schreckenbergschreibt: Rückblick 2012

Ihr seid mir ja ein Blogleservolk. Tstststs. Solange ich Euch jeden Tag ein Bekenntnis liefere, Euch erzähle, wie man mein Herz gewinnt, was mich anturnt, was mich abturnt, rennt Ihr mir die Bude ein und dann, wenn ich schöne Smileys male oder mal wieder übers Schreiben schreibe – Statistiksäulen über die eine Maus hüpfen kann. So so… 😀

Heute liefere ich Euch den lange angekündigten Rückblick, Ausblick kommt morgen, immerhin ist das neue Jahr ja schon fast drei Wochen alt. Und für einen Rückblick auf 2012 bin ich ja sowieso unglaublich spät dran, damit fangen traditionellere Medien ja gerne schon Ende Oktober an. Erinnert sich jemand noch an das riesige, dicke Buch, das da hieß „Chronik des 20. Jahrhunderts?“ Das kam in den 1980er Jahren raus, und ich habe damals, als milchbärtiges Büblein, schon gesagt: „Bisschen früh. Da könnte ja noch etwas passieren, weltgeschichtlich und so.“ Und es waren nicht wenige Erwachsene, die dann sagten: „Was soll denn da noch passieren?“ Nun ja…
So ähnlich ist das mit Jahresrückblicken im November.

Nun aber ist Januar und der Rückblick ist komplett. Also – 2012:

Bleiben wir beim Erfolgsrezept: Was hat mich 2012 abgeturnt, wer hat mein Herz gewonnen, welche Smileys habe ich gemalt und was waren die Top-Ten-Betterlebnisse? Ähm… ach nee, ich wollte ja einen Schriftstellerblog machen. Gut: Das vergangene Jahr war für mich als Schriftsteller extrem wichtig und in vieler Hinsicht richtungweisend. Ich möchte vier Punkte besonders herausheben:

1.) „Der Finder“ startete durch.

Ich bin ein Mensch, der sich leider viel zu schnell an gute Zustände gewöhnt. Ich habe ihm letzten Jahr durch eine Diät und eine Ernährungsumstellung gut abgenommen und das meiste davon gehalten, ich wiege heute 10 Kilo weniger als vor einem Jahr. Aber so toll das war, während es geschah – heute kann ich es kaum noch genießen, es ist Normalität geworden. Ich weiß nicht mehr, wie es früher war, ich muss Fotos sehen, um es nachvollziehen zu können.

Ähnlich geht es mir mit dem Finder. Anfang 2012, gut ein Jahr nach Erscheinen, war mein Erstling keine Enttäuschung für den Verlag und mich, aber auch kein besonders herausragendes Buch. Die kommerziellen Hoffnungen ruhten vor allem auf meinem Ende 2011 erschienenen Krimi „Die Träumer„. Die Annahme meines Verlegers Daniel Juhr, dass  regional verankerte Phantastik ebenso Potential habe wie entsprechende Krimis war mutig gewesen – ob das Risiko sich lohnen würde war noch nicht entschieden. „Der Finder“ jedenfalls schien als Beweis ungeeignet. Ja, er hatte ein paar Fans, ja, er verkaufte sich zumindest so gut, dass er kein Zuschussgeschäft war. Das war aber auch alles.

Und dann, Ende April, zogen die Verkaufszahlen plötzlich an. Und zwar nicht nur im Bergischen Land, wo die Geschichte spielt, sondern auch überregional – was man besonders gut an den Zahlen im Online-Handel nachvollziehen kann. Die Zahlen stiegen und stiegen, sanken selbst während der Sommerferien nicht sehr und gaben danach nochmal Gas. Ich weiß nicht, was da passiert ist. Meine Vermutung ist, dass das Buch sich im ersten Jahr still und heimlich treue Fans erworben hat, deren Mundpropaganda sich dann mit einem Mal mächtig bemerkbar machte, unterstützt durch ein paar positive Besprechungen in den Medien (Blogs!) und meine verstärkte Aktivität im Netz. Wobei der letzte Faktor sooooo wichtig nicht sein kann – gerade bei den Onlinebuchhändlern war der Absatz just am größten, als ich im Urlaub war und kaum ins Netz konnte. 😉

Der Finder ist noch kein Bestseller auf dem Buchmarkt, er macht mich nicht reich oder so etwas – aber er ist MEIN Bestseller und er kann es selbst mit den Neuerscheinungen bekannterer Autoren aus gängigeren Genres und in größeren Verlagen inzwischen locker aufnehmen. Bald kommt die zweite Auflage. Eine wirklich schöne, überraschende Erfolgsgeschichte.

Tja – und ich habe mich, siehe oben, daran gewöhnt, für mich ist es Normalität geworden. Ich freue mich natürlich, dass viele Menschen diese Geschichte mögen, weil ich sie auch mag… aber manchmal wünsche ich mir, ich würde noch einmal, wie im April und Mai 2012 denken können: „Wow! Was passiert denn DA???“

2.) Die Entscheidung für „Der wandernde Krieg – Sergej„.

Letztes Jahr um diese Zeit schrieb ich an der Fortsetzung der „Träumer“. Der Krimi war nicht schlecht angelaufen, er enthält einen kleinen Cliffhanger, der Markt mag Reihen – und ich hatte auch Lust, die Geschichte von Bastian, dem etwas zu neugierigen PR-Mann, weiter zu erzählen. Habe ich übrigens immer noch, aber dazu später. 😉 Ich hatte mich im November 2011 dem Syndikat angeschlossen, durch die Träumer hatte ich zu meiner eigenen Überraschung festgestellt, dass Krimis mir liegen, ich war durchaus gewillt, fürs erste vor allem ein Krimiautor zu sein.

