schreckenberglebt: Die Liste der Bekenntnisse – Teil 4

Heute ist Pokerabend, und in zwei Stunden sitze ich am Tisch und kenne keine Freunde mehr, nur noch Karten und Chips. Da sich das lange hinziehen kann und ich Euch heute aber auch wieder Bekenntnisse liefern will, schreibe ich nun:

Day One: Ten things you want to say to ten different people right now.
Day Two: Nine things about yourself.
Day Three: Eight ways to win your heart.
Day Four: Seven things that cross your mind a lot.

Ich werde die ersten fünf Dinge als Fragen formulieren – denn es sind Fragen, die ich mir oft und/oder schon lange stelle. Seltsamerweise sind es zum Großteil Fragen, auf die eine Antwort zu finden unmöglich ist, was mich aber nicht weiter stört. Ich spiele mit ihnen und den möglichen Konsequenzen verschiedener Antworten.

1.) Kann es sein, dass ich gerade erst zu existieren begonnen habe?
Dass meine gesamten Erinnerungen künstlich sind? Oder – verwandter Gedanken – dass ich jeden Morgen als ein anderer aufwache, komplett mit allen Erfahrungen und Erinnerungen, und daher nicht weiß und niemals wissen kann, dass dies mein erster und letzter Tag als Michael Schreckenberg ist und ich morgen jemand völlig anderer bin und übermorgen, und… Dieser Gedanke ängstigt mich, da ich ganz gerne ich bin. Andererseits – morgen habe ich womöglich schon ganz andere Probleme.

2.) Wie real sind meine Figuren?
Dazu habe ich hier schon einmal einiges geschrieben. Die Frage ist vor allem: Bin ich realer als meine Figuren, oder bin ich womöglich auch nur eine Figur, nur eine Ebene höher?

3.) Was wäre, wenn diese oder jene Begebenheit in der Geschichte anders gelaufen wäre?
Manche von Euch wissen vielleicht, dass ich Geschichte studiert habe – aus Neigung. Die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Geschichte hat meine Begeisterung für die völlig unwissenschaftlichen Gedankenexperimente alternativer Entwicklungen nicht geschmälert, sondern befeuert. Ich habe vor, die eine oder andere Geschichte zu diesem Thema zu schreiben, es ist ein sehr spannendes und sehr weites Feld. Allerdings gibt es nichts peinlicheres als schlecht recherchierte Alternativweltgeschichten, also werde ich da arbeiten müssen.

4.) Existiert Zeit?
Eigentlich bin ich davon überzeugt, dass Zeit nicht existiert sondern nur eine notwendige Ordnungsfunktion unseres Verstandes ist.  Aber das ist so schwer vorzustellen…

5.) Wie kann ich mich dazu bringen, disziplinierter zu sein?
Ja, ich gebe zu, das ist profan, verglichen mit den anderen Fragen. Trotzdem – eine Antwort würde mir sehr weiterhelfen. Ich fürchte aber, ich werde eher herausfinden, ob Zeit wirklich existiert.

6.) Meine Abgründe. Das, was ich an mir fürchte und alles was mir hilft, das Ding in seinem Käfig zu halten.

7.) Sex. 😉

Day Five: Six things you wish you’d never done.
Day Six: Five people who mean a lot (in no order whatsoever)
Day Seven: Four turn offs.
Day Eight: Three turn ons.
Day Nine: Two smileys that describe your life right now.
Day Ten: One confession.

Meine Freundin Sarah hat mich angeregt, mich mit dieser Liste zu beschäftigen. Worüber sie oft nachdenkt lest Ihr hier.

