schreckenbergschaut: FNHF Teil 8 – The Frighteners

Gestern habe ich mich von der CRIMINALE verabschiedet – vorerst. Ich bin ziemlich fest entschlossen, die CRIMINALE 2013 in Bern zu besuchen. Jetzt aber hat mich der Blogalltag wieder, und das bedeutet: Freitag = Zeit für den Freitagnachmittagshorrorfilm. Heute beschäftige ich mich mit einem Film der extremen Widersprüche, der in einem Genre anfängt, in einem anderen aufhört, dennoch gar nicht so daneben ist wie das klingt und der, wenn man den Gerüchten glauben darf, Grundlage für eine der größten Literaturverfilmungen der Geschichte war. Ich spreche natürlich von:

THE FRIGHTENERS
(Neuseeland / USA 1996)
Drehbuch: Fran Walsh und Peter Jackson
Regie: Peter Jackson

„Was?!!“ ruft da jemand. „Peter Jackson? Fran Walsh?? Und in der IMDB habe ich gerade gesehen, dass Michael J. Fox die Hauptrolle spielt? Das ist doch kein Freitagsnachmittagshorrorfilm, das ist…“

„…ein Freitagsnachmittagshorrorfilm, dochdoch.“ unterbreche ich. Denn das Team Walsh/Jackson hat nicht mit Werken wie „The Lord of the Rings“ oder „King Kong“ angefangen. Und perfekt sind die auch nicht, ich will ihnen die Elben in Helms Klamm oder  das Gruppenkuscheln der Hobbits in „Return of the King“ und die völlige Verfälschung des Tolkien-Buches am Schluss nicht einfach so verzeihen, auch wenn die Vorlagentreue in „Fellowship“ fast zum Weinen schön war (NEIN ICH HABE DEN DOOFEN TOM BOMBADIL NICHT VERMISST! Nur Hippies vermissen den!!! 😀 ). Äh… wo war ich? Ach ja – The Frighteners. Nicht perfekt, aber ein absolut sehenswerter Horrorfilm und – auch mangels Konkurrenz – ein Genrejuwel in den 1990ern. Worum geht’s?

Inhalt

Ex-Architekt Frank Bannister (Michael J. Fox) ist runtergekommen. Aber sowas von. Seine Frau ist bei einem Autounfall ums Leben gekommen, seither haust er in dem unfertigen Traumhaus, das er ihr bauen wollte. Immerhin hat einen Job, mit dem er sich über Wasser halten kann – Frank kann, seit er traumatisiert ist, Geister sehen und mit ihnen kommunizieren. Er hat sich zwei tote Freunde angelacht,verteilt – gerne auf Beerdigungen – seine Visitenkarte mit der er sich als Geisterjäger ausweist, und sorgt dafür, dass seine Kumpels kurz darauf bei den Empfängern ordentlich spuken, so dass die Akquise ebenso erfolgreich ist wie sie unsympathisch war. Der örtliche Kleinstadtsheriff ahnt zwar, dass da was faul ist, kann aber nichts nachweisen, wie auch – es spukt ja wirklich und Frank macht dem Spuk wirklich ein Ende.

Dann aber beginnen plötzlich reihenweise Menschen zu sterben – und immer ist in ihre Stirn eine Nummer eingeritzt, die blöderweise aber nur Frank sehen kann. Und das trifft ihn sehr persönlich, denn auch seine Frau trug eine solche Nummer. Frank bekommt es mit einem Geist von der ganz üblen Sorte zu tun – und mehr zu verraten hieße, zu spoilern.

Urteil

„The Fighteners“ ist ein guter, sehr gruseliger und spannender Horrorfilm. Die Geistergeschichte ist logisch durchdacht, gut fundiert, die Filmlogik hat keine nennenswerte Lücke. Die Antagonisten – lebend wie tot – sind wirklich böse und erschreckend. Und Frank ist ein sympathischer, vom Leben gebeutelter Kerl, dem wir nur zu sehr wünschen, dass er es schafft, der Gerechtigkeit zum Sieg zu verhelfen (unter den Lebenden wie den Toten) und mit seiner neuen Liebe Lucy in den Sonnenuntergang zu reiten. Ein guter Horrorfilm, wegen der verstörenden Bilder ist FSK 16 angemessen, die FSK 18 Wertung einer der Schnittfassungen finde ich übertrieben.

„The Frighteners“ ist eine leichte Horrorkomödie mit sympathischen Geistern und einem Michael J. Fox in bester Comedy-Form. Ray, der verblichene Mann von Franks neuer Liebe Lucy, ist einer der witzigsten Geister der neueren Filmgeschichte. Ein Spaß für die ganze Familie.

Ihr seht das Problem? Jackson und Walsh konnten sich nicht entscheiden, was für einen Film sie machen wollen, also haben sie gleich beide gemacht und zusammengebastelt. Das haut nicht wirklich hin, obwohl ich zugebe, dass „The Frighteners“ mit Sicherheit so gut ist, wie er unter den gegebenen Umständen sein kann. Der Schrecken ist im ersten (eher witzigen) Teil des Films schon angelegt, und der Humor ist im zweiten (gruseligen) Teil oft weniger unpassend als man glauben sollte. Dennoch – er hat eine Schieflage und er wird sie nie richtig los.

