schreckenbergschreibt: Warum eigentlich?

Verdammt – ich habe den ersten Geburtstag meines Blogs verpasst.

Happybirthdaytoyou, happybirthdaytoyou, happy birthday, lieber Blo-hog, happy birthday to you. (nachträglich)

So, das hätten wir, and  now for something completely different:

Heute habe ich an meiner alten Schule berufsberaten. Einmal im Jahr stellen dort Eltern, Ehemalige und sonstige der Schule verbundene Menschen ihre Berufe vor, und ich mache da schon seit etwa 15 Jahren mit, obwohl meine Kinder lange auf andere Schulen gehen. Aber es ist eine gute Sache, und ich freue mich immer, die alten Räume wiederzusehen (heute war ich in dem, in dem ich mein Latinum gemacht habe, brrrr) und darin ein paar frische, junge, meist interessierte und vornehmlich intelligente Gesichter. Viele Jahre habe ich dort den Beruf des PR-Beraters vorgestellt, seit letztem Jahr trete ich als Schriftsteller auf.

Das läuft dann so ab, dass ich einen idealtypischen Arbeitstag schildere (den es so nie gibt) ein wenig zu Chancen und Vertriebswegen sage und mich danach ausfragen lasse, weil man zu diesem Beruf alles und nichts erzählen kann, und ich lieber möchte, dass die Schülerinnen und Schüler von mir das erfahren, was sie speziell interessiert als irgendetwas, das an ihren Interessen und ihrer Lebenswelt völlig vorbeigeht. Ich bin nunmal 20 bis 25 Jahre älter, ich bilde mir nicht ein zu wissen, was die bewegt.

Eine Frage war: „Warum schreiben Sie? Machen Sie das, um Geld zu verdienen, oder um Kultur zu vermitteln, oder…?“

Ich liebe dieses offene „oder“ am Schluss. 😀 Angeblich ist diese Frage ja ein Klassiker, tatsächlich war dies das erste Mal, dass jemand sie mir gestellt hat, dazu noch mit dieser erfrischend offenen Zusatzfrage. Warum also schreibe ich?

Ich tue es NICHT des Geldes wegen. Ich bin ausgebildeter PR-Berater und ich kann sowohl PR als auch Werbung als auch journalistisch texten, ich könnte mein Geld (und mehr Geld) weiß Gott anders verdienen. Und das tue ich ja auch. Inzwischen macht die PR vielleicht noch 20 oder 30 Prozent meiner Arbeit aus, aber der größte Teil meines Beitrages zum Familieneinkommen ist aus dieser Quelle. Von meiner Schriftstellerei, so professionell ich sie auch betreibe (das ist mein Beruf, nicht mein Hobby!) könnte ich mich kaum alleine ernähren. Und wenn ich es wegen des Geldes täte, hätte ich die zehn Jahre, in denen ich nichts als Absagen und dubiose Angebote (Druckkostenzuschuss…) bekommen habe mit Sicherheit nicht ertragen.

Tue ich es also der Kultur wegen? Habe ich Werte, Botschaften, verdammte INTENTIONEN, die ich meinem Publikum nahe bringen will? Antwort: Ebenfalls NEIN! Selbstverständlich, das habe ich auch heute Mittag geantwortet, vermitteln meine Geschichten eine gewisse Weltsicht, meinen Blick auf die Welt, sicher auch meine Werte. Ein schönes Beispiel dafür ist vielleicht die Macht der Liebe. Ich glaube, dass Liebe eine Menge Hindernisse überwinden kann, dass sie Stärke und Mut gibt. Meine Bücher erzählen davon, der „Finder“ und der „Ruf„, ebenso und besonders „Sergej„. In Sergej erfahren wir auch, dass es Grenzen gibt und in den Träumern erzähle ich, dass diese Macht auch unwiderstehlich zerstörerisch sein kann. In einem noch unveröffentlichten (und nicht fertigen) Roman von mir gibt es einen Ex-Nazi, der sich in eine Punkerin verliebt, und dadurch zwar nicht gleich geläutert wird, aber immerhin so auf den Weg kommt, sich von seiner Ideologie zu lösen. Und ich bin absolut nicht der Meinung, dass so eine Geschichte immer wie „Romeo und Julia“ ausgehen muss, also tragisch. Manche meiner Liebespaare dürfen, als Belohnung für all das, was sie miteinander und füreinander durchstehen, gemeinsam in den Sonnenuntergang reiten. Und wenn sie nicht gestorben sind…

