schreckenberglebt: Hey! Hey! Glausersieger, Glausersieger! Hey! Hey! – CRIMINALE 2012

Wie inzwischen jedermann und jederfrau der/die diesen Blog regelmäßig verfolgt bekannt sein dürfte, war diese CRIMINALE voller Höhepunkte, für mich auf jeden Fall, für viele andere auch. Aber sie hatte natürlich auch einen offiziellen Höhepunkt – die festliche Verleihung des Friedrich-Glauser-Preises in den Sparten „Debut“, „Kurzkrimi“ und „Roman“, des Ehrenglausers an eine Persönlichkeit, die sich um den deutschsprachigen Krimi verdient gemacht hat und des Hansjörg-Martin-Preises für den besten Kinder- oder Jugendkrimi.

Es ist immer schwer zu bestimmen, welcher Preis „der wichtigste“ ist, der Kriterien lassen sich viele finden. Gehe ich also einmal von mir selbst aus -ich bin Krimiautor, und wenn die berühmte gute Fee mir anbieten würde, dass ich mir von allen Krimiliteraturpreisen deutscher Zunge einen aussuchen darf, ich würde mir den Friedrich-Glauser-Preis aussuchen (in der Sparte „Roman“, wenn schon denn schon, für’s Debut ist es eh zu spät 😀 ). Der Deutsche Krimi Preis zum Beispiel wäre sicherlich auch nicht zu verachten, aber für den Glauser sprächen folgende Gründe:

1.) Ich bekäme ihn von meinen Kollegen. Die Jurymitglieder sind jedes Jahr Mitglieder des Syndikats, und sagen wir es mal so: Jeder von denen möchte ihn auch irgendwann haben oder hat ihn schon bekommen. Ich kann also davon ausgehen, dass die Jury einerseits fachlich sehr kundig und kritisch ist, andererseits aber ähnlich denkt und fühlt wie ich. Ich hätte also das Gefühl, diesen Preis besonders verdient zu haben. Gut – im beschriebenen Fall hätte die Fee das irgendwie gedreht… 😉

2.) Ich bekäme diesen Preis in sehr festlichem Rahmen, vor den Augen und unter dem tosenden Beifall hunderter Kollegen (das mit der Fee wüssten die ja nicht) und danach gäbe es noch eine tolle Party. Geht es besser?

3.) Ich bekäme meinen eigenen Text von einem / einer renommierten Schauspieler(in) oder Sprecher(in) vorgelesen. Christian Brückner, in diesem Jahr. Habe ich je behauptet, ich sei uneitel? Wenn ja: Das war gelogen.

4.) Er ist dotiert. Ja, wie schon vorgestern gesagt – ich hoffe, ich ernüchtere Euch nicht allzusehr. Aber Geld stinkt nunmal nicht, und Geld, das einem für eine besonders gute Leistung unter dem Beifall der Kollegen zugestanden wird, erst recht nicht. Vielleicht müßte ich es im konkreten Fall mit der Fee teilen – aber da bleibt immer noch hübsch was übrig.

Für MICH ist also der Glauser der wichtigeste Preis im Bereich deutschsprachiger Kriminalliteratur.

Ich fand mich also, in Begleitung meiner holden Herrin, pünktlich in der Konzerthalle zu Olsberg ein. Ja, ich weiß wie das klingt. Aber wir sprechen hier vom Sauerland, wo Schützenvereine sich Paläste von der Größe eines mittleren Bahnhofs hinstellen (nein, das ist keine Übertreibung, sondern eine Beschreibung). Und ein Schützenverein hat bei der Halle auch irgendwie seine Finger mit drin, zumindest steht das draußen dran. Das machte also schon was her, dort. Drinnen gedämpftes Licht, freudige Erwartung in der Luft und am Tisch die bewährte Gesellschaft von Myriane Angelowski und Volker Streiter. Hin und wieder kam ein Herr an den Tisch, der dachte, die Veranstaltung sei die diesjährige Gala der Comedykellner und er sei der Stargast – aber er muss selbst wissen, welcher Gefahr er sich aussetzt, in einem Raum voller Leute, die Tag und Nacht Morde ausbrüten. 😉

Die Hauptpersonen waren aber selbstverständlich die Nominierten, und unter ihnen wiederum die Siegerinnen und Sieger:

Den Hansjörg-Martin Preis 2012 erhielt

Maja von Vogel

für ihren Roman „Nachtsplitter„. Am nächsten Tag besuchte ich die Lesung der Sieger in Brilon, für die Maja von Vogel leider abgesagt hatte. Ich kann also über diesen Roman nicht viel sagen, außer, dass ich alleine die Inhaltsangabe faszinierend finde und des Buch schon aufgrund dessen gerne lesen würde.

