Die Sonntagsfrage: Ist Körperpflege frauenverachtend?

Wieder eine späte Sonntagsfrage, heute war ich den ganzen Tag in Sachen Kinder unterwegs: Der footballspielende Sohn hatte ein Turnier, seine leichtathletische Zwillingsschwester Kreismeisterschaften… Aber Sonntagsfrage bleibt Sonntagsfrage, also habe ich eben frohgemut zum Sinnfragenkombinator gegriffen, auf dass er mir eine zufällige Frage aufdecke. Ist so eine Sache, mit dem Zufall, denn raus kam das:

140126 SinnfragenkombinatorIst Körperpflege frauenverachtend?

Öhm… nein.

Rund um die Körperpflege gibt es unglaublich viel frauenverachtenden Mist, von diversen Werbungen über die seltsamen Idee, dass man sich auch wirklich jedes Haar entfernen müsste, das von Natur aus irgendwo wächst, bis hin zu Magerwahn und ähnlichem Quatsch. Aber Körperpflege an sich ist eine schöne Sache. Insbesondere mag ich wohlriechende Menschen und da gerade Frauen. Mann kann einer Frau sogar seine besondere Wertschätzung beweisen, indem Mann sie etwa massiert, ihr das Haupthaar wäscht… ähm… und so weiter. Ich finde Körperpflege nicht frauenverachtend. 😀

Ich möchte ja weiter nach den Regeln spielen, und wirklich jeweils die erste zufällige Frage behandeln, die der Kombinator ausspuckt… hoffen wir mal, das es nächste Woche wieder ein wenig ergiebiger ist.

Verwendete Literatur:

Frey, Pia: Sinnfragen Kombinator“, Frankfurt 2013

 

 

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Die Sonntagsfrage: Ist Literatur mehrheitsfähig?

Eine Woche lang habe ich nicht gebloggt. Bizzi bizzi ist der Herr Künstler, unter anderem mit einer Sache, die ich Projekt X taufen möchte. Bei uns Schriftstellern ist es ja zuweilen so, dass wir an Dingen arbeiten, mit denen wir erst an die Öffentlichkeit gehen können oder dürfen (Verträge), wenn sie in trockenen Tüchern sind. In der Entwicklungsphase müssen wir dann stets sagen: „Ich arbeite, aber ich darf nicht sagen, woran.“ So ist das auch mit Projekt X. Also an alle, die ich in den vergangenen Tagen verprellt habe – tut mir leid. Und es ist wirklich keine doofe Ausrede. 😀

Umso mehr habe ich mich auf die heutige Sonntagsfrage gefreut – um dann verzweifelt meinen Sinnfragen Kombinator zu suchen. Weg. Mein allsonntäglicher Blogsinn – verschwunden im Chaos, das ich Arbeitsraum nenne.Gefunden habe ich ihn schließlich direkt neben meinem Laptop unter einem Stapel Bücher. Ähem… sorry. Spät kommt sie also, die Sonntagsfrage dieser Woche, aber sie kommt und lautet:

140119Ist Literatur mehrheitsfähig?

„Nein!“ höre ich die Kulturbeutel  schreien. „Nein! Literatur ist nicht mehrheitsfähig, dumm ist das Volk, dumm, keiner liest mehr, alle schauen nur Dschungelcamp und Castingshows, tagein tagaus, vor die Hunde geht die Kultur und die Literatur ist nicht mehrheitsfähig!“

Ruhig, liebe Kulturbeutel, nur ruhig. Lasst uns erst einmal definieren, was Literatur ist. Diesmal ziehe ich nicht den Duden zu Rate, schließlich BIN ich Schriftsteller, da sollte ich ja wohl eine Definition von „Literatur“ auf die Kette bekommen. In dem Wort steckt „Littera“, und da ich mir ein Latinum  ertrickst habe, vor allem aber, da zwei meiner Kinder Latein lernen und eifrig (und ohne schimpfliche Tricksereien diesmal, hoffe ich) Vokabeln lernen weiß ich, dass das „Buchstabe“ bedeutet. Es geht also um das Geschriebene und Lesbare, was – trotz Drehbuch und allem, tut mir leid, Sarah, – gespieltes Wort (Filme, Serien, Theater etc.) ausschließt. „Theater auch???“ Ja, lieber Kulturbeutel, Theater auch. Ich definiere hier, das ist mein Blog.

