schreckenberglebt: CRIMINALE 2014 – Flashmob und Verlosung

Hallo!

Wie angekündigt war ich von Mittwoch bis Sonntag vergangener Woche auf der CRIMINALE 2014, in Nürnberg und Fürth, dem Jahrestreffen des Syndikats. Es war wieder eine sehr schöne, spannende und interessante Zeit, es gibt viel zu erzählen, und das werde ich in den kommenden Tagen auch tun. Heute aber lade ich Euch zu einem kleinen Nachcriminale-Such-und-Verlosungsspiel ein. Ihr seht hier den ersten Krimiflashmob Deutschlands, wenn nicht der Welt. Und ich war dabei. Yeah! 😀 Aus Freude darüber verlose ich unter allen, die hier oder auf meiner fb-Seite die folgenden kleinen Aufgaben lösen / Fragen beantworten zwei Exemplare des Buches, aus dem ich beim Flashmob lese:

1.) Aus welchem Buch lese ich?

2.) Benennt drei weitere Autorinnen oder Autoren die zu sehen sind (Bitte mit Angabe, wann sie zu sehen sind. Raten kann ja jeder. 😉  )

3.) Beim zweiten Flashmob in Fürth liest eine mir sehr liebe Kollegin nicht aus ihrem Buch, sondern aus dem Programm der Criminale. Wer ist sie? Ein Tipp: Sie ist aktuell auf der Spiegel-Bestsellerliste.

Ach ja, liebe Kolleginnen und Kollegen, falls Ihr mitmachen wollt: Sich selbst erkennen und benennen ist Schummel und gildet nicht.

Das Spiel läuft… hm… sagen wir mal bis kommenden Montag, 2. Juni. Viel Spaß!

 

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schreckenbergschreibt: Der Finder – es geht weiter

ACHTUNG: Dieser Beitrag enthält einige milde Spoiler zu meinem Roman „Der Finder“. Nichts, was die Spannung nimmt, aber ein wenig verrate ich schon.

 

Wer meine Schriftstellerseite auf Facebook geliked hat, hat es vielleicht schon vor einigen Tagen mitbekommen: Mit dieser Unterschrift…

IMG_0253…habe ich mich verpflichtet, die Fortsetzung meines ersten Romanes „Der Finder“ zu schreiben (bzw. abzuliefern, zu schreiben habe ich schon vor einiger Zeit begonnen).

Für alle, die den Finder nicht kennen: Es handelt sich um eine Endzeitgeschichte und um meinen bisher mit ganz weitem Abstand erfolgreichsten Roman. Wer bei diesem berühmten Onlinebuchhändler „Endzeit“ eingibt, findet ihn normalerweise auf dem dritten oder vierten Platz, mal vor, mal hinter Cormac McCarthys „Die Straße“, was immerhin ein mit dem Pulizer-Preis gekrönter Welterfolg ist. „Der Finder“ ist kein Welterfolg, er findet sich nicht einmal auf irgendwelchen nennenswerten Bestsellerlisten in Deutschland, aber für einen Debut-Roman aus zwei kleinen, regionalen Verlagen ist das schon ein ziemlich großer Wurf. Ihr merkt: Ich bin recht stolz auf das Buch. Besonders freut es mich, dass es eine engagierte Fangemeinde gewonnen hat, deren Mundpropaganda nicht unwesentlich zum Erfolg des Buches (der sich erst etwa ein Jahr Erscheinen einstellte) beitrug. Danke, nochmal, an dieser Stelle. 🙂

Fast von Beginn an haben diese treuen und engagierten Freunde (eigentlich vor allem Freundinnen!) des Buches eine Fortsetzung verlangt. Theoretisch bietet sich das an: Das Ende des Buches ist offen, einige Hauptpersonen haben überlebt, die Geschichte scheint nicht zu Ende erzählt.