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schreckenbergschaut: Karnickelschlitten

Wie gestern angekündigt, hier meine Meinung zu dem langen Film, in dem ein Kaninchenschlitten vorkommt und der mich den ganzen frühen Abend über vom Bloggen abhielt. Ich meine natürlich:

Der Hobbit – Teil 1, Eine unerwartete Reise

Drehbuch: Fran Walsh, Philippa Boyens, Peter Jackson, Guillermo del Toro
Regie: Peter Jackson

Ich schreibe diesmal keine formale Filmkritik nach dem üblichen Aufbau, den Ihr aus der Rubrik „schreckenbergschaut“ und von den FNHF (nein, die sind nicht tot, sie schlafen nur sehr fest) kennt. Ich stehe noch sehr unter dem Eindruck des Films und schreibe diese Eindrücke einfach mal auf. Dabei schreibe ich vor allem für Leute, die – wie ich – die „Herr der Ringe“ Filmtrilogie kennen und auch Kenner der Bücher Tolkiens sind, der gesamten Mythologie, inklusive Silmarillon, der Nachrichten aus Mittelerde und all der Randgeschichten. Da Walsh und Jackson den Hobbitfilm ganz eindeutig – von kontinuierlichen Schauspielern bis hin zur Musik – als Teil eines gemeinsamen Filmuniversums mit den HDR-Filmen ansehen denke ich, dass dieser Ansatz angemessen ist. Ich bezweifle, dass Zuschauer, die die HDR-Filmtrilogie nicht kennen (und auch die Bücher nicht) den ersten „Hobbit“ wirklich verstehen können und es würde mich wirklich mal interessieren, was so jemand von dem Film hält.

(ACHTUNG: Das Folgende enthält einige SPOILER. Aber keine, die Kennern des Buches den Filmgenuss verderben werden)

Mir selbst hat er gefallen. Es ist wichtig, dass ich das gleich zu Anfang feststelle, denn ich werde in der Folge recht hart mit ihm ins Gericht gehen. Und ich weiß nicht, ob er mir auch gefallen hätte, wenn ich nicht so ein großer Fan der Mythologie Tolkiens und auch der ersten beiden Ring-Filme von Jackson und Walsh wäre. Aber alleine die Tatsache, dass ich wieder zurück darf in dieses phantastische Mittelerde, das Jackson da bildgewaltig geschaffen hat, dass ich diese Architektur und diese Kostüme und diese Wesen und Monster wiedersehen darf, dazu noch das wirklich brillante Spiel von Martin Freeman als Bilbo, der mit Gewalt in die Liga meiner Lieblingsschauspieler drängt (ich fand ihn schon als Arthur Dent und als Dr. Watson großartig)… das ist schon schön, das sehe ich mir gerne auch drei Stunden lang an und da freue ich mich auch gespannt auf die nächsten beiden Teile. Alles in allem allem also ein gelungener Kinobesuch. Und ich freue mich, Euch bei dieser Gelegenheit das kleine Kino bei mir um die Ecke empfehlen zu können. Die neuen Projektoren setzen die  48-fps-Technik wirklich toll um, wer braucht da noch 3D?

Der Film ist überall dort gut, wo er sich an die Buchvorlage hält. Besonders die Zwergeninvasion in Bilbos Höhle und der Rätselkampf mit Gollum haben mir sehr gut gefallen, auch wenn die Rätselei etwas kurz geraten war und ich mit Gollums gespaltener Persönlichkeit nicht so zurecht komme. Wohlgemerkt: Als Drehbuchkniff ist das gut, war es auch schon in den HDR-Filmen, und Andy Serkis (bzw. sein digitales Ich) bringt das auch sehr gut rüber. Dennoch – Gollum ist nicht persönlichkeitsgespalten, sein magisch/psychisches Problem ist, dass er etwas Böses (den Ring) in seine Persönlichkeit integriert hat, ihn so sehr als Teil seiner selbst (oder sich als Teil des Rings) versteht, dass es ihn zu Grunde richtet. In den Herr der Ringe Filmen war das noch deutlich, hier nicht mehr. Geschickt eingebaut und toll umgesetzt wiederum fand ich die Vorgeschichte Thorins in Erebor. Das hat mir sehr gut gefallen. Und bezaubernd ist natürlich der Moment, in dem Frodo, das Buch in der Hand, sich von Bilbo verabschiedet, um sich genau unter den Baum zu setzen und zu lesen, unter dem wir ihn dann zu Beginn von „Die Gefährten“ wiedertreffen werden. Das freut das Fan-Herz. 🙂

ABER! Aber! Aber! Es ist wie schon in der HDR-Verfilmung: Wenn Fran Walsh beim Drehbuch zu sehr von der Vorlage abweicht, dann wird es kritisch. Ich sage nur: Elben in Helm’s Deep, Faramir der Böse, Gruppenkuscheln der Hobbits und die nicht stattgefundene Befreiung des Auenlandes. Um nur die wichtigsten Punkte zu nennen. Brrrr.

