schreckenberglebt: Levliest 2013 Teil 3 (bzw. Teil 5 und 6) – Toleranz, Dankbarkeit und eine Art Bilanz

Und hui, ist es Mittwoch, der 1. Mai und Levliest 2013 ist schon wieder Geschichte. Leider. Zwei Jahre soll das jetzt dauern, bis es wieder so weit ist? Na gut, ich sehe ein, Leverkusen ist eine Stadt mit klammen Kassen, also besser alle zwei Jahre ein schönes, fettes Lesefestival als jedes Jahr ein mageres. Aber nur bis der Reichtum ausbricht! Danach will ich jedes Jahr ein Levliest. Möglichst gut eingepasst zwischen Criminale und Fantasy Filmfest, okay? Danke! 🙂

Von zwei Veranstaltungen will ich noch berichten und mich dann an eine über die Maßen subjektive Bilanz wagen. Ich habe ja bereits geschrieben, dass für den Montagabend drei Alterntiven auf meinem Zettel standen. Entschieden habe ich mich schließlich (schweren Herzens) gegen Peggy O. und auch gegen das Bayer04 Fanprojekt und für die Lesung im Türkisch-Islamischen Kulturzentrum.

Veranstalter war das Arbeitsforum Interkultureller Dialog, eine sehr nützliche Einrichtung, die immer mal wieder Diskussions- und Informationsveranstaltungen mit Vertretern verschiedener Religionen hier in Leverkusen organisiert. Wir fanden uns also ein in einem ebenso großen wie heimeligen Raum neben der türkischen Moschee: Teppiche, Sitzkissen, gepolsterte Bänke, niedrige Tische, Gebäck und Wasser, später, in der Pause, Tee. Es wird ja gerne behauptet, dass unter den Völkern die Deutschen die Erfinder der Gemütlichkeit sind. Unter den Religionen sind es bestimmt die Moslems, zu mindest nach den Grenzen meiner Erfahrung, die diverse christliche Versammlungsräume und Gotteshäuser ebenso einschließt wie Synagogen, buddhistische Tempel und Zen-Dojos. 😀 Der gemütliche Raum war trotz seiner Größe erfreulich gut gefüllt, trotz des etwas sperrigen Mottos und der versteckten Lage des Kulturzentrums.

Das Motto war „Herzlich Willkommen – wer immer Du bist“. Vier Geistliche* – je zwei islamische und zwei christliche – lasen aus Texten, die für sie zu diesem Motto passten, und die unterschiedlicher kaum hätten sein können. Drei haben mir gut gefallen und ich habe sie mit Gewinn gehört: Ein Kapitel aus einem politikwissenschaftlichen Artikel des Reformsalafisten  Tariq Ramadan, einen Text des islamischen Mystikers Rumi und ein kurzes Stück aus den Selbstbelehrungen Mark Aurels

Ich habe hier schon einmal etwas über meinen persönlichen Glauben angedeutet und ich will niemanden groß damit langweilen, daher in aller Kürze: Ich bin gläubig, gleichzeitig bin ich aber davon überzeugt, dass sich Glaube mit etwas beschäftigt, das jenseits der von Immanuel Kant endgültig definierten Grenze des rein-a-priorischen Denkens liegt, also außerhalb der Grenzen unserer Erkenntnisfähigkeit. Von daher bin ich immer etwas irritiert, wenn ich andere Gläubige von „Gottesbeweisen“ und „Glaubensgewissheiten“ sprechen höre. Da kann man nichts beweisen und gewiss ist auch nichts. Ebenso bizarr finde ich diese verbissene Form des Atheismus, die die Nichtexistenz Gottes beweisen zu können glaubt oder – noch lustiger – glaubt, die Wahrscheinlichkeit dieser Nichtexistenz ausrechnen zu können. Meine Sichtweise zwingt mich zur Toleranz: Da ich nichts beweisen kann und niemand mir etwas widerlegen kann muss ich jeden tolerieren der etwas anders als ich glaubt oder nicht-glaubt, so lange er mich in Ruhe das glauben lässt, was ich glaube.

Dies vorausgeschickt wird natürlich klar, dass dem Mystizismus meine besondere Sympathie gehört, egal, ob er christlich, buddhistisch, jüdisch oder eben islamisch daher kommt – Mystiker wollen nicht beweisen sondern erfahren und bedienen sich, wenn sie ihre Erfahrungen und Erkenntnisse weitergeben, dazu meist noch einer sehr schönen und machtvollen Sprache, das gilt auch für Rumi. Mark Aurel wiederum ist nun alles andere als ein Mystiker, aber einer meiner absoluten Lieblingsethiker. Den höre ich so gerne wie ich ihn lese. Tariq Ramadan kannte ich bisher nur dem Namen nach, sein Text war ebenfalls interessant und hörenswert.

