Die 10 beliebtesten Blogbeiträge – Platz 3: Kosima And The Blue Cable, The Gadgets und höfliche junge Wrecker

Drei Blogposts an einem Tag… ich glaube, das ist persönlicher Rekord. 😀 Aber trotz Reblog und SERAPH schulde ich Euch natürlich noch die Top 10 der meistbesuchten Blogbeiträge. Und da wir den Tag mit Musik begonnen haben, wollen wir ihn auch damit beschließen: Es ist mir eine besondere Freude, dass dieser Beitrag vom 14. April 2012 unter den Top 3 ist. Denn auch, wenn die Band sich unterdessen sehr gewandelt hat und ich es bisher nicht noch einmal  geschafft habe, Kosima and the Blue Cable life zu sehen (was nicht an denen lag, Auftritte haben sie inzwischen viele)  bleibe ich doch ein großer Fan. Vielleicht – hoffentlich – klappt es ja in diesem Jahr. Platz 3 ist also:

Kosima And The Blue Cable, The Gadgets und höfliche junge Wrecker

Heute, liebe Freunde, eröffne ich eine neue Kategorie in diesem meinem Blog und ihr Name sei:

schreckenberglauscht

Diese Kategorie hat eindeutig gefehlt, denn immerhin füge ich jedem Roman den ich schreibe eine Auflistung der Künstler bei, deren Musik mir beim Schreiben geholfen hat (schreiben ohne Musik ist mir fast unmöglich). Und außerdem, das sei nicht vergessen, bin ich Songtexter. Ich habe mit meinen Texten nicht unwesentlich zu zwei der drei CDs einer Psychobilly Band beigetragen, der großartigen Boozehounds, und dass die sich aufgelöst haben, gerade als sie wirklich dabei waren in die Spitze der Szene vorzudringen, dafür kann ich ja nichts.

Musik ist also wichtig und ich sollte viel öfter darüber schreiben.

Die Eröffnung dieser Kategorie hat jedoch auch einen konkreten Anlass. Gestern abend besuchte ich die CD-Release Party zweier Bands: „The Gadgets“ aus Bochum und „Kosima and the Blue Cable“ aus Remscheid.

Kosima and the Blue Cable habe ich vor ein paar Wochen kennengelernt. Ich war auf Einladung des „Initiativkreises Kremenholl“ zu einer Lesung in Remscheid, gemeinsam mit Daniel Juhr und Michael Itschert. Das mag ein wenig nach Kulturbespaßung in der hintersten Provinz klingen, und rein geographisch ist das auch so falsch nicht, aber die Lesungen beim Initiativkreis machen immer so richtig Spaß – das (zahlreiche!) Publikum geht mit und ist darüber hinaus auch noch sehr kauffreudig und die Veranstalter sind engagiert und verstehen ihr Geschäft. Das habe ich durchaus auch schon anders erlebt. Aber das nur am Rande. 😉

Ich freute mich also auf eine weitere gelungene Lesung, fand nach den üblichen Kremenholl-Problemen einen Parkplatz und eilte zum Veranstaltungssaal, wo ich aus den „Träumern“ lesen wollte. Dort angekommen traf ich nicht nur meine Mitstreiter an, da saßen auch ein paar nette, etwas schüchterne Mädchen mit Instrumenten. Das sei, so sagte man mir, die Band „Kosimairgendwas“ und sie würden für den musikalischen Support sorgen. „Wie nett“, dachte ich, „die geben der örtlichen Schülerband ’ne Chance. Wird schon klappen.“

Ja Pustekuchen!

Kosima and the Blue Cable“ so der volle Name, entpuppte sich als unbedingt hörenswerte Singerinnen-Songwriterinnen-Combo die es ohne Probleme schaffen, mit ihrer selbstgeschriebenen Musik im einen Moment an die frühen Cowboy-Junkies (ich weiß, die kennt hier niemand außer mir, das ist aber EUER Fehler, nicht meiner 😀 ) zu erinnern, um im nächsten Moment ein Publikum zu rocken, das eigentlich gekommen war, um sich Krimis vorlesen zu lassen. Ich war schwer begeistert und wurde sofort Fan. Und ich schwöre, niemals, niemals wieder die Künstlerauswahl des Initiativkreises Kremenholl zu unterschätzen.

