schreckenbergschreibt: Von kommenden Dingen und Kurzgeschichten

KKKKKKRIIIIÄÄÄÄÄÄRK…

Der Sargdeckel öffnet sich und heraus kommt – mein Blog. Schön, dass Ihr wieder hergefunden habt, um Euch die Auferstehung anzusehen. 🙂 Nach meinem überaus erfolgreichen, vielgelesenen und oft zitierten Beitrag vom 17. Mai wäre es natürlich nach den Regeln des Social-Media-Marketing überaus wichtig gewesen, in schneller Folge und mit ähnlich relevanten Themen nachzulegen, um aus meinem kleinen Autorenblog ein weithin bekanntes und relevantes Medium zu machen. Und da ich immerhin ausgebildeter PR-Berater bin habe ich… ähm… erstmal wenig gebloggt und dann seit dem 12. Juni gar nicht mehr. Na ja… dieser Blog ist ja auch weniger als Werbung für meine Qualitäten als Öffentlichkeitsarbeiter gedacht (Wenn mich jemand dafür bezahlt, kann ich ungeheuer effizient PR machen, ehrlich wahr, Ehrenwort!!! 😉 )

Nein, was dieser Blog sein soll, war und ist, ist ein Einblick in meine Schreiberei. Und da sich in diesem Bereich seit Juni viel getan hat, hatte ich andererseits leider wenig Zeit zum Bloggen. Denn worüber sollte ich schreiben? Dass ich jetzt eine Agentin habe, die mich vertritt? Das ist langfristig sicher interessant, auch für andere Autorinnen und Autoren, die sich fragen, ob sie direkt an Verlage gehen, oder den Weg über eine Agentur nehmen sollen. Aber bis ich dazu etwas Relevantes sagen kann, muss ich noch etwas mehr Erfahrung sammeln.

Dann hatte ich in den letzten Wochen einige Lesungen, darunter eine Benefizlesung für von der Elbe- und Donauflut betroffenen Buchhandlungen. Das war eine sehr schöne Lesung, veranstaltet von der Stadtbilbliothek Leverkusen (danke nochmal an das dortige Team, namentlich Lucia Werder und Agid Jumpertz), gemeinsam mit liebens- und lesenswerten Autorenkolleginnen und -kollegen: Regina Schleheck, Maren Gottschalk, Thorsten Nesch, Christian Linker und Michael Schönen – ich hoffe, das war nicht unser letzter gemeinsamer Abend.
Aber darüber bloggen? Was hätte ich Euch groß erzählen können? Ich habe aus dem „Finder“ vorgelesen, die Lesung war erfolgreich, ein schöner Abend. Toll, wenn man dabei war, etwas lahm, wenn man davon liest. 😀

Vor ein paar Tagen nun fragte Katja W. – Finderfan der ersten Stunde und fast ebenso lang engagierte Likerin auf meiner Facebookseite – wann ich denn mal wieder was im Blog zu schreiben gedächte. Recht hatte sie, ich wusste aber nicht so richtig, was ich erzählen sollte, siehe oben. Also fragte ich bei Facebook einfach mal nach, und gleich zweimal fragten Mitleser nach dem, was ich derzeit so auf der Pfanne, bzw. in der Schublade, bzw. in der Pipeline habe. Okay, machen wir. Heute und an den nächsten Tagen erzähle ich Euch von meinen aktuellen Projekten, sofern die Rechte noch nicht verkauft sind jeweils auch mit einer kleinen Leseprobe. Ich beginne aber mit drei Geschichten, an denen die Rechte vergeben sind:

Kurzgeschichten

Im Mai habe ich ja fürchterlich über unseriöse Ausschreibungen geschimpft. Es gibt aber auch die anderen, die seriösen. Und es gibt den Fall, dass ein(e) Herausgeber(in) direkt auf mich zu kommt, und fragt, ob ich mich an einer Anthologie beteiligen will. Anfang des Jahres habe ich beschlossen, mich wieder ein wenig mehr auf Kurzgeschichten zu konzentrieren – nicht, weil ich keine Romane mehr schreiben wollte, oder weil ich keine Ideen dafür hätte. Die Kurzgeschichten sind eher eine Besinnung auf meine Wurzeln, denn lange, bevor ich mich zum ersten Mal ernsthaft an einem Roman versucht habe, habe ich Kurzgeschichten geschrieben, meist Horror und/oder Mystery. Meine allererste Kurzgeschichte ist aus dem Jahr 1984, da war ich 13. Und ich finde sie im Kern bis heute so gut, dass ich sie (etwas modifiziert) sogar bis heute manchmal auf Lesungen vortrage und bestimmt eines Tages veröffentlichen werde, wenn ein passendes Anthologieprojekt im Raum steht.

