Von einem Museum, einem Piraten und großem Dank

Zum Abschluss der Quarantänegeschichten erzählt uns Sarah ein Crossover Ihrer Geschichten: Alischa, der Pirat, der in alles sieben Weltmeere pinkeln wollte, kommt noch einmal vor, das Museum und das Lexikon und natürlich auch ein Fräulein Niedermaier. Danke Beste. Ich habe mich jeden Tag auf unsere Lagerfeuer gefreut. ❤

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Hey Leute,

und da sind wir also: 77 Geschichteneinträge später, am Ende der Lockdowns, am Ende dieses kleinen Projekts. Wir danken euch beide sehr dafür, dass ihr da wart – für eure Gesellschaft an unserem kleinen Lagerfeuer, für’s Mitlesen, für’s Existieren.

Und ich wiederum danke sehr spezifisch dem Schreckenberg’schem für’s Mit-Mir-Erzählen und Franziska und Jürgen, die dafür gesorgt haben, dass es Alischas Abenteuer jetzt auch als Hörbuch gibt. (Wer’s noch nicht kennt und Lust hat, der findet das famose Teil hier.)

Ab morgen in diesem Blog dann wieder das ’normale‘ Programm, also ‚Sarah quasselt über alles, was ihr so einfällt, über Aquarien im besonderen.)

Zum Abschluss heute ein kleines Cross-Over-Museumsstück, das auch die eingesessenen Adventkalenderempfänger noch nicht kennen. Jetzt wird nämlich endlich mal geklärt, das damals eigentlich mit dem Pinkelnden Piraten und dem Nörgelden Norwegischen Wassereinhorn abgegangen ist.

Ich dank euch,
S.

Ausstellungsstück 89008:

Abgesägte Hornspitze eines Nörgelnden Norwegischen…

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Das Museum Essentieller Artefakte: Krähenkrächzen

Die Krähe ist fort, ihr Krächzen bleibt. Eine kleine Meditation über Zeit, Raum und Bewusstsein – oder einfach nur eine schöne kleine Geschichte von einem schönen Geräusch. Heute in Sarahs Museumskatalog:

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Ausstellungsstück 7145:

Das Krächzen einer Krähe

Wir wissen bis heute nicht, wie die Krähe in unsere Ausstellungssräume gelangt ist. Wir haben es zwar geschafft, sie verletzungsfrei einzufangen und nach draußen zu befördern – ihr Krächzen ist aber hiergeblieben. Es scheint sich besonders im Saal mit den Porzellangeschirren wohl zu fühlen, tanzt dort als Echo zwischen den Vitrinen hin- und her. Manchmal leistet es aber auch unseren Wärtern Gesellschaft und kommentiert mit spöttischem Kreischen alles, was sie tun.

Vor allem unser ältestgedienter Wärter scheint es ihm angetan zu haben, manchmal weicht das Krächzen eine ganze Schicht lang nicht von seiner Seite, folgt ihm von Raum zu Raum. Er sagt aber, es mache ihm nichts aus, denn: „Bittschön, is eh so einsam sonst. A bisserl a Ansprach, des is doch sche.“

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schreckenbergschreibt: Quarantänegeschichte Nr. 76 – Der Ruf, Teil 51

Die Belagerung ist vorbei, die Party lange zu Ende, die Geister fort – bleibt zu erzählen, was danach geschehen ist. Heute erfahrt Ihr, wie es mit unseren drei Überlebenden weiter ging:

Der Ruf – Teil 1, Hintergrund, Rechte

Der Ruf – Teil 2 Der Ruf – Teil 3 Der Ruf – Teil 4 Der Ruf – Teil 5

Der Ruf – Teil 6 Der Ruf – Teil 7 Der Ruf – Teil 8 Der Ruf – Teil 9

Der Ruf – Teil 10 (mit Gewinnspiel)