Unter solchen oder ähnlichen Umständen kann selbst ein eigentlich genialer Film nur ein sehr sehr guter Film sein – wie Hitchcocks „Psycho“. Robert Bloch hat mitten im Drehbuch die Hauptfigur gekillt, und danach gibt es keine Identifikationsfigur mehr (wer sich mit Norman Bates identifiziert sollte dringend mal einen Arzt aufsuchen). Nur ein Genie wie Hitchcock konnte diesen Film noch retten.

Jackson ist kein Hitchcock und „The Frighteners“ ist kein potentieller Geniestreich. Also wurde hier aus einem eigentlich sehr guten Horrorfilm ein immer noch absolut sehenswerter FNHF.

P.S.: Die Tricktechnik in diesem Film ist für die Verhältnisse der 1990er allerdings überragend. An der zuständigen Special-Effects-Firma, Weta Digital, ist Peter Jackson beteiligt. Nach den Arbeiten an „The Frighteners“, so Jackson in einem Interview (zu finden im Zusatzmaterial der Sammlerbox mit allen Schnittfassungen), standen die vielen Rechner, die Weta dafür benötigt hatte, herum und hatten sich noch nicht amortisiert. Und da fiel ihm ein, dass er ja schon immer mal dieses berühmte Fantasy-Buch verfilmen wollte, für das man sehr, sehr viel Tricktechnik benötigen würde…

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schreckenberglebt: Die Einsamkeit des Schriftstellers – zum letzten Mal CRIMINALE 2012

Donnerstag, 19 Uhr. Vor einer Woche saß ich im Auto, unterwegs nach Sundern-Enkhausen, um mir von Peter Godazgar im dortigen Heinrich-Lübke-Haus seine Kurzgeschichte „Jupp ante portas“ vorlesen zu lassen. Eine sehr gute Geschichte übrigens, Godazgar-typisch lustig, bis man dann im allerletzten Moment merkt, was da passiert. Ich werde nicht spoilern, ihr solltet sie lesen – es lohnt sich. Zu dem Zeitpunkt war ich immer noch nicht sicher, was diese CRIMINALE für mich bringen würde. Am Abend vorher hatte ich die Eröffnungsveranstaltung früh verlassen, vor allem des Wetters wegen (Heimfahrt bei Nacht und Regen im Sauerland – vielen Dank! Ich habe in diesen Tagen auch gelernt, dass ich, Bergisches Land hin, Zeeland her, doch ein Stadtmensch bin. Ich halte zum Beispiel sehr viel von Fahrbahnmarkierungen.), aber auch, weil ich mir fremd vorkam unter all diesen Leuten, die sich scheinbar so gut und lange kannten. Am Donnerstagmorgen war dann die Pressekonferenz zum Start der Initiative „Ja zum Urheberrecht“. Schon da kam ich mir nicht mehr ganz so fremd vor. Zum ersten mal konnte ich das spüren, was mir vorher alle über das Syndikat bzw. die CRIMINALE-Teilnehmer gesagt hatten: dass es eine echte Zusammengehörigkeit gibt, ein Gefühl der Kameradschaft und Gemeinschaft, das über alles, was man mit dem Begriff „Berufsverband“ verbindet, weit hinaus geht. Gut – in diesem Fall war das auch einfach. Gegen die Ichlinge die glauben, das Recht zu haben, Kunst kostenlos zu konsumieren, gegen die Vereinfacher, die den Unterschied zwischen Urheberrecht, Verwertungsrecht und Nutzungsrecht nicht einmal kennen aber einfach mal das Urheberrecht aushebeln wollen, gegen die faschistoiden Feinde der Kreativität, die die Existenz geistigen Eigentums schlicht leugnen, sitzen natürlich alle Schriftstellerinnen und Schriftsteller in einem Boot. Aber das ging weiter – am späteren Abend bejubelten wir in Arnsberg die neu gegründete Syndikats-Band „Hands Up! and the Shooting Stars“ mit meiner CRIMINALE-Patin Sandra Lüpkes als Frontfrau und meinem Bergischen Kollegen Oliver Buslau, der nicht nur Bratsche und Piano spielte, sondern zwischendurch auch aus seiner Kurzgeschichte „Im Keller“ (selbe Anthologie wie „Jupp…“) las. Es ist immer ein gutes Zeichen, wenn man mit der selben Gruppe Menschen gemeinsam kämpfen UND feiern kann.

Und es wurde immer besser und besser – bis ich am Ende so CRIMINALE-süchtig war, dass ich mir gewünscht hätte, sie wäre weiter gegangen, immer weiter, noch zwei Tage, noch eine Woche, noch einen Monat. Und das lag – so schön die waren – nicht an den Lesungen, weder an meiner eigenen noch an denen anderer, nicht an den Vorträgen oder Gemeinschaftserlebnissen wie der rituellen Betrauerung des FC Criminale (2:4 gegen die Damenmannschaft des SV Thülen, so jetzt ist es raus), nicht an der Gala anlässlich der Verleihung des Friedrich-Glauser Preises. Es lag an den Menschen.