Ich habe mich also in diesem Jahr an ein paar Ausschreibungen beteiligt und bin in zwei Fällen auch direkt gefragt worden, ob ich an einer Anthologie mitwirken möchte. Das Jahr ist gerade einmal etwas mehr als halb herum, es steht aber schon fest, dass ich es mit mindestens drei veröffentlichten Kurzgeschichten beenden werde. Für mein erstes ernsthaftes Kurzgeschichtenjahr ist das jetzt schon mehr, als ich erwartet habe. Im Einzelnen:

Sonne, Mord und Ferne

Dass Regina Schleheck und ich uns a) gut verstehen und b) oft zusammen lesen ist ja nun kein Geheimnis. Trotzdem fand ich es nicht selbstverständlich sondern habe mich sehr gefreut als sie fragte, ob ich an einer Anthologie mit Urlaubsgeschichten mitwirken möchte, die sie gemeinsam mit Mechthild Zimmermann im Viaterra-Verlag herausgibt. Das schöne an den Anthologien dieses Verlages ist: Ein Thema ist vorgegeben, und schon die Auswahl der Autorinnen und Autoren* garantiert dafür, dass die Geschichten in der Mehrzahl Kurzkrimis sind. Aber strenge Vorgaben in diese Richtung haben wir Autoren nicht, und so kommt stets eine sehr bunte und kreative Auswahl zusammen – gerade für eine Urlaubsanthologie ein sehr passendes Konzept. Meine Geschichte in der Sammlung heißt „Saison ist doch immer“ und sagen wir mal so – ich habe die Freiheit, die die Herausgeberinnen uns gelassen haben genutzt. Die Anthologie ist bereits im Juni erschienen und bei allen Buchhändlern erhältlich bzw. bestellbar, es gibt also nichts was Euch daran hindern kann, sie zu kaufen. 😉

Mörderisch Bergisch

Die zweite gemeinsame Krimianthologie von JUHRVerlag und Gardez!Verlag folgt dem selben Konzept wie schon die 2011 erschienene Sammlung „Mord im Dreieck“  (mit meiner Kurzgeschichte „Schneesturm“). Wieder haben regionale Autorinnen und Autoren jeweils eine Stadt (damals war es ein Stadtteil, Wuppertal-Barmen in meinem Falle) zugewiesen bekommen mit der Bitte, einen dort verankerten Krimi zu schreiben. Meine Stadt ist diesmal Burscheid. Was dabei 2011 herausgekommen ist war der Beweis, dass regionale (Kurz)Krimis alles andere als öde und vorhersehbar sein müssen und dass das Bergische Land für Geschichten von düsterst bis lustig gut ist. Ich hoffe, das gelingt uns diesmal wieder. Ob meine Geschichte „Puppenbrunnen“ öde ist oder nicht entscheiden natürlich die Leserinnen und Leser. Was ich aber versprechen kann ist: Sie ist düster und sie ist nicht vorhersehbar. 🙂 Die Anthologie erscheint im September.

 

Zauberhafte Welten (mit Leichtigkeit)

Eines der positiven Beispiel kleinerer Verlage, die Autoren bei Anthologieausschreibungen nicht über den Tisch zu ziehen versuchen, sondern faire Konditionen bieten, ist der Oldigor Verlag. Schon Anfang des Jahres stieß ich auf deren Ausschreibung einer Anthologie für phantastische Geschichten „mit Leichtigkeit“. Ich wollte gerne mitmachen, schon, weil das eben eine der seltenen seriösen Ausschreibungen für phantastische Literatur war, aber mir wollte partout nichts Passendes einfallen. Bis ich wenige Tage vor Einsendeschluss plötzlich die zündende Idee hatte – anlässlich eines Besuches in einem Beerdigungsinstitut (es war eine Literaturveranstaltung, nichts Trauriges). Dabei herausgekommen ist die Geschichte „Die Wahrheit über den König“ und ich habe mich über die Nachricht, dass sie es in die Sammlung geschafft hat sehr gefreut. Die Anthologie erscheint im Oktober, zu den Fantasy-Tagen Iserlohn.

More to com – hoffe ich. 😉

Morgen werfen wir dann gemeinsam den ersten Blick in meine Schublade und schauen, wie es mit Bastian aus den „Träumern“ weiter geht.

* Eine illustre Runde in diesem Falle, und dass ich nicht einige der prominenteren Kolleginnen und Kollegen aufzähle liegt nur daran, dass ich, egal wen ich nenne, andere auslassen müsste, und das wäre unfair.

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schreckenbergliest: Iain M. Banks ist gestorben

Eigentlich wollte ich dieser Tage darüber bloggen, wie wichtig es für einen Schriftsteller meiner Ansicht nach ist, klassische Literatur zu kennen, aus dem eigenen Genre aber auch darüber hinaus. Später. Leider gibt es etwas Wichtigeres zu besprechen:

Am 9. Juni dieses Jahres ist Iain M. Banks gestorben, einer meiner Lieblingsschriftsteller.

Vielleicht ist das ein Zeichen, dass ich alt werde: Die Meister meiner Kunst, die ich nicht nur als Ikonen sondern als lebende und schaffende Künstler und Vorbilder erlebt habe, beginnen zu gehen. Der erste Nachruf in diesem Blog galt, vor ziemlich genau einem Jahr, Ray Bradbury. Nun also Iain Banks. Alas. Ich habe Iain Banks – oder eher sein Werk, den Menschen habe ich leider nie kennengelernt – ich habe also Iain Banks so kennengelernt, wie man einen Autor kennenlernen sollte und es heute leider immer seltener kann: Ahnungslos, interessiert und voll Neugier.

