schreckenbergschreibt: Quarantänegeschichte Nr. 52 – Der Ruf, Teil 27

Heute erzähle ich Euch nur ein kurzes Kapitel aus „Der Ruf“, da ich ein paar Leser*innen davor warnen muss und nicht möchte, dass sie zu viel verpassen.


MASSIVE TRIGGERWARNUNG:

BESCHREIBUNG EINES SUIZIDS!

Wenn Ihr das nicht lesen möchtet, kommt einfach morgen wieder, Ihr bekommt dann eine triggerfreie Zusammenfassung des heutigen Kapitels zu Beginn des morgigen. Schaut noch einmal vorbei, wenn ich Sarahs heutige Geschichte reblogge, und ansonsten sehen wir uns morgen wieder. Passt auf Euch auf. ❤

Für alle anderen – so geht es weiter:

Der Ruf – Teil 1, Hintergrund, Rechte

Der Ruf – Teil 2 Der Ruf – Teil 3 Der Ruf – Teil 4 Der Ruf – Teil 5

Der Ruf – Teil 6 Der Ruf – Teil 7 Der Ruf – Teil 8 Der Ruf – Teil 9

Der Ruf – Teil 10 (mit Gewinnspiel)

Der Ruf – Teil 11 Der Ruf – Teil 12 Der Ruf – Teil 13 Der Ruf – Teil 14

Der Ruf – Teil 15 Der Ruf – Teil 16 Der Ruf – Teil 17 Der Ruf – Teil 18

Der Ruf – Teil 19 Der Ruf – Teil 20 Der Ruf – Teil 21 Der Ruf – Teil 22

Der Ruf – Teil 23 Der Ruf – Teil 24 Der Ruf – Teil 25 Der Ruf Teil 26


Der Ruf – Teil 27


Im Haus, gegen 18.30 Uhr

Sie konnte es nicht glauben.

Es war logisch, vielleicht sogar vorhersehbar gewesen.

Aber es konnte doch nicht wirklich sein.

Maike sah das Bett, den toten Körper darauf und das Blut.

Und dann schrie sie.

Stimmen, schnelle Schritte, eine Hand auf ihrer Schulter, eine Stimme, Justus.

„Was ist los? Maike was…“ Er sah und verstummte.

„Liebes!“ Bastian, laut und schrill. „Was ist passiert?“

Justus neben ihr machte ein ächzendes Geräusch.

Philip war bei ihr und Britt und sie sahen das Schlafzimmer, dessen Tür sie geöffnet hatte, um etwas Stille zu suchen. Sabine lag auf dem Bett, in dem Bastian und Maike in der Nacht zuvor miteinander geschlafen hatten. Maike erinnerte sich gut, das Gefühl, dass jeden Moment ein anderes Pärchen mit derselben Idee hineinkommen und sie entdecken konnte, hatte etwas Prickelndes gehabt, und sie waren tief in das kühle, weiße Leinen geschlüpft und hatten die Wärme ihrer Körper genossen, und es hatte etwas von der Zeit gehabt, als all das noch neu gewesen war. Wie alles in dieser Nacht.

Nun lag Sabine auf dem Bett, oben auf dem Oberbett aus kühlem Leinen, und das Oberbett war nicht mehr weiß. Ihre Arme, ihre Beine, Ihr Hals lagen in feuchten, glänzenden Blutlachen, das Blut war durch die Falten in der Bettdecke und im Laken geflossen, tiefrote Flüsse, die sich hier und dort in Senken und Druckstellen zu kleinen Seen gesammelt und von dort aus neue Wege gefunden hatten. Ihre linke Hand hing aus dem Bett, einer der roten Flüsse war an ihr entlang gelaufen, hatte sich als dünner, tropfender Rinnsal auf den Teppich ergossen und dort ein weiteres Becken gebildet. Hin und wieder fand noch ein Tropfen seinen Weg hinab auf die glänzende Oberfläche dieses Teiches. Zum großen Teil waren die Flüsse und Seen getrocknet. Neben Sabines rechter Hand klebte, halb aufgerichtet, die Rasierklinge in einem der tieferen, schlammigen Tümpel.

Philip stolperte an Maike vorbei auf die Flusslandschaft zu, drehte auf halbem Weg ab, taumelte zur Wand und erbrach sich geräuschvoll. Maike stand starr, Justus neben ihr rührte sich ebenfalls nicht, gefangen und versteinert. Britt war es, die schließlich den Bann brach. Sie humpelte zum Bett, bückte sich vor dem Fußende, nahm die gelbe Überdecke auf und ließ sie über die Flusslandschaft fallen. Maike sah, dass Britts Hals zuckte und ihre Hände zitterten bis zu den Ellenbogen hinauf, doch sie schaffte es, sie warf das Tuch über die Leiche und brach den Bann. Dann stakste sie zu Philip hinüber, der immer noch mit zuckenden Schultern an der Wand kniete.

