen Spielerauswechselungen im American Football. Es hat nichts damit zu tun, dass die Spieler müde oder abgekämpft wären, sondern damit, dass für jedes taktische Element der richtige Spieler auf dem Platz stehen muss. Und die Taktik ändert sich eben von Spielzug zu Spielzug.

3.) Ein Spielzug

American Football findet also von Spielzug zu Spielzug statt, und so sollte man das Spiel auch betrachten. Der Spielzug beginnt in der Regel damit, dass der Spieler in der Mitte der Offensive Line (also der vordersten Linie der Mannschaft mit Angriffsrecht) den Ball an den hinter ihm stehenden Quarterback (Spielmacher) gibt. Dieser gibt den Ball entweder an einen anderen Spieler, indem er ihn direkt an einen Läufer übergibt, oder einem Passempfänger zuwirft, oder er läuft selbst mit dem Ball und versucht, Raum zu gewinnen. Dabei versuchen er und die Laufspieler oft zu verschleiern, was wirklich passiert, in dem die Ballübergabe (oder -nichtübergabe) blitzschnell und verdeckt geschieht, und alle so tun, als hätten sie den Ball. Die Offensive-Line versucht derweil, Wege frei zu blocken und den Quarterback so lange wie möglich vor den anstürmenden Verteidigern zu beschützen.

Die Verteidiger versuchen drei Dinge:
a) Zum Quarterback vorzudringen und ihn zu Fall zu bringen, so lange er den Ball noch hat (Quarterback-Sack).
b) Laufspieler, die den Ball tragen, zu stellen und nieder zu ringen, bevor sie Raum gewinnen können.
c) Passspieler zu decken, zu Fall zu bringen, sobald sie den Ball gefangen haben, oder, idealerweise, den Ball abzufangen (Interception) und damit das Angriffsrecht zu erobern oder sogar den abgefangenen Ball direkt in die gegnerische Endzone zu tragen (Pick-Six) und selbst Punkte zu machen.

Natürlich kann man all das nicht gleichzeitig, deshalb versucht die Defense, die Taktik der Offense zu durchschauen und ihre eigene entsprechend zu wählen.

Wenn ich nun einen Spielzug der Baltimore Ravens oder der Langenfeld Longhorns ansehe, dann richtet sich die Frage, worauf ich achte, zunächst einmal danach, ob mein Team angreift oder verteidigt. Greift es an beobachte ich in der Regel den Weg des Balls und was der Quarterback mit ihm macht, ob es der Offense gelingt, Raum zu gewinnen, Punkte zu machen. Und wenn man mit einem Quarterback gesegnet ist, wie Lamar Jackson von den Baltimore Ravens, dann macht es zusätzlich zu der Spannung ungeheuren Spaß zu sehen, was der sich als nächstes ausdenkt. 😀 Es lohnt sich aber auch, von Spielzug zu Spielzug einmal auf die Offensive Line zu achten, wie sie ihren QB beschützen, wie sie Wege für die Männer hinter sich schaffen, wie sie wieder und wieder in Einzelkämpfe mit ihrem Gegenüber in der Defensive Line verstrickt sind.

Ist mein Team in der Defense, versuche ich, mit ihm zu antizipieren, was passieren wird, fiebere mit ihnen, wenn sie versuchen, die O-Line zu durchbrechen, freue mich über Sacks, Interceptions und jeden Erfolg im Kampf um Raum. Die Taktik der Defense ist ebenso wichtig wie die der Offense, denn zwar kann nur die Offense punkten (außer eben im Falle eines Pick-Six) – aber nur die Defense kann den Gegner daran hindern, Punkte zu machen. Deshalb ist ein Sieg immer eine Sache beider Mannschaftsteile.

