Das Museum Essentieller Artefakte – Eintrittskarte für einen Flohzirkus

Ich habe sehr große Sympathie für diese solidarischen Flöhe und frage mich, ob sie auch Lieder wie „Die Interhundtionale“ und „Which Dog are you on?“ hatten. Oder gar (da ich den Flohzirkus in Sarahs Gefilden vermute) …

Wir sind der Zukunft getreue Hüpfer,
wir sind die Flö-hö-he von Wien.

🙂

Avatar von Sarah WassermairDer Guppy war's und nicht die Lerche

Irgendwie passend zu tagesaktuellen Ereignissen, wobei da ja die Blutsauger ganz offensichtlich meist auf der anderen Seite des Verhandlungstisches gesessen sind…

Ausstellungsstück 4414:

Eintrittskarte für einen Flohzirkus

Der Flohzirkus des Herrn Nepomuk Napolitani erfreute sich in seinen Anfangsjahren bescheidener Beliebtheit. Um die Besucherzahlen zu verbessern, beschloss er, das übliche Angebot durch einen Kabarett-Teil zu erweitern.

Über viele Monate hinweg trainierte er also seine Flöhe in mühevoller Kleinarbeit darauf, im gehüpften Morsecode humorvolle Kommentare zur Tagespolitik abzugeben. Zuerst ein echter Publikumserfolg, ging das Vorhaben allerdings bald gewaltig nach hinten los. Denn angeregt von ihrer neuen Aufgabe begannen die Flöhe bald, sich tiefergehend mit der Materie zu beschäftigen und wurden zunehmend politisch aktiv.

Nach mehreren konstitutionellen Sitzungen auf dem Nachbarshund gründeten sie eine Gewerkschaft, um bessere Arbeitsbedingungen im Flohzirkus zu erzwingen. Herr Norbertinger war zuerst erbost, nach mehrwöchigem Streik und Juckattacken musste er sich aber schließlich geschlagen geben.

Welche Forderungen die Streikenden…

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schreckenbergschreibt: Quarantänegeschichte Nr. 69 – Der Ruf, Teil 44

Die Lockerungen der Corona-Schutzmaßnahmen sind ja hierzulande ein fließender Prozess seit Anfang Mai. Die meisten Geschäfte, Kinos, Theater, Restaurants werden Ende Mai wieder offen sein, manche sind es schon seit Anfang des Monats. Schulen und Kitas öffnen eher chaotisch, was – nach meiner Beobachtung – vor allem daran liegt, dass, zumindest hier in NRW, die Vorgaben der Ministerien reichlich realitätsfern sind, und vor allem der Tatsache nicht Rechnung tragen, dass Gymnasium eben nicht gleich Gymnasium und KiTa nicht gleich KiTa ist. Ab Juni werde ich ENDLICH wieder schwimmen gehen können, ab Mitte des Monats werden dann auch meine regelmäßigen Reisen nach Wien wieder möglich sein… Die Masken andererseits werden uns, denke (und hoffe!) ich, noch lange erhalten bleiben, ebenso wie Abstandsregeln und der Verzicht auf Großveranstaltungen.

Lasst uns vernünftig und geduldig bleiben, so dass wir bei den nächsten Wellen nicht gleich wieder in den Lockdown müssen.

Warum sage ich das? Nun – ich habe beschlossen, dass ich meine Quarantänegeschichten noch bis Ende Mai forführen und dann (hoffentlich) abschließen werde. Wenn ich wieder schwimmen kann fühle ich mich nicht mehr im Lockdown. 😀 Und wer wirklich seine Freiheit eingeschränkt sieht, weil er auf absehbare Zeit im Supermarkt eine Maske tragen soll um andere zu schützen… nun, der jammert eben auf hohem Niveau.