Vom Geschriebenen und Lesbaren möchte ich mich nun auf die Menge der Literatur beschränken, die eine künstliche Welt beschreibt, nicht die reale – Geschichten also. Das schließt alle Fachliteratur zum Beispiel  aus, alle Sozialdramen nach wahren Begebnissen aber ein. Denn auch  wenn eine Geschichte noch so nah an der Wirklichkeit ist – sie ist immer künstlich, denn die Wirklichkeit hat  keine dramatische Struktur. Jeder Autor muss also zumindest auswählen und Schwerpunkte setzen. Geschichten haben Protagonisten, im wirklichen Leben ist jeder sein eigener Protagonist, wir sind also alle Hauptfigur für eine und bestenfalls Nebenfigur für sieben Milliarden andere Menschen. Keine Literatur kann das abbilden. Hinzu kommt, dass die Bilder, die ich beim Lesen sehe, niemals dieselben Bilder sind, die der/die Autor(in) sieht. Jede Geschichte ist also Verfremdung.

Und das ist es schon. Literatur soll hier sein: In lesbarer Form niedergelegte Geschichten.

Weiter will ich nicht gehen, auf gar keinen Fall will ich eine Qualitätsdiskussion aufmachen oder zwischen U- und E-Literatur unterscheiden. So sehr ich die ganzen Kuschelvampire und das blöde Vanillebondagebuch zum Beispiel nicht ausstehen kann – das ist Literatur, ja. Literatur die  meinen Geschmack nicht trifft, aber seit wann bin ich der Maßstab? Und selbstverständlich bezeichne ich auch meine Bücher und Kurzgeschichten als Literatur. Und wer meint, darüber die  Nase rümpfen zu müssen, weil es Literatur aus den Phantastischen Genres ist – oder auch mal Krimi – der rümpfe gerne immerzu. Macht aber Falten auf der Nase.

Ist also die geschriebene Geschichte mehrheitsfähig? Ich denke, das ist eine Glaubensfrage. Ich glaube: Ja! Natürlich ist die Konkurrenz stark. Ich habe seit dem Jahreswechsel wenig gelesen und sehr viel „Breaking Bad„, „Twin Peaks“ und „Game of Thrones“ geschaut. Ja, das sind schon verdammt gute Geschichten verdammt gut erzählt. Aber gerade Literaturverfilmungen wie Game of Thrones – und seien sie noch so getreu – zeigen uns, was eine gespielte Geschichte eben nicht kann: Unsere eigenen Bilder in unserem eigenen Kopf entstehen lassen. Mal ganz ab von Argumenten wie Strand  und Badewanne (und wer sich „Game auf Thrones“ auf dem Smartphone ansieht ist meiner Meinung nach nicht zu retten) – wenn ich lese, wird die Geschichte des Autors zu meinen Bildern, ein einzigartiges Kunstwerk also. So etwas können auch Geniestreiche wie die drei oben genannten Serien nie sein. Mein Walter White ist jedermanns Walter White. Und wenn ich die Verfilmung des Herrn der Ringe sehe, ist mein Frodo auch jedermanns Frodo. Nicht aber, wenn ich das Buch lese – dann ist es nur meiner, in meinem Mittelerde. Das kann Literatur.