Es muss Anfang der 1990er gewesen sein, mit der Möglichkeit der Internetrecherche für Normalmenschen wie mich noch in weiter Ferne. Ich war Student der Geschichte, Politikwissenschaften und Philosophie und fuhr als solcher jeden Tag mit dem Zug von Leichlingen nach Wuppertal und zurück. Die Zeit am Wuppertaler Bahnhof pflegte ich mir entweder lesend zu vertreiben, oder indem ich im dortigen Bahnhofsbuchhandel nach neuem Lesestoff stöberte – meistens in den großen Drehständern mit Phantastischer Literatur. Dort fiel mir das Buch eines mir unbekannten Autors in die Hand – Iain Banks. Und ich muss ehrlich zugeben: Was mich an dem Buch zuallererst packte, war die Umschlagillustration, die ein wenig im Stile meines Lieblingsmalers gehalten war. Well done, Heyne. 😉 Das Buch hieß „Die Brücke„, und es entzieht sich jeder Beschreibung ebenso wie jeder gängigen Genreeinordnung. Es gehört jenem fast vergessenen Genre an, das die Phantastik zusammenfasst ohne irgendeiner Konvention zu folgen: „Weird Fiction“. Allerdings war „Weird Fiction“ für mich bisher meist ein Etikett für die großen Phantasten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts gewesen. Hier aber schrieb jemand in moderner Sprache über zeitgenössische Themen. Und obwohl ich nur die Übersetzung des Buches las war mir sofort klar, dass ich es hier mit jemandem zu tun hatte, der zum Weinen gut mit Sprache umgehen konnte. Ich war, schon nach wenigen Seiten, ein Verehrer von Iain Banks.

Neben seiner „Weird Fiction“ hat Iain Banks auch einige Krimis, Sozialdramen und einen sehr absonderlichen Coming-of-Age-Roman geschrieben, alle sehr gut, alles lesenswert. Den nachhaltigsten und prägendsten Einfluss aber hat er, da bin ich sicher, auf die Science Fiction gehabt. Die meisten seiner Science-Fiction-Geschichten spielen im Universum der „Kultur“. Die Kultur ist eine Gesellschaft aus Humanoiden und intelligenten Maschinen, uns technisch unglaublich weit voraus. Nach einem gewonnenen Krieg gegen eine ähnlich fortgeschrittene, fundamentalistisch religiöse Gesellschaft, die in der Kultur und vor allem in ihren Maschinen eine grausige Blasphemie sieht (eine Episode aus diesem Krieg findet sich im Roman „Consider Phlebas„) ist die Kultur mehr oder weniger unangefochtene Vormacht im ihr bekannten Universum. Sie selbst sieht sich aber nicht als Vormacht, sie ist zu moralisch fortgeschritten, zu friedfertig, zu freundlich und zu anarchistisch um mit dem Begriff „Macht“ viel anfangen zu können. Und außerdem ist sie fürchterlich von ihrer eigenen moralischen Überlegenheit eingenommen. Klingt irgendwie vertraut? Tja… Wie brüchig, doppelbödig und auf naive Weise heuchlerisch und verlogen das ist zeigt sich in fast allen Kultur-Geschichten (wobei, das ist das besonders Schöne, Iain M. Banks wirklich tiefe Sympathie für die Kultur zu haben schien). In keiner aber so meisterhaft und vielschichtig wie in „Use of Weapons„, einem der besten Romane, die ich je gelesen habe. Ich werde das Buch hier beizeiten mal empfehlen, hier nur noch soviel: Es ist nicht nur eine großartige, immer aktuelle, herzerreißende, überaus spannende und überraschende Geschichte, sie ist auch noch rein vom Aufbau her meisterhaft erzählt. Ein wahrlich großes Buch.

Bei uns ist Iain Banks übrigens vor allem für „Die Wespenfabrik“ bekannt, den ich oben als absonderlichen Coming-Of-Age-Roman bezeichnet habe. Ja, pfft, die Wespenfabrik… Wir Deutschen glauben ja traditionell gerne, ein Buch ist nur dann bedeutungsvoll, wenn es vor Bedeutung und Metaphern nur so trieft. Ist hier der Fall. Das ist kein schlechtes Buch, ich glaube, Iain Banks war gar nicht in der Lage, schlechte Bücher zu schreiben, da sind ganz faszinierende Ideen drin (die alptraumhafte „Wespenfabrik“ als Orakel zuvorderst), aber ich finde, letztlich etwas zu viel von allem, vor allem zu viel Bedeutung. Ich kann aus dem Stand mindestens sieben Werke von Banks aufzählen, die mir besser gefallen, und nicht nur Science-Fiction. Aber das ist, wie immer, Geschmacksache.

Über den Menschen Iain Banks kann ich fast nichts sagen. Das wenige was ich weiß spricht von einem Menschen, der zu großen Gefühlen und Gesten ebenso fähig war wie zu Bescheidenheit und Freundlichkeit. Und er mochte die selbe Art Whisky wie ich. Iain Banks war ein streitbarer Atheist und glaubte als solcher wohl nicht an eine Weiterxistenz nach dem Tod. Wir Gläubigen haben da einen Vorteil: Wenn diejenigen, die nicht an ein Leben nach dem Tod glauben, recht haben, werden wir nichts davon merken. Wenn wir aber recht haben, können wir ein Grinsen aufsetzen, falls wir uns wiedersehen. Wer aber immer recht behält: Ich prophezeie Iain Banks die Unsterblichkeit des Autors. Seine Geschichten sind gut und wichtig und gehören in eine Reihe mit den Großen der Phantastischen Literatur. Aufgrund seines herausragenden Schaffens wird er weiterleben, wie Edgar Allan Poe oder Mary Shelley, wie H.G. Wells, wie Ray Bradbury.

