schreckenbergschaut: FNHF Teil 6 – Cloverfield

Cloverfield

(USA 2008)

Drehbuch: Drew Goddard

Regie: Matt Reeves

Abschließende Marketingbesprechung zu einem neuen Filmprojekt der Paramount Pictures. Es ist Freitagnachmittag, alle wollen nach Hause um ihren Freitagsnachmittagshorrorfilm zu sehen. Es gibt nur noch einen Punkt zu klären:

Marketingmensch 1: „Zusammenfassend: Wir werden den Film also vor allem über das Internet bewerben – und zwar, indem wir ein großes Geheimnis um ihn machen. Wir platzieren mehrere geheime Homepages mit Andeutungen, die die Fans dann finden können, richten Profile für die Hauptpersonen bei Myspace ein…“

Studiohierarch: „Stimmt von diesem Myspace habe ich gehört. Das ist die Zukunft!“

Marketingmensch 1: „Danke. Ja, wir werden die Webgemeinde also richtig heiß machen. Die KÖNNEN dann gar nicht anders, als in den Film zu rennen, wenn er endlich rauskommt.“

Assistentin des Studiohierarchen: „Das einzige, was wir jetzt noch brauchen, ist ein guter Titel.“

Marketingmensch 2: „Wir dachten an ‚HORRORALIEN ZERTRAMPELT NEW YORK!“

Studiohierarch: „Etwas sperrig…“

Marketingmensch 1: „Aliens greifen an!“

Assistentin des Studiohierarchen: „Nee, viel zu 50s.“

Marketingmensch 2: „Einfach nur: ‚Aliens‘?“

Assistentin des Studiohierarchen: „Gab’s schon.“

Praktikant der Marketingagentur der den Beamer bedienen darf: „Wie wäre es denn mit ‚Kleefeld‘?“

Studiohierarch: (sinnierend) „Kleefeld…“

Marketingmenschen: (gemeinsam, sinnierend) „Kleefeld…“

Assistentin des Studiohierarchen: (sinnierend) „Kleefeld…“

Studiohierarch: „Da war doch mal was mit Kleefeld und New York… als ich noch jung war…“

Marketingmensch 1: „Ich muss an Hoppelhäschen denken. Süße, weiße Hoppelhäschen…“

Assistentin des Studiohierarchen: „Ich mag grün…“

Marketingmensch 2: „Und wir wollten doch vor allem verwirren…“

Studiohierarch: „Okay, wir machen es so. Verwirrung und Kleefeld. Schönes Wochenende.“

Inhalt

Der Film gibt sich als der Inhalt einer aufgefundenen Kamera (und insofern ähnelt er „The Blair Witch Project“ der allerdings ansonsten ein bis zwei Ligen höher spielt) und beginnt mit einer Art Prolog, von dem sich zum Ende herausstellt, dass er eigentlich mehr ist als das – aber ich mag nicht spoilern. In diesem Prolog lernen wir die beiden New Yorker Rob (Michael Stahl-David) und Beth (Odette Yustman) kennen, die wohl die letzte Nacht miteinander im Bett verbracht haben und nun einen Ausflug nach Coney Island planen.

Sprung zur nächsten Sequenz auf der Kamera (offenbar hat jemand den Coney-Island-Tag überspielt) – Robs Bruder Jason (Mike Vogel) und dessen Freundin Lilly (Jessica Lucas) schmeißen eine Abschiedsparty für Rob, den es beruflich nach Japan verschlägt. Freund Hud (T. J. Miller) filmt die Party und sammelt bei den Gästen Abschiedsgrüße für Rob, denn der Film soll ihn als Andenken nach Japan begleiten. Allerdings trübt Huds Hang zum Investigativen die Stimmung ein wenig: Er bekommt mit, dass Rob und Beth miteinander geschlafen haben und doch nicht nur so platonisch befreundet sind oder waren, wie sie es den Rest der Welt gerne glauben lassen. Allerdings gab es danach wohl ein paar Missverständnisse – es kommt zum Streit zwischen den unglücklich Verliebten und Beth verlässt die Party. Kurz darauf kommt es zu einem vermeintlichen Erdbeben und einem Stromausfall und dann… dürfen wir verfolgen, was Rob, Beth, Jason, Lilly, Hud und Huds neue Flamme Marlena (Lizzy Caplan) in dieser langen Nacht durchleben und durchleiden müssen.