Ist sie aber mehrheitsfähig, ist es also möglich, dass die Mehrheit aller Lesekundigen (denn nur um die kann es ja gehen) auch liest? Siehe oben: Ja, klar ist das möglich. Ich würde sogar mal tippen, dass es derzeit so ist. Ob es so bleibt liegt einerseits an der Leseerziehung. So lange in Lehrplänen vor allem Literatur auftaucht, deren Themen zwar hochaktuelle sind, die diese Themen aber vor allem in einem Kontext betrachten, der für heutige Schüler historisch und damit lebensfern ist, wird es schwierig bleiben. Wohlgemerkt: Das schreibt jemand, der Shakespeare und Hemingway zu seinen Lieblingsautoren zählt. Aber ich bin nicht nur literaturaffin, ich bin auch sehr an Geschichte interessiert und habe das sogar mal  studiert. Man kann nun wirklich nicht von jedem Schüler verlangen, dass er zufällig ebenso ein Freak ist. Wird aber leider allzuoft verlangt.

Und es liegt natürlich an uns, den Literaturschaffenden. Schreiben wir Geschichten, die Leser finden? Schaffen wir es, beim Schreiben zwar nicht an die künftigen Leser zu denken, aber trotzdem für sie zu schreiben? Gelingt es uns – oder einigen von uns – die neuen Möglichkeiten die E-Books und crossmediale Vernetzung bieten zu erkennen und kreativ zu nutzen? Wenn uns das gelingt, mache ich mir keine Sorgen um die Mehrheitsfähigkeit. Und es wird uns gelingen – wir haben schon eine Menge Möglichkeiten erkannt und genutzt, seit Urk zum  ersten Mal dem Brutz am Lagerfeuer die spannende Geschichte von der Mammutjagd erzählte. Literatur ist und bleibt Mehrheitsfähig. Amen.

Einzige heute verwendete Literatur: Frey, Pia: “Sinnfragen Kombinator“, Frankfurt 2013

 

 

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Die Sonntagsfrage: Ist Facebook sexy?

Letzte Woche habe ich mir zum Ziel gesetzt, jeden Sonntag eine Frage aus Pia Freys Sinnfragenkombinator in diesem Blog zu beantworten. Ich habe übrigens nie gesagt, wie lange ich das machen will. Nur dieses Jahr? Oder bis alle möglichen Kombinationen durch sind (also, meine eigenen Einträge auf den dafür vorgesehenen Blankozetteln hinzugerechnet, etwa die nächsten 80 Jahre… :-D)? Wir werden sehen. Nachdem die allererste Frage mich letzte Woche gleich in erkenntnistheoretische und metaphysische Gefilde lenkte, ist die heutige Zufallsfrage eher nah an der alltäglichen Realität. Meiner zumindest. Sie lautet:

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Ist Facebook sexy?

Auch hier will ich, der guten Ordnung halber, mit einer Begriffsdefinition beginnen: Mit „Facebook“ ist, davon gehe ich mal  aus, das von der Firma „Facebook.Inc“ betriebene Soziale Netzwerk gemeint, nicht etwa die Firma „Facebook.Inc.“ selbst.

Was aber ist sexy? Der Duden definiert: „Sexy“ = umgangssprachlich für „erotisch anziehend“. Nun ist mein Duden von 2009,  ich weiß nicht, ob es damals schon umgangssprachlich üblich war, ALLES was in irgendeiner Form anziehend und geistreich ist als „sexy“ zu bezeichnen. Mir scheint diese neue Form des Gebrauchs aber eher Ausdruck  eines Wunschtraums zu sein („Bitte sag, dass ALLES was geistreich ist, auch erotisch und anziehend ist, bitte!!!“),  also benutze ich die einfachere Definition aus dem schwarzgelben Buch.

Ist Facebook also erotisch anziehend? Ich denke, das ist von Mensch zu Mensch verschieden. Wer auf Blau und Weiß steht wird schon ein leichtes Kribbeln verspüren, wenn die Seite sich aufbaut. Schalke Fans sind also eher gefährdet. Wem dann noch warm um Herz und Lenden wird, wenn er/sie viele bunte Bildchen, sinnreiche oder -lose (je nach Wahl der „Freunde“) Texteinträge und schlecht platzierte Werbung sieht, der/die könnte schon in Wallung geraten. Und dann noch dieses Gefühl des Ausgeliefertseins an einen übernationalen Quasimonopolisten whoahahaha… spürt ihr schon, wie Erregung Euch durchflutet? Ja? Dann findet Ihr Facebook sexy!