Hier ist es nicht anders. Die Familienfehde Thorins mit Azog ist überflüssig wie nur was – es sei denn, man braucht noch Material, um den Film zu verlängern. Braucht man aber nicht, ich wäre auch mit zwei Stunden zufrieden gewesen. Und wenn es denn schon unbedingt sein muss, warum dann nicht Azog im Schattenbachtal sterben lassen (wie in Tolkiens Geschichte) und seinem Sohn Bolg (der im Hobbit wirklich vorkommt) eine etwas wichtigere Rolle geben? Aber nein – es muss der bleiche, verstümmelte „Schänder“ sein.

Aber der weiße, vernarbte Riesenorg Azog (der Moby Dick Mittelerdes?) ist nur ein kleines Ärgernis. Viel ärgerlicher fand ich die Veränderung von Bilbos Rolle. Im Buch ist er – immerhin als Meisterdieb angeheuert – vor allem listenreich und gewinnt so den Respekt der Zwerge. Diese Facette entfällt im Film fast völlig. Bilbo trickst die Trolle nicht aus bis es Tag wird, er verwickelt sie nur kurz in ein Gespräch, bis Gandalf mal wieder den Retter gibt, den Stein spaltet und die Sonne rein lässt. Auch der Rätselkampf mit Gollum erscheint eher wie ein zufälliges Spiel, als wie ein altehrwürdiges (wenn auch spielerisches) Ritual des geistigen Kräftemessens, das er im Buch ist. Statt dessen erkämpft sich Bilbo Thorins Bewunderung letztlich, in dem er einen Org tacklet (von dem er, rein massemäßig, eigentlich abprallen müsste) und danach furios mit dem Schwert dreinhaut. Ja, ja, alles nett, aber das kann eben jeder Zwerg besser und Mut haben die auch. Dafür hätte es Bilbo nicht gebraucht. Es ist schade, dass der listige Trickster hier zugunsten eines Minikriegers entfällt.

Tja – muss ich noch irgendwas zu Radagast sagen, dem Meister des Karnickelschlittens und Igelretters? Was soll das sein, Comic-Relief? Oder ein Schmankerl für die Zielgruppe der Vier- bis Achtjährigen, ein wenig Disney in Mittelerde? Sorry, Peter Jackson, aber ich werde meine dreijährige Nichte trotz der niedlichen Igelrettung nicht mit in diesen Film nehmen, die Warge, Azog und Thrors herumfliegender Schädel könnten die Kleine ein wenig verstören.
Fran Walsh, die uns Radagast, immerhin einer der Istari, hier als vogelkackebeschmierten Einfaltspinsel präsentiert, macht sich damit Sarumans Urteil zu eigen. Der macht sich in der Buchvorlage zum Herrn der Ringe ziemlich gehässig über diesen Natur- und Tierfreund lustig. Wir sehen Radagast nicht durch die Augen seines Freundes Gandalf oder der Elben, die ihn schätzen – wir sehen ihn als genau den Trottel, der er in Sarumans Augen ist. Und diese hochnotpeinliche Karnickelschlitten-Verfolgungsjagd ist noch überflüssiger als Azog, das Monster mit der eingebauten Gartenkralle.

Aber am meisten stört mich etwas, das mich schon in den HDR-Filmen gestört hat, und das leider kaum jemand bemerkt. Ich liebe nunmal das Silmarillon mehr als den Hobbit oder den Herrn der Ringe.  Und da stört es mich gewaltig, dass in Jacksons Filmen aus Galadriel, dieser 20.000 Jahre alten Kriegerprinzessin, die zu Fuß die Helcaraxe überquert  hat und mit Feanors Söhnen geritten ist, die nuschelnde, dauergrinsende Vorsitzende einer elbischen Hippiekommune wird.
Aber so beeindruckend Galadriel auch ist: Sie steht in Tolkiens Mythenwelt weit unter Gandalf. Denn Gandalf ist ein Maia, einer der Istari – also eine niedere Gottheit, von Manwe persönlich auserwählt, um in Mittelerde nach dem Rechten zu sehen. Und so einer beugt vor einer Elbin das Haupt, wie im Hobbit-Film? Von Radagast – ein Maia wie Gandalf – will ich gar nicht nochmal anfangen.
Wie gesagt, den Meisten wird das nicht auffallen, mich stört es profund.

