Das Museum der Essentiellen Artefakte – Kirschkuchen

Sarah war heute lange unterwegs und bloggt deshalb erst jetzt – und umso rätselhafter:

Avatar von Sarah WassermairDer Guppy war's und nicht die Lerche

Ausstellungsstück Nr. 5

Ein Stück saubtrockener Kirschkuchen.

Ehrlich gesagt, dieses Exponat stellt uns – die Museumsleitung – vor eben so große Rätsel wie Sie. Denn allem Anschein nach handelt es sich dabei wirklich um nichts anderes als ein Stück uralten Kirschkuchens, durch sein hohes Alter längst auf ein winziges bröseliges Etwas eingeschrumpft. Weder scheint eine besondere Zutat enthalten zu sein (zumindests sagen uns unsere hauseigenen Chemiker das, die zu Untersuchungszwecken mehrmals winzige Proben entnehmen durften), noch haben wir Hinweise auf irgendeine historische Bedeutsamkeit des Stücks.

Dennoch … irgendetwas besonderes MUSS an diesem Stück sein, denn kein anderes Exponat durch so strenge Sicherheitsvorkehrungen geschützt wie dieses. Das Testament der Museumsgründerin Frau von Krausitzky enthält eindeutige Anweisungen, die wir im Traum nicht missachten würden. So kommt es, dass das Stück Kirschkuchen in einer verschlossenen Bleidose aufbewahrt wird, die mit mehreren Vorhängeschlössern gesichert ist. Um die Ausstellungsvitrine befinden sich ein Feld von verborgenen…

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schreckenbergschreibt: Quarantänegeschichte Nr. 54 – Der Ruf, Teil 29

Kommt her, ich erzähle Euch eine Geschichte. Nachdem Sascha gestern leider final lernen musste, dass die Insekteninvasion keine Fake-News und deutlich gefährlicher ist als die Grippe, schauen wir heute zurück ins Wohnzimmer, wo weiter Pläne reifen:

Der Ruf – Teil 1, Hintergrund, Rechte

Der Ruf – Teil 2 Der Ruf – Teil 3 Der Ruf – Teil 4 Der Ruf – Teil 5

Der Ruf – Teil 6 Der Ruf – Teil 7 Der Ruf – Teil 8 Der Ruf – Teil 9

Der Ruf – Teil 10 (mit Gewinnspiel)

Der Ruf – Teil 11 Der Ruf – Teil 12 Der Ruf – Teil 13 Der Ruf – Teil 14

Der Ruf – Teil 15 Der Ruf – Teil 16 Der Ruf – Teil 17 Der Ruf – Teil 18

Der Ruf – Teil 19 Der Ruf – Teil 20 Der Ruf – Teil 21 Der Ruf – Teil 22

Der Ruf – Teil 23 Der Ruf – Teil 24 Der Ruf – Teil 25 Der Ruf – Teil 26

Der Ruf -Teil 27 Triggerwarnung: Suizid

Der Ruf – Teil 28

Der Ruf – Teil 29


5

MUT

Im Haus, gegen 20.00 Uhr

„Okay – also wann?“ Philip sah die anderen an. Justus dachte mit geschlossenen Augen nach.

„Zehn müsste okay sein. Wir sollten zwischen zehn und halb elf anfangen.“

„Ganz dunkel ist es dann noch nicht“, meinte Bastian.

„Nein, aber dämmrig genug. Wir sollten so früh wie möglich raus gehen.“

„Warum müssen wir überhaupt eine Zeit festlegen?“, fragte Maike vom Fenster. „Wenn es dunkel genug ist, und wir merken, dass sie ruhig werden, geht Ihr einfach raus, basta.“

Justus schüttelte den Kopf. „Nein, wir sollten uns eine Zeit setzen. Sonst warten wir immer auf etwas bessere Bedingungen, noch mehr Dunkelheit, noch mehr Ruhe bei den Viechern, was weiß ich. Ich habe, ehrlich gesagt, keine große Lust da raus zu gehen. Ich will nicht anfangen, Entschuldigungen zu suchen, damit ich hierbleiben kann. Halb elf ist okay. Spätestens.“

