schreckenbergschreibt: Blick in die Schublade Teil 1 – DIE LÖWEN

Wie gestern angekündigt möchte ich Euch heute und an den folgenden Tagen einen kleinen Einblick in das geben, was im Moment in meinem virtuellen Schreibtisch (i.e. auf der Festplatte meines Computers) darauf wartet, zu einem ausgewachsenen Roman zu werden. Im Moment sind es tatsächlich fünf angefangene Romane, dazu ein Hörbuch. Der kürzeste Anfang ist etwa 20 Manuskriptseiten lang, der längste mehr als 200. Dabei handelt es sich in keinem Fall um Texte, die ich beiseite gelegt habe, weil ich damit nicht weitergekommen wäre. So schwer es manchmal fällt, an einer schwierigen Stelle weiter zu machen und so verlockend es ist, sich einfach einer neuen, frischen Geschichte zuzuwenden – das tue ich in aller Regel nicht. Denn für mich wäre das der Weg in den Untergang. Ich habe noch keinen Roman geschrieben, der sich nicht unterwegs gesperrt hätte, der spröde wurde, bei dem ich nicht plötzlich gemerkt hätte, dass sich da ein Krater im Plot auftut, für den ich weder Brücke noch Füllmaterial zur Hand habe. Aber gerade dann darf zumindest ich nicht aufgeben, im Gegenteil – dann beginnt der harte Teil der Arbeit: Kreativtechniken und lange, einsame Spaziergänge, Plotdiagramme und viele Bahnen im Schwimmbad, bis irgendwann der Knoten platzt.

Nachdem ich das erzählt habe: Wie kommt es also, dass ich fünf angefangene Romane habe? Nun das kam so:

 

 

 

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ACHTUNG – DER FOLGENDE TEXT ENTHÄLT SPOILER ZU MEINEN ROMANEN „DER FINDER“, „DER WANDERNDE KRIEG – SERGEJ“ UND „DIE TRÄUMER“! 

***********  SPOILERWARNUNG ENDE **********

 

 

 

Vor viiiiiielen Jahren, hatte ich die erste Version von „Sergej“ (damals noch „Terra Incognita“) fertig geschrieben. Die erste Fassung des „Finders“ hatte ich zu dem Zeitpunkt ebenfalls schon fertig in der Schublade, die Veröffentlichung lag aber noch acht oder neun Jahre in der Zukunft. Bevor ich mich an den „Ruf“ gab (und ihn sehr, sehr schnell, fast im Rausch, herunterschrieb, als hätte ich noch unverbrauchte Restenergie aus „Sergej“), wollte ich noch rasch einige Notizen zur Fortsetzung des Romans machen, denn das es da eine Fortsetzung geben wird, ist, denke ich, nach dem Ende des Buches klar. Aus „rasch einige Notizen“ wurden die ersten Kapitel eines Folgeromans mit dem Arbeitstitel „Erin„.

Nach dem „Ruf“ begann ich an eine große Urban-Fantasy-Geschichte mit dem Arbeitstitel „Der Sänger und der Puppenspieler“ (SuP) . Diese Geschichte ist sehr umfangreich und komplex – und bis heute nicht beendet. Ich hatte sie zu etwa der Hälfte geschrieben, als der JUHRVerlag den Finder kaufte, und seitdem bin ich nicht mehr dazu gekommen, sie zu beenden.

Kurz davor aber hatte ich eine Idee für einen Jugendroman – oder all Age, keine Ahnung, der Protagonist ist jedenfalls ein Jugendlicher. Die Geschichte spielt im Langenrath-Universum, wie „Sergej“ und „Ruf“, und ich schrieb einige Kapitel davon parallel zu SuP, bevor ich mich an die Überarbeitung des Finders gab. Dieses Fragment trägt den Arbeitstitel „Königskinder„.

Diese drei Geschichten habe ich also noch begonnen, bevor ich „veröffentlichter Autor“ war. „Die Löwen“ hingegen, die ich Euch heute vorstellen werde (so weit sie gediehen sind) sind das Opfer einer Planänderung. Eigentlich sollte dieser Krimi, die Fortsetzung der „Träumer„, bereits im Frühjahr oder Sommer 2012 erscheinen. Wie hier schon mehrmals berichtet, hat sich der JUHRVerlag dann aber (zu meiner großen Freude) entschieden, doch „Sergej“ zu machen, und  die „Löwen“ blieben zunächst unvollendet.