So… ich hoffe, diese kleine Sehhilfe ist nützlich für Euch. Ich gehe dann mal ins Wohnzimmer, in 40 Minuten startet das Spiel. GO RAVENS! 😀

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schreckenberglauscht: Türchen Nr. 7 – mein Lieblingslied

Ja, ich weiß, dass mit dem Lieblingslied sollte sein wie mit dem Lieblingsbuch oder Lieblingsfilm. Nur – ich habe eine Antwort auf diese Frage. Und da ich gerade mitten in Partyvorbereitungen stecke und überhaupt keine Zeit habe zu bloggen, dachte ich, ich erfreue Euch damit. Ist eh mehr wert als 10.000 Worte von mir. Viel Spaß:

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schreckenberglebt: Türchen Nr. 6 – 40 Jahre Ignoranz

Einen fröhlichen Nikolaustag zusammen. Heute nur ganz kurz: Ich habe vorhin einen von Monitor ins Netz gestellten Tagesschau-Bericht über die erste Weltklimakonferenz 1979 in Genf gesehen. Und ich erinnere mich, dass mir mein Onkel einige Jahre später eine Deutsche Ausgabe von „Global 2000“ schenkte. US-Präsident Jimmy Carter hatte diese Studie 1977 in Auftrag gegeben, 1980 wurde sie veröffentlicht. Der Bericht ist von der US-Regierung finanziert, er steht kostenlos im Netz, zum Beispiel HIER (auch auf Deutsch.)

Kurz: Wir hätten es alle schon seit 40 Jahren wissen können. Meine Generation (ich bin Jahrgang 1971) hätte schon mit den Fridays for Future anfangen müssen. Die Generation unserer Eltern und Großeltern hätte politisch und wirtschaflich anders handeln MÜSSEN als sie es getan hat. Der Klimawandel ist keine neue Erkenntnis, das Thema ist nicht plötzlich aufgepoppt. Ich erinnere mich daran, dass es in den 1980er Jahren die Vision gab, dass eine weltweite Herausforderung oder Bedrohung den Kalten Krieg überwinden könnte. Nun ja – die Herausforderung und Bedrohung war da. Was den Kalten Krieg statt dessen beendet hat, war eine kollektive Gier nach Konsum und ein Freiheitsbegriff, der ausschließlich individuelle und wirtschaftliche Freiheiten meint. Wir haben kollektiv versagt.

Besonders lächerlich ist, dass viele von uns Älteren jetzt sagen, wir sollen auf die Wissenschaft vertrauen, die wird schon eine Lösung für das Klimaproblem finden, für das wir uns nicht einschränken müssen. Ausgerechnet wir, die wir die Erkenntnisse der Wissenschaft seit 40 Jahren ignorieren und es permanent weiter tun. Was ist noch einmal Greta Thunbergs EINZIGE Forderung, für die sie so viele von uns Älteren schmähen, verspotten, mit Hass überschütten?

UNITE BEHIND THE SCIENCE

Es gibt keine Ausrede. Seit 40 Jahren nicht mehr.

Edit: Ich und Mathematik… ursprünglich stand hier überall „30 Jahre“. Nein. 40.

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schreckenbergschreibt: Türchen Nr. 5 – Teamwork 3. Das Ergebnis.

Heute ist wieder ein sehr, sehr voller Tag, ich habe also nicht viel Zeit zum bloggen. Daher widme ich mich ein drittes Mal dem Thema Teamwork. Vorgestern habe ich Euch erzählt, wie ich zu dem Thema „Schreiben im Team“ stehe, gestern habe ich Tipps gegeben, wie das funktionieren kann. Heute liste ich Euch einfach nur mal die Abläufe auf, bis so ein Drehbuch steht und zeige Euch am Ende das Ergebnis.

1.) Ideen finden: Sarah und ich setzen uns zusammen, und überlegen uns drei bis fünf mögliche Geschichten. Das klingt so einfach, ist aber in Wirklichkeit jedes Mal eine gute Woche konzentrierter Arbeit.

2.) Pitche schreiben: Sagen wir, wir haben vier gute Ideen. Jede(r) von uns schreibt zwei Pitche, die wir austauschen, überarbeiten, und dann an die Produktionsfirma schicken. Diese entscheidet gemeinsam mit dem Sender welche(n) davon wir in ein Exposee umsetzen.