Urteil

Mann, was hat der Film auf die Fresse bekommen. Denn nach dem riesigen Internet-Hype (die Marketingstrategie ging voll auf) war die Ernüchterung doch sehr groß. Nein, Cloverfield hat weder die Geschichte des Films neu geschrieben noch auch nur einen Teil Horrorgenres neu definiert (was „Blair Witch“ sehr wohl gelang – aber die Filme haben eben auch nicht mehr gemein als die vorgebliche Authentizität und die Erzählperspektive). Manche Kritiker haben Matt Reeves sogar vorgeworfen, dass er den Film in New York spielen lässt, von wegen 9/11 und so. Ach so. Darf New York jetzt in Filmen nicht mehr zerstört werden? Da finde ich manchen echten 9/11-Film sehr viel abgeschmackter, aber das nur am Rande.

Ja, wie gesagt, Cloverfield ist nicht das bahnbrechende Meisterwerk das viele gerne gesehen hätten. Tut mir ja auch leid, aber andererseits – selbst Schuld, wer auf so eine Marketingstrategie hereinfällt?

Was ist Cloverfield aber tatsächlich? Ein verdammt unterhaltsam gemachter Monsterfilm. Und um es gleich zu sagen: Wenn ein Riesenmonster New York auseinandernimmt, dann bin ich auch bereit, die eine oder andere logische Lücke in Kauf zu nehmen. Es geht einfach nicht ohne. Wenn man sich auf diesen Rahmen einlässt, und „Cloverfield“ zum Beispiel mit dem anderen großen Riesenmonster-nimmt-New-York-auseinander-Film vergleicht – Roland Emmerichs „Godzilla“ von 1998 – dann muss ich ehrlich sagen: „Cloverfield“ gewinnt auf ganzer Linie. Weniger unlogisch, weniger doof, weniger um Comic Relief bemüht und insgesamt viel spannender. Das ergibt sich aus der Perspektive die immer bei dieser einen kleinen Menschengruppe bleibt und immer aus der Sicht dessen erzählt, der gerade die Kamera hält. So lebt und leidet man sehr direkt mit den Hauptfiguren und vergisst, wie hanebüchen die Geschichte, die sich um sie herum abspielt, wirklich ist. Für die Dauer des Films habe ich sie geglaubt. Und mehr erwarte ich nicht von einem FNHF.

Und das Ende ist dann sogar noch einmal überraschend. Unbedingt bis ganz zum Schluß ansehen. 😉

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schreckenbergschaut: FNHF Teil 5 – Phantasm

Phantasm
(USA 1979)

Drehbuch: Don Coscarelli
Regie: Don Coscarelli

Es gibt mehrere verschiedene Schnittversionen dieses Films, ich bespreche die FSK 16 Version. Wie Ihr hier überprüfen könnt, besteht der Unterschied zur ungeprüften Version vor allem in der Intensität des Blutgespritzes und in Jodys kleiner „aim to kill“ Rede. Nichts, was den Film in der Substanz verändern würde. Im Deutschen hat der Film den unglaublich kreativen Titel „Das Böse“. No comment…

Ah!“ höre ich die Nostalgiker rufen, und „Oh, jetzt bespricht der aber ein Meisterwerk. Das ist aber kein simpler Freitagsnachmittagshorrorfilm, alleine schon die Musik… und die Sphären… und der Tall Man.“
Ja, liebe Nostalgiker, ich kann Euch ja verstehen. Ich bin zwar ein klitzekleines Bisschen zu jung um den Film im Erscheinungsjahr gesehen zu haben, aber bald darauf, in den 80ern, wurde er natürlich auch mir zum prägenden Horrorfilmerlebnis. Keine Ahnung, wer mein jugendliches Gemüt damit verdarb, aber Ah! Die Musik! Und Oh! Der Tall Man! Und Fump! bzw. Srsrsrsrsrt! Die Sphären!
Aber sonst… seien wir ehrlich – Meisterwerk ist anders. Beginnen wir aber – für alle vor 1969 und nach 1979 geborenen – mit dem