Ich habe diese Hoffnung über lange Zeit enttäuscht, indem ich stets gesagt habe: Für mich ist die Geschichte dieser Personen doch zu Ende erzählt. Alles weitere wäre nur Wiederholung: Flucht, Siedeln, Etablieren, ähnliche Gefahren, ähnliche Herausforderungen, ähnliche Lösungen etc. Was sich ändern würde, wäre nur die Umgebung. Ich habe versprochen, die weitere Entwicklung hier und da mit einer Kurzgeschichte zu beleuchten (wie dieser hier), mit einer neuen Romanhandlung aber frühestens zwei, drei Generationen nach meinen Heldinnen und Helden aus dem Finder einzusetzen. Tatsächlich existiert ein Drehbuchtreatment, das etwa 200 Jahre später spielt und Vorlage für einen zweiten Roman hätte sein können, aus verschiedenen Gründen ist das aber derzeit nicht realisierbar – einer der Gründe ist, dass diese Geschichte nicht mehr in Europa spielen würde.

Also war mein Standpunkt lange: „Es gibt keine Finderfortsetzung, tut mir leid, ist so.“

Aber Standpunkte ändern sich – manchmal mit einer einzigen Idee. Ich hatte diese Idee vor einem Jahr, ganz plötzlich, wenn ich nicht irre unter der Dusche (da habe ich erstaunlich viele Ideen 😀 ). Von da an war klar: Es würde ein zweites Buch geben, und zwar eins, das in meiner bekannten Finderwelt spielt, nicht in einer sehr zukünftigen Version davon. Unklar war nur, wann ich es schreiben und wer es veröffentlichen würde. Ich schrieb also einige Kapitel, schuf ein sehr grobes und sehr stichwortartiges Konzept und widmete mich der Idee hin und wieder, neben anderen Projekten.

Dann gab es Anfang des Jahres eine Entwicklung in Bezug auf den Finder die noch geheim und unsicher ist, die aber das Nachfolgeprojekt schlagartig beschleunigte. Ich hatte Daniel Juhr vom JUHRVerlag versprochen, zuerst mit ihm über dieses Projekt zu reden, aus alter Verbundenheit, erstens, weil er vom ersten Moment an an den „Finder“ geglaubt hat, vor allem aber, weil er sich an „Der wandernde Krieg – Sergej“ gewagt hat, mein heimliches* Lieblingsbuch. Er war sofort dabei, wir einigten uns noch über ein paar Details des Vertrages, und am 9. Mai 2014 leistete ich die oben dokumentierte Unterschrift. Im Moment ist es unser Ziel, den Roman mit dem Arbeitstitel „Der Prophet“ noch in diesem Jahr herauszubringen, wahrscheinlich zum Weihnachtsgeschäft.

Ist das nun die lange erwartete Fortsetzung des Finders? Ja! Nein! Ich möchte Euch – ohne zu Spoilern – einen kleinen Vorgeschmack auf das geben, was Euch erwartet:

Was ist „Der Prophet“ nicht?

Na ja, zunächst mal ist er noch gar nichts, abgesehen von ca. 60 Seiten Manuskriptanfang und einer inzwischen ziemlich lückenlosen Grobdramaturgie in meinem Kopf. Für alle, die schon einmal dabei waren wenn ich erklärt habe, wie ich „alles außer Krimi“ schreibe: Die wichtigsten Wegmarken und Figuren sind da.

„Der Prophet“ wird auch keine direkte Fortsetzung des Finders, aus den oben erwähnten Gründen. Wir werden also nicht Daniel auf diesem Hügel am Meer in Schottland treffen, wo wir ihn, wie üblich rauchend und sinnierend, zuletzt gesehen haben. Im Propheten werden eine ganze Menge Figuren aus dem Finder wieder auftauchen, Daniel, Esther, Jan, Thomas, Erkan, David, Doris, Susi… vielleicht sogar Grim und Reaper, ich überlasse Euch zu entscheiden, ob sie es sind oder nicht. 😉

Aber wir werden nicht chronologisch da weiter machen, wo wir uns verabschiedet haben. Im Gegenteil – wir gehen noch einmal ganz zurück zum Anfang. Zur Party.

Was ist „Der Prophet“?