Ich nicht. 😀 Ich habe tatsächlich in diesem Blog schon einmal gesagt, wie man mein Herz gewinnen kann und welche TurnOns bei mir funktionieren. Facebook kam nicht vor.

Und damit da keine Missverständnisse entstehen: Ich bin keiner dieser abgeklärten Durchblicker, die  meilenweit über einer Nutzung von Facebook  stehen. Im Gegenteil: Ich nutze das Netzwerk sehr intensiv, sowohl zur privaten Kommunikation als auch als Autor. Aber mir ist schon klar, was ich da tue, was ich preisgebe und an wen, und dass das ein Tanz auf der Rasierklinge ist. Alles in allem eher unerotisch.

Die verwendete Literatur ist heute nur der Mindeststandard:

Frey, Pia: “Sinnfragen Kombinator“, Frankfurt 2013

Wermke, Dr. Matthias u.A. (Herausgeber): “Duden – Die deutsche Rechtschreibung”, Mannheim, Wien, Zürich (25) 2009

 

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Die 10 beliebtesten Blogbeiträge – Platz 1: Es ist kein verdammtes HOBBY!

Am 17. Mai 2013 platzte mir der Kragen. Ich hatte genug von Lesungsveranstaltern, die keine Gage zahlen wollen, Anthologieausschreibern, die zwar mit ihren Geschichtensammlungen Geld verdienen, den Geschichtenschreibern aber keins zahlen möchten und Kollegen, die „Profitum“ danach beurteilen, ob man nur mit Geschichten sein Geld verdient oder zusätzlich auch mit etwas anderem. Der folgende (kontrollierte) Wutausbruch wurde oft gelesen und reblogt und damit mein beliebtester Blogbeitrag bisher:

Es ist kein verdammtes HOBBY!

Fall 1:

„Guten Tag, was sind Sie denn von Beruf?“

„Ich bin Landschaftsgärtner.“

„Oh das trifft sich gut. Ich möchte Sie einladen, in unserem Park einen Teich anzulegen. Eine Bezahlung gibt es natürlich nicht, und Sie würden sich verpflichten, 100 Eintrittskarten für den Park abzunehmen – selbstverständlich zum Vorzugspreis für Mitgestalter. Die dürfen Sie gerne zum handelsüblichen Preis weiterverkaufen, da machen Sie doch einen guten Schnitt. Und Werbung für Sie ist es außerdem. Na, was sagen Sie?

Fall 2:

„Hallo, schön, dass ich Dich treffe, was machst Du denn jetzt so?“

„Ich bin immer noch Möbelschreiner. Außerdem habe ich gemerkt, dass es mir Freude macht, aus dem Holz auch so kleine Figuren zu machen, Spielzeugtiere, Schachspiele. Das ist ein hübsches Zusatzgeschäft, die Leute mögen das. Na ja, und da meine Frau besser verdient als ich, kümmere ich mich auch um die Kinder, wenn sie nach Hause kommen – Sportvereine, kochen, all das.“

„Du bist also gar kein professioneller Möbelschreiner?“

„Öhm… doch.“

„Aber das mit den Figuren, das ist ein Hobby.“

„Nein, das mache ich schon professionell, ich verkaufe die über Spielwarengeschäfte… das macht zwar Spaß, aber Hobby ist anders.“

„Aber zwei Berufe und dann auch noch Teilzeithausmann – Du musst Dich doch entscheiden!“