„Komm“, sagte sie leise. „Komm mit.“

Er erhob sich, wischte sich über den Mund, spuckte aus und kam mit ihr. Während Philip die Tür ergriff, legte Britt einen Arm um Maike und Justus und drehte sie mit sanfter Gewalt um.

„Kommt.“

Hinter ihnen schloss Philip die Tür.

Sie saßen wieder um den Tisch. Bastian, der auf dem Sofa geblieben war, als er begriffen hatte, dass Maike nichts passiert war, hatte sie mit Fragen bombardiert.

„Sabine hat sich umgebracht“, hatte Justus gesagt. Markus hatte nichts gefragt, er saß auf dem Sessel und betrachtete den Boden. Maike war es, die schließlich Worte fand.

„Was sollen wir mit ihr tun?“

Britt sah auf. „Wie? Tun?“

„Na ja…“ Maike hob die Hände. „Ich meine…“

„Wir können nichts tun“, sagte Justus. „Wir müssen sie so liegen lassen. Bis wir hier raus sind. Bis Hilfe kommt.“

„Wie hat sie das denn gemacht?“, wollte Bastian wissen. „Ich meine – hat sie sich aufgehängt, oder was? Und warum haben wir nichts gehört? Was…“

„Sie hat sich die Arterien aufgeschnitten, verdammt nochmal.“ Britt sah ihn scharf an. „Mit einer Rasierklinge. Willst Du hingehen und es Dir genau ansehen?“

„Nein. Nein, entschuldigt, es ist doch nur…“ Er brach ab und sah ratlos in die Runde. „Ich wollte nicht…“

„Schon gut.“ Britt seufzte und legte ihm eine Hand auf die Schulter.

Sie schwiegen.

„Wisst Ihr noch“, sagte Justus schließlich, „wie sie ‚Okay‘ gesagt hat?“

„Wie bitte?“ Philip sah ihn verständnislos an. Maike aber nickte.

„Ja. Als wir im Bad waren. Als Justus gesagt hat, wie die Insekten ihn aufhalten wollten. Da hat sie aufgegeben, glaube ich.“

„Wie auch immer.“ Justus sah in die Runde. „Ich habe noch Hoffnung. Was ist mit Euch?“

Britt und Maike nickten. Philip lachte hart.

„Ja.“

Maike sah Bastian an. „Was ist mit Dir, Schatz?“

Er sah auf und lächelte. „Wenn Du noch Hoffnung hast…“

„Die habe ich.“

Philip sah zu Markus. „Und Du? Immer noch dabei.“

Markus sah ihn an, und das Grinsen in seinem Gesicht wirkte nicht wirklich gesund. Aber seine Antwort kam entschlossen.

„Klar. Und wenn es nur wegen Tanja ist. Die kriegen mich nicht klein.“

FORTSETZUNG FOLGT

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schreckenbergschreibt: Quarantänegeschichte Nr. 51 – Der Ruf, Teil 26

In der heutigen Episode vom „Ruf“ erzähle ich Euch von zwei Arten von Wahnsinn. Und – falls das irgend jemand vergessen haben sollte – ich erinnere nochmal nachdrücklich daran, dass wir uns im Universum des „Wandernden Krieges“ befinden.

Der Ruf – Teil 1, Hintergrund, Rechte

Der Ruf – Teil 2 Der Ruf – Teil 3 Der Ruf – Teil 4 Der Ruf – Teil 5

Der Ruf – Teil 6 Der Ruf – Teil 7 Der Ruf – Teil 8 Der Ruf – Teil 9

Der Ruf – Teil 10 (mit Gewinnspiel)

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Der Ruf – Teil 23 Der Ruf – Teil 24 Der Ruf – Teil 25


Der Ruf – Teil 26


In der Sauna, gegen 17.45 Uhr

Schlau. Oh ja, sie waren so schlau.

Sascha lächelte in sich hinein.

Es gab einen Moment, da hätte er ihnen fast geglaubt. Chris Verzweiflung hatte so echt gewirkt wie Simons Wut. Was wäre gewesen, wenn er aus dem Fenster gesehen hätte, vor das Simon ihn geschleift hatte? Was hätte er gesehen?

Nun, das, was sie ihn sehen lassen wollten, oder?

Er wusste nicht, welche Drogen sie ihm verabreicht hatten, aber es mussten starke, halluzinogene Stoffe sein. Er erfreute sich einen Moment lang an dem Wort ‚halluzinogen‘. Wenn er solch ein Wort noch kannte, konnte er nicht wahnsinnig sein, oder? Das war seine größte Angst gewesen, dass die Drogen, die sie ins Essen und in die Getränke gemischt hatten, ihn verrückt machen könnten. Aber sein Geist funktionierte rein und klar. Er dachte vernünftig. Logisch.