Inhalt

Öhm… schwer. Den Inhalt zu erzählen und nicht zu spoilern ist schwer. Den Inhalt zu erzählen und sich nicht zu verzetteln ist ebenso schwer, denn die Geschichte besteht aus sehr vielen sehens- und erzählenswerten Episoden, die jede für sich besser sind als der ganze Film. Ich versuche es trotzdem mal, also:

Teenie Mike (A. Michael Baldwin) hat es nicht leicht. Seine Eltern sind bei einem Unfall gestorben und er lebt nun bei seinem älteren Bruder Jody (Bill Thornbury), der zwar ein netter Kerl ist, aber als Vaterersatz ziemlich ungeeignet. Außerdem sterben in der kleinen Stadt, in der die Brüder und ihr Kumpel. Eisverkäufer Reggie (Reggie Bannister) leben erstaunlich viele Menschen. Als Mike nach einer der häufigen Beerdigungen sieht, wie der Friedhofswärter – aka The Tall Man (Angus Scrimm) – einen Sarg auf höchst erstaunliche Weise verlädt ist sein Misstrauen geweckt. Er forscht weiter und findet heraus, was im Kolumbarium des Friedhofes wirklich vor sich geht, kann eben noch dem Tall Man und seinen fliegenden Kugeln (den Spheres) entkommen und nimmt gemeinsam mit Reggie, Jody und Sally (Lynn Eastman), der Enkelin der örtlichen Wahrsagerin, den äußerst blutigen und verlustreichen Kampf gegen DAS BÖSE auf, bis zum… tja… „Ende“. Ob das Ende so gewollt war, Coscarelli nichts besseres eingefallen ist oder das ohnehin schon schmale Budget einfach aufgebraucht war, wer weiß. Man kann dieses Ende für sehr tiefsinnig und bedenkenswert halten, für eine Gedankennuss zum darauf herumkauen. Und da ich den Film doch ziemlich mag… sehe ich es mal so.

Urteil

Wie gesagt – ich mag den Film. Er strotzt von guten (und nachher oft kopierten!) Ideen, die Atmosphäre im Kolumbarium ist ein Lehrbuchbeispiel dafür, wie man Atmosphäre im Film gefälligst zu kreieren hat, der Tall Man ist wirklich, wirklich gruselig und die Filmmusik von Fred Myrow und Malcolm Seagrove zeigt sehr schön, was in den 70ern möglich war, als der Synthesizer noch etwas für Leute war, die gerne experimentierten. Der Film hat viel Gutes, wirklich.

Andererseits… diese aufgesetzten Schockeffekte, diese andauernden Verfolgungsjagden (damit meine ich nicht die Verfolgungsjagden mit den Sphären, die sind gut, aber die anderen… eher nicht), diese Logiklücken, dieser komisch verknüpfte Plot… wie gesagt, Meisterwerk geht anders. Aber hier geht es ja eben nicht um Meisterwerke, sondern um Freitagsnachmittagshorrorfilme. Und als solcher ist „Phantasm“ wirklich gut. Schickt also alle Zartbesaiteten und Kinder (!!!!) aus dem Raum, verdunkelt die Fenster, versetzt Euch zurück in Eure Pubertät, macht Euch klar, dass Don Coscarelli ein ziemlich guter Regisseur ist und dass man von so jemandem ja nicht auch noch ein anständiges Drehbuch verlangen kann und genießt… DAS BÖÖÖÖÖÖSE!

Und die Musik!