„Warum?“

„Weil wir in Deutschland leben!“

Fall 3

„Hallo, sind Sie nicht XYZ, der Konzertpianist?“

„Ja, bin ich.“

„Ich finde Ihr Spiel ganz großartig.“

„Danke, freut mich sehr, wenn es Ihnen gefällt.“

„Da wir uns hier gerade treffen – ich bin Vorsitzender des Vereins „Die wilden Kulturbeutel“, wir veranstalten Konzerte in unserer Stadthalle. Wir würden Sie gerne für ein Klavierkonzert in der kommenden Saison buchen. Ich bin allerdings nicht sicher, ob wir etwas bezahlen können. Wenn der ABCKonzern uns wieder sponsort, dann sicher. Sonst nicht. Und die Anfahrt können wir auch nicht übernehmen, das müssen Sie verstehen, das machen wir nie. Aber andererseits – es hören ja immer weniger Menschen klassische Musik, und wäre das nicht eine tolle Werbung… hallo? Hallo, bleiben Sie doch hier, warten Sie doch…“

WTF???

Als Schriftsteller muss ich mich immer wieder damit auseinandersetzen, dass am Ende einer interessanten Anthologieausschreibung steht, dass die Leute, die von mir eine Kurzgeschichte wollen, um die in ein Buch zu packen, das sie dann verkaufen möchten, verlangen, dass ich eine festgeschriebene Anzahl von Exemplaren des Buches KAUFE, wenn ich in die Anthologie komme. Die wollen also nicht mich dafür bezahlen, dass sie Geld mit meiner Arbeit machen dürfen, sondern verlangen noch, dass ich die Früchte meines eigenen Schaffens von ihnen kaufe. Hm… nein, will ich nicht. Da drucke ich mir die Geschichte lieber gleich hier zu Hause aus und werfe mir dafür ein paar Euro in die Urlaubsspardose. Das ist zwar blödsinnig und Papierverschwendung, aber immerhin habe ich so noch etwas davon. Und wenn ich das dann in meinen Blog schreibe, ist das ja auch eine tolle Werbung. Irgendwie.

Fall 3 entspricht natürlich der allseits beliebten, unbezahlten Lesung. Ist doch tolle Werb… NEIN!!! IST ES, VERDAMMT NOCHMAL, NICHT! Ich signalisiere damit nur, dass ich meine eigene Arbeit (als Autor und als Vortragender) so gering schätze, dass ich sie verschenke. Ich schätze meine Arbeit aber nicht gering, und ich packe verdammt viel Zeit darein, also will ich Geld sehen. Wer das Geld an sich abschaffen will, hat mich auf seiner Seite. Aber so lange das noch nicht durchgesetzt ist, schreibe ich Rechnungen bzw. Quittungen.

Es gibt Ausnahmen. Es gibt gute Zwecke, für die ich honorarfrei lese oder schreibe (und was ein guter Zweck ist bestimme in diesem Falle ICH, nicht der Veranstalter, nicht ein Leser, nicht ein Kollege). Es gibt sehr reizvolle Preise, um die ich mich auch bewerbe, wenn noch nicht klar ist, ob aus der Ausschreibung eine Anthologie hervorgeht und wenn ja, zu welchen Bedingungen. Es gibt kostenlose Küchentischlesungen vor Partys bei mir zu Hause oder im Kreis befreundeter Autorinnen und Autoren. Aber das sind eben – Ausnahmen.

Und damit kommen wir zu Fall 2, der besonders prickelnd ist. Einerseits gibt es Autorinnen und Autoren, die das Glück haben, ausschließlich für ihre und/oder von ihrer Kunst leben zu können. Die haben vielleicht ein paar Bücher mehr auf dem Markt als ich, oder ein paar Bestseller gelandet, ein paar Filmrechte vertickt, sonstwie mehr Geld mit der Schriftstellerei verdient als ich. Ich gönne es ihnen sehr. ABER – ein paar (wenige aber laute) dieser Kolleginnen und Kollegen sprechen denen, die (noch) nicht so viel Glück hatten wie sie oder einfach nur noch nicht so lange im Geschäft sind, das Profitum ab. Und dagegen wehre ich mich dann ganz gerne. Nur weil ich nebenbei noch einen weiteren Beruf habe („Brotberuf“ nenne ich den nicht, was ich dann die Schriftstellerei? „Wasserjob“?), und die Kinder betreue bin ich nicht weniger professioneller Schriftsteller. Es kommt ja auch niemand auf die Idee, mich Hobby-PR-Berater zu nennen, nur weil viele Kollegen, die nicht nebenbei auch Profi-Schriftsteller sind, deutlich mehr Geld verdienen als ich.