Dennoch – und das stimmt zum Schluss versöhnlich: Auch wenn ich in einer gewissen Furcht davor lebe, dass Jackson mir Beorn in den kommenden Filmen womöglich als eine Art Papa-Bär präsentiert oder das Bilbo Smaug mit dem Schwerte erschlägt und hernach in seinem Blut badet, so konnten mir all die oben angeführten Schwächen den Genuss des Films nicht wirklich verderben. Wie gesagt: Ich habe ihn gern gesehen und ich freue mich auf Teil zwei. Und wenn ich das sagen kann, trotz des Karnickelschlittens und allem, dann muss der Rest doch ziemlich gut gewesen sein.

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schreckenberglebt: Die Liste der Bekenntnisse – Teil 3

Hallo! Ich weiß, es ist schon spät, aber heute war ich im Kino und habe einen recht langen Film gesehen. Ich werde später darüber schreiben – ich sage nur: „Karnickelschlitten“ – aber jetzt geht es erstmal weiter mit der Liste der Bekenntnisse. Punkt 8 – es wird spannend. Für mich jedenfalls, werden mir acht Wege mein Herz zu erobern einfallen? Mal sehen…

Day One: Ten things you want to say to ten different people right now.
Day Two: Nine things about yourself.
Day Three: Eight ways to win your heart.

1.) Sei begeisterungsfähig. Sei in der Lage, Dich über etwas, für etwas, mit etwas wie ein Kind zu freuen. Ich freue mich gerne mit.

2.) Direkt damit in Zusammenhang: Zeig mir etwas Neues, zeige mir, warum Du etwas schön, begeisternd, berührend findest, das ich nicht kenne oder das ich kenne aber nicht besonders mag. Zeige mir Deine Sicht der Welt.

3.) Sei offen, sei bereit, Dich auch von mir für Dinge und Menschen begeistern zu lassen, die ich liebe. Und wenn Du meine Begeisterung nicht teilen kannst – toleriere sie.

4.) Sei mitleidig, tolerant und sparsam mit Urteilen.

5.) Um es mit Stephen King zu sagen: Be brave, be true, stand. Stand for your family, your friends.

6.) Humor ist extrem wichtig.

7.) Sei bereit, Dir von mir helfen zu lassen, wenn Du Hilfe brauchst.

8.) Erzähl mir von Dir.

Day Four: Seven things that cross your mind a lot.
Day Five: Six things you wish you’d never done.
Day Six: Five people who mean a lot (in no order whatsoever)
Day Seven: Four turn offs.
Day Eight: Three turn ons.
Day Nine: Two smileys that describe your life right now.
Day Ten: One confession.

Wenn Ihr nicht mein Herz gewinnen wollt, sondern das von Sarah, die mich zur Abarbeitung dieser Liste angeregt hat: Das geht so.

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schreckenbergschreibt: Die Liste der Bekenntnisse – Teil 2

Gestern habe ich begonnen, diese Liste abzuarbeiten, und heute schon soll ich neun Dinge über mich erzählen. Nun gut… da dies hier doch (mit weiten Abschweifungen wie Weihnachtsgeschenketipps, Filmrezensionen und Musik) der Blog eines Schriftstellers ist, werde ich – nicht nur aber vor allem – Dinge aufschreiben, die mit meinem Schreiben zu tun haben.

Day One: Ten things you want to say to ten different people right now.
Day Two: Nine things about yourself.