Ich bin tief traurig, dass wir diesen großen Schriftsteller verloren haben. Danke, Iain Banks.

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schreckenbergschreibt: Towelday 2013 – Wer sind Ihre Vorbilder?

Heute ist Towelday, und ja – auch ich trage heute ein Handtuch mit mir rum. In diesem Jahr ist es grün. Und ich tue das nicht, weil ich befürchte, mir könnte eines Tages der gefräßige Plapperkäfer von Traal begegnen, ich tue es selbstverständlich, um meine Verehrung für Douglas Adams auszudrücken und meine Dankbarkeit für dieses großartige Universum, das er erschaffen hat. Dabei bin ich gar nicht mal ein uneingeschränkter Douglas Adams-Fan. Ich halte die ersten beiden Anhalter-Romane für wegweisende, mutige, hochintelligente und darüber hinaus wahnsinnig witzige Science Fiction, und ich mag auch die Dirk Gently-Geschichten. Die drei letzten Sequels der Anhalter-Reihe finde ich dagegen zunehmend überflüssig. Einer der Gründe für meine große Scheu davor, eine Fortsetzung des „Finders“ zu schreiben ist, dass ich bei Douglas Adams gesehen habe was passiert, wenn man eine zu Ende erzählte Geschichte nochmal aufkocht, und nochmal, und nochmal*. Und da ich kein Douglas Adams bin, fürchte ich, es würde bei mir keine vier oder fünf Bücher dauern, bis es unangenehm wird.

Was aber bleibt, so sehr, dass ich mich gerne zum Affen mache, indem ich ein Handtuch offen sichtbar mit mir herumschleppe, ist die Verehrung für einen Meister meiner Kunst.

Verehrung ist allerdings so eine Sache. Immer wieder werde ich nach meinen Einflüssen gefragt, nach Schriftstellern, die ich gerne lese, nach solchen, die mich geprägt haben. Und ich gebe gerne und offen Auskunft darüber, eigentlich. Denn inzwischen habe ich gemerkt, was für ein zweischneidiges Schwert das ist, insbesondere in der Rezeption von „Sergej„. Das Buch schickt sich an, mein zweit erfolgreichstes zu werden, auch wenn es an den „Finder“ noch nicht herankommt. Mal abwarten, der startete ja auch erst im zweiten Jahr so richtig durch. Aber beim „Finder“ war die Kritik durchaus gespalten – die Mehrheit der Rezensentinnen und Rezensenten mochte das Buch, mochte es sogar sehr, es gibt eine durchaus beachtliche Gemeinde von Finderfans**. Aber die Minderheit, der das Buch nicht gefiel, die die Entscheidung meiner Protagonisten, sich technisch quasi ins Mittelalter zurückfallen zu lassen nicht nachvollziehen konnte oder unlogisch fand, denen die Auflösung zu phantastisch war, ist hörbar und nicht klein. Und abgesehen von den üblichen Nörglern, denen nie etwas gefällt, sind da auch viele Kritiker mit ernstzunehmenden Argumenten drunter. Sergejfans gibt es (noch?) nicht so viele, allerdings gab es auch kaum negative Kritik. Fast alle Kritikerinnen und Kritiker, von Amazon-Rezensenten, über Blogger bis hin zur Phantastik-Couch lobten das Buch, die größte Auszeichnung war bisher, dass „Sergej“ es auf die Shortlist des Seraphen geschafft hat. Und immer wieder fiel ein Name: Stephen King.

Nein, niemand hat gesagt, ich schriebe wie Stephen King. Das wäre mir auch ziemlich peinlich gewesen, denn ich war schon in den 1980er Jahren, als Jugendlicher ein großer Verehrer dieses begnadeten Autors, als es noch einen gewissen Mut erforderte, sich dazu zu bekennen – obwohl er damals schon einen Bestseller nach dem anderen raushaute. Die Kritiker rümpften dann gerne die Nase und brachten den blöden Vergleich von den Fliegen und dem Mist. Nun, ich bin keine Fliege und Stephen Kings Werke sind alles, nur kein Mist.

Und niemand hat behauptet, ich hätte bei Stephen King abgeschrieben. Das wäre auch eine Frechheit gewesen – ich kenne die Mehrzahl aller King-Geschichten, Sergej ist nicht dabei, nichtmal im Ansatz. Das ist MEINE Idee. 😉

Ich WEISS, dass ich nicht so gut bin wie Stephen King, aber das macht mir wenig Sorgen. Ich bin auch nicht so gut wie andere Autoren, die ich verehre, als da zum Beispiel sind: Ernest Hemingway, Ray Bradbury, Frank Kafka, Paul Auster, Philip K. Dick, Iain Banks, Arthur Machen, Clive Barker oder Neil Gaiman.

