schreckenbergschreibt: Die Nomaden – Leseprobe 1

Ja, ja, hahaha, sehr lustig. Seit Tagen funke ich hier und auf allen Kanälen, dass ich am Freitag, dem 13.12. die erste Leseprobe aus meinem neuen Roman veröffentlichen werden. NIEMAND ist auf die Idee gekommen, mich mal darauf hinzuweisen, dass der 13.12. ein Samstag ist. 😀

Okay, da es nicht klug ist,  Leute warten zu lassen beginne ich also schon heute, Freitag, den 12.12. Bis Weihnachten gibt es jeden Tag ein neues Stück aus den „Nomaden.“ Bevor es losgeht ein paar Hinweise:

1.) Das ist unlektorierter Rohtext! Er wird sicher Fehler enthalten, und es ist sehr wahrscheinlich, dass er am Ende nicht genau so im Roman erscheint. Also macht Euch bitte nicht die Mühe, dem Verlag das Korrektorat abzunehmen. Genießt einfach. 😉

2.) Alle Personen in diesem Roman sind meiner Phantasie (dem Wartesaal in meinem Kopf) entsprungen. Ähnlichkeiten mit lebenden, verstorbenen, noch geboren zu werdenden etc. Personen sind wirklich rein zufällig.

3.) Alle  Rechte an diesem Werk liegen beim JUHRVerlag und/oder bei mir. Ich veröffentliche diese Leseproben in Absprache mit dem Verlag under der Creative Commons Lizenz: Namensnennung – nicht kommerziell – keine Bearbeitung 3.0 Deutschland. Was das genau bedeutet steht im Text oder hier.

Alles klar? Dann viel Spaß mit

 

LESEPROBE 1

 

 

Nomaden

 

Veröffentlicht unter schreckenbergschreibt, schreckenbergzeigt - Reblogs & Co. | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | 10 Kommentare

schreckenbergschreibt: Testleser

Übermorgen  ist es soweit: Von Freitag (13.12.) an werde ich hier jeden Tag eine Leseprobe aus dem unlektorierten Rohtext meines neuen Romans „Nomaden“ verlinken, damit Euch die Wartezeit bis zum Frühjahr nicht so lang wird. 🙂

„Rohtext“ schreibe ich, und meine damit, dass das Manuskript noch nicht durch das Lektorat und Korrektorat des Verlages gegangen ist. Aber bevor  ein Lektor meine Texte sieht, haben schon mindestens drei, in diesem Falle sogar sechs kritische Augenpaare darüber geschaut. Ich schreibe, wie hier schon mehrfach beschrieben, in einem Zustand, für den „Trance“ deutlich übertrieben wäre, „wachen Sinnes“ aber deutlich falsch. 😀 Daher war und bin ich stets unsicher, was die Qualität meiner Texte angeht – jede(r) Autor(in) kennt  diese Unsicherheit oder sollte sie kennen.

Aber was tun? Klar – da muss jemand drauf schauen und mir die Meinung sagen, Gelungenes loben, nicht so Gelungenes kritisieren. Aber ein roher, unfertiger Text ist wie ein offener, verwundbarer Teil meiner selbst, ich BIN, was diese frischen Texte angeht, extrem verletztlich. Der große Stephen King rät dazu, die erste Fassung einer Geschichte bei, wie er es nennt, „geschlossener Tür“ zu schreiben, also ganz für sich und ohne sie irgendwem zu zeigen. Das ist bestimmt ein guter Rat – aber ich kann das nicht, höchstens bei Kurzgeschichten. Die Arbeit an einem Roman ist ein so langer, steiniger und hügeliger Weg, dass ich ihn nicht ganz alleine gehen kann, ich brauche unterwegs Rat und Feedback. Damit mich dieses Feedback aber, wenn es kritisch ist und streng, nicht verletzen kann, muss es von Menschen kommen, denen ich extrem vertraue, von denen ioh blind weiß, dass sie mir  nur Gutes wollen. Es dauert sehr lange, solche Menschen zu finden. Die erste, die das durfte, war meine Frau, Claudia, und sie war schon zwei Jahre meine Freundin, bevor ich ihr zum ersten Mal eine meiner Kurzgeschichten gezeigt habe. Das war Mitte der 1990er Jahre, bis dahin habe ich, nach ersten Testleser-Pannen*, für mich alleine und ganz ohne Rückmeldung geschrieben. Die Ergebnisse waren oft entsprechend mittelmäßig. Mit der Arbeit am Finder kam der zweite ab dann regelmäßige Testleser hinzu: Mein bester Freund, der Musiker und (leider noch unveröffentlichte) Autor Stefan Mikus. 2000 lernte ich eine begnadete junge Autorin kennen, und damit war meine feste Testlesergruppe dann komplett – das wußte ich damals nur noch nicht. Es dauerte noch ein paar Jahre, bis ich Sarah Wassermair so gut kennenlernen durfte, dass sie zu meiner engsten Freundin wurde – und zu meiner Erstleserin.