Dieser Tage nun erfuhr ich über unser aller Facebook, dass Kosima (das ist übrigens kein menschliches Bandmitglied, sondern eine Gitarre) eine EP produziert hat und zur Release Party im Remscheider 12INCH Cub ruft. Das wollte ich mir keineswegs entgehen lassen. Gestern nun fand das Releasekonzert statt, gemeinsam mit „The Gadgets“ aus Bochum. Und ich berichte in Reihenfolge des Lineups:

The Gadgets

The Gadgets sind Caroline von der Heydt (Keyboard, Voc), Patrick Mitze (Gitarre, Voc), Daniel Wirtz (Drums) und Sören Rehner (Bass). Sie spielen etwas, dass sie selbst als Indierock bezeichnen – das Blöde mit Indie ist leider nur, dass es eben ALLES heißen kann. Ich würde sagen, das ist Poprock, der sich in den besten und mutigsten Momenten vielversprechend in Richtung 80er Wave schleicht. Wenn „The Gadgets“ in Stimmung kommen, dann bekommt ein alter Mann wie ich sentimentale Anwandlungen, weil er den Eindruck gewinnt, dass The Cure doch nicht umsonst gelebt hat. Sie selbst mögen seit „Lullaby“ den Weg der Jammermusik eingeschlagen haben, aber einige junge Menschen haben die gute alte Zeit nicht ganz vergessen. 😉

Die Gadgets beherrschen ihre Instrumente. Das ist soooo wichtig. Das ist so verdammt wichtig, in Zeiten, da alle Welt so tut, als sei das Nebensache, Hauptsache Tremolo und Performance, den Rest macht dann das Studio. Nee, Leute, eben nicht. Wer einen Drummer wie Daniel Wirtz in Aktion gesehen hat, an dem selbst der Große Tommo Stürtz seine Freude hätte, der versteht, warum ein guter Schlagzeuger als heimlicher Anführer einer Band so ungeheuer wichtig ist. Und das Fräulein von der Heydt macht mit seinem kleinen Keyboard auch ganz große Sachen. Gitarristen haben es bei mir immer besonders schwer, da mein bester Freund nun mal leider der überaus begnadete Stefan Mikus ist, aber seien wir ehrlich – Patrick Mitze ist noch jung und jetzt schon besser als sehr, sehr viele Saitenquäler die sich Frontmänner bekannterer Bands schimpfen. Bass kann ich nie beurteilen, aber meine Begleiterin lobte ihn stark. Und die kann das beurteilen. 😀

Der Gesang war okay, aber die Band sang mit Handicap: Patrick, so berichtete Caroline, ist gerade erst von einem Husten genesen – zwischendurch verließ die Stimme ihn. Mag bestimmt am Husten liegen, aber ich glaube, ein wenig Atemübung würde auch nicht schaden. 😉 Er hat es aber auch schwer bei mir – wenn in einer Band ein Mann und eine Frau singen, tendiere ich dazu, die Frau völlig subjektiv besser zu finden. Das geht mir mit „Mad Jack and the Hatters“ so, und mit „The Hillbilly Moon Explosion“ und hier ist es nicht anders. Ich höre Caroline lieber zu, auch wenn sich die beiden gut ergänzen.

Ein ganz großes ABER habe ich allerdings: The Gadgets schreiben in ihrer Bandbeschreibung „Believe the hype!“ Ja, glaubt ihn doch bitte erstmal selbst!!! Ihr seid gut, ehrlich, hörenswerte Newcomer, und ihr seid vor allem live besser als aus der Konserve, was ein gutes Zeichen ist! Warum, verdammt nochmal, so schüchtern? Ihr müsst das Publikum nicht fragen, ob es ihm gefällt. Ihr müsst Euch nicht entschuldigen, wenn was daneben geht. IHR steht da auf der Bühne, ihr herrscht, Euch gehört der Saal. Und wenn das Publikum, so wie gestern, klatscht und pfeift und tanzt, dann habt ihr gewonnen. Glaubt es ruhig und zeigt etwas weniger Angst.

Und damit zu:

Kosima and the Blue Cable

Die Band setzt sich zusammen aus Stella Klaus (Gitarre, Voc), Aileen Wiedemann (Gitarre, Voc), Karin Maar (Percussion) und Ayla Wirth (Bass), gestern vertreten durch den Gastbassisten Thomas.