„Bist Du sicher?“, fragte Philip. „Bastian hat schon recht, ganz dunkel ist es dann noch nicht. Und später wird es auch kälter sein. Insekten sind träger bei Kälte.“

„Wenn die Wetterberichte fürs Wochenende nicht gelogen haben, wird es die ganze Nacht nicht besonders kalt sein. Erinner‘ Dich mal an gestern. Wir haben sowieso Glück, dass die Hütte hier aus Ziegeln gebaut und vernünftig verglast ist. Sonst würden wir schon lange im eigenen Saft kochen.“

„Außerdem werden sie bei Dunkelheit sowieso nicht viel fliegen“, meinte Bastian. Philip schenkte ihm einen zweifelnden Blick. „Ich wünschte ja, Du hättest Recht.“ Er zuckte mit den Schultern. „Aber ich kann nicht dran glauben, dass es so einfach ist.“

„Seht Ihr“, schaltete Justus sich ein. „Und das ist genau der Grund, warum ich uns eine feste Zeit setzen möchte. Sonst finden wir immer einen Grund, noch eine halbe Stunde zu warten. Was meinst Du, Markus?“

Markus, der wieder auf dem Boden saß, vor sich hin starrte und sich bisher kaum an der Planung beteiligt hatte, sah auf.

„Mir ist es egal. Ich gehe jederzeit, ich bin bereit. Aber wir sollten uns schon klar darüber sein, was wir da tun. Und das unsere Chancen maximal fifty-fifty stehen.“

Justus schüttelte den Kopf. „So schlecht stehen unsere Chancen nicht. Wir müssen doch nur eben auf die Terrasse, die Handys einsammeln, Tanja bedecken und das war’s. Das wird schnell gehen. Unsere Chancen sind gut.“

„Denkt daran“, warf Maike ein, „wie wir es aus dem Bad geschafft haben.“

Markus lächelte, sagte aber nichts. Britt schüttelte den Kopf.

„Es ist und bleibt ein Scheiß-Plan.“

„Wir haben darüber abgestimmt“, sagte Justus.

„Ja, ich weiß. Und ich bin immer noch dagegen. Aber Ihr solltet das, was Markus sagt, nicht so einfach abtun. Es ist etwas anderes, vom Bad zum Wohnzimmer zu gehen oder sich da raus zu wagen.“ Sie sah Justus an. „Es kann gut sein, dass sie Euch umbringen werden.“

Justus erwiderte ihren Blick. „Würde Dich das stören?“

Maike seufzte, aber Britts Gesicht blieb reglos. „Schon.“

Justus nickte. „Ich denke, wir haben wirklich eine sehr gute Chance, eine so gute, dass es sich lohnt, es zu versuchen. Wenn wir ein Handy haben, dass hier ein Netz bekommt, dann haben wir es geschafft. Dann kommen wir hier raus. Dafür lohnt es sich allemal. Aber wenn ich es nicht schaffen sollte…“ Er sah wieder Britt an und nur sie. „Wären wir dann quitt?“

Sie nickte langsam. „Mag sein. Aber ich will das nicht. Und was hättest Du davon?“

„Nichts“, sagte er.

Er ging zum Fenster stellte sich neben Maike und sah hinaus. Die wimmelnden Ameisen bedeckten immer noch die Steinfliesen der Terrasse, der Rasen dahinter schien immer noch zu leben und die Luft war immer noch erfüllt von den fliegenden Insekten, immer noch das gleiche Bild. Mit der Ausnahme, dass jetzt drüben, unter den Bäumen hinter denen die Sauna verborgen war, eine Leiche mehr lag. Beim Sofa, brach jemand das Schweigen und die Diskussion über das wann und wie der Expedition begann aufs neue. Justus hörte nicht hin. Er sah auf die Terrasse hinaus. Dort, über einem Stuhl hing seine hellbraune Wildlederjacke. Er konnte die Beule von hier aus erkennen, die das Handy in der linken Seitentasche machte. Hatte er es ausgeschaltet? Er war nicht sicher, wenn nicht, war der Akku wahrscheinlich inzwischen leer. Aber trotzdem – da waren noch mehr Jacken und er sah auf Anhieb einen Lederbeutel und einen Rucksack. Es musste doch mit dem Teufel zugehen, wenn da kein brauchbares Mobiltelefon zu finden war.