Und Buch Nr. 5? Nun, es ist ganz neu, trägt den Arbeitstitel „Der Prophet“ und ist die, von vielen Fans lange geforderte und erhoffte Fortsetzung des „Finders“. Mehr dazu auch in den kommenden Tagen, hier nur soviel: Dieses Buch habe ich nicht abgebrochen. Aber da meine Agentin fleißig arbeitet kann es sein, dass ich es demnächst abbrechen muss, weil irgendein Verlag eines der anderen Bücher kauft. Derzeit betrachte ich den „Prophet“ aber als „das Buch an dem ich gerade schreibe“. 🙂

Heute aber geht es um:

Die Löwen

Wir haben Bastian ja am Ende der Träumer in einer für ihn denkbar blöden Situation verlassen und im Epilog ein wenig darüber erfahren, wie es mit ihm weiter geht. Der neue Roman beginnt ziemlich genau ein Jahr nach Beginn der „Träumer“ (nicht ganz ein Jahr) und Bastian ist wirtschaftlich und sozial am Boden. Immerhin hat er Linda – wie das so ist in Notzeiten, da schweißt die Liebe um so stärker zusammen. Da seine finanziellen Reserven zur Neige gehen ist Bastian in einer Lage, in der er so ziemlich jeden Job annehmen muss, der sich ihm bieten. Kurz vor dem absoluten Ruin bieten sich ihm gleich zwei Chancen: Die eine hängt mit einem (fiktiven) Geschehen in der Kommunal- und Landespolitik zusammen, die andere mit einem (wirklichen) Ereignis aus der Geschichte des Bergischen Landes. Bastian ergreift beide Strohhalme…

Dieser Roman wird sehr viel mehr ein Regiokrimi sein als „Die Träumer“. Er spielt nicht nur in Leverkusen, Köln, Wuppertal und Remscheid, er hat auch tiefe Wurzeln in der hiesigen Geschichte, namentlich des 20. Jahrhunderts. Da Regiokrimi für mich, wie hier bereits gesagt, zwar ein albernes aber kein Schimpfwort ist, freue ich mich sehr darauf, diesen Roman fertig zu schreiben. Auch und gerade wegen der Recherche. Es war ja kein Zufall, dass ich vor vielen Jahren mal Geschichte studiert habe. 😉

Hier eine Leseprobe aus der EXTREM ROHEN, UNLEKTORIERTEN, UNKORRIGIERTEN, ALLERROHESTEN ROHFASSUNG dieses Romans, Work in Progress, gleichsam. Bastian und der aus dem Epilog der „Träumer“ bekannte Derek Roth treffen sich zum ersten Mal – im Kölner Hof auf der Kölner Straße in Opladen:

Beginn der Leseprobe:

Bastian hatte gedacht, er sei größer.

Derek Roth trat in den Schankraum des „Kölner Hofes“, und erst als er auf Bastian zusteuerte, der auf der Eckbank im vorderen Teil des Raumes am Fenster saß, wurde dem klar, dass dies sein geheimnisvoller Auftraggeber war. Bastian hatte den Kölner Hof nicht ohne Grund gewählt – für das erste Treffen mit einem Mann, der ihn mitten in der Nacht aus dem Bett klingelte und kryptische E-Mails schickte, wollte er einen öffentlichen Raum. Und seit er sich hier zum ersten Mal mit Vanessa Deutschmann getroffen hatte – in einem anderen Leben und vor einer gefühlten Ewigkeit, die nicht einmal ein Jahr her war – war die Gaststätte ihm vertraut geworden. Sie bot soviel heimatliche Sicherheit, wie es ein öffentlicher Raum nur konnte. Roth war offenbar nicht begeistert von dieser Wahl gewesen, hatte aber auch nicht protestiert.

Der Brite hatte die erste Mail mit seinem militärischen Rang unterzeichnet und angedeutet, dass er gemeinsam mit einer Gruppe anderer Militärs für einen ehemaligen Soldaten arbeite. Irgendwie hatte sich in Bastian das Bild eines uniformierten Hünen mit rotem Bürstenhaarschnitt festgesetzt. Der echte Derek Roth war dagegen nicht größer als Bastian selbst, wenn auch deutlich durchtrainierter. Sein hellbraunes Haar trug er zwar modisch kurz, aber nicht als Bürste, sein Gesicht erschien Bastian hart und kantig. Aber hätte er von dem militärischen Hintergrund nichts gewusst, hätte er es wohl einfach als scharf geschnitten bezeichnet, ohne sichtbare weiche Züge, vielleicht abgesehen von den dunkelbraunen Augen, die warm und freundlich schauten. Selbstverständlich trug er keine Uniform, sondern Jeans und T-Shirt unter einer kurzen, dünnen Lederjacke. Er kam lächelnd auf Bastian zu und streckte die Hand aus.