Das letzte Mal, dass ich mich in einer großen Gruppe zunächst Fremder (mehr oder weniger) so wohl gefühlt habe kann ich genau benennen: Es war 2004, anlässlich eines mehrtägigen Treffens der Mitglieder einer Online-Literatengruppe. Wir waren alle jung, zwischen 16 und 35, glaube ich, und hatten alle unsere erste Veröffentlichung noch vor uns. Was uns einte war, dass wir alle schrieben – Prosa oder Lyrik – mit dem Wunsch, es professionell zu schaffen. Das Forum war nur ein kurzer Abschnitt in meinem Leben – verglichen mit anderen Abschnitten in den ich mit größeren Menschengruppen zu tun hatte, wie zum Beispiel Schulzeit oder Kampfkunst. Aber wenn ich heute jemanden aus dieser Zeit treffe, dann verbindet uns immer noch mehr, als mich mit den meisten meiner ehemaligen Mitschüler verbindet. Außerdem verdanke ich der kurzen Forumszeit meine engste Freundin.

Wieso diese spontane und enge Bindung unter Schreibenden? Gelten wir nicht als extrem eitles Völkchen, in dem jeder ein Star sein möchte? Doch, schon. Einen uneitlen Schriftsteller kann ich mir kaum vorstellen. Aber das Schreiben ist eben in aller Regel auch ein einsames Geschäft. Die Ideen, von denen Piraten und Konsorten glauben, sie seien nicht unser geistiges Eigentum, kommen eben nur uns und uns alleine, meine Figuren sprechen nur zu mir. Natürlich gibt es Schreibteams, unter Drehbuchautoren häufiger als unter Prosaautoren (und unter Lyrikern fast gar nicht). Aber auch in einem Team werden originäre Ideen zu einer gemeinsamen Geschichte verbunden. Und unter den Prosaschreibern sind die Teams auch, wie gesagt, eher die Ausnahme als die Regel. Wir schaffen und verändern ganze Welten, wir bewegen uns darin, wir fühlen und leben mit unseren Figuren und all das – allein. Und wenn wir dann unter Menschen gehen, wenn wir recherchieren oder mit unseren Verlagen planen oder für unsere Leser lesen, dann sind wir immer noch im Grunde alleine. Das ist absolut nicht schlecht! Ich lese sehr gerne und freue mich auf jedes Treffen mit meinen Lesern, was wäre ich ohne Leser? Und ich mag gute Recherchegespräche. Und die Treffen mit meinem Verleger, oft sehr familiär an seinem oder meinem Frühstückstisch, sind fast immer erfreuliche und fruchtbare Gespräche. Und natürlich ist es so, dass viele Leser auch selbst schreiben, ich habe sogar einen schreibenden Verleger. Aber das ändert nichts – in der Situation sind wir in unterschiedlichen Rollen.

Ich weiß, dass es Autorinnen und Autoren gibt, die genau das wollen. Ich aber bin für mein Leben gerne unter Schreibervolk. Da bin ich eben nicht anders. Da verstehen die Leute ohne viele Worte Dinge, die ich anderswo lange erklären muß oder gar nicht erst erwähne. Da merke ich plötzlich – um Peter Godazgars großartige Eröffnunsgrede von der CRIMINALE zu zitieren – dass es viele Menschen mit genau den selben seltsamen „Neigungen“ gibt, die ich auch habe. Da bin ich bei meinem Stamm – dem uralten und überaus edlen Stamm der Geschichtenerzähler. 😉 Wir können sehr gut gemeinsam eitel sein!

Aber was ist denn mit den Übereitlen, denen, die überall die Spitze sein wollen, andere (insbesondere auflagenschwächere) Schriftsteller als niederes Volk ansehen und beleidigt sind über jeden Preis, den sie nicht erhalten? Oh, die gibt es, und nicht zu knapp. Aber Ihr glaubt doch nicht im Ernst, dass die sich fünf Tage CRIMINALE antun! 😀

Die CRIMINALE 2012 ist Geschichte. Vor mir liegt – mit etwas Glück, der Verlag liest gerade – ein schriftstellerisches Projekt, das mir ungeheuer wichtig ist. Wenn es etwas wird, werde ich dem Krimi kurz den Rücken kehren, ich schreibe eben in mehreren Genres. Aber meine erste CRIMINALE wird nachbeben – ich habe Ideen für einige Kurzgeschichten, in einer davon werde ich meinen ersten Besuch am Sorpesee als Jugendlicher mit der CRIMINALE verquicken. Wahrscheinlich wird es eine Horrorgeschichte, aber ich bin so oft von Sundern nach Olsberg gefahren, dass ich unterwegs Ideen für eine ganze Anthologie gesammelt habe, Horror, Krimi, alles. Das Sauerland wird mich so bald nicht verlassen.

Und egal, ob mein nächstes Buch wieder ein Krimi wird oder erst mein Übernächstes – dem SYNDIKAT werde ich nicht den Rücken kehren. Das SYNDIKAT ist nicht Geschichte für mich – das fängt gerade erst an. 🙂

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schreckenberglebt: Hey! Hey! Glausersieger, Glausersieger! Hey! Hey! – CRIMINALE 2012

Wie inzwischen jedermann und jederfrau der/die diesen Blog regelmäßig verfolgt bekannt sein dürfte, war diese CRIMINALE voller Höhepunkte, für mich auf jeden Fall, für viele andere auch. Aber sie hatte natürlich auch einen offiziellen Höhepunkt – die festliche Verleihung des Friedrich-Glauser-Preises in den Sparten „Debut“, „Kurzkrimi“ und „Roman“, des Ehrenglausers an eine Persönlichkeit, die sich um den deutschsprachigen Krimi verdient gemacht hat und des Hansjörg-Martin-Preises für den besten Kinder- oder Jugendkrimi.