Alles, was störte, waren die Halluzinationen, aber an die hatte er sich gewöhnt. Wie an die Stimmen vorhin. Sie waren so echt gewesen, dass er gezweifelt hätte, wenn er nicht gewusst hätte, wie stark die halluzinogenen (oh ja, das Wort war immer noch da) Drogen waren, die in seinem Körper wirkten. Die Stimmen hatten nach seinem Namen gefragt, hatten behauptet, sie seien Britt, Philip, Justus, Maike, Bastian, Markus, hatten um Antwort gebeten, doch er hatte nur still hier auf dem Boden gelegen und gelächelt. Er würde den Stimmen nicht antworten. Er würde nicht aufgeben.

Sie waren nicht hier gewesen, als er die Stimmen gehört hatte.

Schade, vielleicht hätte er sie dann zwingen können, ihre Lügen zu bekennen.

Zumindest hätten sie irgendwie reagieren müssen.

Aber sie waren nicht hier bei ihm gewesen. Sie waren zusammen in dem anderen Raum, der Sauna. Bestimmt fingerten sie aneinander herum. Bestimmt fickten sie.

Er freute sich an der Obszönität des Wortes.

Ja, sie fickten bestimmt. Ficken.

Konnte er Schaden genommen haben, konnte sein Geist wirklich angegriffen sein, wenn er noch so völlig unterschiedliche Worte kannte und im richtigen Kontext einsetzen konnte wie ‚halluzinogen‘ und ‚ficken‘? ‚Kontext‘, auch so ein Wort. Kontext, halluzinogen, ficken. Er lachte leise. Nein, er war völlig klar, hatte die ganze Kraft seines Geistes unter Kontrolle.

Selbstverständlich hatten sie ihn gefesselt. Er zerrte ein wenig an den Stricken, mit denen sie ihn gebunden hatten. Inzwischen hatte er herausgefunden, dass es die Gürtel von Bademänteln waren. Seine Hände hatten sie auf seinen Rücken gefesselt, aber nicht so stark, dass er die Arme nicht noch hätte bewegen können. Er hatte es ausprobiert, er würde an seine rechte Hosentasche kommen, wenn er die Fessel noch ein wenig dehnte. Fessel, was für ein Witz. Sie hatten ihn mit einem Gürtel aus geblümtem Seidenimitat gebunden, das hatte schon etwas Demütigendes. Aber sie wussten nicht, was er wusste, nein, das wussten sie nicht. Er lachte wieder. Nein, das wussten sie leider nicht.

Seine Beine hatten sie mit einem weißen Frotteegürtel gefesselt, der würde kein Problem sein, wenn seine Hände erst einmal frei waren.

Er hatte sich lange gefragt, was sie wohl mit ihm vorhatten, warum sie gerade ihn ausgewählt hatten. Er glaubte nicht, dass die anderen auch alle gefesselt irgendwo herumlagen, so wie er. Nein, sie hatten ihnen sicher gesagt, die Party dauere nur einen Tag und sie am Morgen verabschiedet. Wie kam es dann, dass sie alle so getan hatten, als würden sie auch denken, die Party dauere bis Sonntag? Völlig klar: Chris und Simon hatten sie mit irgend einer Lügengeschichte geimpft, so nach dem Motto: „Sagt Sascha nicht, dass er der einzige ist, der drei Tage bleibt, es soll eine Überraschung sein.“ Die Menschen waren ja so leichtgläubig.

Was aber hatten sie mit ihm vor? Warum er, was unterschied ihn von den anderen?

Diese letzte Frage hatte ihn schließlich auf die Spur gebracht und nun war es ihm völlig klar: Sie wollten ihn essen. Vielleicht nicht alles von ihm, aber mit Sicherheit sein Gehirn und sein Herz.

Sie hatten schon irgend etwas mit seinem Kopf angestellt, er war geschwollen und schmerzte, sie mussten Vorbereitungen getroffen haben, während er bewusstlos gewesen war. Und dann hatten sie versucht, ihm diese irre Geschichte von den Insekten aufzutischen, die ihn gestochen hatten. Was für ein Schwachsinn! Wie viele Wespen, oder auch Hornissen, müssen Dich stechen, damit sich dein Kopf so anfühlt? Ein halber Schwarm, schätzte er. Bisschen sehr konstruiert, die Geschichte.