Diesen Dreien habe ich und habt Ihr, wenn Ihr meine Bücher mögt, sehr viel zu verdanken, und deshalb nenne ich sie hier ausnahmsweise einmal  namentlich – das haben sie sich verdient. 🙂 Aber neben der Tatsache, dass diese Drei mich so gut kennen, dass sie  mich verstehen und mir so ziemlich alles sagen dürfen, auch über meine Texte, kommt wertvolle fachliche Kompetenz hinzu. Claudia ist studierte Anglistin (und die  phantastische- und Kriminalliteratur ist zu einem wichtigen Teil englisch) und war viele Jahre und viele Karrierestufen lang Buchhändlerin. Stefan ist Autor und sehr guter Kenner der phantastischen Literatur. Sarah ist studierte Drehbuchautorin und lebt von diesem  Beruf, sie hat einen scharfen Blick  für Dramaturgie und Figurenzeichnung und darüber hinaus ein gewaltiges Talent für Prosa. Alle drei können loben, aber eben auch kritisieren, in unterschiedlichen Abstufungen, von sanft bis gnadenlos. Meistens haben sie Recht (Sarah und ich haben gerade vorgestern zwei Aspekte der Nomaden diskutiert – ich glaube, sie hat schon wieder Recht, auch wenn es mir nicht gefällt).

Für die Arbeit den Nomaden kam nun eine Besonderheit hinzu: Ich brauchte auch Testleser, die den „Finder“ nicht kennen. Denn beide Bücher sind eng verbunden – ich will aber auch, dass die Nomaden alleine funktionieren. Unter meinen langjährigen Lesern waren solche Personen aber schwer zu finden, also musste ich diesmal über meinen Schatten springen, und mich an Personen wenden, denen ich diese Aufgabe zutraue, zu denen ich aber, da wir nicht so ein enges persönliches Verhältnis haben, kein so tiefes Vertrauen haben kann wie zu meinen drei Ewigen. Das war nicht nur für mich ein Wagnis: Immerhin ließen sich diese Drei auf einen umfangreiche und zeitraubende Arbeit ein, für jemand, dessen Reaktionen insbesondere auf Kritik sie kaum einschätzen konnten – und das alles für  den Lohn eines signierten Freiexemplars und einer Erwähnung in den Danksagungen. Daher auch sehr sehr viel Dank für ihre wertvolle Hilfe an diese Drei. Es sind Laura Maria Feldmar, die mir als Chemikerin schon eine wichtige Recherchehelferin bei der Arbeit an den Träumern war, Edith Dietrich, Journalistin und vertraute Mitstreiterin in vielen Drehbuchkursen (in denen wir dieses Handwerk gelernt haben) und Kim Reuter, mit der zusammen ich die Öffentlichkeitsarbeit für die Langenfeld Longhorns mache.

Tipps für Autorinnen und Autoren

WIE man genau mit den Erstleser(inne)n zusammenarbeitet ist sicher von Autor zu Autor verschieden – siehe oben: Stephen King macht das anders. Ein paar Tipps für die Erstleserauswahl möchte ich Euch aber – so Ihr schreibt und noch keine Helfer an Eurer Seite habt – mitgeben:

1.) Vertrauen ist besser.