1.) Ich bin nicht zufällig Schriftsteller. Geschichten zu erzählen, Geschichtenwelten in mir wachsen zu lassen ist einer meiner ältesten und tiefsten Triebe. Dabei habe ich immer schon zu der Sorte Geschichtenerzähler gehört, deren Geschichten beim  Erzählen wachsen. Meine Mutter hat bis heute ein Trauma von diesem langen Familienspaziergang um irgendeine Talsperre, ich muss damals so um die sechs Jahre alt gewesen sein. Ich hatte begonnen, ihr eine Geschichte über Dinosaurier zu erzählen, und da es ihr immer wichtig war, mich in meiner Spinnerei zu fördern, konnte sie mich nicht auffordern, einfach den Mund zu halten. Sie konnte aber auch nicht weggehen oder die Wanderung verkürzen – wir waren so abseits der Zivilisation wie man im doch sehr zivilisierten Rheinisch Bergischen Land nur sein kann. Und die Geschichte wuchs und wuchs… Mein Vater kümmerte sich derweil wahrscheinlich um meine kleine Schwester, jedenfalls kam niemand um sie zu retten. Sie berichtet heute noch davon. 😀
Inzwischen bin ich ein wenig älter und habe gelernt, Geschichten zu planen, besonders Krimis und Drehbücher. Aber es gibt auch immer noch Geschichten, bei denen ich zu Beginn nur den Anfang und ein paar Wegmarken kenne, manchmal bin ich mir sogar über das Ende nicht sicher. Der Finder und Sergej sind so entstanden.

2.) Ich verliebe mich in meine Figuren. Ganz besonders heftig war es bei Erin aus „Sergej“ und Esther aus dem „Finder„, etwas abgeschwächt bei Kat aus dem „Ruf“ und Linda aus den „Träumern„. Natürlich bleibt diese Liebe unerfüllt – was nur fair ist, denn immerhin bin ich ihnen gegenüber allmächtig, und ein solches Gefälle ist ungesund für eine Beziehung. Fragt mal die ganzen Gespielinnen von Zeus. Aber abgesehen davon, dass wir nicht einmal ein Date oder ein nettes Gespräch haben, von allem anderen ganz zu schweigen – hormonmäßig ist alles da. Und damit meine ich die Hormone, die Verliebte zu matschköpfigen, asozialen Wesen machen. Es kann durchaus vorkommen, dass ich stundenlang blöde bin, weil ich an nichts anderes denken kann als an Erin. Oder dass ich aggressiv auf Störungen reagiere wenn ich schreibe, nicht nur, weil ich konzentriert sein muss, sondern auch, weil ich mit Esther alleine sein möchte. Meine Umwelt ist gottlob tolerant. Und meine Leserinnen und Leser mögen diese Frauenfiguren meist ganz gerne, also ist es nicht zum Schaden der Geschichte.

3.) Ich gehöre zu den religiösen Künstlern, ich glaube an ein(e/n) Gott. Witzigerweise beziehe ich die philosophisch-theoretische Rechtfertigung dafür von Kant, der bewiesen hat, dass man über die Wirklichkeit an sich aufgrund menschlicher Erkenntnisfähigkeit keine gültigen Aussagen machen kann. Manche Gläubigen empfinden das als unglaubliche Provokation, weil es jeden Gottesbeweis von vorneherein als Humbug enttarnt. Ich persönlich empfinde es als Befreiung, weil es jede Gotteswiederlegung ebenfalls als Humbug enttarnt. Wir dürfen glauben oder nicht glauben, so lange wir Menschen sind. Ist das nicht schön? Wenn jetzt alle einsehen würden, dass Überzeugungsversuche mit Gewalt erst recht sinnlos sind, dann wäre die Welt ein ganzes Stück niedlicher.
Was hat das aber mit meiner Schriftstellerei zu tun? Zwei Dinge: Zum einen weiß ich nicht, wo meine Ideen herkommen. Ich würde nicht behaupten, dass sie von Gott kommen, denn das würde Gott zu einem ziemlichen Freak stempeln, aber… von mir kommen sie auch nicht, jedenfalls nicht völlig.
Zum anderen musste sich eine Politikerin in der Weihnachtszeit Schmähungen anhören, weil sie Gott kein Geschlecht zuschreiben will. Geschmäht wurde sie von Politikern, denen Jesus persönlich Gott als Mann offenbart hat. Ich staune sehr. Ich ringe um mein Gottesbild, ich habe wirklich keine Ahnung, wer oder was ER/SIE/ES ist, und in Bayern kennt man wahrscheinlich sogar die Schuhgröße. Beeindruckend. Aber immerhin habe ich ein ganz gutes Gleichnis für Gott. Denn was ER für mich ist, das bin ich für die Figuren meiner Geschichten. Ich habe mich hier schon einmal darüber ausgelassen. Aber was immer mir meine Figuren in ihrem Zorn und ihrer Verzweiflung zurecht an den Kopf werfen – ich bin nicht gleichgültig. Ich hoffe, ER ist es auch nicht.