Und dann Text Nummer Vier. Gut – ich gebe zu, wer mit Martin Walser kommt hat es schwer bei mir, und das ist sicher – zumindest teilweise – Geschmacksache. Aber muss man an einem Abend und unter diesem Motto wirklich einen klar antikatholischen und in der Tendenz atheistischen Text lesen? Ich bin ganz froh, dass ich nicht mehr der Atheist bin, der ich viele Jahre war. So war es für mich einfach eine Übung in Demut und Toleranz, das interessiert zu ertragen. Als Atheist aber hätte ich es ehrlich als Anmaßung empfunden, das ausgerechnet der Geistliche einer christlichen Kirche meine Position einnimmt – wie inkonsequent kann man sein?

Ungeachtet dessen war das ein sehr lohnender, angenehmer und gewinnbringender Abend – und wieder VÖLLIG anders als alles, was ich in den Tagen vorher gesehen und gehört hatte.

Gestern dann endete Levliest, für mich mit meiner zweiten eigenen Lesung. Ich las in der Schlebuscher Geschäftsstelle der Stadbibliothek aus meinem neuen Roman „Der wandernde Krieg – Sergej„. Das Publikum war überschaubar aber immer noch zufriedenstellende groß – und es war ein TOLLES Publikum. Dass ich gut genug lesen kann, um eine Gruppe Menschen eine Weile in meinen Bann zu ziehen, das weiß ich. Aber es ist schön zu spüren, wie diese Menschen mitgehen. Für einen Vorleser ist das immer etwas subtiler als für, sagen wir, einen Rockmusiker. Bei mir tanzt keiner, und Unterwäsche flog auch noch nie über den Lesetisch, dennoch – in der Ruhe gibt es eine Spannung und es ist gut, wenn man die spüren kann. Und wenn sich danach, in der entspannten Phase, dann auch noch gute Gespräche ergeben, umso besser.

Besonders gefreut hat mich, dass gestern viele Mitarbeiterinnen und ein Mitarbeiter der Stadtbibliothek im Publikum saßen. Das sind nicht nur einfach die Buchprofis – obwohl das schon reichen würde, um stolz zu sein. Aber man muss wissen, dass es Agid Jumpertz war, Lektorin für Belletristik in der Bibiotheks-Hauptstelle in Wiesdorf, die Levliest vor Jahren überhaupt erst erfunden und mit viel Engagement ins Leben gerufen hat. Seither ist das Team der Stadtbibliothek mit seiner Leiterin Lucia Werder einer der (wenn nicht DER) Motor(en) dieser großartigen Veranstaltung, der all den Initiativen und Unternehmen, Kulturschaffenden und auch uns Autoren ein gutes Stück Energie gibt. Und das von denen dann gleich eine ganze Gruppe zu meiner Lesung aufläuft – das schmeichelt.  🙂

Also – Levliest 2013 war ein Gewinn für mich, auch wenn ich zweimal gegen Borussia Dortmund und die Champions League antreten musste. Vom Beginn- an dem ich zum ersten Mal als Teil des Teams Schleheck-Wilbertz-Linker-Schreckenberg las, ein Team, das auf keinen Fall ein One-Night-Read bleiben sollte, bis zum Ende in Schlebusch war jede Veranstaltung ein Gewinn, geistig sowieso, aber auch wegen der bezaubernden Menschen, die ich wiedergesehen und kennengelernt habe.

Kritik habe ich eigentlich nur in einem einzigen Punkt – und da weiß ich nicht einmal, wen die Kritik trifft. Vielleicht ist das sogar der Kern des Problems. Denn die mediale Reichweite, das Image und der Bekanntheitsgrad von Levliest bleiben sehr hinter dem zurück, was das Festival verdient hätte. Das Problem liegt in der Öffentlichkeitsarbeit.Die Pressestelle der Stadt hat vermutlich viele andere Aufgaben, die an der Organisation beteiligten Stellen in Bibliothek und Kulturbüro sowieso und das Geld ist knapp, in unserer Stadt, so dermaßen knapp. Von Steuermoral und Großunternehmen fange ich jetzt mal gar nicht an. Immerhin hat eine der beiden großen Tageszeitungen für Ort eine tägliche Levliest-Seite geführt. Wenn beim nächsten Mal dann noch die Vorberichterstattung etwas anzieht und es gelingt, mehr örtliche Medien anzufixen… der PR-Mann in mir will gerade Ideen entwickeln. 😀 Der Autor aber dankt nochmal für die schönen Tage – und freut sich auf 2015.