In Österreich sind die Maßnahmen ja schon seit einer Weile gelockert, dort ist bisher ein Wiederaufflammen der Epidemie ausgeblieben. Sarah hat ihre Erzählungen aus Solidarität trotzdem forgesetzt, und sie wird auch bis zum Ende dabei bleiben, so dass wir unsere Geschichtenfeuer gemeinsam löschen, so wie wir sie gemeinsam entzündet haben. ❤

Bedeutet für mich aber auch, dass ich den Rest des „Rufes“ ein wenig strecken muss. 😉 Also heute nur ein recht kurzes Stück:

Der Ruf – Teil 1, Hintergrund, Rechte

Der Ruf – Teil 2 Der Ruf – Teil 3 Der Ruf – Teil 4 Der Ruf – Teil 5

Der Ruf – Teil 6 Der Ruf – Teil 7 Der Ruf – Teil 8 Der Ruf – Teil 9

Der Ruf – Teil 10 (mit Gewinnspiel)

Der Ruf – Teil 11 Der Ruf – Teil 12 Der Ruf – Teil 13 Der Ruf – Teil 14

Der Ruf – Teil 15 Der Ruf – Teil 16 Der Ruf – Teil 17 Der Ruf – Teil 18

Der Ruf – Teil 19 Der Ruf – Teil 20 Der Ruf – Teil 21 Der Ruf – Teil 22

Der Ruf – Teil 23 Der Ruf – Teil 24 Der Ruf – Teil 25 Der Ruf – Teil 26

Der Ruf -Teil 27 Triggerwarnung: Suizid

Der Ruf – Teil 28 Der Ruf – Teil 29 Der Ruf – Teil 30 Der Ruf – Teil 31

Der Ruf – Teil 32 Der Ruf – Teil 33 Der Ruf – Teil 34 Der Ruf – Teil 35

Der Ruf – Teil 36 Der Ruf – Teil 37 Der Ruf – Teil 38 Der Ruf – Teil 39

Der Ruf – Teil 40 Der Ruf – Teil 41 Der Ruf, Teil 42 Der Ruf – Teil 43



Der Ruf – Teil 44


Im Flur, gegen 9.00 Uhr

Maike und Britt flohen durch den Flur, Maike stützte ihre schwer humpelnde Freundin. Britt merkte, dass es mit ihrer Mobilität zu Ende ging. Für einen Moment waren sie versucht, einfach durch die Haustür wegzulaufen, aber ein Blick auf die Insekten, die außen vor dem Fenster umherwirbelten, machte die Idee zunichte. Philip hatte recht – der Keller war der beste Ort, zumal im Moment kaum Insekten im Flur waren. Es gab dort nur eine Tür, und die war leicht zu verteidigen. Wer immer nach unten wollte, musste eine steile Treppe hinabsteigen. Doch Britt ging etwas völlig anderes durch den Kopf. Diese Stimme. Die Stimme mit der Philip sie angebrüllt hatte, das war nicht Philips Stimme gewesen.

Mit einem Mal wusste sie – es war Stephans Stimme gewesen, die aus Philip gesprochen hatte.

„Da sind wir! Komm Britt, schnell, bevor die Viecher zurückkommen.“

Maike lehnte Britt gegen die Wand wie einen Sack. Britt ließ es sich dankbar gefallen und entlastete ihr verletztes Bein so gut es ging. Eine große Hilfe konnte sie jetzt sowieso nicht sein und Maike wusste das. Sie zwinkerte Britt aufmunternd zu, ließ sich neben der Falltür nieder und machte sich an dem Schloss zu schaffen. Britt bewunderte sie. Maike versuchte schon wieder, Zuversicht zu verbreiten, nachdem sie eben noch hatte ansehen müssen, dass dieses Christoph-Ding Bastian wie ein Stück Abfall behandelt hatte.

Das Schloss schnappte zurück, Maike zog die Falltür auf und spähte hinunter.