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schreckenbergschaut: FNHF Teil 4 – All the Boys love Mandy Lane

All the Boys love Mandy Lane
USA 2006
Drehbuch: Jacob Forman
Regie: Jonathan Levine

(Ich habe diesen Film anlässlich des 21. Fantasy Filmfestes im Jahr 2007 schon an verschiedenen anderen Stellen besprochen, wer mich also länger kennt sollte sich nicht wundern – viel Neues kommt jetzt nicht. 😉 )

Letzte Woche habe ich „The Changeling“ von 1980 vorgestellt, den Abgesang auf den klassischen Geisterfilm – oder zumindest ein bemerkenswertes Pausenzeichen, bevor das Subgenre dann mit „The Sixth Sense“ zu neuen Ehren kam.

„All the Boys love Mandy Lane“ ist ebenfalls ein Abgesang, und zwar der auf DAS Horrorgenre der 1980er Jahre, das gerade aufkam, als „The Changeling“ eine Ära beendete. Denn ebenfalls 1980 kam „Freitag der 13.“, zwei Jahre vorher war „Halloween“ auf der Leinwand erschienen und 1984 folgte dann (für mich) schon der Höhepunkt – „A Nightmare on Elmstreet“. Vorher gab es einige, nachher viele weitere, aber die Großen Drei sind damit genannt, und ich rede natürlich vom Subgenre der Teenieslasherfilme.

Filme dieser Art erlauben an sich wenig Überraschendes und das Subgenre war folgerichtig schnell totgeritten. „Scream“ sorgte 1996 für eine kurzzeitige Wiederbelebung, aber die endete auch sehr schnell in peinlichen Kopien und immer neuen Aufgüssen der Klischees.

Slasher – egal wer geslasht wird, Teenies oder andere – haben es bei mir immer schwer. Abgesehen von „A Nightmare on Elm Street“, der eine interessante übernatürliche Idee (das Monster aus den Träumern) mit einführt, kann ich diesem ganzen Subgenre relativ wenig abgewinnen. Ich finde Blutorgien um ihrer selbst willen langweilig, weil die Geschichte meist sehr, sehr dünn ist und nur als Vehikel dient, noch mehr Blut auf noch grausamere Weise zu vergießen. Man bedenke nur diese unglaublich öden Filme der Marke „Saw“ und „Hostel“. Die meisten Leute, die ich kenne und die „Saw“ zum Beispiel mochten, waren Leute, die das Horrorgenre nicht kannten und sich anlässlich des neuesten Hypes jetzt endlich auch mal einen Horrorfilm ansehen wollten. Die waren schwer geschockt und ob der „Tiefgründigkeit“ beeindruckt. Ich hingegen fand den Film nur doof und unlogisch. Und selbst ein im Kern simpel gestrickter Teenislasher kann viel, viel tiefgründiger sein – wie zum Beispiel „All the Boys love Mandy Lane“.

Inhalt:

Also, nochmal – dieser Film ist ein Teenieslasher-, Teeniehorror-, Teeniesplatterfilm, wie auch immer man das nennen mag. Er bewegt sich in einem klassischen Rahmen, der wenig Überraschungen zulässt. Stecken wir diesen Rahmen kurz ab:

– Wir wissen, was mit dieser begrenzten Zahl von Teenagern auf begrenztem Raum passieren wird.

– Das Ganze funktioniert immer nach dem Zehn-Kleine-Negerlein-Prinzip. Die Frage „wen erwischt es wohl als nächstes“ interessiert nur absolute Anfänger, alle anderen wissen – es erwischt sowieso alle oder fast alle. Die Reihenfolge ist mäßig spannend und wer am Ende übrig bleiben wird (falls jemand übrig bleibt) ist meist früh klar.

– Die Filme wimmeln nur so von Klischees.

– Das Ende ist meist kaum überraschend (siehe oben) und die Frage „wer ist der Täter“ ist auch uninteressant. Denn je überraschender die Antwort, desto hirnrissiger und weiter hergeholt das Motiv – sonst kommt man ja zu früh drauf. Die frühen Teenieslasher sind diesem Problem meist ausgewichen, indem sie den Täter zu einem echten (menschlichen oder übernatürlichen) Monster machten und ihn mit entsprechenden Monstermotiven ausstatteten. Deshalb sind diese Filme (zumindest die ursprünglichen, nicht die Sequels) auch soviel besser als spätere Versuche a la „I know what You did last Summer.“

Nun also die Handlung:

Sechs Teenager fahren gemeinsam auf eine Farm, um dort zu feiern. Nacheinander werden sie umgebracht.