In diesem Falle – Heldt, Staffel 7 – haben Sony und ZDF uns wirklich eine Freude gemacht, indem sie sich fürden Pitch „Der Mann aus Wien“ entschieden haben. An der Idee hatten wir von Beginn an eine Menge Spaß, schließlich hatten wir zum Thema Österreichisch-Deutsche-Zusammenarbeit einiges zu erzählen. 😀

3.) Exposee: Auf circa acht bis 15 Manuskriptseiten skizzieren wir in Prosa den Verlauf der ganzen Geschichte, inklusive aller Figuren. Klingt einfach? Ist – für mich jedenfalls – mit der schwierigste Arbeitsschritt, weil wir hier aus einer rohen Idee eine wirkliche Geschichte machen, aus der unsere Leser (Produktion, Redaktion, Headautor) schon die Dramaturgie des kommenden Buches klar erkennen können und auch ein Gefühl für die Atmosphäre und die Figuren bekommen. Das ist wieder gemeinsame Klausurarbeit. Hier beginnt auch schon ein wichtiger Teil der Recherche, denn für den nächsten Schritt, das Treatment, müssen wir all unsere Basisinformationen zusammen haben. Wenn wir fertig geplant haben schreibt eine(r) von uns das Exposee, wir überarbeiten es, etc. – siehe oben. Dieser Teil – Schreiben und Überarbeiten – lässt sich im Gegensatz zur Planung gut via Skype erledigen. Im Anschluss folgt eine Besprechung des Exposees mit Produktion / Redaktion / Headautor und, in der Regel, der Treatmentauftrag. Eine zweite Exposeefassung war, glaube ich, bei bisher vier Büchern nur einmal nötig.

4.) Treatment: Was für Pitch und Exposee auch gilt, gilt für das Treatment verschärft: Wenn A die Menge aller Autor*innen, P die Menge aller Produktionsfirmen und S die Menge aller Sender ist, so gilt die Formel: 0,5A x 0,5P x 0,5S + (Drehbuchliteraturautor*innen + Drehbuchseminare) = Anzahl möglicher Bedeutungen des Begriffs „Treatment“. Wenn Euch also als Treatment etwas anderes begegnet, als das, was ich jetzt beschreibe, nicht wundern. Es gibt da kein „richtig“ oder „falsch“. In unserem Fall ist ein Treatment das Drehbuch, schon in Szenen unterteilt, aber noch ohne Dialoge. Aus einem Exposee ein Treatment zu machen erfordert – bei uns – wieder: In der Planungsphase in Echtzeit zusammensitzen und die Hirne heißlaufen zu lassen, aus einem Gerüst wird eine szenische Geschichte, die sich schon wie die fertige Geschichte anfühlen sollte. Tempo, Atmosphäre, Situationskomik oder -tragik usw. sollten hier schon drin sein. Der- oder diejenige, der/die NICHT das Exposee geschrieben hat, schreibt dann in der Regel die erste Treatmentversion, die wir (nach Überarbeitung, etc.) an die Produktion schicken. Es folgt eine sehr lange und ausführliche Besprechung mit den Großen 3 und in der Regel eine weitere Treatmentversion (wer die schreibt wechselt). Manchmal gibt es nach der zweiten noch weitere Treatmentfassungen, dann folgt der Auftrag, aus dem Treatment ein Drehbuch zu machen.

5.) Drehbuch: Ob wir hier noch einmal eine Klausurphase brauchen hängt davon ab, wieviel wir noch am Treatment ändern müssen. In der Regel geht es ohne. Der- / diejenige, der nicht die erste Treatmentversion geschrieben hat, schreibt üblicherweise die erste Drehbuchfassung. Das bedeutet: Jetzt kommen die Dialoge hinzu, aus der szenischen Geschichte wird die lebendige Vorlage für einen Film (denn auch eine Serienepisode ist ja eine filmisch erzählte Geschichte). Da wir beide die selben Lieblingsfiguren haben ist es tatsächlich nicht so wichtig, wer die erste Version schreibt. Wäre das anders, würden wir die Arbeit wahrscheinlich danach verteilen, wessen Figuren mehr Gewicht haben. Jede Drehbuchversion wird sehr ausführlich mit den Großen 3 (manchmal zuzüglich Regisseur*in) besprochen, wir haben bisher immer mindestens zwei, maximal vier Versionen geschrieben, bis das Drehbuch stand. Danach fängt für die meisten Mitglieder des Filmteams die Arbeit erst an – aber unser Job ist getan. Und so sieht dann zum Beispiel das Ergebnis aus:

HELDT – DER MANN AUS WIEN

https://www.zdf.de/serien/heldt/der-mann-aus-wien-100.html

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