Der Ruf – Teil 11 Der Ruf – Teil 12 Der Ruf – Teil 13 Der Ruf – Teil 14

Der Ruf – Teil 15 Der Ruf – Teil 16 Der Ruf – Teil 17 Der Ruf – Teil 18

Der Ruf – Teil 19 Der Ruf – Teil 20 Der Ruf – Teil 21 Der Ruf – Teil 22

Der Ruf – Teil 23 Der Ruf – Teil 24 Der Ruf – Teil 25 Der Ruf – Teil 26

Der Ruf -Teil 27 Triggerwarnung: Suizid

Der Ruf – Teil 28 Der Ruf – Teil 29 Der Ruf – Teil 30 Der Ruf – Teil 31

Der Ruf – Teil 32 Der Ruf – Teil 33 Der Ruf – Teil 34 Der Ruf – Teil 35

Der Ruf – Teil 36 Der Ruf – Teil 37 Der Ruf – Teil 38 Der Ruf – Teil 39

Der Ruf – Teil 40 Der Ruf – Teil 41 Der Ruf, Teil 42 Der Ruf – Teil 43

Der Ruf – Teil 44 Der Ruf – Teil 45 Der Ruf – Teil 46 Der Ruf – Teil 47

Der Ruf – Teil 48 Der Ruf – Teil 49 Der Ruf – Teil 50



Der Ruf – Teil 51

EPILOG

You’d not expect that anyone would go and fucking die

(The Pogues, „Drunken Boat“)

Richtung Norden

Sie fuhren schweigend und ziellos. Philip steuerte den Wagen, Britt saß neben ihm, den Sitz ganz nach hinten geschoben, das verletzte Bein ausgestreckt. Philip hatte sie die Treppe hinaufgetragen und später aus dem Haus hoch zum Parkplatz, wie er es versprochen hatte. Nun starrte er auf die Straße vor ihnen. Eine Autobahn, irgendeine zufällige Autobahn, die sie an keinen bestimmten Ort führte. Nur weg. Weg von dort. Maike saß hinter Philip und sah aus dem Fenster. Sie hatte sich bei ihrem Sturz in das Weinregal eine Platzwunde über der linken Augenbraue und einige oberflächliche Schnitte zugezogen. Nichts, was Britt mit Hausmitteln nicht notdürftig hätte behandeln können.

Nach langer Zeit hatten sie den Keller verlassen. Christoph hatten sie dort unten liegen lassen, keiner von ihnen hatte zurückgeschaut auf ihn. Und auf die Axt.

Als sie nach oben kamen, waren die meisten Insekten aus dem Haus verschwunden. Die wenigen verbliebenen machten keine Anstalten, sie anzugreifen. Die Tiere labten sich an den Resten in den Coladosen und Saftflaschen im Wohnzimmer oder krabbelten einfach friedlich vor sich hin. Insekten eben. Mit Vorsicht zu genießen, weil sie stechen konnten. Nicht mehr. Und nicht weniger.

Britt setzte sich mit Maike ins Bad, untersuchte ihre Verletzungen und gab Philip Anweisungen, was er ihr bringen sollte. Er holte die Sachen zusammen und machte sich dann auf den Weg, andere Überlebende zu suchen. Es war ein bitterer Gang und er kam schnell zurück. Khan und Michael hatte er unten am See gefunden, Chris und Simon in der Sauna. Die beiden hatten friedlich ausgesehen, wusste er zu berichten. Kat und Stephan hatte er nicht gefunden, aber dass die beiden tot waren wussten sie ja. Aus erster Hand.

Sie verständigten sich in knappen Worten über die Geschichte, die sie erzählen würden. Im Grunde mussten sie nur Christophs Tod erklären, was mit den anderen geschehen war, war offensichtlich. Niemand würde sie verantwortlich machen können. Was Christoph betraf, so war er eben wahnsinnig geworden, hatte sie in den Keller gejagt und versucht, sie zu töten. Britt hatte ihn dann in Notwehr erschlagen, nachdem er Maike in das Weinregal geschleudert und versucht hatte, Philip zu erwürgen. Sie würden die Geschichte noch ein wenig ausfeilen müssen, aber sie würde plausibel sein. Keine Geister, keine Besessenen, nur ein paar durchgedrehte Insekten und die dünne Linie zwischen Wahnsinn und Vernunft.