Herr Mohr? Schön, Sie endlich persönlich zu treffen. Ich bin Derek Roth.“ Sein Akzent war deutlicher als neulich nachts, er wies ihn als Schotten aus. Bastian war etwas verwirrt. Er ergriff die Hand und Roth drückte fest aber nicht schmerzhaft. Dann setzte er sich zu Bastian auf die Eckbank. Die Bedienung kam schnell, noch schneller als Bastian es hier gewohnt war. Es war eines der Mädchen, die ab dem Nachmittag manchmal aushalfen. Sie nickte Bastian kurz zu und hatte danach nur noch Augen für Roth.

Was darf ich Dir bringen?“

Noch einen Milchkaffee,“ sagte Bastian. Sie warf ihm ein kurzes Lächeln zu, nickte, und fixierte dann wieder den neuen Gast.

Und? Was nimmst Du?“

Derek Roth studierte scheinbar ungerührt die laminierte Faltkarte. „Hm… ich weiß nicht…“ er wandte sich an Bastian, „Sie nehmen Kaffee, ja?“

Milchkaffee“, sagte Bastian, „der ist sehr gut hier.“

Wir haben auch Tee,“ sagte die Bedienung. Sie hatte den Akzent bemerkt. Roth lächelte kaum merklich.

Nein, bringen Sie mir einfach eine Cola, gut?“

Klar, gerne“ hauchte sie und rauschte von dannen.

Ich habe immer noch nicht genau verstanden…“ begann Bastian, aber der Andere hob leicht die Hand.

Lassen Sie uns warten. Bis wir unsere Getränke haben und reden können, ohne Störung.“ Wieder das leichte Lächeln. „Ich glaube, es wird nicht lange dauern.“

Bastian grinste. „Das glaube ich auch.“

Sie bekamen ihre Bestellung schnell, und während Bastian Zucker über die Sahnehaube seines Kaffees streute und ihm beim langsamen Versinken zusah, nippte Roth leicht an seiner Cola und begann das Gespräch.

Es tut mir leid, dass ich sie in der Nacht geweckt habe. Aber ich wollte ihre volle Aufmerksamkeit.“

Hat funktioniert“, sagte Bastian säuerlich.

Gut. Sie verstehen, was ich von Ihnen möchte?“

Ich bin nicht sicher“, Bastian tat so als überlege er, in Wirklichkeit versuchte er, sich ein Bild von seinem Gegenüber zu machen. Es gab ein paar Punkte in Bastians Vergangenheit von denen er ziemlich sicher war, dass niemand darüber Bescheid wusste. Niemand außer Bastians Freund Joe Connor, der heute Speditionsunternehmer und Abgeordneter für Sinn Féin im Rat seiner Heimatstadt in Nordirland war. Und Joes Familie natürlich – und einige seiner Freunde. Aber diese Vergangenheit hatte dazu geführt, dass Bastian einen höllischen Schrecken bekommen hatte, als er die Mail gelesen und verstanden hatte, dass Derek Roth und die Leute um ihn zum britischen Militär gehörten. Auch wenn es hier anscheinend um etwas völlig anderes ging – Bastian wollte wachsam bleiben. In Roths Körperhaltung jedoch, seiner ganzen Mimik und Gestik und in seinem Verhalten war nichts, dass auf ein Geheimnis, einen Sinn hinter dem Sinn ihres Treffens hindeutete. Er wirkte völlig entspannt, wie ein Mann, der auf Urlaub ist und alle Muße der Welt hat. Er war fast schon zu relaxed, gemessen an den kryptischen Worten, mit denen er über den Auftrag geschrieben hatte, den er Bastian anbieten wollte.

Ich versuche mal, es zusammenzufassen,“ sagte Bastian, zog einen Zettel aus seinen Notizen, die auf der Fensterbank lagen und warf einen Blick auf die Stichworte. „1972 sind zwei Touristen aus Schottland, ein Ehepaar namens McCollaun, hier nach Deutschland gekommen. Um Ferien zu machen. Paul und… ähm… Heather McCollaun. Sie haben in Wuppertal gewohnt und sind in der zweiten Woche ihres Aufenthalts hier verschwunden. Und ich soll den Fall recherchieren. Richtig?“

Richtig,“ bestätigte Roth.