Urteil

Es wäre also unfair, von diesem Film hier ein Beispiel für sprühende Originalität und überraschende Handlungsfäden zu erwarten. Er ist, was er ist.

Und – in diesem Rahmen – ist der Film wirklich gut. Was immer man richtig machen kann, machen Forman und Levine richtig. Die Personen – Killer eingeschlossen – sind zwar Klischees, aber als Charaktere so nachvollziehbar wie überhaupt nur eben möglich, in diesem per Definition sehr oberflächlichen Genre. Der Autor hat das geschafft, was in „Scream“ vergeblich versucht wurde: Aus vergangenen Erfahrungen zu lernen. Was dort zu aufgesetzt und daher zu offensichtlich war, ist hier eingewebt und wird benutzt – vor allem, um Klischees direkt aufzugreifen und zumindest zu brechen, wenn nicht gar zu zerstören. Der Film greift auf die eine oder andere Art viele Erfahrungen auf, von „Scream“ bis „American Pie“, von „Blair Witch Project“ bis zu „Elephant“. Drehbuchautor und Regisseur haben offenbar genau hingeschaut und gelernt. Sie nehmen zum Beispiel eine zentrale Idee aus „Scream“ auf – nur um zu zeigen, wie man das besser machen kann. Auch die übliche Bildsprache der Teenisslasher, diese abgedroschenen, schön und langweilig gefilmten Kleinstadtszenarien, wird völlig über Bord geworfen. Die Bilder sind groß und grob, stilisiert und erinnern eher an eine Mischung aus guten Werbespots und der Blair-Witch-Ästhetik. Und auch wenn die Figuren – trotz aller Bemühungen um etwas Tiefgang – doch im Klischee stecken bleiben, so scheint Forman sich dieser Tatsache bewusst gewesen zu sein. So bewusst, dass er eine Killerfigur schaffte, der man am Ende sogar Beifall klatscht – ein wenig widerwillig vielleicht, aber mit Respekt. Diese Figur verkörpert das älteste und dunkelste aller Horrorklischees, und dass diese Klischeefigur die anderen, kleineren Klischeefiguren umbringt (direkt oder indirekt) ist nur stimmig und richtig. Dieser Film lässt Archetypen aufeinander los – und nur die ursprünglichsten dürfen überleben, im Guten wie im Bösen.

Unbedingt erwähnenswert ist auch der Soundtrack, eine der besten Zusammenstellungen, die ich je in einem Horrorfilm gehört habe. Da hat jemand nachgedacht und zur Geschichte passende Musik gesucht und ganz offensichtlich nicht nur darauf geschaut, was das Zielpublikum gerade gerne hört. Und ich persönlich habe durch den Soundtrack eine Band entdeckt, die mir seither viel Freude macht und die ich in „Die Träumer“ auch zitiere – „The Bedroom Walls“.

Für jemanden, der dieser Art von Film noch nie etwas abgewinnen konnte, wird auch „Mandy Lane“ nicht funktionieren. Aber für alle anderen: Dieser Film könnte für den Teeniehorror das sein, was „Unforgiven“ für den Western war: Ein grosser, letzter Moment (zumindest vorerst). Selbstverständlich ist der Western an sich unendlich vielschichtiger und reicher als der Teeniehorror und also ist auch „Unforgiven“… aber das war klar, oder? Ein sehr schöner Freitagsnachmittagshorrorfilm (für Leute ab 18) ist „All the Boys love Mandy Lane“ aber allemal.