Noch ein paar Bilder von der gestrigen Lesung:

*Es ist mir ein wenig peinlich, aber da ich nur von dem katholischen Vertreter und dem Imam der türkischen Gemeinde Name UND Funktion kenne werde ich der Gerechtigkeit halber keinen Namen und keine Funktion nennen. Aber mal ehrlich – wenn das Programmheft nicht vollständig ist und die Protestanten dann auch noch einen anderen als den Angekündigten schicken… Ich renne da doch nicht mit Notizbuch rum und führe Interviews. Dort war ich Gast, hier bin ich bloggender Schriftsteller, Journalist bin ich woanders. 😉

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schreckenberglebt: Levliest 2013 Teil 2 (und 3 und 4) – Preisverleihung, Wildpark, Bestattungshaus, Fotoaktion

Schreiben Sie eine Kurzgeschichte in der die Worte „Preisverleihung“, „Wildpark“, „Bestattungshaus“ und „Fotoaktion“ eine wichtige Rolle spielen. Wenn Sie zu den glücklichen gehören, die wir in unsere Anthologie aufnehmen, verpflichten Sie sich, 10 Autorenexemplare zum wahnsinnig fairen Autorenrabatt zu kaufen. Ach nee, über unverschämte Anthologieausschreiber wollte ich ja erst demnächst etwas bloggen. Mein Thema im Moment ist

LevLiest 2013

Eigentlich wollte ich Tag für Tag über das am Vortag erlebte bloggen, aber am Freitag kam mir das aktuelle Programm in die Quere und am Samstag und Sonntag die Deadlines einiger (fairer) Kurzgeschichtenausschreibungen. Eigentlich müsste ich JETZT auch an einer Kurzgeschichte sitzen, nachdem ich den Vormittag mit einer noch knapperen PR-Deadline gekämpft habe, aber sei’s drum. Jetzt wird erstmal gebloggt, sonst komme ich nie dazu.

Heute ist Montag und ich muss mich immer noch entscheiden, welche der drei Veranstaltungen die ich gerne besuchen würde ich besuchen werde. Morgen Abend lese ich dann wieder selbst, in Schlebusch aus „Sergej„, die Buchwoche ist also auf der Zielgeraden. Bevor wir aber zum Endspurt starten, ein Blick zurück auf die vergangene Woche – es lohnt sich. Denn die vier völlig unterschiedlichen und schwer verknüpfbaren Begriffe vom Beginn haben eines gemeinsam: Sie stehen für die Levliest-Veranstaltungen, die ich vergangene Woche besucht habe.

Von unserer Lesung im Topos am Mittwoch habe ich ja bereits ausführlich berichtet. Am Donnerstag Abend kleidete ich mich wieder in feinen Zwirn, legte mein Syndikatsabzeichen  an und fuhr zur Kolonie 1, wo der Leverkusener Short-Story-Preis 2013 vergeben wurde, verbunden mit einer Lesung der Gewinnerinnen und Gewinner. Ich habe an der Ausschreibung nicht Teil genommen, weil ich… *hüstel* …den Termin verschwitzt habe. Ich hatte (bzw. habe) eine wirklich sehr schöne Idee, aber dann war ganz plötzlich der 16. Januar (wer konnte denn ahnen, dass der so völlig aus dem Nichts erscheint) und es war zu spät. Na ja – dann eben zu Levliest 2015. 😉 Die Preisträgerlesung wollte ich aber dennoch nicht verpassen.

Zwei Gewinner und eine Gewinnerin teilten sich diesmal den Preis, hinzu kam eine Preisträgerin, die mit einem Sonderpreis ausgezeichnet wurde, weil ihre Geschichte zwar preiswürdig war, angeblich aber den Ausschreibungskriterien nicht genügte. Hm. Kann man so oder so sehen. Also – nicht die Preiswürdigkeit, aber die Sache mit den Kriterien. Dr. Sabina Wefing beginnt ihre Kurzgeschichte „Aschenputtel reloaded“ mit zwei Profilen aus einer (imaginären) Online-Partnerschaftsbörse. Die sind selbstverständlich mehr oder weniger tabellarisch, aber dass sie deshalb aus dem Rahmen eines Prosatextes fallen, sehe ich nicht. Ich zum Beispiel beende eine (noch unveröffentlichte) Kurzgeschichte mit einem Abschlussscore aus einem Konsolenspiel, der natürlich auch tabellarisch ist. Ist das deshalb keine Kurzgeschichte?