All diese Autoren (und noch einige mehr, auch Musiker) haben mich sehr beeinflusst. Ich wünschte, ich hätte die sprachliche Disziplin eines Hemingway, die atmosphärische Dichte eines Bradbury, die Bildgewalt eines Kafka, die erzählerische Kraft eines Paul Auster, die Ideen eines Dick oder Banks oder Barker… ich könnte lange so weiter machen. Ich wünschte, ich hätte das Können eines Stephen King. Ich habe das alles nicht und es ist nicht schlimm. Ich denke, ich bin ein recht guter Autor und ich habe ja noch Zeit, besser zu werden. Wenn’s zum Genie nicht reicht – kein Problem.

Ein Problem hingegen ist, dass viele Nicht-Schriftsteller – insbesondere solche die journalistisch tätig sind – nicht verstehen wollen oder können, was „Einfluss“ bedeutet. Um mal bei Stephen King zu bleiben: Finden sich Stilmittel die er verwendet auch bei mir? Mit Sicherheit! Man nehme nur, die Einschübe in „Sergej“, in denen ich auf die Entwicklung in Langenrath blicke. Ja, stimmt, hat was von „Needful Things“. Habe ich mir Needful Things hier zum Vorbild genommen? Nein, ich bin auf die Idee im Gespräch mit meinem Lektor gekommen, von Stephen King war keine Rede. Kann es sein, dass Stephen King und ich unabhängig voneinander zur selben Lösung für ein ähnliches Problem gekommen sind? Durchaus – wir sind beide Schriftsteller, und ich bin ja nicht so kingaffin, weil ich seine Art zu schreiben so befremdlich finden würde, eine gewisse Geistesverwandtschaft ist vermutlich vorhanden. Kann es sein, dass ich auf diese Art der Problemlösung gekommen bin, weil ich das unterbewusst als gute Lösung eines Plotproblems gespeichert hatte? Kann sein, kann auch nicht sein, ich weiß es wirklich nicht.

Kreativität ist originell. Das macht sie aus, und alle, die immer wieder tröten, alles sei schon mal geschrieben worden und alles baue aufeinander auf und es gebe überhaupt keine originellen Ideen (jedenfalls nicht bei Künstlern), haben davon keine Ahnung. Wer behauptet, jede Liebesgeschichte sei ja irgendwie Romeo und Julia, hat vermutlich weder Romeo und Julia gelesen noch irgendeine andere Liebesgeschichte. Wer nicht versteht, dass zwei Kriminalgeschichten auf völlig unterschiedlichen und absolut originellen Ideen beruhen können, obwohl beide derselben dramatischen Struktur folgen, in beiden ein Polizist ermittelt und es jeweils um einen Mord im, sagen wir, Drogenmilieu geht, der hat schlicht keine Ahnung, wovon er spricht. Und wer glaubt, ich schreibe Stephen King nach (in mancher Frage schimmert das so unschuldig durch, als sei es ganz selbstverständlich. dass man so etwas tue), nur weil er mich ganz offenbar beeinflusst hat, der soll sich bitte weiter zu Dingen äußern, von denen er etwas versteht, nicht davon, wie Kreative ihre Werke schaffen.

Einfluss ist etwas ganz anderes. Einfluss bedeutet, dass jemand mein Lehrer sein kann, ohne, dass er mich je gesehen hätte. Dass ich von seinem Können, dem, was er mir beibringen kann, einfach nur, indem er mich in seine Geschichten mitnimmt, lerne. Und das Gelernte dann anwende – als ein Werkzeug in meinen völlig eigenen, originellen Geschichten. Aus denen, wenn ich viel Glück habe, irgendein anderer talentierter Mensch wieder etwas mitnimmt für seine ganz eigenen Geschichten, die mit meinen gar nichts zu tun haben. Ist das nicht wunderschön?

Happy Towelday!

 

 

 

*Was die Finderfortsetzung angeht – ich schreibe nun wirklich daran, und es ist kein Aufguss, aber dazu ein andermal. Und bis ich auf die entsprechende Idee gekommen bin, brauchte es dann eben auch mehr als zwei Jahre. 😉

**Und ich bin mal gespannt, was die von der Fortsetzung halten werden… Ich kann es echt nicht voraussagen.

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schreckenbergschreibt: Selbstachtung, bitte!

Eigentlich sollte dies eine Antwort auf den Kommentar von 11 zu meinem Blogbeitrag von gestern werden – aber ich schweife beim Antworten doch so sehr ab, dass ich daraus einen eigenen Beitrag mache. 11 schrieb unter anderem:

„(…) Solange Autoren unbezahlte Gigs annehmen und bei Druckkostenzuschusslern ihre Büchlein rausbringen, wird sich auf Verwerterseite nichts ändern. Über das Thema habe ich mich auch vor einer Weile mal entsprechend ausgelassen: http://zaubertinte11.wordpress.com/2011/07/29/vom-wesen-der-wertschatzung/ (…)“

Ich bin vom Gefühl her etwas milder gegenüber den Schriftstellerinnen und Schriftstellern, die sich in ihrer Verzweiflung an Druckkostenzuschussverlage wenden. Ich habe selbst zehn Jahre lang Absagen gesammelt, das nagt an der Substanz. Allerdings habe ich das Angebot eines Druckkostenzuschussverlages abgelehnt, weil ich eben meinen Anspruch und diesen Stolz hatte. Aber die Versuchung war da – einfach weil die so nett über mein Buch gesprochen haben, diese Schlangen (ich hatte es ihnen geschickt, weil ich nicht wusste, dass es ein Zuschussverlag war, die hatten einen ganz guten Namen, damals). Gottlob hatte mir kurz vorher die Lektorin eines sehr renommierten und seriösen Verlages eine begeisterte Ablehnung geschickt (sie hat mich in der Programmbesprechung nicht durchsetzen können), so wusste ich, dass ich auch bei echten Verlagen eine Chance habe. 🙂

Allen, die dies lesen und über einen Druckkostenzuschussverlag nachdenken:

LASST ES!!!!