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schreckenbergschaut: FNHF Teil 3 – The Changeling

The Changeling

(Kanada 1980)

Drehbuch: Russel Hunter, Diana Maddox, William Grey

Regie: Peter Medak

Hat jemand den deutschen Horrorfilm „Gonger“ gesehen? Irgendwann werde ich den hier auch besprechen, denn soooo schlecht ist er gar nicht. Hier geht es mir aber um ein beliebtes Horrorfilmklischee, das in Gonger auch nicht fehlen darf: Der die Treppe herabhüpfende Gummiball, der nicht da runter hüpfen sollte, weil er einem Kind gehört, das tot ist, typischerweise tot und stinksauer. Aber denkt mal nach – wo tauchte diese Idee zuerst auf? Ich kann es nicht beschwören, aber ich bin ziemlich sicher, dass es dieser Film hier war: The Changeling, oder – um ein einziges Mal den ungeheuer kreativen deutschen Titel zu erwähnen: DAS GRAUEN. Muaahahahahahahaha, das Grauhauhauhauen…

The Changeling erschien 1980, und er ist ein vorläufiger Abgesang auf ein Genre, das zu der Zeit schon fast totgeritten war – der klassische Geisterfilm, in dem in einem möglichst viktorianischen Haus eine unruhige Seele ihre Genugtuung sucht. Solche letzten Filme gehören oft zu den besten ihres Genres, und auch The Changeling ist ein guter, exemplarischer Geisterfilm, stilbildend nicht nur in Bezug auf hüpfende Bälle. Im selben Jahr erschien „Freitag der 13.“ und für lange, lange Zeit nahm das Horrorgenre nun einen anderen Weg. Erst 19 Jahre später, 1999, erschien wieder ein Horrorfilm auf der Leinwand, der fast ganz ohne blutige Effekte auskam und den Horror vor allem aus der Tatsache zieht, dass Tote gefälligst tot zu sein haben – ich spreche natürlich von „The Sixth Sense“. Bis dahin nahm der Geisterfilm sich einen Urlaub, den er vor allem in Japan verbrachte – mit großartigen Konsequenzen, wie wir wissen. Und damit hat „The Changeling“ womöglich gar nicht wenig zu tun, aber dazu später. Zunächst mal zum

Inhalt:

Der Komponist John Russel (George C. Scott) verliert bei einem Autounfall Frau und Tochter. Nach einer längeren Zeit der Depression und Trauer vermitteln ihm wohlmeinende Freunde eine Professorenstelle im US-Bundestaat Washington. Russel hat einen guten Start dort, die Studenten strömen in seine Vorlesung um den berühmten Komponisten zu sehen und die charmante Claire Norman (Trish van Devere) von der örtlichen Historischen Gesellschaft vermietet ihm ein ebenso verlassenes wie riesengroßes und wunderschönes Haus, in dem es – surprise, surprise – spukt, dass es eine Art hat. Es spukt – wie in dem vergangene Woche besprochenen „The Haunting“ – wieder angenehm wenig effekthascherisch, und beginnt – wie in „The Haunting“ – mit lautem Dröhnen. Ein Klavier spielt selbständig, Russel hat eine ziemlich üble Erscheinung in einer Badewanne und besagter Ball hüpft die Treppe hinunter. Perfiderweise ist es der Ball von Kathy, Russels Tochter, was den armen Kerl verständlicherweise arg beutelt. Der Film ist eine Tour durch die verschiedensten Ideen, mit Geistern in Kontakt zu treten, Träume, Seancen, Tonbandaufnahmen… später machte man aus jeder dieser Methoden gerne mal einen eigenen Film, hier tauchen sie gemeinsam auf. Wie gesagt – der Film hat etwas von einem Abgesang, dazu gehört vielleicht auch eine Zusammenfassung. Selbstverständlich entdeckt Russel einen verborgenen Raum im Haus, selbstverständlich ist in der Vergangenheit etwas Schreckliches geschehen und selbstverständlich versucht er, die Wahrheit ans Licht zu bringen und dem Geist Frieden zu bringen. Ob und wie ihm das gelingt, werde ich selbstverständlich nicht verraten. 😀

 Urteil:

The Changeling fällt aus der Zeit. Am Anfang erzählt er seine Geschichte langsam und gemächlich, mit wenigen Schnitten, langen Kamerafahrten und großen Bildern, eher wie ein Film aus den 50er und 60er Jahren Jahren als wie einer aus den 80ern. Immerhin war ein Jahr zuvor „Alien“ in den Kinos erschienen und hatte ein Vorbild für atmosphärischen und klaustrophobischen Tempohorror gegeben. Ich fürchte, wenn ich meinen Kindern eines Tages diesen Film zeige, werden sie den Mangel an Tempo schwer ertragen, so sehr geht das gegen unsere heutigen Sehgewohnheiten. Ich hoffe, sie halten durch. Denn der Schluss des Films ist beeindruckend und wirklich schwer grausig (wiederum – ohne Splattereffekte) und überspringt mühelos 19 Jahre, um sich irgendwo zwischen „The Sixth Sense“, „The Others“ und „Ringu“ einzuordnen.

