Die Sonntagsfrage: Ist Holzspielzeug vergänglich?

Wenn man älter wird, wird man normalerweise auch weiser. Zumindest in Geschichten und Klischees. In der Wirklichkeit… na ja. Ich nähere mich meinem 43. Geburtstag und bilde mir ein, langsam gewisse zugrundeliegende Gesetzmäßigkeiten meines Lebens zu erkennen. Zum Beispiel: Kabel hassen mich. Alle Kabel wollen mir immer das Leben schwer machen. Lege ich zwei Kabel sauber nebeneinander und verlasse den Raum, sind sie garantiert ein chaotisches Knäuel aus Schlingen und Knoten, wenn ich zurückkomme. Kein Witz. Ich weiß nicht, womit ich das verdient habe, aber immer und überall spüre ich den Hass der Kabel.

Eine andere Gesetzmäßigkeit: Glück und Pech in meinem Leben gleichen sich oft aus. Und neuerdings habe auch ich den Eindruck, mein Karma will es mir nicht allzu schwer machen. Kommt in der einen Woche eine recht knifflige Sonntagsfrage aus Pia Freys Sinnfragen Kombinator (wie letzte oder vorvorletzte Woche), so muss ich mich am darauf folgenden Sonntag meist mit nicht allzu anstrengenden Fragen auseinandersetzen. So auch diesmal. Nachdem ich am vergangenen Montag (Sonntag ging nicht) einen Literaturapparat von der Bibel bis Suzuki (der Philosoph, nicht das Auto) ins Gefecht führte, bleiben der Sinnfragen Kombinator und ich diesmal unter uns. Denn die (wie immer zufällig ermittelte) Frage lautet:

140209Ist Holzspielzeug vergänglich?

Ja. Gebirge sind vergänglich. Der Kasperle mit lackiertem Hartholzkopf also auch. Ende.

Na ja, nicht ganz Ende. Man kann die Frage natürlich auch kulturpessimistisch verstehen. Jetzt, in der Zeit des Unter- und Niedergangs, wo Playstation und iPad die zarten Hirne unserer Kleinsten zersetzen, ist da noch Platz für gutes, echtes, optisch und haptisch feines Holzspielzeug, gedrechselt vom Handwerker nebenan, lackiert mit mundgeschöpften Fingerfarben? Ist das nicht alles ach so vergänglich?

Nö. Ich habe drei Kinder, alle drei nutzen elektronisches Spielzeug und elektronische Medien. Außerdem treiben sie regelmäßig Sport, lesen, und sie besitzen und nutzen diverses Kreativspielzeug, unter anderem auch aus Holz. Kein Grund zur Panik. Ihr erstes Holzspielzeug waren übrigens Äste, die sie draußen fanden und, je nach Bedarf, zu Hockeyschlägern, Zeptern, Wanderstöcken, Schwertern und was weiß ich nicht noch allem umfunktionierten. Genau wie ich, damals, in den 1970ern. Dabei war auch ich so einem schrecklich zersetzenden Einfluss ausgesetzt. Nannte sich Fernsehen.

So lange Kinder kreativ sind (und das sind sie fast alle) und die Eltern sie darin unterstützen, ist Holzspielzeug unvergänglich. In diesem Sinne: Schönen Sonntag, und geht schön spielen. 😉

Verwendete Literatur:

Frey, Pia: Sinnfragen Kombinator“, Frankfurt 2013

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Über Mountfright

Autor und Öffentlichkeitsarbeiter, Mann und Vater, Leser und Filmfreak. Kindheit in den 1970ern, weswegen mich bis heute seltsame Musik mit Ohrwürmern plagt. Aufgewachsen in den 80er Jahren, einem Jahrzehnt, das nicht halb so grau war, wie die anderen glauben. Erste Kurzgeschichte mit 13, erster echter Romanversuch (nach pubertären Ausfällen) mit 17, die nachfolgende Schreibblockade habe ich mir mit Songtexten für die Kölner Psychobillyband "Boozehounds" vertrieben. Danach ging es wieder: Erster lesenswerter Roman mit 26, seither nicht mehr aufgehört.
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2 Antworten zu Die Sonntagsfrage: Ist Holzspielzeug vergänglich?

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