Tja, was soll ich sagen – ich war sehr begeistert und muss mich schwer zusammenreißen, um nicht ins Schwärmen zu geraten. Sie begannen den Auftritt mit zwei ruhigen Nummern, sehr stimmungsvoll, sehr schön, bei denen Stella sich scheinbar einmal im Text verhaspelte und Karin plötzlich ihre Rasseln über die Bühne schoss. Aufgemerkt: Stella grinste sich eins, überspielte kurz und sang dann weiter, Karin holte sich Szenenapplaus für die Performance. So macht man das. 😉 Wenn die Musik so gut ist, dann verzeiht ein Publikum vieles bis alles. Danach verkündete Stella, der Lagerfeuer-Teil sei nun vorbei, Karin nahm am Schlagzeug Platz und die Mädels (und der Gastherr) ließen es krachen.

Ich möchte gar nicht so sehr ins Detail gehen, diese Band ist einfach wirklich gut. Ihre Instrumente beherrschen sie natürlich, der Gesang macht Freude, Stella und Aileen ergänzen sich sehr gut. Und sie wissen, wie man ein Publikum mitreißt – das hat vor allem etwas damit zu tun, dass sie sichtbar Spaß bei der Arbeit haben und wissen, was sie können. Außerdem können sie mit verschiedenen Zielgruppen umgehen: Damals in Kremenholl war es ein anderes Publikum, ein anderer Raum, andere Rahmenbedingungen, als haben Kosima and the Blue Cable da auch eine andere Facette gezeigt. Auch sowas muss man können.

Und ein ganz großes Lob vom Schriftsteller und (Ex?)-Songwriter: Gute Texte! Die konnte ich mir erst auf dem Heimweg richtig zu Gemüte führen. Da ich (selbstverständlich!) beide CDs gekauft habe, hatten wir auf dem Weg nach Hause ausreichend Muße, zuzuhören, was die Damen zu sagen haben. Schade nur, dass auf dem Cover der CD nirgends steht, wer welchen Song geschrieben hat. Wäre schön zu wissen. Kosima etc. sind live ein Erlebnis, auf der CD nicht viel weniger, aber eben abzüglich der Liveatmosphäre, also anders.

Ich war übrigens ganz froh, dass ich gestern nicht der Älteste im Saal war, ich hatte so etwas befürchtet. Das Publikum war – geschätzt – zu 60 Prozent im Alter der Musiker, 10 Prozent jünger, 30 Prozent älter. Und unter den älteren Leuten müssen auch ein paar Überzeugungstäter wie ich gewesen sein – so viele Eltern hat niemand.  Und höflich ist die Jugend heute… Als sich unter dem Jungvolk vor der Bühne Pitstimmung breit zu machen begann, bin ich, wie ich das von Krawallmusikkonzerten kenne, etwas nach vorne gegangen. Das ist da inzwischen oft so – die Jugend tobt und wir älteren, breiteren Kämpen stehen drumherum, drängen allzu Ausgelassene weg und schützen die Damen und Zivilisten hinter uns. Hier allerdings waren die Umgangsformen feiner. Zwar hüpfte auch einer von den Jungspunden so arg umher, dass man ihn an seinen Platz zurück schubsen musste, aber als dann einem der Wrecker der Hut vom Kopf fiel, standen die anderen sofort still, bis er ihn gerettet und wieder aufgesetzt hatte. Toll. Wo ich herkomme macht man das maximal, wenn ein Mensch am Boden liegt. 😀

Und noch eins: Diese Bands haben Mut, und ich meine Mut im Detail. Sich auf die Bühne zu stellen und dem Publikum auszusetzen, geschenkt. Aber in Zeiten des ewig gleichen Breis Melodielinien zu schreiben, die außergewöhnlich sind und auszuprobieren, was so ein Instrument kann, anstatt einfach vorsichtshalber das zu machen, was alle machen, dazu gehört was.

Vielen Dank also an Kosima and the Blue Cable und The Gadgets für den Abend.

Die EP-CDs (jeweils 5,- €):
Kosima And The Blue Cable – Impulsive (direkt über die Band zu beziehen, nur 300 Stück!)
The Gadgets – the feeling when it’s two minutes to morning (direkt über die Band zu beziehen)

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schreckenbergliest: Die Longlist für den SERAPH 2014

Januar ist’s und damit  an der Zeit für die Phantastische Akademie, die Longlist für den SERAPH 2014 zu veröffentlichen. Vor einem  Jahr habe ich davon zuerst gar keine Notiz genommen – bis jemand mich darauf hinwies, dass mein Roman „Der wandernde Krieg – Sergej“ mit auf der Longlist 2013 war. Da war dann die Freude und die Überraschung groß – und die (im Nachhinein ja berechtigte) Hoffnung, dass er es auch auf die Shortlist schafft.