Ihr betrügt Euch selbst und ihr werdet Euch wundern und enttäuscht sein, wie wütend andere Schriftsteller auf Euch sind. Die Ablehnung ist massiv und hat nichts mit Dünkel zu tun. Viele Print-Selfpublisher empfinden das so, man muss sich nur in den entsprechenden Foren umschauen. Sie glauben wir „Etablierten“ (Ihr würdet Euch wundern, wie wenig etabliert man sich als „Etablierter“ fühlen kann 😉 ) hielten uns für die besseren Autoren, sprächen den Selfpublishern ihr Talent und ihr Engagement ab – das ist nicht so, jedenfalls nicht, sofern es mich betrifft (und einige sehr viel etabliertere und berühmtere Kollegen, die ich kenne). Ich weiß sehr gut, dass auch eine große Portion Glück dazu gehört, zum richtigen Zeitpunkt beim richtigen Vermarkter (denn das ist ein Verlag oder Agent) den Fuß in die Tür zu bekommen. Nein, die Verachtung, die den Zuschusszahlern (Wieso eigentlich „Zuschuss“? Nennen wir es beim Namen – die Leute publizieren ihre Bücher auf eigene Kosten. Das englische Wort „Selfpublisher“ ist ehrlicher!) teilweise so verletzend entgegen schlägt rührt daher, dass sie signalisieren:

„Die Arbeit eines Schriftstellers ist so wertlos, dass er nicht erwarten kann, dass jemand ihn dafür bezahlt. Er muss selbst dafür zahlen, dass er gelesen wird.“

Und das empfinden WIR als Verachtung, und jemand, der diese Maxime lebt, ist im Geschäftsleben unser natürlicher Feind, egal, wie gut und talentiert er schreibt.

Eine gute Alternative für alle, die nicht auf Verlage warten wollen oder prinzipiell ohne Verlag arbeiten möchten bietet sich durch das Self-Publishing von E-Books. Die Meinung der verlagsgebundenen Schriftsteller  über diese Selbstverleger ist geteilt. Ich kann daran prinzipiell nichts Schlechtes finden, nicht nur, weil ich diesen Weg (vor allem aus Neugier) selbst einmal gegangen bin, als ich schon „etabliert“ war (i.e. ein Buch bei einem Verlag hatte). Im Gegensatz zu einem Selfpublisher im Printbereich setzt der Selfpublisher von E-Books kaum eigenes Geld ein, und er lässt sich seine Bücher bezahlen. Also genau wie zum Beispiel ich. Gut – er opfert eigene Zeit und investiert, aber das tun alle, die bei Verlagen sind, auch, wenn sie zum Beispiel ein Buch ohne Vorvertrag schreiben. Wenn der/die E-Book Selfpublisher(in) einen professionellen Anspruch hat, dann beschäftigt er/sie vielleicht eine(n) freie(n) Lektor(in), und freie Lektoren wollen natürlich auch bezahlt werden. Aber auch dies ist eine Investition, die man sich dann über die Preiskalkulation des E-Books wieder hereinholt. Der große Unterschied zu Print-Selfpublishern ist, dass die E-Book-Selfpublisher nicht einem Dienstleister Hunderte und Tausende Euro in den Rachen werfen, damit dieser gnädig ihr Buch verlegt. Sie investieren in die Qualität ihrer Arbeit, sie geben dem Vermarkter einen fairen Anteil jedes verkauften Buches – das ist, meiner Ansicht nach, alles seriös, nur eben ein anderer Vermarktungsweg als meiner. Das hängt aber vor allem damit zusammen dass ich, PR-Mann hin oder her, ein ganz schlechter Vertriebler bin, und sehr dankbar dafür, dass jemand (mein Verlag) mir diese ganze Nummer abnimmt und auch noch das Lektorat für mich zahlt.

Und seit Ende letzten Jahres ist es zunehmend so, dass die Leser von E-Books auf Qualität achten, nicht nur, was die Geschichte, sondern auch was Stil, Grammatik und Ortographie angeht. Das kann den guten E-Book-Autoren nur recht sein. Natürlich gibt es auch die, die einfach nicht gut schreiben können und/oder keine guten Geschichten haben und jetzt schon wieder schimpfen, weil die dummen/bösen Leser/E-Book-Vermarkter/anderen Schriftsteller sie nicht reich machen. Und manche verlagsgebundene Schriftsteller sehen den Erfolg dieses Vanillebondagebuches als Beweis für die Unseriösität dieses Marktes. Na ja, seien wir ehrlich – Mist zu Hauf gibt es auch auf Papier.