Wie auch immer – es gab ja ein Happy-End, die Geschichte bekam den Sonderpreis, für den die Sponsoren noch einmal 100 Euro extra aus der Tasche zogen, was ich durchaus nobel finde. Die „regulären“ Gewinnerinnen und Gewinner waren Maria Uleer („Die Klavierspielerin“ – mutiger Titel 😉 ), Gisela Kruyer („Dankbarkeit“), René Föhring („Ausgeträumt“) und Peter Reul („Amerikanische Nacht“). Aus Sicht des Lokalpatrioten war besonders erfreulich, dass eine Leverkusenerin – Gisela Kruyer – unter den Preisträgerinnen war. Selbstverständlich ist das nicht – die Ausschreibung läuft ohne regionale Grenzen und die Geschichten werden anonymisiert beurteilt. Ich werde NICHT sagen, welche Geschichte mir am besten gefallen hat. Es waren welche dabei, die ich wirklich richtig gut fand, andere eher soso lala, aber das ist reine Geschmacksache. Einen Griff daneben hat sich die Jury jedenfalls – aus meiner Sicht – nicht geleistet.

Überhaupt verdient die Jury – denn aus der setzen sich die Laudatorinnen und Laudatoren zusammen – ein Sonderlob. Ich war noch nie in einer Jury, daher kann ich hier noch meine ungeteilte Hochachtung für deren Arbeit los werden, ob man selbst nun mit dem jeweiligen Urteil konform geht, oder nicht. Aber das alles zu lesen… puh. Und dann auch noch bei einer themenoffenen Ausschreibung, wo wirklich ALLES möglich ist. Applaus, an dieser Stelle, ganz ehrlich.

Schade nur, dass auch hier so wenig Publikum war. :-/

Am Freitag dann besuchte ich zwei Veranstaltungen, die sich über einen Mangel an Publikum nicht zu beklagen brauchten. Was mich wiederum sehr freute, denn an der ersten Veranstaltung war eines meiner Kinder beteiligt, die zweite war eine Lesung meiner Kollegin Regina Schleheck. Der Reihe nach:

Am Nachmittag stellte sich lev4kids im Bistro des Wildparks Reuschenberg der Allgemeinheit vor. Das ist eine wirklich schöne Sache: Unter der Anleitung der Autorin Anke Wieland erstellen Fünftklässlerinnen und Fünftklässler eines Leverkusener Gymnasiums einen Online-Stadtführer für Kinder. Dabei werden nicht nur die üblichen Stadtführer-Themen von Kindern für Kinder behandelt, auch Informationen, die gerade für diese Zielgruppe besonders wichtig sind (wann hält welcher Eiswagen wo, wo sind die Spielwarengeschäfte etc.) kommen vor. Die jungen Autorinnen und Autoren moderierten die Veranstaltung selbst, stellten ihre Themen vor, führten Interviews und bekamen dabei Unterstützung von drei (!) Rap-Bands der örtlichen Förderschulen, die selbstgeschriebene (und teils wirklich sehr hörenswerte) Texte rappten, einer 13jährigen Klarinettistin die danach im Interview die Musikschule Leverkusen vorstellte, und einer Abordnung der jüngsten Wildcats, die mit einem kurzen Beweis ihres Könnens beim Publikum für Begeisterung und beim sonst sehr souveränen Jungmoderator für etwas Stottern sorgten. 😉 Solche Initiativen sind absolut lobens- und unterstützenswert, weil sie Jugendliche aus völlig unterschiedlichen Ecken zusammenbringen zu etwas, was beim Zuschauen (und offensichtlich auch Mitmachen) nur Spaß macht. Und das Bistro war auch voll.