2.) Ermutigt Eure Erstleser, klar und präzise zu sein. „Hat mir gut gefallen, so im Ganzen“ oder „Nee, war nicht so meins, diesmal“ hilft niemandem. Wenn die Menschen die Ihr liebt dazu nicht in der Lage sind (und das ist kein Werturteil – VIELE Menschen können das nicht, so klug, gebildet und liebevoll sie auch sein mögen), dann müsst Ihr sie schulen – oder andere Testleser finden.

3.) Nehmt Kritik nicht persönlich, auch  wenn sie vielleicht einmal ungeschickt formuliert ist. Sie kommt, wenn Ihr die richtigen Personen ausgewählt habt, aus dem Wunsch zu helfen und Euch zu nutzen!

4.) Ermutigt zum Lob. Man kann auch aus Lob sehr viel lernen, und es tut gut, wenn die Menschen, die uns wichtig sind, uns loben. 🙂

5.) Erstleser ersetzen NICHT Recherche und Recherchehelfer. Während meine fünf Erstleserinnen und der eine Erstleser das ganze Buch gelesen haben, beschäftigt sich zum Beispiel ein Notarzt mit Annabells Einsätzen, überprüft eine Flugbegleiterin, ob ich zum Thema Flugzeuge und Flughäfen keinen Unsinn geschrieben habe und hat mir die Leiterin der Stadtbibliothek Leverkusen den besten Fluchtweg aus ihrem Haus gezeigt. Solche Dinge wissen Erstleser in der Regel nicht – so gerne sie Euch helfen.

6.) Veranstaltet, zu einem geeigneten Zeitpunkt (nicht zu früh, nicht zu spät), ein Treffen, bei dem Eure Erstleser und Ihr das Buch gemeinsam besprecht. Ich habe das diesmal zum ersten Mal gemacht, und ich kann es nur dringend empfehlen. Zwar konnten nur drei meiner Sechs dabei sein, aber trotz aller wertvollen Korrespondenz via Mail und Skype hat mich dieses gemeinsame Treffen noch einmal  sehr viel  weiter gebracht.

Erstlesertreffen in unserer Küche - Stefan äußert eine pointierte Meinung, ich lausche gebannt. :-)

Erstlesertreffen in unserer Küche – Stefan äußert eine pointierte Meinung, ich lausche gebannt. 🙂

7.) Vergesst nie – die machen das für Euch. 🙂

 

 

 

 

 

*Kleiner Tipp an alle jungen Autorinnen und Autoren: Eure Eltern und Geschwister lieben Euch gewiss, aber das macht sie nicht automatisch zu geeigneten Testlesern! Kann sein, dass sie es sind – aber wahrscheinlicher sind sie es nicht.

Veröffentlicht unter schreckenbergschreibt | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , | 2 Kommentare

Junkies auf der Rolltreppe oder Vom Schreiben.

Morgen erzähle ich Euch von meinen Testleserinnen und Testlesern, bevor ich am Freitag die erste Leseprobe aus den „Nomaden“ posten werde. Heute aber nochmal ein Reblog – hinter Tür 9 im Blogadventskalender von Rocknroulette verbarg sich dies hier – und ich war amüsiert, wie sehr sich die Erfahrungen zweier offenbar durchaus verschiedener Menschen (demnach, was ich ihrem Blog entnehme, ich kenne sie persönlich nicht) in Hinsicht auf das Schreiben und die Schreibbiographie ähneln. Manches hiervon könnte Euch, meine Treuen, bekannt vorkommen. 😀