„Die Treppe ist ziemlich steil. Meinst Du, Du schaffst das?“

„Werde ich wohl müssen.“

Maike ging zuerst und knipste im Hinuntergehen das Licht an. Britt umklammerte das schmale Holzgeländer mit beiden Armen, benutzte das verletzte Bein gar nicht und ließ sich die Treppe hinunter gleiten. Das funktionierte so gut, dass sie das Geländer sogar mit einer Hand loslassen konnte, um das Seil zu ergreifen und die Falltür zu schließen. Als sie beide am Fuß der Treppe angelangt waren, sahen sie sich um. Der Keller war klein, eher eine unterirdische Abstellkammer, die von einer nackten Glühbirne erhellt wurde. An einer Wand zog sich Metallregal hoch, in dem Werkzeug lagerte, dazu viele Kistchen und Kästchen, teils aus Holz, teils aus Plastik, darin Schrauben, Nägel, Dübel, Schellen und ähnlicher Kram. Neben dem Regal lagerte größeres Werkzeug, alt und offenbar reparaturbedürftig: zwei Schaufeln, beide mit Beulen, eine rostige Axt, ein Spaten dessen Blatt gerissen war und ein Besen der aussah, als wäre er von Räude befallen. Britt fragte sich, wer dieses ganze Zeug aufbewahrte, und sie erinnerte sich, dass Chris‘ Vater schon immer eine Vorliebe für alte und kaputte Dinge gehabt gehabt hatte. Vermutlich hatte er vor, diese hoffnungslosen Fälle in neuem Glanz erstrahlen zu lassen, genauso wie den halb ausgeschlachteten Rasenmäher an der gegenüberliegenden Wand. An der Wand rechts der Treppe stand ein gut gefülltes Weinregal, das in dieser Umgebung völlig unpassend wirkte.

„Na ja“, meint Maike. „Wir werden zumindest nicht verdursten.“ Das sollte lässig klingen, aber das Zittern in ihrer Stimme sagte seinen Teil.

Britt lachte bitter. „Vielleicht sollten wir schonmal anfangen, uns zu besaufen. Würde das Ganze vielleicht erträglicher machen.“

Maike ging zu dem Weinregal, nahm eine Flasche heraus und wischte den Staub ab und las.

„Das wäre ziemliches Edeldilirium, in das wir uns hier saufen könnten. Wenn schon die Lampe ausschießen, dann mit Stil.“ Sie betrachtete die Flasche nachdenklich. „Was meinst Du, sollen wir uns wirklich was genehmigen? Ich meine, wenn schon… Britt? Britt, alles in Ordnung?“

Britt starrte gedankenverloren auf den Boden. Maikes Rufe schreckten sie auf.

„Was? Oh, ja, klar. Ich dachte gerade… Kam Dir an Philip nichts komisch vor? Eben, im Wohnzimmer meine ich?“

Maike schluckte. „Ich… ich habe eben nicht so auf Philip geachtet. Bastian…“ Sie verstummte. Britt nickte.

„Tut mir leid, Maike. Entschuldige.“

„Geht schon. Was war denn mit Philip?“

Britt sah nachdenklich zur Falltür. „Ich glaube, dass Christoph nicht der einzige ist, der besessen ist“, sagte sie schließlich.

FORTSETZUNG FOLGT

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Das Museum Essentieller Artefakte – Ein BH

Sarahs heutige Erzählung führt mich zu der Frage, wie die klassischen Sagen wohl in den leider verlorenen Versionen aussahen, die Frauen erzählt haben.

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Ausstellungsstück 0767:

Tausendbrüstiger Büstenhalter, Nachbau

Die griechische Jagdgöttin Artemis wurde in der Antike des Öfteren mit tausend Brüsten abgebildet, einen Trend, den sie ihren Anhängern ernsthaft übel nahm. Die körperliche Manifestation einer Gottheit wird von der Vorstellung ihrer Gläubigen geprägt, was dazu führte, dass Artemis mit zunehmender Häufigkeit morgens mit gewaltiger, tausendfacher Oberweite erwachte. (Besonders dann, wenn gerade wieder einmal besonders viele männliche Jugendliche in ihren Kult initiiert worden waren.) Besagte Oberweite führte nicht nur zu erheblichen Rückenschmerzen, sondern war auch bei der Jagd mehr als hinderlich. An diesen Tagen galt sie als so reizbar, dass sogar die Rachegöttinnen hastig in Deckung gingen, wenn sie fluchend vorbeigestapft kam – und die erschütterte normalerweise wenig.