Aber ist das meine Botschaft? Will ich meine Leserinnen und Leser zum Glauben an die Macht der Liebe bekehren, will ich sie glauben machen, dass diese Naziepisode exemplarisch ist und die Welt ein besserer Ort wäre, wenn nur mehr Menschen sich in den richtigen Gegenpart verliebten? Keineswegs! Das ist nur meine Sicht auf die Dinge, und jeder ist frei, eine andere zu haben und meine Geschichten trotzdem zu lesen, von mir aus sogar in seinem Sinne zu interpretieren. Jede Interpretation ist richtig, jede falsch.

Ich habe keine Botschaft, ich bin kein Erzieher, ich bin ein Geschichtenerzähler. Was ich will, das EINZIGE was ich will ist, Geschichten zu erzählen. Ich entwerfe Gegenwelten und lade meine Leser ein, sie zu betreten. Das tut übrigens jeder Schriftsteller. Auch wer sozialkritische Dramen schreibt schafft eine eigene Welt mit Figuren und Ereignissen, die es in unserer, der „realen“, Welt nicht gibt. Er interpretiert, wählt aus, verkürzt, auch wenn er sicher bemüht sein wird, diese Gegenwelt der „realen“ so weit wie möglich anzugleichen (zur Realität der Realität siehe hier). Da ich vornehmlich phantastische Literatur schreibe, und hier und da einen Krimi, fällt bei mir nur eher auf, dass das eine Gegenwelt ist.

Natürlich möchte ich, dass die Leser, wenn sie aus meiner Gegenwelt zurückkehren, davon berührt sind. Vielleicht auch, dass sie etwas mitnehmen in unsere angebliche Realität. Aber was das ist, wieviel, wo und wie es sie berührt – das liegt nicht bei mir.

In der Steinzeit war es bestimmt so, dass auf jede Jagd auch zwei Typen mitkamen, die vielleicht nicht die besten Jäger waren, die aber nachher am Feuer am besten davon erzählen konnten. Der eine berichtete vielleicht davon, dass Knörks Speer gebrochen ist, Gorbs aber nicht, warum Gorb den besseren Speer hat und warum Teamwork bei der Jagd besser ist als Einzelkämpfertum (wäre Urk doch nur nicht alleine in die Höhle des Bären gerannt… was lernen wir daraus?). Der andere schert sich einen Dreck um Faustkeilschlagen, Speerwickeln und Teambuilding – aber er lässt den ganzen Clan die Jagd noch einmal miterleben, so, dass selbst die Jäger danach der Meinung sind, das sei ja wirklich viel spannender und großartiger gewesen, als sie es in Erinnerung haben. Dieser Erzähler möchte ich sein. 😉

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schreckenbergschreibt: Umfrage zum „Ruf“

Der Ruf“ ist eine Horrorgeschichte aus dem selben Geschichtenuniversum wie „Sergej„. Ich mag diese Geschichte und sie ist sehr tief in meiner eigenen Geschichte verankert. Derzeit ist der Roman nur als E-Book bei amazon-Kindle erhältlich, ich würde ihm aber gerne ein größeres Publikum verschaffen. Ich habe zu dem Thema schon ein wenig gesponnen und gesprochen (das mache ich beides gerne 😀 ) und es gibt ein paar vielversprechende Ideen. Daher meine Frage an Euch: Wie hättet Ihr den Ruf denn am liebsten? Beteiligt Euch bitte zahlreich an der Umfrage, sie läuft ab heute einen Monat. Und auch wenn Ihr Hörbücher, Printbücher und E-Books gleich gern habt – beschränkt Euch bitte auf maximal zwei Antworten, sonst kann ich wenig damit anfangen. 😉 Ob Ihr das Buch schon kennt oder nicht ist mir hier dagegen gleich. Und Kommentare sind ausdrücklich erwünscht. Danke!