Veröffentlicht unter schreckenbergzeigt - Reblogs & Co. | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

schreckenbergschreibt: „Hallo, ich bin Annabell…“ – wo meine Figuren her kommen

Als ich mich zum ersten Mal ernsthaft mit der Frage nach der Herkunft meiner Figuren beschäftigt habe, da war ich schon seit einigen Jahren Schriftsteller. Oder zumindest hatte ich schon einige Kurzgeschichten (gut) und die ersten beiden Teile einer Romantrilogie (schlecht) geschrieben – ich war 17 Jahre alt und eine ambitionierte junge Lehrerin machte meinen Literaturkurs und mich mit Luigi Pirandellos „Sechs Personen suchen einen Autor“ bekannt. Zur Aufführung des Stückes durch besagten Literaturkurs ist es nie gekommen. Wir waren alsSchauspielerinnen und Schauspieler einfach zu untalentiert und faul, als das man hätte zulassen können, dass wir  dieses Meisterwerk verwursten, das hat besagte Lehrerin dann auch rechtzeitig eingesehen. Aber meine Faszination für das Stück blieb und vor allem für die Frage, die es mir als Autor stellte – wo kommen meine Figuren her?

Ich habe zu einer ähnlichen Frage hier schon geschrieben. Es ist nicht so, wie manche sich das vorzustellen scheinen – ich denke sie mir nicht aus. Sie sind einfach da. Besonders deutlich macht dies meine Begegnung mit Annabell – einer wichtigen Figur in meinem kommenden Roman „Nomaden“.

Nomaden

Annabell stellte sich mir zu einem Zeitpunkt vor, an dem ich eine Lösung für ein Problem in meiner Figurenkonstellation suchte, die zu einem Plotproblem zu  werden drohte. Ohne groß zu spoilern: Zu Beginn der Handlung geht meine Hauptfigur eine Beziehung zu einer Frau ein, die zu einer herkömmlichen Liebesbeziehung hätte werden können, und eine Weile dachte ich auch, dass es eine wird. Dann aber wurde mir klar, dass diese Beziehung eine andere ist, fast tiefer einerseits, weniger eindeutig andererseits. Hört sich das nach kryptischem Geschwurbel an? Mag sein, aber ich will, wie gesagt, nicht spoilern. Das Blöde war nur – diese neue und NOTWENDIGE Entwicklung drohte, mir das wenige, was ich vom Ende meines Plots bis dahin ahnte total  zu zerhauen.

Und plötzlich war Annabell da. Sie war die Lösung all meiner Probleme, das Kontergewicht, das mir in der Konstellation gefehlt hatte, ohne, dass es mir klar gewesen wäre. Ich habe sie mir nicht „ausgedacht“, mir war nicht einmal klar, wie die Lösung aussehen musste (so simpel sie im Nachhinein scheint), bis sie erschien.

Wenn ich sage, dass ich sie mir nicht ausgedacht habe, so spreche ich dabei nicht nur von der Figur in ihrer Funktion für die Geschichte. Ich meine wirklich die Person Annabell: Sie ist 36 Jahre alt, Ärztin, in Bergisch Gladbach aufgewachsene Tochter sudanesischer Eltern. Eigentlich heißt sie auch gar nicht Annabell, aber das ist nebensächlich, alle nennen sie so, seid ihrer Kindheit. Sie hat bestimmte Eigenschaften, ist humorvoll, aufgeschlossen und arbeitet gut unter Druck, ist andererseits manchmal etwas naiv und sehr scheu in Gefühlsdingen. Sie kann pokern. All das brachte sie mit. Hätte ich sie verbogen, hätte ich aus ihr eine 25jährige Tochter österreichischer Eltern gemacht, eine männdermordende Draufgängerin die aber in Stresssituationen gerne mal zusammenklappt, dann hätte sie als Figur viel schlechter funktioniert. Vor allem hätte ich sie nicht automatisch schreiben können, sondern hätte mich in jeder Situation fragen müssen: „Wie würde Annabell jetzt handeln?“ Da ich sie nicht verändert habe, musste ich das nicht – ich habe sie einfach in meine Geschichte gelassen, und sie hat sich so verhalten, wie sie es eben tut – meine Testleser fanden sie offenbar konstant und stimmig.