Andererseits – und da schließt sich der Kreis – schreiben viele Menschen hobbymäßig. So wie auch viele Menschen als Hobby im Garten arbeiten. Es ist eine Frage des Anspruchs: Wer seine Geschichten schreibt, weil er oder sie eben gerne schreibt und ansonsten gar keine großen Ambitionen auf eine Leserschaft außerhalb des eigenen Familien- und Freundeskreises hat, der ist ein(e) Hobbyschriftsteller(in). Das sagt nichts über das Können, im Gegenteil. Ich bin sicher, so manches schriftstellerische Großtalent ist uns nie bekannt geworden, weil das betreffende Genie darauf gar keinen Wert legte – und seine Genialität daher auch nicht den Widrigkeiten der Verlagssuche und dem Schliff durch Lektoren unterwarf. Mein Anspruch ist aber (und war immer) ein anderer. Ich WILL Leserinnen und Leser, ich will meine Geschichten unter die Menschen bringen. Dafür arbeite ich (HART! Diszipliniert schreiben ist schwer. Plotten macht wenig Spaß, Lektoratsmails abzuarbeiten gar keinen, um nur diese zu nennen), dafür bilde ich mich fort, dafür bin ich meinen Geschäftspartnern ein professioneller Widerpart.

Wir leben in einer Gesellschaft, die geistige Arbeit gerne geringschätzt, wenn an ihrem Ende nicht irgend ein Plan steht, nach dem man etwas bauen kann, Maschinen, Häuser, was weiß ich. Lehrer? Haben immer nur auf Schulen herum gehangen, wissen nichts von der Welt. Politiker? Die reden doch nur und füllen sich die eigene Tasche. Uniprofessorinnen, womöglich noch in Philosophie, Sozialwissenschaftlen oder Theologie? Braucht kein Mensch. Musiker, Bildhauer, Maler, Schriftsteller? KÜNSTLER??? Sollen ihr Hobby Hobby sein lassen und sich einen richtigen Job suchen. In dieser Geisteshaltung hat es eine parasitäre Freeloader- und Piratengesinnung, die uns das Recht und Eigentum an unserer Arbeit absprechen will, sehr leicht. Aber es ist genau andersherum. Wir waren schon da, als die ersten Menschen sich organisierten, sich gegenseitig ihre Kenntnisse weitergaben, ihren Geschichten Formen gaben. Keine Gesellschaft konnte je auf uns verzichten, keine wird es je können. Und wer glaubt, das könne jeder, der soll erst mal beweisen, dass er das Zeug dazu hat, so zu schreiben und zu erzählen, zu malen und zu fotografieren wie wir. Da wird es dann oft ganz schnell eng.

Dieses Selbstbewusstsein sollten wir leben und verteidigen – und dazu gehört auch, dass wir Geschichtenerzähler von den Jägern und Sammlern Essen für unsere Geschichten verlangen. Nur so sind wir ernst zu nehmen! Ach ja: Und wenn einer von uns außerdem ein passabler Jäger ist und sich deshalb nicht ganz so viele Geschichten ausdenkt wie die anderen – ist er trotzdem ein Geschichtenerzähler. 😉

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Die 10 beliebtesten Blogbeiträge – Platz 2: Selbstachtung, bitte!

Im Nachgang zu meinem Artikel über völlig selbstverständliche Ausbeutungskultur und die Nichtachtung künstlerischer Arbeit schrieb ich am 18. Mai 2013 diesen Beitrag über Druckkostenzuschussverlage – und darüber, dass ich E-Books für eine bessere und seriösere Alternative halte. Der Text beschäftigt sich, das ist wichtig, mit belletristischen Texten, im wissenschaftlichen Bereich ist die Publikation im Selbstverlag üblich und anerkannt. Der Artikel wurde zum bisher zweitbeliebtesten Artikel in meinem Blog:

Selbstachtung, bitte!