Und zu welchem Zweck? Ich meine… möchten Sie eine Zusammenfassung der Geschehnisse aus heutiger Sicht… oder…. ob es neue Erkenntnisse gibt… was genau wollen Sie?“

Der Schotte lächelte wieder fein. „Herr Mohr, was ich möchte… was mein Auftraggeber möchte ist, dass Sie den Fall lösen. Mein Auftraggeber ist sicher, dass die McCollauns gemordet wurden. Er möchte wissen wie, warum und vor allem – von wem.“

Bastian schaute ihn an, völlig überrumpelt. „Was? Mr…. Captain Roth, sie…“

Derek, bitte.“

Okay, Derek, Sie haben sich geirrt, glaube ich. Ich bin kein Privatdetektiv oder so etwas. Ich bin Redakteur, ich bin PR-Berater, ich kann nicht…“

Derek Roth schüttelte freundlich den Kopf. „Nein, nein, ich habe mich nicht geirrt. Wir… ich irre mich selten in solchen Dingen. Es heißt, dass sie ein sehr guter Rechercheur sind.“

Das mag ja sein,“ sagte Bastian. „Aber das bezieht sich auf Faktensammlungen für die Öffentlichkeitsarbeiten, verstehen Sie? Ich kann Firmen durchleuchten, das Verhalten von Personen analysieren… und was das Letztere betrifft, daran zweifle ich inzwischen auch. Ich bin nicht der Mann, der die Umstände von 40 Jahre alten Todesfällen aufklärt.“

Sein Gegenüber lachte leise. „Oh, jetzt sind sie unfair zu sich selbst. Vor ein paar Monaten haben sie einen Mörder gefunden. Morde aufgeklärt, nicht wahr? Einige davon geschahen vor fast 40 Jahren. Auf britischem Boden.“ Roth warf Bastian einen schnellen Seitenblick zu, der dem nicht entging. Er versuchte, unbeeindruckt zu wirken.

Das war Zufall. Und ich… Linda und ich, wir haben Glaser vielleicht aufgespürt. Aber er hätte uns fast auch umgebracht. Wir hatten Glück.“

Derek nickte bedächtig. „Glück, hm. Ich glaube nicht, dass das Glück war. Dieser seltsame Einbrecher, der sie gerettet hat – sie wissen wirklich nicht, wer das war?“

Nein“, sagte Bastian. „Sie?“

Nein“, sagte der Schotte lächelnd, „tatsächlich weiß ich es nicht. Leider. Aber ich habe eine Vermutung. Ich vermute, dass Ihr Freund, der ehrenwerte Joseph Connor, ihnen geholfen hat. Liege ich damit so falsch?“

Bastian starrte ihn an. „Was!?“ sagte er, und fand, dass das ziemlich überzeugend klang.

Roth seufzte. „Oh bitte. Wollen Sie mir nun sagen, dass Sie keinen Joseph Connor kennen?“

Selbstverständlich kenne ich Joe“, sagte Bastian. „Wir sind seit meiner Schulzeit befreundet. Und er hat mir sehr bei der Sache mit Glaser geholfen, das ist auch kein Geheimnis. Er ist Ratsherr, er hat Verbindungen, er konnte mir Informationen besorgen…“

Ja, das ist er. Ein Sinn Féin Mann mit sehr guten Verbindungen.“

Was ist dagegen einzuwenden?“ wollte Bastian wissen.

Absolut nichts“, sagte Derek mit überdeutlichem Sarkasmus.

Die beiden Männer starrten sich eine Weile an. Schließlich sagte Bastian, mühsam beherrscht: „Was wird das hier? Wollen sie mit mir über irgendwelche toten Schotten reden oder über meinen Freund Joe? Das können Sie vergessen. Ich glaube, wir haben uns nicht mehr viel zu sagen, oder?“

Oh,“ sagte Derek scheinbar leichthin. „Ich weiß nicht. Wir können auch über andere Dinge reden. Zum Beispiel über ein IRA-Kuriernetzwerk in Deutschland in den späten 80ern und den 90ern.“

Bastian reagierte nicht sichtbar und gratulierte sich zu seiner Selbstbeherrschung. In seinem Magen war siedend heiß Adrenalin explodiert.