 

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schreckenbergschreibt: Ausblick 2013

Heute der zweite Teil des Janus-Artikels. Nachdem ich gestern auf das Jahr 2012 zurückgeblickt habe, heute der Versuch, in das neue Jahr zu schauen. Es wird wie immer sein – alles kommt anders, aber ich hoffe nicht allzu anders, denn ich bin optimistisch. Was erwarte ich also (schriftstellerisch) für 2013?

Roman(e)?

Ich will auf jeden Fall auch dieses Jahr wieder (mindestens) einen Print-Roman herausbringen. Ob und wie das gelingt und welcher es sein wird liegt natürlich nicht nur bei mir, sondern auch bei den Verlagen. Am wahrscheinlichsten ist im Moment, dass es entweder die Fortsetzung der „Träumer“ oder die von „Der Wandernde Krieg – Sergej“ sein wird. Beide Romane will ich fortsetzen, „Der Wandernde Krieg“ ist als Trilogie geplant, mit den (überlebenden) Hauptfiguren aus den „Träumern“ würde ich gerne eine begrenzte Reihe schreiben, Ideen sind da. Beide Fortsetzungen habe ich schon zu schreiben begonnen, die Fortsetzung von „Sergej“ schon vor Jahren, die der „Träumer“ im vergangenen Jahr, bevor der JUHRVerlag mir anbot, die Erzählung vom „Wandernden Krieg“ herauszubringen.

Welche Geschichte es letztlich werden wird ist noch unklar. Ich habe einen klaren Favoriten, aber es hängt, wie gesagt, nicht nur von mir ab. Und eine überraschende Entwicklung, wie letztes Jahr beim „Finder“ ist natürlich auch immer möglich.

Überhaupt – der „Finder„. Die zweite Auflage steht vor der Tür und viele Fans fragen nach einer Fortsetzung. Was steht da ins Haus? Der Roman ist, das habe ich in den letzten Monaten hier und da erzählt, als Beginn einer Trilogie gedacht, allerdings sollen die Geschichten dieser Trilogie zeitlich weit auseinander liegen und zumindest der zweite Teil wird auch nicht im Rheinisch/Bergischen spielen. Diese zweite Geschichte existiert übrigens schon – als Drehbuchtreatment. 😀

Mit den Figuren aus dem „Finder„, die vielen Leserinnen und Lesern und auch mir ans Herz gewachsen sind, habe ich keinen weiteren Roman geplant. Allerdings möchte ich deren Geschichte in Grundzügen weiter erzählen, ebenso wie ich die Finderwelt auch aus anderen Perspektiven betrachten will. Das Mittel sind hier Kurzgeschichten und vielleicht auch die eine oder andere Novelle. Einige davon habe ich bereits vor Augen, eine auch schon geschrieben, als Weihnachtsgeschichte 2012. Einige dieser Kurzgeschichten werde ich sicher in diesem Jahr schreiben, ob und wie ich sie veröffentlichen kann wird sich zeigen. Überhaupt:

Kurzgeschichten?

Ich habe bisher nur eine Kurzgeschichte in einer Anthologie veröffentlicht. Man könnte also meinen, ich sein ein Romanautor, der hin und wieder auch mal eine Kurzgeschichte raushaut. Dem ist aber gar nicht so – meine ersten, ernsthaften Schreibversuche als Jugendlicher waren Kurzgeschichten, Horrorkurzgeschichten um genau zu sein. Mindestens zwei davon sind so gut, dass ich sie (hin und wieder überarbeitet) jederzeit in eine Kurzgeschichtensammlung geben würde. Ich habe nie mit der kurzen Form aufgehört und im Laufe der Zeit einige Geschichten zusammengeschrieben. Einer meiner Vorsätze für dieses Jahr ist, mehr mit den Kurzgeschichten zu machen, mich an Wettbewerben und Anthologieausschreibungen zu beteiligen. Begonnen habe ich allerdings damit, dass ich erstmal den Einreichtermin für einen Wettbewerb verpennt haben. Aber das kann ja besser werden. 😉

Novellen?