Er sah verstohlen zu Tanja hinüber, die, ebenso wie die anderen Leichen, kein besonders angenehmer Anblick war. ‚Sie haben den ganzen Tag dort in der Hitze gelegen‘, ging es ihm durch den Kopf. Sein Verstand versuchte kurz, sich den Geruch vorzustellen, doch er schob den Gedanken schnell weg. Das würde er früh genug erfahren.

Er schätzte noch einmal den Abstand zu Tanja, die vor dem Kamin lag, und kam zu einem zufriedenstellenden Ergebnis. Selbst wenn man den Akt der Trauer mit einbezog, den Markus sich vorgenommen hatte, hatten sie immer noch mehr als genug Zeit. Sie würden es schaffen.

„Werdet Ihr es schaffen?“

Maike schreckte ihn aus seinen Gedanken, sie hatte so leise gesprochen, dass die anderen am Sofa sie nicht hören konnten. Justus nickte.

„Ja, wir werden es schaffen“, antwortete er ebenso leise. „Ich bin ganz sicher. Warum? Hast Du auch Zweifel?“

„Klar.“ Sie lächelte. „Aber ich bin zuversichtlich.“ Sie sah ihn an und legte eine Hand auf seinen Oberarm. „Kommt zurück, okay? Ich möchte, dass Du zurückkommst.“

Er nickte. „Versprochen.“

FORTSETZUNG FOLGT

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schreckenbergschreibt: Quarantänegeschichte Nr. 53 – Der Ruf, Teil 28

Hallo, schön, dass Ihr wieder hier seid. Im „Ruf“ geht es weiter mit den „Bruchpunkten“.

Für alle, die sich Teil 27 wegen der Triggerwarnung gespart haben: Die im Haus Verbliebenen haben Sabine gefunden, die sich im Schlafzimmer umgebracht hat. Die Überlebenden haben sich dann darin bestärkt, die Hoffnung nicht aufzugeben und an dem einmal gefassten Plan fest zu halten.

Wir richten unseren Blick zunächst wieder in die Sauna:

Der Ruf – Teil 1, Hintergrund, Rechte

Der Ruf – Teil 2 Der Ruf – Teil 3 Der Ruf – Teil 4 Der Ruf – Teil 5

Der Ruf – Teil 6 Der Ruf – Teil 7 Der Ruf – Teil 8 Der Ruf – Teil 9

Der Ruf – Teil 10 (mit Gewinnspiel)

Der Ruf – Teil 11 Der Ruf – Teil 12 Der Ruf – Teil 13 Der Ruf – Teil 14

Der Ruf – Teil 15 Der Ruf – Teil 16 Der Ruf – Teil 17 Der Ruf – Teil 18

Der Ruf – Teil 19 Der Ruf – Teil 20 Der Ruf – Teil 21 Der Ruf – Teil 22

Der Ruf – Teil 23 Der Ruf – Teil 24 Der Ruf – Teil 25 Der Ruf – Teil 26

Der Ruf -Teil 27 Triggerwarnung: Suizid



Der Ruf – Teil 28

In der Sauna, gegen 19.00 Uhr

Frei!

Er war fast frei.

Er kicherte.

Die Fußfessel noch, dann würden sie ihn nicht mehr aufhalten können.

Sie ekelten ihn an. Sie waren immer wieder hereingekommen um „nach ihm zu sehen“, wie sie sagten. Er hatte sich schlafend gestellt bei diesen Kontrollbesuchen und musste zugeben, dass sie sich kaum eine Blöße gegeben hatten. Dennoch widerte ihn ihr Theaterspiel an. Diese geheuchelte Besorgnis. Diese Komödie der Verzweiflung, die sie jedes Mal spielten. Und am allerschlimmsten – diese schleimige Nummer vom „Paar, das sich in aussichtsloser Situation näher kommt“. Diese verstohlenen Berührungen, diese langen Blicke, das angedeutete Streicheln. Für wen spielten sie diese Nummer? Wollten sie seine Intelligenz beleidigen? Er wusste doch genau, was sie taten, wenn sie in der Sauna waren. Er wusste, dass sie übereinander herfielen, sobald er sie nicht mehr sehen konnte, konnte sich alle Perversitäten ausmalen, mit denen sie sich für das Ritual in Ekstase brachten.