Nein, sie wollten ihn essen. Sie gehörten irgend einem kranken Kult an und wollten sich auf diese Art sein Wissen aneignen. Denn was unterschied ihn von den anderen? Er war viel in der Welt unterwegs gewesen. Sie glaubten sicher, er wüsste von geheimen Riten, Hexerei und was nicht noch allem, also würden sie ihn essen, um sich sein Wissen einzuverleiben. Er lachte wieder. Nun, sie würden enttäuscht sein, selbst wenn es ihnen gelingen sollte. Er wusste nicht mehr, als dass die Menschen überall dumm, verstockt und unverständig waren. Niemand hatte ihn verstanden. Niemand hatte von ihm lernen wollen. Aber davon wussten diese Feierabendsatanisten hier natürlich nichts. Hatte er nicht ein T-Shirt mit einem Teufelskopf in Chris’ Wäsche gesehen, als er im Bad gewesen war? Darauf stand „Subway to Sally“. Klar Sally = Satan. Da brauchte es Simons schwarze Motorradklamotten als letzten Beweis gar nicht. Kulturverwöhnte Wohlstandssatanisten, die hofften, sich tieferes Wissen anzueignen, indem sie ihn aßen. War vermutlich ihr erstes gemeinsames Opfer, aufgeregt wie sie waren, deshalb waren sie auch eben so hysterisch gewesen und zogen sich jetzt ständig in die Sauna zurück. Was sie da machten war ja klar. Er kannte das Wort. Aber er musste es ja nicht immer benutzen. Er lachte wieder. Ja, er hatte die Kontrolle.

Er lachte.

Ja, sie waren schlau, aber waren sie schlau genug? Waren sie schlau genug für ihn. Wohl nicht, nein wohl nicht.

Er lachte.

Nein, sie waren nicht schlau genug. Sie hatten ihn unter Drogen gesetzt, seinen Kopf behandelt, um leichter an sein Gehirn zu kommen, sie hatten ihn geschlagen, mit Eisspray besprüht und gefesselt, aber sie wussten nicht, was er wusste. Nein, dass wussten sie nicht.

Sie wussten nicht, was in seiner Hosentasche war.

Er lachte wieder, leise, so dass niemand ihn hörte, niemand, nur er selbst. Nur er selbst hörte sich leise lachen.

Und hatte er nicht Grund zu lachen? Guten Grund?

Im Wald, gegen 18 Uhr

Er lag dort, auf dem Waldboden, lauschte den Berichten seiner Späher und ließ sich von ihnen nähren. Der Körper, den er besetzt hatte, war immer noch ausgezehrt und nun auch verbrannt an Gesicht und Händen, dort, wo die Sonne durch das Blätterdach gedrungen und ungehindert auf die Haut getroffen war.

Es kümmerte ihn nicht.

Seine Sklaven kamen und brachten ihm Nahrung, krochen hinein in den Körper und gaben ihm die Kraft, derer er bedurfte, um diesen Haufen Fleisch, Haut und Knochen zu kontrollieren. Noch war es nicht so weit, aber es würde nicht mehr sehr lange dauern. Ein paar Stunden noch. Er konnte warten. Die Seele, die einst Herr dieses Körpers gewesen war, hatte er weit, weit in die dunkelste Kammer ihres Geistes verbannt, wo sie schrie und tobte, hilflos.

Es kümmerte ihn nicht.

Etwas anderes beunruhigte ihn.

Er war nicht allein.

Und das war eigentlich unmöglich.

Er hatte seine Flucht sorgfältig geplant.

Er hatte lange gewusst, worauf alles hinauslaufen würde und er hatte seine Vorbereitungen getroffen.

Denn mit ihm hatte alles begonnen.

Er war der Hohepriester gewesen, und seine Macht in Volk und Stadt war fast unbegrenzt gewesen. Und dann hatte er eines Tages diesen Fremden in seiner Kammer vorgefunden. Er hatte ausgesehen wie ein gewöhnlicher Bürger der Stadt, nicht alt oder jung, reicht oder arm. Aber etwas war ungewöhnlich gewesen an ihm. Seine Haut trug keinerlei Kastenzeichen, seine Schuppen waren von edler, blaugrüner Farbe, keine Zeichnung trübte diese Klarheit.

Und seine Augen.

Diese goldenen Augen.

Golden.

Und weiß. Weißes Gold.

Nein, wenn er darüber nachdachte – sie waren weiß gewesen.

Doch ihm waren sie golden erschienen.

Der Fremde hatte ihm jeden Willen genommen und ihn gezwungen, seinen Worten zu lauschen, nur durch die Kraft seiner Augen.

Der Fremde versprach ihm Macht. Größere Macht als er auf dieser Welt je würde erhalten können. Er zeigte ihm die Macht.

Der Fremde nannte sich einen „Boten des Weißen Herrn des Turmes“. Was dies bedeutete, begriff der Hohepriester erst viel später. Der Bote begann, ihm von dem Krieg zu erzählen, dem wandernden, dem ewigen Krieg. Dem Krieg, dessen Beginn selbst unter denen Legende war, die älter waren als alle Götter und Welten.

Und er bat den Hohepriester um Hilfe.

Er befahl nicht, obwohl er es ohne Schwierigkeit gekonnt hätte, er bat. Und er berichtete dem Hohepriester, was der Sieg von Weiß bedeuten würde, nach all den Äonen und Ewigkeiten.

So wurde der Hohepriester ein Diener der weißen Macht und über viele Jahre diente er dem Boten.

Und eines Tages begann er, seine eigenen Pläne zu verfolgen.

Er hatte wenig verstanden, von dem, was der Bote ihm gesagt hatte. Er lächelte dünn während er die Bilder längst vergangener Tage sah.