Dennoch – meine Ursprünge lagen in der Phantastischen Literatur – vor allem in Horror und Science-Fiction, im Sommer 2011 hatte ich den „Ruf“ als E-Book herausgebracht, weil er meinen Verlagen nicht genug in der Region verankert war, ich aber von der Geschichte – meiner reinrassigsten Horrorgeschichte – nicht lassen wollte. Ich hatte noch einiges an Phantastik auf Lager, insbesondere das Buch, das ich bis dato für mein bestes hielt: „Terra Incognita„. Und es tat mir ein wenig leid, dass diese Geschichten bis auf Weiteres kein größeres Publikum finden würden.

Und dann machte mein Verleger eine Reise, auf der er von den alltäglichen Geschäftskämpfen lassen und ein wenig ausspannen konnte. Ich kenne das gut – auch ich brauche hin und wieder so einen Fronturlaub und ich komme meist mit guten und überraschenden Ideen daraus zurück. Hier war es ähnlich. Kaum wieder zu Hause rief er mich an und begann das Gespräch mit den Worten: „Erzähl mir doch nochmal von der Idee, die Du da hattest. Mit dieser erfundenen Stadt und dem Wandernden Krieg…“

Ich muss zu seinem Lob dazu sagen, dass er diesen Anruf machte, BEVOR der Finder abhob und bewies, dass regional verankerte Phantastik nicht nur in Maine funktioniert. Der Rest ist Geschichte: Die erfundene Stadt heißt Langenrath, aus „Terra Incognita“ wurde „Der Wandernde Krieg – Sergej“ und der kam gerade auf die Longlist für den „Seraph„. Wollen wir hoffen, dass es so weiter geht. Für mich aber besonders wichtig: Dieses Buch ist mein Liebling gewesen und ich bin so froh, dass es jetzt groß ist und sich da draußen Freunde suchen kann. 🙂

3.) Die CRIMINALE 2012 im Hochsauerlandkreis.

Regelmäßige Leser wird dieser Punkt nicht überraschen – ich habe meinen Besuch beim Jahrestreffen des Syndikats hier im Blog ausführlich dokumentiert, von meinen ersten, unsicheren Gedanken vor dem Start bis zu meiner Rückkehr aus dem Hochsauerland, bei der ich wünschte, diese Zusammenkunft wäre weiter gegangen und weiter und weiter. Alles, was ich dort erlebte, war positiv. Ich lernte großartige und liebenswerte Kolleginnen und Kollegen kennen, ich erfuhr Solidarität und Gemeinschaft, wie ich sie mir in unserem einsamen Geschäft kaum hätte vorstellen können. Die CRIMINALE und alles, was daraus folgte und immer noch folgt nutzt mir, stärkt mich und wärmt mich weiterhin.

4.) Lesungen

Natürlich habe ich schon 201o und 2011 gelesen, genau genommen habe ich sogar schon vorher hin und wieder aus meinen bis dato unveröffentlichten Werken vorgelesen. Aber 2012 habe ich so viel gelesen wie nie zuvor, in neuen Konstellationen (zum Beispiel mit Regina Schleheck), an sehr ungewöhnlichen Orten und aus unterschiedlichsten Texten, auch einige Werkstattlesungen waren dabei – und ich liebe Lesungen. Was aber besonders wichtig war: Ich habe zum ersten Mal auch Fans kennengelernt, Leute, die Bücher zu Lesungen mitbrachten. Zumeist waren es Finderfans und jede dieser Begegnungen war eine besondere Freude. Denn es macht natürlich Spaß, das Publikum bei einer Lesung zu überraschen und sich ihm als noch unbekannter Autor vorzustellen – und es dann zu gewinnen. Das hat wirklich etwas. Aber Menschen zu treffen, die gekommen sind WEIL sie eines meiner Bücher kennen und es sie berührt hat, das ist ein besonderes Gefühl. Von beiden Gefühlen hätte ich gerne in diesem Jahr noch mehr. Und damit – zum Ausblick auf 2013. Der kommt morgen.

Danke an alle meine Buch- und Blogleserinnen und -leser für dieses Jahr 2012. Wirklich – ganz herzlichen Dank. 🙂

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Über Mountfright

Autor und Öffentlichkeitsarbeiter, Mann und Vater, Leser und Filmfreak. Kindheit in den 1970ern, weswegen mich bis heute seltsame Musik mit Ohrwürmern plagt. Aufgewachsen in den 80er Jahren, einem Jahrzehnt, das nicht halb so grau war, wie die anderen glauben. Erste Kurzgeschichte mit 13, erster echter Romanversuch (nach pubertären Ausfällen) mit 17, die nachfolgende Schreibblockade habe ich mir mit Songtexten für die Kölner Psychobillyband "Boozehounds" vertrieben. Danach ging es wieder: Erster lesenswerter Roman mit 26, seither nicht mehr aufgehört.
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2 Antworten zu schreckenbergschreibt: Rückblick 2012

  1. Sarah Wassermair schreibt:

    „Eine wirklich schöne, überraschende Erfolgsgeschichte.“
    Nur für’s Protokoll: DICH naives Kerlchen hat das vielleicht überrascht. Andere (beispielsweise kleine, rundliche, brilletragende, österreichische) Leute sind fix davon ausgegangen und haben folglich den Erfolg mit einem fast gelangweilten: „Na eh. Was hat die Welt anderes erwartet?“ kommentiert.

  2. Pingback: schreckenbergschreibt: Ausblick 2013 | schreckenbergschreibt

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