Allen Schriftstellerin und Schriftstellern, die auf der neuen Longlist sind und nun hoffen und bangen (und sich freuen! :-D) meine herzlichen Glückwunsch. Nominiert sind, laut Pressemitteilung der Phantastischen Akademie:

In der Kategorie „Bestes Debut 2013“ (in alphabetischer Reihenfolge):

  • Calie, Edie: 3 a.m. (Edition Roter Drache)
  • Eliott, Dana S.: Taberna Libraria – Die magische Schriftrolle (Droemer Knaur)
  • Meister, Tara C.: Siran – Die Königskinder (BVK Buch Verlag)
  • Röder; Alexander: Der Mönch in Weimar (Feder&Schwert)
  • Springorum, Björn: Herbstbringer (Baumhaus)
  • van Org, Luci: Frau Hölle: Ragnarök‘ Deine Mudda! (Ubooks)

In der Kategorie „Bestes Buch 2013“ (in alphabetischer Reihenfolge):

  • Corvus; Robert: Feind – Die Schattenherren Bd. 1 (Piper)
  • Fink, Torsten: Der Prinz der Skorpione – Der Schattenprinz Bd. 3 (Blanvalet)
  • Gläser, Mechthild: Nacht aus Rauch und Nebel (Loewe)
  • Hartwell, Katharina: Das Fremde Meer (Berlin Verlag)
  • Honisch, Ju: Schwingen aus Stein (Feder & Schwert)
  • Jeltsch, Christian/Kraemer, Olaf: Abaton 3 – Im Bann der Freiheit (mixtvision Verlag)
  • Marzi, Christoph: Die wundersame Geschichte der Faye Archer (Heyne)
  • Meißner; Tobias O.: Klingenfieber (Piper)
  • Plaschka, Oliver: Das Licht hinter den Wolken (Klett-Cotta)
  • Simon, Cordula: Ostrov Mogila (Picus Verlag)
  • Simon Stefanie: Feuer der Götter (Droemer Knaur)
  • Winter, Maja: Die Säulen der Macht (Blanvalet)
  • Winterfeld; Daniela: Der geheime Name (Droemer Knaur)
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Berliner (Un)Bekannte: Der Schüchterne.

Guten… ähm… Mittag zusammen. Bei meinem routinemäßigen Zug durch die WordPressgemeinde bin ich soeben (dank gudrunlerchenbaum) hierüber gestolpert und ich denke, das solltet Ihr auch hören. Beziehunsweise den. Und lesen, natürlich. Gute Idee, das mit den (Un)Bekannteninterviews. Und sehr hörenswerte Entdeckung.

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Die 10 beliebtesten Blogbeiträge – Platz 4: Wie eine Lesung sein sollte – CRIMINALE 2012

Wir nähern uns dem Treppchen. Auf Platz 4 der 10 beliebtesten Blogbeiträge ist dieser Artikel vom 30. April 2012. Im Anschluss an die CRIMINALE  fasste ich zusammen, was für mich zu einer guten Lesung gehört. Heute, mit fast zwei Jahren zusätzlicher Erfahrung, würde ich vielleicht (nur vielleicht) das eine oder andere ergänzen, aber nichts streichen. Daher kann ich Euch diesen überaus beliebten Beitrag mit gutem Gewissen noch einmal präsentieren:

Wie eine Lesung sein sollte – CRIMINALE 2012

Zuerst und vor allem:

SAUERLAND! Höre mich an! ERST blinken, DANN bremsen!

Das brannte mir auf der Seele. Zum Thema:

Wie ihr festgestellt haben werdet, habe ich mich nach dem 26. April nicht mehr von der CRIMINALE gemeldet. Das lag vor allem an der CRIMINALE selbst. Wenn ich damit beschäftigt bin, mich bei Lesungen grandioser Kollegen herumzutreiben, selbst zu lesen, Vorträge zu besuchen, die anderen Newbees kennen zu lernen, mich mit dem Syndikat vollzuversammeln, bei der Verleihung des deutschen Krimi-Oskars den Preisgekrönten zuzujubeln, dem FC Criminale beim Ver… beim Unter… beim Zusamm… beim tapferen Kampf gegen widrigste Umstände (Gegner zum Beispiel) zuzusehen, zu tanzen, sehr sympathische neue Bekannte von denen der/die eine oder andere womöglich eines Tages Freunde werden könnten zu finden und zur Musik der weltbesten Krimiautorenundautorinnenband zu rocken, sorry, dann kann ich nicht auch noch regelmäßig bloggen. Ich werde also in den nächsten Tagen nicht mehr von der (denn sie ist vorbei, alas, alas), sondern über die CRIMINALE 2012 berichten. Und mein Thema heute sind:

Lesungen

Kennt Ihr dieses Lied von Udo Lindenberg? Club der Millionäre? Da gibt es eine Textzeile, in der es um die Möglichkeiten geht, Millionär zu werden: „(…) oder Schriftsteller vielleicht, oder’n Lottogewinn (…)“.

Viele Leute glauben daran. Die Wirklichkeit sieht so aus: Von den ca. 25.000 professionellen Schriftstellerinnen und Schriftstellern in Deutschland ( professionell = unter professionellen Bedingungen von einem seriösen Verlag verlegt, es bedeutet NICHT hauptberuflich) bekommen die Top Ten ca. 41 % (Ja, Einundvierzig. Da fehlt kein Komma.) der jährlichen Gesamteinnahmen aller 25.000. Soviel zum Club der Millionäre.

Die Idee, dass wir Schriftsteller an unseren Schreibtischen sitzen und abwechselnd Geschichten schreiben und versuchen, die vielen riesigen Zahlen auf unseren Kontoauszügen zu verstehen, ist also falsch. Lesungen gehören zum Beispiel zu unseren regelmäßigen zusätzlichen Einnahmequellen. Für manche ist das ein hartes Los, sie lesen nicht gerne. Für mich nicht. Ich LIEBE Lesungen. Vor allem, wenn sie so ablaufen wie meine Lesung mit Sandra Lüpkes und Karin Schickinger am vergangenen Freitag im Rahmen der CRIMINALE.  Ich möchte anhand dieser Lesung einmal aufdröseln, wie eine gute Lesung sein sollte:

1.) Alle Beteiligten sind gut vorbereitet

Das ist so verdammt wichtig! Und mit „Beteiligte“ meine ich nicht das Publikum – das sollte sich auf einer Krimilesung nicht unbedingt wundern, dass Krimis gelesen werden, darf sich aber ansonsten gerne überraschen lassen. Bei Schullesungen ist das etwas anderes, aber die sind ein Sonderfall. Nein, ich meine vor allem Gastgeber und – aufgemerkt – die Autoren. In unserem Fall gab es auf der Gastgeberseite das Kulturbüro der Stadt Sundern und die Firma Capristo Exhaust, in deren Räumern wir lasen. Da ich nicht weiß, ob die beteiligten Personen ihren Namen gerne in meinem Blog lesen möchten, werde ich sie weiterhin als „Das Kulturbüro“ und „Firma Capristo“ bezeichnen – aber das waren echte, engagierte und freundliche Menschen. 🙂 Das Kulturbüro also hatte sich anhand unserer Homepages vorbereitet, moderierte uns kurz an, ließ uns aber auch noch Raum für einige eigene Worte. Die Firma Capristo freute sich offensichtlich, uns zu Gast zu haben und hatte den Leseraum ebenso gut vorbereitet wie ein kleines Rahmenprogramm. Wer von beiden für das Catering zuständig war weiß ich nicht, aber es gab üppig Getränke und Knabberkram für das Publikum und für uns Brötchenplatten. Ich weiss von Kollegen, die bei einer Gourmetlesung (mit Abendessen) ihr Essen selbst bezahlen sollten. Nicht so hier. Ich hätte mich – vor, nach oder während der Lesung – auch locker ins Koma fressen können. Das allerdings wäre unprofessionell gewesen und damit wären wir bei unserem Part:

Wir lasen sehr unterschiedliche Passagen. Ich hatte den Anfang der Träumer stark eingedampft (unter anderem ein ganzes Kapitel -2 – weggelassen) und konnte so in den mir zustehenden 20 Minuten vom Beginn des Prologes bis zum ersten Auftauchen Glasers lesen. Karin las einige Passagen aus ihrem aktuellen Krimi und stellte so die wichtigsten Figuren vor. Sandra las eine komplette Kurzgeschichte, die sie für die CRIMINALE-Anthologie geschrieben hatte, und die in just dem Raum ihren Ausgang nahm, in dem wir nun auftraten. Schon im Vorfeld hatte sie, als federführende Autorin, die Organisation übernommen, sich mit Karin und mir einerseits und Kulturbüro und Capristo andererseits abgestimmt. Alles war gut vorbereitet und organisiert.