4.) Ich kann mir Gesichter nicht merken und wenn doch, dann nur durch lange Übung oder sehr große Nähe. Es ist blöd – und es bringt mich immer wieder in peinliche Situationen. (Also seid mir bitte nicht böse, wenn wir uns schon einmal gesehen habe und ich Euch nicht wiedererkenne.) Das gilt auch für meine Figuren. Daniel, Esther, Bastian, Linda, Michael, selbst Sergej und natürlich alle Nebenfiguren sind für mich zumindest sehr verschwommen. Das ist nicht so schlimm wie es sich anhört, denn dadurch komme ich nicht in Versuchung, die Gesichter zu beschreiben. Und Leserinnen und Leser schätzen es, wenn sie sich eine eigene Vorstellung machen dürfen. Interessanterweise gibt es drei Ausnahmen: Lara aus dem „Finder“ sowie Erin und Recha aus „Sergej“ haben deutliche Gesichter.

5.) Alle Träume in „Die Träumer“ sind echte Träume, die mir passiert sind, mit Ausnahme der erotischen Szenen und des Gartens, durch den Bastian immer gehen muss (der ist aus einem anderen Roman von mir).

6.) Es gibt eine Art Geschichte, die sich seit Jahrzehnten vor meinem inneren Auge abspielt, in ruhigen Momenten. Sie ist nicht schlimm oder schön und – abgesehen davon, dass sie mit einem Krieg zu tun hat – auch nicht besonders dramatisch oder spannend, sie eignet sich nicht für eine Erzählung. Aber sie schreitet über die Jahre sehr langsam fort, und immer, wenn es weiter geht, bin ich überrascht. Es ist auch nicht so, dass ich mich vor dem Ende dieser Geschichte fürchten würde oder dass ich besonders gespannt darauf wäre, wie es weiter geht. So wäre es, wenn es eine Geschichte wäre, die man gut erzählen kann, was sie, wie gesagt, nicht ist. Ich frage mich nur, was das soll.

7.) Ich kann Stimmungen spüren, manchmal sogar in leeren Räumen, wenn die Menschen, die diese Stimmungen haben, noch nicht oder nicht mehr da sind. Und ich kann diese komische Gabe nie nutzen, weil ich ihr nicht vertrauen kann (obwohl sie mich noch nie im Stich gelassen hat). Blöder Fluch, das. Aber ich bin sowieso ein sehr, sehr misstrauischer Mensch, warum sollte ich mir selbst trauen? 😉

8.) Ich schreibe wahnsinnig gerne, aber die erste Seite macht mir Angst. Klassisches Klischee. Ich schiebe den Anfang einer neuen Geschichte ewig vor mir her, mache lieber Entwürfe und Recherchen und suche schonmal die Musik raus… Keine Ahnung warum. Wenn ich dann endlich angefangen habe, dann ist das Problem weg, und zwar in der Regel für den ganzen Rest der Geschichte, sei sie eine Kurzgeschichte oder ein Roman.

9.) Wenn ich wählen dürfte, ob die Nachwelt meinen Namen und meine Person in Erinnerung behält oder meine Geschichten (mit dem Zusatz „unbekannter Verfasser“ oder so), dann würde ich die Geschichten wählen.

Day Three: Eight ways to win your heart.
Day Four: Seven things that cross your mind a lot.
Day Five: Six things you wish you’d never done.
Day Six: Five people who mean a lot (in no order whatsoever)
Day Seven: Four turn offs.
Day Eight: Three turn ons.
Day Nine: Two smileys that describe your life right now.
Day Ten: One confession.

Meine Freundin Sarah Wassermair gab mir den Anstoß zu dieser Liste und hat sie selbst auch bearbeitet. Ihre Antworten auf die 9 findet Ihr hier.

