schreckenbergschreibt: Die Liste der Bekenntnisse – Teil 10

Day One: Ten things you want to say to ten different people right now.
Day Two: Nine things about yourself.
Day Three: Eight ways to win your heart.
Day Four: Seven things that cross your mind a lot.
Day Five: Six things you wish you’d never done.
Day Six: Five people who mean a lot (in no order whatsoever)
Day Seven: Four turn offs.
Day Eight: Three turn ons.
Day Nine: Two smileys that describe your life right now.
Day Ten: One confession.

Das soll ja wohl ein Witz sein. Im Ernst: Neun Tage lang habe ich jetzt an einer Liste gearbeitet, die ich „Die Liste der Bekenntnisse“ nenne. Am zweiten Tag sollte ich neun Dinge über mich erzählen, am dritten Tag gleich mal in achtfacher Variation aufblättern, wie man mein Herz gewinnen kann, ich habe erzählt, welche Entscheidungen ich gerne noch einmal treffen würde, was mich abturnt und was mich anmacht – und jetzt soll ich EIN Bekenntnis machen? Das kann doch nur ein Witz sein.

Nun, vielleicht stellt sich der (mir) unbekannte Erfinder der Liste ja vor, dass man, wenn man über neun Tage das öffentliche Bekennen geübt hat, am letzten etwas wirklich Schockierendes raushaut. Eine tiefe Wahrheit, ein glitzerndes Juwel aus meinen geheimsten Träumen, ein stinkendes Objekt, das das Monster hervorgewürgt hat, das in meinen Abgründen wohnt. So etwas… am zehnten Tag, endlich! Vergesst es. Das hier ist WordPress, Leute, die ganze Welt darf mitlesen. Vielleicht findet man etwas von dieser Art in meine Geschichten, aber wenn, dann auch nur aus Versehen. Ich schreibe nicht therapeutisch.

Andererseits will ich Euch auch nicht mit langweiligem Zeug nerven, irgendwelchen Dingen, die zwar privat sind, aber dann auch wieder nicht so privat, dass man sie nicht erzählen könnte. Gähn. Nein, ich denke, ich besinne mich für diesen letzten Punkt auf der Liste noch einmal darauf, dass ich Schriftsteller bin – und dass viele hier sicherlich mitlesen, weil sie etwas über meine Schriftstellerei erfahren möchten. Also, hier ist:

DAS LETZTE BEKENNTNIS

Vor jedem meiner Romane steht sinngemäß, dass alle Hauptfiguren erfunden und alle Ähnlichkeiten rein zufällig sind. Das ist wahr. Manche Figuren nehmen vielleicht ihren Ausgang in Personen, die ich wirklich kenne oder kannte, aber ich mache das nicht absichtlich. Natürlich tauchen in einer Geschichte die von einem realen Ereignis aus meiner Biographie inspiriert ist – wie etwa der „Ruf“ – die Schemen wirklicher Menschen auf. Aber es sind wirklich nur Schemen, sie ähneln den wirklichen Menschen eigentlich in nichts mehr, manchmal verschmelzen sogar mehrere von ihnen zu einer Figur. In anderen Fällen merke ich gar nicht, dass mein Unterbewusstsein sich jemanden leiht, um daraus eine Figur zu formen – es gibt eine Figur im „Finder„, die aus meiner Erinnerung an einen wirklichen Menschen entstanden ist, den ich damals kannte. Das habe ich erst Jahre später gemerkt (obwohl ich diesen Menschen immer noch kenne) denn, es ist eben nicht dieser reale Mensch, es ist eine Figur – und die hat mit der Realität sehr wenig zu tun. Es kann auch gar nicht anders sein, aus zwei Gründen:

1.) Es wäre vermessen (von verboten mal ganz abgesehen), wenn ich mir anmaßen würde, einen wirklichen Menschen zu einer Figur zu machen. Ich setze meine Figuren Extremsituationen aus, bei denen ich nicht einmal genau weiß, wie ich reagieren würde. Was würde ich machen, wenn ich, wie Daniel und Esther im Finder, plötzlich in einer leeren Welt wäre? Ich habe keine Ahnung. Da verbieten es Anstand und Respekt mir zu glauben, ich könnte vorhersagen, wie irgendwer sonst reagieren würde. Also verwende ich keine echten Personen.