Man könnte sagen, „Der Prophet“ ist die Ergänzung zum Finder. Man könnte auch sagen, „Der Finder“ ist die Ergänzung zum Propheten. Wenn das Buch gelingt, wie ich es mir vorstelle, dann funktionieren die beiden Romane zusammen wie zwei dieser Freundschaftsmedaillons. Jedes für sich zeigt ein komplettes und in sich geschlossenes Bild – wenn man sie aber zusammenfügt, dann ergibt sich ein Drittes, das Größer ist als die Summe seiner Teile. Dabei ist mir wichtig, dass beide Geschichten weiter unabhängig voneinander funktionieren. Nichts, was im Finder gesagt und vor allem am Ende erklärt wird, wird umgedeutet oder verfälscht werden, die Finderfans brauchen also nicht zu fürchten, dass sich das Buch, das sie ins Herz geschlossen haben, im Nachhinein als Täuschung herausstellt. Andererseits muss niemand fürchten, den Propheten nicht zu verstehen, ohne den Finder gelesen zu haben. Zu diesem Zweck habe ich zu meiner bekannten Crew aus drei hilfreichen Erstleser(inne)n zwei weitere Erstleserinnen rekrutiert, die den „Finder“ nicht kennen. Eine davon hat mir schon bei den „Träumern“ geholfen, die andere kenne ich lange aus gemeinsamen Drehbuchkurstagen. Es handelt sich um eine fantasyerfahrene Naturwissenschaftlerin und eine versierte und kritische Journalistin, sie haben beide mein volles Vertrauen, Ihr werdet sie in der Danksagung dann kennenlernen. 😉

Ihr werdet im Propheten vieles erfahren, was im „Finder“ offen bleibt – zum Beispiel, warum Susi und einige andere sich von ihrer Gruppe trennen und versuchen, zu den Siedlern zu stoßen. Leserinnen und Leser hingegen, die den Propheten zuerst lesen, werden erfahren, wie Susi mit diesem Ziel aufbricht – und dann im Finder lesen können, was aus dem Plan wurde. Das ist nur ein kleines Beispiel dafür, wie ich vorhabe, beide Bücher immer wieder – von kleinen Details bis zum großen Bild – ineinander greifen zu lassen. Meine Idealvorstellung sieht vielleicht so aus: Ein Paar kauft sich beide Bücher, sie liest den „Finder“, er liest den „Propheten“ und dann erzählen sie sich gegenseitig und lesen sich vor und bekommen so eine neue, größere Geschichte. Und dabei sind – wie gesagt und versprochen – beide Geschichten für sich verständlich, in sich geschlossen und stimmig.

Lasst uns mal alle gemeinsam hoffen, dass das so funktioniert. 😉

Eins noch: Viele Kritiker haben ja am Finder bemängelt, dass sie die Entscheidung von Daniel, Esther und ihren Freunden, die Zivilisation quasi hinter sich zu lassen, nicht verstehen können und das Buch daher unglaubwürdig finden. Dabei übersehen sie, dass diese Gruppe die Minderheit ist – die Mehrheit entschließt sich beim Treffen an der Kirche anders. Im Propheten werden wir erfahren, was aus dieser Mehrheit wird. Wenn auch nicht von Anfang an, aber doch über (wahrscheinlich) etwa zwei Drittel des kommenden Romans.

So genug gespoilert. Ich schreibe im Moment mit viel Motiviation und Freude an diesem neuen Roman – und ich wünsche mir, dass er Euch ebensoviel Freude machen wird.

 

 

*Jetzt nicht mehr ganz so heimlich… 😀

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Die Sonntagsfrage: Ist die NATO unbesiegbar?

Kennt Ihr das? Jemand stellt Euch eine Frage, und Ihr glaubt im ersten Moment, darauf eine richtig lange, tiefgehende Antwort geben zu können, die Euch, Euer Wissen, Eure Analysekompetenz und Eure Kreativität so richtig fordert und Euer Gegenüber wirklich bereichert… und dann stellt Ihr fest – nee, ist eigentlich gar nicht so. Willkommen zur heutigen Sonntagsfrage aus dem Sinnfragenkombinator von Pia Frey:

IMG_0262Ist die NATO* ungesiegbar?