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schreckenberglebt: Ein Raum mit vielen Türen und die Liste der Bekenntnisse – Teil 1

So, da sind wir also – im Jahr 2013.

Stellt es Euch als einen Raum vor, einen Raum mit vielen Türen. Wenn alles gut geht, ist unser Raum ein Dreihundertfünfundsechzigstel eines Gebäudes, dass wir in einem Jahr alle gesund und munter wieder verlassen werden. Natürlich sieht Euer Raum anders aus als der meine. Meiner ist warm und gemütlich, gute Freunde und liebe Menschen sind darin, mit denen ich in den vergangenen 20 Stunden und 50 Minuten schon vieles erlebt habe, Lustiges, Schönes und Erschreckendes. Ich fühle mich in diesem Raum – nennen wir ihn 01-01 – ziemlich wohl und ich möchte ihn eigentlich gar nicht verlassen, aber ich weiß: In etwas mehr als vier Stunden kicken die mich hier raus und ich kann nicht wieder zurück. So ist das, wenn man Zeit zwangsläufig nur linear erfahren kann.

Der Raum hat, wie gesagt, viele Türen aber ich kann nur eine nehmen. Und heute ist sehr klar, welche ich nehmen werde. Die Tür „setz Dich ins Auto und fahre so lange, dass Du den nächsten Morgen am Meer erlebst“ zum Beispiel KLINGT zwar vielversprechend, aber es regnet, und da sind Texte zu schreiben, morgen Mails zu beantworten, Dinge, die ich morgen hier an diesem Schreibtisch tun muss. Ich werde also eine der langweiligen Türen nehmen, die dazu führen, dass ich hier morgen höchstwahrscheinlich höchstlangweilig mein Tagwerk erledige. Aber, wer weiß…

Welche Tür nehmt Ihr? Mit dem großen Gebäude 2013, dass es zu erkunden gilt und mit dem 2012, das ich gerade verlassen haben, mit meinen Erfahrungen und Erwartungen, werde ich mich morgen oder übermorgen beschäftigen.

Heute will ich aber mit etwas anderem beginnen. Ich will heute und an den zehn folgenden Tagen eine Liste bearbeiten. Erstens, weil ich es Sarah, die diese Liste ihn ihrem Blog zehn Tage lang zum Thema gemacht hat, versprochen habe (und ich werde ihren jeweiligen Artikel zum Vergleich verlinken). Zweitens, weil ich Listen generell mag und diese hier ganz besonders charmant finde. Und Drittens, weil ich Euch auf die Art Gelegenheit gebe, etwas mehr über den Mann hinter dem Blog und hinter den Büchern zu erfahren – ohne allzuviel zu verraten. 😉 Here we go:

Day One: Ten things you want to say to ten different people right now.

Da steht nicht, dass ich sagen muss, zu wem ich diese Dinge sagen möchte, also werde ich darüber schweigen. Wer etwas zu wissen glaubt, darf sich aber gerne äußern. 😉 Ich werde KEINE fiktiven Gedanken einstreuen, obwohl ein Satz wie: „Nein, die Filmrechte am Finder sind noch nicht vergeben, wenden Sie sich an meinen Verlag – aber ich kann Ihnen jetzt schon sagen, auf Basis dieses Angebotes werden wir uns schnell einig.“ natürlich extrem verlockend wäre. Aber das wäre gepfuscht.

1.) Entspann Dich, sei optimistisch. Das wird.

2.) Danke! Mehr davon!

3.) Danke! Alles wieder gut?

4.) Ich bin stolz auf Dich.

5.) Ich bin stolz auf Dich.

6.) Ich bin stolz auf Dich.

7.) Ich vermisse Dich.

8.) Was war eigentlich los?

9.) Ja!

10.) Darauf freue ich mich.

Sarahs Antworten findet Ihr hier.

Und so geht’s weiter:

Day Two: Nine things about yourself.
Day Three: Eight ways to win your heart.
Day Four: Seven things that cross your mind a lot.
Day Five: Six things you wish you’d never done.
Day Six: Five people who mean a lot (in no order whatsoever)
Day Seven: Four turn offs.
Day Eight: Three turn ons.
Day Nine: Two smileys that describe your life right now.
Day Ten: One confession.

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