Abends dann ein ganz anderes Ambiente: Auf Einladung eines Bestattungshauses las Regina Schleheck aus ihrem reichen Repertoir an Kurzgeschichten. Ich habe Regina in diesem Blog schon dermaßen oft gelobt, dass ich langsam in Gefahr gerate, zu einer Schleheck-Fan-Seite zu werden, aber sie ist einfach gut und auch diese Lesung war einfach gut. Fünf Geschichten und eine Zugabe, und obwohl ich zwei davon schon kannte war ich vor und nach der Pause arg verdutzt, wo denn die Zeit geblieben war. Und auch diesemal, wie am Nachmittag, war der Saal angemessen voll. 🙂

Am Samstagvormittag begab ich mich dann mit meiner Kinderschar zur Hauptstelle der hiesigen Stadtbibliothek. Unter dem Motto „Vorlesen ist Männersache“ konnten sich dort Väter mit ihren Kindern beim Vorlesen fotografieren lassen. Die Bilder gehen als Großformate in eine Ausstellung, danach kann man sich seines abholen. Da ich ein begeisterter Vorleser bin (und mein Publikum – das im eigenen Zuhause meine ich – immer mehr verlangt) habe ich meinen Kindern im Laufe der Zeit einiges vorgelesen, darunter den kompletten Herrn der Ringe und die ersten vier Harry Potter Bände. Sie können inzwischen natürlich selbst lesen, aber das Vorlesen ist immer noch sehr beliebt, besonders im Urlaub und im Winter. Im Moment sind wir an Neil Gaimans „Niemalsland„. Wir fuhren also zur Stadtbibliothek, ich setzte mich in den Lesestuhl, meine Kinder ließen sich um mich drapieren (sonst sitzt mein Publikum NIE hinter mir, aber für dieses Foto…) und ich las einen Absatz, dann waren die Fotos im Kasten. Ich bin gespannt. Ein Redakteur des Leverkusener Anzeigers (der sich übrigens lobenswert eifrig um die Buchwoche kümmert) war auch da, deshalb bin ich in der heutigen Ausgabe „Autorenprominenz„. 😉

So weit bis hierher, heute Abend geht es weiter. Was dieser Beitrag hier, glaube ich, wieder zeigt ist, WIE vielfältig Levliest ist. Also – schnappt Euch, sofern ihr in der Gegend wohnt – ein Programm und geht hin. Es ist noch nicht zu spät.

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schreckenberglebt: Levliest 2013 Teil 1 – Allgemeines und ein toller Abend im Topos

Alle zwei Jahre findet in meiner Heimatstadt eine ganz großartige Veranstaltungsreihe statt: Levliest. Vor zwei Jahren habe ich zum ersten Mal selbst in diesem Rahmen gelesen – eine Lesung mit Whiskyverkostung: Ich las bei „vom Fass„, direkt bei mir um die Ecke Whiskystellen aus veröffentlichten und unveröffentlichten Texten (und wer meine Bücher kennt wird sich nicht wundern, dass es da einige gibt 😀 ), ein Single-Malt-Experte kredenzte die passenden Tropfen und  sagte einige Worte dazu und das Publikum mochte Texte wie Tropfen sehr – bis heute eine meiner Lieblingslesungen. Aber schon bevor ich selbst bei Levliest mitwirkte, war ich immer sehr stolz und glücklich, dass wir diese Veranstaltung hatten. Das ist kein Krimi- oder Fantasyfestival, kein Con und schon gar keine Tage der schönen Literatur, sondern ALL das und noch mehr. Kleine Kostprobe? Mein persönliches Programm, so wie ich es bisher geplant habe:

Gestern:
Eigene Lesung mit Regina Schleheck, Christian Linker und Jutta Wilbertz im legendären Topos.

Heute:
Verleihung des Leverkusener Short-Story-Preises (an dem mich zu beteiligen ich blöderweise verpasst habe).

Morgen:
Nachmittag – Präsentation eines Leverkusen-Stadtführers von Kindern für Kinder.
Abend – eine weitere Lesung von Regina Schleheck, diesmal in einem Beerdigungsinstitut.

Übermorgen:
Vorleseaktion für Väter und Kinder.

Sonntag – Pause

Montag:
Ich bin noch nicht sicher – gehe ich zum Lyrik-, Jazz-, Chansonabend meiner ehemaligen Mitschülerin Peggy O. oder zu einem Leseabend, den der Interkulturellen Dialog in der hiesigen Moschee veranstaltet oder gönne ich mir die Veranstaltung des Fanprojekts Leverkusen, bei dem Bayer 04 Fans aus Fussballtexten lesen. Ich würde mich ja gerne dreiteilen…

Dienstag:
…bin ich wieder selbst am Start, mit einer Lesung aus „Sergej“ in Leverkusen-Schlebusch.

Und das war’s dann, bis 2015. Das sind nur ein paar wenige, ausgewählte Veranstaltungen aus einem riesigen Programm. Man muss sich nur meine Montagsauswahl ansehen, um ahnen zu können, WIE vielfältig das ist. Ich kenne keine andere Literaturveranstaltung, die so sehr von sich behaupten kann, von allen für alle zu sein, eine ganze Stadt liest sich potentiell gegenseitig was vor!