Es ist immer schwer zu bestimmen, welcher Preis „der wichtigste“ ist, der Kriterien lassen sich viele finden. Gehe ich also einmal von mir selbst aus -ich bin Krimiautor, und wenn die berühmte gute Fee mir anbieten würde, dass ich mir von allen Krimiliteraturpreisen deutscher Zunge einen aussuchen darf, ich würde mir den Friedrich-Glauser-Preis aussuchen (in der Sparte „Roman“, wenn schon denn schon, für’s Debut ist es eh zu spät 😀 ). Der Deutsche Krimi Preis zum Beispiel wäre sicherlich auch nicht zu verachten, aber für den Glauser sprächen folgende Gründe:

1.) Ich bekäme ihn von meinen Kollegen. Die Jurymitglieder sind jedes Jahr Mitglieder des Syndikats, und sagen wir es mal so: Jeder von denen möchte ihn auch irgendwann haben oder hat ihn schon bekommen. Ich kann also davon ausgehen, dass die Jury einerseits fachlich sehr kundig und kritisch ist, andererseits aber ähnlich denkt und fühlt wie ich. Ich hätte also das Gefühl, diesen Preis besonders verdient zu haben. Gut – im beschriebenen Fall hätte die Fee das irgendwie gedreht… 😉

2.) Ich bekäme diesen Preis in sehr festlichem Rahmen, vor den Augen und unter dem tosenden Beifall hunderter Kollegen (das mit der Fee wüssten die ja nicht) und danach gäbe es noch eine tolle Party. Geht es besser?

3.) Ich bekäme meinen eigenen Text von einem / einer renommierten Schauspieler(in) oder Sprecher(in) vorgelesen. Christian Brückner, in diesem Jahr. Habe ich je behauptet, ich sei uneitel? Wenn ja: Das war gelogen.

4.) Er ist dotiert. Ja, wie schon vorgestern gesagt – ich hoffe, ich ernüchtere Euch nicht allzusehr. Aber Geld stinkt nunmal nicht, und Geld, das einem für eine besonders gute Leistung unter dem Beifall der Kollegen zugestanden wird, erst recht nicht. Vielleicht müßte ich es im konkreten Fall mit der Fee teilen – aber da bleibt immer noch hübsch was übrig.

Für MICH ist also der Glauser der wichtigeste Preis im Bereich deutschsprachiger Kriminalliteratur.

Ich fand mich also, in Begleitung meiner holden Herrin, pünktlich in der Konzerthalle zu Olsberg ein. Ja, ich weiß wie das klingt. Aber wir sprechen hier vom Sauerland, wo Schützenvereine sich Paläste von der Größe eines mittleren Bahnhofs hinstellen (nein, das ist keine Übertreibung, sondern eine Beschreibung). Und ein Schützenverein hat bei der Halle auch irgendwie seine Finger mit drin, zumindest steht das draußen dran. Das machte also schon was her, dort. Drinnen gedämpftes Licht, freudige Erwartung in der Luft und am Tisch die bewährte Gesellschaft von Myriane Angelowski und Volker Streiter. Hin und wieder kam ein Herr an den Tisch, der dachte, die Veranstaltung sei die diesjährige Gala der Comedykellner und er sei der Stargast – aber er muss selbst wissen, welcher Gefahr er sich aussetzt, in einem Raum voller Leute, die Tag und Nacht Morde ausbrüten. 😉

Die Hauptpersonen waren aber selbstverständlich die Nominierten, und unter ihnen wiederum die Siegerinnen und Sieger:

Den Hansjörg-Martin Preis 2012 erhielt

Maja von Vogel

für ihren Roman „Nachtsplitter„. Am nächsten Tag besuchte ich die Lesung der Sieger in Brilon, für die Maja von Vogel leider abgesagt hatte. Ich kann also über diesen Roman nicht viel sagen, außer, dass ich alleine die Inhaltsangabe faszinierend finde und des Buch schon aufgrund dessen gerne lesen würde.

Den Friedrich-Glauser Preis 2012 in der Kategorie „Debut“ erhielt

Lena Avanzini

für ihren Roman „Tod in Innsbruck„. Da kommt also diese sehr freundlich-zurückhaltende Dame zur Siegerlesung und liest aus einem Roman mit einem Titel der… hm… sagen wir unspektakulärer kaum sein könnte. Und was lernen wir daraus? It’s the story, stupid! Denn was die Dame da liest, diese kurze Ausschnitt, ist packend. Oh, diese Bilder! Ah, diese Sprache! Und hui, diese geschickt und überraschend geknüpften Bögen! Was immer Lena Avanzini noch schreibt, und sei es „Tod in Hannover“ – lesen!

Den Friedrich-Glauser Preis 2012 in der Kategorie „Kurzkrimi“ erhielt

Nina George

für ihre Kurzgeschichte „Das Spiel ihres Lebens“, erschienen in der Anthologie „Scharf geschossen„. Gut – hier fehlen mir die Worte. Ich könnte Ninas erzählerische Kraft preisen, ihre Fähigkeit, mit zwei Sätzen eine komplette Welt inklusive aller Sinneseindrücke zu schaffen, aber es würde dieser Geschichte, die ich inzwischen ganz gelesen habe, alles nicht gerecht. Lest sie, und wappnet Euer Herz vorher. Ja, Herz. Es ist so eine Geschichte.