Ob man dem Film den gemächlichen Beginn als Schwäche anrechnen sollte, weiß ich nicht. Für mich ist es keine. Zwei deutliche Schwächen aber hat er:

Zum einen sind viele Schauspieler zu alt. Vielleicht hat das etwas mit dem Zielpublikum zu tun, aber es fällt auf, wie viele weißhaarige Männer (und eine Frau) hier Kinder unter 10 Jahren haben. Wäre das nur bei Professor Russel der Fall… gut, vielleicht hat er sich in eine junge Bewunderin verliebt, das würde mich nicht stören. Aber es ist eine auffallende Häufung alter Eltern.

Zum anderen gibt es hier eine logische Lücke, die mir in vielen Horrorfilmen aufstößt. Wenn mir wirklich klar ist, dass ich mein Haus mit einem Geist teile, einem mies gelaunten Geist der kein Problem damit hat, mich potentiell in den Herzinfarkt zu treiben – dann fliehe ich. So tödlich neugierig, dass er/sie dann anfängt, den Geist auch noch zu verfolgen, ist doch wohl kaum jemand. 😀

Ansonsten ist der Film spannend, gruselig, stimmig und gut gemacht. Er ist aber, wenn man es genau betrachtet, für einen westlichen Geisterfilm trotz allem sehr ungewöhnlich. Und es ist vielleicht kein Zufall, dass zentrale Ideen aus diesem Film – der Geist im Wasser, der Brunnen unter dem Haus etc. – in bekannten japanischen Filmen wieder auftauchen. Denn im Gegensatz zu unseren üblichen Geisterbildern in Filmen geht es hier nicht um Gerechtigkeit oder um eine anständige Beerdigung oder so etwas. Gerechtigkeit kann diesem Geist nicht widerfahren – er ist viel zu alt, derjenige, der an ihm schuldig wurde, ist tot. Trotzdem will er Vergeltung, weil dies sein ganzes Sein ist, und die Vergeltung bekommt er – aber wenn man es genau bedenkt trifft sie einen Unschuldigen. Mehr kann ich, ohne zu spoilern, leider nicht sagen. Diese Vorstellung eines Geistes, der weniger eine Person als eine Emotion konserviert, ist aber den japanischen Geistervorstellungen sehr ähnlich. Ein Film also, der in seinem Genre gleichzeitig einen Blick zurück und einen nach vorne bietet.

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schreckenbergschreibt: Kill Your Darlings!

Gestern machte ich bei Facebook darauf aufmerksam, dass man auf meiner Homepage eine unveröffentlichte Szene aus dem Finder lesen kann (vier Links in einem Satz, macht mal nach! 😀 ).

Heute schrieb meine Facebook… wie nennt man das jetzt, nachdem es nicht mehr „Fans“ sind… also meine Facebookfollowerin Katja M. schrieb:

„Hab mir gerade die gestrichene Szene durchgelesen. Glaub mir, sie hätte – entschuldige bitte den Ausdruck – das Ende versaut.“

Und womit schrieb sie das? MIT RECHT! Denn die Szene ist nicht ohne Grund aus dem Roman geflogen, obwohl es mich viel Zeit gekostet hat , sie zu schreiben (Die ganzen Schauplätze! Und ihre Lage zueinander!) und auch eine Menge Emotionen (Die ganzen Toten!). Sie ist eine sehr alte Szene und stammt noch aus der Zeit, als der Schluss etwas anders war, als er heute ist (keine Sorge, ich werde nicht spoilern 😉 ). Dann schrieb ich den Schluss so, wie Ihr ihn kennt, düsterer und, wie ich finde, besser zum Grundton des Buches passend. Und die Szene musste raus. Normalerweise braucht jede Geschichte nur EIN Ende, der Finder hat schon anderthalb, zweieinhalb wären eindeutig zuviel (einer der Gründe, warum mir der dritte Herr-der-Ringe-Film nicht so gut gefällt wie die anderen ist, dass VIER Enden deutlich zuviel sind).