Äh….. Niemand ist unbesiegbar**. Falls Ihr das nicht glaubt, fragt mal die Perser.

Damit wäre eigentlich alles gesagt. Es gäbe unendlich viel mehr zum Thema NATO zu sagen, und ich würde es gerne tun (siehe oben), aber es hat nichts mit der Frage zu tun, also lasse ich es. Nur eins noch:

Seltsamerweise stellen viele Medien gerade diese Frage in diesen Tagen wieder ernsthaft. Und sie bemühen dafür das Gespenst einer angeblichen Bedrohung durch einen angeblichen russischen Expansionsdrang in Richtung NATO (Baltikum). Menschen wie mir, die im Kalten Krieg aufgewachsen sind, ist dieses Gespenst nicht neu.

Neu ist hingegen die bestürzende Kriegsgeilheit – oder besser: Krisengeilheit – in vielen Kommentaren und „Analysen“. Bei Licht betrachtet gibt es keinen drohenden Krieg***, jedenfalls nicht für uns, hier im warmen, kuscheligen, natogeschützten Mitteleuropa, nicht jetzt und nicht in naher Zukunft.

Ich vermute (aus der Ferne), dass in der Ukraine ein Bürgerkrieg droht, den die betroffenen Bürger eigentlich gar nicht wollen, aber die fragt ja kaum jemand – und wenn jemand sie fragt, gibt es bestimmt auch jemanden, der die Befragung für null und nichtig erklärt. Und für diesen kommenden Bürgerkrieg haben unsere Leitmedien in der üblichen, stets katastrophal verkürzenden Manier, auch schon die Rollen verteilt: Es gibt Gut und es gibt Böse, wie in jeder leicht verständlichen Geschichte. Mit der Wirklichkeit hat das natürlich nichts zu tun, aber wen interessiert schon die Wirklichkeit?

Aber es könnte ja passieren, dass die Ukrainer sich zusammenraufen und ihre Probleme doch friedlich lösen, wie auch immer. Schön für die Ukrainer und alle friedliebenden Menschen dieser Welt, aber blöd für diejenigen, die jeden Tag ihre Nachrichten mit einer möglichst angstmachenden, spannenden Geschichte füllen müssen. Denn darum geht es ja zunehmend in vielen (!) früher so seriösen Medien: Nicht um Analyse und Bericht, sondern um Storytelling und Spannungsbögen – und natürlich einerseits um Aufmerksamkeit, Sendezeiten und Werbeplätze, andererseits um Einfluss und Einflussnahme. Und da klingt die Schlagzeile: „Ukrainische Konfliktparteien einigen sich auf schwer verständliches, 2377 Seiten langes Kompromissabkommen“ natürlich viel lahmer als: „ALARM! DER IVAN KOMMT ÜBER’N HÜGEL!!!!“

Nur – ob das mit dem Alarmgeschrei, der Stimmunsgmache, der Verteufelung, der Rechthaberei und dem Öl ins Feuer gießen wirklich so eine tolle Idee ist, halte ich für fraglich. Gerade 2014. Nur ein Jahrhundert nach 1914.

Aber das war ja auch nicht die Frage…

Nächsten Sonntag habe ich wahrscheinlich keine Zeit zum Bloggen, weil ich mich auf dem Rückweg von der CRIMINALE 2014 befinden werde – von der und über die ich in der kommenden Woche eifrig zu bloggen gedenke. 🙂 Aus der Sonntagsfrage wird dann also eine Montags- oder Dienstagsfrage.

Verwendete Literatur:

Frey, Pia: “Sinnfragen Kombinator“, Frankfurt 2013

 

 

 

* Ich werde weder definieren, noch erklären, noch auch nur verlinken wer oder was eine NATO ist. Wenn Ihr nicht wisst, was das ist: GUTEN MORGEN! Aufwachen. Beginnt mal, Euch für Eure ureigensten Belange zu interessieren. Und recherchiert!