Ich habe nur eine Bitte an die E-Book Selfpublisher:

Verschenkt Eure Bücher nicht!* Beteiligt Euch nicht an 0-Euro Marketingaktionen. Bietet keine ganzen Romane für 99 cent an (einzelne Kurzgeschichten und Novellen sind etwas anderes). Konterkariert nicht Eure Arbeit und die Grundlage des ganzen Standes, dem auch Ihr angehört, in dem Ihr signalisiert: „Eigentlich ist es ja doch nichts wert.“ Gebt denen, die Eure Bücher cracken und reich werden, indem sie Eure Arbeit kostenlos verteilen, keine Argumente. Indem Ihr Eure Preise fair und ohne Selbstausbeutung kalkuliert und Eure Investitionen wieder reinholt, werdet Ihr immer noch preiswerter sein als wir, die wir Print verlegen, und dagegen ist nichts einzuwenden – Ihr habt eben eine Station weniger in der Wertschöpfungskette, dafür müssen wir uns weniger um Marketing und Vertrieb kümmern, weil das unsere Verlage machen.

Ich hänge an meinen Printbüchern, für mich ist uns bleibt der Weg über den Verlag mein Königsweg. Aber heute sind meist beide Modelle seriös. Und beide verlangen Selbstachtung.

*Also – nicht massenhaft. Presse, Familie, Recherchehelfer etc. sind etwas anderes. 😉

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schreckenbergschreibt: Es ist kein verdammtes HOBBY!

Fall 1:

„Guten Tag, was sind Sie denn von Beruf?“

„Ich bin Landschaftsgärtner.“

„Oh das trifft sich gut. Ich möchte Sie einladen, in unserem Park einen Teich anzulegen. Eine Bezahlung gibt es natürlich nicht, und Sie würden sich verpflichten, 100 Eintrittskarten für den Park abzunehmen – selbstverständlich zum Vorzugspreis für Mitgestalter. Die dürfen Sie gerne zum handelsüblichen Preis weiterverkaufen, da machen Sie doch einen guten Schnitt. Und Werbung für Sie ist es außerdem. Na, was sagen Sie?

Fall 2:

„Hallo, schön, dass ich Dich treffe, was machst Du denn jetzt so?“

„Ich bin immer noch Möbelschreiner. Außerdem habe ich gemerkt, dass es mir Freude macht, aus dem Holz auch so kleine Figuren zu machen, Spielzeugtiere, Schachspiele. Das ist ein hübsches Zusatzgeschäft, die Leute mögen das. Na ja, und da meine Frau besser verdient als ich, kümmere ich mich auch um die Kinder, wenn sie nach Hause kommen – Sportvereine, kochen, all das.“

„Du bist also gar kein professioneller Möbelschreiner?“

„Öhm… doch.“

„Aber das mit den Figuren, das ist ein Hobby.“

„Nein, das mache ich schon professionell, ich verkaufe die über Spielwarengeschäfte… das macht zwar Spaß, aber Hobby ist anders.“

„Aber zwei Berufe und dann auch noch Teilzeithausmann – Du musst Dich doch entscheiden!“

„Warum?“

„Weil wir in Deutschland leben!“

Fall 3

„Hallo, sind Sie nicht XYZ, der Konzertpianist?“

„Ja, bin ich.“

„Ich finde Ihr Spiel ganz großartig.“

„Danke, freut mich sehr, wenn es Ihnen gefällt.“

„Da wir uns hier gerade treffen – ich bin Vorsitzender des Vereins „Die wilden Kulturbeutel“, wir veranstalten Konzerte in unserer Stadthalle. Wir würden Sie gerne für ein Klavierkonzert in der kommenden Saison buchen. Ich bin allerdings nicht sicher, ob wir etwas bezahlen können. Wenn der ABCKonzern uns wieder sponsort, dann sicher. Sonst nicht. Und die Anfahrt können wir auch nicht übernehmen, das müssen Sie verstehen, das machen wir nie. Aber andererseits – es hören ja immer weniger Menschen klassische Musik, und wäre das nicht eine tolle Werbung… hallo? Hallo, bleiben Sie doch hier, warten Sie doch…“

WTF???

Als Schriftsteller muss ich mich immer wieder damit auseinandersetzen, dass am Ende einer interessanten Anthologieausschreibung steht, dass die Leute, die von mir eine Kurzgeschichte wollen, um die in ein Buch zu packen, das sie dann verkaufen möchten, verlangen, dass ich eine festgeschriebene Anzahl von Exemplaren des Buches KAUFE, wenn ich in die Anthologie komme. Die wollen also nicht mich dafür bezahlen, dass sie Geld mit meiner Arbeit machen dürfen, sondern verlangen noch, dass ich die Früchte meines eigenen Schaffens von ihnen kaufe. Hm… nein, will ich nicht. Da drucke ich mir die Geschichte lieber gleich hier zu Hause aus und werfe mir dafür ein paar Euro in die Urlaubsspardose. Das ist zwar blödsinnig und Papierverschwendung, aber immerhin habe ich so noch etwas davon. Und wenn ich das dann in meinen Blog schreibe, ist das ja auch eine tolle Werbung. Irgendwie.

Fall 3 entspricht natürlich der allseits beliebten, unbezahlten Lesung. Ist doch tolle Werb… NEIN!!! IST ES, VERDAMMT NOCHMAL, NICHT! Ich signalisiere damit nur, dass ich meine eigene Arbeit (als Autor und als Vortragender) so gering schätze, dass ich sie verschenke. Ich schätze meine Arbeit aber nicht gering, und ich packe verdammt viel Zeit darein, also will ich Geld sehen. Wer das Geld an sich abschaffen will, hat mich auf seiner Seite. Aber so lange das noch nicht durchgesetzt ist, schreibe ich Rechnungen bzw. Quittungen.