Maike bedeckte Bastian und Justus mit Tischdecken. Sie nahmen Abschied, verließen das Haus und sahen nicht zurück. Sie gingen hoch zum Parkplatz, Britt auf Philips Arm, Maike neben ihnen, sie hielt Britts freie Hand. Sie stiegen alle drei in Philips Wagen, völlig selbstverständlich, sie waren die Überlebenden, sie würden sich nicht trennen. Nicht jetzt. Sie fuhren los, ohne Ziel, einfach nur fort, gleichgültig, wohin, für sie gab es nur die Straßen, die sie weiter trugen und weiter und weiter. Eine Tankstelle, mechanische Handlungen, dann weiter, weiter. Irgendwann würde die Straße enden. Dann würden sie eine schreckliche Geschichte erzählen. Doch im Moment kannten sie keine Geschichten. Nur die Straße, das Grau des Asphalts, die anderen Autos, die sie umschwirrten wie Insekten.

Britt legte eine Hand auf Philips Oberschenkel, er drehte sich zu ihr und lächelte. Vom Rücksitz kam Maikes Hand und legte sich auf ihre. Britt wandte sich zu ihr und auch sie lächelte, unter Tränen. Britt fühlte, wie ein wenig Leben in sie zurück tropfte, schloss die Augen und seufzte. Sie hatten überlebt.

FORTSETZUNG FOLGT





Übrigens: Dieses Bild aus dem Epilog, die drei Menschen im Auto, die ziellos und unzertrennlich vom Ort des Schreckens weg fahren, war das allererste Bild, das von der Geschichte existierte. Ich habe hier schon einmal etwas zur Entstehungsgeschichte des Romans geschrieben. Die reale Party war Ausgangspunkt und Inspiration, das ist richtig, aber der Beginn der GESCHICHTE (und damals, vor mehr als 30 Jahren, noch der Beginn des PROloges) war dieses Bild, diese Situation.



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Das Museum Essentieller Artefakte: Damenschuh

Sarahs Rückblick auf 75 Geschichten – und ein Katalogeintrag mit dem sie uns erzählt, wie Dämonen AUCH sein können.

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Hey Leute,

das ist heute die 75. igste Quarantänegeschichte. Die Welt ist nicht mehr ganz diesselbe wie noch vor zweieinhalb Monaten, als ich die erste Geschichte hier gepostet und dann zehn Minuten später eine Whatsapp von einer Freundin bekommen habe: „Bist du noch in Deutschland?! Die machen die Grenzen zu!“

Zweieinhalb Monate seit einer überhasteten Abreise von meinem besten Freund, seit einem Abschied an einem menschenleeren Kölner Bahnhof. Nur ein paar Soldaten waren da. Zweieinhalb Monate vor einer beklemmenden Nachtfahrt in einem Zug mit klappriger ungarischer Garnitur und voller besorgter Gesichter. Ich bin jede Stunde aufs Klo gegangen, Händewaschen, und nachdem es dort keine Seife mehr gab, nur sehr scharfes Desinfektionsmittel, haben meine Knöchel am Ende der nacht geblutet.

Zweieinhalb Monate, seit ich mit meinem Vater am Telefon heftig gestritten hab, weil meine Familie wollte, dass ich in Oberösterreich aussteige und heimkomme, um den Sturm in mein Elternhaus auszusitzen –…

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schreckenbergschreibt: Quarantänegeschichte Nr. 75 – Der Ruf, Teil 50

Hallo, schön dass Ihr wieder hier seid, um gleich ein doppeltes Jubiläum mit uns zu feiern. Denn heute erzählen Sarah und ich Euch unsere jeweils 75. Quarantänegeschichte – und „Der Ruf“ geht in die 50. Episode. Mit dieser Episode endet die Geschichte der Party und der Belagerung – morgen und übermorgen erzähle ich Euch noch den Epilog.

Der Ruf – Teil 1, Hintergrund, Rechte

Der Ruf – Teil 2 Der Ruf – Teil 3 Der Ruf – Teil 4 Der Ruf – Teil 5

Der Ruf – Teil 6 Der Ruf – Teil 7 Der Ruf – Teil 8 Der Ruf – Teil 9

Der Ruf – Teil 10 (mit Gewinnspiel)