Eigentlich sollte dies eine Antwort auf den Kommentar von 11 zu meinem Blogbeitrag von gestern werden – aber ich schweife beim Antworten doch so sehr ab, dass ich daraus einen eigenen Beitrag mache. 11 schrieb unter anderem:

„(…) Solange Autoren unbezahlte Gigs annehmen und bei Druckkostenzuschusslern ihre Büchlein rausbringen, wird sich auf Verwerterseite nichts ändern. Über das Thema habe ich mich auch vor einer Weile mal entsprechend ausgelassen: http://zaubertinte11.wordpress.com/2011/07/29/vom-wesen-der-wertschatzung/ (…)“

Ich bin vom Gefühl her etwas milder gegenüber den Schriftstellerinnen und Schriftstellern, die sich in ihrer Verzweiflung an Druckkostenzuschussverlage wenden. Ich habe selbst zehn Jahre lang Absagen gesammelt, das nagt an der Substanz. Allerdings habe ich das Angebot eines Druckkostenzuschussverlages abgelehnt, weil ich eben meinen Anspruch und diesen Stolz hatte. Aber die Versuchung war da – einfach weil die so nett über mein Buch gesprochen haben, diese Schlangen (ich hatte es ihnen geschickt, weil ich nicht wusste, dass es ein Zuschussverlag war, die hatten einen ganz guten Namen, damals). Gottlob hatte mir kurz vorher die Lektorin eines sehr renommierten und seriösen Verlages eine begeisterte Ablehnung geschickt (sie hat mich in der Programmbesprechung nicht durchsetzen können), so wusste ich, dass ich auch bei echten Verlagen eine Chance habe. 🙂

Allen, die dies lesen und über einen Druckkostenzuschussverlag nachdenken:

LASST ES!!!!

Ihr betrügt Euch selbst und ihr werdet Euch wundern und enttäuscht sein, wie wütend andere Schriftsteller auf Euch sind. Die Ablehnung ist massiv und hat nichts mit Dünkel zu tun. Viele Print-Selfpublisher empfinden das so, man muss sich nur in den entsprechenden Foren umschauen. Sie glauben wir „Etablierten“ (Ihr würdet Euch wundern, wie wenig etabliert man sich als „Etablierter“ fühlen kann 😉 ) hielten uns für die besseren Autoren, sprächen den Selfpublishern ihr Talent und ihr Engagement ab – das ist nicht so, jedenfalls nicht, sofern es mich betrifft (und einige sehr viel etabliertere und berühmtere Kollegen, die ich kenne). Ich weiß sehr gut, dass auch eine große Portion Glück dazu gehört, zum richtigen Zeitpunkt beim richtigen Vermarkter (denn das ist ein Verlag oder Agent) den Fuß in die Tür zu bekommen. Nein, die Verachtung, die den Zuschusszahlern (Wieso eigentlich „Zuschuss“? Nennen wir es beim Namen – die Leute publizieren ihre Bücher auf eigene Kosten. Das englische Wort „Selfpublisher“ ist ehrlicher!) teilweise so verletzend entgegen schlägt rührt daher, dass sie signalisieren:

„Die Arbeit eines Schriftstellers ist so wertlos, dass er nicht erwarten kann, dass jemand ihn dafür bezahlt. Er muss selbst dafür zahlen, dass er gelesen wird.“

Und das empfinden WIR als Verachtung, und jemand, der diese Maxime lebt, ist im Geschäftsleben unser natürlicher Feind, egal, wie gut und talentiert er schreibt.