Wenn es zu lang ist für eine Kurzgeschichte und zu kurz für einen Roman, dann nennt man es „Novelle“. Es ist in Deutschland, das ist bekannt, sehr viel schwerer, eine Kurzgeschichte unterzubringen als einen Roman. Im angelsächsischen Raum ist das anders. Für Novellen allerdings sieht es hier wie dort finster aus. Es sei denn…

Es sei denn, ein Verlag setzt sich das Projekt einer Sammlung von vier Kriminovellen in einem Buch in den Kopf. In dem Falle kann es einem Autor wie mir passieren, dass er plötzlich den Auftrag für zwei Novellen bekommt. Viel mehr kann ich dazu noch nicht sagen, aber wenn alles so läuft wie geplant, dann könnt Ihr Ende des Frühjahrs / Anfang Sommer zwei neue Erzählungen von mir lesen. Im Moment plane und recherchiere ich gerade für diese Geschichten. Und wenn das Wetter mich dann mal wieder in der Gegend recherchieren lässt, in die ich für die eine der beiden muss, dann könnt Ihr schon bei meiner ersten Lesung in diesem Jahr etwas davon hören. Die Heldin dieser ersten Geschichte ist übrigens Jannice Simpson. Na, wer weiß, wer das ist? 😉

Und sonst?

Pläne und Ideen habe ich viele, einige davon haben mit Drehbüchern zu tun, eine sogar mit einem Theaterstück – mal sehen. Ein Roman, zwei Novellen, Kurzgeschichten… das Jahr hat nur 52 Wochen und ein bisschen PR muss ich ja auch noch machen. Denn auch wenn der eine oder andere Ahnungslose die Schriftstellerei für ein Ticket zum Reichtum hält (wie heißt es in Udo Lindenbergs Club der Millionäre? „Oder Schriftsteller vielleicht, oder’n Lottogewinn…“ hahahaha… grmpf.), leben kann ich davon nicht. NOCH. 😉

Oben habe ich die Romane vorsichtig in den Plural gesetzt. Grund dafür ist nicht, dass ich mir zutraue, mal eben zwei Romane im Jahr aus dem Ärmel zu schütteln. Es gibt Leute, die können das, ich kann es nicht. Aber ich habe ja noch einen fertigen Roman: „Der Ruf“ ist eine Geschichte, die ein größeres Publikum verdient, als sie alleine über amazon Kindle gewinnt. Zumal sowohl die Geschichte als auch einige Figuren in den Fortsetzungen von „Sergej“ eine Rolle spielen sollen. Auch hier habe ich unterschiedliche Ideen, zu denen gerade eine Umfrage auf meiner Facebook Seite läuft. Ich werde die selbe Umfrage auch hier im Blog starten und bin gespannt auf Eure Meinung.

Ich habe derzeit vier feste Lesungen zu Beginn des Jahres, da werden sicherlich noch einige dazukommen. Auf die freue ich mich besonders, sehen wir uns? 🙂 Auf der CRIMINALE 2013 in der Schweiz werde ich leider nicht lesen – weil ich sie nicht besuchen werde. Die Schweiz ist dann doch ein wenig zu teuer. Aber nächstes Jahr in Nürnberg…

Tja… und den einen oder anderen Wettbewerb würde ich natürlich auch gerne gewinnen. Beim „Seraph“ habe ich es bereits auf die Longlist geschafft – drückt mir mal die Daumen. Und falls jemand einen Songtext braucht – Lust hätte ich mal wieder.

Euch allen ein glückliches Jahr 2013. Und bis bald!