Nachdem sie zum wiederholten Mal jemanden im akuten Busenzorn jemanden in einen Hirsch verwandelt und von ihren Jagdhunden zerfleischen hatte lassen, wurde dem Rest des Olymps klar, dass etwas geschehen musste. Nach einem gemeinsamen Brainstorming beauftragten…

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schreckenbergschreibt: Quarantänegeschichte Nr. 68 – Der Ruf, Teil 43

Schön, dass Ihr da seid. Setzt Euch ans Feuer, ich erzähle Euch eine Geschichte. Vorab aber: Ich habe mit den beiden meiner drei Kinder, die schöne Tradition des Freitagsnachmittagshorrorfilms wieder begonnen. Heute sahen wir einen klassischen Vertreter dieses Genres – gut, spannend, sehr atmosphärisch, aber nicht wirklich brillant, vor allem, weil die Protagonistin etwas sehr schwer von Begriff ist, immer wieder die selben Fehler macht und vor allem nicht auf das hört, was ihr jemand sagt, der sich mit der Sache auskennt. Mein Anspruch ist ja immer, dass meine Figuren innerhalb des Horrors und auf Basis der Informationen die sie haben, angemessen intelligent handeln. Und just beim redigieren der heutigen „Ruf“-Episode gibt Philip seinen Leidensgenossinnen den genialen Rat, in einen Raum zu fliehen, aus dem es nur einen Ausgang gibt (na, ratet Ihr welchen FNHF ich gesehen habe?). Gut, die drei haben nur sehr begrenzte Optionen…
Hmmm…
Also doch nicht ganz so doof, oder? 😀

Viel Spaß nun also, mit der nicht so ganz finalen Konfrontation:

Der Ruf – Teil 1, Hintergrund, Rechte

Der Ruf – Teil 2 Der Ruf – Teil 3 Der Ruf – Teil 4 Der Ruf – Teil 5

Der Ruf – Teil 6 Der Ruf – Teil 7 Der Ruf – Teil 8 Der Ruf – Teil 9

Der Ruf – Teil 10 (mit Gewinnspiel)

Der Ruf – Teil 11 Der Ruf – Teil 12 Der Ruf – Teil 13 Der Ruf – Teil 14

Der Ruf – Teil 15 Der Ruf – Teil 16 Der Ruf – Teil 17 Der Ruf – Teil 18

Der Ruf – Teil 19 Der Ruf – Teil 20 Der Ruf – Teil 21 Der Ruf – Teil 22

Der Ruf – Teil 23 Der Ruf – Teil 24 Der Ruf – Teil 25 Der Ruf – Teil 26

Der Ruf -Teil 27 Triggerwarnung: Suizid

Der Ruf – Teil 28 Der Ruf – Teil 29 Der Ruf – Teil 30 Der Ruf – Teil 31

Der Ruf – Teil 32 Der Ruf – Teil 33 Der Ruf – Teil 34 Der Ruf – Teil 35

Der Ruf – Teil 36 Der Ruf – Teil 37 Der Ruf – Teil 38 Der Ruf – Teil 39

Der Ruf – Teil 40 Der Ruf – Teil 41 Der Ruf, Teil 42


Der Ruf – Teil 43


Im Wohnzimmer, gegen 8.55 Uhr

„Was war das?“, fragte Maike.

Sie waren alle herumgefahren, als sie den Krach aus dem Schlafzimmer gehört hatten. Ein kurze Weile schienen alle gelähmt, dann sprang Maike auf und war schon fast an der Tür, als Philip sie einholte und festhielt.