Was wollen Sie mir unterstellen?“ frage er. „Wird das hier ein Erpressungsversuch?“

Roth schüttelte den Kopf, und schaute ihn mit diesen warmen, braunen Augen plötzlich wieder sehr freundlich an. „Nein, nein. Sie wollten doch das Thema wechseln. Und eine Erpressung wäre doch, wenn ich versuchen würde, von Ihnen Geld zu bekommen, ja? Ich biete Ihnen aber Geld an. Viel Geld, wirklich, mein Auftraggeber ist wohlhabend. Und es geht immer noch um… wie sagten Sie? Um irgendwelche toten Schotten.“

Bastian riss sich zusammen. „Tut mir leid. Ich wollte sie nicht beleidigen.“

Das haben Sie nicht. Um ehrlich zu sein: Die Toten waren meinem Auftraggeber sehr nah. Er möchte wissen, was ihnen geschehen ist. Ohne viel Aufsehen. Ohne die Behörden einzubeziehen. Diskret, verstehen Sie? Und wir vertrauen Ihnen, das herauszufinden. Möchten Sie uns nicht helfen?“

Habe ich denn eine Wahl?“

Er zuckte mit den Schultern. „Wollen Sie denn gar nicht wissen, wieviel wir ihnen bezahlen möchten?“

Bastian seufzte. „Wieviel denn?“

2000 Pfund pro Woche. Und damit wir nicht immer rechnen müssen würde ich sagen: Das sind 2500 Euro.“

Bastian dachte für einen Moment, er habe sich verhört. „Zweieinhalbtausend die Woche? Für eine Recherche?“

Sehen Sie… für meinen Auftraggeber ist das sehr wichtig. Sehr wichtig. Und auch, wenn das nach sehr viel Geld klingt – wir rechnen nicht damit, dass Sie sehr lange Zeit brauchen. Fünf Wochen. Zehn vielleicht. Und wir möchten, dass Sie gründlich arbeiten. Wenn sie andere Verpflichtungen haben, wären wir dankbar, wenn Sie sie auf ein Minimum reduzieren. Aber es ist uns klar, dass sie nicht all ihre Kunden verärgern können. Arbeiten Sie gut und gründlich für uns, das ist alles, was wir möchten.“

Bastian war inzwischen ziemlich sicher, dass sein Gegenüber wusste, dass er nicht viele andere Kunden hatte, die verärgern konnte. Laut aber sagte er: „Und was ist, wenn ich sie einfach nicht finde. Wenn ich nicht weiter komme, als wir jetzt schon sind? Oder wenn ich herausfinde, dass Ihr Auftraggeber sich irrt, und die beiden bei einem Unfall umgekommen sind oder sich nach Brasilien abgesetzt haben oder so etwas?“

Derek nickte zufrieden. „Dann ist das so. Sie werden mir einmal die Woche berichten. Wenn ich zu dem Ergebnis komme, dass weitere Ermittlungen sinnlos sind, dann stoppe ich es. Andernfalls gebe ich Ihnen den Auftrag für eine weitere Woche. Sie nehmen also an?“ Er zog zwei Umschläge aus der Innentasche seiner Jacke, einen weißen und einen braunen.

Ich weiß nicht genau,“ sagte Bastian und konnte nicht verhindern, dass er den weißen Umschlag fixierte. „Wo ist der Haken?“

Haken?“

Was ist faul an der Sache? Warum zahlen sie solche Summen nur für eine Recherche? Gut, ihr Auftraggeber stand den beiden Verschwundenen nahe. Aber trotzdem…“

Herr Mohr,“ sagte der Schotte sanft. „Bastian… ist das nicht offensichtlich? Die beiden sind verschwunden. Mein Auftraggeber denkt – ermordet. Und Sie sollen ihrer Spur folgen. Es könnte ein wenig gefährlich sein.“

Bastian schluckte. „Ein wenig?“

Na ja,“ Derek grinste entwaffnend. „Ein wenig schon. Aber das macht es doch spannend. Und ich bin ja auch noch da.“ Er legte seine Hand wie zufällig auf den weißen Umschlag. „Machen Sie mit?“

Leseprobe Ende

Bis morgen. 😉

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Über Mountfright

Autor und Öffentlichkeitsarbeiter, Mann und Vater, Leser und Filmfreak. Kindheit in den 1970ern, weswegen mich bis heute seltsame Musik mit Ohrwürmern plagt. Aufgewachsen in den 80er Jahren, einem Jahrzehnt, das nicht halb so grau war, wie die anderen glauben. Erste Kurzgeschichte mit 13, erster echter Romanversuch (nach pubertären Ausfällen) mit 17, die nachfolgende Schreibblockade habe ich mir mit Songtexten für die Kölner Psychobillyband "Boozehounds" vertrieben. Danach ging es wieder: Erster lesenswerter Roman mit 26, seither nicht mehr aufgehört.
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