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schreckenbergschreibt: Rückblick 2012

Ihr seid mir ja ein Blogleservolk. Tstststs. Solange ich Euch jeden Tag ein Bekenntnis liefere, Euch erzähle, wie man mein Herz gewinnt, was mich anturnt, was mich abturnt, rennt Ihr mir die Bude ein und dann, wenn ich schöne Smileys male oder mal wieder übers Schreiben schreibe – Statistiksäulen über die eine Maus hüpfen kann. So so… 😀

Heute liefere ich Euch den lange angekündigten Rückblick, Ausblick kommt morgen, immerhin ist das neue Jahr ja schon fast drei Wochen alt. Und für einen Rückblick auf 2012 bin ich ja sowieso unglaublich spät dran, damit fangen traditionellere Medien ja gerne schon Ende Oktober an. Erinnert sich jemand noch an das riesige, dicke Buch, das da hieß „Chronik des 20. Jahrhunderts?“ Das kam in den 1980er Jahren raus, und ich habe damals, als milchbärtiges Büblein, schon gesagt: „Bisschen früh. Da könnte ja noch etwas passieren, weltgeschichtlich und so.“ Und es waren nicht wenige Erwachsene, die dann sagten: „Was soll denn da noch passieren?“ Nun ja…
So ähnlich ist das mit Jahresrückblicken im November.

Nun aber ist Januar und der Rückblick ist komplett. Also – 2012:

Bleiben wir beim Erfolgsrezept: Was hat mich 2012 abgeturnt, wer hat mein Herz gewonnen, welche Smileys habe ich gemalt und was waren die Top-Ten-Betterlebnisse? Ähm… ach nee, ich wollte ja einen Schriftstellerblog machen. Gut: Das vergangene Jahr war für mich als Schriftsteller extrem wichtig und in vieler Hinsicht richtungweisend. Ich möchte vier Punkte besonders herausheben:

1.) „Der Finder“ startete durch.

Ich bin ein Mensch, der sich leider viel zu schnell an gute Zustände gewöhnt. Ich habe ihm letzten Jahr durch eine Diät und eine Ernährungsumstellung gut abgenommen und das meiste davon gehalten, ich wiege heute 10 Kilo weniger als vor einem Jahr. Aber so toll das war, während es geschah – heute kann ich es kaum noch genießen, es ist Normalität geworden. Ich weiß nicht mehr, wie es früher war, ich muss Fotos sehen, um es nachvollziehen zu können.

Ähnlich geht es mir mit dem Finder. Anfang 2012, gut ein Jahr nach Erscheinen, war mein Erstling keine Enttäuschung für den Verlag und mich, aber auch kein besonders herausragendes Buch. Die kommerziellen Hoffnungen ruhten vor allem auf meinem Ende 2011 erschienenen Krimi „Die Träumer„. Die Annahme meines Verlegers Daniel Juhr, dass  regional verankerte Phantastik ebenso Potential habe wie entsprechende Krimis war mutig gewesen – ob das Risiko sich lohnen würde war noch nicht entschieden. „Der Finder“ jedenfalls schien als Beweis ungeeignet. Ja, er hatte ein paar Fans, ja, er verkaufte sich zumindest so gut, dass er kein Zuschussgeschäft war. Das war aber auch alles.

Und dann, Ende April, zogen die Verkaufszahlen plötzlich an. Und zwar nicht nur im Bergischen Land, wo die Geschichte spielt, sondern auch überregional – was man besonders gut an den Zahlen im Online-Handel nachvollziehen kann. Die Zahlen stiegen und stiegen, sanken selbst während der Sommerferien nicht sehr und gaben danach nochmal Gas. Ich weiß nicht, was da passiert ist. Meine Vermutung ist, dass das Buch sich im ersten Jahr still und heimlich treue Fans erworben hat, deren Mundpropaganda sich dann mit einem Mal mächtig bemerkbar machte, unterstützt durch ein paar positive Besprechungen in den Medien (Blogs!) und meine verstärkte Aktivität im Netz. Wobei der letzte Faktor sooooo wichtig nicht sein kann – gerade bei den Onlinebuchhändlern war der Absatz just am größten, als ich im Urlaub war und kaum ins Netz konnte. 😉

Der Finder ist noch kein Bestseller auf dem Buchmarkt, er macht mich nicht reich oder so etwas – aber er ist MEIN Bestseller und er kann es selbst mit den Neuerscheinungen bekannterer Autoren aus gängigeren Genres und in größeren Verlagen inzwischen locker aufnehmen. Bald kommt die zweite Auflage. Eine wirklich schöne, überraschende Erfolgsgeschichte.