Eine ganze Stadt – nein, leider nicht. Levliest ist, selbst hier in Leverkusen, viel zu unprominent. Ob in den größeren Nachbarstädten – Solingen, Bergisch Gladbach, von Köln und Düsseldorf gar nicht zu reden – irgendjemand weiß, was direkt nebenan abgeht? Wohl kaum. Ich werde mein Fazit am Ende der Buchwoche auch für Kritik nutzen, aber hier schon einmal soviel: Levliest hätte mehr verdient, es ist schade darum. Wir mit unserem verdammten vizekusenener Minderwertigkeitskomplex…

Jetzt aber noch ein paar Worte zu unserer gestrigen Lesung im Topos. Der Veranstaltungsort ist Legende (DIE Jazzkneipe in Leverkusen), das Lineup illuster (immerhin ein Hans-Jörg-Martin Preisträger und eine frisch gebackene Friedrich-Glauser Preisträgerin), der Abend ganz vorzüglich. Jutta sang und las, Regina, Christian und ich lasen Krimikurzgeschichten und Auszüge aus unseren Kriminalromanen. Bei der Gelegenheit gab ich zum ersten Mal überhaupt die Kurzgeschichte „Der Schwarze“ zum Besten, deren erste Version ich mit 13 geschrieben habe – Weltpremiere, sozusagen. 😉

Das Publikum strömte eher spärlich – was allerdings wohl auch dem guten Wetter und vor allem der starken Konkurrenz durch die Championsleague geschuldet war. Die aber, die da waren, spendeten reichlich Lob und Applaus, was will der Künstler mehr? Hier ein paar Bilder vom Abend:


 

 

 

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schreckenbergzeigt: Lob und Tadel für „Der wandernde Krieg – Sergej“

Die Resonanz des Publikums auf meine drei bisher veröffentlichten Print-Romane folgte ganz unterschiedlichen Gesetzen. „Der Finder„, mein Erstling, erschien als Buch eines bis dahin unveröffentlichten Autors in der Kooperation zweier kleiner, regionaler Verlage – das ist alles andere als eine Geburt mit dem goldenen Löffel im Mund. Es war logisch, dass die Rezensenten – auch genreaffine Blogger – es zunächst gar nicht wahrnahmen. Es dauerte ein Jahr, bis das Buch sich eine kleine engagierte Fanbase erarbeitet hatte, auf deren Mundpropaganda ich vor allem zurückführe, dass es im zweiten Jahr dann plötzlich so durchstartete, dass wir am kurz nach Ende des zweiten Jahres die zweite Auflage bringen konnten. Die Rezensentinnen und Rezensenten entdeckten den Finder dann auch, mit dem Ergebnis das ich vorgestern vorgestellt habe.

„Die Träumer“ hatten es womöglich noch schwerer. Als sie 2011 erschienen hatte der Durchmarsch des Finders noch nicht begonnen – sie waren also das zweite Buch eines weithin unbekannten Autors, das außerdem noch einen Genrewechsel bedeutete. Und Krimineuerscheinungen gibt es – vorsichtig gesagt – jedes Jahr nicht wenige. Dieser schwere Start haftet dem Roman bis heute an. Obwohl ich bei Lesungen viel Beifall dafür bekomme und die Kritik, wie gestern erzählt, fast einstimmig positiv ist, ist es weit davon entfernt, an den Erfolg des Finders anzuknüpfen. Andererseits – mein Erstling hat ja auch einige Monate gebraucht, sich seine Fans zu erarbeiten. 😉

Mein dritter Roman

 „Der wandernde Krieg – Sergej“

erschien im Oktober letzten Jahres, wieder unter ganz anderen Vorzeichen. Mein Lesepublikum – zumindest sofern es sich im Internet äußert – freute sich, dass ich zur Phantastischen Literatur zurückkehrte, ich selbst freute mich – öffentlich und laut – dass der JUHRVerlag sich traute, dieses Buch zu machen, das mir persönlich sehr am Herzen liegt. Ich habe lange daran gearbeitet, ich hänge sehr an den Figuren und ich hänge an der Mythologie rund um den „Wandernden Krieg“ und das geheimnisvolle Buch „Wege und Tore“. Es gab also eine ganze Menge Erwartung, sowohl bei mir, als auch bei den Leserinnen und Lesern. Wie sieht also die Resonanz nach einem halben Jahr aus?