Den Friedrich-Glauser Preis 2012 in der Kategorie „Roman“ erhielt

Michael Theurillat

für seinen Roman „Rütlischwur„. Michael Theurillat ist, nach eigenem Bekunden, in dem festen Wissen in die Krimiszene gekommen, dass er niemals einen Preis gewinnen werde, da man Bankern eben keine Preise verleihe. Tja… und nun das. Aber vielleicht gelten für Schweizer Banker ja auch andere Gesetze. 😉 Ich kenne seinen Roman (noch!) nicht, aber das kleine Stück, dass er vorgelesen hat, macht, dass ich das schleunigst ändern will. Wenn der ganze Roman so ist – ein überaus würdiger Preisträger.

Den Friedrich-Glauser-Ehrenpreis der Autoren 2012 erhielt

Thomas Przybilka

für besondere Verdienste um die deutschsprachige Kriminalliteratur. Da ich neu in der Krimiwelt bin kannte ich ihn bisher nicht, daher empfehle ich Euch, die Begründung der Jury zu lesen.

Die Lesung der Sieger am nächsten Tag wurde noch gewürzt durch die Tatsache, dass zumindest Nina und Michael Theurillat sehr viel Feier und sehr wenig Schlaf gehabt hatten. Lena Avanzini hat die Party (wie auch ich) entweder etwas früher verlassen oder ist einfach hartgesottener als die beiden anderen. 😉 Ich muss der Fee jedenfalls dringend sagen, dass, wenn sie mir den Glauser verschafft, sie mich bitte auch mit der Standfestigkeit einer Nina George und dem Timbre eines Michael Theurillat ausrüsten soll. Sonst wird das alles nix.

Allen Preisträgern auch von hieraus nochmal: GANZ HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH UND HÖCHSTE ANERKENNUNG!

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schreckenbergliest: Check ‚em out! – CRIMINALE 2012

Das ist mein allererster Beitrag in der Kategorie „schreckenbergliest“ sehe ich gerade. Asche auf mein Haupt. Der große Stephen King schrieb einmal: „If you don’t have the time to read, you don’t have the time or tools to write.“ Recht hat er. Und ich lese viel zu wenig. Andererseits habe ich das Lesen durchaus nicht ganz eingestellt und Stephen King behauptet ja nicht, dass man alles, was man liest, auch noch rezensieren müsse. Dennoch – ich gelobe Besserung und fange gleich mal damit an:

Es gibt nichts Blöderes, als Bücher danach zu beurteilen, ob man die Autoren persönlich mag oder nicht. Daher will ich Euch jetzt mal ein paar Autorinnen und Autoren vorstellen, die ich auf der CRIMINALE kennen gelernt habe und die ich seither sehr mag. 😀 Fünf werden das sein, von genau einer davon habe ich schon einen Roman und eine Kurzgeschichte gelesen. Von einem zwei Kurzgeschichten, von einem einen Romananfang, von zweien noch gar nichts. Das ist doch eine super Grundlage für Empfehlungen! Nein, im Ernst – ich werde Euch in keinem Fall Bücher empfehlen, das kommt später, WENN ich sie gelesen habe. Ich möchte Euch einfach einladen, die Webpräsenzen dieser angenehmen Menschen zu besuchen, Euch ein wenig umzutun, einen Eindruck zu gewinnen, ob das ein(e) Autor(in) für Euch sein könnte. Für all die schöne Zeit die ich mit ihnen hatte, haben sie sich das mindestens verdient. Und das ist außerdem ja MEIN Blog. ICH mache die Regeln hier. 😉 Alsdann:

Sandra Lüpkes
„Boah“, höre ich die Ersten stöhnen, „nicht schon wieder Sandra Lüpkes. Seit Tagen vertaggt und verlinkt der die hier in jedem Artikel, was soll das, will der die heiraten?“ Und Sandra runzelt vermutlich auch schon die Stirn, wenn mein Blog mal wieder in ihren Google-Alerts aufploppt. Schweigt still, Ihr Nörgler! Selbstverständlich will ich sie nicht heiraten, ich kenne sie ja erst seit letztem Mittwoch. Und ihr Ehemann wäre vermutlich dagegen. Und meine Ehefrau. Und sie selbst. Was aber nichts daran ändert, dass mir selten eine Fremde mit soviel spontaner Freundlichkeit, Warmherzigkeit und Hilfsbereitschaft entgegengetreten ist, also SCHAUT EUCH SCHON IHRE HOMEPAGE AN! Außerdem kann ich ich in diesem Falle auch die Texte beurteilen – ich kenne Sandras Roman „Taubenkrieg“ und ihre Kurzgeschichte „Letzte Ausfahrt Ochsenkopf„. Mir haben beide gut gefallen, eine Rezension von  „Taubenkrieg“ in dieser Rubrik hier ist fest geplant. Da sie in diesen beiden Texten eine große Variationsbreite in Stil und Sprache beweist, kann ich nicht sagen, ob sie exemplarisch für ihre Romane und Kurzgeschichten sind. Gut singen kann sie außerdem. Und Trompete spielen. Wahrscheinlich auch malen und bildhauern. Verdammtes Multitalent. 😉