**Ja, ja… spart Euch die Chuck Norris Witze. Es sei denn, Ihr kennt wirklich neue wirklich gute. 😀

***Ich meine Krieg im Sinne von Krieg oder Bürgerkrieg, in dem ein oder mehrere bewaffnete Parteien um die Vorherrschaft über ein definierbares Territorium und die Menschen darin kämpfen. Nicht „weltweiten Krieg gegen den Terror“ oder was auch sonst immer zum Krieg ernannt werden mag (Bandenkrieg, Krieg der Geschlechter, Krieg auf Schalke, etc., etc).

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Die Sonntagsfrage: Ist Sozialneid total peinlich?

Fast zwei Monate war mein Sinnfragenkombinator verschwunden. Am Donnerstag (just an meinem Geburtstag) habe ich ihn endlich wiedergefunden. Im… ähm… Küchenregal. Ja. Wo auch sonst? Zwischen Kochbüchern, CDs (kein Spülen ohne Musik oder Hörbuch) und Obst. Hätte ich ja auch mal früher drauf kommen können, ich kleiner Dussel, ich. Und da ich ihn nun wieder habe, mache ich natürlich mit den Sonntagsfragen weiter. Heute möchte der Kombinator wissen:

Sinnfragenkombinator 140511Ist Sozialneid total peinlich?

Mein Duden ist von 2009, er kennt das Wort Sozialneid, definiert es aber nicht (sagt aber immerhin, wie man es trennt). Das ist interessant. Ich muss mich also selbst an eine Definition geben. Übrigens ist das Wort, wenn ich mich nicht irre, relativ neu. Ich wurde Anfang der 1970er geboren, mein politisches Interesse (und mein recht eigentümlicher Weg durch die politischen Überzeugungen) begann also Mitte der 1980er. In den 1990ern habe ich Politikwissenschaften im Nebenfach studiert, ich glaube also, mit Begriffen aus der politischen Berichterstattung und Analyse halbwegs vertraut zu sein. Vor 1990 ist mir der Begriff nie begegnet, seinen wirklichen Aufschwung erlebte er, so zumindest glaube ich mich zu erinnern, erst ab Mitte der 90er. Zunächst die Definition – oder die Definitionen.

„Neid“ ist ein spezifisches Gefühl der Missgunst, der Neider missgönnt dem Beneideten ein Objekt, das dieser besitzt, der Neidende aber nicht. Dabei ist es nicht zwingend notwendig, dass der Neider das Objekt selbst besitzen will.

„Sozialneid“ ist eine Form des Neides, bei dem der Neider dem Beneideten seinen (wirklichen oder angenommenen) sozialen Status neidet. Gebräuchlich ist der Begriff allerdings nur in einer Richtung, nämlich so, dass ein (wirklich oder in der eigenen Wahrnehmung) sozial niedrig gestellter Neider einem (wirklich oder in des Neiders Wahrnehmung) höher stehenden Beneideten dessen Status neidet. Im alltäglichen Gebrauch des Begriffs wird in aller Regel der materielle Besitz des Beneideten – Synonym oder/und pars pro toto – für den sozialen Status genannt.

Nach dieser Definition kenne ich vor allem zwei Zusammenhänge, in denen das Wort „Sozialneid“ gebraucht wird. Im Ersten finde ich den Sozialneid peinlich, im Zweiten allerdings den Gebrauch des Begriffs.