Den Friedrich-Glauser Preis 2012 in der Kategorie „Debut“ erhielt

Lena Avanzini

für ihren Roman „Tod in Innsbruck„. Da kommt also diese sehr freundlich-zurückhaltende Dame zur Siegerlesung und liest aus einem Roman mit einem Titel der… hm… sagen wir unspektakulärer kaum sein könnte. Und was lernen wir daraus? It’s the story, stupid! Denn was die Dame da liest, diese kurze Ausschnitt, ist packend. Oh, diese Bilder! Ah, diese Sprache! Und hui, diese geschickt und überraschend geknüpften Bögen! Was immer Lena Avanzini noch schreibt, und sei es „Tod in Hannover“ – lesen!

Den Friedrich-Glauser Preis 2012 in der Kategorie „Kurzkrimi“ erhielt

Nina George

für ihre Kurzgeschichte „Das Spiel ihres Lebens“, erschienen in der Anthologie „Scharf geschossen„. Gut – hier fehlen mir die Worte. Ich könnte Ninas erzählerische Kraft preisen, ihre Fähigkeit, mit zwei Sätzen eine komplette Welt inklusive aller Sinneseindrücke zu schaffen, aber es würde dieser Geschichte, die ich inzwischen ganz gelesen habe, alles nicht gerecht. Lest sie, und wappnet Euer Herz vorher. Ja, Herz. Es ist so eine Geschichte.

Den Friedrich-Glauser Preis 2012 in der Kategorie „Roman“ erhielt

Michael Theurillat

für seinen Roman „Rütlischwur„. Michael Theurillat ist, nach eigenem Bekunden, in dem festen Wissen in die Krimiszene gekommen, dass er niemals einen Preis gewinnen werde, da man Bankern eben keine Preise verleihe. Tja… und nun das. Aber vielleicht gelten für Schweizer Banker ja auch andere Gesetze. 😉 Ich kenne seinen Roman (noch!) nicht, aber das kleine Stück, dass er vorgelesen hat, macht, dass ich das schleunigst ändern will. Wenn der ganze Roman so ist – ein überaus würdiger Preisträger.

Den Friedrich-Glauser-Ehrenpreis der Autoren 2012 erhielt

Thomas Przybilka

für besondere Verdienste um die deutschsprachige Kriminalliteratur. Da ich neu in der Krimiwelt bin kannte ich ihn bisher nicht, daher empfehle ich Euch, die Begründung der Jury zu lesen.

Die Lesung der Sieger am nächsten Tag wurde noch gewürzt durch die Tatsache, dass zumindest Nina und Michael Theurillat sehr viel Feier und sehr wenig Schlaf gehabt hatten. Lena Avanzini hat die Party (wie auch ich) entweder etwas früher verlassen oder ist einfach hartgesottener als die beiden anderen. 😉 Ich muss der Fee jedenfalls dringend sagen, dass, wenn sie mir den Glauser verschafft, sie mich bitte auch mit der Standfestigkeit einer Nina George und dem Timbre eines Michael Theurillat ausrüsten soll. Sonst wird das alles nix.

Allen Preisträgern auch von hieraus nochmal: GANZ HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH UND HÖCHSTE ANERKENNUNG!

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Über Mountfright

Autor und Öffentlichkeitsarbeiter, Mann und Vater, Leser und Filmfreak. Kindheit in den 1970ern, weswegen mich bis heute seltsame Musik mit Ohrwürmern plagt. Aufgewachsen in den 80er Jahren, einem Jahrzehnt, das nicht halb so grau war, wie die anderen glauben. Erste Kurzgeschichte mit 13, erster echter Romanversuch (nach pubertären Ausfällen) mit 17, die nachfolgende Schreibblockade habe ich mir mit Songtexten für die Kölner Psychobillyband "Boozehounds" vertrieben. Danach ging es wieder: Erster lesenswerter Roman mit 26, seither nicht mehr aufgehört.
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3 Antworten zu schreckenberglebt: Hey! Hey! Glausersieger, Glausersieger! Hey! Hey! – CRIMINALE 2012

  1. autorphilipp schreibt:

    Dann wünsche ich dir schleunigst eine Fee an den Hals. Vielleicht schickst du sie anschließend zu mir. Ich hätte da für sie auch noch dies und das zu tun. 😉

  2. Pingback: schreckenberglebt: CRIMINALE 2014 – die Grenzen des Wachstums | schreckenbergschreibt

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