Tja – und ich habe mich, siehe oben, daran gewöhnt, für mich ist es Normalität geworden. Ich freue mich natürlich, dass viele Menschen diese Geschichte mögen, weil ich sie auch mag… aber manchmal wünsche ich mir, ich würde noch einmal, wie im April und Mai 2012 denken können: „Wow! Was passiert denn DA???“

2.) Die Entscheidung für „Der wandernde Krieg – Sergej„.

Letztes Jahr um diese Zeit schrieb ich an der Fortsetzung der „Träumer“. Der Krimi war nicht schlecht angelaufen, er enthält einen kleinen Cliffhanger, der Markt mag Reihen – und ich hatte auch Lust, die Geschichte von Bastian, dem etwas zu neugierigen PR-Mann, weiter zu erzählen. Habe ich übrigens immer noch, aber dazu später. 😉 Ich hatte mich im November 2011 dem Syndikat angeschlossen, durch die Träumer hatte ich zu meiner eigenen Überraschung festgestellt, dass Krimis mir liegen, ich war durchaus gewillt, fürs erste vor allem ein Krimiautor zu sein.

Dennoch – meine Ursprünge lagen in der Phantastischen Literatur – vor allem in Horror und Science-Fiction, im Sommer 2011 hatte ich den „Ruf“ als E-Book herausgebracht, weil er meinen Verlagen nicht genug in der Region verankert war, ich aber von der Geschichte – meiner reinrassigsten Horrorgeschichte – nicht lassen wollte. Ich hatte noch einiges an Phantastik auf Lager, insbesondere das Buch, das ich bis dato für mein bestes hielt: „Terra Incognita„. Und es tat mir ein wenig leid, dass diese Geschichten bis auf Weiteres kein größeres Publikum finden würden.

Und dann machte mein Verleger eine Reise, auf der er von den alltäglichen Geschäftskämpfen lassen und ein wenig ausspannen konnte. Ich kenne das gut – auch ich brauche hin und wieder so einen Fronturlaub und ich komme meist mit guten und überraschenden Ideen daraus zurück. Hier war es ähnlich. Kaum wieder zu Hause rief er mich an und begann das Gespräch mit den Worten: „Erzähl mir doch nochmal von der Idee, die Du da hattest. Mit dieser erfundenen Stadt und dem Wandernden Krieg…“

Ich muss zu seinem Lob dazu sagen, dass er diesen Anruf machte, BEVOR der Finder abhob und bewies, dass regional verankerte Phantastik nicht nur in Maine funktioniert. Der Rest ist Geschichte: Die erfundene Stadt heißt Langenrath, aus „Terra Incognita“ wurde „Der Wandernde Krieg – Sergej“ und der kam gerade auf die Longlist für den „Seraph„. Wollen wir hoffen, dass es so weiter geht. Für mich aber besonders wichtig: Dieses Buch ist mein Liebling gewesen und ich bin so froh, dass es jetzt groß ist und sich da draußen Freunde suchen kann. 🙂

3.) Die CRIMINALE 2012 im Hochsauerlandkreis.

Regelmäßige Leser wird dieser Punkt nicht überraschen – ich habe meinen Besuch beim Jahrestreffen des Syndikats hier im Blog ausführlich dokumentiert, von meinen ersten, unsicheren Gedanken vor dem Start bis zu meiner Rückkehr aus dem Hochsauerland, bei der ich wünschte, diese Zusammenkunft wäre weiter gegangen und weiter und weiter. Alles, was ich dort erlebte, war positiv. Ich lernte großartige und liebenswerte Kolleginnen und Kollegen kennen, ich erfuhr Solidarität und Gemeinschaft, wie ich sie mir in unserem einsamen Geschäft kaum hätte vorstellen können. Die CRIMINALE und alles, was daraus folgte und immer noch folgt nutzt mir, stärkt mich und wärmt mich weiterhin.