Aber sie hatten ihn unterschätzt.

Oh ja.

Er hatte das Messer aus seiner Hosentasche gezogen, langsam, ganz langsam. Es war ein Schweizer Offiziersmesser (wie bei MacGyver, war ihm eingefallen, der kam auch überall raus, der Gedanke hatte ihn fröhlich gemacht). Er hatte mit einiger Mühe die große Klinge ausgeklappt und musste dann eine Pause einlegen weil die perversen Schweine mal wieder eine Pause gebraucht und ihn hier im Bad besucht hatten. Salbungsvolles Gelaber, geheucheltes Mitleid, gespielte Verzweiflung, Chris tatscht auf Simons Rücken herum, er streicht ihr durchs Haar, langer trauriger Blick, leichtes Lächeln, eine erbarmungswürdige Nummer.

Es hatte ihn einige Mühe gekostet, nicht laut herauszulachen. Dann hatten sie ihn schließlich wieder allein gelassen und waren seither nicht mehr wiedergekommen.

Sehr gut.

Er hatte es geschafft, seine Handfessel zu zerschneiden, nachdem ihm die ersten Fehlversuche ein paar schmerzhafte kleine Schnitte in der linken Hand eingebracht hatten. Doch der Erfolg ist mit den Fleißigen und schließlich war es ihm gelungen. Nun musste er nur noch den Frotteegürtel um seine Füße loswerden, dann würde er endlich frei sein.

Frei!

Chris wachte auf und sah sich irritiert um. Dann fiel ihr alles wieder ein und sie seufzte. Sie lag auf einer der Saunabänke, sie hatten sich über ihre Berufe unterhalten. Simon war Polizist. Irgendwann waren sie beide schläfrig geworden, und sie war mit dem Kopf auf seiner Brust eingenickt. Es war schön gewesen, hier mit ihm. Warm und freundlich. Sie hatte für einen Moment alles vergessen und sich einfach nur wohl gefühlt.

Chris seufzte wieder. Für einen Moment, ja. Nicht mehr.

Sascha!

Der Gedanke schoss ihr plötzlich durch den Kopf, sie erschrak. Herrjeh, der arme Kerl lag immer noch gefesselt im Bad. Wie lange schon? Sie hatte keine Ahnung, wie spät es war. Chris stieg von der Bank, und Simon wachte auf. Er hob den Kopf und sah sie an, immer noch verschlafen.

„Was ist?“

„Wir sind eingeschlafen. Ich muss nach Sascha sehen. Hast Du eine Ahnung, wieviel Uhr es ist?“

Er setzte sich auf und schaute auf seine Armbanduhr.

„Kurz nach sieben.“

„Abends oder morgens?“

„Abends. Neunzehn Uhr. Wir haben höchstens ‘ne halbe Stunde geschlafen, Chris.“

Sie atmete auf. „Ich sehe trotzdem mal nach ihm. Vielleicht hat er sich ja wieder gefangen. Ich habe ein beschissenes Gefühl dabei, ihn so gefesselt im Bad liegen zu lassen.“

Simon sprang auf den Boden.

„Du hast recht. Selbst wenn er immer noch spinnt – wir sollten ihn zu uns holen.“

„Findest Du auch, ja?“

„Ja. Wie muss er sich denn fühlen?“

„Gut.“ Sie nickte. „Ich hole ihn.“

„Warte, ich komme mit.“

Es ging schnell. So unglaublich schnell, dass Chris es sich im Nachhinein zusammenreimen musste, in den Sekunden, in denen es passierte begriff sie zu keinem Augenblick, was eigentlich vorging. Simon öffnete die Tür und ging als erster, sie folgte ihm. Er drehte sich zum Bad und dann kam der Schrei. Ja, Zuerst kam der Schrei.

„Iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiih!“

Sascha schoss aus der Tür, das Gesicht unter dem immer noch verquollenen Kopf zu einem breiten Grinsen verzogen, in dem ein Gefühl lag, dass Chris nicht verstand. Wie das?

Wo kam er plötzlich her?

Warum war er nicht mehr bewusstlos und gefesselt?