Peinlich finde ich Sozialneid dort, wo er per se unterstellt, der Beneidete verdiene seinen sozialen Status und die damit verbundenen Annehmlichkeiten nicht, stattdessen stünden sie gerechterweise dem Neider zu, der sie aber wegen der Ungerechtigkeit der Welt, Schlechtigkeit (oder auch Dummheit) der Menschen, Grausamkeit des Schicksals etc., etc., etc…. nicht bekommt. Unter Künstlern – gerade Schriftstellern – ist diese Form des Sozialneids durchaus verbreitet, und ich bin froh, dass ich hier dagegen reden kann, so lange ich (noch?  😉  ) nicht zu den Bestsellerautoren gehöre, und damit unverdächtig bin, mich gegen Neider wehren zu müssen. Ein typischer Vertreter dieser Sorte von schriftstellerischem Sozialneid verkauft selbst weniger Bücher, als er gerne verkaufen würde. Er hinterfragt aber nicht, warum das so ist – ob es vielleicht an ihm selbst, seinen Geschichten, seinem Genre, seinem Verlag, Agenten, usw., usw., oder auch nur an seinem unverdienten Pech liegt, er unterstellt, das Publikum sei eben dumm und wisse wahre Kunst nicht zu schätzen und kaufe deshalb nicht sein eigenes brillantes Werk, sondern das viel schlechtere des/der Bestsellerautor(in)s XYZ. Solche Leute führen gern das blöde Wort von dem Mist und den Tausenden von Fliegen im Mund – und degradieren damit mal eben alle potentiellen Leser(innen) zu Kerbtieren.

Klar – es gibt Kolleginnen und Kollegen, die schreiben, in meiner höchst subjektiven Wahrnehmung, schlechter als ich und haben mehr Erfolg. Aber es gibt sehr viele Erklärungen dafür, für die ich weder die versammelte Leserschaft, noch besagte Kollegen und Kolleginnen beleidigen muss. Vielleicht sind sie bekannter als ich, dann ist es an mir und meinen Verlagen, das zu ändern. Vielleicht ist es aber auch einfach so, dass mein ganz persönlicher Geschmack vom Geschmack vieler Leserinnen und Leser abweicht. Mir das einfach damit zu erklären, dass ich halte den „besseren“ Geschmack hätte, erfordert schon eine Menge Chuzpe. Kurz – ich finde die Form des Sozialneids, die dem Beneideten seinen sozialen Status missgönnt, weil man glaubt, man selbst habe ihn viel eher verdient, peinlich. Ich leugne übrigens gar nicht, dass er mich manchmal (selten, ehrlich) auch überkommt. Aber wenn ich dann darüber nachdenke, finde ich mich selbst peinlich. 😀

Dann aber gibt es Menschen – gerne Politiker und Publizisten – die sprechen von „Sozialneid“, wenn jemand seinen eigenen sozialen Status, die Güterverteilung in unserer Gesellschaft/auf der Welt und die Gerechtigkeit dieser Verteilung hinterfragt und womöglich gar verändern will. Wenn es dabei um die Gesellschaften und Systeme in Deutschland und Europa geht, finde ich den Gebrauch des Wortes „Sozialneid“ (gerne in Zusammenhang mit dem Wort „Neiddebatte“) peinlich. Denn wir leben in einer Gesellschaft, in der Güter und Einfluss ungerecht verteilt sind, und wer diese Verteilung gerechter machen will verdient nicht, beschimpft zu werden. „Sozialneid“ wird hier als Kampfbegriff gebraucht.

Wenn es aber darum geht, Menschen anderer Weltgegenden „Sozialneid“ zu unterstellen, dann ist der Begriff nicht peinlich, sondern zynisch. Denn wir können unseren Lebensstandard ja nur auf Kosten eines großen Teiles der Weltbevölkerung halten, wir sind die Privilegierten der derzeitigen, höchst ungerechten Weltordnung. Ich werte das nicht, ich wäre ein Heuchler, würde ich es tun, ich stelle nur fest. Aber wer hier lebt und zum Beispiel Flüchtlingen, die versuchen, an unserem Wohlstand Teil zu haben, „Sozialneid“ unterstellt – der hätte wohl auch vor 230 +/- Jahren, als französischer Adliger, den Angehörigen anderer Stände empfohlen, Kuchen zu essen wenn sie kein Brot haben.

Verwendete Literatur:

Frey, Pia: “Sinnfragen Kombinator“, Frankfurt 2013

Wermke, Dr. Matthias u.A. (Herausgeber): “Duden – Die deutsche Rechtschreibung”, Mannheim, Wien, Zürich (25) 2009

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Die Sonntagsfrage: Er ist wieder da!

Hurrah! Ich habe meinen Sinnfragenkombinator wiedergefunden. Sonntag geht’s weiter. 🙂

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