Ich bin schon gefragt worden, warum Recha aus „Der wandernde Krieg – Sergej“ Jüdin ist. Interessanterweise wurde ich noch nie gefragt, warum zum Beispiel Esther aus dem „Finder“ Christin ist, Erin aus „Sergej“ blond oder Cloe aus den „Träumern“ pummelig, aber das nur am  Rande. Die Antwort lautet schlicht: Weil sie es eben ist. Recha kam aus dieser Wartehalle für  Figuren, die sich irgendwo in meinem Kopf befinden muss, übernahm als Journalistin freundlicherweise die Rolle der Beobachterin und Chronistin in „Sergej“ und machte ihren Job sehr gut. Warum in aller Welt, hätte ich eine Katholikin oder Atheistin aus ihr machen sollen, wo sie nunmal Jüdin ist? Es liegt keine Botschaft in ihrer Religionszugehörigkeit, ebensowenig wie in Annabells Hautfarbe oder Chloes Figur. Sie ist, wie sie ist.

Natürlich ist das nicht alles völlig zufällig. Ich forme an meinen Figuren, die Geschichte formt noch mehr. Annabell erfüllt nicht nur eine Funktion in meiner Figurenkonstellation – es ist auch sehr nützlich, dass sie Ärztin ist. Recha ist passenderweise Journalistin, Erin eine erfahrene Nahkämpferin und Ethnologin – oder Daniel aus dem „Finder“ Photograph, all das passt zur Geschichte, und ich wollte sie so haben. Vielleicht hängen in der Wartehalle Stellenausschreibungen. 😀 Aber Chloe – oder die Rolle, die sie dann eingenommen hat – war zum Beispiel ursprünglich eine Diebin. Aus der Wartehalle  kam aber keine Diebin, sondern eine Killerin. Und es stellte sich heraus, dass sie für die Geschichte viel nützlicher war, als sie es als Diebin gewesen wäre.

Der große Respekt, den ich vor  meinen Figuren habe und die Tatsache, dass ich sie nicht einfach verbiege, auch wenn das hier und da der leichtere Weg zu sein scheint, kommt unter anderem daher: Ich erschaffe sie nicht, zumindest nicht bewußt. Sie bieten sich an – und warum sie das tun weiß ich nicht. Denn der Job einer Figur in meiner Geschichte ist nicht immer schön. Das hat auch Annabell leider feststellen müssen. Respekt ist das Mindeste, das ich ihnen dafür schulde.

 

Veröffentlicht unter schreckenbergschreibt | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , | 2 Kommentare

schreckenbergschreibt: Der Finder – als TV Serie

Es waren vier Mails, die mich am 4. Januar dieses bald vergangenen Jahres über das Kontaktformular meiner Homepage erreichten, kurz hintereinander geschrieben, alle mit dem Standardbetreff „Kontaktformularanfrage“, und ich muß gestehen – aufgrund des kurzen Abstandes hielt ich sie zuerst für SPAM. Aber da ich bisher eigentlich noch nie über meine Homepage gespamt worden bin, habe ich sie doch geöffnet und gelesen. Und erst von Mail zu Mail begriffen, was ich da las:

(...) ich bin Producer und Regisseur aus Köln. Ich habe Deinen Roman
 "Der Finder" gelesen und finde ihn wirklich grossartig. Eine 
Endzeitgeschichte in Deutschland mit unglaublich viel Potential und
 Thrill. Ich habe ihn über Weihnachten in 2 Tagen durchgelesen...
(...) Und ich kann  einfach nicht aufhören mir "Der Finder" als 
Basis für eine TV-Serie (...) vorzustellen.(...)
Mit Deiner freundlichen Erlaubnis würde ich gerne ein Serienkonzept
für "Der Finder" vorstellen. (...)
(...) Ich bin fest davon überzeugt, dass "Der Finder" eine Serie 
ist, die die Menschen und Sender in Deutschland interessieren
wird. (...)