Während Chris vor dem schreienden, rasenden Sascha zurückwich, ging Simon vor und trat ihm in den Weg. Er hob die Hände, um den Verwirrten zurückzustoßen und im selben Moment schoss Saschas Faust vor und traf Simon oberhalb der Hüfte. Der Getroffene taumelte ein Stück zurück, im Gesicht eine Mischung aus Staunen und Schmerz. Sascha setzte nach.

„Iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiih!“

Er hob die Faust und Chris sah etwas unter seiner Hand, einen kleinen, silbernen Strahl.

Die Faust schoss herab, auf Simons Brust zu, doch der konnte ausweichen, der Schlag verfehlte Simons Rumpf und traf seinen Oberschenkel. Simon schrie auf vor Schmerz und Wut und Sascha sprang weg von ihm und rannte auf die Tür zu. Etwas fiel polternd zu Boden. Chris setzte dem Rasenden nach, doch sie war zu langsam, er riss die Tür auf und rannte hinaus.

Die Welt stürzte auf sie zurück.

Die Tür.

War.

Offen.

Sie sah verzweifelt hin und her zwischen Simon hinter ihr, der sich den Leib hielt, und der offenen Tür.

Offen.

Die Tür war offen.

Simon war verletzt.

Die Tür war offen.

Was sollte sie tun?

Er war verletzt.

Sie musste ihm helfen.

Die Tür war offen.

Was sollte sie tun?

Draußen begannen die Schreie.

Die Lähmung fiel von ihr ab.

Da war die offene Tür.

Sie warf die Tür zu und verriegelte sie diesmal.

Gerettet.

Sie sah zu Simon, der in der Ecke neben der Saunatür saß.

Frei!

Ja, er war frei!

Er hatte sie besiegt. Gut, er hatte sein Messer verloren, das blöde Ding war umgeklappt, als er es in Simons Bein gestochen hatte, aber was machte das schon?

Er war frei.

Er stürmte aus der Tür in den Garten und ein Triumphgeheul lag auf seinen Lippen.

Dann sah er.

Und sein Triumph erstarb, als er begriff.

Er wollte sich umdrehen, aber es war zu spät.

Er wollte rennen, aber es war zu spät.

Er wollte zurück zu Chris und Simon, zurück zu seinen Freunden, zurück in Sicherheit, aber es war zu spät.

Sie kamen von allen Seiten. Stachen ihm zuerst in die Beine. Setzten sich auf seinen Kopf und stachen ihn wie zum Hohn, stachen und stachen und ließen ihm Zeit, zu leiden.

Und zu schreien.

Im Haus, gegen 19.15 Uhr

Sie standen an der Terrassentür, alle. Es war vorbei, aber sie konnten sich immer noch nicht lösen.

„Wer war das?“, fragte Britt schließlich. „Habt Ihr…“

„Sascha.“ Maike schüttelte den Kopf. „Es war Sascha.“

Bastian sah sie an. „Das kann nicht sein. Sascha würde nie… Er würde nie so etwas Dummes tun. Er ist doch…“

„Doch, Bastian, er war es.“ Sie schüttelte wieder den Kopf. „Ich habe ihn gesehen, bevor sie… bevor sie ihn erwischt haben. Es war Sascha.“

„Ob noch andere in der Sauna sind?“, überlegte Justus.

„Glaube ich nicht“, meinte Philip. „Sie hätten ihn doch nicht so einfach rauslaufen lassen.“

„Vielleicht haben sie ihn rausgeschmissen,“ sagte Bastian, mit plötzlichem Zorn in der Stimme. „Ihr wisst doch – er ist manchmal etwas schwierig. Brillant, aber nicht so einfach zu nehmen, für manche Leute. Vielleicht…“

„Nein“, unterbrach ihn Maike, die die Fensterwache gehabt hatte. „Nein, ich habe alles gesehen. Er ist rausgelaufen. Niemand hat ihn gezwungen, er ist nicht rausgeschoben worden, oder geworfen oder sowas. Er ist gelaufen. Und es sind noch andere in der Sauna. Sie haben die Tür wieder geschlossen. So lange, wie das gedauert hat, hätte Sascha sogar noch Zeit gehabt, zurück zu laufen. Aber er ist erstmal richtig weit in den Garten gerannt.“

„Vielleicht wollte er zu uns“, meinte Philip.