Eine gute Alternative für alle, die nicht auf Verlage warten wollen oder prinzipiell ohne Verlag arbeiten möchten bietet sich durch das Self-Publishing von E-Books. Die Meinung der verlagsgebundenen Schriftsteller  über diese Selbstverleger ist geteilt. Ich kann daran prinzipiell nichts Schlechtes finden, nicht nur, weil ich diesen Weg (vor allem aus Neugier) selbst einmal gegangen bin, als ich schon „etabliert“ war (i.e. ein Buch bei einem Verlag hatte). Im Gegensatz zu einem Selfpublisher im Printbereich setzt der Selfpublisher von E-Books kaum eigenes Geld ein, und er lässt sich seine Bücher bezahlen. Also genau wie zum Beispiel ich. Gut – er opfert eigene Zeit und investiert, aber das tun alle, die bei Verlagen sind, auch, wenn sie zum Beispiel ein Buch ohne Vorvertrag schreiben. Wenn der/die E-Book Selfpublisher(in) einen professionellen Anspruch hat, dann beschäftigt er/sie vielleicht eine(n) freie(n) Lektor(in), und freie Lektoren wollen natürlich auch bezahlt werden. Aber auch dies ist eine Investition, die man sich dann über die Preiskalkulation des E-Books wieder hereinholt. Der große Unterschied zu Print-Selfpublishern ist, dass die E-Book-Selfpublisher nicht einem Dienstleister Hunderte und Tausende Euro in den Rachen werfen, damit dieser gnädig ihr Buch verlegt. Sie investieren in die Qualität ihrer Arbeit, sie geben dem Vermarkter einen fairen Anteil jedes verkauften Buches – das ist, meiner Ansicht nach, alles seriös, nur eben ein anderer Vermarktungsweg als meiner. Das hängt aber vor allem damit zusammen dass ich, PR-Mann hin oder her, ein ganz schlechter Vertriebler bin, und sehr dankbar dafür, dass jemand (mein Verlag) mir diese ganze Nummer abnimmt und auch noch das Lektorat für mich zahlt.

Und seit Ende letzten Jahres ist es zunehmend so, dass die Leser von E-Books auf Qualität achten, nicht nur, was die Geschichte, sondern auch was Stil, Grammatik und Ortographie angeht. Das kann den guten E-Book-Autoren nur recht sein. Natürlich gibt es auch die, die einfach nicht gut schreiben können und/oder keine guten Geschichten haben und jetzt schon wieder schimpfen, weil die dummen/bösen Leser/E-Book-Vermarkter/anderen Schriftsteller sie nicht reich machen. Und manche verlagsgebundene Schriftsteller sehen den Erfolg dieses Vanillebondagebuches als Beweis für die Unseriösität dieses Marktes. Na ja, seien wir ehrlich – Mist zu Hauf gibt es auch auf Papier.

Ich habe nur eine Bitte an die E-Book Selfpublisher:

Verschenkt Eure Bücher nicht!* Beteiligt Euch nicht an 0-Euro Marketingaktionen. Bietet keine ganzen Romane für 99 cent an (einzelne Kurzgeschichten und Novellen sind etwas anderes). Konterkariert nicht Eure Arbeit und die Grundlage des ganzen Standes, dem auch Ihr angehört, in dem Ihr signalisiert: „Eigentlich ist es ja doch nichts wert.“ Gebt denen, die Eure Bücher cracken und reich werden, indem sie Eure Arbeit kostenlos verteilen, keine Argumente. Indem Ihr Eure Preise fair und ohne Selbstausbeutung kalkuliert und Eure Investitionen wieder reinholt, werdet Ihr immer noch preiswerter sein als wir, die wir Print verlegen, und dagegen ist nichts einzuwenden – Ihr habt eben eine Station weniger in der Wertschöpfungskette, dafür müssen wir uns weniger um Marketing und Vertrieb kümmern, weil das unsere Verlage machen.

Ich hänge an meinen Printbüchern, für mich ist uns bleibt der Weg über den Verlag mein Königsweg. Aber heute sind meist beide Modelle seriös. Und beide verlangen Selbstachtung.

*Also – nicht massenhaft. Presse, Familie, Recherchehelfer etc. sind etwas anderes. 😉

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