2.) Selbst wenn ich es wollte – ich KÖNNTE gar keine realen Personen verwenden. Weil ich nämlich gar keine „reale“ Person kenne. Wenn ich auf Anhieb zehn Bekenntnisse weiß, die ich hier hin schreiben könnte, die aber niemanden etwas angehen, dann wird das bei anderen Leuten ja wohl ganz ähnlich sein. Wir kennen also immer nur die Fassade, IMMER. Bei manchen Leuten können wir tief in die Fassade dringen, sehr tief, bei anderen gar nicht, aber es bleibt Fassade. Was ich also verwenden würde, ist immer nur meine Vorstellung von einem Menschen. Und bevor ich das mache, denke ich mir doch lieber meine eigenen aus, die sind pflegeleichter. 😉

Und wie ist es mit mir selbst? Nun, dass in jeder Hauptfigur etwas vom Autor selbst liegt, das ist eine Binsenweisheit. In meinen Fällen finde ich das nicht schmeichelhaft, in keinem Falle, aber leugnen kann ich es nicht. Nur: Wieviel da wirklich von mir selbst drinsteckt und wieviel Fiktion ist, das weiß ich selbst nicht genau.

Nachdem ich all das gesagt habe bekenne ich: Es gibt eine Ausnahme, eine einzige. Eine Figur – eine absolute Nebenfigur – in einer meiner Geschichten ist so real wie es unter den oben geschilderten Umständen eben möglich ist. Fast alle Zitate sind Originalzitate. Ich beschreibe die Figur nicht groß, aber ich stelle sie mir optisch so vor, wie der Mensch in Wirklichkeit aussieht. Und ich habe den Menschen aus niederen Motiven eingebaut, ich gebe es zu. Er hat mich wiederholt fürchterlich genervt. Und da ich das reale Wesen nicht bewusstlos schlagen konnte, um mich zu erlösen (das wäre in den Situationen unangebracht gewesen), musste es eben zur Figur werden. Ich werde nicht spezifischer werden, ich werde Fragen zu dem Thema nicht beantworten, und Ihr werdet es sowieso nicht erraten, weil Ihr niemals auf die Idee kommt, dass sich jemand in Wirklichkeit so verhält. Und ich glaube nicht einmal, dass diese Person sich, derart gespiegelt, selbst wiedererkennt.

Mea maxima culpa.

Das war also meine Liste der Bekenntnisse. Hat Spaß gemacht. 🙂 Ihr seid herzlich eingeladen, sie zu übernehmen und zu bearbeiten, ich bin gespannt, was Ihr daraus macht.

Ich danke Sarah noch einmal sehr herzlich dafür, dass sie den Stein ins Rollen gebracht hat. Ihr letztes Bekenntnis lest Ihr hier.

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Über Mountfright

Autor und Öffentlichkeitsarbeiter, Mann und Vater, Leser und Filmfreak. Kindheit in den 1970ern, weswegen mich bis heute seltsame Musik mit Ohrwürmern plagt. Aufgewachsen in den 80er Jahren, einem Jahrzehnt, das nicht halb so grau war, wie die anderen glauben. Erste Kurzgeschichte mit 13, erster echter Romanversuch (nach pubertären Ausfällen) mit 17, die nachfolgende Schreibblockade habe ich mir mit Songtexten für die Kölner Psychobillyband "Boozehounds" vertrieben. Danach ging es wieder: Erster lesenswerter Roman mit 26, seither nicht mehr aufgehört.
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