Er hatte wenig verstanden.

Er hatte einen neuen Kult gegründet, den Kult der Tore. Der Kult gewann an Macht in der Stadt. Im verborgenen aber regte sich Widerstand.

Unterdessen hatte der Hohepriester weiter geforscht. Und mit wachsendem Schrecken erkannte er seinen Fehler. Es würde keinen Sieger geben und keinen Lohn für ihn. Der wandernde Krieg würde nichts bringen als Verheerung und das Ende seiner Rasse. Der Hohepriester erkannte seinen Fehler, wog seine Chancen und sah, dass es nur einen Ausweg gab: Flucht.

Und dann war er da gewesen, der Tag der Herrlichkeit. Der Hohepriester hatte seine Diener in die Hügel bei der Stadt geschickt, dort das weiße Tor zu errichten. Er selbst aber hatte sich in seiner Kammer im Inneren der großen Pyramide eingeschlossen und die Worte gesprochen, die seine Flucht einleiten sollten. Am Morgen waren die Anhänger des Kultes jubelnd auf dem Platz vor der großen Pyramide zusammengelaufen, als plötzlich Geschützdonner von See herüber schallte. Kriegsschiffe beschossen den Platz und die Mauern der Stadt, und am Strand landeten Truppen aus anderen Städten, während in den Straßen ein blutiges Gemetzel anhob zwischen denen, die ihre Welt retten wollten und jenen, die sie für etwas Höheres zu vernichten gewillt waren.

Den Hohepriester aber hatte all dies nicht mehr gekümmert. Er war bereit seine Zeit und seine Welt verlassen, um anderswo neu zu beginnen. Und als die Türen zu seiner Kammer fielen, da hatte er den Ruf eines unwissenden Adepten gefunden, irgendwo in Raum und Zeit, ein Tunnel hatte sich geöffnet, er stürzte sich hinein, als sein leerer Körper von dem nutzlosen Geschoss der Soldaten getroffen wurde.

Doch etwas war mit ihm durch den Tunnel gekommen.

Etwas, von dem er nichts wusste, und nun war es hier, irgendwo.

Der Hohepriester dachte an die hilflosen Geschöpfe in den beiden kleinen Häusern. Er wusste alles über sie, mehr, als sie selbst wussten. Sie würden ihm Nahrung sein.

Und er wusste von dem Buch.

Zuerst die Kraft.

Dann das Buch.

Und dann das Werk. Sein eigenes, diesmal. Keine Fehler, keine Irrtümer. Er würde diesen Ort verlassen, mit dem Buch, ohne Zeugen, gestärkt und machtvoll, und dann würde er lernen. Lange, lange Zeit.

Er verzog das fremde Gesicht zu etwas, das einem Lächeln nicht unähnlich war. Mochte mit ihm durch den Tunnel gekommen sein, was wollte, seine Stunde war nah.

Kein Feind, der ihm gewachsen wäre.

FORTSETZUNG FOLGT

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Das Lexikon der absonderlichen Arten – Seiltänzer

Sarah bereichtert unsere Welt einmal mehr mit faszinierenden Wesen aus dem Lexikon der absonderlichen Arten:

Avatar von Sarah WassermairDer Guppy war's und nicht die Lerche

Seiltänzer, die:

Geheimnsivolles Gauklervolk, das hoch über den Dächern der meisten europäischen Städte lebt.

Sie sind normal groß, aber mager bis hart an die Grenze der Unsichtbarkeit, mit hohlen Knochen wie Vögel. Das erlaubt ihnen, selbst noch auf der dünnsten Stromleitung, der fragilsten Wäscheleine ganze Tangos zu tanzen, ohne dabei Schaden anzurichten.

In den letzten Jahren sind Sichtungen zunehmend seltener geworden. Manche behaupten, dass ihnen die Schwermetallbelastung in den Spatzen und Tauben zusetzt, von denen sie sich hauptsächlich ernähren. Wahrscheinlicher ist aber, dass sie einfach noch vorsichtiger geworden sind, als ohnehin schon und sich nur noch Nachts aus ihren Dachluken wagen. Immerhin hat heute so gut wie jeder eine Kamera auf dem Handy. Da könnte es zu leicht passieren, dass eine Videaufnahme eines hüpfenden, tanzenden, Pirouetten drehenden Seiltänzers auf youtube landet – ein Ereignis, dass sie um jeden Preis verhindern wollen. Dafür schätzen sie ihre Privatsphäre einfach zu sehr, herzlichen…

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Das Lexikon der absonderlichen Arten – Werhamster

Sarah erinnert mit ihrem heutigen Lexikoneintrag an eine in all diesem Vampirwolfsulz völlig zu Unrecht übergangene Art:

Avatar von Sarah WassermairDer Guppy war's und nicht die Lerche

Werhamster, der:

Ein Mensch, der durch den Biss eines Hamsters infiziert wurde und sich jeden Vollmond in ein ausgesprochen schlecht gelauntes Nagetier verwandelt. Reagiert absolut gnadenlos, wenn jemand sich über sein Laufrad lustig macht und ist bei der Einstreu sehr wählerisch.