Oliver Buslau
Ja, spart Euch den Kalauer, Oliver werde ich auch nicht heiraten. Außerdem habe ich ihn nicht ganz so oft erwähnt wie Sandra. Aber dafür war er ja auch nicht meine Padrina, sondern einfach ein sehr feiner Kerl, der mir geholfen hat wo er nur konnte. Und ein verdammtes Multitalent (NOCH so einer) ist er außerdem. Bratsche, Klavier… pft. Wer braucht das. 😀
Oliver Buslau ist, wenn es das gibt, der Star unter den Bergischen Autoren, am längsten dabei und mit dem kontinuierlichsten Erfolg, denke ich. Ich kenne zwei Kurzgeschichten von ihm, „Im Keller“ ist in der selben Anthologie erschienen wie Sandras „Letzte Ausfahrt…“, „Rosen für die Nordbahntrasse“ befindet sich in einer Kurzgeschichtensammlung mit meinem „Schneesturm“. „Rosen…“ ist die einzige Kurzgeschichte um Olivers Ermittler Remigius Rott, der sonst nur in seinen Romanen auftaucht. Ich ätze ja im privaten Kreis gerne mal gegen Regio-Krimis, in denen jeder Straßenname genannt ist und jeder Baum stimmt, denen dafür aber die Geschichte abhanden kommt. Nun, Oliver nennt sehr gerne Straßennamen und die Bäume sind vermutlich auch alle richtig (überprüft habe ich es nicht). Nur – seine Geschichten sind auch gut. Bodenständig aber intelligent, witzig aber nicht albern – wer mal einen echten Regio-Krimi mit einer guten Geschichte lesen will, ist mit einer Kurzgeschichte von Oliver Buslau bestens bedient – und vermutlich auch mit seinen Romanen.

Volker Streiter
Volker war – wie ich selbst und wie auch die beiden noch folgenden Autorinnen – Debutant auf der CRIMINALE. Sein erster Roman – „Fressen ihn die Raben“ – erschien im Januar 2011. Menschen, die sich entscheiden, cool sein zu wollen, wären vermutlich gerne so, wie Volker Streiter mir von Natur aus vorkommt. Wir haben uns gleich am ersten Abend kennen gelernt und er erzählte mir von seiner Inspiration zu diesem Roman – wie er bei der Hütte saß, die im Buch eine Rolle spielt und auf den See schaute und wie plötzlich die Idee zum Krimi da war. Sowas passiert mir ja auch gerne mal, zuletzt leider nicht an einem idyllischen Urlaubsort sondern im Auto auf dem Weg zum Einkaufen. Aber die Muse küsst halt jeden so, wie er es verdient. Und da ein Polizist wahrscheinlich jeden Tag mehr gute Taten vollbringt als ein PR-Berater in einem Monat… tja. 😉
Ich habe gerade 20 Seiten in „Fressen ihn die Raben“ hineingelesen, kann also noch nicht viel dazu sagen (kommt später, versprochen, auch in dieser Rubrik). Aber eins ist schonmal klar – der Mann kann Sprache. Seine Art zu erzählen, Bilder zu malen, sein Erzähltempo – all das spricht mich sehr an. Es scheint zu der Landschaft zu passen (Alpen) in der das alles spielt, zumindest stelle ich sie mir so vor. Da war ich ja noch nie. Das blöde an den Alpen ist eben, dass sie so weit vom Meer entfernt sind. Jetzt bin ich auf die Geschichte gespannt, die er da erzählt.

Myriane Angelowski
Fast hätte ich Myriane verpasst. Was eine verdammte Schande gewesen wäre. Aber was turnt die auch von Anfang an so selbstbewußt über die CRIMINALE, da erkennt man die Mitdebutantin ja gar nicht. Und beim Treffen der Neuen war sie auch nicht. Tststs…
Gottlob setzte ich mich zum Mittagessen am Samstag mit ihr an einen Tisch, so lernten wir uns kennen. Und da derselbe Gott offenbar an diesem Tag in der Laune war, mich mit dem dicken Löffel zu beschenken, stellte sich beim Abendessen heraus, dass sie sich schon zuvor mit Volker angefreundet hatte. Und da Volker und ich uns ja auch schon kannten saßen wir, zupp, zu Viert am Tisch (meine Liebste war auch zugegen) und verbrachten den Rest des Abends inklusive Verleihung des Friedrich-Glauser-Preises (mehr dazu morgen) gemeinsam.
Warum breite ich unsere Kennenlerngeschichte hier so aus? Nun ja, weil ich Myriane eben mag, zu ihren Geschichten aber nichts sagen kann, weil ich… öhm… noch keine davon gelesen habe. Gewollt hätte ich ja, gekonnt habe ich aber nicht, da sie ihr aktuelles Buch „Der Werwolf von Köln“ nicht in größerer Zahl mitgenommen hat. Wo gibt’s denn sowas? Wo man doch weiß, dass gerade die Menschen im Sauerland einen dauernd auf der Straße anquatschen: „Hasse ma’n Roman?“ Und tauschen kann man so auch nicht. Na egal, jetzt schuldet sie mir was. Und sobald ich es habe, werde ich es gierig lesen – und Euch hier vorstellen. Myriane hält ziemlich viele Lesungen, ich werde wohl einfach mal vorbeigehen und mir was vorlesen lassen. Solltet Ihr auch tun.