Wie Ihr an den vielen Klammern seht ist das arg gekürzt. Der Absender hieß Marc Schaumburg und schrieb freundlich und kompetent. Dennoch… die zehn Jahre, in denen ich meine Geschichten erfolglos angeboten habe waren nicht frei von Versuchen dubioser Abzocker, mich über den Tisch zu ziehen, und das ist nicht spurlos an mir vorbei gegangen. Also habe ich den Fall (stark anonymisiert) Sarah geschildert, die ja viel Erfahrung im TV- und insbesondere Serienbusiness hat und ein wenig gegoogelt. (Marc, es tut mir so leid, dass Du es auf diesem Wege erfahren musst, aber Du hast Dich mit dem König der Paranoiker eingelassen 😀 ). Und selbstverständlich erwartete ich eine Antwort der Art: „Hahaha, mein naiver alter Schreiberling, weißt Du denn nicht, dass wir Fernsehmenschen alle Haifische und Skorpione sind? Bleib mal bei denen Büchern und versuch nicht, mit den bösen Kindern zu spielen.“ Statt dessen kam eine Mail zurück, die sinngemäß (und sehr verkürzt) besagte:

„Herzlichen Glückwunsch, klingt alles seriös, go for it.“

Da musste ich erstmal durchatmen – jetzt traute ich mich langsam wirklich, daran zu glauben.

Jetzt erst? Nein, nicht wirklich. Ich sehe meine Geschichten immer bildlich vor mir, nur so kann ich wirklich darin leben, während ich schreibe. Und dass „Der Finder“ eine sehr bildgewaltige und lebendige Geschichte ist, davon war ich immer überzeugt – und viele Finderfans finden das wohl auch. Aber es ist eine Sache, sich die eigene Geschichte bildlich vorstellen zu können. Es ist eine andere, die Wirksamkeit dieser Bilder von jemandem bestätigt zu bekommen, der gewohnt ist, in Bildern zu denken und völlig unvorbereitet auf die Geschichte trifft.

Cover Der Finder

Damit begann die Arbeit an dem, was ich hier lange als das „geheime Projekt“ geführt habe. Denn ich war von Beginn an in den Entwurf der Serie eingebunden und bin einer der Autoren des Konzepts. Wir haben geplant und entworfen, umgeplant, angepasst, und auch die (damals noch unfertigen) Nomaden mit einbezogen. Dabei gehöre ich zu den Autoren, die verstehen, dass eine Fernsehserie etwas anderes ist, als ein Buch, ich bestehe also nicht auf der buchstabengetreuen Umsetzung. Im Gegenteil – diese Erzählform bietet die Möglichkeit, vieles, was im Roman nur angedacht und angedeutet ist, zu vertiefen und zu Ende zu denken. Das alles gibt Stoff für mehrere Staffen, und glaubt mir – diese Serie wird großartig. Wenn man uns lässt…

Denn es ist natürlich so: Die Serie muss nicht nur geplant werden – wir müssen sie vor allem verkaufen, an einen Sender, der Zeit und vor allem Geld in die Hand nimmt, um sie zu machen. Das ist nicht mein Part – ich bin für die Geschichte zuständig, nicht für den Verkauf. Und der Verkauf eines solchen Projekts kann dauern. Das sagen alle, die sich in der Branche auskennen. „Geduld, Geduld, Geduld.“ Hmpf…

Ich bin nicht gut in Geduld, gar nicht. Marc pitcht und bietet an… und ich sitze hier, schreibe, warte. Und ich weiß, wie gut das werden könnte. Ich WEISS es! Könnt Ihr Euch das vorstellen – all die Bilder, die wir im Kopf haben, wenn wir an Daniel denken, an Esther, Lara, Alex… an die Party, an den Hof im Bergischen und das Haus im Wald und die Heuler… und bald auch (für Euch, für mich schon lange 😉 ) Jo und Doris und Annabell, das Lager der Nomaden, das andere Haus im Wald, Horst von Hamburg und diese kleine Stadt in Ostfriesland…

Ich weiß natürlich, dass meine Bilder andere sind als Eure und unsere wieder andere sein werden als die, die wir dann auf dem Bildschirm sehen würden, aber ehrlich: Wäre das nicht toll? Also drückt uns die Daumen, so fest Ihr könnt! Danke! 🙂

Veröffentlicht unter schreckenberglebt, schreckenbergschaut, schreckenbergschreibt | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , | 7 Kommentare