Die einzige Wer-Tierart, die noch unzufriedener mit ihrem genetischen Los ist, ist der Wermehlwurm. Nachdem Mehlwürmer allerdings nicht beißen können sind Infektionen dankenswerterweise sehr selten.

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schreckenbergschreibt: Quarantänegeschichte Nr. 50 – Der Ruf, Teil 25

DOPPELJUBILÄUM! Die silberne Ruf-Episode und die goldene Quarantänegeschichte! TUSCH!

Und großen Dank an Euch alle, die ihr hier mitlest.

Und damit machen wir auch gleich weiter. Wer gut aufgepasst hat, weiß, dass das aktuelle Kapitel „Bruchpunkte“ heißt. Heute erzähle ich Euch von einem dieser Punkte:

Der Ruf – Teil 1, Hintergrund, Rechte

Der Ruf – Teil 2 Der Ruf – Teil 3 Der Ruf – Teil 4 Der Ruf – Teil 5

Der Ruf – Teil 6 Der Ruf – Teil 7 Der Ruf – Teil 8 Der Ruf – Teil 9

Der Ruf – Teil 10 (mit Gewinnspiel)

Der Ruf – Teil 11 Der Ruf – Teil 12 Der Ruf – Teil 13 Der Ruf – Teil 14

Der Ruf – Teil 15 Der Ruf – Teil 16 Der Ruf – Teil 17 Der Ruf – Teil 18

Der Ruf – Teil 19 Der Ruf – Teil 20 Der Ruf – Teil 21 Der Ruf – Teil 22

Der Ruf – Teil 23 Der Ruf – Teil 24


Der Ruf – Teil 25

In der Sauna, gegen 17 Uhr

„Oooooh – Scheiße.“ Sascha hatte sich aufgesetzt und rieb sich den Kopf. „was ist nur mit meinem Schädel los? Scheiße – mir ist so schlecht…“

Chris und Simon fuhren von der Saunabank hoch, auf der sie gesessen hatten und eilten in den Duschraum. Sascha saß dort, an die Wand gelehnt und stöhnte. Sie hockten sich neben ihn.

„Wie geht es Dir?“, fragte Chris atemlos. „Hast Du Schmerzen?“

„Und wie.“ Sascha lachte trocken und hustete. „Scheiße, mein Kopf dröhnt. Und pocht. Und mir ist schwindelig.“

„Kein Wunder“, sagte Simon, gleichzeitig besorgt und erleichtert darüber, dass Sascha wieder ansprechbar war. „Du hast ganz schön was abgekriegt. Ich meine…“

Sascha sah ihn irritiert an. „Abgekriegt? Na, ich habe viel zu viel gesoffen, oder? Viel zuviel. Mist – ich hab ‘nen totalen Blackout. Und ich habe eine Scheiße geträumt – irgendwas mit Insekten…“

Chris und Simon sahen sich unbehaglich an.

„Sascha“, begann Chris vorsichtig, „das war kein Traum. Das…“

„Quatsch. Natürlich war das ein Traum, Du weißt ja gar nicht, worum es geht.“

„Es geht um die Insekten“, entgegnete sie. „Viele davon. Sie haben uns überfallen, und dann…“

Er sah sie interessiert an. „Dann hast Du das selbe geträumt? So ein Zufall.“ Er lachte leer. „Komischer Zufall.“

„Chris hat recht“, schaltete sich Simon ein. „Es ist wirklich passiert, Sascha. Wir sind hier eingeschlossen. Wir müssen überlegen, wie wir durchkommen.“

Sascha sah misstrauisch von Simon und Chris und zurück. „Versucht nicht, mich zu verarschen“, sagte er brüsk. „Was meinst Du mit ‚eingeschlossen‘?“

„Sie haben uns hier rein gejagt.“ Chris legte ihm eine Hand auf die Schulter und sah ihn an. „Das weißt Du doch bestimmt noch. Sie haben Dich gestochen, Dein ganzer Kopf war voll. Simon hat sie mit der Brause runter gespült. Deshalb die Schmerzen.“

Sascha nahm vorsichtig ihre Hand am Gelenk, hob sie von seiner Schulter und rückte ein Stück von ihr ab.

„Was soll das, Chris? Ich habe zuviel getrunken und das…“ Seine Augen wurden eng. „Oder hast Du was in die Getränke gemischt?“ Er sah sich um. „Wo sind eigentlich die anderen?“

„Sascha“, Simon wurde ärgerlich. „Schau doch bitte aus dem Fenster und überzeuge Dich selbst.“

Sascha schien ihn zu überhören. Er fixierte Chris. „Wo sind die anderen, Chris? Warum sind sie nicht hier, bei uns?“ Sie sah sich verwirrt und hilfesuchend nach Simon um.