„Warte. Du weißt nicht …“

„Ist mir egal. Bastian … was ist, wenn ihm etwas passiert ist?“

Philip schien einen Moment seltsam abwesend, dann sagte er: „Wenn ihm etwas passiert ist, können wir ihm sowieso nicht mehr helfen.“

„Philip! Um Himmels willen!“ Britt humpelte vom Tisch herüber und sah ihn wütend an. „Sollen wir etwa…“

Sie führte den Satz nie zu Ende, denn in diesem Moment öffnete sich die Tür zum Schlafzimmer und Christoph kam herein. Mit der allergrößten Selbstverständlichkeit schlenderte er ins Zimmer, Bastian wie eine Puppe hinter sich her schleifend. Sie sahen, dass das Schlafzimmer voller Insekten war. Aber sie kamen nicht ins Wohnzimmer. Christoph warf Bastians toten Körper nachlässig von sich. Maike stieß einen Schrei aus und sank neben dem, was einmal ihr Mann gewesen war auf die Knie. Philip und Britt starrten Christoph an, versteinert. Von ‚gemeinsam auf ihn stürzen‘ konnte keine Rede mehr sein. Christoph wandte ihnen sein entsetzlich verändertes Gesicht zu und sah sie an. Blut floss von seinen Lippen.

„Hallo Freunde.“

Das Wesen imitierte Christophs Tonfall. Aber die Stimme hat nichts mit Christoph zu tun, sie war nicht einmal menschlich, ein Knarren aus dem sich die Wort wie zufällig formten. Und das keckernde Gelächter, das ihr folgte, war noch schlimmer.

„Ihr hättet mich nicht rufen sollen“, sprach das Wesen.

Bring sie hier weg. Schnell! Schaff sie raus, beide! “

‚Aber die Insekten. Was…’, antwortete Philip wortlos, gleichzeitig auf die Stimme in seinem Kopf und die Worte der Obszönität vor ihm lauschend.

Schaff sie raus! Tu was ich sage und vertrau mir!“

„Aber Ihr wusstet ja nicht, was Ihr tatet, nicht wahr?“ Wieder dieses unmenschliche Lachen. „Ihr dummen Kinder.“

„Britt!“, sagte Philip, während er weiter auf das starrte, was sie da aus Christophs Körper heraus verhöhnte. „Maike! Haut ab!“

Britt starrte ihn blank an. „Was? Wohin?“

In den Keller. Nicht raus, er wird sie nicht gehen lassen. In den Keller, schnell!“

„Lauft in den Keller. Die Luke unter der Treppe. Mach schnell, bevor sie in den Flur zurückkommen. Lauft! Schnell!“

Britt schüttelte den Kopf. „Nein! Was ist mir Dir?“

„Wir werden ihn aufhalten. Jetzt hau ab!“

„Wir? Wer…“

„LAUF!“, brüllte Philip. Oder nicht Philip? Es klang anders.

Christoph zog mit einem Zischen die Luft ein und lachte wieder, lauter diesmal und das reichte Britt. Sie stolperte vorwärts, zog Maike zu sich, die langsam aus Trauer und Entsetzen erwachte, sie flohen zur Tür und in den Flur. Philip schloss die Tür mit einem Tritt und war mit Christoph allein.

Der Hohepriester sah seinen Gegner an und wusste sofort, dass er es hier nicht nur mit einem jener schwachen Wesen zu tun hatte. Etwas war an diesem. Etwas, das ihm durch den Korridor gefolgt war. Es war hier und es wollte eine Entscheidung. Der Hohepriester war vorsichtig. Was immer Besitz von diesem Wesen ergriffen hatte, es musste mächtig sein, sehr mächtig, denn es kontrollierte diesen offenbar ohne Mühe und ohne großen Zwang.

„Wer immer Ihr seid“, sagte er mit wachsamem Respekt, „zeigt Euch. Sprecht nicht durch Euren Sklaven mit mir. Ich weiß nicht, wer Ihr seid. Aber ich will keinen Kampf mit Euch. Es gibt viele Welten für beide von uns. Lasst uns nicht um diesen kleinen, schmutzigen Ort kämpfen.“

Der Sklave des anderen öffnete seinen Mund weit und aus der Schwärze dahinter kam ein Lachen. Dann sprach eine Stimme aus dem offenen Mund.