2.) Die Öffentlichkeitsarbeit im Vorfeld stimmt

Ich weiß, dass es auch anders sein kann – ich habe schon vor zwei Leuten gelesen. Und auch ein Festival wie dieses ist kein Selbstläufer. Ich war als Festivalteilnehmer in Sundern, nicht als PR-Berater, darum habe ich mich gar nicht dafür interessiert, wie die PR im Vorfeld gelaufen war. Offenbar gut -die Lesung war gut besucht, und es waren die richtigen Leute da. Niemand sprang auf und verließ schimpfend den Saal, niemand rief „Das kann man Jerry Cotton nicht antun!“ oder sowas. 😉 Okay – es waren drei Kinder anwesend (keine allzu Kleinen), aber selbst da hatte man uns vorher gefragt, was für Texte wir lesen und die Eltern konnten einschätzen, was sie ihren Sprösslingen zumuten.

3.) Die Lesung hat einen Spannungsbogen

Der ergab sich hier von selbst, dadurch, dass Sandra ihre (übrigens sehr lesens- bzw. hörenswerten) Geschichte, die für diesen Anlass und diesen Ort geschrieben war, zum Schluß las. Es muss ja nicht schwer sein, einen Spannungsbogen zu erzeugen. Aber da sein sollte er. 😉

4.) Der Funke springt über

Tja, das liegt bei uns. Er sprang, denke ich. 🙂

5.) Es gibt Geld

Na, ernüchtert? Ich hoffe nicht. Aber es ist so, Leute, wie oben gesagt – wenn ich zum Bäcker gehe und Brötchen kaufe, dann will der Geld sehen. Mit dem Vorschlag, ihm statt dessen eine spannende Geschichte zu erzählen, brauche ich nicht zu kommen. Also möchte auch ich für meine Arbeit Geld sehen – von ganz speziellen Promo-Terminen oder guten Zwecken oder meinen privaten Küchentischlesungen für gute Freunde mal abgesehen. Hier gab es Geld. Es stank, wie erwartet, nicht.

Dazu stimmte bei dieser Lesung noch ein Punkt, der nicht notwendig ist, den ich aber mag:

6.) Lesen im Team

Gut – alleine lesen schmeichelt dem Ego. Eine Stunde oder länger stehe ICH mit MEINEN Geschichten alleine im Mittelpunkt. Das kann ganz hübsch aufpumpen. Aber eine Lesung hat viel mit einem Konzert gemein, und ein gutes Team auf der Lesebühne ist wie eine gute Band. Das muss nicht einmal ein Autorenteam sein – eine meiner absoluten Lieblingslesungen war eine Lesung mit Whisky-Tasting. Ich las Single-Malt-Texte (wer mich kennt wird sich nicht wundern, dass ich das komplett mit eigenen Texten bestreiten konnte :-D), ein Malt-Experte leitete die Verkostung und sprach über den guten Stoff. Wir konnten uns die Bälle wunderbar zuspielen, es war ein grandiose Nacht. Auch an die Lesungen mit Daniel Juhr und Stefan „Plastikbechergott“ Melneczuk erinnere ich mich mit viel Freude. Im Team zu lesen macht Spaß. Das war hier nicht anders.

Ein schöner Abend war das. Und meine Zeit, was war ich vorher nervös – wie ein leuchtend grüner Leseanfänger. Die erste Lesung für das Syndikat – das ist schon was. Schließlich wollte ich ja nicht mit Betonschuhen im Sorpesee landen. Aber da ich itzt hier sitze und schreibe mußte sich meine Patin wohl nicht beim Don beklagen. 😀

Und jetzt würde ich gerne von Euch wissen – was erwartet IHR von einer guten Lesung?