„Wir sind hier in der Sauna“, sagte der betont deutlich. „Sascha – schau doch jetzt bitte mal aus dem Fenster, dann…“

Sascha wandte ihm langsam und nachdenklich den Kopf zu. „In der Sauna, stimmt. Warum nur wir drei? Was habt Ihr mit den anderen gemacht?“

„Sie sind im Haus“, sagte Chris. „Im Haus, oder… oder tot..“

„Ha!“, rief Sascha triumphierend und zeigte auf Chris. „Da haben wir’s!“

„Haben was?“, fragte Simon

„Ihr habt Euch verraten!“ Saschas Augen leuchteten in ungesundem Triumph. „Sie hat gesagt, dass sie tot sind. Stellt sich die Frage: Wie sind sie gestorben?“

„Es waren die Insekten“, schrie Chris, den Tränen nah. „Wespen! Bienen! Hornissen! Ameisen!“

Sascha lachte auf. „Du meinst doch nicht, dass ich das glaube?“

„Du hast sie doch selbst erlebt“, sagte Simon bemüht ruhig. „Das hast Du doch selbst gesagt. Dein Traum…“

Sascha fixierte ihn angriffslustig. „Schlau“, sagte er leise. „Sehr schlau.“

„Sascha, bitte“, Chris legte vorsichtig eine Hand auf seinen Arm, „guck mal aus dem Fenster, und dann…“

Er fegte ihre Hand weg. „Fass mich nicht an. Hast Du das bei den anderen auch versucht?“

„Schau! Aus! Dem! Verdammten! Fenster!“, brüllte Simon.

Sascha sah ihn an und lächelte. „Das werde ich nicht tun.“

„Und warum nicht, bitte?“

„Das wollt Ihr doch nur!“

„Oh mein Gott“, Simon sah Chris verzweifelt an, sie schüttelte den Kopf, ebenso entsetzt wie er.

„Ich werde Euch sagen, was ich tun werde“, erklärte Sascha.

Chris seufzte. „Und das wäre?“

„Ich werde jetzt durch diese Tür da gehen, und wenn…“

„Das wirst Du nicht“, sagte Simon ruhig.

„Ach. Und warum nicht?“

„Weil da draußen eine Masse mordlustiger Biester nur darauf wartet, uns alle abzuschlachten, sobald diese Tür aufgeht.“

Sascha sah ihn an und lächelte nachsichtig. „Du bist verrückt.“

Simon lachte grimmig. „Wir werden sehen.“

Sascha stand auf und machte Anstalten zur Tür zu gehen. Simon packte ihn an Arm und Schulter und riss ihn herum.

„Sascha, verd… Aua!“

Sascha hatte ihn in die Hand gebissen und holte zu einem Schwinger aus, dem Simon mühelos auswich. Er tauchte unter einem weiteren Schlag weg, schlug dann selbst hart zu und traf Sascha am Kiefer. Der taumelte rückwärts, fiel auf den Hosenboden, hielt sich den schmerzenden Knochen und sah Simon anklagend an.

„Du hast mir weh getan!“

Simon packte Sascha und schleifte ihn zum Fenster.

„Sieh da raus!“, brüllte er mit der Wut der Verzweiflung. „Überzeug‘ Dich selbst, verdammt nochmal!“

„Nein!“, schrie Sascha und kniff die Augen zu. „Nein! Nein! Hilfe! Hilfe!“ Er zappelte und strampelte, entwand sich Simons Griff, wirbelte herum, öffnete die Augen und strebte wieder in Richtung Tür. „Hilfe!“

Chris warf sich ihm in den Weg, er prallte auf sie, sie fielen zu Boden. „Weg!“, schrie er und schlug auf sie ein, während er versuchte, wieder aufzustehen. „Schlampe! Mörderin! Hilfe!“

Er hatte sich fast wieder aufgerappelt, als Simon heran war. Er packte Sascha am Kragen, zog ihn herum und schlug ihn zweimal hart. Wieder ging Sascha zu Boden, doch er war immer noch bei Bewusstsein. Chris stürzte hinzu, Simon sah, dass sie aus der Nase blutete. Er wollte sich gerade wieder auf Sascha stürzen, als Chris das Eisspray vom Boden aufhob und es dem immer noch Sitzenden von hinten an den Kopf sprühte. Für einen Moment sah er Simon an wie ein gequältes Kind. „Aua“, sagte er leise und Tränen traten in seine Augen. „Aua…“ Dann sprühte Christ erneut und die Kälte tat ihre Wirkung, er wurde ohnmächtig und fiel vornüber. Chris warf das Eisspray mit einer Geste höchsten Abscheus von sich und sah verzweifelt auf Sascha hinunter. Simon ging zu ihr.

„Alles in Ordnung mir Dir?“, fragte er leise.