„Du willst nicht kämpfen? Du hast keine Wahl. Du wirst an diesem kleinen, schmutzigen Ort sterben. Wie all die anderen.“

Der Hohepriester war erstaunt über den Hass. War dies ein Wächter, der jene erschlug, die Tore benutzten? Aber er hatte keinen Wächter gespürt. Jemand hatte ihn verfolgt. War dies ein Dämon, der die Wege bewohnte, die von Tor zu Tor führten? Oder…

Wie all die anderen? Plötzlich begriff er. Der andere meinte diese Toten hier, die Nahrung. Er sah den Sklaven verständnislos an, der mit immer noch geöffnetem Mund vor ihm stand.

„Was kümmern Euch diese? Ich brauchte Nahrung. Meine Art braucht Nahrung, in jeder Hülle. Habe ich Euch beleidigt? Wolltet Ihr diese hier für Euch? Dann erflehe ich Eure Verzeihung. Aber dieser Ort ist voll von ihnen und Ihr scheint nicht viel zu brauchen. Ich bin sicher…“

„Hör auf!“ Jedes Lachen, jedes Gefühl war aus der Stimme verschwunden, mit Ausnahme eines einzigen. „Du hast mich umgebracht. Und Du hast Kat umgebracht. Du wirst diesen Ort niemals verlassen.“

Langsam begriff der Hohepriester. Dies war kein Meister, kein Dämon, kein Wächter oder sonst einer mit Macht. Es war eines seiner Opfer. Er glaubte sogar zu wissen, welches. Er fand dazu etwas in der Erinnerung seines Wirtes.

Kat. Das war der Name der Weiblichen, die er zuerst getötet hatte. Also musste dies der Männliche sein, mit dem sie sich zuvor gepaart hatte. Er fand den Namen schnell.

„Stephan.“

„Jaaaaaaaaaaa!“ Hunger war in der Stimme. Der Hohepriester war verwirrt. Wie konnte ein solches Wesen Macht haben? Voll Zorn ging er auf den Sklaven zu, der immer noch starr und mit offenem Mund dastand.

„Aus dem Weg. Fliehe vor mir. Aus dem Weg.“

Doch als er den starren Sklaven zur Seite schieben wollte, packte ihn dieser und warf ihn mit großer Kraft gegen das Sofa. Der Hohepriester erhob sich, lachte und sprach ein Wort der Macht.

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Das Museum Essentieller Artefakte – Nasenstups-Stab

Es gibt Wissen, ohne das man sehr gut leben kann – aber es ist einfach schöner, wenn man es hat. Zum Beispiel, was ein „Stupseur du Nez“ ist. Sarah lässt uns gottlob nicht im Dunkeln. 🙂

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Ausstellungsstück 098:

Granatverzierter Nasenstups-stab

Seit der menschlichen Frühgeschichte ist bekannt, dass kaum eine Geste so zur zwischenmenschlichen Nähe und Verständigung beiträgt wie ein Stupser auf die Nase. Man tippt dabei sanft mit dem Zeigefinger auf die Nasenspitze des Gegenübers und begleitet das vorzugsweise noch mit einem kleinen Geräuscheffekt, beispielsweise „Bop!“ oder „Mieeep!“

In höheren Schichten galt es allerdings lange Zeit als als ordinär, das Nasenstupsen in der Öffentlichkeit selbst auszuführen. Um dennoch nicht darauf verzichten zu müssen, engagierten einige Adelige am Hof Maria Theresias professionelle Nasenstupser (sogenannteStupseur du nez), die sie auf Bälle und Empfänge begleitet und auf ihren Wink hin ihrer Angebeteten mit großem Gestus und perfekt einstudiertem „Mieeep!“ die Nase stupsten.

Gelegentlich verwendeten sie dazu – bei besonders breiten Bankettischen beispielsweise, oder um zusätzliche Sittlichkeit zu wahren – einen eignes dafür konstruierten Nasenstups-Stab. Das vorliegende Modell stammt vermutlich aus dem aus dem Jahre 1770 und ist…

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