Fast atemberaubend positiv. Ehrlich – ich war erstaunt. Ich mag das Buch, wie gesagt, sehr, ich habe auch den Verdacht gehabt, dass es ein ziemlich gutes Buch ist, aber ich glaube auch, seine Schwächen zu kennen. Diese Schwächen aber, sofern sie sie ebenfalls sehen, nehmen die Kritikerinnen und Kritiker nicht besonders übel:

Die Blogerinnen waren diesmal die ersten – Krimi & Co und Horror and more besprachen den Roman ganz kurz nach Erscheinen. Bei Krimi & Co. folgt auf die Rezension außerdem noch ein Autoreninterview mit ziemlich guten Fragen, wenn Ihr also wissen wollt, wie ich mir einen perfekten Tag vorstelle oder was auf meinem Grabstein stehen soll – schaut nach. 😉 Außerdem nennt die Rezensenstin, Claudia Junger, mich in einem Atemzug mit Stephen King, was ich so lange fast als zuviel der Ehre empfand, bis ich mir klar machte, dass ich zwar kein Stephen King bin, aber in seiner Tradition stehe. Carmen Weinand von Horror an more schrieb eine sehr lange und ausführliche Rezension, über die ich mich auch sehr freute.

Anfang 2013 folgte dann weiteres, positives Echo. Peter Kümmel, Rezensent auf der Phantastik Couch, hatte den „Finder“ eher mittelmäßig gefunden. Ich wusste, dass er „Sergej“ ebenfalls las und war, gelinde gesagt, etwas nervös, immerhin sind die Couches nicht irgendein Online-Portal. Umso mehr freute ich mich, als sein Urteil über Sergej in der Februar Ausgabe der Phantastik-Couch überaus positiv ausfiel – 84 von 100 möglichen Punkten, viel Lob und wieder fiel der Name „Stephen King“ (allerdings nicht als Gleichsetzung, sondern um den Roman zu verorten), wobei mir der Rezensent gleichzeitig Originalität bescheinigte. Kurz darauf erfuhr ich, dass „Der wandernde Krieg – Sergej“ es auf die Shortlist des „Seraph“ in der Kategorie „Bestes Buch 2012“ geschafft hatte. Gewonnen hat dann letztlich Kai Meyer mit „Asche und Phoenix“, aber das tat kaum weh. Shortlist! Die besten Fünf! Wow!

Also alles eitel Sonnenschein und alle finden alles toll? Nein, ganz so ist es auch nicht. Zunächst einmal klagten beide Blogerinnen darüber, dass die Schrift sehr klein sei. Das stimmt, der Verlag ist, glaube ich, einen Punkt runter gegangen, weil das Buch sehr umfangreich ist und man im Druck sparen wollte. Vielleicht etwas, das wir in der nächsten Auflage korrigieren müssen.

Dann störten sich sowohl Peter Kümmel als auch ein(e) Rezensent(in) bei amazon (die anderen amazon-Rezis sind positiv) am Schluss. Kümmel empfand ihn als wirr, der/die amazon-Rezensent(in) fand ihn einerseits zu lang, andererseits zu oberflächlich. Das deckt sich mit Erfahrungen, die ich vorher gemacht habe. Ich habe den Roman vor vielen Jahren in einem (geschlossenen) Onlineforum besprochen, wo ebenfalls so ziemlich alle Leserinnen und Leser das Buch sehr gut fanden – bis zum Showdown. An dem schieden sich die Geister: Manche fanden ihn besonders packend und spannend, andere ebenfalls oberflächlich, irritierend oder schlicht zu actionlastig. Ich glaube, ich habe eine Erklärung dafür, die kann ich aber nur sehr vage ausführen, weil ich nicht spoilern will 😉 : Der letzte Teil des Buches ist im Grunde eine Novelle für sich. Sie gehört notwendig zum Roman, der ohne sie unvollständig wäre, aber sie hat – bei voller Kontinuität der Orte, Themen und Figuren – mit einem Mal andere Identifikationsfiguren für den Leser, ein anderes Erzähltempo und andere Erzählperspektiven. Das ergibt sich notwendig aus dem, was vorher geschehen ist, die Geschichte zwingt mich, auf den letzten Metern die Pferde zu wechseln. Aber dass das problematisch ist und werden kann, war mir klar. Es wundert mich nicht, dass einige Leser das stört, ich kann das verstehen. Es beruhigt mich eher, dass eine Mehrheit es akzeptiert, sogar gut findet. Selbstverständlich war das nicht.