Regina Schleheck
Ich glaube, es war Oliver Buslau, der uns zusammenführte. Das muss um die Zeit gewesen sein, als Oliver sich entschloss, dem Elend ein Ende zu machen, die Worte „Ich stell Dich mal vor!“, sprach und genau das tat, mit jedem, der sich näherte. 🙂 Unter anderem auch mit Regina. Sie stellte sich als die geheimnisvolle „andere“ Leverkusener Krimiautorin heraus – ihr Buch „Klappe zu – Balg tot“ erschien immer, wenn ich Leverkusener Krimis googelte oder amazonte, nur war mir der Name noch unbekannt und bei meinem Talent mit Namen vergaß ich ihn auch dauernd (was ich mit so ziemlich allen Namen mache außer meinem eigenen – ziemlich doof, man interessiert sich für die Menschen, ist aber nicht in der Lage, ihre Namen zu behalten, was die Kontaktaufnahme erschwert). Nun – ich werde ihn nicht mehr vergessen, denn Regina ist a) krachend sympathisch, hat b) die lange verschollene Lieblings-Sci-Fi-Serie meiner großen Tochter neu verhörspielt (Regina, ich habe es Dir prophezeit: Sie ist im  Bett GESPRUNGEN bis sich den Kopf gestoßen hat! :-D) und c) gleich am Eröffnungsabend mal einen Kürzestkrimipreis gewonnen und damit gezeigt, wo Bartel den Most holt (Was macht Bartel eigentlich immer mit dem Most?).

Fünf Menschen, Autorinnen und Autoren, Kolleginnen und Kollegen, die eine Menge damit zu tun haben, dass ich mich innerlich immer noch nicht von dieser CRIMINALE lösen will. Danke! 🙂

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schreckenbergschreibt: Wie eine Lesung sein sollte – CRIMINALE 2012

Zuerst und vor allem:

SAUERLAND! Höre mich an! ERST blinken, DANN bremsen!

Das brannte mir auf der Seele. Zum Thema:

Wie ihr festgestellt haben werdet, habe ich mich nach dem 26. April nicht mehr von der CRIMINALE gemeldet. Das lag vor allem an der CRIMINALE selbst. Wenn ich damit beschäftigt bin, mich bei Lesungen grandioser Kollegen herumzutreiben, selbst zu lesen, Vorträge zu besuchen, die anderen Newbees kennen zu lernen, mich mit dem Syndikat vollzuversammeln, bei der Verleihung des deutschen Krimi-Oskars den Preisgekrönten zuzujubeln, dem FC Criminale beim Ver… beim Unter… beim Zusamm… beim tapferen Kampf gegen widrigste Umstände (Gegner zum Beispiel) zuzusehen, zu tanzen, sehr sympathische neue Bekannte von denen der/die eine oder andere womöglich eines Tages Freunde werden könnten zu finden und zur Musik der weltbesten Krimiautorenundautorinnenband zu rocken, sorry, dann kann ich nicht auch noch regelmäßig bloggen. Ich werde also in den nächsten Tagen nicht mehr von der (denn sie ist vorbei, alas, alas), sondern über die CRIMINALE 2012 berichten. Und mein Thema heute sind:

Lesungen

Kennt Ihr dieses Lied von Udo Lindenberg? Club der Millionäre? Da gibt es eine Textzeile, in der es um die Möglichkeiten geht, Millionär zu werden: „(…) oder Schriftsteller vielleicht, oder’n Lottogewinn (…)“.

Viele Leute glauben daran. Die Wirklichkeit sieht so aus: Von den ca. 25.000 professionellen Schriftstellerinnen und Schriftstellern in Deutschland ( professionell = unter professionellen Bedingungen von einem seriösen Verlag verlegt, es bedeutet NICHT hauptberuflich) bekommen die Top Ten ca. 41 % (Ja, Einundvierzig. Da fehlt kein Komma.) der jährlichen Gesamteinnahmen aller 25.000. Soviel zum Club der Millionäre.

Die Idee, dass wir Schriftsteller an unseren Schreibtischen sitzen und abwechselnd Geschichten schreiben und versuchen, die vielen riesigen Zahlen auf unseren Kontoauszügen zu verstehen, ist also falsch. Lesungen gehören zum Beispiel zu unseren regelmäßigen zusätzlichen Einnahmequellen. Für manche ist das ein hartes Los, sie lesen nicht gerne. Für mich nicht. Ich LIEBE Lesungen. Vor allem, wenn sie so ablaufen wie meine Lesung mit Sandra Lüpkes und Karin Schickinger am vergangenen Freitag im Rahmen der CRIMINALE.  Ich möchte anhand dieser Lesung einmal aufdröseln, wie eine gute Lesung sein sollte:

1.) Alle Beteiligten sind gut vorbereitet

Das ist so verdammt wichtig! Und mit „Beteiligte“ meine ich nicht das Publikum – das sollte sich auf einer Krimilesung nicht unbedingt wundern, dass Krimis gelesen werden, darf sich aber ansonsten gerne überraschen lassen. Bei Schullesungen ist das etwas anderes, aber die sind ein Sonderfall. Nein, ich meine vor allem Gastgeber und – aufgemerkt – die Autoren. In unserem Fall gab es auf der Gastgeberseite das Kulturbüro der Stadt Sundern und die Firma Capristo Exhaust, in deren Räumern wir lasen. Da ich nicht weiß, ob die beteiligten Personen ihren Namen gerne in meinem Blog lesen möchten, werde ich sie weiterhin als „Das Kulturbüro“ und „Firma Capristo“ bezeichnen – aber das waren echte, engagierte und freundliche Menschen. 🙂 Das Kulturbüro also hatte sich anhand unserer Homepages vorbereitet, moderierte uns kurz an, ließ uns aber auch noch Raum für einige eigene Worte. Die Firma Capristo freute sich offensichtlich, uns zu Gast zu haben und hatte den Leseraum ebenso gut vorbereitet wie ein kleines Rahmenprogramm. Wer von beiden für das Catering zuständig war weiß ich nicht, aber es gab üppig Getränke und Knabberkram für das Publikum und für uns Brötchenplatten. Ich weiss von Kollegen, die bei einer Gourmetlesung (mit Abendessen) ihr Essen selbst bezahlen sollten. Nicht so hier. Ich hätte mich – vor, nach oder während der Lesung – auch locker ins Koma fressen können. Das allerdings wäre unprofessionell gewesen und damit wären wir bei unserem Part:

Wir lasen sehr unterschiedliche Passagen. Ich hatte den Anfang der Träumer stark eingedampft (unter anderem ein ganzes Kapitel -2 – weggelassen) und konnte so in den mir zustehenden 20 Minuten vom Beginn des Prologes bis zum ersten Auftauchen Glasers lesen. Karin las einige Passagen aus ihrem aktuellen Krimi und stellte so die wichtigsten Figuren vor. Sandra las eine komplette Kurzgeschichte, die sie für die CRIMINALE-Anthologie geschrieben hatte, und die in just dem Raum ihren Ausgang nahm, in dem wir nun auftraten. Schon im Vorfeld hatte sie, als federführende Autorin, die Organisation übernommen, sich mit Karin und mir einerseits und Kulturbüro und Capristo andererseits abgestimmt. Alles war gut vorbereitet und organisiert.

2.) Die Öffentlichkeitsarbeit im Vorfeld stimmt

Ich weiß, dass es auch anders sein kann – ich habe schon vor zwei Leuten gelesen. Und auch ein Festival wie dieses ist kein Selbstläufer. Ich war als Festivalteilnehmer in Sundern, nicht als PR-Berater, darum habe ich mich gar nicht dafür interessiert, wie die PR im Vorfeld gelaufen war. Offenbar gut -die Lesung war gut besucht, und es waren die richtigen Leute da. Niemand sprang auf und verließ schimpfend den Saal, niemand rief „Das kann man Jerry Cotton nicht antun!“ oder sowas. 😉 Okay – es waren drei Kinder anwesend (keine allzu Kleinen), aber selbst da hatte man uns vorher gefragt, was für Texte wir lesen und die Eltern konnten einschätzen, was sie ihren Sprösslingen zumuten.

3.) Die Lesung hat einen Spannungsbogen

Der ergab sich hier von selbst, dadurch, dass Sandra ihre (übrigens sehr lesens- bzw. hörenswerten) Geschichte, die für diesen Anlass und diesen Ort geschrieben war, zum Schluß las. Es muss ja nicht schwer sein, einen Spannungsbogen zu erzeugen. Aber da sein sollte er. 😉

4.) Der Funke springt über

Tja, das liegt bei uns. Er sprang, denke ich. 🙂

5.) Es gibt Geld

Na, ernüchtert? Ich hoffe nicht. Aber es ist so, Leute, wie oben gesagt – wenn ich zum Bäcker gehe und Brötchen kaufe, dann will der Geld sehen. Mit dem Vorschlag, ihm statt dessen eine spannende Geschichte zu erzählen, brauche ich nicht zu kommen. Also möchte auch ich für meine Arbeit Geld sehen – von ganz speziellen Promo-Terminen oder guten Zwecken oder meinen privaten Küchentischlesungen für gute Freunde mal abgesehen. Hier gab es Geld. Es stank, wie erwartet, nicht.

Dazu stimmte bei dieser Lesung noch ein Punkt, der nicht notwendig ist, den ich aber mag:

6.) Lesen im Team

Gut – alleine lesen schmeichelt dem Ego. Eine Stunde oder länger stehe ICH mit MEINEN Geschichten alleine im Mittelpunkt. Das kann ganz hübsch aufpumpen. Aber eine Lesung hat viel mit einem Konzert gemein, und ein gutes Team auf der Lesebühne ist wie eine gute Band. Das muss nicht einmal ein Autorenteam sein – eine meiner absoluten Lieblingslesungen war eine Lesung mit Whisky-Tasting. Ich las Single-Malt-Texte (wer mich kennt wird sich nicht wundern, dass ich das komplett mit eigenen Texten bestreiten konnte :-D), ein Malt-Experte leitete die Verkostung und sprach über den guten Stoff. Wir konnten uns die Bälle wunderbar zuspielen, es war ein grandiose Nacht. Auch an die Lesungen mit Daniel Juhr und Stefan „Plastikbechergott“ Melneczuk erinnere ich mich mit viel Freude. Im Team zu lesen macht Spaß. Das war hier nicht anders.

Ein schöner Abend war das. Und meine Zeit, was war ich vorher nervös – wie ein leuchtend grüner Leseanfänger. Die erste Lesung für das Syndikat – das ist schon was. Schließlich wollte ich ja nicht mit Betonschuhen im Sorpesee landen. Aber da ich itzt hier sitze und schreibe mußte sich meine Patin wohl nicht beim Don beklagen. 😀

Und jetzt würde ich gerne von Euch wissen – was erwartet IHR von einer guten Lesung?

 

 

 

 

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