Aber ich habe es ungern getan. Nicht, weil mir das Blut und die Schlacht so gut gefallen hätten, sondern weil ich finde, dass es eine der wenigen starken Szenen einer meiner heimlichen Lieblingsfiguren ist – Merve. Außerdem wäre es schön gewesen, Euch wenigstens einmal eine kämpfende Esther präsentieren zu können. Und Gelegenheiten, Alex als verliebten Trottel zu präsentieren habe ich generell ungern ausgelassen (ist das aufgefallen? :-D).

Allein – sie musste raus. Eine der bekanntesten und wichtigsten Drehbuchweisheiten ist: Kill your Darlings! Dein bester Dialog, Deine cleverste Szene, Deine Lieblingsfigur – wenn sie die Geschichte aufhalten, wenn sie nicht zur Dramaturgie passen, wenn sie den Zuschauer verwirren: RAUS! Egal, wie gut sie sind. Und die Regel gilt natürlich auch für Prosaautoren, denn es regiert die Geschichte und nur die Geschichte. Punkt! Und soooo gut oder clever war die Szene nun auch wieder nicht. Der Schluss ist deutlich besser, so wie er jetzt ist.

Im Falle dieser Szene aus dem „Finder“ habe ich es gottlob selbst gemerkt, aber es ist natürlich doppelt hart, wenn andere es mir sagen müssen. Ich habe meine kleine Auswahl an Mitlesern und Kritikern, die ihr stets in den Danksagungen meiner Romane findet. Eine davon, Sarah, hat zum Beispiel großes Vergnügen daran, meine romantischen Szenen auseinanderzunehmen (über meine üble Angewohnheit, mich in meine weiblichen Hauptfiguren zu verlieben schreibe ich ein andermal). Und ich muss ihr oft Recht geben, wenn auch zähneknirschend. Ein anderes Beispiel ist mein noch nicht veröffentlichter Horrorroman „Terra Incognita“. Da habe ich auf mehrfachen Rat einen ganzen Handlungsstrang umgeschrieben (zufällig auch eine Liebesgeschichte), weil er einem anderen Handlungsstrang (der wichtiger war) auf’s Haar glich. Sowas merke ich manchmal nicht, wenn ich „in der Geschichte“ bin (noch so ein Thema für ein anderes Mal 😀 ).

Wozu erzähle ich das? Nun, viele Leser scheinen uns Autoren für eine Art inspirierte Menschen zu halten, die, von der Muse geküsst, das Werk im Rausche niederschreiben und es dann dem dankbaren Verlag übergeben. Und in meinen besten Momenten ist das auch fast so. Dann schreiben ich, beseelt und im Flow und bin danach selbst begeistert davon, wie die Geschichte gesprochen hat. Meist aber arbeite ich, begebe mich in die Geschichte, schreibe und pane und schreibr und recherchiere und schreibe und… Und dann, wenn alles fertig ist, lese ich. Und denke oft genug: „Ach Du Schande, was hast Du denn DA gemacht?“ Oder ich bekomme eben eine Mail von einer guten Freundin, die mit „Uhm…“ beginnt. Und dann beginnt der zweite Teil der Arbeit, der harte , in dem man abschlagen, umschreiben und streichen muss, bis die Geschichte sich so präsentiert, dass man sie Euch, den geschätzten Lesern, ohne schlechtes Gewissen präsentieren kann. Ich tue mein Bestes. Aber manchmal tut es mir leid um die, die auf der Strecke bleiben…

…und die ich Euch dann, irgendwann, vielleicht doch als geschnittene Szene auf meiner Homepage anbiete. 😉

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