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Die 10 beliebtesten Blogbeiträge – Platz 5: Der Werwolf von Köln

Platz 6 der beliebtesten Blogbeiträge war eines meiner Bücher. Den Platz 5 hat dieser Beitrag vom 21. Juni 2012 erreicht, in dem ich einen Roman einer befreundeten Autorin bespreche. Neulich hatte ich sie als Gast im Rahmen der Lesereihe „Leverkusener Autoren stellen vor“ – und ich habe einmal mehr festgestellt, was für eine tolle Kollegin Myriane Angelowski ist. Daher freue ich mich, dass meine (begeisterte) Rezension des „Werwolfs von Köln“ in den Top 10 ist. 🙂

Ḿyriane  Angelowski – Der Werwolf von Köln

Bevor ich in die Kritik des nächsten Buches einsteige, muss ich Euch noch einmal auf die Regeln hinweisen, denen ich mich selbst unterworfen habe. Es könnte nämlich den regelmäßigen Verfolgern dieses Blogs auffallen, dass ich die Autorin – Myriane Angelowski – persönlich kenne und schätze. Das gilt auch für Volker Streiter, den Autor des zuletzt rezensierten Buches. Nur habe ich bei Volker eben gesagt, „Fressen ihn die Raben“ sei ein gutes, lesenswertes Buch. Myrianes Roman werde ich im Folgenden über die Maßen loben und preisen, und deshalb sei hier noch einmal deutlich gesagt:

ICH SCHREIBE KEINE GEFÄLLIGKEITSREZENSIONEN!

Was ich schreibe ist meine subjektive Wahrheit. Und das mir unbekannte Buch eines Autors oder einer Autorin zu öffnen, den/die ich kenne und mag, ist ein Wagnis. Es kann passieren, dass mir das Buch nicht gefällt – was mache ich denn dann? Nun – siehe Regeln. Es kann mir aber auch so etwas passieren, wie Myrianes „Der Werwolf von Köln„. Und dann muss ich eben… aber der Reihe nach:

Verlag und Autorin nennen es „Mystery Thriller“, und sie sind damit den schweren Weg gegangen, den ich auch gehen werde, aber seien wir ehrlich: Ich bespreche hier den Horror-Roman einer deutschen Autorin. Wie schön, für einen Horrorfan wie mich. 🙂

Inhalt

Im Prolog verschwindet ein Kind während einer Schnitzeljagd. Es ist ein Kinderferienlager, die Gruppenführerin passt nicht auf, die große Schwester ist mit Knutschen beschäftigt und abends fehlt ein Junge. Er ist einfach verschwunden. Dann beginnt die Haupthandlung, und ich sage bewusst „die Haupthandlung“, nicht „die HaupthandlungEN“ obwohl Buch zwei Handlungsstränge hat, die sehr deutlich getrennt sind, auch wenn es Verbindungen gibt oder zu geben scheint. Wie Myriane Angelowski diese Stränge aber dann am Ende zusammenführt das ist… aber zum Urteil später. Also – die Handlungsstränge:

Der eine spielt in der frühen Neuzeit*, beginnt 1565 und endet 1593. Zu Beginn verkauft ein junger Mann – Peter Stubbe – seine Seele dem Teufel und zum Schluss bezahlt er dafür, dazwischen verfolgen wir das Schicksal einiger Menschen, deren Leben er berührt und meist zerstört. Hier zu verkünden, dass Peter Stubbe am Ende stirbt ist kein Spoiler, Stubbe ist eine historische Figur. Ich rate Euch, sein Leben erst zu recherchieren, nachdem ihr den Roman gelesen habt, denn Myriane Angelowski spinnt um diesen historischen Fall eine gut und grausig erzählte Geschichte mit überraschenden Wendungen und Verbindungen. Spoilert Euch die nicht kaputt. Ich habe es auch nicht getan. 😉

Der andere Handlungsstrang verfolgt einige entscheidende Tage im Leben von Amanda, einer Kölner Schülerin im Hier und Jetzt. Zuerst erscheint Amanda als Klischeefigur: psychische Probleme, ritzt sich, Stress mit Mutter und Stiefvater… wie das eben so ist, wenn es bei einem sensiblen Mädchen mit Hang zum Düsteren schief läuft. Doch das Klischee ist eine Falle – eine gut gestellte Falle, denn wir glauben Klischees ja allzu gerne, nicht wahr? Amanda ihrerseits glaubt, auf dem Rückweg von einer Party jemanden überfahren zu haben. Und obwohl das ganz offensichtlich nicht wirklich passiert ist, nimmt die Vision sie dermaßen mit, dass ihre labile Psyche wieder auf der Kippe steht. Amanda bittet ihre Mutter – Irmelis – sie für einige Tage zu ihrer Tante Hedwig nach Bedburg ziehen zu lassen. Hier hat Amanda als Kind einige schöne Zeiten verbracht, hier will sie zur Ruhe kommen. Irmelis stimmt zu.