Der Ruf – Teil 11 Der Ruf – Teil 12 Der Ruf – Teil 13 Der Ruf – Teil 14

Der Ruf – Teil 15 Der Ruf – Teil 16 Der Ruf – Teil 17 Der Ruf – Teil 18

Der Ruf – Teil 19 Der Ruf – Teil 20 Der Ruf – Teil 21 Der Ruf – Teil 22

Der Ruf – Teil 23 Der Ruf – Teil 24 Der Ruf – Teil 25 Der Ruf – Teil 26

Der Ruf -Teil 27 Triggerwarnung: Suizid

Der Ruf – Teil 28 Der Ruf – Teil 29 Der Ruf – Teil 30 Der Ruf – Teil 31

Der Ruf – Teil 32 Der Ruf – Teil 33 Der Ruf – Teil 34 Der Ruf – Teil 35

Der Ruf – Teil 36 Der Ruf – Teil 37 Der Ruf – Teil 38 Der Ruf – Teil 39

Der Ruf – Teil 40 Der Ruf – Teil 41 Der Ruf, Teil 42 Der Ruf – Teil 43

Der Ruf – Teil 44 Der Ruf – Teil 45 Der Ruf – Teil 46 Der Ruf – Teil 47

Der Ruf – Teil 48 Der Ruf – Teil 49


Der Ruf – Teil 50

Die Stimme der Weiblichen. Und keine Schwäche darin, diesmal, was…

Der Hohepriester begriff zu spät. Er verstand erst, als der erste Schlag ihn verfehlte und die Waffe neben ihm in den Boden schlug. Er erkannte sie. Eine uralte Form. ‚K’tak‘, dachte er ‚sie hat ein K’tak, woher…‘

Der Stiel der Waffe traf ihn, als die Weibliche das K’tak wieder hochriss und die Wucht des Schlages drückte ihn hoch, weg vom Hals seines Feindes. Er drehte sich um, sah hoch und sah, wie das Blatt der Waffe auf ihn herunterfuhr. Er hörte, wie der verrottete Stahl in den Schädel seines Wirtes fuhr und sich tief hineinfraß. Ein Auge erlosch. Die babbelnde Stimme im Hintergrund wurde für einen Moment klar und lachte höhnisch und erlosch dann auch, und er versuchte fieberhaft, all die Verletzungen zu heilen, doch es waren zu viele, zu viel war zerstört. Zu viele Schäden. Zu wenig Zeit.

Und langsam, langsam begriff der Hohepriester das Unmögliche.

Nicht nach all der Zeit.

Nicht nach all den Siegen.

Und doch… Er würde diesen zerstörten Körper verlassen müssen. Und er wusste, was dort draußen auf ihn wartete.

Stephan verstand erst, als die Hände des Dings sich von Philips Hals lösten. Er sah Britt, die mit erhobener Axt über ihnen stand. Dann sauste die Axt hinunter, drang in den Schädel ein und Christoph kippte zur Seite. Britt ließ die Axt los und brach neben ihnen zusammen.

Hatte er einen Fehler gemacht? Hätte er sie einweihen sollen?

Nein, entschied Stephan, es war alles gut, so wie es gekommen war.

Er sah, wie Christoph starb. Er hatte alles richtig gemacht. Alles war gut.

Ich gehe jetzt. Danke.‘

Die Antwort war eisiges Schweigen, aber Stephan wusste, dass Philip noch lebte. Es war knapp gewesen. Er verließ seinen Freund, er hatte noch eins zu tun und der Gedanke erfüllte ihn mit heißer Freude. Und dann würde er zu den Toten gehen. Zu ihr.

Er drehte sich zu Christoph und sah den Feind herauskommen. So klein. So kraftlos.

Mit einem hungrigen Brüllen fiel Stephan über den Hohepriester her.

Britt sah etwas wie Hitzeflimmern in der Luft über Christophs Leiche, dann war es vorbei. Es war vorbei und sie hatten es überlebt.

Er ist fort. Danke Britt. Danke und leb wohl.‘

„Du hättest ihn sterben lassen! “, schrie sie. „Ich hasse Dich, ich verfluche Dich! Fahr zur Hölle!“

„Britt.“

Sie fuhr herum und sah, dass Philip sich langsam erhob. Sein Gesicht sah entsetzlich zerschlagen aus und am Hals hatte er große, rote Flecke. Sie kroch zu ihm, mit Laufen war es erstmal vorbei, und barg ihn in ihren Armen. Sie hielten sich, stumm. Irgendwann hörten sie ein Stöhnen unter der Treppe. Maike rappelte sich auf, taumelte zu ihnen. Sie sprachen. Sie saßen auf dem Boden und sahen hoch zu der offenen Kellerluke.

Zum Licht.

FORTSETZUNG FOLGT

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