Soviel zur kritischen Aufnahme meiner Print-Romane. Der Ruf, mein E-Book, hat leider noch kein umfassendes Echo, also kann ich dazu keinen eigenen Eintrag schreiben. Kommt noch, irgendwann.

Wenn Ihr Blogger, Rezensenten, Kritiker seid und eines oder mehrere meiner Bücher besprechen wollt: Nur zu! 🙂 Wenn Ihr ein Rezensionsexemplar haben möchtet, schreibt mir oder dem Verlag eine Mail, in der Ihr Euch und Euer Medium kurz vorstellt – oder unterstützt den Autor und kauft eins in der Buchhandlung Eures Vertrauens bzw. – im Falle des Rufes – bei amazon-Kindle. Ich bin gespannt auf Eure Meinung.

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schreckenbergzeigt: Lob und Tadel für „Die Träumer“

Gestern habe ich unter der Überschrift „Lob und Tadel“ berichtet, wie „Der Finder“ von den Rezensentinnen und Rezensenten online aufgenommen wurde – ein hübsch langer Blogpost, mein erster mit eingebundenem Video (tätä!). Heute wird es kürzer, denn heute geht es um:

Die Träumer

Auf meiner Facebookseite habe ich „Die Träumer“ neulich als mein missachtetes kleines Krimi-Kind bezeichnet. Das Buch hat es nicht einfach. Es gibt soooooo viele Krimis, und obwohl ich mich selbst durchaus (auch) als Krimiautor sehe, Mitglied im Syndikat bin, und gute Krimis gerne sehe, lese und schreibe, bin ich doch vor allem ein Autor Phantastischer Literatur, sowohl in der Wahrnehmung meiner Leserinnen und Leser als auch in meiner eigenen. Ich habe mit Horrorkurzgeschichten angefangen, mein erster veröffentlichter Roman (Der Finder) war eine Endzeit-Dystopie… ich fürchte manchmal, meine Krimis (Romane wie Kurzgeschichten) fühlen sich ein wenig ungeliebt. Aber zu Unrecht – ich mag „Die Träumer“ sehr, und ich mag die Figuren, ich würde Euch gerne erzählen, wie es mit den Überlebenden weiter geht. Interessanterweise habe ich für kein Buch so viele Fortsetzungen im Kopf wie für dieses, wenn es nach mir ginge würde das nicht nur eine (begrenzte) Reihe, sondern sogar eine Reihe mit Spin-off. Ich habe da wirklich gute Ideen, glaube ich, und das Recherchematerial, das mir ein netter Herr vom Leverkusener Geschichtsverein für meine Recherche überlassen hat, steht nun schon fast ein Jahr hier herum…

Denn die Verlage wissen nicht, ob sie auf dieser Krimischiene weiter machen wollen, alles gerade sehr ungewiss.

Nach all dem sollte man vermuten, dass „Die Träumer“ sehr zwiespältig aufgenommen wurden. Dem ist aber gar nicht so. KEINES meiner Bücher hat soviel Lob geerntet wie „Die Träumer“. Prozentual. Denn es ist schon richtig – in absoluten Zahlen haben sowohl „Der Finder“ als auch der noch junge „Sergej“ ein weit größeres Echo verursacht. Also schauen wir doch mal, was die Rezensenten so sagen:

Eine Bloggerin hat sich die Träumer bisher vorgenommen – der Laberladen kommt zu einem positiven Urteil. Zitat:

Das unterschwellige Gefühl, dass Gefahr lauert, treibt einen voran und bringt einen dazu, am liebsten sofort bis zum Ende weiterlesen zu wollen.

Auch die Kritiken bei Lovelybooks und amazon sind sehr postiv – und das war’s schon. Keine deutlichen Tadel, wie der Finder sie hier und da erfahren hat – wenn man davon absieht, dass eine Bloggerin, von der ich weiß, dass sie das Buch gelesen hat keine Besprechung geschrieben hat. Da sie mir generell wohlgesonnen ist vermute ich mal, es hat ihr nicht so gut gefallen und sie hat aus Freundlichkeit geschwiegen. Aber eben auch auf der positiven Seite deutlich weniger Echo als bei meiner Phantastik. Daher schließe ich heute mit einem Aufruf: Wenn meine anderen Bücher (oder eins davon) Euch gefallen – gebt den „Träumern“ eine Chance. Sie haben sie verdient. Wenn sie Euch gefallen – sagt es der Welt. Wenn nicht – sagt es mir. 😉

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