„Nein, nein. War die falsche Richtung. Nein, er ist einfach rausgerannt.“

Justus nickte. „Also noch ein Suizid.“

„Ja.“ Maike seufzte. „Oder er ist durchgedreht.“

„Nicht Sascha“, sagte Bastian. „Der nicht.“

Sie versuchten zu begreifen. Schließlich wandte Justus sich um und ging zurück zum Tisch.

„Kommt“, sagte er. „lasst uns unsere Expedition planen.“ Er schlug mit der Faust hart auf den Tisch.

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Das Museum Essentieller Artefakte – Teil 1

Wenn es einen einzigen Grund gibt, froh zu sein, dass die Ausgangsbeschränkungen in Deutschland noch eine Weile aufrecht erhalten werden (also… abgesehen davon, dass wir dadurch ein Wiederaufflammen der Infektionszahlen und die damit verbundenen unschönen Begleiterscheinungen – siehe Italien, Spanien, Belgien, Großbritannien, USA, Brasilien, Schweden… – vermeiden oder strecken), dann der, dass Sarah eine neue Erzählungsreihe für uns beginnt. Und das, obwohl bei ihr in Österreich der Lockdown gerade beendet wird. Ich danke sehr für diese Solidarität, durch die wir Einblick erhalten, in den wundersamen Katalog des Museums Essentieller Artefakte:

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Hey Leute, wie gestern versprochen: heute beginnt ein neuer Text, und zwar der Ausstellungskatalog des Museums Essentieller Artefakte. Den hab ich damals im November 2016 geschrieben, kurz nach der Trump-Wahl, als alles dunkel schien und wir diese seltsamste aller Timelines noch nicht gewohnt waren. Es war damals auch eine meiner schlimmsten depressiven Episoden, und dieser Text – die ein, zwei Seiten am Tag – waren das einzige, was ich in dieser Zeit an kreative zusammengebracht habe. Irgendwie passend, ihn jetzt während einer anderen seltsamen Zeit wieder hervorzuholen, auf dass er amüsieren möge.

Das hier war damals der Begleittext:
„Das Museum Essentieller Artefakte wurde im Jahre 1856 von der angesehenen Wiener Salondame Penelopina von Krausitzky gegründed und wird bis heute von ihren Erben verwaltet. Der Zutritt ist allerdings streng limitiert, der Prozess involviert unter anderem zwei Fragebögen, mehrere persönliche Interviews und mehrstündiges Waten durch die Wiener Kanalisation, um den Eingang zu…

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Das Lexikon der Absonderlichen Arten – Zweierlei

Heute schließt Sarah das Lexikon der absonderlichen Arten mit den letzten beiden Einträgen – wobei ich zum allerletzten dann auch noch einen tiefen persönlichen Bezug habe. 🙂 Und ab morgen nimmt sie uns mit ins Museum. Danke, Beste.

Avatar von Sarah WassermairDer Guppy war's und nicht die Lerche

Hey Leute,

heute gibt es die letzen beiden Lexikoneinträge und wieder sind wir einen Kalender durch. Also, Adventkalender – die Geschichten, die ich hier poste, sind allesamt ursprünglich als Adventkalender für Familie und Freunde entstanden. Zum Glück gibts die Kalendertradition schon etwas länger, also hab ich noch Material. Nach Pinkelpiraten, Dunklen Fürsten und Lexikas geht es dann ab morgen weiter mit einem Museumsbesuch.

Jetzt aber zuerst heute noch einmal…

Schaluchzen, das:

Ein Schaluchzen ist das Geräusch, das Irrlichter von sich geben, wenn sie traurig sind. Sie verweigern Aussage darüber, warum sie nicht einfach schluchzen wie normale Leute, aber der geneigte Leser weiß ja, wie Irrlichter sind. Sie haben einfach einen Hang zum Theatralischen.

dritte Rabe, der:

Wie bei den Beatles gab es auch bei Odins Raben ein Teammitglied, das gegangen ist, bevor die anderen berühmt wurden. Heute erzählt die Geschichtsschreibung nur noch von Hugin und Munin – Gedanke und Erinnerung…

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