„Ja. Weiß nicht. Meine Nase schwillt zu. Und er hat mich hier geschlagen“, sie rieb über ihr rechtes Jochbein. „Das wollte ich nicht, Simon. Ich wollte ihm nicht… ich wollte das nicht.“

„Du hast super reagiert, Chris. Du hast uns gerettet. Du hast ihn gerettet.“

Sie seufzte tief. „Was machen wir denn jetzt?“

Simon sah unschlüssig auf den Bewusstlosen. „Wir werden ihn wohl fesseln müssen. Wenn er wieder aufwacht…“

Chris nickte bitter. „Ja, das werden wir wohl.“ Sie seufzte wieder. „Verdammte Scheiße.“

Im Haus, gegen 17.10 Uhr

„Seid mal ruhig. Ich glaube, ich habe was gehört!“ Maike stand wieder am Fenster, die Hose, die sie im Bad zerrissen hatte, hatte sie inzwischen durch eine Jeans aus ihrem Rucksack ersetzt. Die anderen saßen immer noch um den Tisch, mit Ausnahme von Sabine, und planten Justus‘ und Markus‘ Expedition in den Garten. Jetzt aber wandten sich alle Gesichter Maike zu.

„Was gehört?“ fragte Britt.

„Stimmen. Sie müssen laut gewesen sein, wenn ich sie hier drin hören konnte. Ich glaube, da ruft jemand um Hilfe.“

Die anderen kamen zur Terrassentür. Da war es wieder, und diesmal konnten sie es alle hören. Sie lauschten, bis der letzte Laut lange verklungen war.

„Von wo kam das?“, fragte Philip. „Meint Ihr, das war hier im Garten?“

„Ganz sicher“, sagte Britt. „Ganz sicher im Garten. Die Sauna oder der Schuppen, würde ich sagen.“

„Eher die Sauna“, überlegte Justus. „Die ist ziemlich sicher, glaube ich.“

„Was meint Ihr, wer es war?“, fragte Britt.

Sie sahen sich ratlos an. „Keine Ahnung,“ meinte Bastian schließlich. „Konnte ich nicht erkennen. Ein Mann, oder? Hörte sich ziemlich hysterisch an, oder? Habt Ihr ihn verstanden?“

„Er hat um Hilfe gerufen,“, sagte Philip unbehaglich, „das war klar.“

„Ihr meint…“, sagte Maike, „Ihr meint die Viecher haben gerade…“

„Warum sonst sollte jemand um Hilfe rufen?“, sagte Justus düster.

„Sie könnten es einfach auf gut Glück machen“, schlug Maike vor. „Vielleicht hoffen sie, dass jemand vorbei kommt und ihnen hilft.“

„Das ist keine gute Idee“, sagte Bastian entsetzt. „Stellt Euch mal vor, die locken durch ihr Geschrei jemanden an, einen Spaziergänger oder so, und der kommt hier in den Garten.“

Britt ließ einen langen Blick über die Terrasse schweifen. „Du hast recht“, sagte sie schließlich. „Sofern es da draußen überhaupt noch Spaziergänger gibt.“

Die anderen sahen sie verständnislos an, nur Markus nickte.

„Wie meinst Du das?“, fragte Maike.

„Na ja,“ sie grinste bitter. „Habt Ihr Euch noch nicht überlegt, was ist, wenn das nicht nur hier passiert ist, sondern überall in der Gegend? Oder, was weiß ich, in ganz Europa oder so? Die Frage ist: Gibt es da draußen noch Menschen, die uns eventuell helfen können?“

Bastian überlegte einen Moment. „Warum nicht? Dass die Viecher hier durchgedreht sind, heißt doch nicht, dass sie überall durchgedreht sind.“

„Nein“, sagte Britt, „es heißt aber auch nicht, dass sie anderswo nicht durchgedreht sind. Wie gesagt – ist nur so ‘ne Idee.“

„Und was machen wir jetzt mit denen in der Sauna?“, fragte Maike.

„Vielleicht sollten wir auch rufen“, schlug Britt vor.

Sie riefen fast zehn Minuten lang, riefen gegen die Fenster und die Terrassentür, riefen ihre Namen, riefen Fragen oder einfach nur „Hallo“, lauschten zwischendurch immer wieder, doch sie erhielten keine Antwort. Als sie keine Hoffnung mehr auf Antwort hatten, setzte sich Justus seufzend wieder an den Tisch.

„Lasst uns weiter unseren Ausflug planen. Falls da draußen noch jemand ist, werden Markus und ich es so oder so herausfinden.“

Die anderen murmelten Zustimmung. Maike legte Britt eine Hand auf die Schulter. „Könntest Du nochmal für mich die Wache übernehmen?“, fragte sie. „Ich bin so müde, ich glaube, ich lege mich ein bisschen zu Sabine ins Schlafzimmer.“

„Klar.“ Britt lächelte. „Wir hatten alle ‘ne kurze Nacht. Geh nur. Und schlaf gut.“

FORTSETZUNG FOLGT

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