Es gibt Ausnahmen. Es gibt gute Zwecke, für die ich honorarfrei lese oder schreibe (und was ein guter Zweck ist bestimme in diesem Falle ICH, nicht der Veranstalter, nicht ein Leser, nicht ein Kollege). Es gibt sehr reizvolle Preise, um die ich mich auch bewerbe, wenn noch nicht klar ist, ob aus der Ausschreibung eine Anthologie hervorgeht und wenn ja, zu welchen Bedingungen. Es gibt kostenlose Küchentischlesungen vor Partys bei mir zu Hause oder im Kreis befreundeter Autorinnen und Autoren. Aber das sind eben – Ausnahmen.

Und damit kommen wir zu Fall 2, der besonders prickelnd ist. Einerseits gibt es Autorinnen und Autoren, die das Glück haben, ausschließlich für ihre und/oder von ihrer Kunst leben zu können. Die haben vielleicht ein paar Bücher mehr auf dem Markt als ich, oder ein paar Bestseller gelandet, ein paar Filmrechte vertickt, sonstwie mehr Geld mit der Schriftstellerei verdient als ich. Ich gönne es ihnen sehr. ABER – ein paar (wenige aber laute) dieser Kolleginnen und Kollegen sprechen denen, die (noch) nicht so viel Glück hatten wie sie oder einfach nur noch nicht so lange im Geschäft sind, das Profitum ab. Und dagegen wehre ich mich dann ganz gerne. Nur weil ich nebenbei noch einen weiteren Beruf habe („Brotberuf“ nenne ich den nicht, was ich dann die Schriftstellerei? „Wasserjob“?), und die Kinder betreue bin ich nicht weniger professioneller Schriftsteller. Es kommt ja auch niemand auf die Idee, mich Hobby-PR-Berater zu nennen, nur weil viele Kollegen, die nicht nebenbei auch Profi-Schriftsteller sind, deutlich mehr Geld verdienen als ich.

Andererseits – und da schließt sich der Kreis – schreiben viele Menschen hobbymäßig. So wie auch viele Menschen als Hobby im Garten arbeiten. Es ist eine Frage des Anspruchs: Wer seine Geschichten schreibt, weil er oder sie eben gerne schreibt und ansonsten gar keine großen Ambitionen auf eine Leserschaft außerhalb des eigenen Familien- und Freundeskreises hat, der ist ein(e) Hobbyschriftsteller(in). Das sagt nichts über das Können, im Gegenteil. Ich bin sicher, so manches schriftstellerische Großtalent ist uns nie bekannt geworden, weil das betreffende Genie darauf gar keinen Wert legte – und seine Genialität daher auch nicht den Widrigkeiten der Verlagssuche und dem Schliff durch Lektoren unterwarf. Mein Anspruch ist aber (und war immer) ein anderer. Ich WILL Leserinnen und Leser, ich will meine Geschichten unter die Menschen bringen. Dafür arbeite ich (HART! Disziplinier schreiben ist schwer. Plotten macht wenig Spaß, Lektoratsmails abzuarbeiten gar keinen, um nur diese zu nennen), dafür bilde ich mich fort, dafür bin ich meinen Geschäftspartnern ein professioneller Widerpart.

Wir leben in einer Gesellschaft, die geistige Arbeit gerne geringschätzt, wenn an ihrem Ende nicht irgend ein Plan steht, nach dem man etwas bauen kann, Maschinen, Häuser, was weiß ich. Lehrer? Haben immer nur auf Schulen herum gehangen, wissen nichts von der Welt. Politiker? Die reden doch nur und füllen sich die eigene Tasche. Uniprofessorinnen, womöglich noch in Philosophie, Sozialwissenschaftlen oder Theologie? Braucht kein Mensch. Musiker, Bildhauer, Maler, Schriftsteller? KÜNSTLER??? Sollen ihr Hobby Hobby sein lassen und sich einen richtigen Job suchen. In dieser Geisteshaltung hat es eine parasitäre Freeloader- und Piratengesinnung, die uns das Recht und Eigentum an unserer Arbeit absprechen will, sehr leicht. Aber es ist genau andersherum. Wir waren schon da, als die ersten Menschen sich organisierten, sich gegenseitig ihre Kenntnisse weitergaben, ihren Geschichten Formen gaben. Keine Gesellschaft konnte je auf uns verzichten, keine wird es je können. Und wer glaubt, das könne jeder, der soll erst mal beweisen, dass er das Zeug dazu hat, so zu schreiben und zu erzählen, zu malen und zu fotografieren wie wir. Da wird es dann oft ganz schnell eng.

Dieses Selbstbewusstsein sollten wir leben und verteidigen – und dazu gehört auch, dass wir Geschichtenerzähler von den Jägern und Sammlern Essen für unsere Geschichten verlangen. Nur so sind wir ernst zu nehmen! Ach ja: Und wenn einer von uns außerdem ein passabler Jäger ist und sich deshalb nicht ganz so viele Geschichten ausdenkt wie die anderen – ist er trotzdem ein Geschichtenerzähler. 😉

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