Gleichzeitig geschehen in und um Köln Morde in Serienkillermanier – so meint die Polizei. Wir aber erleben, was vor mehr als 400 Jahren in der selben Gegend geschah, sehen die Parallelen – und beginnen, uns ernsthafte Sorgen um Amanda zu machen, denn irgend etwas hat sie mit der Sache zu tun…

Urteil

Das letzte Buch, das ich in einem durchgelesen habe, ohne zu schlafen, an einem Tag und in einer Nacht, war „Es“ von Stephen King. Und das ist SEHR lange her, meine deutsche Ausgabe ist aus dem Jahre 1986. Das letzte Buch, das ich tief in der Nacht zur Seite legte, aus schmerzhafter Vernunft, denn ich hatte am nächsten Tag eine wichtige Recherche und eine lange Heimfahrt von Hamburg ins Rheinland vor mir, war „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“, von Joanne K. Rowling. Das letzte Buch, das mich so gefesselt hat, dass ich in jeder freien Minute zu ihm zurück wollte – und ich meine „Minute“, jeder Satz war mir Droge – war „Consider Phlebas“ von Iain M. Banks. Myriane Angelowski hat es geschafft, sich zumindest für dieses Buch (andere kenne ich von ihr noch nicht) bei mir in diese Liga zu spielen. An „Es“ reichte es nicht ganz heran – ich habe geschlafen – aber mit den anderen beiden ist „Der Werwolf von Köln“ auf einer Linie.

Dies ist eine sehr klug gesponnene und verwobene Horrorgeschichte, und ihre Heldin ist selbstverständlich Amanda. Die Geschichte aus dem 16. Jahrhundert ist Hintergrundinformation, aber eine großartig erzählte Hintergrundinformation mit dem Wert einer eigenen Geschichte oder besser – eigener Geschichten, denn es sind gut verbundene Episoden. In Wirklichkeit aber geht es eben um Amanda, um das, was mit ihr geschieht und warum es geschieht. Ich würde Euch SO gerne erzählen, warum ich diese Amanda-Geschichte so liebe, warum mir diese Figur so ans Herz gewachsen ist und warum dieses Buch – obwohl einerseits eine klassische Werwolferzählung – in Wirklichkeit doch eine ganz andere Horrorgeschichte ist. Aber ich kann es nicht, ich müßte spoilern.

Belassen wir es also hierbei: Der Werwolf von Köln hat mich gefesselt, die Geschichte hat mich – einen erfahrenen und gestandenen Horror-Kenner seit 30 Jahren – überrascht. Und zwar auf diese angenehme Weise überrascht, wenn man der Autorin permanent auf der Spur ist, vieles richtig ahnt und versteht und dann doch von der letzten Verbindung kalt erwischt wird – und dann die ganzen Schleifen und Kreise erkennt, die gut gepflanzten Andeutungen und all diese kleinen Stellen, die so wunderbar ineinander greifen. Da gibt es keinen Deus Ex und keinen faden Beigeschmack, da passt und stimmt alles, das macht einfach Spaß. Und der Epilog ist toll.

Die Geschichte ist sicherlich gut recherchiert, wahrscheinlich stimmt die historische Beschreibung Kölns und der Umgebung und man nannte das Bier damals wirklich „Gruit“ und alles, aber wisst Ihr was – das ist mir egal. 😀 Denn die Geschichte ist so gut, dass ich Myriane locker verzeihen würde, wenn sie den Rhein aufwärts fließen ließe. Ärgerliche historische Ungenauigkeiten – wie zum Beispiel Schätzings berühmte Tabakpfeife in „Tod und Teufel“ – habe ich nicht gefunden.

Eine tolles Buch. Jeder Horrorfan, jeder deutsche Horrorfan zumal, sollte es kennen. Und wer immer eine spannende, gut gestrickte Geschichte mag auch.

* Für Nichthistoriker: Das Mittelalter endete, nach den meisten Datierungen, 1492 als Columbus die neue Welt erreichte. Ein Ereignis, von dem die allermeisten Menschen seiner Zeit nichts bemerkten oder wussten und dass ihnen wohl auch herzlich egal gewesen wäre – aber so ist das nunmal mit der willkürlichen Einteilung von Epochen. 😉

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