4.) Lesungen

Natürlich habe ich schon 201o und 2011 gelesen, genau genommen habe ich sogar schon vorher hin und wieder aus meinen bis dato unveröffentlichten Werken vorgelesen. Aber 2012 habe ich so viel gelesen wie nie zuvor, in neuen Konstellationen (zum Beispiel mit Regina Schleheck), an sehr ungewöhnlichen Orten und aus unterschiedlichsten Texten, auch einige Werkstattlesungen waren dabei – und ich liebe Lesungen. Was aber besonders wichtig war: Ich habe zum ersten Mal auch Fans kennengelernt, Leute, die Bücher zu Lesungen mitbrachten. Zumeist waren es Finderfans und jede dieser Begegnungen war eine besondere Freude. Denn es macht natürlich Spaß, das Publikum bei einer Lesung zu überraschen und sich ihm als noch unbekannter Autor vorzustellen – und es dann zu gewinnen. Das hat wirklich etwas. Aber Menschen zu treffen, die gekommen sind WEIL sie eines meiner Bücher kennen und es sie berührt hat, das ist ein besonderes Gefühl. Von beiden Gefühlen hätte ich gerne in diesem Jahr noch mehr. Und damit – zum Ausblick auf 2013. Der kommt morgen.

Danke an alle meine Buch- und Blogleserinnen und -leser für dieses Jahr 2012. Wirklich – ganz herzlichen Dank. 🙂

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schreckenbergschreibt: Die Liste der Bekenntnisse – Teil 10

Day One: Ten things you want to say to ten different people right now.
Day Two: Nine things about yourself.
Day Three: Eight ways to win your heart.
Day Four: Seven things that cross your mind a lot.
Day Five: Six things you wish you’d never done.
Day Six: Five people who mean a lot (in no order whatsoever)
Day Seven: Four turn offs.
Day Eight: Three turn ons.
Day Nine: Two smileys that describe your life right now.
Day Ten: One confession.

Das soll ja wohl ein Witz sein. Im Ernst: Neun Tage lang habe ich jetzt an einer Liste gearbeitet, die ich „Die Liste der Bekenntnisse“ nenne. Am zweiten Tag sollte ich neun Dinge über mich erzählen, am dritten Tag gleich mal in achtfacher Variation aufblättern, wie man mein Herz gewinnen kann, ich habe erzählt, welche Entscheidungen ich gerne noch einmal treffen würde, was mich abturnt und was mich anmacht – und jetzt soll ich EIN Bekenntnis machen? Das kann doch nur ein Witz sein.

Nun, vielleicht stellt sich der (mir) unbekannte Erfinder der Liste ja vor, dass man, wenn man über neun Tage das öffentliche Bekennen geübt hat, am letzten etwas wirklich Schockierendes raushaut. Eine tiefe Wahrheit, ein glitzerndes Juwel aus meinen geheimsten Träumen, ein stinkendes Objekt, das das Monster hervorgewürgt hat, das in meinen Abgründen wohnt. So etwas… am zehnten Tag, endlich! Vergesst es. Das hier ist WordPress, Leute, die ganze Welt darf mitlesen. Vielleicht findet man etwas von dieser Art in meine Geschichten, aber wenn, dann auch nur aus Versehen. Ich schreibe nicht therapeutisch.

Andererseits will ich Euch auch nicht mit langweiligem Zeug nerven, irgendwelchen Dingen, die zwar privat sind, aber dann auch wieder nicht so privat, dass man sie nicht erzählen könnte. Gähn. Nein, ich denke, ich besinne mich für diesen letzten Punkt auf der Liste noch einmal darauf, dass ich Schriftsteller bin – und dass viele hier sicherlich mitlesen, weil sie etwas über meine Schriftstellerei erfahren möchten. Also, hier ist:

DAS LETZTE BEKENNTNIS

Vor jedem meiner Romane steht sinngemäß, dass alle Hauptfiguren erfunden und alle Ähnlichkeiten rein zufällig sind. Das ist wahr. Manche Figuren nehmen vielleicht ihren Ausgang in Personen, die ich wirklich kenne oder kannte, aber ich mache das nicht absichtlich. Natürlich tauchen in einer Geschichte die von einem realen Ereignis aus meiner Biographie inspiriert ist – wie etwa der „Ruf“ – die Schemen wirklicher Menschen auf. Aber es sind wirklich nur Schemen, sie ähneln den wirklichen Menschen eigentlich in nichts mehr, manchmal verschmelzen sogar mehrere von ihnen zu einer Figur. In anderen Fällen merke ich gar nicht, dass mein Unterbewusstsein sich jemanden leiht, um daraus eine Figur zu formen – es gibt eine Figur im „Finder„, die aus meiner Erinnerung an einen wirklichen Menschen entstanden ist, den ich damals kannte. Das habe ich erst Jahre später gemerkt (obwohl ich diesen Menschen immer noch kenne) denn, es ist eben nicht dieser reale Mensch, es ist eine Figur – und die hat mit der Realität sehr wenig zu tun. Es kann auch gar nicht anders sein, aus zwei Gründen:

1.) Es wäre vermessen (von verboten mal ganz abgesehen), wenn ich mir anmaßen würde, einen wirklichen Menschen zu einer Figur zu machen. Ich setze meine Figuren Extremsituationen aus, bei denen ich nicht einmal genau weiß, wie ich reagieren würde. Was würde ich machen, wenn ich, wie Daniel und Esther im Finder, plötzlich in einer leeren Welt wäre? Ich habe keine Ahnung. Da verbieten es Anstand und Respekt mir zu glauben, ich könnte vorhersagen, wie irgendwer sonst reagieren würde. Also verwende ich keine echten Personen.

2.) Selbst wenn ich es wollte – ich KÖNNTE gar keine realen Personen verwenden. Weil ich nämlich gar keine „reale“ Person kenne. Wenn ich auf Anhieb zehn Bekenntnisse weiß, die ich hier hin schreiben könnte, die aber niemanden etwas angehen, dann wird das bei anderen Leuten ja wohl ganz ähnlich sein. Wir kennen also immer nur die Fassade, IMMER. Bei manchen Leuten können wir tief in die Fassade dringen, sehr tief, bei anderen gar nicht, aber es bleibt Fassade. Was ich also verwenden würde, ist immer nur meine Vorstellung von einem Menschen. Und bevor ich das mache, denke ich mir doch lieber meine eigenen aus, die sind pflegeleichter. 😉

Und wie ist es mit mir selbst? Nun, dass in jeder Hauptfigur etwas vom Autor selbst liegt, das ist eine Binsenweisheit. In meinen Fällen finde ich das nicht schmeichelhaft, in keinem Falle, aber leugnen kann ich es nicht. Nur: Wieviel da wirklich von mir selbst drinsteckt und wieviel Fiktion ist, das weiß ich selbst nicht genau.

Nachdem ich all das gesagt habe bekenne ich: Es gibt eine Ausnahme, eine einzige. Eine Figur – eine absolute Nebenfigur – in einer meiner Geschichten ist so real wie es unter den oben geschilderten Umständen eben möglich ist. Fast alle Zitate sind Originalzitate. Ich beschreibe die Figur nicht groß, aber ich stelle sie mir optisch so vor, wie der Mensch in Wirklichkeit aussieht. Und ich habe den Menschen aus niederen Motiven eingebaut, ich gebe es zu. Er hat mich wiederholt fürchterlich genervt. Und da ich das reale Wesen nicht bewusstlos schlagen konnte, um mich zu erlösen (das wäre in den Situationen unangebracht gewesen), musste es eben zur Figur werden. Ich werde nicht spezifischer werden, ich werde Fragen zu dem Thema nicht beantworten, und Ihr werdet es sowieso nicht erraten, weil Ihr niemals auf die Idee kommt, dass sich jemand in Wirklichkeit so verhält. Und ich glaube nicht einmal, dass diese Person sich, derart gespiegelt, selbst wiedererkennt.

Mea maxima culpa.

Das war also meine Liste der Bekenntnisse. Hat Spaß gemacht. 🙂 Ihr seid herzlich eingeladen, sie zu übernehmen und zu bearbeiten, ich bin gespannt, was Ihr daraus macht.

Ich danke Sarah noch einmal sehr herzlich dafür, dass sie den Stein ins Rollen gebracht hat. Ihr letztes Bekenntnis lest Ihr hier.

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